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Full text of "Jus primae Noctis: Eine geschichtliche Untersuchung"

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JUS 

PRIMAE NOCTIS. 



Eine geschichtliche Untersuchung, 



Von 






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Dr. Karlyi Schmidt, 

Oberlandesgerichtsrath zn Golmar i. £. 



♦♦♦ 



Freibnrg im Breisgan. 

Herder'sche Verlagshandlung. 

1881. 

ZweiguiederlasBungen in Strasshurg, München und St. Louis, Mo. 



JUS 

PEIMAE NOCTIS. 



Eine geschichtliche Untersuchung. 



Von 



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\/ 



Dr. Karlyi Schmidt, 

Oberlandesgerichtgrath zn Golmar i. £. 



♦♦» 



.7 

Freiburg im Breisgau. 

Herder'sche Verlagshandlung. 

1881. 
ZweiguiederlasBungen in Strassbtirg, München und St, Louis, '^q. 



IV Vorrede. 

Dank auszudrücken. Besonders habe ich dem Herrn Archivdirector 
Dr. H. Pfannenschmid zu Golmar zu danken, dass derselbe mich 
nicht nur seit Beginn der Untersuchung zur Ausdauer ermuntert 
und mit dem reichen Schatz seiner gelehrten Kenntnisse zu j 
manchen Hauptquellen hingeleitet, sondern auch bei der ge- — 
sammten Gorrectur unterstützt hat. 

Es wird leicht sein, der vorliegenden Arbeit erhebliche Mänge 
vorzuwerfen. Zunächst wird die Schreibart Manchem als trocke 
und schwerfallig erscheinen ; doch erklärt sich dies dadurch, dass 
ich, um die Erkenntniss der Wahrheit zu fördern, unter Ver- 
meidung polemischer Erörterungen, jede Behauptung moderner 
Schriftsteller einer ernsten und nüchternen Prüfung unterziehen 
zu müssen glaubte. Ferner wird der Leser vielleicht bei Durch- 
sicht des Buchs den Eindruck gewinnen , dass für einige Fragen 
(z. B. über Heirathsabgaben) ein übermässig reichliches Material 
zusammengetragen sei; doch lässt sich hierauf erwiedern, dass 
mancher Gesichtspunkt, der dem Einen als minder wichtig er- 
scheint, von Andern für den Schwerpunkt der ganzen Unter- 
suchung gehalten wird, und dass ein Uebermass urkundlicher 
Nachweisungen unschädlich ist, da der Leser die Ausführungen, 
die ihm entbehrlich erscheinen, überschlagen kann. Endlich liegt 
in der Natur der Sache Qrund zur Besorgniss, dass mir einige 
Quellen der Geschichte und Sage verborgen geblieben sein mögen. 
Allein auf Orund von etwa sechshundert Druckwerken mit nahezu 
fünfhundert Urkunden, und auf Grund der Belehrungen von 
dreissig bis vierzig Fachgelehrten, glaubte ich die Arbeit, wie sie 
vorliegt, schon jetzt veröffentlichen zu dürfen; denn die Fülle 
des benutzten Materials schien eine ausreichende Gewähr dafür 
zu bieten, dass eine weitere Forschung schwerlich zur Erschüt- 
terung des Sclilussergebnisses, sondern nur zur Berichtigung von 
, Einzelheiten führen würde. Gleichwohl ist die möglichste Auf- 
klärung nach allen Richtungen wünschenswerth ; daher werde ich 



Vorrede. v 

mit gebührendem Dank jede Mittheilung entgegennehmen, die 
dazu dienen kann, Irrthümer zu berichtigen und über die an- 
geregten Fragen mehr Licht zu verbreiten. 

An alle diejenigen Gelehrten der Gegenwart, deren Lehren 
oder Meinungen bezüglich des jus primae noctis hier bekämpft 
sind, ergeht die dringende Bitte um strenge Prüfung der beider- 
seitigen Ansichten, unter Berücksichtigung der in diesem Buch 
mitgetheilten Quellen, soweit dieselben ihnen bisher unbekannt 
waren. Diese Bitte richtet sich namentlich an folgende Herren, 
und zwar in Deutschland an Professor Dr. Adolf Bastian zu 
Berlin, Dr. Jacob Buchmann zu Breslau, Professor Dr. Christian 
Adolph Helflferich zu Schaffhausen in Württemberg, Dr. Henne-Am 
Rhyn zu Gohlis bei Leipzig, Landesrabbiner Dr. L. Herzfeld zu 
Braunschweig, Dr. Georg Friedrich Kolb zu München, Dr. Albert 
Hermann Post zu Bremen, Dr. Wilhelm Schaffner zu Frankfurt 
a. M. und Professor Dr. Karl Weinhold zu Breslau; in ester- 
reich an Dr. Adolph Jellinek und M. Kulischer, Beide zu Wien; 
in Belgien an Professor Dr. Franz Laurent zu Gent und Dr. 
Felix Liebrecht zu Lüttich; in England an Dr. James Stephen 
(Professor of English Law at King's College); in Frankreich 
an M. Joseph Eugene Bonnemere zu Paris, M. Jules Delpit 
(Membre de TAcademie de Bordeaux) zu Bordeaux, Dr. M. A. 
L. F. Giraud-Teulon (Membre de TAcademie de medecine) zu Paris, 
M. Leon de Labessade zu Paris, M. Edouard Rene Lefebvre Labou- 
laye (Senateur et Membre de l'Institut) zu Paris, M. G. Bascle de 
Lagreze (Conseiller k la Cour d'appel de Pau), M. G. J. B. E. 
W. Legouve (Membre de l'Institut) zu Paris, M. Jules Pinard 
' (Professeur d'histoire au lycee Condorcet) zu Paris und M. Victor 
Yallein (Bedacteur en chef de Tlndependant du departement de 
la Charente Inferieure) zu Saintes; in Spanien an D. Amalio 
Marichalar Marques de Montesa und D. Cayetano Manrique zu 
^drid; in Italien an Professor Dr. Angelo de Gt\sJöeTwa^L\^ tajl 



"VI Vorrede. 

Florenz; in der Schweiz an Professor Dr. Job. Jac. Bachofen 
zu Basel und Professor Dr. Johannes Scherr zu Zürich. Auch 
empfiehlt sich die Beachtung dieser Untersuchung für die 6e- 
lehrten, denen die Fortsetzung der Werke von Dalloz, Littr6 und 
Mozin-Peschier obliegt, sowie für die Redaktionen derjenigen 
öffentlichen Blätter, in denen die hier bekämpften Ansichten ver- 
theidigt wurden. Die letztere Bemerkung bezieht sich namentlich 
in Deutschland auf die Allgemeine Zeitung, den Deutschen Mer- 
kur (Organ für katholische Reformbewegung), die Zeitschrift für 
deutsche Philologie, Orient und Occident, Im neuen Reich und 
das Archiv für Anthropologie, sowie in Frankreich auf das 
Journal des Debats, Le Siecle, Le Droit (Journal des Tribunaux) 
und die Archives Israelites. 

Das auf Seite XIII — XXiIII mitgetheilte Verzeichniss der 
benutzten Bücher, nebst Notizen über die Lebenszeit der Ver- 
fasser, wird zur Erleichterung der Kritik und weiterer Unter- 
suchungen nützlich sein. 

Golmar im Elsass,1m Juni 1881. 



Dr. Karl Schmidt. 



Inhalt. 



Seite 

Vorrede i in 

Titel 4er benutzten Bttcher, mit Angaben über die Lebenszeit der 

Verfasser xm 



Erster Abschnitt. 

Darstellnng und Benrtheilimg der modernen Tlißorieen über das 

jus primae noctis. 

J. Einleitung. Art der Beweisführung. 

A. Behauptungen moderner Schriftsteller, Kap. 1 1 

B. Charakteristik moderner Beweisführung, Kap. 2 . . . . 6 

C. Etymologie, Kap. 3 13 

D. Geschichtliche Notorietät, Kap. 4 16 

E. Lebendige Ueberlieferung, Kap. 5 21 

//. Theorieen Ober Wirkung des jus primae noctis im Erbrecht, 

Kap. 6. 

1. Vorzug des zweiten Sohnes 24 

2. Vorzug des jüngsten Sohnes (Minorate) . . . . . . 27 

3. Vorzug des Schwestersohnes 32 

III. Theorieen Über Ursprung und Entuncklung des Jus primae 

noctis. 

• 

A. Hetärismus und Häuptlingsrecht, Kap. 7 36 

B. Heidnisches und christliches Priesterthum, Kap. 3 .... 43 

C. Sklaverei und Feudalität, Kap. 9 . 47 

D. Brutalität des Mittelalters, Kap. 10 . 51 

E. Droit de cuissage oder jambage, Kap. 11 54 

F. Heirathsbeschränkung der Vasallen und Hörigen, Kap. 12 . . 56 
6. Heirathsabgaben (im Allgemeinen), Kap. 13 . . . . . 64 



yni Inhalt. 



IV. Heirathsabgaben in den einzelnen europäischen Ländern, 

A. In Grossbritannien: 

1. Wales, Kap. 14 86 

2. Schottland, Kap. 16 IS 

3. England, Kap. 16 SB 

4. Irland, Kap. 17 flO 

B. Heirathsabgaben in Frankreich: 

1. Normandie, Kap. 18 9i 

2. Andere Provinzen Frankreichs, Kap. 19 . . . ' . . 91 
G. Heirathsabgaben in den Niederlanden: 

1. Belgien, Kap. 20 103 

2. Holland, Kap. 21 108 

D. Heirathsabgaben in Deutschland, Kap. 22 . . . ; . 113 

1. Urkunden über Begründung und Anerkennung von Heiraths- 

abgaben 118 

2. Besondere Namen zur Bezeichnung von Heirathsabgaben . . 125 
£. Heirathsabgaben in Oesterreich-Ungarn, Kap. 23 ... . 137 

F. Heirathsabgaben in Italien, Kap. 24 138 

G. Heirathsabgaben in Spanien, Kap. 25 139 

H. Heirathsabgaben an Kameraden des Bräutigams, Kap. 26 . . 140 

V. Vorschriften über die Hochzeitsnacht. 

A. Religiöse Vorschriften, Kap. 27 146 

B. Staats- und privatrechtliche Bestimmungen, Kap. 28 . . . 158 






Zweiter Abschnitt. 

Darstellung und Beurtheilnng der einzelnen Naohriohten über das 

jns primae noctis. 

A. Galt das jus primae noctis im Alterthum? 

I. Asien: 

a. Palästina und Babylon: 

1. Eine im Talmud erwähnte Nachricht, Kap. 29 . . . 163 

2. Veranlassung des Aufstandes der Makkabäer. Kap. 30 168 

b. Arabien: 

1. Verordnung des Königs Sharahbil von Saba, Kap. 31 . 1.76 

2. Untergang der Araberstämme Tasm und Djedis, Kap. 32 . 180 

II. Africa: Herodot's Nachricht über die Adyrmachiden, Kap. 33 . 189 

III. Europa: 

a. Griechenland: Ein Tyrann von Kephalonia, Kap. 34 . 189 

b. Römisches Reich: 

1. Herrschaft der Sklaven zu Volsinii, Kap. 35 . . . 190 



Inhalt. IX 

Seite 

2. Ein Gesetz des' Kaisers Callgula, Kap. 36 . . . . 191 

3. Eine Massregcl des Kaisers Maximin, Kap. 37 . 192 
c. Nord-Europa: 

1. Eine Stelle des Rtgsroal-Liedes, Kap. 38 .... 194 

2. Eine Nachricht von Solinus über die Hebriden, Kap. 39 . 195 

3. Ein Gesetz des Königs Evenus III. von Schottland, Kap. 40 196 

4. Veranlassung der Schlacht von Gabhra in Irland, Kap. 41 206 

B. Galt das jus primae noctis im Mittelalter? 

I. Indien: 

a. Untergang der Stadt Harapa, Kap. 42 212 

b. Recht des Königs von Tsiampa, Kap. 43 214' 

c. Buddha-Priester in Cambodja, Kap. 44 21^ 

d. Brahmanen in Ostindien, Kap. 45 215 

II. Russland: 

Eine Chronik über „das Fürstliche", Kap. 46 .... 221 

IH. Deutschland und Schweiz: 

a. Unbestimmte Nachrichten aus Deutschland, Kap. 47 . . 225 

b. Aufstand gegen die Zwingherren von Ravenstein, Kap. 48 . 228 

c. Aufstand gegen die Zwingherren von Yatz, Kap. 49 . 228 

IV. Oesterreich: 

Aufstand gegen Gundobald von Pergine (Fersen) in Süd-Tirol, 

Kap. 50 230 

V. Italien (Piemont) : 

a. Privileg des Hauses della Rovere, Kap. 51 . . . . 239 

b. Veranlassung der Gründung von Nizza della Paglia, Kap. 52 . 239 

c. Aufstand gegen die Herren von Prelley und Parsannl, Kap. 53 241 

VI. Frankreich: 

a. Gewohnheitsrechte: 

1. Recht der Kanoniker zu Lyon, Kap. 54 ... . 244 

2. Droit de braconnage des Herrn von Mareuil, Kap. 55 . 247 

3. Recht der Aebie von Mont-Saint-Michel über die Bauern 

von Verson, Kap. 56 250 

4. Recht des Grafen Guido von Chätillon zu F6re, Kap. 57 . 252 

5. Recht des Herrn von Larivi^re-Bourdet, Kap. 58 . . 253 

6. Die alte Cöutume von Burgund, Kap. 59 . . . 254 

7. Der „acte de repret" in der Franche-Comt6, Kap. 60 255 

8. Recht in der Gascogne, Kap. 61 258 

b. Gerichtliche Entscheidungen: 

1. Urtheil des Gross-Seneschalls von Guyenne vom 13. Juli 

1302, Kap. 62 259 

2. Prozess der Bischöfe von Amiens vor dem Parlament zu 
Paris, Kap. 63 * ... 267 

3. Prozess des Abts von Rebais vor dem Parlament zu Paris, 

Kap. 64 ^'^^ 



X Inhalt. 

4. Urtheil des Parlaments zu Bordeaux vom Jahr 1468, Kap. 65 

5. Prozess der Lehnsherren der Auvergne, Kap. 66 
c. Kämpfe und Aufstände : 

1. Historial du Jongleur. Kap. 67 . 

2. Aufstand gegen Richard IL, Herzog der Normandie, und 
gegen den Grafen Des Yertus, Kap. 68 ... 

3. Aufstand gegen die Abtei Montauriol und QrUndung von 
Montauban, Kap. 69 

Vn. Spanien: 

a. Catalonien: Schiedsurtheil des Königs Ferdinand vom 21. April 

1486, Kap. 70 

b. Navarra. Aragon, Castilien und Oalicien, Kap. 71 . 

Ym. danarische Inseln. Häuptlingsrecht, Kap. 72 . . . 

C. Galt das jus primae noctis in der Neuzeit? 

I. Asien: 

a. Der Chodscha (Priester) bei den Dusik-Kurden, Kap. 73 

b. Israeliten und Nestorianer in Kurdistan, Kap. 74 . . . 

c. Könige und Brahmanen in Ostindien, Kap. 75 . 

d. Häuptlingsrecht auf den Andamanen, Kap. 76 . 

e. Die Orang-Sakai auf Malakka und die Bewohner der östlichen 

Molukken, Kap. 77 

n. Europa: 

a. Frankreich: 

1. Gewohnheitsrechte: 

a. Die Goutumes vom Jahr 1507 aus dem Amt Amiens, 

Kap. 78 

ß. Recht des Herrn von Lobier in Bearn, Kap. 79 . 
y. Recht des Herrn von Bizanos in B^arn, Kap. 80 . 
0. Recht in Rigor re, Kap. 81 

2. Gerichtliche Entscheidungen: 

a. Prozess eines Pfarrers vor dem Metropolitangericht zu 
Bourges, Kap. 82 

ß. Prozess des Klosters Sanct-Stephan zu Nevers vor dem 
Parlament von Paris, Kap. 83 

7. Prozess über Rechte der Herren von Souloire vor dem 
Parlament zu Paris, Kap. 84 ..... 

h. Prozess des Grafen von Montvallat vor dem Gerichts- 
hof der Grands-Jours von Clermont, Kap. 85 

b. Italien: 

1. Gesetz des Grossherzogs Cosmo HI. von Toscana vom Jahr 
1691, Kap. 86 

2. Gesetz des Königs Ferdinand lY. beider Sicilien vom Jahr 
1785, Kap. 87 

c. Schweiz: 

Zwei ^Vei3thüme^ von 1538 und 1543, Kap. ^8 . -. 



Inhalt. XI 

Seite 
d. Russland: 

Ereignisse des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts, 

Kap. 89 355 

in. Amerika: 

a. Droit de cuissage in Canada, Kap. 90 356 

b. Gaziken und Pajös in Mittel- und Sttd-Amerika, Kap. 91 ^. 357 

IV. Australien: 

Die Ulitaos auf den Marianen, Kap. 92 364 



Dritter Abschnitt. 

Rückblick nnd Ergebniss. 

A. Rückblick, Kap. 93 365 

I. Berichte und Sagen: 

1. Nachrichten über Defloration der Bräute durch Priester oder 
Häuptlinge 365 

2. Sagen über Deflorirung der Bräute durch Tyrannen . . 367 

3. Eine Sage über die Fenier Irlands 369 

4. Sagen der Neuzeit über Entstehung von Heirathsabgaben 369 

5. Sagen der Neuzeit über Aufstände wegen des jus primae 
noctis 371 

6. Sagen der Neuzeit über Prozesse wegen des jus primae 
noctis 372 

7. Sagen der Neuzeit von Urkunden über das jus primae 
noctis 372 

8. Sagen der Neuzeit über herkömmliche Schändungsrechte 

des Mittelalters 373 

n. Urkundenbeweise: 

1. Gesetze 373 

2. Urkunden über Gewohnheitsrechte 374 

3. Gerichtliche Entscheidungen 376 

B. Ergebniss, Kap. 94 379 



Register. 



I. Urkunden-Register 381 

n. Namen-* und Sachregister 383 

Berichtigungen und Nachträge . . 397 



.- 



•I 

■1 






i 



Titel der benutzten Bücher, 

mit Angaben über Lebenszeit der Verfasser, 



Abnlfangins. Abu'l Farag (geb. 1221, st. 1286 oder 1305). S. Pocock. 
Abulfeda. Abulfedae historia Anteislamica , arabice, edidit, versione latina, 

notis et indicibus auxit Henrlcus Orthobius Fleischer, Lipsiae 1831. 

(Abulfeda Ismael iil. Ali, fil. Mahmudi, fil. Muhammedis, iil. Omari, fil. 

Scbahinschahi, fil. Jobi, geb 1273, st. 1382 oder 1347.) 
Aoademie der Wissenschaften, bayerische, s. v. Hormayr, v. Martius. 

— französische, s. Berger de Xivrey, Dict. Acad., Lagrdze (1864), M6m. Aead., 
Mignet, Sacy. 

— österreichische, s. Chabert und Wolf. 

— russische, s. Melanges Asiatiques und Steinschneider (1867). 

AA. SS. Acta Sanctorum der BoUandisten , nach den Tagen des Kalenders 
geordnet, insbes. Acta Sanctorum Aprilis, collecta, digesta, illustrata a 
Qodefrido Henschenio et Daniele Papebrochio (geb. 1628, st. 1714) e S. J., 
Bd. 3, Antverp. 1675; Acta Sanctorum Junii, Bd. 2, Antverp. 1698; Acta 
Sanctorum Septembris, Bd. 6, Antverp. 1757. 

Aett of the Pari, of Sootl. The acts of the Parliaments of Scotland , printed 
by command of Her Majesty Queen Victoria, in pursuance of an address 
of the House of Commons of Great Britain, vol. I, London 1854, fol. 

AeneM SÜTiuf. Aeneas Silvius, episcopus Senensis, postea Pius Papa IT (geb. 
1405, St. 1464), Historia Rerum Friderici tertii Imperatoris, Argentorati 
1685. 

Albirani. The chronology of ancient nations, an english version of the arabic 
text of the Athär-ul-Bakiya of AlbtrCln!, or „vestiges of the past", col- 
lected and reduced to writing by the Author in A. H. 390—1, A. D. 1000, 
translated and edited by Dr. C Edward Sachau, London 1879. (Abu- 
Raihän Muhammad b. Ahmad Alblr&nt, geb. zu B^rün, einer Vorstadt 
von Khiwa. am 4. Sept. 973, st. 11. Dec. 1048) 

Allg. Lit. Ans. Allgemeiner Literarischer Anzeiger, oder Annalen der ge- 
sammten Literatur u. s. w. , Bd. 2, Leipzig, Jahrg. 1797, und Bd. 5 
Jahrg 1800. 

Allibone. S. Austin Allibone, A critical Dictionary of English Literature, and 
British and American Authors, 3 Bde , Philadelphia & London 1859 — 1872. 

Alleury. Louis Alloury, im Journal des Debats vom 2. Mai 1854. 

Amans. S. Saint- A maus. 

Aneient laws of Wales (Ausg. 1841). Ancient laws and Institutes of Wales; 
composing laws supposed to be enacted by Howel the Qood, modified by 
subsequent regulations under the native princes prior to the conquest by 



XIV Titel der benutzten Bücher. 

Edward the first etc. with an English translation. Printed by command of 

Hls late Maje8ty King William IV, London 1841. Vgl. Hoeli Boni lege». 
AnderBon. John Anderson, Enquiry into the origin of the Mercheta Muliemm, 

a letter from Edinburgh 13. Dec. 1825, in : Archaeologia Scotica or Trans- 

actions of the Society of Antiquaries of Scotland, vol. 3, Edinburgh 1831, 

S. 56—73. 
Andree. Richard Andree, Allgemeiner Handatlas mit erläuterndem Text, Biele- 
feld und Leipzig 1880. 
Aiuelin. P. Anselme de Sainte-Marie (geb. 1625, st. 1694), Histoire g^n^a- 

logique et chronologique de la maison royale de France etc., tome I, 

Hist. des mar^schaux de France, Paris 1712. 
Ans. d. Vom. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, Neue Folge, Organ 

des germanischen Museums, Jahrg. 1859 (Bd. 6) und 1861 (Bd. 8). 
Arohaeologia. Archaeologia, or miscellaneous tracts relating to Antiquity, pub- 

lished by the Society of Antiquaries of London, Bd. 12, London 1809. 
Arehaeol. Joorn. The Archaeological Journal, published under the direction of 

the central committee of the Archaeological Institute of Great Britain and 

Ireland, Bd. 12, London 1855. 
Aroh. f. Anthrop. Archiv für Anthropologie, Zeitschrift für Naturgeschichte 

und Urgeschichte des Menschen, Organ der deutschen Gesellschaft für 

Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, 11. und 12. Bd., Braun- 
schweig 1879 und 1880. 
Aroh. f. Sohwoii. Gosoh. Archiv für Schweizerische Geschichte, herausgegeben 

auf Veranstaltung der allgemeinen geschichtsforschenden Gesellschaft der 

Schweiz, Bd. 11, Zürich 1856. 
Aroh. hist. Gir. Archives historiques du d^partement de Gironde, Bd. 4, Paris 

et Bordeaux 1863. 
Aroh. Israel. Archives Isra^lites, Recueil religieux, moral et litt^raire, sous 

la direction de M. Samuel Cahen (geb. 4. Aug. 1796, st. 8. Jan. 1862), 

Ann6e 1856, tome 17, Paris 1856. 
Arnold, Ohr. Christoph Arnold (st. 1697), Anmerku'ngen zu: Abraham Roger, 

Offne Thür zu dem verborgenen Heydenthum, aus dem Niederländischen, 

Nürnberg 1663. 
Arnold, W. Wilhelm Arnold (Prof. in Basel), Zur Geschichte des Eigen- 

thums in den deutschen Städten, mit Urkunden, Basel 1861. 
Arx. Ildefons v. Arx (geb. 1755, st. 1833), Geschichten des Cantons St. Gallen, 

St. Gallen 1810 und 1811. 
Astlo. Thomas Astle (geb. 1734, st. 1803), On the tenures, customs etc. of 

his manor of Great Tey, A letter read in the Society of Antiquaries of 

London, may 22, 1794, in Archaeologia, Bd. 12, S. 25 ff. 
S. Augustinus. D. Aurelii Augustini Hipponensis episcopi (geb. 13. Nov. 354, 

St. 28. Aug. 430) ad Marcellinum de civitate Dei contra paganos lib. 5, 

in der Ausg. Basileae 1512 in fol. 
Automne. Bernard Automne (geb. 1567, st. 1666), Commentaire sur les coutumes 

g^n^ralles de la ville de Bourdeaus et pays Bourdelois, Bourdeaus 1621. 
Auaannet. Oeuvres de M. Barth61emy Auzannet (geb. 1591, st. 1673) conte- 

nant ses notes sur la coutume de Paris etc., Paris 1708. 
Baohofon. Joh. Jac. Bachofen , Das Mutterrecht , eine Untersuchung über die 

Gynaikolcratie der alten Welt nach ihrer religiösen und rechtlichen Natur, 

Stuttgart 1861. 



Titel der benuizten Bücher. XY 

^4gar 8. unter Yarthema. 

^by. Indiae Orientalis pars septima, Francof. 1606, S. 43—126, Naviga- 
tionis ex Aleppo ad regnum Pegui usque, novem continuis annis a Ca- 
sparo Balby et aliis absolutae descriptio. (Caspar Balby war in Indien 
Ton 1579—1688.) 

^u. Laot. Steph. Baluzli Tutelensis (geb. 24. Dec. 1630, st. 28. Juli 1718) 

• notae ad Lactantium, rec. Bauldri, Traj. 1692. 

— Reg. Steph. Baluzii Tutelensis notae ad Reginonem im Anhang zu der 
Ausg. von Regino (s. Regino). 

Birbier. Ant. Alex. Barbier (geb. 11. Jan. 1765, st. 5. Dec. 1825), Dictionnaire 

des ouvrages anonymes, 3® 6d. Paris 1872 ff. 
Barbosa. CollecQäo de Noticias para a historia e geografia das na^oes ultra- 

marinas que viven nos dominios portuguezes, ou Ihes säo visinhas, publi- 

cada de la Academia real das sciencias, tomo II, num. VII, Livro de 

Dnarte Barbosa, Lisboa 1813. (Duarte Barbosa, st. 1. Mai 1521, war 

seit 1516 in Indien.) 
Barth61emy. Anatole Jean Bapt. Ant. de Barthölemy (geb. 1. Juli 1821), Le 

droit du seigneur, in der Revue des questions historiques, vol. I, Paris 1866, 

S. 95—123. 
Bastian. Adolph Bastian (geb. 26. Juni 1826), Die Rechtsverhältnisse bei 

verschiedenen Völkern der Erde, Berlin 1872. 
Banrein. Vari^t^s Bordeloises, par Tabb^ Baurein. N. ^d., Bd. 3, Bordeaux 1876. 
Bayle. Pierre Bayle (geb. 1647, st. 1706), Dictionnaire historique et critique 

(erschien zuerst 1697), cinquiSme Edition, Amsterdam etc. 1740, 4 Bde. 
BeanmarohaU. Pierre Augustin Caron de Beaumarchais (geb. 24. Jan. 1732, 

st. 19. Mai 1799), Le Mariage de Figaro, ou la Folie Journ^e, com^die en 

cinq actes (in vielen Ausgaben). 
Beaiimont, The works of Mr. Francis Beaumont (st. 1615) and Mr. John Flet- 

eher (geb. 1576, st. 1625), in ten volumes by Mr. Theobald, Mr. Seward 

• and Mr. Sympson, Lond. 1750, Bd. 2, The custom of the Country (von 1616). 
Beaurepaire. Charles de Beaurepaire, Charte portant abolition du droit de 

„culagium" dans le fief de Pierrecourt, in der Biblioth^que de T^cole des 

chartes, 18« ann6e, 4« s^rie, tome 3, Paris 1857, S. 167, 168. 
Beaed. XIV. Benedict! Papae XIV. (Prosper Lorenz Lambertini, geb. 31. März 

1675, st. 3. Mai 1758), De synodo dioecesana, Bd. 1, Aug. Vind. 1769. 
BmStJ (Ind.). Theodor Benfey (geb. 23. Jan. 1809), Indien, bei Ersch und 

Gruber, Bd. 17, Leipzig 1840. 

— • (Or. u. Occ). Theodor Benfey, Orient und Occident, Vierteljahrsschrift, 

Göttingen. 

Beiyamin. Israel Joseph Benjamin aus Foltitscheny in der Moldau, Acht Jahre 
in Asien und Afrika, von 1846—1855, 2. Aufl. Hannover 1858. 

Btrger de Xivrey. Rapport fait k TAcad^mie des Inscriptlons et Belles-Lettres, 
au nom de la Commission des Antiquites de la France, par M. Berger de 
Xivrey, lu dans la s^ance publique annuelle du vendredi 18 aoüt 1854, 
Paris 1854, in 4». 

Berliner. A. Berliner, Bemerkungen zur hebräischen Abtheilung, im Magazin 
für die Wissenschaft des Judenthums (herausgegeben von A. Berliner 
und D. HofTmann), 3. Jahrg., Berlin 1876, S. 218, 219 (mit der Jahres- 
zahl 1878 auf dem Titelblatt der hebräischen Beilage). 

Btonie. Nicolas B6ronie (geb. 1742, st. 1820), Dictionnaire du Pa.to\a ^\3l\»»^'s.- 



XVI Titel der benutzten Bücher. 

Limousin (Corr^ze) et plus particuli^rement des environs de TuUe, 

yrage posthume, Tülle 1820. 
Bfugnot. S. Olim. 
Beyer. Heinrich Beyer, Urkundenbuch zur Geschichte der jetzt die Bezirke 

der preussischen Regierungsbezirke .Coblenz und Trier bildenden mUtel» 

rheinischen Territorien, Bd. 1, Coblenz 1860. 
Bibl. de P6oole des eh. Bibllotb^ue de l'^cole des chartes , 3^ s4rie , Bd. 5, 

Paris 1854, und 4« s^rie, Bd. 8, Paris 1857. 
Bibl. germ. S. Hildebrand. 
BibL hiBt. Biblioth^que historique (von P. M. Chevallier, L. A. F. Cauchai»> 

Lemaire, A. Y. Benoit, P. Raynaud und Andere, vgl. Barbier 8. 418), 

Bd. 11 und besonders Bd. 19, Paris 1819. 
Binterim. Anton Joseph Binterim (geb. 19. Sept. 1779, st. 17. Mai 1855) und 

Jos. Hubert Mooren, Die alte und neue Erzdiöcese Köln, dritter Theil, 

Mainz 1830; auch unter dem Titel: Rheinisch-westphälischer diploma- 
tischer Codex oder Urkunden-Sammlung, erster Theil, Mainz 1830. 
Birlinger. Anton Birlinger (geb. 14. Jan 1834), Yolksthümliches aus Schwaben, 

2 Bd., Freib 1862. 
Blaeketone. Sir William Blackstone (geb. 1723, st. 1780), Commentaries on the 

Laws of England, 9^^ ed. 
Blau. Otto Blau (st. 27. Febr. 1879), Nachrichten über kurdische Stämme, 

in der Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft, 16. Bd., 

Leipzig 1862, S. 607-627. 
Bleeensis. Petrus Blesensis, archidiaconus Bathoniensis (geb. 1130, st. gegen 1200), 

Continuatio ad Historiam Ingulphi Croylandensis, bei Fell Bd. 1, S. 108 — 132. 

(Diese Schrift ist in Petri Blesensis Opera omnia, 4 voll., Oxonii 1846 

und 1847, nicht aufgenommen, weil angenommen wird, dass sie von ihm 

nicht herrühre, vgl. vol I S. XII.) 
Bloiut. Thomas Blount (geb. 1618, st. 1679), Fragmenta antiquitatis, Ancient 

Tenures of Land and Jocular Customs of some mannors, London 1679« 
Bliutsohli. Johann Kaspar Bluntschli (geb. zu Zürich am 7. März 1808), Staats- 
und Rechtsgeschichte der Stadt und Landschaft Zürich, Bd. 1, Zürich 1838. 
Böhmer. Johann Friedrich Böhmer (geb. 22. April 1795, st. 22. Oct. 1863), 

Regesta chronologica-diplomatica rerum atque Imperatorum Romanorum, 

Bd. 1, Frankfurt 1831. 
Boeis s. BoSthius. 
BoerittS. Nicolai Boerii (geb. 1469, st. 10. Juni 1539) Decisiones supremi se- 

natus Burdegalensis, Lugdunl 1551 (ed. Alesmius) und Genovae 1690. 
Boethins. Hector Bo6thius Deidodamus (geb. um 1470, st. 1550), Scotorum 

historia, ed. Ferrerius, Parisiis 1574. (Die erste Ausg. erschien zu Paris 

1Ö26 unter dem Titel: Scotorum Historia ab illius gentis origine.) 
Bottger. Job. Christ. Aug. Heyse's Fremdwörterbuch, neu bearbeitet von 

Carl Böttger, Leipzig 1873. 
Bonelli. Ben. Bonelli, Notizie istorico-critiche intorno al B. M. Adelpreto Ves- 

covo e comprotettore della chiesa di Trento etc., Trento 1760 u. 1761, 2 Bde. 
Bonnemdre. Joseph Eugene Bonnem^re (geb. 20. Febr. 1813), Histoire des 

paysans, Paris 1856, und 2. Aufl., Pa;is 1874, 2 Bde. (Die Citate beziehen 

sich auf die erste Auflage.) 
Bonvalot, Ferrette. Ed. Bonvalot, Coutumes de la Haute- Alsace , dites de 

Ferrette, Colmar 1870. 



Titel der benutzten Bücher. xvii 

BinT«l«t, Orbey. Ed. Bonvalot, Les Coutumes du val d'Orbey, Paris 1864. 
Borrallvi. Camillus Borrellus aus Oliveto (lebte Ende des 16. und Anfang des 

17. Jahrb.) 9 Consiliorum sive controversiarum forensium centuria prima, 

Yenetiis 1598, fol. 
BmUtr, Cout. Observations sur la coutume du Duchä de Bourgogne, in den 

Oeuvres de M. Bouhier, recueillies par M. Joly de Bevy, tome II, Dijon 

1788. 
Bonillet. Marie Nicolas Bouillet (geb 5. Mai 1798, st. 28. Dec. 1864), Diction- 

naire universel d'Histoire et de Geographie, 20^ ^d., Paris 1866. 
BoulaiBTÜlien. !6tat de France par M. le Comte de Boulainvilliers (geb. 

11. Oet. 1658, 8t. 23. Jan. 1722), tome V, Londres 1737. 
Bouquet. Dom Martin Bouquet, O. S. B. (st. 1754), Herum Oallicarum et 

Francicarum Scriptores, Recueil des Historiens des Gaules et de la France, 

Ton Bd. 9 an : par les religieux de la congr^gation de Saint- Maur, Bd. 12, 

14 ff.: par Michel Jean Joseph Brial (geb. 26. Mai 1743, st. 24. Mai 

1828); nouv. ^d. sous la direction de M. L^.op. Delisle, 1869—1880, 

19 Bde., die bis zum Jahr 1226 reichen. 
Bourdot. Charles A. Bourdot de Richebourg, Nouveau Coutumier g^n^ral, 

Paris 1724, 2 Bde. 
Bmtarie. Fran^ois de Boutaric (geb. lO. Aug. 1672, st. 2. Oct. 1733), Trait6 

des droits seigneuriaux et des matieires föodales, nouv. ^d. Toulouse 1775. 
BouUiorB. M. A. Bouthors, M^moires de la Soci^t^ des Antiquitaires de Pi- 

cardie, tome I: Coutumes locales du bailliage d'Amiens, r^dig^es en 1507, 

tome I Amiens 1845, tome n Amiens 1853. 
Boxliorn, Lex. Marci Zuerii Boxhornii (geb. 25. Sept. 1602, st. 3. Oct. 1658), 

Originum Gallicarum Über , cui accedit antiquae linguae Britannicae 

Lexicon Britannico-Latinum, Amstelodami 1654. 
— Noten. Boxhorn's Noten zu Suetonius, in verschiedenen Ausgabeii, z. B. 

der von Jo. Schild. 
Bwitttön. Henrici de Bracton (zur Zeit Heinrichs III., 1216—1272), De legi- 
bus et consuetudinibus Angliae libri quinque, Londini 1640. 
^'l^d (Bllis). Observations on the populär antiquities of Great-Britain , by 

John Brand (geb. 1743, st. 1806), arranged by Sir Henry Ellis (geb. 1777), 

in three volumes, London 1848, 1849. 
Br%]|]|, M. Brann, Entstehung und Werth der Megillath Taanit, bei Frankel. 

25. Jahrg., 1876, S. 375-460. 
Bf^m. K. W. Bremisch-Niedersächsisches Wörterbuch, Bremen 1767—1771. 
we^er. Johann Wilhelm Brewer, Vaterländische Chronik der königl. preuss. 

Rheinprovinzen, Köln 1825. 
^rt*l. S. Bouquet. 
^^•n. Pierre Jacques Brillon (geb. 15. Jan. 1671, st. 29. Juli 1736), Dic- 

tionnaire des arr^ts ou jurisprudence universelle des parlemeots de 

France et autres tribunaux, Bd. 1, Paris 1727. 
^^•kmeier. Eduard Brinckmeier , Glossarium diplomaticum , 2 Bände, Gotha 

1856 und 1868, in 4^ 
°^^kh&!is. Brockhaus' kleines Conversations-Lexikon, 3. Aufl., Bd. 2, Lpzg. 1880. 
^^•»u. Coustume de la Pr^vost^ et Vicomtö de Paris, comment^e par feu 

Maistre Julien Brodeau (st. 19. April 1653), nouv. ^d., tome I, Paris 1689. 
^'«aet, ö. Gustave Brunet (geb. 18. Nov. 1807), Notices et extraits de quel- 
ques ouvrages Berits en patois du midi de la France, Paris 1840. 

Schmitt, Jus primae noctis. }} 



XVIII Titel der benutzten BUcher. 

Brunei, J. Oh. Jacques Charles Brunet, Manuel du libraire et de Tamateur 
de livres, 5. Aufl , Paris 1860—1864, 5 Bde. nebst Suppl. 

Baohanan. George Buchanan (geb. 1506, st. 1581), Rerum Scoticarum Uistoria,, 
Edimburgi 1583, auch Ausg. Abredoniae 1762. 

Buohmann. Jacob Buchmann (geb. 1807), Die unfreie und die freie Kirche 1 
ihren Beziehungen zur Sklaverei, zur Glaubens- und Gewissenstyranner- : 
und zum Dämonismus, Breslau 1873. 

Bühler. The Sacred Laws of the Aryas, as taught in the schools of Äpa^— ^ 
stamba, Gautama, Yäsishta and Baudhäyana, translated by George Btthleir-r. 
part I: Äpastamba and Gautama, Oxford 1879 (bei F. Max Müller, Bd. 3>. 

BÜBOhing. Anton Friedrich Büsching (geb. 27. Sept. 1724, st. 28. Mai 1793>', 
Erdbeschreibung, dritter und vierter Theil, Hamburg 1759 und 1760. 

Ballet. M. Bullet, Dictionnaire celtique-fran^ais , in den M^moirea sur )« 
langue celtique, Dijon 1754, Bd. 2 und 3. 

BttrneB. Sir Alex. Burnes (geb. 16. Mai 1805, st. zu Kabul im Nov. 1841), 
Travels into Bokhara, being the account of a journey from India to Ca- 
bool, Tartary and Persia, also narrative of a voyage on the Indus from 
the sea to Labore, performed under the Orders of the supreme govern- 
ment of India, in the years 1831, 1832 and 1833, London 1834, 3 Bde. 

Bttxtorf. Johannis Buxtorfi patris (geb. 25. Dec. 1564 , st. 13. Sept. 1629) 
Synagoga judaica, 4. Aufl., Basileae 1680. 

Gadamosto. Die Schiffahrt Aloysii Cadamusti zu den frembden vnd vnerfarnen 
Landen, zu Anfang des Werks von Michael Herr: Die New Welt der 
Landschaften und Insulen, Strassburg 1534. 

Gahen. S. Arch. Israel. 

Oalmet. Dom Augustin Calmet (geb. 26. Febr. 1672, st. 20. Oct. 1757), Dic- 
tionnaire historique de la Bible, Bd. 3, Paris 1730. 

Gampell. Ulrich Campell v. Süss (st. gegen 1582), zwei Bücher Rätischer 
Geschichte, deutsch bearbeitet von Conradin v. Mohr, Chur 1851. 

Gamns. Armand Gaston Camus (geb. 2. April 1740, st. 2. Nov. 1802), Iiettree 
sur la profession d'Avocat, et bibliothöque choisie des livres de droit (zu- 
erst 1772—1777 erschienen), 4« ed., par M. Dupin, Paris 1818, 2 Bde. 

Gantu. Cäsar Canfu (geb. 5. Sept. 1805, st. 1881), Weltgeschichte; nach der 
7. Aufl. deutsch bearbeitet von Mor. Brühl, Mittelalter Bd. 2 und Bd. 4, 
Schaffhausen 1854. 

Garli. Briefe aus Amerika, aus dem Italienischen des Grafen Carlo Carl! 
(geb. 11. April 1720, st. 22. Febr. 1795) übersetzt von Christian Gottfried 
Hemiig, erster Theil, Gera 1785. 

Garpentier. Dom Pierre Carpentier (geb. 2. Febr. 1697, st. 19. Dec. 1767), Glossa- 
rium novum ad scriptores medii aevi, cum latinos tum gallicos, seu Supple- 
mentum ad auctiorem Glossarii Cangiani editionem, Parisiisl766, in 4 Bdn. 

Oasalis. Goffredo Casalis, Dizionario Geografico storico-statistico-commerciale 
degli stati di S. M. il Re di Sardcgna, Band 14 und 15 (Buchst. P), 
Torino 1846 und 1847. 

Gassany-Mazet. Auguste Cassany-Mazet , Annales de Villeneuve-sur-Lot et 
de son arrondissement, Agen 1846. 

Gathala-Gotnre. Histoire du Querci, par M. de Cathala-Coture (geb. 1632, 
st. 1724), tome I., Montauban et Paris 1785. 

Ganssin de Perceval. Armand Pierre Caussin dePerceval (geb. 1795, st. 15. Jan. 
1871), Essai sur Thistoire des Arabes, tome I, Paris 1845. 



Titel der benutzten Bücher. xix 

OkalMrt. August Ghabert, Bruchstttcke einer Staats- und Recbtsgeschichte 

der deutsch-österreichischen Länder, in den Denkschriften der k. k. Aka- 
demie der Wissenschaften, Philos. historische Klasse, Bd. 4, Wien 1853. 
Ohalmen. George Chalmers (geh 1742, st. 1825), Galedonia, or an account 

historical and topographic of North-Britain, from the most ancient to the 

present times, with a Dictionary of places, chorographical and philolo- 

gical, Bd. I, London 1807. 
CluffdoB. Charles oder Claudius Chardon (Benedictiner se^t 1712), Histoire 

des Sacremens, tome VI, Paris 1744. 
Okirondas. Louis Charondas-le-Caron (geb. 1536, st. 1617), Responses et 

d^cisions du droit fran^is, confirm^es par arrests des cours souveraines 

de ce Royaume et autres, Paris 1637, fol. 
Ohttoanbriaiid. Fran^ois Auguste Ren^ Yicomte de Chateaubriand (geb. 

4. Sept. 1769, st.' 4 Juli 1848), Analyse raisonn^e de l'histoire de France, 

in den Oeuvres complötes, tome V bis, Paris 1831. 
Chaudruo. S. Crazannes. 
Ohofpin. Renati Choppini (geb. 1537) De Legibus Andium municipalibus 

libri III, Parisiis 1600. 
Oliwolsolm. Daniel Chwolsohn (geb. 10. Dec. 1820), die Shabier und der 

Shabismus, Bd. 1, Petersburg 1856. 
Oibrario. Louis Cibrario (Luigi Cibrario geb. 23. Febr. 1802, st. 1. Oet. 1870), 

£conomie politique du moyen-äge, trad. par M. Barneaud, Paris 1859. 
Ooke. Sir Edward Coke (geb. um 1551, st. 3. Sept. 1632), The Institutes of 

the Laws of England, or a commentary upon Littleton, the forth edition, 

London 1639. 
Oolebrooke. Henry Thomas Colebrooke (geb. 15. Juni 1765, st. 10. März 1837), 

Miscellaneous Essays, vol. I, London 1837. 
OolL ant. Collectio antiqua canonum poenitentialium (von einem unbekannten 

Verfasser des achten Jahrhunderts), in : Spicilegium sive Collectio veterum 

aliquot scriptorum, tom. I, Paris 1723. 
Oollin de Planoy. Jacques Albin Simon Collin (geb. zu Plancy 28. Jan. 1703), 

Dictionnaire f^odal, seconde Edition, Paris 1820, 2 Bde. ' 

Oonitantiny Recueil des voyages qui ont servi ä T^tablissement et aux pro- 

gr^s de la Compagnie des Indes orientales, formte dans les provinces 

unies des Pays-bas, Bd. 2, Amsterdam 1703. 
OoBlt. Oath. Constitutions y altres drets de Cathalunya, compilats en virtut 

del cap. de Cort XXIIII de las Corts per la S. C. y Reyal Majestät del 

Key Don Philip nostre senyor, celebrados en la vila de Montso any 1585. 

Volum primer. En Barcelona Any 1588. (Vgl. unten Pragmat. Drets.) 
Oo^üille. M. Guy Coquille (geb. 11. Nov. 1523, st. 11. März 1603), Les Cou- 

stumes du pays et duch^ de Nivernois, Paris 1625. 
OorMkl. Voyages de Fran^ois Coreal aux Indes Occidentales , contenant ce 

qu'il y a vu de plus remarquable pendant son s^jour depuis 1666 jusqu'en 

1697, nouv. 6d., Paris 1722. 
Corner. George R. Corner, On the custom of Boro'ugh English, as existing in 

the County of Sussex, London 1853. 
Oenrton. Aurölien de Courson (geb. 25. Dec. 1811), Cartulaire de TAbbaye 

de Redon en Bretagne, Paris 1863. 
Ooutant. Lucien Coutant, Hist. de la ville et de l'ancien comt^ de Bar-sur- 

Seine, Bar-sur-Seine 1854. 

b* 



XX Titel der benutzten Bücher. 

Gont. de Korm. Coutume du pays et duch^ de Normandie, Ausg. Roueii 17.32^ 
Gowell. John Gowell (geb. 1554, st. 1611), Institutiones juris Anglicani, Gan» 

tabrigiae 1605. 
Graig. Sir Thomas Graig (geb. 1548, st. 1608), Jus feudale, Ausg. von Jame» 

Bailli, Edinburgi 1732. 
Gruannet. Baron Ghaudruc de Grasannes (geb. 21. Juli 1782), Observations bot 

le droit de monnoyage des Abb^s de Montauriol, in der Revue Numismatique> 

publice par E. Gartier et L. de Saussaye, Ann^e 1853, S. 140—146. 
Greoalins. Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, herausgegeben von 

Wilhelm Grecelius, Bonn, Bd. 7 (1871) und Bd. 16 (1881). 
Grome. August Friedrich Wilhelm Grome (geb. 6. Aug. 1753, st. 11. Juni 

1833), Die Staatsverwaltung von Toscana unter der Regierung S. K. M. 

Leopold II., aus dem Italienischen, 8 Bände, Leipzig 1795 und 1797. 
Qurita. Geronymo Qurita (geb. 4. Dec. 1512, st. 31. Oct. 1581), Los cinco 

libros postreros de la segunda parte de los Anales de la Gorona de Ära* 

gon, tomo quarto, Qarago^a 1610. 
Daire. Louis FranQois Daire (geb. 6. Juli 1713, st. 18. März 1792), Uistoire 

de la ville d'Amiens, Paris 1757, 2 vol. in 4». 
Dalloi, Diot. Pierre Armand Dalloz (st. im Juni 1857), Dictionnaire gön^ral 

de legislatlon, de doctrine et de jurisprudence, Bd. 1, Paris 1835. 

— K6f. Victor Alexis D6sire Dalloz (geb. 12. Aug. 1795, st. 12. Jan. 1869X 
unter Mitwirkung seines Bruders Armand Dalloz, Repertoire de l^gislation^ 
de doctrine et de jurisprudence, Bd. 1 (1870), Bd. 3 (1846), Bd. 38 (1857). 

Dalrymfle. Sir David Dalrymple Lord Halles (geb. 1726, st. 1792), Annal» 

of Scotland, Bd. 1, Edinburgh 1776, insbes. Appendix Nr. 1, Of the law 

of Evenus and the Mercheta mulierum (in der Ausg. v. 1797 vol 3). 
Dans. Wilh. Aug. Friedr. Danz (geb. 3. März 1764, st. 14. Dec. 1803), Hand* 

buch des heutigen deutschen Privatrechts nach dem System des Herrn 

Hofraths Runde, Schweinfurt 1801. 
Day. Francis Day, The land of the Permauls, or Gochin, its past and it» 

present, Madras 1863. 
DeÜBle. Leopold Delisle (geb. 24. Oct. 1826), ^tudes sur la condition de la 

classe agricole et l'^tat de Tagriculture en Normandie au moyeii äge,. 

Evreux 1851. 
DeliuB. Nikolaus Delius (geb. 1813), Shakespeare's Werke, 3. Aufl., Eiber«» 

feld 1872. 
Delj^it. Jules Delpit (Membre de TAcad^mie de Bordeaux), R^ponse d'uir 

Gampagnard k un Parisien, ou röfutation du livre de M. Yeulllot sur le- 

droit du seigneur, Paris 1857. 

— 1873. Jules Delpit, le droit du seigneur, r^plique d'un Gampagnard k. 
un Parisien ou seconde räponse k Monsieur Louis Yeuillot, Bordeaux 1873. 

Delfit, M. et J. Martial et Jules Delpit, Notice d'un manuscript de la biblio* 
thöque de Wolfenbüttel, in den Notices, Bd. 14 S. 296—458. 

Demeiuier. Jean Nicolas Demeunler (geb. 15. März 1751, st. 7. Febr. 1814)^ 
Ueber Sitten und Gebräuche der Völker, Beiträge zur Geschichte der 
Menschheit, Ausg. v. Michael Hissmann, 2 Bde , Nürnberg 1783 u. 1784. 

Deponi. F. Depons, Yoyage h la partie Orientale de la terre-ferme, dans 
TAm^rique m^ridionale, fait pendant les ann^es 1801—1804, tome I, 
Paris 1806; auch die Uebersetzung von Chr. Weyland, im Magazin voa 
merkwürdigen neuen Reisebeschreibungen, Band 29, Berlin 1808. 



Titel der benutzten Bücher. XXI 

D0«tiehl iMjkl. Deutsche Epcyklopädie , Bd. 3 u. 4, Frankfurt a. M. 1780. 
Dtviieher Merk. Deutscher Merkur, Organ für katholische Reformbewegung, 

herausgegeben im Auftrage der Comit^s zu Cöln und München, Jahrg. 

1880 (München). 
DereriM. S. Hist. de Ponthieu. 

Diei. Aoa4. Dictlonnaire de TAcad^mie Fran^ise, 7. Aufl., Paris 1878. 
IKtt. Aeai. eompL Compl^ment du Dictlonnaire de TAcad^mie frangaise, 

Paris 1844., 
Ditt. Aead. snppl. Supplement au Dictlonnaire de TAcad^mie fran^aise, sixi^me 

Edition, publice en 1835, Paris 1836. 
Dift. d'Iialil. Dictlonnaire historique et g^ographique portatif d'Italie, Bd. 2, 

Paris 1775. 
Diei. de Trey. Dictionnaire universel fran^ais et latin, vulgairement appell^ 

Dictlonnaire de Trevoux, Bd. 2, 3, 6 (Paris 1771), Bd. 13 (Nancy 1834). 
Dideroi Denis Diderot (geb. 1713, st. 1784), Encyclop6die, s. d. W. 
Didoi. Nouvelle biographie g^n^rale, publice par MM. Firmin Didot freres, 

80US la direction de M. le Dr. Höfer, Paris 1862—1866, (54 Bde.). 
Bidron. Dldron alnä (Adolphe Napoleon Didion, geb. 1806, st. 13. Nov. 1867), 

Annales arch^ologiques, Bd. 15, Paris 1855. 
Bietmann. Karl Gottlob Dietmann, Nachrichten von der Priesterschaft unter 

dem Stiftsconslstorium zu Merseburg, Dresden und Leipzig JL759. 
Dm. 8t. Olaude. Dissertation sur l'^tablissemenf de l'abbaye de S. Claude, 

ses chroniqueS; ses legendes, ses chartes, ses usurpations, et sur les 

droits des habitans de cette terre; dahinter: Collection des m^moires 

präsentes au conseil du Roi par les habitans du Mont-Jura, et le chapltre 

de S. Claude, avec Tarr^t rendu par ce tribunal 1772. 
Drake. Nathan Drake (geb. 1766, st. 1836), Shakspeare and his times, Ausg. 

Paris 1838. 
Drönke, 1844 Ernst Friedrich Johann Dronke (st. 10. Dec. 1850), Traditiones 

et Antiquitates Fuldenses, Fulda 1844 in 4^ 

— 1850. Ernst Friedrich Johann Dronke, Codex diplomaticus Fuldensis, 
Cassel 1850. 

Dneange. Glossarium mediae et infimae latinitatis, conditum a Carolo Dufresne 
Domino Du Gange, auctum a monachis Ordinis S. Benedict!, cum supple- 
mentis integris D. P. Carpenterii et addltamentis Adelungii et aliorum 
digessit G. A. L Hemchel, Parisiis 1840—1848, 7 Bde. Daneben 1. Aufl. 
von Ducange (geb. zu Amiens 18. Dec. 1610, st. zu Paris 23. Oct. 1688), 
Paris 1678, und 2. Aufl , Paris 1733. 

Dnlanre, Adel. Jacques Antoine Dulaure (geb. zu Clermont 1755, st. zu Paris 
9. Aug. 1835, Mitglied des Club des Jacobins), Kritische Geschichte des 
Adels, aus dem Französischen, 1792. 

— Montauban. J. A. Dulaure, Description des principaux lieux de Framce, 
Paris 1789, Bd. 3 S. 27 ff. 

— Paris. J. A. Dulaure, Histoire de Paris, Bd. 2 u. 3, Paris 1823. 
Dimge. Karl Georg Dümge (geb. 23. Mai 1772, st. 27. Febr. 1845), Symbolik 

germanischer Völker, Heidelberg 1812. 
Dimont. J. Dumont (st. 1726 zu Wien), Corps universel diplomatique du 

droit des gens, Bd. 1, Amsterdam et k La Haye 1762, in fol. 
Dimoillill. Tractatus dividui et individul, cum nova et analyt. declar. , com- 

pilatore Gasparo Caballino, Yenetis 1576. 



XXII Titel der benutzten Bi\cber. 

Dinner. J. H. DUnner, Die Theorien über Wesen und Ursprung der Tosepbthft, 

Amsterdam 1874. 
Dnnod. Fran^ois Jgnace Dunod de Charnaye (geb. 30. Oct. 1679, st. 1752), 

Traitä de la mainmorte, Besannen 1733. 
Du Pin. Louis Ellies Du Pin oder Dupin (geb. 17. Juni 1657, st 6. Juni 1719), 

Histoire de i'^glise et des auteurs ecclesiastiques , IQ^ siöcle, Paris 1703- 
Dnpin. Andr6 Marie Jean Jacques Dupin (geb. 1. Febr. 1783, st. 9. oder 

10. Nov. 1865), Kapport sur un ouvrage de M. Bouthors, bei Mignet 

Bd. 28 S. 117—141. (Dieser Bericht wurde am 25. März 1854 verlese 

vgl. Mignet Bd. 28 S. 167.) 
DüringBfeld. Ida von DUringsfeld (geb. 1815, st. 25. .Oct. 1876) und Ot 




Freiherr von Reinsberg-Düringsfeld (geb. 1815, st. 1876), Hochzeitsbuch 

Brauch und Glaube der Hochzeit bei den christlichen Völkern Europas 

Leipzig 1871. 
Du Verdier. Antoine Du Verdier, Sieur de Vauprivaz (geb. 11. Nov. 1544. 

st. 25. Sept. 1600), Diverses le^ons, Tovernon 1610. 
Encycl. Encyclop^die ou Dictionnaire raisonn^ des sciences, des arts, et dei 

m^tiers, par une soci^t6 de gens de lettres, mis en ordre et publik pa; 

M. Diderot de l'Acad^mie Royale des sciences et des helles lettres d 

Prusse, et quant k la partie math^matique, par M. d'Alembert d 

l'Acad^mie etc., erste Ausg. in gr. Fol., Paria 1751 ff. (Mitbenutzt sin 

folgende spätere Ausgaben: Gen^ve 1777—1779 in 4^, Bd. 10, Genöv 

1777, auch die Octav-Ausg. , Berne et Lausanne, Bd. 10 v. 1782 un 

Bd. 11 der Ausg. Lausanne et Berne 1779). 
Encycl. m6tL Encyclopödie m^thodique ou par ordre de mati^res par un 

80CiÄt6 de gens de lettres, de savans et d'artistes (206 Bde.), Paris 178 

bis 1832, die Bände über Jurisprudence. 
Erhard, Cod. dipl. Heinrich August Erhard (geb. 1793, st. 1851), Code= 

diplomaticus, Theil 2, Münster 1851. 
— Reg. Heinrich August Erhard, Regesta Historiae Westplialiae, 2 Bdfr 

Münster 1847 und 1851. 
Ersch n. Gruber. Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Kunst 

von J. S. Ersch und J. G. Gruber, Leipzig (noch nicht vollendet). 
EepeUses. Antoine d'Espeisses (geb. 1594, st. 1658) , Des droits seigneuriau 

in den oeuvres, Bd. 1 u. 3, Lyon 1685. 
Espen. Zeger Bernhard van Espen (geb. 1646, st. 1728), Jus ecclesiasticu 

Universum, Bd. 1, Lovani 1753. 
Eetor. Johann Georg Estor (geb. 1699, st. 25. Oct. 1773), Commentarii d 

ministerialibus , Argentorati 1727. 
Ewers. Job. Ph. G. Ewers, Das älteste Recht der Russen, Dorpat 1826. 
Pabricius. Job. Alb. Fabricius (geb. 11. Nov. 1667, st. 30. April 1736), Biblio— - 

; theca latina mediae ht infimae latinitatis, ed. Mansi, Pataviae 1754. 
Fahne. Fahne, Dynasten etc. und Grafen von Bocholtz, 4 Bde., Köln 1856—63 
Falke. Job. Frid Falke (geb. 28. Jan. 1699, st. 6. April 1756), Codex tradi- 

tionum Corbeiensium , Lips. 1752. 
Fargeau. S. Saint-Fargeau. 
Faria J Sousa. Manuel Severino de Faria y Sousa (geb. 1590, st. 1649), Ast 

Portuguesa, 3 Bde., Lisboa 1666—1675. 
Fell. Thomas Gale (geb. 1636, st 1702j und John Fell (geb. 1625, st. 1686), 
Rerum Anglicarum Scriptorum veterum tom. I, Oxoniae 1684. 



Titel der benutzten Bücher. xxiii 

Aliens. Die Schrecken der Feudal- und Herrenrechte des Adels und der 
Pfaffen. Historisch-romantische Schilderung der qualvollen Leiden und 
Martern der Leibeigenen durch grausame Despotie und Torturgewalt, 
durch Wollustbefriedigung, unerhörte Bedrückungen, Erpressungen und 
Schandthaten der Feudalherren. Nach ajfchivalen Quellen von Karl Fellens 
(Charles Fellens, rödacteur de la Trioune), deutsch von Ludwig von 
Alvensleben (geb. 1800), 2 Bde., Weimar 1851. 

JftrnuiB. Lucii Ferraris prompta bibliotheca canonica, juridica, moralls, 
theologica, Ausg. v. Phil, a Carboneano, Bd. 1, Genuae 1767. 

Tisoher. Friedrich Christoph Jonathan Fischer (geb. 12. Febr. 1750, st. 80. Sept. 
1797), lieber die Probenächte der deutschen Bauernmädchen, Berlin und 
Leipzig 1780. (Davon auch franz. Uebers., s. u. Nuits d'6preuve.) 

Fluider. M^moires de Fl^chier (geb. 1682, st. 1710) sur les Grands Jours 
d'Auvergne en 1665, annot^s et augment^s d'un appendix par M. Ch^ruel, 
Paris 1856. 

Fleta. Fleta (aus der Zeit des Königs Eduard I., 1272—1307), seu Commen- 
tarius juris Anglicani sie nuncupatus, sub Edwardo Rege primo ab 
anouymo conscriptus. Subjungitur Joannis Seldenl ad Fletam diss. bist. 
Londini 1647. 

Fletoher. S. Beaumont. 

Foix. S. Saint-Foix. , 

Forbes. James Forbes (geb. 1749, st. 1819), Oriental Memoirs, vol. I, Lond. 1813. 

Foroellini. Lexicon totius latinitatis J. Facciolati, Aeg. Forcellini et Fur- 
lanetti. Neue Ausg. von Franc. Corradini. 

Fordan. Joannis de Fordun (der im 14. Jahrb., nicht, wie Jöcher angiebt, 
im 11. Jahrh. lebte) Scotichronicon , cum supplementis et continuatione 
Walteri Boweri, insulae S, Columbae Abbatis, ex cod. manuscr. editum, 
cura Walteri Goodall (geb. 1706, st. 1766), Edinburgi 1759, 2 Bde. 

Fora de Btern. S. Mazure. 

FranoiBci. Erasmus Francisci (geb. 19. Nov. 1627 , st. 20. Dec. 1694) , Neu- 
polirter Geschieht-, Kunst- und Sitten-Spiegel ausländischer Völker, 
Nürnberg 1670. 

Frank. Job. Pet. Frank (geb. 1745, st. 1821), System einer vollständigen 
medizinischen Polizei, Bd. 1 , Wien 1786. 

Frankel. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums, 
herausgegeben von Z. Frankel, fortgesetzt von H. Grätz, 25. Jahrg., 1876 
und 28. Jahrg., Krotoschin 1879. 

Freycinet. Claude Louis de Freycinet (geb. 1779, st. 1842), Voyage autour 
du monde, entrepris par ordre du roi, ex^cut^ pendant les annees 
1817—1820, Paris 1827. 

Fuslin. Johann Conrad Füsslin oder Füssli (geb. 1704, st. 1775), Erörterung 
der Frage, ob der Meyer zu Mauer in der Grafschaft Greifensee das 
Recht gehabt habe, mit seiner Hofjünger Bräuten die erste Nacht zu 
Bett zu gehen, im Hamburger Magazin, Bd. 12, Hamburg 1753 S. 154 — 173. 

Mand. Auguste Galand (st. 1644) , Du franc-alleu et origine des droicts 
seigneuriaux, Paris 1637, in 4^ 

Ckle. S. Fell. 

Cfall. Christ. Gallia Christiana, in provincias ecclesiasticas distributa etc. 
studio monachorum Congregationis S. Mauri, O. S. B., Paris 1715 sqq., 
der 13. Bd. in zweiter Aufl. 1874. 



XXIV Titel der benutsten Bücher. 

&ar. Episodio del medio evo Trentino, narrato da Tommaso Gar (geb. 22. Febr. 
1808, St. 24. Juli 1871), Trento 1856, darin: Patto tra il commune di 
Pergine e il municipio di Vicenxa, l'anno 1166. 

GareilftMO. Ynka Garcilasso de la Vega (geb. 1540 zu Cuzco in Peru, st. 
1620), Histoire des Ynkas I^is da Perou, traduite de l'espagnol par 
J. Baudoin, Amsterdam 1704. 

Gkrgon. Matheus Gargon, Walcbersche Arkadia, 2 Bde , Te Leyden 1715—1717. 

Gknfireteaa. Chronique Bordeloise par Jean de Gaufreteau, Extrait des Publi- 
cations de la Soci^tö de Bibliophiles de Guyenne (herausgegeben von 
Jules Delpit), Bordeaux 1877, 2 Bde. 

Gengier. Heinrich Gottfried Gengier (geb. 25. Juli 1817), Germanische Rechts- 
denkmäler, Erlangen 1875. 

Gerber. Karl Friedrich v. Gerber (geb. 11. April 1823), System des deutschen 
Privatrechts, 11. Aufl., Jena 1873. 

Gerland. S. Waitz (Th.). 

GenrinuB. Johann Gottfried Gervinus (geb. 1805, st. 18. März 1871), Shake- 
speare, 2. Aufl., Bd. 1, Leipzig 1850. 

Geseniiu-Mülllau. Wilhelm Gesenius, Hebräisches und Chaldäisches Hand- 
wörterbuch, 8. Aufl., bearbeitet von F. Mühlau und W. Volck, Leipzig 
1878. 

Gesia Rom. Gesta Romanorum, Au^g. von Johann Theodor Grässe, Dresden 
und Leipzig 1842, und Ausg. von Adalbert Keller, Stuttgart und Tübingen 
1842. (Als Verfasser der Gesta Romanorum wird der im Jahr 1227 ge- 
storbene Cistercienser-Mönch Helinandus oder Elimandus bezeichnet.) 

Ghilini. Girolamo Ghilini (geb. 1589, st. gegen 1670), Annali di Alessandria 
(bis zum Jahr 1659), Milano 1666, fol. 

Gierke. O. Gierke, Der Humor im deutschen Recht, Berlin 1871. 

Giraud-Teulon. Marc Antoine Louis F61ix Giraud-Teulon (geb. 30. Mai 1816), 
Les origines de la famille, questions sur les antecödents des soci^t^s pa- 
triarchales, Gen^ve et Paris 1874. 

Glanvilla. Tractatus de legibus et consuetudinibus regni Angliae, tempore Regis 
Henrici secundi (1154—1189) compositus, justitiae gubernacula tenente 
illustri viro Ranulpho de Glanvilla, bei Phillips, R.-G. Bd. 2 S. 335—473. 

Gott. gel. Anz. Göttingische gelehrte Anzeigen, unter der Aufsicht der könig- 
lichen Gesellschaft der Wissenschaften, Jahrg. 1880. 

Gomara. Francisco Lopez de Gomara (geb. 1510, st. um 1560), Primera y 
segunda parte de la Historia general de las Indias, con todo el descubri— - 
miento, y cosas notables que han acaecido desde que se ganaron hasta.^ 
el aiio de 1551, in der Biblioteca de autores Espanoles desde la formacion_ 
del lenguaje hasta nuestros dias, tomo XXII, ^. 155 fF. 

Grat«. Heinrich Grätz (geh 31. Oct. 1817), Geschichte der Juden, Bd. 3 u. 4, 
Leipzig 1863 u. 1866. 

Grand Vooab. Le Grand Vocabulaire Francis, par une sociöt4 de gens de 
lettres, Paris 1767—1774, 30 vol. in 4». 

S. Gregor. Sancti Gregorii Papae Primi cognoraine Magni (geb. um 540, 
st. 12. März 604) operum tomus I, Lut. Par. 1675, S. Gregorii Registri 
epistolarura. 

Grimm, Myth. Jacob Grimm (geb. 4. Jan. 1785, st. 26. Sept. 1863), Deutsche 
Mythologie, 4. Ausg. von E. G. Meyer, Bd. 1, Berlin 1875. 

— R.-A. Jacob Grimm, Deutsche Rechtsalterthümer, 2. Ausg., Göttg. 1854. 



Titel der benutzten Bü^er. xxv 

Orimill, Weisth. Jacob Grimm, WeisthQmer, 7 Bde., Göttingen 1840->1878. 
— "W.-B. Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (geb. zu Hanau 24. Februar 

1786, 8t. 16. Dec. 1859), Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1854 ff. 
C^ro-te. H. Grote (geb. 28. «Dez. 1802), Stammtafeln, Leipzig 1877. 
Chnftp«B. Christian Ulrich Grupen (geb. im Juni 1692, st. 10. Mai 1767), De 

iixore theotisca, Göttingen 1748, cap. I: de virginum praegustatoribus, 

Jure deflorationis, jure primae noctis, maidenrents, marcheta. 
ChibenaÜB, Indie. Angelo de Gubernatis (geb. 7. April 1840), Memoria in- 

torno ai viaggiatori Italiani nelle Indie Orientale dal secolo XIII a tutto 

il XVI, Firenze 1867. 

— Thiere. Ang. de Gubernatis, Die Thiere in der indogermanischen Mytho- 
logie, übersetzt von M. Hartmann, Leipzig 1874. 

— Usi. Ang. de Gubernatis, Storia comparata degli usi nuziali, Milano 
1869, lib. 8 Nr. 3: II jus primae noctis. 

Ou^Wd. Benjamin Edm. Charles Gu^rard (geb. 15. März 1797, st. 10. März 

1854), Polyptype de l'abb^ Irminon ou d^nombrement des manses, des 

serfs et des revenus de l'abbaye de St.-Germain-des-Pr^s , 2 Bände, 

Paris 1844. 
Gu^xiii. Paul Gu^^in, Les petits Bollandistes, vies des Saints d'apr^s les Bol- 

landistes, le p6re Giry, Surius, Ribadeneira, Godescard etc'., 7* 6d., Bd. 6, 

Bar-le-Duc 1878. 
taieeiardini. Lud. Guicciardinl (geb. um 1528, st. 22. März 1589), La de- 

scription des Pays-Bas, Amsterdam 1609, in fol. 
ÖTUll)0ri Histoire des villes de France, par M. Aristide Guilbert (geb. 1804, 

st 21. Juni 1863) et une sociöt6 de membres de l'Institut etc. 
öimdlingiana. Nikol. Hieron. Gundling (geb. 1671, st. 1729), Gundlingiana, 

zehndes Stttck, Halle 1717. 
ÖUtWlet. C Gutberiet, Das Buch Tobias, übersetzt und erläutert, Münster 

1877. 
^**1. E. Haas, Die Hochzeitsgebräuche der alten Inder, nach den Grihya- 

sütra, bei A. Weber Bd. 5, Berlin 1862, S. 267—412. 
^^olienberg. Paulus Hachenberg (geb. 1652, st. im Dec. 1681), Germania media, 

ed 3, Halae 1709, diss. V: De nuptiis veterum Germanorum. 
»erlin. C. F. W. J. Häberlin, Systematische Bearbeitung der in Meichel- 

beck's Historia Frisingensis enthaltenen Urkundensammlung, erster Theil, 

Berlin 1842. 
^•^ger. Arthur Hager (geb. 1835), Shakespeare's Werke, Bd. 4, Freiburg 1878. 
^lihWB. Christ. Gottlob Halthaus (geb. 1702, st. 1758), Glossarium Germa- 

nicum medii aevi, Leipzig 1758, 2 Bde. 
^milton. A new Account of the East Indies, being the observations and 

remarks of Capt. Alex. Hamilton, who spent his time there from the year 

1688 to 1723, in: John Pinkerton, General CoUection of voyages and tra- 

vels, vol. Vin, London 1811, S. 258—522. 
^^Hkia. Hamza Ihn Elhasan Ispahanensis (lebte im 10. Jahrb.), Chronologia 

gentium, caput octavum, exhibens seriem Chronologicam Homeritarum, 

Regum Arabiae Felicis, oder Annalium libri X (beendet im Jahr 961), 

in der lat. Uebers. bei Schultens (s. u.) S. 19—45, und in der Ausgabe 

von J. M. E. Gottwaldt, tom. II, Lipsiae 1848. 
***llW0r. L'abb6 Hanauer, Les paysans de TAlsace au moyen-äge, Paris und 

Strassburg 1865. 



XXVI Titel der benutzten Bücher. 

Hardniii. Joh. Harduin (geb. 1646, st. 1729), Conciliorum oollecUo Regia m»- 

xima, ParisUs 1715 £P. 
Harenberg. Johann Christoph Harenberg (geb 1696, st. 12. Nov. 1774), Hi- 

storia ecclesiae Gandershemensis diplomatica, Hannoverae 1734, fol. 
Haupt. Zeitschrift für deutsches Alterthum, herausgegeben von Moritz Haupt, 

Bd. 2, Leipzig 1842. 
Haslitt, Shakesp. Shakespeare's library, a collection of the plays, romanceSy 

novels, poems and histories employed by Shakespeare in the compositioii. 

of bis works, with introductions and notes, second edition, London 1875, 

6 Bände. 

— Ten. Tenures of Land and Customs of Manors,- originally collected by 
Thomas Blount and republished with large additions and improvements 
in 1784 and 1815; a new edition, entirely rearranged, carefully correctedL 
and considerably enlarged by W. Carew Hazlitt, of the Inner Temple, 
barrister-at-Iaw, London 1874. 

Heda. Historia Episcoporum Ultrajectensium, auctore Wilhelmo Heda (st. zu 
Antwerpen 3. Nov. 1525), notis illustrata ab Arn. Buchelio, Ultra j. 1642. 

Hefele. Karl Jos. v. Hefele (geb. 15. März 1809), Conciliengeschichte, Bd. 2, 
Freiburg 1856. 

Heidelb. Jahrb. - Heidelberger Jahrbücher der Literatur, Jahrg. 1869. 

HeineociuB, Antiq. Joh. Gottl. Heineccü (geb. 1681, st. 1741) Antiquitates 
Germanicae, Bd. 2, Hafniae et Lips. 1773. 

— Elem. Joh. Gottl. Heineccius, Elementa juris Germanici, Halae 1736. 
Helfferich. Christian Adolph Helfferich (geb. 8. April 1813), Entstehung und 

Geschichte des Westgothen-Rechts, Berlin 1858. 
Heller. Johann Heller (geb. 3. April 1851, st. 28. Nov. 1880), Lamberti Ar- 

densis Historia Comitum Ghisnensium , Mon. Germ., scriptores, Bd. 24, 

Hannover 1879. 
Hellwald. Friedrich v Hellwald (geb 1842), Culturgeschichte in ihrer natfir- 

liehen Entwicklung bis zur Gegenwart, Augsburg 1875. 
Henel. Nicolai Henelii ab Hennenfeld (geb. 1587, st. 23. Juli 1656) Otium 

Wratislawiense, Jenae 1658. 
Henne-Am Rhyn. Otto Henne-Am Rhyn, Allgemeine Culturgeschichte, Leipzig 

1877, Bd. 1 (Urzeit) und Bd. 3 (Mittelalter). 
Hennes. Johann Friedrich Hennes, Codex diplomaticus Ordinis sanctae Mariae 

Theutonicorura, Urkundenbuch des deutschen Ordens, Bd. 2, Mainz 1861. 
Heracl. Pont. Heraclides Ponticus (um 340 v. Chr. Geb.), Liber de rebus 

publicis, oder Heraclidis Politiarum (Ausg. von Schneidewin und von 

Car. Müller). 
Herder. Herder's Conversations-Lexikon, 2. Aufl., Bd. 3, Freiburg 1878. 
Herr. S. Cadamosto und Varthema. 
Hersfeld. L. Herzfeld, Geschichte des Volkes Israel, 3 Bde., Braunschweig 

1847, 1855 und 1857. 
S. Hieron. Epistolae D. Hieronymi (geb. 331, st. 420), cum scholiis Erasmi 

Rotterdami, Basileae 1537. 
Hildebrand. Joachim Hildebrand (geb. 10. Nov. 1623, st. 25. Öct. 1691), De 

nuptiis veter um Christianorum, in der Biblioth^que Germanique ou histoire 

litt^raire de l'Allemagne et des pays du Nord, Amsterdam 1720, Art. VL 
HinsoMuB. Paul Hinschius (geb 25. Dec. 1835) ,- Decretales Pseudo-Isidoria- 

nae, Lips. 1863. 



Titel der benutzten Bücher. xxvii 

Hiit. de Langnedoo. Histoire gc^n^rale de Languedoc, par deux religieux B^n<^- 
dictlns de la Congrögation de S. Maure, Bd. 2, Paris 1733. 

ffilt. de MonUubui. Histoire de Montauban, par Henri Le Bret (geb. 1680, 
St. gegen 1708), pr^vöt de T^glise cath^drale de cette ville en 1668, 
nouv. 6dit. par MM. Marcellin et Gabr. Ruck, mit Vorrede von Mary- 
Lafon, Montauban 1S41. 

Hiit. de Po&tMeu. Histoire du Comtä de Ponthieu, de Montreuil et de la 
ville d'Abbeville, Londres 1767. (Verfasser ist L. A. Deverit6, s. Barbier 
Bd. 2 S. 775.) 

Hiitorial du Jongleur. L'historial du Jongleur, chroniques et legendes fran- 
^ises, publikes par MM. Ferd Langle et £mile Morice, Paris 1829, darin: 
Le droit du nop^age, S. 1 — 41 und Anh. S. 7, 8. (Der wahre Verfasser 
soll Malivoir sein.) 

Hoeli Boni Leges (.ed. Wottonus). Cyfreithjeu Hyweldda ac erail, seu Leges 
Wallicae ecclesiasticae et civiles Hoeli Boni (Howel des Guten oder 
Hyweldda, Gesetzgebers im 10. Jahrh , Sohnes und Nachfolgers des Königs 
Cadell von ganz Wales) et aliorum Walliae principum , quas ex variis 
codioibus manuscriptis eruit. interpretatione latina, notis et glossario 
illustravit Giul. Wottonus (geb. 13. Aug. 1666, st. 13. Febr. 1726), Lon- 
dini 1730, fol. 

Hoffinaim, G. P. Conrad Philipp Hoffmann, Discursus historico-juridicus de 
die ac nocte nuptiali, Regiomonti et Lipsiae 1720. 

Hoibiaiin, G. Gull. HofTmann, Observ. jur. Germänici, Francof. et Lips. 1738. 

Holtimann. Adolph Holtzmann (geb. 2. :Mai 1810, st. 3. Juli 1870), Indische 
Sagen, 2. Aufl., Stuttgart 1854. 

Homeyer. Karl Gustav Homeyer (geb. 1705, st. 20. Oct. 1874), Des Sachsen- 
spiegels erster Theil, oder das sächsische Landrecht, 2. Ausg., Berlin 
1835. 

Hormayr, 1832. Joseph Frhr. v. Hormayr (geb. 20. Jan. 1781, st. 5. Nov. 
1848), Die Bayern im Morgenlande, Gedächtnissrede zum 73. Stiftungs- 
tage der königl. bayer. Akademie der Wissenschaften, gelesen am 23. März 
1832, die dritte der kleinen historischen Schriften und Gedächtnissreden, 
München 1832. 

— 1842. Joseph Frhr. v. Hormayr, Taschenbuch für die vaterländische Ge- 
schichte, 31. Jahrg., Leipzig 1842. 

Sousrd, Littl. David Houarli (geb. 26. Febr. 1725, st. 15. Dec. 1802), An- 
ciennes lois des Frangais, conserv^es dans les coutumes Anglaises, tome \ 
Ronen 1766: Anciennes lois des Francis ou Institutes de Littleton. 

— Trait6. David Houard, Trait6 sur les coutumes Anglo-Normandes, Bd. 2, 
Paris 1776. 

Subert. Proc^s-verbal de la Präsentation annuelle d'un pot de fleurs au sei- 

gneur de Chäteauroux (20 mal 1777), communiqu^ par M. Hubert, archi- 

viste du d^partement de l'Indre, im Comte rendu des travaux de la So- 

ci6t6 du Berry k Paris, onzi^me annee, Paris 1864, S. 260—264. 

Eüllmann. Karl Dietrich Hüllmann (geb. 1765, st. 1846), Städte wesen des 

Mittelalters, Bonn 1826—1829, 4 Bde. 
Hurter. Friedrich Emanuel v. Hurter (geb. 19. März 1787, st. 27. Aug. 1865), 
Geschichte Papst Innocenz des Dritten und seiner Zeitgenossen, 2. Aufl., 
Bd. 2, Hamburg 1842. 
Im neuen ReicL S. Sugenheim (1872). 



xxTin Titel der benatxten Bücher. 

Ingllpkli. Ingnlphus Abbas Croylandensis (st. 1109), Historia Croylandensts, 

bei Fell Bd. 1 S. 1—107 (auch in den Script, post Bedam). 
Ibmi. Thomas Innes (geb. 1662, st. 1744), A critical Essay on the anefent 

inhabitants of the northern parts ot Britain, or Scotland, London 1729, 

2 Bde. 
lATestigateiir. S. Masson. 
Itnes, 8. Yarthema. 
IieliiL Isaak Iselin (geb. 17. März 1724, st. 15. Juni 1782). Ueber die Ge- 

schichte der Menschheit, Bd. 1, neue Aufl., Zürich 1770. 
Itb, Decr. Decretum beati Ivonis (geb. 1040, st. 1116), Lovani 1561. 

— Panormia. Liber decretorum sive Panormia Ivonis, ed. 1499. 

JaeoWon. Heinrich Friedrich Jacobson (geb. 1804, st. 1868), der Artikel Ehe 
bei Weiske Bd. 3. 

Jaffi. Philippus Jaff^ (geb. 17. Febr. 1819, st 3. April 1870), Regesta Pen- 
tificum Romanorum ab condita ecclesia ad annum post Christum natam 
1198, BeroUni 1851. 

Jellinek. Adolph Jellinek (geb. 1820), Bet-ha-Midrasch , Sammlung kleiner 
Midraschim und vermischter Abhandlungen aus der älteren jüdischen Lite- 
ratur, Th. 1, Leipzig 1853, und Th. 6, Wien 1877. 

Jhering. Rudolph von Jhering (geb. 1818), Der Kampf ums Recht, 5. Aufl., 
Wien 1877. 

Jöeher. Christian Gottlieb Jöcher (geb. 20. Juli 1694, st. 10. Mai 1758), All- 
gemeines Gelehrten-Lexikon, Leipzig 1750 und 1751 (fortges. in .Ergän- 
zungen bis zum Buchstaben J von Johann Christoph Adelung, und von 
K bis R von Heinrich Wilhelm Rotermund). 

Johnson. Samuel Johnson (geb. 18. Sept. 1709. st. 13. Dec. 1784), Reisen nach 
den westlichen Inseln bei Schottland, aus dem Englischen, Leipzig 1775. 

Jolly. The Institutes of Yishnu, translated by Julius Jolly, Oxford 1880, bei 
M. Müller Bd. 7. 

Junghani. Wilhelm Junghans, die Geschichte der fränkischen Könige Childe- 
rich und Chlodovech, Göttingen 1857. 

Kayierling. M. Kayserling, Die jüdischen Frauen in der Geschichte, Literatur 
und Kunst, Leipzig 1879. 

Kfstnor. Henr. Em. Kestner (st. 1723) P. P. O. in Acad. Rinth. Diss. jur. de 
jure Connagii, oder vom Recht der Jungferschaft, ed. V, Jenae 1761. 

Keyiler. Johann Georg Keysler (geb. 13. April 1693, st. 21. Juni 1743), 
Antiquitates septentrionales et Celticae, Hannoverae 1720. 

Eindlinger. Nicolaus Kindlinger, Geschichte der deutschen Hörigkeit, insbe- 
sondere der sogen. Leibeigenschaft, Berlin 1819. 

— M.-B. Nicolauä Kindlinger, Münstersche Beiträge zur Geschichte Deutsch- 
lands, hauptsächlich Westphalens, Bd. 2, Münster 1790 (die Urkunden 
im Anhang). 

Koppen. Karl Friedrich Koppen (geb. 1775, st. 1858), Die Religion des 

Buddha, 2 Bde., Berlin 1857 und 1859. 
Kolb, 1842. Georg Friedrich Kolb (geb. 1808), Recht der ersten Nacht (jus 

primae noctis), im Staatslexikon von Karl Wenzel v. Rotteck (geb. 1775, 

St. 1840) und Karl Theodor Welcker (geb. 1790, st. 1869), Bd. 13, Alton* 

1842, S. 495—498. 

— 1843. Georg Friedrich Kolb, Geschichte der Menschheit und der Cultur, 
Pforzheim 1843. 



Titel der benutzten Bücher. xxix 

Kreiten. W. Kreiten S. J., Voltaire, ein Beitrag zur Entstehnngsgeschiofate 

des Liberalismus, Freiburg 1. Br. 1878. 
T. Kremer, 1865. Alfred v. Kremer (geb. 13. Mai 1828), Die Himjarische 

Kaaideh, herausgegeben und übersetzt, Leipzig 1865. 

— 1866. Alfred v. Kremer, lieber die südarabische Sage, Leipzig 1866. 
Kvlifeher. M. Kulischer, Die communale Zeitehe und ihre Ueberreste, im 

Arch. f. Anthrop., Bd. 11, Braunschweig 1879, Abth. 7, S. 215—229. 
Labemia. Diccionari de la llengua Catalana ab la correspondencia castellana 

y Ilatina per Pere Labernia, Barcelona 1839. 
de Labeseade. L^on de Labessade , Le droit du Seigneur et La Rosi^re de 

Salency, Paris 1878. 
Labonlaye. J^douard Ren^ Lefebvre Laboulaye (geb. 18. Jan. 1811), Reoherches 

sur la coudition civile et politique des femmes, depuis les Romains jus- 

qu'ä nos jours, Paris 1843. 
Laeemblet. Theodor Joseph Lacomblet, Urknndenbuch für die Geschichte des 

Niederrheins, 4 Bde., Düsseldorf 1840—1858. 
Laeianüiui. Lucü Caecilii Firmiani Lactantii (um 300) Opera, Der Aufsatz 

De mortibus persecutorum (in zahlreichen Ausgaben). 
La Gume. Dictionnaire historique de l'ancien langage frangois ou Glossaire 

de la langue frangoise depuis son origine jusqu'au si^cle de Louis XIV, 

par La Curne de Sainte-Palaye (geb. 1697, st. 1. März 1781), publik par 

les soins de L. Favre, Paris 1876 fP. 
Laferriire. Louis Firmin Julien Laferri^re (geb. 5. Nov. 1798, st. 14. Febr. 

1861), Histoire du droit fran^ais, tome Y: Coutumes de France dans les 

diverses provinces, Paris 1858. 
de Lagriie, 1851. Gustave Bascle de Lagr^ze (geb. 23. Aug 1811), Le tr^sor 

de Pau, archives du chateau d'Henri IV, Pau 1851 (1852). 

— 1854, G. B. de Lagr^ze, Le droit du Seigneur, in Le Droit v. 23. Juli 
1854. [Die besondere Abhandlung, G. 6. de Lagr^ze, Essai sur le droit 
du seigneur, k l'occasion de la controverse entre M. Dupln atn^ et M. 
Louis Veuillot, Paris 1855, ist mir nicht zugänglich.] 

— 1864. G. B. de Lagr^ze, La f^odaüt^ dans les Pyr^n^es, comtö de Bi- 
gorre, memoire lu k l'Acad^mie des.sciences morales et politiques, Paris 
1864. 

— 1867. G. B. de Lagr^ze, Histoire du droit dans les Pyr^n^es, Paris 1867, 
liv. V chap. 5, S. 384—420 (Le droit du seigneur). 

Lareche-Flayln. Bern, de la Roche-Flavin , Arrests notables du Parlement de 

Toulouse, nouv. ^d. Toulouse 1682, des droits seigneuriaux. 
Lauen. Christian Lassen (geb. 1800, st. 1876), Indische Alterthumskunde, 

Bd. 1, 2. Aufl, Leipzig 1867; Bd. 4, Leipzig 1861. 
Lavent. Fran^ois Laurent (geb. 8. Juli 1810), fitudes sur Thistoire de Thu- 

manitö, Bd. 7: La f^odalit^ et T^glise, Bruxelles 1861. 
Laviere. Eus^be Jacob de Lauri^re (geb. 31. Juli 1659, st. 19. Jan. 1728), 

Glossaire du droit frangals (nach Ragueau), 2 Bde., Paris 1704. 

— Ord. Ordonnances des rois de France de la troisi^me race, par feu M. 
Lauri^re, vol. II, Paris 1729. 

Laya. Alexandre Laya (geb. im Nov. 1809), Droit Anglais, ou r^sum^ de la 

lögislation Anglaise sous la forme de Codes, Paris 1845, 2 Bde. 
Le Brei. S. Hist. de Montauban. 
Lechaad^. M. Lechaud^ d'Anisy, Recherches historiques sur quelques pa- 



Titel der benutzten Bücher. 

roisses de Tarrondissement de Caen, in den M^moires de la Soci^tö des 

Antiquitaires de Normandie, 2« s^rie, second vol., Ann^es 1840 et 1841, 

Paris 1841, S. 88—112. 
La Droit. Le Droit, Journal dea tribunaux, Paris, Jahrg. 1854. 
Leg. ei eonsuet. borg. Leges et consuetudines burgorum, ed. Skenaeus, Lon- 

dini 1618; auch in den Acts of the Pari, of Scots, vol. 1 vom J. 1854. 
Leget Hoeli, s. Ancient laws und Hoeli Boni leges. 
LegtaTl Gabriel Jean Baptiste Ernest Wilfrid Legouvö. (geb. 15. Febr. 1807), 

Histoire morale de la femme, 4« 6d., Paris 1864. 
Leng XL, Wolff. Leng und Wolff, Wörterbuch der französischen Sprache, 

Weimar 1844. 
Lenormant. Fran^ois Lenormant (geb. 1835), Lettres Assyriologiques, seconde 

B^rie, ötudes Accadiennes, tome 3, Paris 1880. 
Lerch. Peter Lerch, Bericht v. 19. Juni 1856, M61. Asiat. Bd. 2, S. 621—649. 
LeslaeuB (Lesley). Joannes Leslaeus (John Lesley, geb. 1527, st. 1596), De 

origine et gestis gentis Scotorum, Romae 1578. 
Leu. Hans Jacob Leu (geb. 29. Jan. 1689, st. 10. Nov. 1768) , Allg. Helveti- 
sches Eydgennössisches oder Schweizer. Lexikon, Bd. 18, Zürich 1763. 
Liebreoht, 1864. Felix Liebrecht (Prof. in Lüttich), Das jus primae noctis, 

im Or. und Occ, Bd. 2, Göttingen 1864, S. 541. 

— 1869. Felix Liebrecht in den Heidelb. Jahrb., Nov. 1869. 

— 1874 Felix Liebrecht, Der Humor im deutschen Recht, Ztschr. f. deutsche 
Philologie (von Höpfner und Zacher), Bd. 6, Halle 1874, S. 137 ff. 

— 1879. Felix Liebrecht, Zur Volkskunde, alte und neue Aufsätze, Heil- 
bronn 1879. 

Liliensteni. Joh. Jak. Rühle v. Lilienstern, Zur Geschichte der Araber vor 

Muhamed, Berlin 1836. 
LimnaeuB. Joannes Limnaeus, Tomus quartus juris public! Imperii Romano- 

Germanici, additionum ad priores primus, Argentorati 1650. 
Linschot. Jan Huygen van Ijinschooten (geb. 1563, st. 1611) Itinerario, Vo- 

yage ofte Schipvaert naer Dost ofte Portugaels Indien, Amstelredam 1594. 
LipsiuB. Richard Adalbert Lipsius (Prof. in Jena, früher in Kiel), Jüdische 

Quellen zur Judithsage, in der« Ztschr. für wissenschaftliche Theologie 

von A. Hilgenfeld, 10. Jahrg., Halle 1867, Nr. 24, S. 337-366. 
Liitleten. Sir Thomas Littleton (st. 23. Aug. 1481), Institutes of the Laws 

of England, mit Commentar von Coke (s Coke). 
Littrt. Max. Paul fimile Littr6 (geb. 1. Febr. 1801, st. 2. Juni 1881), Diction- 

naire de la langue fran^aise, Bd. 1 u. 2, Paris 1863 u. 1869; auch die neuere 

Ausgabe, Bd. 1, Paris 1873. 
Lluyd. Edward Lluyd (st. 1709), Irish-English Dictionary, im ersten Band von 

Archaeologia Britannica, Oxford 1707, in fol. 
Loning. Edgar Löning , Das Kirchenrecht im Reiche der Merovinger , Strass- 

burg 187«. 
LonoL Hugo Lorsch, Rec. von Osenbrüggen's Studien, bei Reusch, Jahrg. 

1869, S. 448—447. 
Leon. Gerard van Loon (lebte in der 1. Hälfte des 17. Jahrb.), Beschryving der 

Aloude Regeeringwyze van Holland, derde deel, Te Leiden 1745, S. 158 

bis 168: Het Recht van den eersten Nacht. 
Louandre. Fran^ois C^sar Louandre (st. 1862), Histoire ancienne et moderne 

d'Abbeville et de son arrondissement, Abbeville 1834. 



Titel der benutzten Bücher. xxxi 

Johann Christian Lünig (geb. 1662, st. 1740), Corpus juris Feudalls 
Germanici. 
ICaekeniie, Def. Sir George Mackenzie (geb. zu Dundee 1636, st. 2. Mal 1691), 
Defensio antiquitatis regalis Scotorum prosapiae, Trajecti ad Rheniim 1689. 

— Lives. The lives and characters of the most eminent writers of the 
Scots Nation, by George Mackenzie (aus Edinburgh), Edinburgh 1708 bis 
1722, 3 Bde. 

Maelay. N. von Mikluho-Maclay, Ethnological excursions in the Malay Pen- 

insula, im Journal of the Straits Brauch of the Royal Asiatic Society, 

Nr. 2, December 1878, Singapore 1878, S. 205 fP. 
ICaopheraon. John Macpherson, Critical dissertations on the origin, antiquities, 

language, government, manners and religion of the ancient CaledonianS) 

their posterity the Picts and the British and Irish Scots, London 1768, 

diss. 13 : Of the Merchetae mulierum. 
ICajor. Historia Majoris Britanniae, tarn Angliae quam Scotiae, per Joannem 

Majorem (John Major oder Mair, geb. 1469, st. 1547), e veterum monu- 

mentis concinnata, ex offlcina Ascensiana ad Idus Aprilis 1521. (Ein 

seltenes Werk.) 
MaliToir. S. oben Historial. 
Malte-Brun. Conrad Malte-Brun (geb. 1775, st. 14. Dec. 1826), Annales des 

voyages de la Geographie et de THistoire etc., Paris, in 8^ 
Mandelilo. Joh. Albr. v. Mandelslo aus Mecklenburg (geb. 1616, st. 1644), 

Morgenländische Reise-Beschreibung, herausgegeben durch Adam Olea- 

rius, Hamburg 1696. 
Muielialftr. Amalio Marichalar Marques de Montesa y Cayetano Manrique, 

Historia de la legislaoion y recitaciones del derecho civil de Espana, 

Madrid 1861—1876, 9 Bde. 
IburtMie. Edm. Martene (geb. 1654, st. 1739) et Ursini Durand, Thesaurus 

anecdotorum, Paris 1717. 
Murtin. Henri Martin (geb. 1810), Histoire de France, 4«' ^d., Bd. 5, Paris 1855. 
Martiniire. M. Bruzen de la Martini^re, Le grand Dictionnaire g^ographique 

et historique, 6 Bde. (bloss bis T), Dijon 1739—1741. 
Marüiui, 1831. Karl Friedr. Phil. v. Martins (geb. 17. April 1794, st. 13. Dec. 

1868), s. unter Spix. 

— 1832. K. F. P. V. Martins, Von dem Rechtszustande unter den Urein- 
wohnern Brasiliens (verlesen in der Akad. d Wiss. am 28. März 1832), 
München 1832. 

MlMon. Antoine Philibert Massen (geb. 22. Aug. 1806, st. 1. Dec. 1860), Be- 
richt über das Werk von Bouthors, in L'Investigateur, Journal de l'Institut 
historique, tome VI, 2* s6rie, treizifeme annee, Paris 1846, S. 378—383. 

Maurer. Georg Ludwig v. Maurer (geb. 1790, st. 9. Mai 1872), Geschichte 
der Fronhöfe, der Bauernhöfe und der Hofverfassung in Deutschland, 
Bd. 3, Erlangen 1863. 

Mayr. Aurel Mayr; Das indische Erbrecht, Wien 1873. 

Harare. Adolphe Mazure (geb. 1800) et J. Hatoulet (st. nach 1864), Fors de 
B^am, l^gislation in^dite du 11"« au 13"« siöcle, avec traduction en regard, 
notes et introduction, Pau et Paris [1841]. 

Meiehfll»eek. Car. Meichelbeck (geb. 1669, st. 1734), Historia Frisingensis, 
Aug. Vindel. et Graeci 1724, 1729. 

Mela. Pomponius Mela (1. Jahrh. n. Chr. Geb , unter Claudius). De situ orbis. 



xxxn Titel der benatzten Bttcher. 

Mal. Asiat. M^langes Asiatiques tirös du bulletin historico-philologique de 

l'Acad^raie Imperiale des sciences de St. P^tersbourg, tome II (1852 bis 

1856), St. Petersbourg 1856. Vgl. auch Römusat. 
Mto. Aead. 8. Lagr^ze und Sacy. 
M^m. Norm. S. Lechaud^. 
M<m. Pio. S. Bouthors. 
MAiage. Gilles Manage (geb. 1613, st. 1692), Dictionnaire ^tymologique ou 

origines de la langue frangalse, nouv. 4d. Paris 1604, fol. 
Merlin, Quest. Phil. Ant. Graf Merlin (geb. 1754, st. 1888) , Recueil alpha- 

b^tique des questions de droit, Bd. 4, Paris 1828. 

— R^p. Merlin, Repertoire universel et raisonn^ de Jurisprudence , Paris 
1812 ff., Bd. 3 V. 1812, Bd. 7 u. 8 v. 1813 und Bd. 10 v. 1827. 

MeviuB. Dav. Mevii Decisiones. • 

Meyer. Meyer's Conversations-Lexikon, 8. Aufl., Bd. 9, Leipzig 1876. 

Meyer, Chr. Christian Meyer, Zur Geschichte des deutschen Bauernstandes, 

in den Preuss. Jahrb., Bd. 42 (1878), S. 339—376. 
Miehaud. Biographie universelle ancienne et moderne, 52 Bde., Paris 1811 — 1828, 

chez Miehaud fröres. 
Miohelet. Jules Michelet (geb. 21. Aug. 1798, st. 9. Febr. 1874), Origines 

du droit fran^ais, Paris 1837. 

— Hist. J. Michelet, Histoire de France, 16 Bde., Paris 1833—1867, und 
neue Ausg. 1871. 

Mieleke. Christian Gottlieb Mielcke, Litthauisch-deutsches Wörterbuch, Kö- 
nigsberg 1800. 

Migne. Jacques Paul Migne (geb. 1801, st. 1875), Patrologia, Bd. 84, Parisiis 
1850, u. Bd. 141, Par. 1853. 

Mignet. S^ances et travaux de l'Acad^mie des sciences morales et politiques, 
Compte rendu par M. Ch. Yerg^, sous la direction de M. Mignet, Bd. 28, 
Paris 1854. 

Miot. Andre Frangois Miot (geb. 9. Febr. 1761), Histoire d'H^rodote, nonv. 
trad., Paris 1822, Anm. 61. 

MiraeuB, Cod. Don. Auberti Miraei (geb. 1573, st. 1640) Codex Donationum 
piarum, Bruxellis 1624. 

— Dipl. Belg. Aub. Miraei Diplomatum Belg. libri duo, Bruxellis 1628. 

— Don. Belg. Aub. Miraei Brucellensis Donationum Belglcarum libri duo, 
Antverp. 1629. 

— Not. Eccl. Aub. Miraei Notitia Ecclesiarum Belgii, Antverp. 1630. 
Mittennaier. K. J. A. Mittermaier (geb. 5. Aug. 1787, st. 28. Aug. 1867), 

Grundsätze des deutschen Privatrechts, 7. Aufl., Regensburg 1847. 
Moser. Justus Moser (geb. 1720, st. 1794), Kleinere, den patriotischen Phan- 

tasieen verwandte Stücke, Ausg. v. B. R. Abeken, Berlin 1858 (Sämmtl. 

Werke Bd. 5), Nr. XI: Der arme Freie, S. 154-174. 
Mone. Franz Joseph Mone (geb. 12. Mai 1796, st. 12. März 1871), lieber das 

Eherecht der Hörigen vom 13. bis 16. Jahrhundert, in der Zeitschrift für 

Geschichte des Oberrheins, Bd. 7, Karlsruhe 1856, S. 129—171. 

— Anz. Anzeiger für Kunde der teutschen Vorzeit, herausgegeben von 
Franz Joseph Mone, Karlsruhe, 7. Jahrg., 1838. 

Mon. Germ. Monumenta Germaniae historica, ed. Georgius Heinricus Pertz. 
Montaigne. Les Essais de Michel seignear de Montaigne (geb. 1533, st. 1592), 
nouv. ^d, Bd. 1, Amsterd. 1781. 



Titel der benutzten BOcher. xxxui 

MontesquieiL Charles de Söcondat , Baron de la Br^dc et de Montesquieu 

(geb. 18. Jan. 1689, st. 10. Febr. 1755), De Tesprit des lois (zuerst 1748 

in Genf erschienen), nouv. 6d., Gen^ve 1749. 
Mon. Boioa. Monumenta Boica, vol. I,* ed. Acad. scient. elect., Monachii 1763. 
Morellet. J. N. Morellet, Le Nivernois, Bd. 1, Nevers 1838. 
MorÄL Louis Mor^ri (geb. 25. März 1643, st. 10. Juli 1680), Le grand Dic- 

tionnaire historique, nouv. 6d., Paris 1759, 10 Bde. 
Moser. Moser, Beschreibung des Oberamts Göppingen. Stuttg. u. Tüb. 1844. 
Monn-Pesohier. Mozin-Peschier, Dictionnaire complet des langues frangaise et 

allemande, 4. Aufl., Stuttgart 1873. 
Müller, Gar. Carolus MüUerus^ Fragmenta Historicorum Graecoruni, vol. II, 

Parisiis 1853. 
Möller, J. Joseph Müller, Altrussische Geschichte nach Nestor, mit Rück- 
sicht auf V. Schlözer's Russische Annalen, Berlin 1812. 
Möller, Max. The sacred books of the East, translated by various oriental 

scholars and edited by F. Max Müller (geb. 6. Dec. 1823), London. 
Mnir. J, Muir, Original Sanskrit texts on the origin and history of the people 

of India, their religion and institutions, 2. Aufl., Bd. 1, London 1872. 
Muratori. Lud. Ant. Muratori (geb. 1672, st. 1750), A^tiquitates Italicae me- 

dii aevi, 6 Bde., Mediolani 1738—1742. 
MuHo. Hieronymo Mutio Justinopolitano (d. h. aus Capo d'Istria, st. 1564), 

Trattato di matrimonio, alla Signora Tullia d'Arragona (2. Theil), in den 

Operette morali del Mutio Justinopolitano, di nuova ristampate, in vine- 

gia appresso Gabriel Giolito de Ferrari e fratelli, 1553. 
^•ok. Relation du second voiage de Jaques van Neck, Amiral Hollandais, 

aux Indes Orientales (von 1600—1604), bei Constantin Bd. 2 S. 177—279; 

S. 250 ff.: Divers m^moires touchant les Indes orientales. 
^Blaon. J. H. Nelson, A view of the Hindu Law as administered by the High 

Court of Judicature at Madras, Madras, Calcutta und Bombay 1877. 
Äestor. S. Müller (J.) und v. Schlözer. 
Köldeke. Th. Nöldeke, Geschichte der Perser und Araber zur Zeit der Sasa- 

niden, kus der arabischen Chronik des Tabari übersetzt und mit Erläute- 

rungen versehen, Leyden 1879. 
holten. Rud. Aug. Noltenii Diatribe de juribus et consuetudinibus circa villi- 

cos, vulgo von Meyer-Recht und Gewohnheiten, Brunsvigae 1738. 
^Ooidewier. M. J. Noordewier, Nederduitsche Regtsoudheden, te Utrecht 1853. 
^ork. F. Nork (Friedrich Korn), Die Sitten und Gebräuche der Deutschen 

und ihrer Nachbarvölker, Stuttgart 1849. 
MotieeB. Notices et extraits des manuscripts de la biblioth^que du Roi et 

autres biblioth^ques , pj^bli^s par l'Institut Royal de France, Bd. 14, 

Paris 1843. 
^0"wairi. S. Nuweiri. 
^"•Äits d'öprevTe. Les nuits d'6preuve des villageoises Allemandes avant le 

marlage, 2* 6d., Bruxelles 1877, postface § 6: droit du seigneur. 
^"'4'Weiri. Historia regum Arabum et praesertim regum Jactanidarum in Arabia 

felice, ex Nuweirio (st. 1348), bei Schultens S. 47—93. 
^*C3Tirry. Eugene O'Curry, On the manners and custoras of the Ancient Irish, 

A series of lectures, 3 Bde., London, Dublin und New- York 1873. 

^'Kearney. Nicholas O'Kearney, The battle of Gabhra (Garristown) in the 

County of Dublin, fought A. D. 283, for the first time edited from an 
Schmitt, Jus primae noctis. C 



XXXIV ' Titel der benutzten BOcher. 

Original Irish Manuscript, Dublin 1853, in den Transactions of the Ossia- 

nic Society, for the year 1853, Bd. 1, Dublin 1854. 
Oldenberg. H. Oldenberg, Das Qänkhäyanagrihyam , bei A. Weber Bd. 15, 

Leipzig 1878, S. 1—166. 
OleariuB. Adam Olearius (Oehlschläger, geb. um 1600, st. 1671), Muskowitische 

und Persianische Reisebeschreibung, Hamburg 1696. Vgl. auch Mandelslo^ 
Olim. Les Olim, ou Registres des arr^ts rendus par la cour du Roi sous les 

r^gnes de S. Louis etc., publi^s par le Comte Beugnot, t. I (1254 — 1273), 

Paris 1839. 
Olive. Les oeuvres de Simon d'Olive, sieur de Mesnil (seit 1628 Rath am 

Parlament zu Toulouse), Lyon 1607, liv. 2 chap. 1 : Des droits seigneu- 

riaux extraordinaires et contre les bonnes moeurs. 
O'Reilly. Edward O'Reilly, Irish-English Dictionary, Dublin 1817, in 4». 
Or. und Ooc. Orient und Occident, insbesondere in ihren gegenseitigen Be- 
ziehungen. Viertel Jahrsschrift , herausg. von Theodor Benfey, Göttingen. 
Orig. Gnelf. Origines Guelficae etc., ex schedis manuscriptis Godofredi Gui- 

lielmi Leibnitii, Job. Georgii Eccardi et Job. Danielis Gruberi edidit Chri- 
stianus Ludovicus Scheidius, Haniioverae, Bd. 2, 1751, Bd. 3, 1752, und 

Bd. 4, 1753, in foU 
Osenbruggen, R.-A. Eduard Osenbrüggen (geb. 1809, st. 9. Juni 1879), Deutsche 

Rechtsalterthtimer aus der Schweiz, Zürich 1858; XII: Das jus primae 

noctis. 
— Studien. E. Osenbrüggen, Studien zur deutschen und schweizerischen 

Rechtsgeschichte, Schaifhausen 1868; IV: Das jus primae noctis. 
Oviedo. Gonzalo Fernandez de Oviedo y Valdes (geb. 1478, st. 1557), Historia 

general y natural de las Indias (erschien zuerst 1535 — 1548), Madrid 1851 

bis 1852. 
Paponins. Jo. Paponius (Jean Papon, geb. 1505, st 1590), Corpus Juris 

Francici, seu absolutissima collectio Arrestorum sive rerum in supremis 

Franciae tribunalibus et parlamentis judicatarum, Colon. AUobr. 1624. 
Psrei. Dan. Parei Historia Bavarico-Palatina, Francof. 1727. 
Pars. Adrianus Pars (geb. im Haag 14. Oct. 1641, st 29. März 1719), Catti 

Aborigines Batavorum, dat is De Katten de voorouders der Batavieren ofte 

De twee Katwijken aan See en aan de Rijn, Ausgabe von P. v. d. Schel- 

ling, te Leiden 1745 (Katwijke Oudheden). 
Pastoret. Marquis de Pastoret (geb. 1756, st 1840), pröface in den Ordon- 

nances des Rois de France de la troisiöme race, vol. 18, Paris 1828. 
Peignot. fitienne Gabriel Peignot (geb. 15. Juni 1767, st. 14. Aug. 1849), 

Tableau des moeurs au dixieme siöcle, ou la Cour et les Lois de Howel- 

le-Bon, Roi d'Aberfraw de 907 ä 948, Paris d832. 
Pelletier. Dom Louis de Pelletier (geb. 22. Jan. 1663, st. 1733), Dictionnaire 

de la langue Bretonne, Paris 1752. 
Perioaud. Antoine Pericaud ain6 (geb. 4. Dec. 1782, st. 25. Oct. 1867), Notice 

sur Guillaume de Thurey, archevöque de Lyon, Lyon 1856. 
Pertile. Ant. Pertile, Storia del diritto Italiano, vol. III: Storia del diritto 

privato, Padova 1872. 
Pertz, s. Mon. Germ. 
Petr. Greg. Petrus Gregorius Tholozanus (st. 1597), De republica libri sex 

et viginti, ed. nova, ex offlc. Paltheniana 1597. 
Peuohet-Ohanlaire. Jacques Peuchet (geb. 6. März 1758, st 28 Sept 1830) 



Titel der benatzten Bücher. xxxv 

et Pierre Gr^goire Chanlaire (geb. 1738, st. 1817), Description topogra- 
phique et statistique de la France, D6p. Tarn et Garonne [1839]. 

Pfiuuieiuiolimid. Heino PfannenBchmid (geb. 21. März 1828), Germanische Ernte- 
feste im heidnischen und christlichen Cultus, Hannover 1878. 

Pfeiffer. Franz Pfeiffer (geb. 27. Febr. 1815, st. 29. Mai 1868), Briefwechsel 
zwischen Joseph Freiherrn von Lassberg (geb. 10. April 1770, st. 15. März 
1855) und Ludwig Uhland, Wien 1870. 

Phillips, K.-R. Georg Phillips (geb. 6. Jan. 1804, st. 6. Sept. 1872), Kirchen- 
recht, Regensburgk 1845 ff. 

Phillipe, R.-G. Georg Phillips, Englische Reichs- und Rechtsgeschichte, 2 Bde., 
Berlin 1827. 

— 1849. Georg Phillips, lieber den Ursprung der Katzenmusiken, eine 
canonistisch-mythologische Abhandlung, Freiburg i. Br. 1849. 

Pinard. Jules Pinard , Jfetude sur les moeurs et les coutumes föodales du 
B^arn, in der Revue des societ^s savantes des d^partements , 2« partie, 
tome V, Paris 1861, S. 425—444 und 625—642. 

Pimiillt de Jannaiiz. Recueil d'Arr^ts notables du Parlement de Tournay, par 
Messire Mathieu Pinault, Chevalier seigneur de Jaunaux (Vicepräsident 
am Parlament zu Tournay), tome II, Valenciennes 1702. 

Pinkerten, Enquiry. John Pinkerton (geb. 27. Febr. 1758, st. 10. Mai 1826), 
An Enquiry into the history of Scotland preceding the reign of Mal- 
colm III or the year 1056, 2 vol., London 1794. 

— Vitae. Joannes Pinckerton, Vitae Sanctorum Scotiae, Londini 1789. 

— Voyages. S. Hamilton. 

Piot. Cartulaire de l'Abbaye de Saint-Trond, publik par Ch Piot, 2 Bde., 
Bruxelles 1870 und 1874, in 4«. 

Piper. Friedr. Gottlieb Piper (oder Pieper, st. 21. März 1768), Gedanken 
vom Bedemuths- und Bettemunds-Recht in Westfalen, Halle 1761. 

Plinili. Caji Plinii Secundi (des A eiteren, geb. 23, st. 79) Historiae naturalis 
libri XXXVir, ed. Johannes Harduinus, Parisiis 1741. 

Plet. Robert Piot (geb. 1640, st 1696) , The natural history of Staffordshire, 
Oxford 1686. 

Peooek« Specimen historiae Arabum, sive Grcgorii Abul Faragli Malatiensis 
de origine et moribus Arabum succincta narratio, in linguam latinam 
conversa, notisque illustrata Opera et studio Eduardl Pococki (geb. 1604, 
8t. 1691), Oxoniae 1650; und neue Ausg. von Jos. White, Oxoniae 1806. 

Pelo. The travels of Marco Polo a Venetian in the thirteenth Century (starb 
1323), translated from the Italian, with notes, by William Marsden (geb. 
1754, St. 1836), London 1818. 

Pel. Verg. Polydorus Vergilius (geb. zu Urbino um 1470 , lebte seit 1503 zu 
London, st. zu Urbino 1555), De rerum inventoribus libri octo (mit Vor- 
rede aus Urbino vom 24. Juli 1499), folgende Ausgaben: Argentor. 1509 
in 8^, Basileae 1521 in fol., Basileae 1532, Basileae 1575, Amstelod. 1671. 

Poet. Alb. Herrn. Post, Die Geschlechtsgenossenschaft der Urzeit und die 
Entstehung der Ehe, Oldenburg 1875. 

Pot^eieer. Joachim Potgiesser (geb. zu Dortmund 1. Sept. 1679 , st. 27. Dec 
1745), Comment. jur. Germ, de statu servorum, Lemgoviae 1736. 

Potthaet. Franz August Potthast (geb. zu Höxter 13. Aug. 1824), Wegweiser 
durch die Geschichtswerke des Mittelalters, von 375—1500, Berlin 1862, 
mit Supplement v. 1868. 






XXXYI Titel der benutzten Bücker. 

PraetoriuB. Franciscus Praetorius, Fabula de regina Sabaea apud Aethiopes 
(diss. inaug.), Halis 1870. 

Pragmat. Drets. Pragmaticas y altres Drets de Cathalunya, compilats en 
virtut del cap. de Cort XXIIII. de las Corts per la S. C. y Reyal Ma- 
jestät del Rey Don Philip nostre senyor celebradas en la vila de Montso 
any 1585, volum segon, en Barcelona any 1589. (Vgl. oben Const. Catb.) 

PreuBB. Jahib. Preussische Jahrbücher, herausg. von v. Treitschke und Weh- 
renpfennig, Berlin. 

Pufendorf. Friderici Esaiac Pufendorfti (geb. 1632, st. 1694) Observationes 
juris universi, Bd. 2 u. 3, Hannoverae 1748, 1756. 

PnjadeB. Geronimo Pujades (geb. zu Barcelona 80. Sept. 1568, st 1660), 
Crönica universal del Principado de Cataluna, escrita a principios del 
siglo XVII, Barcelona 1829 — 1832, 8 Bde. 

Qn^rard. J. M. Qu^rard, La France litt^raire, Paris 1827—1864, 12 Bde. 

Quiz. Christian Quix, Codex diplomaticus Aqucnsis, Anhang zur Geschichte 
der Stadt Aachen, 2 Bde., Aachen 1840 und 1841. 

RaepBaet. Jean Joseph Raepsaet (st. 19. Febr. 1832), Recherches sur rorigine 
et la natuaB des droits connus anciennement sous les noms de droits de 
premi^res nuits, de markctte, d'afPorage, marcheta, maritagium et bumede, 
1. Ausg. Gand 1817; 2. Ausg. in den Oeuvres complötes de J. J. Raep- 
saet, tome L Gand, Bruxelles et Lidge 1838, S. 199—229; 8. Ausg. (bloss 
Abdruck der 1. Ausg.) Ronen 1877. 

Ragnean. Frangois Ragueau (st. 1605), Indice des droits royaux, Paris 1580. 

Rapp. Jos. Rapp, Ueber dos vaterländische Statutenwesen, in: v. Mersi, 
V. Pfaundler und Röggel, Beiträge zur Geschichte, Statistik, Naturkunde 
und Kunst von Tirol und Vorarlberg, 3. Bd., Innsbruck 1827. 

Baflielli. II Fodero , o sia il jus sulle spose degli antichi signori sulla fonda- 
zione dl Nizza della Paglia nell' alto Monferrato. Poema satirico giocoso 
in ottava rima di Veridico Sincer Colombo Giulio, Torino 1789. (Verfasser 
ist Sincere Rastelli, Lehrer der italien. Sprache, der 1793 in Lyon starb.) 

Baumer. Friedrich von Raumer (geb. 14. Mai 1781, st. 14. Juni 1873), Ge- 
schichte der Hohenstaufen, Bd. 5, Leipzig 1825. 

Baynal. Louis Hector Chaudru de Raynal (geb. 28. Jan. 1805), Histoirc du 
Berry, Bourges 1844, 8 Bde. 

Recueil de Glermont. Recueil des arr^ts, d^clarations . lettres patentes du Roi, 
röglemens, ordonnances et Instructions de la Cour des Grands Jours, 
tenus ä Clermont en Auvcrgne Tan 1665 et 1666, Clermont 1666. 

Reg. Maj. Regiara Majestatem, ed. Skenaeus, Edinb. 1609 und London 1613, 
auch in den Acts of the Parlaments of Scotland (s. Acts etc.). 

Regino. Reginonis Abbatis Prumiensis (st. 915) libri duo de ecclesiasticis 
disciplinis et rcligione Christiana, ed. Baluzius, Par. 1671. 

Behimeier. Phil. Jul. Rehtmeier, Braunschweig -Lüneburgische Chronica, 
Braunschweig 1722. 

BämnBat. Abel-Rämusat (geb. 1788, st. 1832), Nouveaux Mclanges Asiatiques, 
Bd. 1, Paris 1829. 

Benauldon. Joseph Renauldon (geb. 1709), Traite des droits seigneurlaux, 
Paris 1705. 

RetolüTe. Sir John RetclifTe (pseudonym), Villafranca, historisch-politischer 
Roman aus der Gegenwart, 2. Aufl., Berlin 1860, erste Abtheilung: 
Giuseppe Garibaldi. 



Titel der benutzten Bücher. xxxvii 

BeuBOh. Franz Heinrich Keusch (geb. 1825), Theolog. Literaturblatt, Bonn. 

Revue, s. Barth^lemy, Crazannes, Pinard. 

Beynitiseh. Wilh. Reynitzsch, lieber Truhten und Truhtensteine u. s. w., 
Gotha 1802. 

Riehud. Charles Louis Richard (geb. 1711, st. 16. Aug. 1794), Analyse des 
Conciles, Paris 1777. 

Riehter, Conc. Trid. Aemilius Ludovicus Richter (geb. 1808, st. 8. Mai 1864), 
Canones et Decreta Concilii Tridentini etc. Lipsiae 1853. 

Riedel Adolph Fr. Riedel, Die Mark Brandenburg um 1250, Bd. 2, Berl. 1832. 

Riye. C. C. H. Rive, lieber das Bauerngüterwesen in den Grafschaften Mark, 
Recklinghausen, Dortmund etc. Köln 1824. 

Rjunin. Bestushew-Rjumln , Geschichte Russlands, übersetzt von Theodor 
Schiemann, Bd. 1, Mitau 1877. 

Robertson. William Robertson (geb. 1721, st. 1793), The history of Scotland, 
2 Bde., London 1761 (auch in Uebers. deutsch von M. Th. Chr. Mittel- 
Btedt, 2 Bde., Braunschweig 1762, französisch: Histoire de TEcosse, par 
Guillaume Robertson, trad. de l'Anglais, 3 Bde, Londres 1764). 

Roseh. Gustav Rösch, Die Königin von Saba als Königin Bilqts, Leipzig 1880. 

Ro^r. S. Arnold, Chr. 

Roquefort. Jean Baptiste Bonaventure de Roquefort (geb. 15. Oct, 1777, 
st. 17. Juni 1834), Glossaire de la langue Romaine, Paris 1808, und 
Supplement, Paris 1820. 

Rottook XL. Weleker. S. Kolb (1842). 

Riuide. Justus Friedrich Runde, Grundsätze des gemeinen Privatrechts, 
8. Aufl., Göttingen 1829. 

Rymor. Thomas Rymer (geb. vor 1650, st. 14. Dec. 1713), Foedera, con- 
ventlones, litterae et cujuscunque generis acta publica inter Reges Angliae 
et alios quosvis Imperatores, Reges, Pontlflces vel Communitates, Bd. 13 
der ersten Ausg. (Londini 1712), Bd. 5 der zweiten Ausg. (von Holmes, 
Hagae Comitis 1741) und Bd. 2 der vierten Ausg. (Londini 1818). 

Saey. A. I. Sylvestre de Sacy (geb. 21. Sept. 1758, st. 21. Febr. 1838), 
Excerpta ex Abulfeda, de rebus Arabum ante Mohamnfedem, als Appen- 
dix zu Pocock (s. oben), Ausg. v. Jos. White, Oxoniae 1806, S. 413 if. 

— M^m. A. L Sylvestre de Sacy, Memoire sur divers 6v6nemens de l'histoire 
des Arabes avant Mahomet, in den M^moires de litt^rature de TAcad^mie 
fran^ise des inscriptions et helles lettres, tome 48, Paris 1808, S. 484 — 683. 

Ssint-Anukiu, 1812. M. Jean Florimond Boudon de S. Amans (zu Agen geb. 
24. Juni 1748, st. 28. Oct. 1831), Yoyage agricole, botanique et pittoresque 
dans une partie des Landes de Lot-et-Garonne et de celles de la Gironde, 
bei Malte-Brun, Bd 18, Paris 1812. 

— 1818. M. de S. Amans,' Voyage agricole, botanique et pittoresque 
dans une partie des Landes de Lot-et-Garonne et de celles de la Gironde, 
Agen et Paris 1818. 

SuBt-Furgeau. Girault de Saint-Fargeau, Dictionnaire g^ographique, historique 

et commercial de toutes les communes de la France, vol. II, Paris 1845, 

S. 628—630 (Montauban). 
Saint-Foix. Germain Fran^ois Poullain de Saint-Foix (geb. 5. Febr. 1698, 

8t. 25. Aug. 1776), Essais historiques sur Paris, Bd. 2, Londres 1767. 
8ak (engl.) George Säle (geb. 1680, st. 1736), The Koran with explanatory 

notes, London 1764. 
Schmitt, Jus primae noctis. q##* 



xxxviii Titel der benutzten Bücher. 

Säle (franz.). George Säle, Observations historiqnes et critiques sur le Moha» 
metlsme, Genöve 1751. 

Balis. Karl Ulysses v. Salis v. Marschlins (geb. 1728, st. 1800), Beiträge 
zur natürlichen und ökonomischen Kenntniss des Königreichs beeder 
Sicilien, Zürich 1790. 

Salmasius. Claudii Salmasii (Claude Saumaise, geb. 1588, st. 1653) Plinianae 
exercitatlones in C. Julii Solini Polyhistora, Traj. ad Rhenum 1689. 

Sanohez. Thomas Sanchez (geb. 1551, st. 1610), De sancto matrimonii sacra- 
mento, Antverp. 1626. 

Sohäfiher. Wilhelm Schaffner, Geschichte der Staats- und Rechtsverfassung 
Frankreichs, Bd. 2, Frankfurt a. M. 1859. 

Sohannat. Joannis Friderici Schannat (geb. 1683, st. 1739) Corpus traditionum 
Fuldensium, Lipsiae 1724, fol. 

Sohelling. P. van der Schelling, Hollands Tiend-Regt, of Verhandeling van 
het Regt tot de Tienden. toekomende aan de Graafelykheid, en de Heere- 
lykheden van Holland en Westvriesland etc. 1. Deel, Rotterdam 1727. 

Soherr, 1858. Johannes Scherr (geb. 1817), Deutsche Cultur- und Sitten- 
geschichte, 2. Aufl., Leipzig 1858 (auch 6. Aufl , Leipzig 1876). 

■ — 1865. Johannes Scherr, Geschichte der deutschen Frauenwelt, 2. Aufl., 
Bd. 1, Leipzig 1865. 

Scherz. Johann Georg Scherz (geb. 1678, st. 1754), Glossarium Germanicum 
medii aevi, Argentorati 1781, 1784, 2 Bde. 

SoWlter. Joh. Schilter (geb. 1632, st. 14. Mai 1705), Praxis juris Romani 
in foro Germanico, Francof. 1733, darin die Exercitatlones ad Pandectas. 

Sohlözer. August Ludwig v. Schlözer (geb. 1735, st. 1809), Nestor's russische 
Annalen, in ihrer slavonischen Grundsprache verglichen, übersetzt und 
erklärt, Thl. 1 u. 2, Göttingen 1802, Tbl. 5, Göttingen 1809. 

Sohmeller-Frommann. Bayerisches Wörterbuch von Joh. Andreas Schmeller 
(geb. 6. Aug. 1785, st. 27. Juli 1852), 2. Ausg., bearbeitet von Georg 
Karl Frommann (geb. 31. Dec. 1814), Bd. 1, München 1872. 

Sohmid, Fr. X. Franz Xaver Schmid. Cultus der christkatholischen Kirche, 
3. Band (Litift-gik), 3. Aufl., Passau 1842. 

Sohmid, R. Reinhold Schmid (geb. 29. Nov. 1800, st. 21. April 1873), Die 
Gesetze der Angelsachsen, in der Ursprache mit Uebersetzung , Erläute- 
rungen und einem antiquarischen Glossar, 2. Aufl., Leipzig 1858. 

Sohmilg. Joseph Schmilg, Ueber Entstehung und historischen Werth des 
Siegeskalenders Megillath Ta'anith, Leipzig 1874. 

Schmitz. Ludwig Friedrich von Schmitz. Denkwürdigkeiten aus Soest's Vor- 
zeit, Leipzig 1873. 

Sohönemann. C. P. C. Schönemann, Hundert Merkwürdigkelten der herzog- 
lichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Hannover 1849. 

Sohonwerth. Fr. Schönwerth, Aus der Oberpfalz, Sitten und Sagen, 1. Theil, 
Augsburg 1857. 

Sohottel. Justus Georg Schottel (geb. 1612, st. 25. Oct. 1676), De singularibus 
antiquis in Germania juribus, Francof. et Lips. 1671. 

Sohultens. Historia Imperii vetustissimi Joctanidarum in Arabia felice, ex Abul- 
feda, Hamza Ispahanensi, Nuweirio, Taberita, Mesoudlo etc., excerpta ab 
Alberto Schultens (geb. 1686, st. 26. Jan. 1750), Harderovici Gelrorum 1786. 

Sohnltz, A. Alwin Schultz, Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger, 
2 Bde., Leipzig 1879 und 1880. 



Titel der benutzten Bücher. xxxix 

Sohweii. GesoL-F. Der Schweizerische Geschichtsforscher, 1. Bd., Bern 1812. 
Sohwenok. Konrad Sohwenck (geb. 1793, st. 1864), Wörterbuch der deutschen 

Sprache, 4. Aufl., Frankfurt a. M. 1855. 
Script, post Bedam. [Sir Henry Savile (geb. 30. Nov. 1549, st. 19. Febr. 1621)], 

Rerum Anglicarum Scriptores post Bedam praecipui, ex vetustissimis 

codicibus manuscriptis nunc primum in lucem editi, Francof. 1601, fol. 
Seot of Maj. History of the Sect of Mahdrajas or VallabhächAryas in We- 
stern India , London 1865 , mit Appendix , containing specimens of the 

evidence and the judgment in the libel case, with comments of the 

Indian press. 
Seibertz. Job. Suibert Seibertz, Urkundenbuch zur Landes- und Kechts- 

geschichte des Herzogthums Westfalen, 3 Bände, Arnsberg 1839, 1843 

und 1854. 
Seiden. John Seiden (geb. 16. Dec. 1584, st. 30. Nov. 1654), Uxor Ebraica, 

ed. nova, Francof. ad Oderam 1695 in 4® (auch .Toannis Seldeni Juris- 

consulti Opera omnia, vol. II, Londini 1726 in fol.). 
Sempere. J. Sempere, Betrachtungen über die Ursachen der Grösse und des 

Verfalls der spanischen Monarchie, übers, und mit Anmerk. begleitet von 

H. Schäfer, 1. Theil, Darmstadt 1829. 
Servin. Actions notables et plaidoyez de Messire Lovys Servin (geb. um 1555, 

st. 19. März 1626), h la fln desquels sont les arrests intervenus sur iceux, 

Paris 1631 in 4». 
SigoniuB. Carlo Sigonio (geb. 1524, st. 1584), Hlstoriarum de Regno Italiae 

libri viginti, Francof. 1591. 
Simon. Padre Fray Pedro Simon (lebte in der ersten Hälfte des 17. Jahrb.), 

Primera parte de las Noticias historiales de las Conquistas de tierra firme 

en las Indias Occidentales , Cuenca 1626. 
Simon d'Oliye. S. Olive. 
Simroek. Karl Simrock (geb. 28. Aug. 1802, st. 18. Juli 1876), Handbuch 

der deutschen Mythologie, 2. Aufl., Bonn 1864. 
Skene, J. Regiam Majestatem Scotiae, sive veteres leges et constitutiones, ed. 

.Toannis Skenaei (Sir John Skene, geb. um 1540, st. 1617), Londini 1613. 
Skene, W. William Forbes Skene, Introduction to The Dean of Lismore's book, 

a selection of ancient Gaelic poetry, edited by Th. M^ Lauchlan, Edin- 
burgh 1862. 
Smallegange. M. Smallegange, Nieuwe Cronyk van Zeeland, vervattende de 

voor desen uitgegeven Cronyken van de Heeren Jacobus Eyndius en 

Johan Reygersberg, veel vermeerdert outrent deses Landschaps Gudheden 

en Herkomsten etc. Tot Middelburg 1696. 
Sohm. R. Sohm, Recht der Eheschliessung, Weimar 1875. 
Soliniu. C. Julii Solini (aus dem 3. Jahrh.) Polyhistor, Lugd. Bat. 1646 und 

Traj. ad Rhenum 1689, auch Ausg. v. Th. Mommsen, Berol. 1864. 
Sommer. Johann Friedrich Joseph Sommer, Handbuch über die bäuerlichen 

Rechtsverhältnisse etc., 1. Tbl., 2. Band, Hamm 1830. 
Spelman. Sir Henry Spelman (geb. 1562, st. 1641), Glossarium Archaeo- 

logicum, Londini 1664. (Die erste Ausgabe erschien 1626). 
Spitser. D. Spitzer, Das Herrenrecht, Novelle in Briefen, Wien 1877. 
Spix. Johann Baptist v. Spix (geb. 9. Febr. 1781, st. 13. März 1826) und 

Karl Friedr. Phil. v. Martins (s. Martins), Reise in Brasilien, 3. Theil, 

München 1831. 



XL Titel der benutzten Bttcher. 

Spotswood. John Spotswood (geb. 1562, st. 1641), The history of the Church 
and State of Scotland, beginning the year of our Lord 203 and continued 
to the end of the reign of king James YL, 4. ed. London 1677. 

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Literature, London 1857. 

— 1867. Moritz Steinschneider, Alfarabi, des arabischen Philosophen Leben 
und Schriften, nebst Anhängen, eine am 21. März 1867 Oberreichte Denk- 
schrift, in den M^moires de l'Academie des sciences de St. P^tersbourg, 
tome 13, Nr. 4, St. P^tersbourg 1869. 

— 1877. Moritz Steinschneider, Polemische und apologetische Literatur in 
arabischer Sprache, Leipzig 1877, in den Abhandlungen für die Kunde 
des Morgenlandes, Bd. 6. 

Stenzler. Adolph Friedrich Stenzler (geb. 1807), Grihyasütrani, indische Haus- 
regeln, Sanskrit und Deutsch, I. A^valäyana (2. Heft, Uebersetzung), 
Leipzig 1865, und II. Päraskara (2. Heft, Uebersetzung), Leipzig 1878, 
in den Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes, herausgegeben 
von der deutsch-morgenländischen Gesellschaft, Bd. 3 und Bd. 6. 

StepÜ Job. Heinr. Stepf, Gallerie aller juridischen Autoren, Leipzig 1820 if. 

Stephen. Henry John Stephen (st. im Dec. 1864), New Commentaries on the 
Laws of England, 5*^^ ed , by James Stephen, London 1863, 4 Bde. 

Strabo. Strabo (geb. um 66 v. Chr , st. um 24 n. Chr.), De situ orbis, ed. 
C. Müller, Parisiis 1853. 

Stryk. Sam. Strykii Usus modernus Pandectarum. 

Stompff, Job. Johann Stumpff, Gemeiner löblicher Eydgenossenschaft Statten, 
Landen und Völkern Chronik, Zürich 1548. 

Stampf, K. Fr. Karl Friedrich Stumpf, Chronologisches Yerzeichniss der 
Kaiserurkunden des 10., 11. und 12. Jahrhunderts, Innsbruck 1865, und 
Die Reichskanzler etc., Bd. 2, Innsbruck 1868. 

Sneton. Cajus Suetonius Tranquillus (geb. 70 nach Chr. G.), Vitae XII im- 
peratorum, ed. C. B. Hase, Parisiis 1829, 2 Bde. 

Sngenbeim, 1861. Samuel Sugenheim (st. zu Frankfurt a. M. am 15. März 
1877), Geschichte der Aufhebung der Leibeigenschaft und Hörigkeit, 
St. Petersburg 1861. 

— 1872 Aus der Vergangenheit kleiner Herren, von S. Sugenheim, in der 
Zeitschr. : Im neuen Reich v. A. Dove, 1872, Nr. 50. 

Snrins. De probatis sanctorum historiis , partim ex tomis Aloysii Lipomani, 
partim etiam ex egregiis manuscriptis codicibus, optima üde coUectis 
atque aliquot Yitarum accessione auctis per F. Laurentium Surium 
(st. 25. Mai 1578) , Bd. 3, Colon. Agripp. 1579 und 1618. 

Tbanmassidre. Coutumes de Beauvoisis, par Messire Philippe de Beaumanoire, 
bailli de Clermont en Beauvoisis, avec des notes et observations. par Gas- 
pard Thaumas de la Thaumassi^re (geb. zu Bourges um Mitte des 
17. Jahrb.), Bourget et Paris 1690 in fol 

Tbierry, Lettres Augustin Thierry (geb. 10. Mai 1795, st. 22. Mai 1856), 
Lettres sur Thistoire de France, 8* 6d. , Paris 1846. 

— Mon. Augustin Thierry, Recueil des monuments in^dits de l'histoire du 
tiers ^tat, Bd. 1 (betr. Amiens), Paris 1850. 

Tbiers. Jean Baptiste Thiers (geb. 11. Nov. 1636, st. 28. Febr. 1703), Trsit^ 

des superstitions qui regardent les sacremens, tome 4, Paris 1741. 
Tbomassin. Louis Thomassin (geb. 1619, st. 1696), Ancienne et nouvelle dis- 



Titel der benutzten BQcher. XLI 

cipline de l'Eglise, Paris 1725, auch die lateinische Ausgabe: Vetus et 
nova Ecclesiae disciplina, Lugd. 1706. 

TomlinB. Sir Thomas Edlyne Tomlins (geb. 1762, st. 1. Juli 1841), Law 
Dictionary, London 1810, 2 Bde. 

Tsohudi. Aegidii Tschudii (geb. 1505, st. 1572) Chronicon Helveticum, 1. Tbl., 
Basel 1734. 

Tweeden Plaoaet-Bouok. Tweeden Placaet-Bouck, inhouvede diversche Ordon- 
nancien, Edicten ende Placaeten vande Goninclicke Ma.*^e» ende haere 
deUrluchtighe Hooc-heeden, Graven van Viaenderen, aus der Zeit von 
1560 bis 1629, Ghendt 1629. 

Ullaa. Voyage historique de l'Am^rique m^ridionale, fait par ordre du roi 
d'Espagne par Don George Juan et par Don Antoine de UUoa (geb. 12. Jan. 
1716, st. 3. Juli 1795), ouvrage ornö des figures etc. et qui contient une 
histoire des Yncas du Peru, Amsterdam et Leipzic 1752, 2 Bde. in 4^. 

VaL MftX. Yalerius Maximus (um 30 n. Chr. Geb.), Memorabilium libri IX. 
ed. Rotterd. 1681. 

Vallein. Victor Vallein (geb. 1810zu Saintes), Le moyen-äge ou apergu de la condition 
des populations principalement dans les 11*., 12*. et 13*. si^cles, Saintes 1855. 

Vannoiii. Bonif. Yannozzi (lebte un^er Papst Gregor XIV ), Della supellectile 
degli avvertimenti politici, morali e christiani, vol. IT, Bologna 1610. 

Vaperean. Louis Gustave Yapereau (geb. 4. April 1819), Dictionnaire uni- 
versel des contemporains, 5. Aufl., Paris 1880. 

Varnhagen. Johann Adolph Theodor Ludwig Yarnhagen, Grundlage der 
Waldeckischen Landes- und Kegentengeschichte, mit Urkundenbuch, 
Göttingen 1825. 

Yartlioma. The travels of Ludovico di Yarthema (eines römischen Patriciers 
aus Bologna, der zu Anfang des 16. Jahrh. lebte) in Egypt, Syria, Arabia 
deserta and Arabia felix, in Persia. India ^nd Ethiopia, A. D. 1503 to 
1508, translated from the original Italian edition of 1510, with a preface 
by John Winter Jones, and edited with notes and introduction by George 
Percy Baäger, London 1863 in 8®. Daneben sind auch zwei deutsche 
Ausgaben desselben Verfassers benutzt, nämlich: Ludwig Bartomans, 
eines römischen Rathsherrn , _ von der Schifffahrt etc. , bei Michael Herr, 
Neue Welt, Strassburg 1534, BI. 58 ff., und: Die ritterliche vnd lob- 
wirdige Reyss des Gestrengen vnd vber all ander weit erfarnen Ritter 
vnd Landtfarer Herrn Ludouico Vartomans von Bolonia etc. Frank- 
furt a. M. 1556. 

Velly. Paul Pran^ois Yelly (geb. 9. April 1709, st. 4. Sept. 1759), Histoite 
de France, tome VI, Paris 1758. 

Vorhnefen. Indiae Orientalis pars nona, historicam descriptionem navigationis 
ab Hollandis et Selandis in Indiam Oriontalem, sub imperio Petri Gui- 
lelmi Verhuffli, cum novem majorum et quatuor minorum navium classe 
annis 1607, 1608 et 1609 susceptae continens, auctore M. Gotardo Ar- 
thusio Dantiscano, Francof. 1612. 

Voring, Arch. Friedrich Vering, Archiv für Kirchenrecht, Bd. 40, Mainz 1878. 

— K.-R. Friedrich Vering, Lehrbuch des Kirchenrechts, Freiburg 1876. 

Voilillot. Louis Veuillot (geb. 1813), Le droit du seigneur au moyen age, 
2* 6d. Paris 1871 und die 1. Aufl., Paris 1854. (Die 3. Aufl., Paris et 
Bruxelles 1878, stimmt mit der 2. tiberein.) 

VitodnranuB. Joannis Vitodurani Chronicon, die Chronik des Minoriten Jo- 



XLii Titel der benutzten Bttcher. 

hannes von Winterthur (st. nach 1348), nach der Urschrift herausgegeben 
durch Georg von Wyss, Zürich 1856 (im Archiv für schweizerische Ge- 
schichte, Bd. 11). 

Voet. Joh. Voet (geb. 3. Oct. 1647, st. 17. Sept. 1714), Commentarius ad 
Pandectas, Bd. 1, Halae 1776. 

Voltaire. Oeuvres compl^tes de Voltaire (Marie Frangois Arouet de Voltaire, 
geb. 21. Nov. 1694, st. 1778), avec des avertissements et des notes de 
Condorcet, imprim6es aux frais de Beaumarchais, par les soins de M^ 
Decroix (Kehl) 1784—1789, in 40 Bänden, insbes.: Bd. 8 S. 109—221, 
Le droit du Seigneur, comedle, repr^sent^e k Paris, en 1762, en cinq 
actes, sous le nom de l'Ecueil du Sage, qui n*^tait pas son v^ritable 
titre, remise au th^ätre en 1778, en trois actes, apr^s la mort de l'auteur; 
Bd. 27, S. 191 — 292, La defense de mon oncle (zuerst 1767 erschienen); 
Bd. 37 — 43, Dictionnaire philosophique (vom Jahr 1764), unter Cuissage 
ou Cullage und Taxe. (Vgl. Ausg. Paris 1819—1825 Bd. 5 S. 183—288, 
Bd. 24 S. 247-344, Bd. 35 S. 44-47, 49, Bd. 38 S. 362, 363.) 

Wächter. Johann Georg Wächter (st. 1758), Glossarium Germanicum, Lips. 
1737, fol. 

Waitz , G. Georg Waitz (geb. 1813) , DeMtsche Verfassungsgeschichte, Bd. 5, 
Kiel 1874, 

Waitz, Th. Theodor Waitz (geb. 1821, st. 1864), Anthropologie der Natur- 
völker, insbes. : Tbl. 1 (Einheit des Menschengeschlechts und Naturzustand 
des Menschen), Leipzig 1859 ; Tbl. 3 (die Amerikaner), Leipzig 1862, und 
Thl. 5 Abth. 2 (die Mikronesier und nordwestlichen Polynesier, von Georg 
Gerland), Leipzig 1872. 

Walokenaer. Charles Athanase Baron de Walckenaer (geb. 1771, st. 1852), 
Histoire g6n6rale de Voyages, tome I, Paris 1826. 

Walter. Ferdinand Walter (geh 30. Nov. 1794, st. 13. Dec. 1879), Deutsche 
Rechtsgeschichte, 2. Ausg. Bonn 1857. 

— Ferd. Walter, Corpus Juris Germanici. 

Wamkönig. Leopold Aug. Warnkönig (geb. 1. Aug. 1794, st 19. Aug. 1866) 
und Lorenz v. Stein (geb. 15. Nov. 1815), Französische Staats- und 
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Weber, A. Albrecht Weber (geh 1825), Indische Studien, Zeitschrift für die 
Kunde des indischen Alterthums, Berlin 1850 ff. 

— ed. Mann. The history of Indian Literature, by Albrecht Weber, 
translated from the second German Edition by John Mann and Theodor 
Zachariae, London 1878. 

Weber, B. Beda Weber (geb. 1798, st. 28. Febr. 1858), Das Land Tirol, 
3 Bände, Innsbruck 1837 und 1838. 

Weber, G. M. Georg Michael Weber, Handbuch des* in Deutschland üblichen 
Lehnrechts, 2. Theil, Leipzig 1808. * 

Weil. Gustav Weil (geb 24. April 1808), Biblische Legenden der Musel- 
männer, aus arabischen Quellen zusammengetragen und mit jüdischen 
Sagen verglichen, Frankfurt a. M. 1845. 

Weinhold. Karl Weinhold (geb. 1823), Die deutschen Frauen in dem Mittel- 
alter, Wien 1851. 

Weiske. Julius Weiske, Rechtslexikon für Juristen aller teutschen Staaten, 
2. Ausg., Bd. 3, Leipzig 1844. 



Titel der benutztet! Bücher. XLIII 

WolfloL J. B. Welsch, Ueber Stetlgung und Ablösung der bäuerlichen Grund- 
lasten, Landshut 1848. 

Westplial. Em. Joach. Westphalil de consuet. ex sacco et libro, Rost, et 
Lips. 1726. 

Whooler. J. Talboys Wheeler, The history of India from the earliest ages 
4 Bde., London 1867. 

Whitaker. John Whltaker (geb. 1735, st. 30. Oct. 1808), The history of 
Manchester, London 1771. 

Wigftnd.- Paul Wigand (geb. 1786, st. 1866), Archiv für Geschichte und Alter- 
thumskunde Westfalens, Bd. 3, Lemgo 1828. 

— Corvey. Paul Wigand, Urkunden zur Corvey'schen Geschichte, im An- 
hang zur Geschichte der Abtei Corvey etc., Bd. 1, Höxter 1819. 

Will. Johann Friedrich Böhmer, Regesta Archiepiscoporum Moguntinensium, 
Regesten zur Geschichte der Mainzer Erzbischöfe von Bonifatius bis Uriel 
von Gemmingen, Bd. 1 (bis 1160), mit Benutzung des Nachlasses von 
J. Fr. Böhmer bearbeitet und herausgegeben von Cornelius Will, Inns- 
bruck 1877. 

Windisok. Ernst Windisch (geb. 1844), Irische Texte mit Wörterbuch, Leip- 
zig 1880. 

Winspetre. Dav. Winspeare, Storia degli abusi feudali, tom. I, Napoli 1811. 

Wolf. Ferdinand Wolf (geb. 1796, st. 1866), Ein Beitrag zur Rechts-Symbolik 
aus spanischen Quellen, in den Sitzungsberichten der kaiäerl. Akademie 
der Wissenschaften zu Wien, philosophisch-hist. Cl. , Jahrg. 1865, Sitz. 
V. 11. Oct. 1865, Bd. 51, Wien 1866, §. 67 ff. 

Wnttke. Karl Friedrich Adolph Wuttke (geb. 10. Nov. 1819, st. 12. xVpril 
1870), Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart, 2. Aufl , Berlin 1869. 

Toung. Arthur Young (geb. 1741, st. 12. April 1820), Reise durch Irland, 
aus dem Englischen, Leipzig 1780. 

Zedier. Grosses vollständiges universelles Lexikon aller Wissenschaften und 
Künste, welche bishero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden 
und verbessert worden, Halle und Leipzig 1732 ff., 64 Fol -Bde. 

Zisokr. S. Berliner, Blau, Crecelius, Frankel, Haupt, Liebrecht (1864, 1869 
u. 1874), Lipsius, Lorsch, Meyer (Chr.), Mone, Sugenheim (1872). 

Zeitsokr. f. schwoll. R. Zeitschrift für schweizerisches Recht, Bd. 4, Basel 
1865. 

Zimmor. Heinrich Zimmer, Altindisches Leben, die Cultur der vedischen 
Arier, nach den Samhitä dargestellt, Berlin 1879. 

Zobel. Christoph Zobel, Ausgabe des Sachsenspiegels mit Anmerkungen, 
Leipzig 1561, fol. 

Zdpfl. Heinrich Zöpfl (geb. 6. April 1807, st. 4. Juli 1877), Deutsche Rechts- 
geschichte, 4. Aufl., Bd. 2, Braunschweig 1872. 

Znokormandel. M. S. Zuckermandel, Die Erfurter Handschrift der Tossefta, 
Berlin 1876. 

Znrits. S. Qurita. 



Erster Abschnitt. 

Darstellung und Beurtheilung der modernen 
Theorieen über Jus primae noctis. 



L Einleitung. Art der Beweisführung. 

A, Behauptungen moderner Schriftsteller. 

Kapitel !• Seit dem sechzehnten Jahrhundert verbreitete sich 
die Sage, zur Zeit des Kaisers Augustus hätte Evenus III., König 
von Schottland, ein Gesetz erlassen, wonach der Grundherr bei 
Hochzeiten seiner Untergebenen das Recht haben sollte, die erste 
Keuschheit der neuvermählten Jungfrau zu kosten. Dies Gesetz 
habe dem Grundherrn die erste Nacht gewährt und sei erst nach 
mehr als tausend Jahren durch König Malcolm III. abgeschafft 
worden. Manche Schriftsteller, die an diese Erzählung glaubten, 
verbanden damit die Vorstellung, in andern Ländern hätte das- 
selbe Recht gegolten ; und sie fanden darin das Mittel, eine Reihe 
verschiedenartiger Nachrichten und Urkunden zu erklären. Eine 
Zusammenstellung derselben steht schon in der ersten Ausgabe 
von Ducange (1678) und im Glossar von Lauriere (1704) und ist 
daraus mit mehrfachen Zuthaten in die neueren Ausgaben von 
Ducange übergegangen. Aus dieser Quelle schöpften die Ency- 
klopädisten Boucher d'Argis (A.), Chevalier de Jaucourt (D. J.) 
und Garran de Coulon (G. D. C.) ihre Mittheilungen, die dann 
von späteren Schriftstellern wiederholt wurden. Sie betrachteten 
es als geschichtlich festgestellte Thatsache, dass jenes Recht ge- 
golten habe *, oder wenigstens von gewissen Herren in Anspruch 
genommen worden sei^. Zu den Vertretern dieser Meinung ge- 

* Encycl. unter Gulage, von Boucher d'Argis, 1. Ausg. Bd. 4 von 1754, 
S. 548: . . . „la coutume infame qui donnait k ces seigneurs la premi^re nuit 
des nouvelles mari^es^. . . 

* Encycl. unter Droits abusifs, von Boucher d'Argis, 1. Ausg. Bd. 5 
von 1755, S. 142: . . . „des droits de cuUage ou de cuilliage, et de cuisage, en 

Schmidt, Jus primae noctis. 1 



2 Kapitel 1. Behauptungen moderner Schriftsteller. 

hören Toltaire, Böutaric, ßenauldon, ferner die Terfasser des 
Grand Vocabulaire und des Dictionnaire de Trevoux, ferner 
Dulaure, Merlin, Dalloz, Chateaubriand, Collin de Plancy, Peuchet- 
Chanlaire und Girault de Saint-Fargeau *. Auch in das Wörter- 
buch der französischen Akademie wurde sie (1836 und 1844) 
aufgenommen*, obwohl sie inzwischen durch mehrere Schrift- 
steller verschiedener Länder, insbesondere durch J. G. Heineccius 
(1736), Wächter (1737), Grupen (1748), Justus Moser, Houard 
(1766 und 1776), Sir David Dalrymple Lord Hailes (1797) und 
Raepsaet (1817) bekämpft war. 

Dieselbe Lehre wurde in allen Formen von ünterhaltungs- 
schriften ^ weit verbreitet. Schon Beaumont und Fletcher machten 
jenes Hecht zum Mittelpunkt eines Schauspiels, „Custom of the 
Countrv*. Auch Voltaire* und Beaumarchais schrieben Schau- 
spiele darüber. Rastelli folgte mit einer epischen Dichtung. Aus 
dem Schauspiel von Beaumarchais entnahm Mozart den Text zur 
Hochzeit des Figaro. Auf dasselbe Recht beziehen sich komisehe 
Opern von Martini und Laval und von Boieldieu, und ein Vaudeville 
von Delacour und Jaine, ferner ein Roman ^ von Charles Fellens 
und eine mittelalterlich geschriebene romantische Erzählung, 
Historial du Jongleur, die von Malivoir herrührt, endlich eine 



vertu desquels certains seigneurs pretendoient avoir la premi^re nuit des nou- 
Teiles marines". . . 

* Voltaire, Dict phll. unter Cuissage und Taxe, und D^f. de mon onde. 
Böutaric, chap. 15, unter Droit de marquettes. Kenauldon, liv. 5 eh. 10 
S. 450, unter Droit de marquettes. Grand Vocab. Bd. 7 S. 308 und Bd. 17 
S. 173, 236. Dulaure, Adel S. 241—243, und Montauban S. 27, 28. Merlin, 
Räp. , unter Culage und Markette. Dalloz im Dict^ g^n. und im R^p. unter 
Adult^re. Chateaubriand S. 386. CoUin de Plancy Bd. 1 S. 165, 166. 
Peuchet-Chanlaire , Montauban S. 23. 24. Girault de Saint-Fargeau S. 629. 

^ Dict. Acad. Suppl. unter Markette und Pr^libation. Dict. Aead. CompL 
unter Cullage. Pr^libation und Jambage. — In der siebenten Ausgabe des 
Dict. de TAcademie Fran^aise, vom Jahr 1878, fehlen die betreffenden Aus- 
sprüche. 

' Vgl. die Verzeichnisse bei Pericaud S. 10; Lagr^ze S. 393; Delpit 
S. 134—136: Nuits d'6preuve S. 82; Labessade S. 181—184. 

* Nach Voltaire's „Droit du seigneur" war dies R«cht in der Picardie 
zur Zeit Heinrichs 11. (1547 — 1559) dahin abgeschwächt, dass der Herr nur 
noch das Recht hatte, sich mit der jungen Frau eine gewisse Zeit lang unter 
vier Augen zu unterhalten. — Man behauptet, der Schauplatz der Picardie sei 
deshalb gewählt worden, weil dort früher das jus primae noctis in besonders 
grosser Ausdehnung geherrscht habe. Vgl. Hist. de Pouthien S. 240; Ija- 
bessade S. 73. 

^ Dem Vernehmen nach ist kürzlich ein „pikanter und sensationeller*^ 
Roman über jenes Recht bei Schottländer in Breslau erschienen. 



^ ■ * k » « • 
• • • • • . • 






• . • 



Kapitel 1. Behauptungen moderner Schriftsteller. 3 

Novelle in Briefen von dem Wiener Publicisten David Spitzer. 
Die letztgenannte Novelle verspottet einen Gelehrten, der es 
unternimmt, den Glauben an jenes Recht durch wissenschaftliche 
Studien zu erschüttern. Ein Eoman über Garibaldi's Wirksam- 
keit in Uruguay (1842) enthält ein Kapitel mit der Ueberschrift: 
„Jus primae noctis", gebraucht jedoch diesen Ausdruck in einem 
anderen als dem gewöhnlichen Sinn des Wortes, indem er einen 
unglücklichen Spieler schildert, der an seinem Hochzeitstage vor 
der Trauung das jus primae noctis an seiner Braut (der späteren 
Gattin Garibaldi's, Aniella Crousa) gegen das Gold der Bank 
einsetzte ^. 

In Frankreich entwickelte sich ein lebhafter Streit über jenes 
„Droit du seigneur" aus Anlass eines Berichts, den Dupin der 
Aeltere am 25. März 1854 in der Akademie der Wissenschaften 
über ein Werk von A. Bouthors verlas. Dupin meinte, es 
sei unmöglich zu leugnen, dass Grundherren und sogar Geistliche 
jenes Recht für sich in Anspruch genommen hätten. Diese Be- 
merkung wiederholte das Journal des Debats (Louis AUoury) in 
einem Leitartikel vom 2. Mai 1854. Hierauf antwortete Louis 
Veuillot mit einer Abhandlung über das „droit du seigneur" zu- 
erst im Univers (vom 17., 20., 24. und 29. Mai 1854), dann in einem 
besonderen Werke vom selben Jähr ^. Er behauptete, ein solches 
Recht habe niemals bestanden; Alles, was dafür vorgebracht sei, 
beruhe auf Erfindjung, Lüge und Unwissenheit. Der Si^cle tadelte 
diese Behauptung (in der Nummer vom 18. Mai 1854) und ver- 
theidigte die Meinung Dupin's (in den Nummern vom 16., 19., 22. 
und 26. Sept. 1854). Granier de Cassagnac ergriflf im Constitu- 
tionnel Partei für den Univers. Auch Didron drückte sein Ein- 
verständniss mit den Ansichten Veuillot's aue^. In der Zeit- 
schrift Le Droit (in der Nummer vom 23. Juli 1854) entwickelte 
G. Bascle de Lagreze , Rath am Appellhof zu Pau , eine vermit- 
telnde Meinung, die er seitdem in drei Werken (1855, 1864 und 
1867) weiter ausführte. In der öflfentlichen Jahressitzung der 
Akademie der Inschriften vom 18. August 1854 wurde ein Kom- 
missionsbericht verlesen, der sich dahin aussprach, dass jenes Recht 
(im Mittelalter) nicht gegolten habe*. Der Redacteur des Inde- 



* Retcliffe S. 47—105, besonders 61—65. Der Bankhalter ruft (S. 63): 
„Ihr jus primae noctis — gegen die Bank". 

» Dies Werk ist nicht, wie G. Waitz Bd. 5 S. 240 meint, von „Veuillot et 
Mercier", sondern von L. Veuillot allein herausgegeben. 
« Didron Bd. 15 S. 283, 284. 

* Berger de Xivrey S. 24, 26. — Jedoch ist in der Anmerkung zu diesem 

1 * 



4 Kapitel 1. Behauptungen moderner Schriftsteller. 

pendant du departement de la Charente Inferieure, V. Vallein, 
schrieb im Jahr 1855 ein Buch zur Widerlegung Veuillot's. Der 
Herausgeber der Archives Israelites, S. Cahen, entschied sich in 
dieser Frage im Jahr 1856 für Dupin, gegen Veuillot *. Auf Grund 
der Forschungen von Lagröze bemerkte Henri Martin im Jahr 
1855, es sei jetzt klar, dass es an directen Beweisen für jenes 
Recht nicht mehr fehle*. Derselben Ansicht schloss sich Lafer- 
ri^re an^. Jules Delpit gab im Jahr 1857 ein umfangreiches 
Werk heraus, um Veuillot's Meinung zu widerlegen; Veuillot 
entgegnete darauf in der zweiten Auflage seines Werkes, im 
Jahr 1871; Jules Delpit replicirte in einem Nachtrag vom Jahr 
1873 ; diese Replik blieb ohne Beachtung in der dritten Ausgabe 
von Veuillot's Schrift, die im Jahr 1878 erschienen ist. Im 
Jahr 1865 bestätigte Abbe Hanauer die Ergebnisse, zu denen die 
Untersuchung Veuillot's gelangt war. Anatole Barthelemy ver- 
öflfentlichte im Jahr 1866 ein bereits zehn Jahre zuvor (im Univers 
vom 19. April 1856) angekündigtes Werk mit dem Ergebniss, 
dass jenes Recht nicht bestanden habe *. Leon de Labessade hat 
in einem Werke vom Jahr 1878 die Ausführungen von Jules 
Delpit wiederholt. Legouve, Littre und Mozin-Peschier halten 
es für entschiedene Wahrheit, dass jenes Recht gegolten habe^. 

Derselben Meinung sind der belgische Rechtslehrer F. Lau- 
rent^ und die spanischen Advokaten Amalio Marichalar Marques 
de Montesa und Cayetano Manrique^. 

In Deutschland ist die nämliche Meinung in der Augsburger 
Allgemeinen Zeitung, in der Zeitschrift „Im Neuen Reich*' und im 
Deutschen Merkur (Organ für katholische Reformbewegung) ® und 
von zahlreichen Gelehrten des neunzehnten Jahrhunderts ange- 



Bericht die Möglichkeit zugegeben, dass sich unter den zahlreichen Coutumes 
eine einzelne, als „exceptlon sans cons^quence^^, finden möge, ^oü le droit an 
question se trouvät ^nonc6 comme ayant une portee plus grave qu'un impöt 
et une d^claration de vassalit6". — Mitglieder der Kommission waren Berger 
de Xivrey als Berichterstatter, ferner Jomard (E. Frangois Jomard, geb. 1777, 
St. 1862), Dureau de la Malle, Hase (Karl Benedikt Hase, geb. 1780, st. 1864), 
P. Paris (Alexis Paulin Paris, geb. 1800), Vitet (Louis Vitet, geb. 1802, 
St. 1873) und de Laborde (L6on de Laborde, ^geb. 1807, st. 1869). 

1 Arch. Israel. Bd. 17 S. 174. « h. Martin, 4. Aufl. Bd. 5 S. 569. 

« Laferri^re Bd. 5 S. 454, 455. ♦ Barthelemy S. 122. 

* Legouv6 S. 93, 94. Littr6 unter Cullage und Pr61ibation. Mozln- 
Peschier unter Cuissage. 

« Laurent S. 57. "^ Marichalar Bd. 6 S. 66—70. 

8 Augsb. Allg. Ztg., Beilage v. 18. April 1868, Nr. 109, S. 1662. Im Neuen 
Reich 1872, Nr. 50, S. 930. Deutscher Merkur v. 17. April 1880, S. 124. 



Kapitel 1. Behauptungen moderner Schriftsteller. 5 

nommen, insbesondere von Dümge, Kolb, Jakob Grimm, Wein- 
hold, Scherr, Schaffner, Sugenheim, G. L. von Maurer, Buchmann, 
Felix Liebrecht, Bastian und von Hellwald *. Andererseits ist 
diese Meinung durch Ferdinand Walter, Adolph Wuttke und 
Gierke ^ bekämpft und in einem Artikel der Kreuzzeitung als 
ein „liberaler Aberglaube" bezeichnet, der durch Lüge und Miss- 
verständniss entstanden sei^ Von derselben Frage meint Zöpfl, 
sie sei „wenigstens für Deutschland" zu verneinen*; und Mitter- 
maier, man habe die „an manchen Orten vielleicht thatsächlich 
vorgekommenen Missbräuche" mit einem „begründeten Rechte" 
verwechselt^; Bluntschli hält es für fraglich, ob jenes Recht je 
gegolten habe^. Brinckmeier meint, „das in den alten Zeiten, 
doch nur in einigen Ländern und Gegenden, angeblich ausgeübte 
Recht der ersten Nacht (jus deflorationis , jus cunagii)" sei wohl 
meistens abgelöst worden '. Brockhaus nimmt an, dass die Leib- 
herren den Anspruch auf jenes vermeintliche Recht erhoben 
hätten ®, was Meyer unentschieden lässt ^ und Herder leugnet ^^. 

In England ist die Frage, ob das jus primae noctis bestanden 
habe, von Blackstone und Stephen^* bejaht, dagegen von Astle 
und Corner *2 verneint worden. 

Der italienische Rechtsgelehrte Ant. Pertile will nicht ent- 
scheiden, ob noch heutzutage Ueberreste eines jus primae noctis 
vorkämen ^^, scheint also anzunehmen, dass es früher bestanden 
habe. Dies wird von Angelo de Gubernatis ausdrücklich be- 
hauptet und vertheidigt**. 



» Dümge S. 19, 20. Kolb 1843, Bd. 2 S. 72. Grimm, R -A. S. 380. 
Weinhold S. 194. Scherr 1858, S. 211, 569. Schaffner Bd. 2 S. 184, 185. 
Sugenheim 1861, S. 104. Maurer Bd. 3 S. 169. Liebrecht 1864, S. 541. 
Scherr 1865, S. 128—132. Buchmann S. 36, 68. Bastian S. 179. Liebrecht 1874, 
S. 138. V. Hellwald S. 451, 494. Scherr 1876, S. 237. Liebrecht 1879, S. 423. 

» Walter, D. R.-G., § 483, 2. Ausg. Bd. 2 S. 131. Wuttke S. 352, 353. 
Gierke § 10 S. 27. ^ Kreuzzeitung, Sonntagsbeilage v. 11. Juli 1875. 

♦ Zöpfl g 30 Bd. 2 S. 168 der 4. Aufl. Zu einem gleichartigen Ergebniss 
gelangt die Erörterung von Lorsch. ^ Mittermaier S. 278 der 7. Aufl. 

• Bluntschli Bd. 1 S. 190. Hier irrt er in der Meinung, dass jenes Recht 
nur noch für Schottland und Frankreich erwähnt werde. Vgl. unten S. 19, 20.. 

^ Brinckmeier Bd. 1 S. 307. 

8 Brockhaus (1880) Bd. 2 S. 130, unter Jus primae noctis. Aehnlich 
Böttger S. 476. 

9 Meyer (1876) Bd. 9 S. 644, unter Jus primae noctis. 
*® Herder (1878) Bd. 3 S. 179, unter Jus primae noctis. 

" Blackstone 0. Aufl. Bd. 2 S. 83. Stephen 5. Aufl. Bd. 1 S. 216. 
** Astle S. 35. Corner S. 8, 9. ^* Pertile Bd. 3 S. 53. 

*♦ Gubernatis, Usi S. 198. 



Q Kapitel 2. Charakteristik moderner Beweisführung. 

B. Charakteristik moderner Beweisführung. 

Kapitel 2. Zur Kennzeichnung der Methode, die in neuester 
Zeit zum Beweise eines jus primae noctis eingeschlagen wurde, 
mögen folgende Beispiele dienen. Herr Dr. Felix Liebrecht zu 
Lüttich, der darüber vier Abhandlungen veröJBFentlicht hat, stellte 
in der ersten, vom Jahr 1864, unter Berufung auf einige Schrift- 
steller des neunzehnten Jahrhunderts und auf „die Erklärer" 
einer Shakspeare-Stelle , den Satz auf, dass jenes Recht „im 
europäischen Mittelalter weithin beansprucht wurde", wie wenn 
dieser Satz keines weiteren Beweises bedürfte; er suchte dann 
darzuthun, dass jenes tyrannische Recht „noch älter" sei und 
„weiter geherrscht" habe, berief sich aber dafür lediglich auf 
fünf einzelne Nachrichten, die keineswegs geeignet waren, jenes 
Recht zu beweisen. Gleichwohl verwies er im Jahr 1869 auf die 
genannte Abhandlung, als ob darin bewiesen wäre, dass jenes JR.echt 
„schon in ältester Zeit" und „fast in allen Welttheilen und Län- 
dern" bestanden hätte. Nur zur Ergänzung fügte er einige Notizen 
aus Ferdinand Wolf, aus der Augsburger Allg. Zeitung, aus Jakob 
Grimm und aus Bayle hinzu. Dieselbe Methode beobachtete er in 
den Aufsätzen von den Jahren 1874 und 1879. In keiner dieser 
vier Abhandlungen findet sich eine selbständige Untersuchung 
über Aechtheit, Auslegung und Beweiskraft der Quellen für die ein- 
zelnen Nachrichten und eine Begründung der aufgestellten Hypo- 
thesen. Dieselben Fehler finden sich in noch weit höherem Grade 
in einer phantasiereichen Abhandlung vom Jahr 1879, die im 
Organ der deutschen Gesellschaft für Anthropologie abgedruckt 
steht*. Ein französischer Gelehrter der Gegenwart, Herr Jules 
Delpit zu Bordeaux, hat in einem Buche über das „droit du 
seigneur" unter zweiundsechzig Abschnitten* eine grosse Masse 
von vermeintlichen Beweisen für jenes Recht zusammengetragen. 
Allein, abgesehen von auffallenden logischen Fehlern, die darin 
vorkommen^, ist in vielen Abschnitten die Erklärung, wie aus 



* M. Kulischer im Arch. f. Anthrop. Bd. HS 215—229. Vgl. darüber 
meine Bemerkungen im Arch. f. Anthrop. Bd. 12 S. 265 — 269, worauf Herr 
M. Kulischer meines Wissens nicht geantwortet hat. 

2 Scheinbar enthält das Werk Delpit's sogar 72 Abschnitte, da der letzte Ab- 
schnitt die Zahl 72 trägt; allein in der Reihenfolge der Abschnitte fehlen die 
Nummern 35 bis 44. — Das Buch von L6on de Labessade über das droit du 
8 eigneur ist im WesentUchen nur eine neue Auflage von dem Werke Delpit's. 

^ Beispielsweise wird bei Delpit (S. 71, 72) aus der Nachricht, dass die 
Domherren in Lyon jenes Recht gehabt hätten, ohne Weiteres gefolgert, es 
sei wahrscheinlich, dass den Domherren in allen übrigen Diöcesen Frankreichs 



Kapitel 2. Charakteristik moderner Beweisführung. ^ 

den berichteten Thatsachen jenes Recht soll hergeleitet werden 
können, nicht einmal angedeutet. Dahin gehört namentlich die 
Beschreibung verschiedener Spiele, die zu Ehren des Grundherrn 
aufgeführt wurden *, und die Berufung auf sonstige Gebräuche, 
worin eine „Analogie" zum Herrenrecht der ersten Nacht oder 
eine Anspielung auf dasselbe ohne Grund gefunden wird ^. Eine 



dasselbe Recht zugestanden habe. (lieber die Domherren von Lyon s. unten 
Kap. 54.) 

* Unter den vermeintlichen Beweisen für das Herrenrecht der ersten 
Nacht findet sich z. B. bei Delpit, Nr. 17, S. 51 und S. 128, die Erzählung, 
dass in zwei Herrschaften der Normandie zu den „droitures de mariage" die 
Verpflichtung gehörte, die „quintaine" zu laufen, das heisst, ein Spiel aufzu- 
führen, worin mit einer Lanze nach einem Pfahl gerannt wurde. — Ferner 
findet Delpit ohne jeden Grund eine Beziehung zum droit du seigneur in den 
Spielen, welphe zu Laguenne unter dem Namen „tire-vesse" jedes siebente 
Jahr am 31. December und 1. Januar zur Belustigung der Grundherrschaft 
aufgeführt wurden; und zwar hauptsächlich darin, dass im Verlauf dieser 
Spiele eine Reihe junger Ehemänner und eine Reihe von Junggesellen gegen- 
über gestellt wurde, und dann die Ehemänner und Junggesellen an den 
beiden Enden von Stricken rissen, bis der Eine den Andern auf seine Seite 
brachte, oder der Strick zerriss. Vgl. darüber das Urtheil des Parlaments 
zu Bordeaux vom 17. Juni 1604, bei Automne Tit. 8 § 1 Art. 81; Encycl. 
unter Droits abusifs; Delpit Nr. 61, S. 89—92; Labessade Nr. 61, S. 27, 28. 

* Durch eine Notariatsurkunde vom 13. Juli 1606 verlieh Jacques de 
Montmorency, bailli et gouverneur de Caen et seigneur chätelain de Cr^ve- 
coeur-en-AuJge , ein Stück Land an den Barbier Loys Varin, der unter 
den Gegenleistungen die Verpflichtung übernahm, dem genannten Herrn und 
seinen Edelleuten an den Vorabenden von Weihnachten und Ostern das Haar 
zurechtzumachen und für den Fall, dass ein Kammermädchen oder eine Magd 
aus dem Schloss heirathete, ihr gewisse Haare (die pilos cunnl) abzuschneiden. 
Daraus folgern Delpit (Nr. 16, S. 51 und S. 128) und Labessade (Nr. 16, 
S. 20 und S. 86—91), der genannte Herr habe ein ähnliches Recht wie das der 
ersten Nacht gehabt, obwohl davon in der Urkunde nicht die geringste An- 
deutung zu finden ist. Labessade hält diese Urkunde für so wichtig, dass 
er ihren ganzen Inhalt mittheilt; er versichert, zufällig in den Besitz derselben 
gelangt zu sein, und berichtet, dass sie am 5. April 1770 zu Cambremer 
elnregistrirt worden sei. — Eine Anspielung auf das Herrenrecht der ersten 
Nacht wollen Delpit (S. 125) und Labessade (S. 50) in folgendem Liede fin- 
den, das nach ihrem Bericht in der Diöcese Bazas bei Anfertigung des Ehe- 
vertrags gesungen wurde: „Moussu cur6 n'6s pas count^n: Bourre la nobie 
et mey l'arg6n. Moussu cur6 n'6s pas caduc, Bourr6 la nobie e mey l'escut. . . 
Pague, nobi, lou marguilley Te hara deicha la nobie darrey; Pague lou, nobi, 
de buon arg^n, Te hara deicha la nobie ded6n.'^ D. h. „Der Herr Pfarrer 
ist nicht zufrieden. Er möchte gern die Braut und nicht das Geld. Der Herr 
Pfarrer ist nicht gebrechlich. Er möchte gern die Braut und nicht den Thaler. 
Bezahle , Bräutigam ; das Küstergeld wird dir nun schon die Braut geben ; 
bezahle ihn , Bräutigam ; das Geld wird dir die Braut drinnen geben." — 



8 Kapitel 2. Charakteristik moderner Beweisführung. 

derartige Analogie oder Anspielung wird von andern Schrift- 
•etellern in sonstigen Spielen* und Nachrichten ^ gefunden, die in 
Wahrheit Nichts davon enthalten. 



Desgleichen berufen sich Delpit (S. 114, 115) und Labessade (Nr. 67, 68, 
S. 28, 29, 105) auf zwei Urtheile des Parlaments zu Toulouse, vom 24. Jan. 
1549 und vom 1. März 1558, um nachzuweisen, dass sogar eine Dame gleich 
einem hohen und mächtigen Gerichtsherrn mit dem „droit de pr^libation'' 
gespielt habe. Allein das in diesen Urtheilen erwähnte „droit de fougage" 
bestand lediglich in einer Abgabe, die von allen verheiratheten Einwohnern 
während der Ehe zu entrichten war und nicht den geringsten Anlass bot, 
an ein Herrenrecht der ersten Nacht zu denken. Dies erhellt aus La Roche- 
Flavin chap. 4 art. 1 S. 603: „Par Arrest du 24 janvier 1549 le Sindic des 
manans et habitans du lieu de Bordes en Lauraguois, et Magdaleine de Binet, 
füt dict, et ordonn^ que en ce que ladite de Binet demandoit de pouvoir 
prendre par droict de fougage sur les habitans mariez, et durant leur mariage 
tant seulement, demy cestier de bled, et autres droits par eile exigez, abu- 
sant et repugnant ä la libert^ du Sacrement de mariage, le Syndic et habi- 
tans en furent absous et relaxez, et sans depens. Semblable arrest füt apr^s 
donne pour semblable subject entre TAbbö de Sorreze, comme Seigneur de 
Yillepinte audit pays de Lauraguois, et le Sindic des manans et habitans 
dudit lieu, du 1. mars 1558". (Vgl. über die Abgabe auch Ragueau und 
Lauri^re unter Fouage.) 

1 Unter dem Namen Merdoulado wurde zu Tülle, auf dem Hügel Puy 
^aint-Clair, jährlich am Sonntag vor Fastnacht ein Spiel aufgeführt, woran 
alle im letzten Jahr verheiratheten Personen, bei Vermeidung einer scherz- 
haften Strafe von einem Mass Hafer, theilnehmen mussten. Ohne jede Be- 
gründung meint B6ronie (S. 139), es sei wahrscheinlich, dass die Vorfahren 
mit diesem Spiel das droit de cuissage abgekauft hätten. — Zu Chäteauroux 
in Berry wurde jährlich am Dienstag nach Pfingsten durch die Bewohner 
einer Vorstadt ein Fest zu Ehren des Grundherrn begangen, welches „föte 
du pot aux aulx ou du pot aux roses" genannt wurde. Eine Beschreibung, 
wie dies Fest am 20. Mai 1777 gefeiert ward, ist durch eine Notariats- 
urkunde festgestellt worden. (Hubert* S. 260—264; Raynal Bd. 2 S. 207.) 
Darin findet Labessade (S. 33 — 35) eine Anspielung auf das Herrenrecht der 
«rsten Nacht. 

* Dio Cassius (lib. 44 cap. 7) erzählt, zur Zeit als die unmässigsten 
Ehren auf Julius Cäsar gehäuft wurden, sei der Vorschlag gemacht worden, 
man solle ihm gestatten, mit allen Frauen nach Belieben zu verkehren. 
Darin finden Voltaire (Dict. phil. unter Cuissage) und Collin de Plancy 
(Bd. 1 S. 165) eine Analogie zum Herrenrecht der ersten Nacht. — Die bei 
Livius (lib. 7 cap. 6) erwähnte Sage von Marcus Curtius, der im Jahr 392 
nach Erbauung Roms sein Leben für den Staat zum Opfer brachte, indem 
•er sich mit seinem Ross in den auf dem Forum plötzlich entstandenen Schlund 
hineinstürzte, hat den Grund zu mannigfachen späteren Erörterungen gegeben 
(vgl. z. B. Plinius, lib. 15 cap. 20, Bd. 1 S. 746, Anm. 21; S. Augustinus, 
lib. 5 cap. 18 S. 164) und ist im Mittelalter zu folgender Erzählung ver- 
arbeitet worden, cap. 43 der Gesta Rom.: „In medlo Romae in quodam loco 
.aperta jBst semel terra et hiantia infra patuerunt foramina. Super hoc dii 



Kapitel 2. Charakteristik moderner Beweisführung. 9 

Ein durch Schiedsurtheil des Erzbischofs von Lyon, Wilhelm 
von Thurey, im Jahr 1335 oder 1361 entschiedener Streit zwi- 
schen der Kirche von Mäcon und den dortigen Einwohnern 
wird seit 1766 von mehreren Schriftstellern * als ein Hauptbeweis 
für das Herrenrecht der ersten Nacht angeführt, obwohl er sich 
bloss auf Ansprüche bezog, die der Cantor^ bei der Trauung zu 
erheben hatte ^. Jener Irrthum ist sogar zu der ausdrücklichen 



fuerunt interrogati, responderunt : Non claudetur haec vorago, nisi aliquis 
voluntarie se immergat. Sed quum hoc nemini persuadere possent, dixit 
Marcus Aurelius: Si per annum in Roma pro libitu meo me vivere sinitis, 
anno elapso gaudenter et voluntarie me immergam. Romani hoc audientes 
gavisi sunt, concorditer consenserunt , nihil sibi clauserunt. Qui rebus et 
uxoribus libere utens anno elapso cum nobili equo saltu praeciplti se Immerglt, 
et Btatim terra se clausit.^ In dieser Erzählung findet eine französische Ab- 
handlung vom Jahr 1877 „quelque rapport avec le droit du seigneur". 
Nuits d'6preuve S. 82. — Einen andern Beweis für das Herrenrecht der 
ersten Nacht finden einige Schriftsteller neuester Zeit in einer zu Vienne in 
der Dauphin^ im Jahr 1361 erlassenen Verordnung, wonach Mädchen vor 
der Heirath nur dann, wenn Zweifel an ihrer Mannbarkeit beständen, und 
in den rechtmässig bestimmten Fällen verpflichtet sein sollten, persönlich vor 
dem Offizlal zu erscheinen. Vgl. Sugenheim 1861, S. 105; Labessade S. 25, 
96, 97; Kulischer S 224. — In einer Urkunde aus dem dreizehnten Jahr- 
hundert verzichtete Graf Wilhelm von Ponthieu zu Gunsten der Abtei For§t- 
Moütier auf die Einkünfte einer gewissen Herrschaft, „mit Ausnahme dreier 
Fälle, nämlich des Frauenraubes, des Schatzes und des Mordes". Der un- 
genannte Verfasser der Geschichte von Ponthieu, der diese Thatsachen unter 
Berufung auf eine Chronik von Rumet mittheilt (Bd. 1 S. 240 —242) , findet 
darin die Anerkennung eines dem droit du seigneur ähnlichen schmählichen 
Rechtes, obwohl §ie Stelle nach ihrem klaren Wortlaut keinen andern Sinn 
hat, als dass die Geldstrafen für Frauenraub und Mord und die Einkünfte 
aus dem Auffinden von Schätzen dem Grafen, und die übrigen Einnahmen aus 
der Gerichtsbarkeit dem Kloster zufallen sollten. (Eine ganz ähnliche Ver- 
theilung solcher Einnahmen erfolgte für die Stadt Paris im Jahr 1222 durch 
den Vertrag von Melun zwischen dem König Philipp August und Bischof 
Wilhelm III. Vgl. Dulaure, Paris, Bd. 2 S. 324—331.) Jener Irrthum ist 
um 80 auffallender, als in dem Bericht gesagt ist, die Urkunde sei durch die 
Königin Johanna von Kastilien bestätigt worden. 

* Carpentier und Ducange unter Marcheta. Delpit Nr. 53, S. 74, 75. 
Sugenheim 1861, S. 105. Labessade Nr. 53, S. 25, 26, 43, 97, 98. 

• Ueber die Stellung der Cantores vgl. Ducange unter Cantores. 

' Die Kirche behauptete, die Einwohner der Stadt Mäcon, die dort hei- 
ratheten, seien verpflichtet, bevor sie zur Trauung in die Kirche einträten, 
vom Cantor eine Erlaub nisskarie gegen Zahlung einer Gebühr zu lösen. 
Darüber beschwerten sich die Einwohner beim Parlament. Doch gelangte die 
Sache nicht zur Entscheidung des Parlaments; sondern der Streit wurde durch 
das erwähnte Schiedsurtheil geschlichtet. Danach sollten die Bewohner von 
M&con fortan für die Trauung der Erlaubnisskarte nicht mehr bedürfen, wohl 



■ 10 Kapitel 2. Charakteristik moderner Beweisführung. 

Behauptung ausgedehnt worden, das Kapitel zu Mäcon hätte das 
verrufene Herrenrecht ausgeübt*. 

Andere Schriftsteller finden einen Beweis jenes Rechtes in 
der Nachricht, dass in Lithauen der letzte Abend vor der Trauung 
eines Mädchens „kunigowanie" heisse*; ferner in der Bezeichnung 
„vorhure" (Vorheuer) für das bei Eigenthumsübertragungen zu 
entrichtende laudemium^; und in einer angeblichen Aeusserung 
irländischer Gutsherren des achtzehnten Jahrhunderts über die 
Bereitwilligkeit der Häuslinge, ihre Weiber und Töchter dem 
Gutsherrn zur Unzucht zu überlassen*. 

Die von Liebrecht erwähnte Shakspeare-Stelle ^ ist ein Aus- 

- 

aber verpflichtet sein, vor Eintritt in die Kirche an den zur Vornahme der 
Trauung berufenen Geistlichen pro jure cantoriae sechs Pfennige zu zahlen 
und dabei öffentlich zu erklären: „Hier sind sechs Pariser Pfennige für die 
Cantorgebtihr der Kirche zu Mäcon." Das fragliche Urtheil, vom Jahr 1335, 
steht bei Carpentier unter Marcheta abgedruckt und ist daraus in die übrigen 
vorerwähnten Schriften übergegangen. Bei Pericaud S. 8 findet sich dieselbe 
Nachricht mit der Abweichung, dass die Jahreszahl 1361 angegeben ist, und 
mit der näheren Bestimmung, dass der Streit zwischen den Einwohnern und 
dem Kapitel von Saint- Vincent geschwebt habe. 

* Dalloz, Dict. Bd. 1 und R6p. Bd. 3 unter Adult^re. Danach behauptete 
Dalloz im Jahr 1835, die Ausübung jenes Rechts sei bis in das siebenzehnte 
Jahrhundert geschehen ; elf Jahre später dagegen, das droit de pr^libation sei 
durch das Kapitel von Mäcon bis zum vierzehnten Jahrhundert ausgeübt worden, 
und Spuren davon hätten sich bis zum siebenzehnt-en Jahrhundert erhalten. 

2 Post S. 38. — Das Wort kunigo bezeichnet einen geistlichen oder sonst 
angesehenen Herrn. Mielcke S. 135. 

3 Wilhelm Arnold (S. 73, 74) berichtet : „Das städtische Laudemium kommt 
unter den verschiedensten Namen vor: in Köln als ge\Ärf, in Worms als 
Wandelung, in Wetzlar und anderen Städten als vorhure (Vorheuer), in Basel, 
Augsburg und oberdeutschen Städten als erschatz. Der lateinische Name ist 
erarium, honorarium oder intraium (intragium, intrarium).^ Daraus folgert 
Kulischer S. 228, in dem Namen, den die Abgabe in Wetzlar führte, sei „eine 
TJebertragung der deutschen Benennung des jus primae noctis auf ein anderes 
Gebiet zu bemerken". Wie irrig diese Meinung ist, lässt sich aus Urkunden 
über Vorheuer (vorhura), z.B. von 1153, 1160, 1178, 1180, 1187, 1197, 1220, 
1244 und 1249, bei Lacomblet Bd. 1 Nr. 378, 402, 474, 475, 506, 556, Bd. 2 
Nr. 91, 288, 347, Bd. 4 Nr. 634, leicht ersehen. 

* Arthur Young, der seit dem Jahr 1776 Irland durchreiste, schildert 
die dortigen Grundbesitzer als Despoten und bemerkt dabei: „Angesehene 
Gutsherren haben mich versichert, dass viele ihrer Häuslinge sich eine Ehre 
daraus machen würden, wenn sie ihre Weiber und Töchter forderten, bei 
ihnen zu schlafen : ein Zeichen der Sklaverei zum Beweise der Unterdrückung, 
unter welcher solche Leute leben müssen". (Young Bd. 2 S. 60, 61 ; Sugen- 
heim 1861, S. 338). Daraus folgert Kulischer (S. 228): ^Das heisst mit an- 
deren Worten, die Gutsherren besassen das jus primae noctis.** 

^ Gemeint ist Heinrich der Sechste, zweiter Theil, vierter Act, achte 



Kapitel 2. Charakteristik moderner Beweisführung. H 

Spruch des Rebellenführers und vormaligen Tuchmachers John 
Cade aus Ashford in Kent, der durch den Herzog von York ver- 
führt war, Aufruhr gegen König Heinrich VI. zu stiften. Der- 
selbe gab sich für John Mortimer, den angeblich rechtmässigen 
Thronerben, aus und verkündete, er wolle, sobald er König sei, 
das Geld abschaffen und Alle auf seine Rechnung essen, trinken 
und nach einer, Livree kleiden lassen, damit sie sich als Brüder 
vertrügen und ihn als ihren Herrn ehrten; er wollte alle Rechts- 
gelehrten umbringen und keinen Lord oder Edelmann leben 
lassen; er befahl seinen Anhängern: „Verbrennt alle Urkunden 
des Reichs; mein Mund soll das Parlament von England er- 
setzen, und hinfüro soll Alles gemeinschaftlich sein." In dieser 
Rolle erlässt Cade den Befehl, den Lord Say und dessen Schwie- 
gersohn zu köpfen; unmittelbar darauf spricht er zu seinen 
Anhängern: „Der stolzeste Peer im Reich soll nicht den Kopf 
auf den Schultern tragen, wenn er mir nicht Tribut entrichtet. 
Dieser Tribut soll darin bestehen, dass eine Jungfrau nicht hei- 
rathen soll, wenn sie mir nicht ihr Magdthum preisgiebt, bevor 
sie (die Peers) es haben. Männer sollen meine Lehnsleute sein, 
und Wir verordnen und befehlen, dass ihre Weiber so frei sein 
sollen, wie das Herz wünschen oder die Zunge aussprechen kann." * 



(nicht siebente) Scene. — Die Streitfrage, ob und inwieweit das Schauspiel 
Heinrich VI., zweiter Theil, in Wahrheit von Shakspeare herrührt, kann 
hier unerörtert bleiben. 

* Henry VI, Part H, Act 4, scene 8: ...Cade: ... „The proudest peer 
in the realm shall not wear a head on his Shoulders, unless he pay me tri- 
bnte: there shall not a maid be married, but she shall pay to me her mai- 
denhead, ere they have it. Men shall hold of me in capite; and we Charge 
and command, that their wives be as free as heart can wish, or tongue can 
teil." — Diese ganze Stelle spricht von den Peers. Der Doppelpunkt hinter 
„tribute" deutet an, dass die folgenden Worte angeben, worin der Tribu't 
bestehen soll. Daher ist an der Stelle „ere they have it" das „they" auf die 
Peers (das vorher coUectiv gebrauchte Peer) und das „it" auf maidenhead 
zu beziehen. Der Ausdruck „pay her maidenhead^ heisst nicht „ihre Jung- 
franschaft (in Geld) bezahlen", sondern „ihre Jungferschaft entrichten oder 
preisgeben". Unrichtig sind daher die Uebersetzungen von Eschenburg : „kein 
Mädchen soll sich verheirathen , ohne mir ihre Jungferschaft zu bezahlen, eh' 
ihr Mann sie bekömmt"; von A. W. v. Schlegel: „kein Mädchen soll sich 
verheirathen, ohne dass sie mir ihre Jungferschaft bezahlt, eh' ihr Liebster 
sie kriegt"; und von Guizot: „Pas une Alle ne sera marine qu'elle ne paye un 
tribut pour sa virginit^ avant qu'on en jouisse." Delius hat die Worte „pay her 
maidenhead" nicht erklärt und in der Uebersetzung : „ehe diejenigen, welche 
die Mädchen heirathen wollen, die Jungfernschaft bekommen", keine Andeutung 
darüber gegeben, dass mit diesen Männern die Peers gemeint sind. 



12 Kapitel 2. Charakteristik moderner Beweisführung. 

Also prahlte Cade, er wolle, wenn er König sei, das Vorrecht 
ausüben, bei Heirathen der Peers deren Bräute zu defloriren. 
Darin kann die Andeutung gefunden werden, dass der Adel 
solche Schandthat früher an den Bräuten der Unterthanen aus- 
geübt habe und jetzt dafür bestraft werden sollet — Etwas 
undeutlicher, aber doch im Wesentlichen gleichen Inhalts, ist die 
entsprechende Stelle eines gegen 1590 verfassten und im Jahr 1594 
(ohne Benennung des Verfassers) durch den Buchhändler Thomas 
Millington herausgegebenen Schauspiels ^, welches dem vorbezeich- 
neten Schauspiel zu Grunde liegt. Darin spricht Cade: „Es soll 
kein Edelmann den Kopf auf den Schultern tragen, wenn er mir 
nicht Tribut dafür entrichtet. Und es soll eine Jungfrau sich 
nicht (mit ihm) verheirathen , wenn er sich nicht für mich nach 
ihr umsieht (d. h. sie mir nicht zuvor überlässt). Jungferschaft 
oder etwas Anderes, ich will es selbst haben. Wahrlich, ich 
will, dass verheirathete Männer meine Lehnsleute sind, und dass 
ihre Frauen so frei sein sollen, wie das Herz denken oder die 
Zunge aussprechen kann." ^ — In diesen beiden Stellen kann 
eine Anspielung auf das Herrenrecht der ersten Nacht gefunden 
werden, im Sinn der Nachrichten, die darüber gegen Ausgang 
des sechzehnten Jahrhunderts verbreitet waren. Mehr ist daraus 
nicht zu ersehen. Die bezeichnete Schilderuag von dem Auf- 
treten des Rebellenführers Cade, wie sie im vierten Act des 
Schauspiels enthalten ist, beruhte auf der Chronik Holinshed's 
(1577), die ihrerseits aus der Chronik Hall's entnommen war*. 



* Vgl. Gervinus S. 212, 213: . . . „die gepredigte kommunistische Gleich- 
heit beginnt damit, dass Cade sich selbst und Andere zu Bittern schlägt und 
das abscheulichste aller Adelsprivilegien für sich verlangt'S Auch Hazlitt 
Bd. 5 S. 503, Note 2, findet in den Worten Cade's eine Anspielung auf die 
mercheta mulierum in der von Skene angegebenen Bedeutung (unten Kap. 15). 

* Der lange Titel dieses Schauspiels beginnt mit den Worten : „Der erste 
Theil des Streites zwischen den beiden berühmten Häusern York und Lancaster, 
mit dem Tod des guten Herzogs Hurophrey". Wer Verfasser dieses Stückes 
ist, steht nicht fest Es werden Marlowe, Robert Greene, Peel, Monday 
und Heywood genannt. Vgl. Drake S. 485; Gervinus S. 207; Hager Öd. 4 
S. 189, 195. 

' The first part of the Contention of the two famous houses of Yorke 
and Lancaster etc , bei Delius Bd. 1 S. 872: Cade: . . . „There shall not 
a noble man weare a head on bis Shoulders, but he shall paie me tribute for 
it. Nore there shal not a mayd be married, but he shal see to me for her. 
Maydenhead or eise, ile have it my seife. Marry I will that married men 
shall hold.of me in capite, and that their wives shal be as free as hart can 
thinke, or toong can teil.'' 
♦ Delius Bd. 1 S. 853. 



Kapitel 3. Etymologie. X3 

In dieser Chronik * ist die fragliche Rede Cade's noch nicht ent- 
halten. — Liebrecht beruft sich auf „die Erklärer" der ange- 
führten Shakspeare-Stelle , zum Beweise, dass im Mittelalter das 
jus primae noctis weithin beansprucht worden sei^. Wenn nun 
,,die Erklärer" zu Shakspeare den Glauben an das bezeichnete 
Recht mit vielen andern modernen Schriftstellern theilen, so 
kann dies zum Beweis für die Zeit des Mittelalters nicht dienen. 
Vielleicht will Liebrecht durch jenes Citat andeuten, dass bei 
den Erklär ern Shakspeare's die Geschichtsquellen des Mittel- 
alters über jenes Recht zu finden seien. Von diesem Standpunkt 
verdient seine Behauptung Beachtung. Allein leider hat er unter- 
lassen, die Namen jener „Erklärer" anzugeben, und mir ist ihre 
Entdeckung nicht gelungen. 

C. Etymologie. 

Kapitel 3. Man behauptet, das Herrenrecht der ersten Nacht 
habe verschiedene Namen geführt, deren Wortlaut zumeist den 
Ausdruck „viehischer Geilheit" enthalte: jus primae noctis, jus 
luxandae coxae, jus marchetae, praelibatio, droit de cuillage, de 
cuissage, de jambage, cazzagio ^. „In Piemont hiess dieses Recht 
cazzagio ... In Frankreich prelibation, droit de cuUage, de cuis- 
sage und lateinisch jus cunni." * Es hiess „culliage" oder „cul- 
lage"^, „droit de jambage, cuissage oder marquette" ^. Das 
„droit du seigneur oder jus primae noctis heisst auch droit de 
prelibation, de marquette, de jambage, de braconnage, de cuissage, 
de defloration, de deflorement" ^ Delpit und Labessade geben 
ein langes Verzeichniss von Ausdrücken, die „ungefähr dasselbe" 
bedeuten sollen, wie „droit du seigneur", nämlich aus Deutsch- 
land: „Reitschot, reitschoss, lyre-wite, lecher-wite, leger-geldum" ; 
aus Grossbritannien: „Amobr, amobyr, amachyr, gobr-merch, 
gwahr-merched , merket, marcheta, marchetum, maindenrent" ; 
aus Flandern und den Niederlanden: „Bed-nood, bumede, bur- 
mede, bathinodium" ; aus Italien: „Cazzagio, fodero"; aus Frank- 



* Der hier in Betracht kommende Abschnitt ans Hall's Chronik steht ab- 
gedruckt bei Delins S. 854—856. 

« Liebrecht 1864 S. 541 und 1879 S. 416. 

» Kolb 1842 S. 496, 497 und 1843 Bd. 2 S. 73. 

♦ Dulaure, Adel S. 242. Scherr 1865 S. 129. 
6 Laurent S. 57. « Schaffner Bd. 2 S. 185. 
' Augsb. AUgem. Ztg. Beil. v. 18. April 1868. 



14 Kapitel 3. Etymologie. 

reich: „Braconage, culage, cuUiage, couillage, culagium, cochet, 
coquet, conchet, couchet, cuissage, deschaussage , deschaussaille, 
jambage, guerson, Julie, jus cunni, cunnagium, konnagium etc.*** 
In diesem Verzeichniss sind nicht nur Schreibfehler ^ enthalten, 
und Länder verwechselt^, sondern auch Ausdrücke ganz verschie- 
denen Inhalts miteinander gleichgestellt. . 

Einige der bezeichneten Ausdrücke sind Namen von Heiraths- 
abgaben ; insbesondere bestanden Heirathsabgaben unter folgenden 
Namen : amobr, amobyr, gobr-merch, gwahr-merched, maiden-rent 
in Wales*, mercheta oder marcheta in Schottland^, merchet in 
England'*, bathinodium in Belgien^, bumede und burmede in 
Deutschland®, culage, couillage, culagium, cochet und coquet in 
Frankreich^, neben vielen anderen Namen, die in vorstehenden 
Verzeichnissen nicht erwähnt sind. 

Bei Schriftstellern der Neuzeit sind folgende Ausdrücke zur 
Bezeichnung des Herrenrechts der ersten Nacht üblich geworden, 
und zwar seit dem siebenzehnten Jahrhundert die Ausdrücke 
jus luxandae coxae, jus connagii *^ und jus cunni**, auch schon 
jus primae noctis ^^ ; seit dem achtzehnten Jahrhundert bracon- 



* Delpit S. 9; Labessade S. 16, 17. 

2 Z. B. „maindenrent" statt „maiden-rent". 

3 Beispielsweise kommen die Ausdrücke „Lyre-wite, Lecher-Wite, Leger- 
Geldum" in Deutschland nicht vor; wohl aber finden sich in englischen Ge- 
schichtsquellen die Ausdrücke L4yrewite, Lierwyte und Letherwyte, und 
zwar in der Bedeutung einer Unzuchtstrafe. Vgl. Kap. 16. Ferner gehören 
die Ausdrücke Bumede und Burmede nicht nach Flandern, sondern nach 
Deutschland. Vgl. Kap. 22. 

♦ Kap. 14. 5 Kap. 15. " Kap. 16. 

' Kap. 20. Dort ist auch das Wort bed-nood erwähnt, jedoch nicht 
als ein urkundlich bestätigter Ausdruck, sondern lediglich als eine ungeschickte 
Uebersetzung von bathinodium. 

8 Kap. 22. 

^ Kap. 18 und Kap. 26, — Natürlich konnte auch ein Frauenkloster aus 
grundherrlichen Rechten Anspruch auf eine solche Abgabe haben; allein im 
neunzehnten Jahrhundert hat man die darauf bezüglichen Urkunden dahin 
missverstanden, dass selbst Aebtissinnen und andere vornehme Frauen das 
Herrenrecht der ersten Nacht gehabt hätten. Labessade S. 20 Nr. 11 und 
S. 28, 29 Nr. 671 

10 Henel cap. 47 S. 401. 

^1 Cathala-Coture Bd. 1 S. 134; Hist. de Montauban chap. 7 S. 58 , 59. 
Vgl. Kap. 69. 

12 AA. SS. 30. aprilis, Bd. 3 S. 822. — Von vornherein könnte man meinen, 
dass der Ausdruck jus primae noctis ein Recht der Neuvermählten bedeute, 
oder die Abgabe, die sie für Dispens von Beobachtung der Tobiasnächte 
(vgl. Kap. 27) zu zahlen hatten. In der That suchen einige Schriftsteller jenen 



Kapitel 3. Etymologie. 15 

nage ^, cazzagio 2, il fodero ^, droit de cuissage oder jambage *, 
droit de cullage oder culagium^, droit du seigneur, droit de' 
prelibation ^, droit de marquette (marquettes, markette, markotte) ^, 
droit de defloration, seit dem neunzehnten Jahrhundert auch de- 
florement®, oder derecho de prelibacion^ und andere mehr. 

In der Bezeichnung einer Heirathsabgabe kann eine ge- 
schlechtliche Anspielung nicht auffallen, da sie durch die Natur 
der Ehe erklärt wird; daher bieten solche Bezeichnungen keinen 
Grund, an ein Herrenrecht der ersten Nacht zu denken. Und 
soweit die vorerwähnten Ausdrücke sich erst in der Neuzeit ge- 
bildet haben ^®, kann aus ihrer Etymologie keine Folgerung für 
ältere Zeiten gezogen werden. 



Ausdruck entweder aus dem Recht der Ehegatten oder aus jener Abgabe 
zu erklären (vgl. Moser Bd. 5 S. 168; Jacobson bei Weiske Bd. 3 S. 566, 
Anm. 316). Allein bisher ist meines Wissens noch keine Urkunde entdeckt, 
worin der eine oder der andere Sprachgebrauch zur Geltung gekommen ist. 
Einige Schriftsteller sprechen von einem jus primae noctis der Freunde oder 
Verwandten der Braut (Giraud-Teulon S. 68, 69); andere von einem jus 
primae noctis der Priester (Gubernatis, Liebrecht, Gerland, Post, Bastian, 
KuUscher). In vorliegender Untersuchung wird der Ausdruck jus primae 
noctis in dem heutzutage gebräuchlichen Sinn eines Herrenrechts der ersten 
Nacht gebraucht, unter gleichzeitiger Berücksichtigung der modernen Be- 
hauptung, dass nicht bloss den weltlichen, sondern auch den geistlichen 
Herren ein solches Recht zugestanden habe. 

* Carpentier unter Braconnagium. Vgl. Kap. 55. 

* Lauri^re unter Cullage. Vgl. Kap. 53. 
' RasteUi S. 6. Vgl. Kap. 52. 

* Encycl. und Voltaire. Vgl. Kap. 11. 

* Encycl. unter Culage und Droits abusifs. 

* Voltaire , Dict. phil. unter Cuissage und D6f. de mon oncle. — Merlin 
(R6p. unter Markette) meint, jenes Recht habe ursprünglich prelibation ge- 
heissen , wie aus einer Urkunde vom Jahr 1507 hervorgehe ; in Wahrheit 
jedoch kommt in dieser Urkunde (vgl. unten Kap. 18) das Wort prelibation 
nicht vor. — In einer lateinischen Urkunde vom Jahr 1415, betr. die Ver- 
mählung der Prinzessin Eleonore von Portugal mit dem späteren Kaiser Fried- 
rich in., steht das Wort praelibatio im Sinn einer Vorkost von Esswaaren: 
„An demselben Ort nahm sie mit ihren Angehörigen die Vorkost von Zucker 
und kleinen Fischen mit Brot ; und sie kehrte spät zu dem Schiff zurück, wo 
die Hauptmahlzeit stattfand.'^ Hist. despons. Frider. III. Imper. cum Eleon. 
Lusit. an. 1415, bei Carpentier und Ducange unter Praelibatio. 

' Manage unter Marquette. Boutaric chap. 15. Renauldon liv. 5 chap. 10 
S. 450. Voltaire, Dict. phil. unter Cuissage und D6f. de mon oncle. Grand 
Vocab. Bd. 17 S. 236 und S. 173. Diss. S. Claude Anh. S. 133, 134. 

8 Kap. 62. 9 Marichalar Bd. 6 S. 67. 

*® Z. B. droit de prelibation und droit de defloration. 



16 Kapitel 4. Geschichtliche Notorietät. 



D. Geschichtliche Notorietät. 

Kapitel 4. Man sagt theils wörtlich, theils dem Sinne nach: 
Für das bekannte Herrenrecht der ersten Nacht, dies in der 
Geschichte erhaltene „Denkmal tiefster menschlicher Erniedrigung 
und Schmach***, finden sich unumstössliche Beweise bei zahl- 
reichen Schriftstellern, deren Werke zu den Hauptzierden der 
Neuzeit gehören, namentlich bei den französischen Juristen Merlin, 
Dalloz , Dupin , Laferriere , dem Historiker Henri Martin , den 
Verfassern der Encyklopädie , dem belgischen Juristen Laurent, 
dem englischen Juristen Blackstone, dem Italiener Angelo de 
Gubernatis, den spanischen Rechtshistorikern Marichalar-Manrique, 
den deutschen Gelehrten Jakob Grimm, Weinhold, Osenbrüggen, 
Bachofen, Georg Ludwig von Maurer, Felix Liebrecht, Adolph 
Bastian und bei vielen anderen berühmten Gelehrten. Solchen 
Auctoritäten gegenüber ist nicht zu leugnen, dass jenes Recht be- 
standen hat. Im Streit, der hierüber zwischen dem XJnivers 
und dem Siecle stattfand, krönte der Sieg die edlen Anstren- 
gungen des tapfern Siecle ^, Das Unternehmen Veuillot's, die viele 
Jahrhunderte lang allgemein angenommene Meinung^ zu erschüt- 
tern, war ein Tendenzwerk* und ist durch die Werke von Jules 
Delpit, Lagreze und Labessade zertrümmert. Seine Beweisfüh- 
rung ist von der Art, dass sich damit auch darthun liesse, die 
römische Curie habe sich nie das Recht, Andersgläubige zu ver- 
brennen, beigelegt^. Delpit konnte im Jahr 1873 seinen Sieg 
über Veuillot förmlich constatiren. Es ist leichter zu beweisen, 
Chlodwig, oder Pipin, oder Ludwig der Heilige hätten nie gelebt, 
als den Nachweis zu liefern, dass jenes Recht nicht bestanden 
habe^. „Je mehr Archivalien ans Licht treten, desto deutlicher 
zeigt es sich, dass Veuillot eine Sache vertheidigt, die durch und 
durch faul ist.** ^ Die Beweise für dies Recht sind unerschüt- 
terlich und fest wie die höchsten Berge; es ist klar und einfach 
wie ein Naturgesetz, oflfenbar wie ein verkündetes Gesetz, augen- 
scheinlich wie der Tag oder ein Gesetz der Mathematik. Ob- 
gleich einige Enthusiasten der Gegenwart, die das Feudalsystem 
für weit vorzüglicher als den modernen Liberalismus halten®, 



1 Kolb 1842, S. 498. « Labessade S. 190. * YaUein S. 227. 

♦ Delpit 1857 und 1873. ^ Buchmann S. 37. « Delpit 1857. 

' Buchmann S. 36, 37. 
8 Luis Cutchet bei Marichalar Bd. 6 S. 498. 



Kapitel 4. Geschichtliche Notorietät. 17 

und romantische Schönfalschfärber des Mittelalters das jus primae 
noctis vertuschen oder ganz leugnen möchten*, so ist doch für 
einen ehrlichen Mann (homme de bonne foi) nicht der Schatten 
eines Zweifels möglich; jeder Versuch, den Glauben an jenes 
Hecht zu erschüttern, muss der Lächerlichkeit verfallen^. Könnte 
von den vielen Beweisen aus allen Ländern, die in neuerer Zeit 
gesammelt sind, der eine oder andere in Frage gestellt werden, 
so würde dies doch auf die überwältigende Masse der Beweise 
keinen erheblichen Einfluss ausüben. Daher ist es z. B. nicht 
nöthig, die in Frage gestellte Aechtheit eines unter den Beweisen 
angeführten Urtheils vom Jahr 1302 genau zu untersuchen oder 
in die Natur des Prozesses, den der Bischof von Amiens vor 
dem Parlament zu Paris verlor, kritisch einzudringen. Schon 
bevor die gründlichen Untersuchungen von Lagreze erschienen, 
die den Streit für Frankreich erledigten^, war jenes Recht eine 
Thatsache geschichtlicher Notorietät*. 

Eine solche Beweisführung ist unzulässig. Es kann Nie- 
mandem zugemuthet werden, die Lehren moderner Schriftsteller 
ohne Prüfung als wahr anzunehmen, als ob sie Glaubensartikel 
wären. Daher bedarf es einer Untersuchung über die Beweise, 
auf die sich ihre Meinung stützt. Ergiebt sich hierbei, dass eine 
als Beweismittel angerufene Urkunde gefälscht, und eine andere 
missverstanden ist, so mindert sich dadurch nicht nur die Zahl 
der aufgezählten Beweise, sondern zugleich die Zuverlässigkeit 
des ganzen Verzeichnisses. Das Axiom einer geschichtlichen No- 
torietät ist nicht geeignet, den Beweis zu ersetzen. 

Wer ernstlich behaupten will, dass einmal das Herrenrecht 
der ersten Nacht gegolten habe, wird über folgende Fragen 
Bechenschaft geben müssen. Wann und wo ist es entstanden? 
Wie hat es sich von einem Lande auf das andere ausgedehnt? 
Wann und wie ist es untergegangen? Wo und wann hat es 
gegolten? In welchem Umfang ist es zur Ausübung gekommen? 
Wie erklärt sich die Entstehung und Geltung? — Ueber alle 
diese Fragen sind die verschiedensten Meinungen verbreitet, die 
zum grossen Theil miteinander unvereinbar sind. 

Bezüglich der Frage nach der Zeit der Entstehung und Gel- 



^ Scherr 1876 S. 237. 

2 Labessade S. 61, 82, 106, 179, 180. 

» Augsb. Allg. Ztg. V. 18. April 1868, S. 1662. 

♦ Martin 4. AuH. Bd. 5 S. 569: „un fait de notori6t6 historique". Vgl. 
Bonnem^re Bd. 1 S. 62; Delpit S. 123; Labessade S. 51; Hlebrecht 1874 
S. 138 und 1879 S. 416 („bekanntermassen"). 

Schmidt, Ju8 primae uoctis. 2 



18 Kapitel 4. Geschichtliche Notorietät. 

tung lassen sich die Meinungen nach den Hauptperioden der 
Weltgeschichte gruppiren, dergestalt, dass wieder in jeder Gruppe 
die Meinungen auseinandergehen, etwa folgendermassen. 

a) Es ist ein uraltes Kecht, eine Sitte alter Völker*. Die 
Zeit der Entstehung lässt sich nicht feststellen*. Oder: 

b) Es stammt aus heidnischer Zeit und wurde durch 
das Christenthum- verdrängt (abgelöst), sobald dasselbe zur Herr- 
schaft gelangte^. Oder: Es wurde um die Zeit des Kaisers Au- 
gustus durch einen schottischen König eingeführt und im elften 
Jahrhundert abgeschaflft *. Oder: Die ersten Spuren finden sich 
in der römischen Kaisergeschichte, und zwar bei Kaiser Maximin *. 
Oder: Es war ein Recht persischer Satrapen, ohne jedoch von 
ihnen erfunden zu sein*. Oder: 

c) Es ist erst im Mittelalter entstanden ^ Es galt im 
elften, zwölften und dreizehnten Jahrhundert ®, jedenfalls im drei- 
zehnten Jahrhundert^. Es bestand noch später und wurde erst 
im sechzehnten Jahrhundert beseitigt*®. Es ist längst abge- 
schafft**. Oder: 

d) Es hat in der Neuzeit bestanden, insbesondere im sie- 
benzehnten *2 und achtzehnten *^ Jahrhundert. Es scheint noch 
heutzutage zu gelten **. 



* Grimm, R.-A. S. ä80 („Sitte alter Völker"). Post S. 38 („dieses uralte 
Recht"). Liebrecht 1869 S. 810 und 1879 S. 423. 

• 2 Augsb. AUg. Ztg., Beil. v. 18. April 1868, S. 1662. 

s AA. SS. 30. Aprilis, de S. Foranno, Bd. 3 S. 822. Brodeau tit. 1 art. 37 
n. 11 S. 273. Keysler § 64 S. 485. Westphal § 12 S. 37—40. Ester § 94 
S. 129. V. d. Schelling Bd. 1 S. 148. Harenberg diss. 8 § 16 S. 1173. 

* Hector Bo6thius, Buchanan, Lesly. 

5 Kolb 1842, S. 495. « Heliferich S. 418, 419. 

' Voltaire, Dict. phil. unter Cuissage und Defense de mon oncle. Merlin, 
R6p. unter Culage. Roquefort unter Culaige. Bibl. hist. Bd. 12 S. 232. 
Peuchet-Chanlaire unter Montauban, S. 23, 24. Saint-Fargeau S. 629. Kolb 
1843, Bd. 2 S. 72, 73. Scherr 1858, S. 211. Marichalar Bd. 6 S. 67. 
Buchmann S. 36. v. Hellwald S. 451, 494. Deutscher Merkur vom 17. April 
1880, S. 124. 

8 Dulaure, Montauban S. 27, 28 und Adel S. 241, 242. 

^ Merlin, R6p. unter Markette. Dict. Acad. Suppl. (1836) unter Markette. 
Kolb 1842 S. 496 („besonders im dreizehnten Jahrhundert"). 

10 CoUin de Plancy Bd. 1 S. 165, 166. Labessade S. 77, 78, 108. 

^* Encycl. 1. Ausg. unter Droits abusifs. Dict. de Trevoux unter Cullage. 

^2 Augsb. Allg. Ztg., Beil. v. 18. April 1868, S. 1662. 

13 Westphal § 12 S. 38. Renauldon liv. 5 eh. 10 S. 450. Welsch S. 1, 2. 
Chr. Meyer S. 371. 

*♦ CoUin de Plancy Bd. 1 S. 166. v. Spix Bd. 3 S. 1182. Th. Waitz Bd. 5 



Kapitel 4. Geschichtliche Notorietät. / 19 

Die zur dritten Gruppe gehörigen Schriftsteller sind ferner 
verschiedener Meinung über die Frage, in welchem Umfang die 
Feudalherren jenes Becht ausgeübt haben sollen. Man behauptet, 
einige Feudalherren hätten es in Anspruch genommen^; oder 
unendlich viele*, oder die meisten ^ 

Auf die Frage, wo jenes Becht zuerst aufgekommen sei, 
geben die meisten Schriftsteller keine Antwort. Doch sagen 
Einige, in Schottland*. Scherr vermuthet, jenes Becht sei „ur- 
sprünglich ein keltisches gewesen* ^. 

Bezüglich der Frage, wie jenes Becht sich verbreitet habe, 
wird behauptet, „dass der König Evenus dies Becht zuerst in 
Schottland einführte, von wo es nach England, Deutschland, Pie- 
mont und anderen Theilen der Christenheit übergiog" ^. Oder: 
Wahrscheinlich gelangte es aus Frankreich über England nach 
Schottland '. Die Mauren sollen es nach Spanien gebracht haben ®. 
Es ist ein uraltes Becht, das „schon in ältester Zeit fast in allen 
Welttheilen und Ländern" bestand, „einst fast überall existirte 
und geübt wurde** und sich „aus urältester Zeit erhalten" hat*, 
so dass es keines speciellen Nachweises bedarf, wie es aus einem 
Lande zum andern gelangt ist. 

Ueber die Frage, in welchen Ländern jenes Becht gegolten 
habe, finden sich folgende Behauptungen. Es galt bei den nörd- 
lichen Völkern Europas*®, in mehreren romanischen Ländern**, 
bei den späteren Bömern *2, in Italien *^, in Schottland **, in Eng- 



S. 111, 112. Bastian S. 179, 180. Post S. 37. Gubernatis, Usi S. 198. Kuli- 
scher S. 229. 

* Encycl. (I. Ausg.) unter Droits abusifs. Grand Vocab. unter Gulage. 
Pcuchet-Ghanlaire unter Montauban, S. 23, 24. 

» Dulaure, Montauban S. 27, 28, und Adel S. 241, 242. 
» Saint-Fargeau S. 629. 

♦ Sugenheim 1861, S. 103. » Scherr 1865, S. 131. 
« Merlin, R6p. unter Mftrkette, Bd. 8 v. 1813, S. 107. 

' Craig lib. 2 diegesis 3 n. 31. Vgl. hiergegen Barth^lemy S. 96. 

8 Pujades Bd. 4 S. 332, 333. Vgl. Lagreze 1867, S. 421; Helfferich S. 410. 

» Liebrecht 1869 S. 810, ebenso 1874 S. 138, 139 und 1879 S. 416—418, 423. 

lö Fischer S. 93—96. 

" Augsb. Allg. Ztg. V. 18. April 1868, S. 1662. 

" Weinhold S. 194. 

*8 Ducange, Boucher d'Argis, Voltaire, Dulaure, Roquefort, Collin de 
Plancy, Fellens, Michelet, Delpit, Labessade, L. Favre bei La Gurne, Kolb, 
Marichalar, Liebrecht, Gubernatis. 

*♦ Ducange, Bayle, Encycl., Voltaire, Dulaure, Blackstone, Stephen, Merlin, 
Roquefort, Delpit, Labessade, Gubernatis, Dümge, Kolb, Sugenheim, Scherr 
1865, Bastian, Liebrecht. 

2* 



20 Kapitel 4 Geschichtliche Notorieat. 

land*, in Wales', in Irland^, in Frankreich*, in Spanien^, in 
Tirol*, in Deutschland^, in der Schweiz®, in Belgien', in Hol- 
land ^^ in Bussland ^^, in anderen europäischen Staaten ^', in ganz 
Europa *^ Es galt oder gilt in Asien *^, Afrika** und Amerika". 
Es hat „anderswo** gegolten *^ 

Auf die Frage nach der Entstehung jenes Rechts antwortet 
man : Es gründet sich auf Anmassung oder Tyrannei *®, auf Ge- 
walt-Missbrauch *' oder Eriegsrecht '^ und ist durch eine seltsame 
Gewohnheit angenommen '^ Es beruht auf Gewohnheitsrecht**, 
auf Gesetzgebung*^. 

Man sagt : Jenes Recht ist niemals durch gerichtliches Urtheil 
anerkannt worden*^. Oder: Es ist ausdrücklich anerkannt in ge- 
richtlichen Urtheilen ** und in geschriebenen Gewohnheitsrechten **. 



^ DQmge, Delpit, Weinhold, Marichalar, Labessade, Liebrecht. 
' Ducange, Delpit, Labessade. 
' Sugenheim, Kulischer. 

* Garran de Coulon, Dulaure, Merlin, Collin de Plancy, Fellens, Delpit^ 
V. Hormayr, Kolb, Weinhold, Sugenheim, Scherr 1865, Liebrecht. 

^ Lagr^ze, HelfTerich, Sugenheim, Marichalar, Wolf, Liebrecht, Kulischer. 
^ Gubernatis, Kulischer. 

' V. Alvensleben, Dulaure, Merlin, Dümge, v. Hormayr, Kolb, Delpit, 
Labessade, Weinhold, Scherr, Liebrecht, Post, Kulischer. 

* Scherr, v. Maurer, Weinhold, Liebrecht, Kulischer, Delpit. 
^ Dulaure, DQmge, Bonnemere, Delpit, Labessade. 

*® Delpit, Labessade, Liebrecht. 

** J. Müller, Ewers, Grimm, Mlchelet, Weinhold, Scherr 1865, Liebrecbt, 
Post, Kulischer. 

^* Garran de Coulon, Merlin, Delpit, Marichalar. 

*' Labessade S. 24. 

^^ Dalloz, Gaben, Giraud-Teulon , Gubernatis, Bastian, Liebrecht, Ku- 
lischer. 

^* Giraud-Teulon, Liebrecht. 

** Anderson. Giraud-Teulon, v. Spix, Th. Waitz, Bastian, Post, Liebreeht, 
Kulischer. 

11 Montoigne liv. 1 chap. 22 S. 144, 145. 

*^ Graud Vocab. unter Culage. 

1^ Garran de Coulon. Diss. S. Claude Anh. S. 133. Merlin, R^p. unter 
Culage. Kolb 1842 S. 495, 496 

•• Voltaire, Defense de mon oncle. 

** Dict. de Trevoux unter Cullage. 

'' Encycl. unter Culage. Grand Vocab. unter Marquette. Collin de Plancy 
Bd. 1 S. 165, 166. Fellens S. 147. Labessade S. 9. 

»» Delpit 1857 und 1873. Vgl. Voltaire, Defense de mon oncle. 

*^ Voltaire, Dict. phil. unter Cuissage, und Defense de mon oncle. Lagr^ze. 

*' Saint-Amans, Bibl. bist, Ewers. 

>« Bouthors Bd. 1 S. 449, 450. Dupin S. 131. Delpit Labessade S. 61. 



Kapitel 5. Lebendige Ueberlieferung. 21 

Es war eine Rechtsinstitution des Mittelalters^, ein Recht des 
Lehnsystems ^ , und wurde sogar von der Kirche als begründet 
anerkannt und beschützt ^. 

Aus vorstehender Uebersicht erhellt, dass die Schriftsteller, 
die im Allgemeinen glauben, es hätte einmal das Herrenrecht 
der ersten Nacht bestanden, im Einzelnen in ihren Meinungen 
weit von einander abweichen, dass also darüber eine Ueberein- 
stimmung der Schriftsteller oder eine geschichtliche Notorietät 
nicht vorliegt. 

E. Lebendige Ueberlieferung. 

Kapitel 6. Zum Beweise, dass ein Herrenrecht der ersten 
Nacht bestanden habe, beruft man sich auf eine lebendige 
Ueberlieferung*; man sagt, der Volksglaube an die Exi- 
stenz jenes seltsamen und gottlosen Feudalrechts würde sich nicht 
so allgemein verbreitet und nicht so hartnäckig bis in die Gegen- 
wart erhalten haben, wenn er nur auf Unwissenheit oder Ver- 
leumdung beruhte ^; „man erfindet nicht solche Sachen** ®. „Keine 
einzige geschichtliche Ueberlieferung ist je bewiesen worden." ^ 
Also genügt die lebendige Ueberlieferung, um den Beweis zu 
ersetzen. 

In der That wird heutzutage von mehreren Läodern erzählt, 
dass dort jenes Recht geherrscht habe oder noch herrsche. In Tirol 
wurde nair gerüchtweise mitgetheilt, dass es in Ungarn gelte®. 
In Bosnien und in der Herzegowina soll eine ähnliche 
Unsitte bestehend Ueber Russland wird erzählt, dass in 
Klein-Russland, insbesondere in Kiew, eine Volkssage den Ur- 
sprung einer mit dem Namen „Mardergabe" bezeichneten Hei- 
rathsabgabe auf jenes Recht zurückführe*®; dass dies „jus vir- 
ginale" in Wolhynien den höchsten Beamten „noch" in neuerer 



« Kolb 1842 S. 495 und 1843 Bd. 2 S. 72. Scherr 1865, S. 129. 

» Carli Bd. 1 S. 175. 

' Buchraann S. 68. Deutscher Merkur vom 17. April 1880, S. 124. 

* Scherr 1858, S. 569. Vgl. Delpit Nr. 72 S. 123: „la multitude ©t 
l'unanimit^ des traditions^. 

* Lagr^ze 1867, S. 391. 

* Delpit S. 123: „On n'invente pas ces choses-lä.'' 
' Bachofen S. 27. 

^ Meine Erkundigungen nach den Gründen dieses Gerüchts sind vergeblich 
* gewesen. 

» Vgl. das Citat bei Barth61emy S. HO. 
<« Ewers S. 72. 



22 Kapitel 5. Lebendige Ueberlieferung. 

Zeit zugestanden habe^, und dass auch in Bessarabien und in 
den Ostseeprovinzen dasselbe Recht in Geltung gewesen sei*. 
Ferner soll in Mecklenburg die Sage Yom jus primae noctis 
weit verbreitet sein ^ Aus Frankreich wird gemeldet, in meh- 
reren Ortschaften der I^rovinz Berry habe ein ,, droit de mar- 
quette** oder „droit de julie** bestanden, das aus dem Herren- 
recht der ersten Nacht herrührte *. Dies schändliche Recht soll 
in der Bretagne und in Limousin heimisch gewesen sein^; 
doch soll einmal nach den Annalen von Limousin ein Herr von 
Brives-la-Gaillarde für Ausübung dieses Rechts die Strafe erlitten 
haben, dass dessen Ehegattin durch den gekränkten Ehemann 
zum Ehebruch verleitet wurde ^. Wie in der Bretagne , so soll 
auch in Orleanais, in der Provence und in Languedoc 
seit dem Jahr 1599 die Ueberlieferung fortleben, dass dort das 
„droit du seigneur" in voller Blüthe gewesen sei^. Insbesondere 
wird erzählt, ein Herr aus Orleanais habe dies Recht für fünf 
Sous verkauft, und ein Herr von Bethisy für neun und einen 
halben Sous®; die Canoniker von Saint- Victor zu Marseille seien 
berechtigt gewesen, mit den neuvermählten Frauen ihrer Leib- 
eigenen in der ersten Nacht zu schlafen^; ein Mann aus dem 
Weichbilde von Toulouse habe, wie sein Sohn im Jahr 1760 
dem Marquis de Pins erklärte, in seinem Kirchspiel nicht hei- 
rathen wollen, weil den Grundherren, nämlich den Mönchen von 
Ladorade, „ein gewisses Recht ^ zustand, dem er sich nicht hätte 
unterwerfen wollen*®; und in Callas sei einmal, vor dem Jahr 1789, 
ein Grundherr getödtet worden, weil er jenes Recht ausgeübt 
habe *^ Eine Volkssage aus Bigorre wird später (Kap. 81) mit- 



* Post S. 38. ^ Aus Privatnachrichten. 

' So theilt mir ein Herr mit, der zwölf Jahre lang in Mecklenburg ge- 
lebt hat. Dies wird bestätigt durch Scherr 1876, S. 238. Dagegen ist je- 
doch zu bemerken, dass ein solches Recht in Fritz Reuter's „Kein HOsung^ 
nicht erwähnt wird, obwohl es zu der Tendenz dieser Dichtung gut gepasst 
hätte. 
• * Raynal Bd. 2 S. 209. 

* Brunet S. 172. Augsb. AUg. Ztg. v. 18. April 1868, S. 1662. Lieb- 
recht 1869 S. 811, ebenso 1874 S. 139 und 1879 S. 418. 

6 Collin de Plancy Bd. 1 S. 173, 174. Delpit S. 126. 

^ Labessade S. 50. 

« Collin de Plancy Bd. 1 S. 172. Delpit S. 126. 

9 Collin de Plancy Bd. 1 S. 176. Delpit S. 126. 

10 Delpit S. 124. 

*i Delpit S 124. Vgl. Veuillot 2. Aufl. S. 300—302, der diese Sage 
darauf zurückführt, dass im Jahr 1699 der achtzigjährige Herr von Callas, 



Kapitel 5. Lebendige Ueberlieferung. 23 

getheilt werden. Boutaric und Renauldon versichern, Herren 
gesehen zu haben , die jenes Recht zu haben behaupteten *. 
Aus Iforditalien wird erzählt, die Grafen von Monferrato, von 
San Martine zu Vische und von Valperga zu Castellamonte, ferner 
die Tizzoni zu Grescentino und die Biandrate zu San Giorgio 
hätten dem Anschein nach sich das jus primae noctis angemasst; 
Spuren eines solchen Rechtes seien noch heutzutage im Carneval 
von Ivrea erhalten; auch werde der Name des Ortes Feletto (von 
flere, weinen) im Volksmunde auf jenes Recht zurückgeführt 2. 
Im Jahr 1848 sollen nordamerikanische Soldaten im Kriege gegen 
Mexiko, kurz vor Ueberschreitung der mexikanischen Grenze, 
durch eine Anrede ihres Hauptmanns angefeuert worden sein, 
worin es hiess: „Wir ziehen in ein Land, das ganz dem Pa- 
pismus verfallen ist; die Pfaffen haben die Herrschaft und führen 
das arme Volk irre; von den vielen Greueln, welche hier verübt 
werden, will ich nur einen anführen: der neue Ehemann darf 
nicht zu seiner Frau, wenn er die Pantoffeln des Pfarrers vor der 
Thür. stehen sieht; und das gilt acht Tage lang!** ^ Hierin könnte 
die Anspielung auf ein jus primae noctis des Pfarrers gefunden 
werden. 

Allein aus derartigen unbestimmten Sagen ist kein Beweis 
zu entnehmen. Die in Kapitel 1 erwähnten Schriftsteller haben 
den Glauben an das Herrenrecht der ersten Nacht in der ge- 
lehrten Welt ausgebreitet ; und seit dem achtzehnten Jahrhundert 
haben zahlreiche Unterhaltungsschriften und Theatervorstellungen 
für weitere Verbreitung jenes Glaubens Sorge getragen. Es 
könnte daher nicht auffallen, wenn hier und da die Meinung, 
dass ein solches Recht bestanden hätte, selbst in den Volksglauben 
übergegangen wäre. Hiernach würde aus einer „lebendigen Ueber- 
lieferung" oder aus einem „Volksglauben** über jenes Recht ein 
geschichtliches Beweismittel nur dann entnommen werden können, 
wenn feststände, dass die Ueberlieferung oder der Volksglaube 



Jean Baptiste de Pontev^s, in einem Kampf mit der Gemeinde Callas (bei 
Draguignan in der Provence) auf der Strasse getödtet worden sei. 

* Boutaric chap. 15 und Renauldon liv. Ö chap. 10 (Beide mit denselben 
Worten, unter Droit de marquettes). 

« Gubernatis, Usi S. 201—205. 

' Dies erzählten zwei Soldaten, die jene Anrede gehört hatten, nach 
Beendigung des Feldzugs zu Holydaysburg im Staat Pennsylvanien dem Herrn 
F. Th. Brunner, wie Letzterer (jetzt Prior zu Kloster Scheftlarn bei München) 
mir mitgetheilt hat. Sie erkundigten sich bei dem genannten Geistlichen, ob 
die Erzählung ihres frQheren Hauptmannes auf Wahrheit beruhe. 



24 Kapitel 6. Erbrecht. Vorzug des zweiten Sohnes. 

in den einzelnen Ländern auf selbständigen Quellen beruhte; 
auch müsste die Zeit der Entstehung einer solchen Ueberlieferung 
wenigstens in annähernder Weise ermittelt werden. 

IL Theorieen über Wirkung des jus primae noctis im Erbrecht. 

Kapitel 6. Manche Schriftsteller glauben, das jus primae 
noctis sei die Ursache, dass nach einigen Erbrechtssystemen der 
älteste Sohn von der Erbschaft des Yaters ausgeschlossen sei, und 
an erster Stelle entweder der zweite, oder der jüngste Sohn, oder 
der Sohn der Schwester zur Erbschaft berufen werde. 

1. Vorzug des zweiten Sohnes. 

Angelo de Gubernatis behauptet, es gebe in Indien Völker, 
bei denen nicht der älteste, sondern der zweite Sohn zur Erb- 
schaft des Vaters berufen werde; er sucht diesen Rechtssatz aus 
einem vermeintlichen jus primae noctis zu erklären *. Er meinte 
derselbe Vorzug des zweiten Sohnes hätte im germanischen Mittel- 
alter bestanden, wie aus Ducange zu ersehen sei*. Allerdings 
sagt Ducange, das englische Gewohnheitsrecht des Borough-English 
beruhe auf dem Grundsatz, dass die Erbgüter eines Vaters, der 
mehrere Söhne hinterlasse, ausschliesslich dem zweitgeborenen 
Sohne zufielen ^ Dies ist jedoch ein Irrthum. In den Ländern 
des Borough-English hat nicht der zweitgeborene, sondern der 
jüngste Sohn einen Vorzug im Erbrecht *, wie in einem Zu- 
satz Henschel's zu Ducange richtig bemerkt wird^. Ein gleich- 
artiger Irrthum findet sich bei Delpit. Derselbe meint, nach vielen 
deutschen Gewohnheitsrechten, insbesondere in Sachsen und West- 
falen, ferner nach Gewohnheitsrechten in der Picardie, in Flan- 
dern, im Hennegau und in England, falle das Erbgut eines Leib- 
eigenen nicht an dessen ältesten, sondern an den zweitgeborenen 
Sohn. Eine Erklärung für diese Eigenthümlichkeit findet er in 
dem „droit du seigneur" ®. Indessen bezieht sich in den be- 
zeichneten Ländern der Vorzug nicht auf den zweitgeborenen, 
sondern auf den jüngsten Sohn. 

» Gubernatis, Indie S. 137 und Usi S. 197. 
2 Gubernatis, Usi S. 197. 

' Ducange unter Burghenglish. — Derselben Meinung ist Laya Bd. 1 
S. 313. 

♦ Blackstone 9. Aufl. Bd. 9 S. 83. Stephen 5. Aufl. Bd. 1 S. 216. 
^ Henschel bei Ducange unter Burghenglish. 
« Delpit S. 117. 



Kapitel 6. Erbrecht. Vorzug des zweiten Sohnes. 25 

Mir ist kein Volk bekannt, welches im Erbrecht den Grund- 
satz befolgte, dass gerade der zweite Sohn des Erblassers einen 
Vorzug vor dem ersten haben und an erster Stelle zur Erbfolge 
kommen sollte. Wo eine Secundogenitur-Erbfolge durch Testa- 
ment oder sonst begründet ist, erklärt sie sich aus dem sonstigen 
Vorzuge der Primogenitur ; sie bildet eioe Abfindung des zweiten 
Sohnes und seiner Nachkommenschaft. 

Es wäre nun allerdings nicht absolut unmöglich, dass in 
irgend einem Theile Indiens, wie Gubernatis behauptet, der 
Kechtsgrundsatz gälte, dass der zweite Sohn den Vorzug im 
Erbrecht hätte ; denn im Gebiet Indiens, das so gross wie Europa 
ist, finden sich sehr verschiedene Rechtseinrichtungen. Allein 
jedenfalls ist die Behauptung von Gubernatis im höchsten Grade 
unwahrscheinlich. Denn sie ist gänzlich beweislos und beruht 
auf der irrigen Voraussetzung, dass derselbe Grundsatz im euro- 
päischen Mittelalter gegolten hätte. Zudem steht sie in Wider- 
spruch mit den Grundsätzen des indischen Erbrechts, wie solche 
aus den indischen Rechtsbüchern zu ersehen sind. Apastamba, 
der nach den durch Bühler angestellten Untersuchungen im 
vierten oder fünften Jahrhundert vor Christi Geburt gelebt haben 
mag, lehrte, der Vater solle, sobald er den ältesten Sohn mit 
einem Vermögensstück erfreut habe, sein übriges Vermögen bei 
Lebzeiten unter alle Söhne gleichmässig vertheilen; weder die 
von Einigen vertheidigte Meinung, der älteste Sohn könne zum 
Alleinerben bestimmt werden, noch die Gewohnheit einiger Län- 
der, dem ältesten Sohn des Vaters Gold, die schwarzen Kühe 
oder schwarzes Eisen odfer Getreide zu bewilligen, stehe im Ein- 
klang mit den Vedas; denn in der Taittirtya Samhitä stehe: 
„Manu vertheilte sein Vermögen unter seine Söhne", ohne be- 
sondere Vorschrift für den ältesten Sohn, und eine andere Stelle 
desselben Veda, die von einer Bevorzugung des ältesten Sohnes 
spreche, enthalte nur die Angabe über eine aufgestellte Meinung, 
keineswegs aber eine Vorschrift *. Ein älterer Rechtslehrer, Gau- 



^ Apastamha, Dharmasütra or Aphorisms on the Sacred Law of the 
Hindus, Prasma II, Patala 6, Khanda 13 n. 13 his Khanda 14 n. 14, bei ' 
Bühler S. 132—135: „After having gladdened the eldest son hy some choice 
portion of his wealth, he should, during his lifetime, divide his wealth 
equally amongst his sons, excepting the eunuch, the mad man, and the 
outcast. On failure of sons the nearest Sapinda takes the inheritance. On 
failure of them the spiritual teacher inherits; on failure of the spiritual 
teacher a pupil shall take the deceased's wealth, and use it for religious 
works for the deceased^s benefit^ or he himself may enjoy it; or the daughter 



26 Kapitel 6. Erbrecht. Vorzug des zweiten Sohnes. 

tama, lehrte ebenfalls den Grundsatz der Gleichberechtigung aller 
Söhne, jedoch mit der Abweichung, dass in gewissem Umfang 
eine Bevorzugung des ältesten Sohnes gestattet sei*. Nach. der 
Lehre von Baudhäyana, der nach Annahme Bühler's später als 
Oautama, jedoch früher als Apastamba lebte, konnte der Yater 
sein Vermögen unter alle Söhne gleichmässig vertheilen oder den 
ältesten Sohn in einer näher bezeichneten Weise bevorzugen*. 
Er beruft sich für den Grundsatz der Gleichberechtigung auf 
denselben Veda-Satz wie Apastamba, und für die Befugniss, den 
ältesten Sohn zu bevorzugen, auf die Stelle* von der Apastamba 



/ 



may take the inheritance. On failure of aU relations let the king take the 
inheritance. Some declare that the eldest son alone inherits. In some 
countries gold or black cattle or black produce of the earth is the share of 
the eldest. The chariot and the furniture in the house are the father's share. 
According to some, the share of the wife consists of her Ornaments, and the 
wealth which she may have received from her relations. That preference of 
the eldest son is forbidden by the Castras. For it is declared in the Veda, 
without marking a difiPerence in the treatment of the sons: Manu divided his 
wealth amongst his sons. Now the Yeda declares also in conformity with 
the rnle in favour of the eldest son alone: They distinguish the eldest by a 
larger share of the heritage. But to this plea in favour of the eldest I an- 
swer: Now those who are acquainted with the Interpretation of the law de- 
clare a Statement of facts not to be a rule, as for instance. . . . Therefore 
all sons who are virtuous inherit." Vgl. auch Bühler S. XX. 

* Gautama , Dharma^stra , or Institutes of the Sacred Law , chap. 28 
n. 1—13, bei Bühler S. 299—301: „After the father's death let the sons 
divide his estate; or, during his lifetime, when the mother is past child- 
bearing, if he desires it, or the whole estate may go to the first-born; and 
he»shall support the rest as a father. But in partition there is an increase 
of Spiritual merit. The additional share of the eldest son consists of a twent- 
ieth part of the estate, a male and a female of animals with one row of 
front teeth, such as cows, a carriage yoked with animals that have two 
rows of front teeth, and a bull. The additional share of the middlemost 
consists of the one-eyed, old, hornless and tailless animals, if there are se- 
veral. The additional share of the youngest consists of the sheep, grain, the 
iron ustensils, a house, a cart yoked with oxen, and one of each kind of 
other animals. All the remaining property shall be divided equally. Or let 
the eldest have two shares, and the rest one each. Or let them each take 
one kind of property, selecting according to seniority, what they desire, 
ten head of cattle. But no one brother shall take ten onehoofed beasts or ten 
slaves". . . 

' Btthler S. XXI: . . . „According to him (nämlich Baudhäyana), either 
an equal share may be given to each son, or the eldest may receive the best 
part of the wealth, or, also, a preferential share of one tenth of the whole 
property. He further alleges that the cows, horses, goats, and sheep also 
go to the eldest son.^ 



Kapitel 6. Erbrecht. Vorzug des jüngsten Sohnes. 27 

annimmt , dass sie keine Vorschrift enthalte *. Von einer Aus- 
schliessung des ältesten Sohnes ist, abgesehen von bestimmten 
Enterbungsgründen, in diesen und andern Gesetzbüchern keine 
Spur zu finden *. Nach den Grundsätzen der Vedas fiel beim 
Tode eines Königs dessen Würde regelmässig auf den ältesten 
Sohn^ Das Gesagte wird durch eine gefällige Mittheilung des 
Herrn Professors Dr. Julius Jelly bestätigt: „Die Bevorzugung 
des ältesten Sohnes bei der Theilung ist durch eine sehr grosse 
Anzahl von Stellen der alten Gesetzbücher zu belegen. Ueber 
die Art dieser Bevorzugung finden mancherlei Differenzen statt; 
auch wird zweifelhaft gelassen, ob nicht die Theilung zu gleichen 
Theilen vorzuziehen sei, oder ob die Theilung ganz unterlassen 
werden solle, wobei dann entweder der älteste Sohn oder auch 
,selbst der jüngste Sohn, wenn er dazu fähig ist', an die Spitze 
des Haushalts treten soll. Thatsächlich bildete gewiss die Fort- 
setzung der Gütergemeinschaft, wie bei den Südslaven und fast 
im ganzen Orient, von Alters her die Regel. Die Bevorzugung 
des Aeltesten kam, wie Apastamba zeigt, schon früh ausser 
Gebrauch; schon den mittelalterlichen Juristen Indiens erschien 
sie als Antiquität, und die gleiche Theilung als das allein Zu- 
lässige.^ Von einer grundsätzlichen Ausschliessung des ältesten 
Sohnes zu Gunsten des zweiten ist nirgends die Bede. 

Dies wird genügen, um die Grundlage zu zerstören, worauf 
eine Hypothese über Wirkung des jus primae noctis erbaut ist. 

2. Vorzug des jüngsten Sohnes. (Minorate.) 

Viele Schriftsteller meinen, das Herrenrecht der ersten Nacht 
sei die Ursache, weshalb nach manchen Rechtssystemen der jüngste 
Sohn im Erbrecht bevorzugt werde. Plot vermuthet, an den 
Orten, wo jetzt Borough-English* gelte, habe früher dieselbe 
gottlose Gewohnheit bestanden, wie solche durch König Evenus 
in Schottland eingeführt gewesen sei; danach hätten die Bauern 
in der Voraussetzung, dass der älteste Sohn durch den Lord er- 
zeugt sei, ihre Länder auf den jüngsten Sohn übertragen, welchen 



^ Bühler S. XXI: „As authority for the equal division he gives the first 
of the two Yedic passages quoted above; and for the doctrine that the eldest 
is to receive the best part of the estate, he quotes the second passage which 
Apastamba considers to be without the force of an injunction.^ 

* Vgl. über die Bevorzugung des ältesten Sohnes Mayr § 8, S. 41—47. 

' Vgl. Muir 2. Aufl. Bd. 1 S. 275 (bei der Sage von König Säntanu , der 
seinen älteren Bruder, Deväpi, verdrängt hatte und in dessen Einsiedelei auf- 
suchte); Wheeler Bd 1 S. 97. 



• • 



28 Kapitel 6. Erbrecht. Vorzug des jttngsten Sohnes. 

sie für ihren eigenen hielten ; aus dieser Uebung sei durch langen 
Gebrauch ein Gewohnheitsrecht geworden *. Auch Anderson hält 
es für wahrscheinlich, dass die Gewohnheit des Borough-English 
aus dem Bestreben entstanden sei, die Übeln Folgen des Herren- 
rechts der ersten Nacht zu verhüten; wenn nämlich der älteste 
Sohn für illegitim gehalten werden könnte, so habe man den 
jüngsten Sohn zum Nachfolger berufen, weil auf ihm kein Makel 
ruhen konnte^. Die Encyklopädisten Jaucourt und Garran de 
Coulon erwähnen die Meinung „mehrerer gelehrter Engländer", 
dass der Ursprung des Borough-English im Herrenrecht der 
ersten Nacht zu suchen sei^ Blackstone und Stephen erheben 
gegen diese Meinung keinen anderen Einwand, als dass nicht 
feststehe, ob das Herrenrecht der ersten Nacht in England jemals 
gegolten habe*. 

Diese Erklärung des Borough-English und überhaupt des 
Vorzugs der Jüngstgeburt aus dem vermeintlichen Herrenrecht 
der ersten Nacht leidet an zahlreichen Gedankenfehlern ^. Sie 
übersieht erstens, dass die Erzählung vom Gesetz des Königs 
Evenus und von Abschaffung desselben, unter Einführung der 
marcheta mulierum, eine Sage ohne geschichtlichen Werth ist*; 
zweitens, dass der Grundsatz des Borough-English in andern 
Landesthcilen gilt als die marcheta mulierum; drittens, dass die 
Aufklärung darüber fehlt, wann und wie das Herrenrecht von 
Schottland nach England verpflanzt sein soll; viertens, dass die 
Geburt des ersten Kindes nicht immer während des ersten Jahres 
nach der Heirath stattfindet; fünftens, dass als erstes Kind ein 
Mädchen geboren werden kann; sechstens endlich, dass nicht der 
jüngste, sondern der zweite Sohn zur Erbfolge berufen werden 
müsste, wenn der älteste bloss wegen Zweifels an seiner Legi- 
timität ausgeschlossen werden •sollte. 

Schon im Alterthum hatte bei vielen Völkerschaften der jüngste 
Sohn oder das jüngste Kind einen Vorzug im Erbrecht ^. Im 
Mittelalter und bis zur neuesten Zeit begründete nach zahlreichen 
Gewohnheitsrechten die Jüngstgeburt einen Vorzug im Erbrecht, 
besonders bei der bäuerlichen Erbfolge®. Der Grundsatz des 



» Plot, cap. 8 n 21. * Anderson S. 72. 

^ Encycl. m^th , Bd. 6 S. 835 , unter Marquette. 

♦ Blackstone (9. Aufl.) Bd. 2 S. 83. Stephen (5. Aufl.) Bd. 1 S. 216. 

* Vgl. Dalrymple Bd. 1 S. 315, 316. « Vgl. Kap 40. 

^ Bachofen, an vielen Stellen, vgl. Register unter ,.Jüng3tgeburt^^ Lieh- 
recht 1879, S. 431. 

8 Grimm, R.-A , S. 475. Mittermaier § 468, Anm. 16. Bonvalot, Orhey S. 42. 



Kapitel 6. Erbrecht. Vorzug des jüngsten Sohnes. 29 

Borough-English findet sich in Gewohnheitsrechten der Graf- 
schaften Kent und Sussex und anderer Theile Englands, sowie 
in Wales. Ein ähnlicher Vorzug der Jüngstgeburt bestand an- 
geblich in Flandern aind im Hennegau, in Brabant, in den franzö- 
sischen Niederlanden (insbesondere in Cambray, Valenciennes und 
Lille), ferner in einem Theil der Picardie nebst Artois, in einem 
Theil von Bussland, in Ostfriesland, in Oldenburg, Braunschweig, 
Hessen-Kassel, in einem Theil von Westfalen, in der Rhein- 
pfalz, in Altenburg, in Baden, in Württemberg, im OBer-Elsass 
und in einigen' Theilen der Schweiz. Er wurde theils durch das 
Gesetz vom 15. März 1790 und theils durch Art. 1 des Ges. v. 
8. April 1791 im damaligen Gebiete Frankreichs aufgehoben ^ 
Auch in Norwegen soll ein ähnlicher Grundsatz, wie der des 
Borough-English bestanden haben 2. Ferner soll bei den Ta- 
taren und Mongolen der jüngste Sohn den Vorzug im Erbrecht 
haben ^, desgleichen in Neuseeland, Neuholland, in Capland unter 
den Zulu und anderwärts*. 

Es kann hier nicht untersucht werden, ob und inwieweit jede 
einzelne dieser Angaben richtig ist. Was aber speciell das Elsass 
betrifft, so findet sich schon in einer Verleihungsurkunde Lud- 
wigs des Frommen vom Jahr 824, zu Gunsten der Abtei Ebers- 
münster, die Bestimmung, dass beim Tode eines Hörigen dessen 
jüngster Sohn mit der Mutter als Nachfolger belehnt werden 
sollte ^ ; und obwohl das römische Rocht, wonach mehrere Eindep 
als Erben ihrer Eltern gleichberechtigt sind, im Elsass recipirt 
wurde ^, so erhielt sich doch in vielen Gewohnheitsrechten ein 
Vorzug des jüngsten Kindes in der Art, dass demselben das Recht 
zustand, in Anrechnung auf seinen Erbtheil des Vaters Hofreite 
oder Behausung^, den sogenannten „Gülthof", zu übernehmen®. 



* Merlin, R6p. unter Malnet6, Bd. 7 S. 583—590. Mittermaier § 468, 
Anm. 16. Grimm, R-A., S. 475. Courson S. CCLXXIV. Bonvalot, Orbey 
S. 42, 48. Bastian S. 185. Liebrecht 1879, S. 431, 432. 

* Anderson S. 72. 

' Blackstone, 9. Aufl., Bd. 2 S. 83. Encycl. method. unter Marquette, 
Jurlspr. Bd. 5 S. 835. Stephen Bd. 1 S. 216. Bastian S. 185. Liebrecht 
1879 S. 432. 

* Liebrecht 1879, S. 432. * Bonvalot, Orbey S. 44. 

6 Bonvalot, Ferrette S. 236. ^ Coutumes de Ferrette, cap. 20 

^ Der OQlthof bestand aus dem väterlichen Wohnhaus nebst Zubehör, 

dessen Bestandtheile durch verschiedene Gewohnheitsrechte bestimmt waren. 

(Bonvalot, Orbey S. 2.) Sachverständige hatten den OUllhof und den übrigen 

Nachlass abzuschätzen. Gehörten mehrere Wohnhäuser zur Erbschaft, so 



30 Kapitel 6. Erbrecht. Vorzug des jüngsten Sohnes. 

lieber den Ursprung aller dieser Gewohnheitsrechte, nach 
denen im Erbrecht der Kinder das jüngste Kind vor seinen Ge- 
schwistern bevorzugt wird, sind verschiedene Meinungen verbreitet *. 
Viele erklären dies besondere Recht aus den Sitten derjenigen 
Völker, die hauptsächlich Viehzucht und Handel treiben und des- 
halb ein unruhiges Leben führen. Bei solchen Völkern sei es 
natürlich, dass die älteren Kinder frühzeitig mit Vieh, Geld oder 
Waaren ausgestattet würden und das väterliche Haus verliessen, 
um auswärts Gewinn und Lebensunterhalt zu suchen und sich ein 
selbständiges Unterkommen zu verschaffen, und dass dann die im 
Hause gebliebenen jüngeren Kinder so lange, bis sie ebenfalls 
ausgestattet würden, eine besondere Fürsorge des Vaters und der 



wählte das jüngste Kind sich eins aus, und hatte das nächstjüngste Kind als- 
dann ein Wahlrecht unter den übrigen Wohnhäusern, und so fort nach der 
Beihenfolge der jüngeren Geburt. (Bonvalot, Orbey S. 45 und Ferrette 
S. 235) In der Baronie Bollweiler, den Aemtern Jungholz, Rimbach und 
Brunstatt, in Hesingen, Sennheim, Kestenholz, Ebersheim, in der Herrschaft 
Granvillars und in den Aemtern Rappoltsweiler , Zellenberg, Markirch, 
Gemar und Witteisheim beschränkte sich das Vorzugsrecht auf den jüngsten 
Sohn, so dass es keine Anwendung fand, wenn der Erblasser bloss weib- 
liche Nachkommen hinterliess. Dagegen in der Grafschaft Pflrt, in Artols- 
heim, Biesheim, Amt Kochersberg , Egisheim, Amt Eschensweiler , Herrschaft 
Herrlisheim, Hattstatt, Yöklingshofen , Hüsseren und Sulzbach, in Hirsingen, 
Grafschaft Froberg (Montjoie), Bisch, Em^ricourt, Ruderbach und Brübach, im 
Amt Landser, in der Grafschaft Horburg, Herrschaft Reichenweier, Rufach, in 
der Vogtei Traubach, in den Aemtern Sirenz und Wiedensohlen , in der 
Grafschaft Weiler und im Amt Urbeis stand das bezeichnete Wahlrecht dem 
jüngsten Kinde ohne Unterschied des Geschlechts zu. Bonvalot, Orbey 
S. 43, 44. (Vgl. jedoch Bonvalot, Ferrette S. 235, 236, wo versichert wird, 
dass die „juveigneurie^^ im ganzen Ober-Elsass und in einigen Orten vom 
Unter-Elsass gegolten habe, und zwar nicht bloss für die bäuerliche Erb-, 
folge, sondern für das Erbrecht aller Stände; und dass in späterer Zeit, seit 
Eindringen des Feudalwesens, der jüngste Sohn überall den Vorzug vor 
seiner jüngeren Schwester gehabt habe.) Es machte meistens keinen Unter- 
schied, ob das jüngste Kind beim Tode des Vaters grossjährig oder minder- 
jährig war; meistens hatte das jüngste Kind des Vaters aus dessen letzter 
Ehe im Wahlrecht den Vorzug vor dem jüngsten Kinde erster Ehe; meistens 
stand das Wahlrecht dem jüngsten Kinde zu, welches den Vater überlebte, 
unter Ausschluss der Enkel von einem vorverstorbenen jüngeren Sohne. 
Doch gab es in allen diesen Beziehungen Abweichungen in einzelnen Ge- 
wohnheitsrechten. (Bonvalot, Orbey S. 44.) Starb das jüngste Kind nach 
Ausübung des Wahlrechts, jedoch vor Abfindung seiner Geschwister, so 
konnte sein jüngstes Kind das gross väterliche Wohnhaus nicht erlangen, 
sondern es fiel dem nächstjüngsten Sohn des früheren Besitzers zu. (Bonvalot, 
Orbey S. 45.) 

* Vgl. die Uebersicht bei Bonvalot, Orbey S. 45—51. 



Kapitel 6. Erbrecht. Vorzug des jüngsten Sohnes. 31 

Gesetze verdienten ^ Eine Bestätigung dieser Erklärung soll 
darin liegen, dass der Vorzug der Jüngstgeburt vorzugsweise bei 
Tataren und Kelten, aber auch bei Cimbern und Teutonen, 
Germanen und Scandinaviern vorkomme, und dass diese Yölker 
dch ursprünglich mehr mit Viehzucht als mit Ackerbau beschäf- 
tigt hätten^. Ob dies richtig ist, mag dahingestellt bleiben. 
Keinenfalls befriedigt die angegebene Erklärung. Wäre nämlich 
die unruhige Natur gewisser Völker der einzige Grund für den 
Vorzug der Jüngstgeburt, so müsste dies Gewohnheitsrecht mit 
den Sitten eines Volkes sich ändern; es müsste allmählich ver- 
schwinden, wenn das Volk die Gewohnheit annähme, Ackerbau 
zu treiben und sich mehr mit Handwerken und Grosshandel als mit 
Herumziehen auf Messen und Märkten zu ernähren. Derartige 
Aenderungen des Gewohnheitsrechts werden aber nicht nachzu- 
weisen sein. Im Gegentheil findet sich der Vorzug der Jüngst- 
geburt gerade hauptsächlich im Bauernrecht. — Bachofen findet 
in den Bestimmungen, welche dem jüngsten Kinde ein Vorzugs- 
recht im Erbrecht gewähren, den Grundgedanken ausgedrückt, 
dass die Fortpflanzung der Familie durch das jüngste Kind am 
weitesten hinausgeführt werde \ Es ist wohl möglich, dass diese 
oder eine verwandte Anschauung manchen Gewohnheitsrechten 
dös Bauernrechts zu Grunde liegt; auch mag dabei eine Rück- 
sicht auf Steuern für Besitz Veränderungen mitgewirkt haben *. — 
Littleton meint, die Gewohnheit des Borough-English ^ beruhe 
auf dem Gedanken, dass der jüngste Sohn nach dem Tode der 
Eltern wegen seines jugendlichen Alters weniger als seine Brüder 
sich selbst forthelfen könne®. Hiergegen bemerkt Corner, die 



* Montesquieu liv. 18 chap. 21. Blackstone, 9. Aufl., Bd. 2 S. 83. 
Garran de Coulon in der Encycl. m^thod. unter Marquette, Jurispr. Bd. 5 
S. 835. Bonvalot, Orbey S. 47—51. 

2 Bonvalot, Orbey S. 47. 

> Bachofen S. 216, 288 u. a. 

^ Auf ~ähnliche Weise soll es in Oesterreich vorkommen, dass in dortigen 
Klöstern, mit Rücksicht auf die hei Ahtwahlen zu entrichtenden hohen 
Staatsabgaben, möglichst jugendliche Aebte gewählt werden. 

^ Littleton, IIb. 2 cap. 10, tenure in burgage, sect. 165: „Also for the 
greater part such boroughes have divers customes and usages, which be not 
had in other townes; for some borou'ghes have such a custome, that if a man 
have issue many sonnes and dyeth, the youngest son shall inherit all the 
tenements whick were his fathers within the same borough as heir unto 
his father, by force of the custome, the which is called Borough English.^ 

* Littleton, lib. 2 cap. 11, of villenage, sect. 211: „Also where by the 
custome called Burrough Engllsh, in some Burrough the youngest son shall 



32 Kapitel 6. Erbrecht. Vorzug des Schwestersohnes. 

Meinung Littleton's setze voraus, dass der jüngste Sohn allein 
ohne Ausstattung im Haus des Vaters zu dessen Verpflegung 
zurückbleibe ^ Doch ist dies nicht richtig. Die Meinung Littleton's 
geht nur von der Voraussetzung aus, dass in vielen Fällen der 
jüngste Sohn allein zurückbleibe, und dass im Allgemeinen der 
jüngste Sohn die Fürsorge des Vaters in höherem Grade verdiene, 
als irgend ein älterer Sohn *. Allein es wird nicht leicht möglich 
sein, mit Sicherheit die Gründe zu ermitteln, auf denen ein in 
alten Zeiten durch Gewohnheitsrecht gebildeter Rechtssatz beruht. 
Verschiedene Anschauungen können zusammengewirkt haben. 
Auch ist es möglich, dass ein Rechtssatz, der sich bewährt, aus 
anderen Ursachen aufrecht erhalten wird, als aus den Gründen, 
welche zu seiner Ausbildung geführt haben. 

Im Gewohnheitsrecht des Landes Delbrück in "" Westfalen 
war bis in die neueste Zeit der jüngste Sohn eines Bauern (Voll-, 
Halb-, Viertel-, Sechzehntel- etc. Meiers) dessen Anerbe, das 
heisst Nachfolger im Bauerngut. Die älteren Söhne waren Knechte 
des Vaters und später Knechte ihres jüngsten Bruders, sofern 
sie sich nicht mit einer Anerbin verheiratheten oder aus sonstigen 
Gründen das väterliche Gut verliessen. Die Bewohner des Landes 
Delbrück halten den Vorzug des Anerben für selbstverständlich 
und nothwendig wegen seiner verhältnissmässig grösseren Hülfs- 
bedürftigkeit ; sie erklären also ihren Rechtsgrundsatz ähnlich wie 
Littleton das Borough-English. Möglicherweise liegt jedoch dem 
Grundsatz des Delbrücker Landrechts zugleich die conservative 
Tendenz zu Grunde, den Besitzeswechsel möglichst weit hinaus- 
zurücken ; also ein ähnlicher Gedanke wie der, welchen Bachofen 
bezüglich mehrerer Völkerschaften des Alterthums entwickelt. 

3. Vorzug des Schwestersohnes. 

Der römische Patricier und Seefahrer Ludovico de Varthema 
aus Bologna, der im Jahr 1510 die Beschreibung seiner Reisen 
herausgab^, berichtet, nach altem Herkommen gelange bei dem 



inherit all the tenements, etc. this custome also Stands with some certain 
reason, because that the younger sonne (if he lacke father and mother) because 
of bis young age, may least of all bis brethren helpe himselfe, etc." 

* Corner S. 9, 10. 

' Mittermaier § 468, Bd. 2 S. 622, meint, das Minorat scheine „theils 
durch Billigkeit, theils durch vorkommende Auswanderungsverhältnisse" ver- 
anlasst zu sein. 

' In den zahlreichen Ausgaben dieser Reisebeschreibung, die durch 



Kapitel 6. Erbrecht. Vorzug des Schwestersohnes. 33 

Tode des Königs von Calicut nicht dessen Sohn oder Bruder, 
sondern sein Sehwestersohn zur Thronfolge, und zwar deshalb, 
weil die Brahmanen oder Pfaffen die Jungferschaft der Königin 
hätten * , und weil die Königin auch sonst in Abwesenheit des 
Königs mit den Brahmanen vertrauten Umgang pflege ^. Auf 



Jones S. I — XVI aufgezählt und genau bezeichnet worden , ist der Name 
des Verfassers verschieden geschrieben. Es finden sich folgende Lesarten 
über den Namen einer und derselben Person : Varthema, Verthema, Vartoman, 
Barthema und Vertomannus. 

* Varthema S. 143, 144 (Uebers. der ersten Ausg., von 1510) : „The king 
being dead, and having male children, or brothers, or nephews on his 
brother's side, neither his sons, nor his brother, nor his nephews become 
king; but the. heir of the king is the son of one of his sisters. And if there 
be no son of a said sister, the nearest [coUateral] relation of the king succeeds 
him. And this custom prevails because the Brahmins have the virginity of 
the queen." Vgl. die deutsche Ausgabe Vartoman's vom Jahr 1534, Buch 5, 
Kap. 7, Bl. 74 : „So der könig gestirbt , hat er dann sün verlassen , brüder 
oder brüders sün, so erben die selben das reich nit, dann das reych gehört 
dem Schwester sun zu, von altem herkomen. So aber kein Schwester sun 
da wer, so nimbt der das reich an, der dem künig am nechsten verwant ist, 
das kumbt allein daher , dieweyl die Brammini oder pfaffen die konigin zum 
ersten beschlaflPen hond, wie oben gsagt ist." (Hierüber unten, Kap. 75.) 
Die entsprechende Stelle lautet in der deutschen Ausgabe vom Jahr 1556 
(ohne Seiten- oder Blatt-Zahl, unter der XJeberschrift „Von der Herrligkeit, 
die man helt nach des Königs todt"j : „Vnd so ein König zu Calicut gestorben 
ist, vnd verlesst er Sön, Brüders Söne, odder Brüder, die erben nit das 
Königreich, das Reich bleibet seiner Schwester Sön, wo nit Söne verbanden 
veren, von den Schwestern, so bleibt König der nebest Freund des Königs, 
umb deren vrsach willen, das die Bramini odder Pfaffen des Königs Weib 
defloriert haben." Vgl. Forbes Bd. 1 S. 416; Wheeler Bd. 1 S. 420. 

2 Varthema S. 144 (hinter der in der vorigen Anmerkung angeführten 
Stelle) : „and likewise when the king travels, one of these Brahmins, although 
he might be only twenty years of age, reraains in the house with the queen, 
and the king would consider it to be the greatest favour that these Brahmins 
should be familiär with the queen, and on this account they say that it is 
certain that his sister and he were born of the same person, and that there 
is more certainty about her than of his own children, and therefore the 
inheritance falls to the sons of his sister." Ausg. v. 1534 (Buch 5, Kap. 7, 
Bl. 74): „So der künig vber land zeucht, oder auff das gejegs oder weyd- 
werck zeucht, so verwaren die pfaffen oder die zweintzig jar alt seind die 
künigin da heymen, vnd seind steths bey jr, die künden denn dem künig^ 
kein grosser eher vnd wolgefallen thun, sie üben sich dann weydlich bei der 
künigin zu schlaffen. Darumb weysst der Künig wol, dieweyl die künigin 
so vil mannen gemein ist, das seine kinder nicht für ehelich gezelt sollen 
werden.'' Ausg. v. 1556: „Desgleichen so der König auss rheit, bleibt einer 
derselben Pfaffen dieweil bey der Königin , der etlich zwentzig oder vier und 
zwentzig jar alt sein, das wirdt dem König für ein ehr geacht, das er mit 
der Königin hausshelt, vnd jr die zeit lang pflegen thut, vnd das angesehen, 

Schmidt, Jus primae uoctls. 3 



34 Kapitel 6. Erbrecht. Vorzug des ISchwestersolines. 

diese Quelle können alle Nachrichten späterer Schriftsteller von 
ähnlichem Inhalt zurückgeführt werden, obwohl darin einige Aen- 
derungen enthalten sind. Dahin gehören namentlich die Berichte 
des venetianischen Juwelenhändlers Caspar Balby über den König 
von Cocchi in Malabar * und des mecklenburgischen Edelmannes 
Albrecht von Mandelslo über die Erbfolge in den Städten Cana- 
mor, Cotschin und Calicut^, mit einem Zusatz von Olearius^ 
Gubernatis erklärt ebenfalls aus dem angeblichen Eecht der Brah- 
manen von Malabar den Rechtssatz, dass niemals der älteste 
Sohn, sondern entweder der zweite Sohn (worüber bereits oben, 
Seite 24—27, gesprochen ist), oder noch häufiger der Schwester- 
sohn des Erblassers zur Erbfolge gelange *. 

In der That scheint bei den Nairs in Malabar der Rechts- 
satz bestanden zu haben oder noch zu bestehen, dass nächster 
Erbe der Schwestersohn ist. Schon Yarthema und Barbosa er- 
wähnen diesen Grundsatz ^. Bei dem Tode des Königs von Cal- 
cutta gelangte das Scepter nach altem Herkommen an die Schwester- , 
söhne des Königs ^ ; die Erbfolge der weiblichen Linie blieb be- 

so sagen sie, das die Schwester vnd der König warlicli geboren seien aus? 
eiyem Leib, vnnd weniger zweiifel von seiner Schwester Söne, denn von sein 
selbs Sön, dermassen kompt die erbschafft des Reichs an die Sön seiner 
Schwester/' 

* Balbi Kap. 44. Dort wird die Gewalt der Brahmanen, mit allen 
Frauen und Mädchen fleischlich zn verkehren, als die Ursache für das Her- 
kommen bezeichnet, wonach bei dem Tode des Königs nicht dessen Sohn, 
sondern der Sohn seiner Schwester zur Thronfolge gelange. Doch wird an 
einer früheren Stelle desselben Werkes, nämlich in Kap. 27, nicht jene Ge- 
walt der Brahmanen, sondern die allgemeine Unsicherheit der Vaterschaft 
als Ursache für das Erbrecht des Schwestersohnes angegeben. 

2 Mandelslo Buch 2, Kap. 10, S. 100, 101. Darin wird gemeldet, dass 
in jenen Städten keine Jungfrau sich vermähle, bevor ihr die Jungfrauschaft 
durch einen Brahmanen genommen sei (vgl. unten Kap. 45 und 75) ; und 
dass von diesem Gebrauch „auch des Königs Braut nicht ausgeschlossen" sei: 
dann wird hinzugefügt: „so kann allhier des Königs Sohn nicht seines Vaters 
Stuhlerbe sein, sondern des Königs Schwestersolm , damit sie des königlichen 
Geblüts halber desto mehr versichert sind." 

^ Olearius zu v, Mandelslo, Buch 2, Kap. 10, S. 101, Anm. c. Dort 
wird aus der bezeichneten Gewalt der Brahmanen der Rechtssatz erklärt, 
dass bei dem Tode des Königs nicht sein Sohn, sondern sein Schwestersohn 
König werde. 

* Gubernatis, Indie S. 137. 

* Barbosa S. 326, 327: . . . „saom seus erdeiros seus sobrinhas e das 
raays; esta ley quem a quizer conciderar mais profundamente , achara que 
foi instituida com maior subedoria do que vulgarmente se pensa". . . 

6 Varthema (s. oben S. 33). Forbes Bd. 1 Kap. 13 S. 416. 



Kapitel 6. Erbrecht. Vorzug des Schwestersohnes. 35 

stehen, als die Brahmanen in Malabar ihre Gesetze einführten ^ 
Wie Franz Day nach Strange berichtet, gilt bei den Nairs von 
Cochin noch heutzutage folgende Lineal-Erbfolge-Ordnung : Zuerst 
erben die Schwestern des Erblassers, dann in folgender Reihen- 
folge: die Schwestersöhne, die Schwestertöchter, die Söhne der 
Schwestertöchter und die Töchter der Schwestertöchter; die Mutter 
des Erblassers, die Schwester der Mutter und die Kinder von 
der Mutterschwester; die mütterliche Grossmutter des Erblassers, 
ihre Schwester und deren Kinder ^. Hiermit stimmen die Nach- 
richten von Talboys Wheeler überein ^ Aehnliche Grundsätze 
des Erbrechts sollen bei einigen andern Völkern gelten*. Allein 
diese Eigenthümlichkeit erbrechtlicher Grundsätze ist leicht er- 
klärlich. Bei den Nairs in Malabar besteht oder bestand Poly- 
andrie in verschiedenen Formen^. Bei einer derartigen Unsitte 
kann der Grundsatz: „pater est quem justae nuptiae demonstrant**, 

* Nelson S. 93 (aus Ellis): „The Brahmins, in introducing into this part 
of India, their laws and religion, were obliged in many things, to conform 
to the opinion of the original inhabitants . . . hence the . . . succession in the 
female line in Malabar". . . 

* Day S. 317 (aus Strange pag 67, Civil Law): „The law of succession 
to property is as follows, it goes to a man's sisters: sister's sons, sister's 
daughters: sister's daughter's sons, and daughters: Mother: Mother's sisters, 
their children: then to bis maternal grandmother, her sisters, and their 
children. Failing these , and their stock , in the same way of descent , it 
goes as in other parts of the Presidency, to a man's disciple, and fellow 
Student, and then escheats." Vgl. auch Day S. 318: „The succession in 
this caste is that best adapted to a military people There property etc. 
descends to the eldest of their sister's children". . . Vielleicht könnte die 
Polyandrie (vgl. Anm. 5) nicht bloss aus der Kriegernatur, sondern auch aus 
Armuth der Bevölkerung erklärt werden. 

3 Wheeler Bd. 1 S. 420. ♦ Henne-Am Rhyn Bd. 1 S. 70, 71. 

* Varthema S. 146, 147 (nach Beschreibung des Weibertausches, der 
bei Edelleuten und Kaufleuten in Calicut angeblich stattfand): „And amongst 
the other classes of Pagans above-mentioned one woman has five, six and 
seven husbands, and even eight. And one sleeps with her one night, and 
another another night. And when the woman has children, she says it is 
the child of this husband or of that husband, and thus the children go 
according to the word of the woman." Vgl. die deutsche Ausg. v. J. 1534, 
Buch 5, Kap. 8, Bl. 74 Rückseite: „Die andern Abgöttischen halten gar ein 
andere weys , dann ein yede fraw nimbt sieben mann , die schlaffen eyn 
nacht umb die ander bey jr. Vnd so sie kindt macht, so giebt sie es 
Avelchem sie will von den siben ,' darüber wirt jm kein ander recht ge- 
sprochen." Deutsche Ausg. v. J. 1556 (unter der Ueberschrift „Wie die 
Edlen bey weilen verwechsslen jr Weiber"): . . . „vnd vnder der andern 
schar der Edlen, vor genennet, so helt ein Fraw ftinff, sechs, sieben vnd 
bey weilen acht Mann, vnd ligt einer eine nacht bey jr, die ander nacht ein 

3* 



36 Kapitel 7. Hetärismus und Häuptlingsrecht. 

keine Anerkennung finden; daher wird die Verwandtschaft nur 
durch Weiber bestimmt, und die gesetzliche Erbfolge der Ver- 
wandten muss sich auf die mütterliche Verwandtschaft beschränken *• 
Wenn aber auch bei Völkern, bei denen Polyandrie nicht herrscht, 
das Erbrecht des Schwestersohnes gilt, so lässt es sich daraus, 
erklären, dass bei ihnen nur die durch Weiber vermittelte Ver- 
wandtschaft (im Sinn des „ Mutterrechts ** ^) als rechtsgültig be- 
trachtet wird. 

Hiernach ist es nicht gerechtfertigt, in den angegebenen 
Rechtssätzen eine Wirkung des jus primae noctis zu finden. 

IIL Theorieen über Ursprung und Entwicklung des Jus primae 

noctis. 

A. Hetärismus und Häuptlingsrecht, 

Kapitel 7. Bachofen meint, dem „Vaterrecht" des griechisch- 
römischen Zeitalters sei ein Zeitalter des „Mutterrechts" voran- 



anderer, vnd also für und für, vnd wenn eine ein Kindt gebirt, sagt sie^ 
das Kindt ist dieses, vnd das ander ist dieses Mannes, demselben jren sagen 
glauben sie , vnd sein damit zufrieden.'' Barbosa S. 324 : . . . „hos irmaos 
deste que ficaom solteiros dormenr con has mulheres dos Nayres , e eles ho 
haom por grande honra , e pera Bramenes nenhüa mulher se Ihes negua , ma» 
eles nom hamde dormir com mulher mais uelha que sy". . . (Vgl. auch Bar- 
bosa S. 327.) Weitere Nachrichten bei Linschot Buch 1, Kap. 42, S. 61, 62; 
Faria y Sousa Bd. 1, Th. 1, Kap. 9, S. 84 („Las mugeres de los Nayres, 
comunes a todos, mas a los Bramenes, y por esse no se le sähe Padres cier- 
tos, ni algunos obligados a sustentar los hijos"); Balbi Kap. 44, S. 120; 
Olearius zu v. Mandelslo, Buch 2, Kap. 10, S. 100, 101; Forbes Bd. 1, 
S 412; Day S. 303, 304, 317—319; Badger S. 146; Wheeler Bd. 1,. 
S. 420 und Bd. 3, S. 425, und besonders Nelson S. 141—145. Aus den Nach- 
richten Nelson's mag hervorgehoben werden (aus S. 141, 142) : „After marriage 
it is customary for the Töttiyar women to cohabit with their husband's- 
brothers and near relatives, and with their uncles. . . I should be supposed 
to believe that polyandry is quite common in the South of India, taking the 
form of openly practised concubinage as between the wife and the hitebands 
relatives. . . The Western Kaliars of the Madura District have a cutIou» 

• • • . » 

custom of assigning a woman as a wife to ten, eight, six or two hnslMindB,. . 
who are held to be the fathers jointly and severally of any children that 
may be born of her body." — Mit den vorstehenden Nachrichten lässt sich 
der Bericht Abulfeda's (bei Fleischer S. 173) über die „concubitus promiscui",. 
die bei den indischen Brahmanen für erlaubt gehalten wurden, einigermassen 
vereinigen, da Abulfeda seine Quellen aus Südindien bezogen haben kann. 
Er schreibt: „Concubitus promiscui apud eos liciti sunt", und über die Ko— 
mar!: „Incolae soll inter Indos concubitus promiscuos, ut nefandos, lege pro— 
hibent." — Vgl. auch S. 35 Anm. 2. 

1 Vgl. Wheeler Bd. 1 S. 420 und Bd. 3 S. 425. « Vgl. Kap. 7. 



Kapitel 7. HetärUmus und itäuptlingsrecht. 37 

gegangen, und noch früher, in der Urzeit der Menschheit, habe 
^Hetärismus** geherrscht. Danach soll anfänglich^ das Zeitalter 
des aphroditischen oder tellurischen Hetärismus, dann das Zeit- 
alter des demetrischen oder lunarischen Mutterrechts, und endlich 
das Zeitalter des apollinischen oder solarischen Vaterrechts ge- 
herrscht haben. Bachofen sucht aus der griechischen Mythologie, 
hauptsächlich aus den Tragödien von Aeschylus und Sophocles, 
nachzuweisen, dass unter dem alten Recht, welches die Erinnyen 
beschützten, das Mutterrecht zu verstehen sei, und dass dies dem 
neu entstandenen, von Apollo und Athene in Schutz genommenen 
Vaterrecht habe weichen müssen. Er führt aus, das Vaterrecht 
sei erst durch den Hellenismus und hauptsächlich durch die rö- 
mische Staatsidee und durch das römische Recht zur Herrschaft 
gelangt und seitdem in Geltung geblieben. Unter Hetärismus 
versteht er die schrankenlose „Natürlichkeit des reinen, sich 
selbst überlassenen Tellurismus", „ein rein thierisches Naturrecht**, 
das „aphroditisc'he jus naturale**, das „Naturgesetz des Stoffes". 
Er meint, in jenem ursprünglichen Zeitalter „des rohsinnlichen 
thierischen Lebens" habe keine Ehe bestanden, sondern regel- 
loser Geschlechtsverkehr dergestalt geherrscht, dass die Eingehung 
einer ausschliesslichen Geschlechtsgemeinschaft als ein Frevel und 
als eine Verletzung der Religionsvorschriften betrachtet wurde. 
Der Kampf des demetrischen Mutterrechts gegen den Hetärismus 
habe einen Zeitraum von Jahrtausenden eingenommen*; er sei 
theils durch Ausartung des Mutterrechts im Amazonenthum ^, 
theils durch Verbreitung der dionysischen Religion ^ gehemmt 
worden; indessen habe der Hetärismus nach und nach vor dem 
demetrisihen Mutterrecbt zurückweichen müssen; das weibliche 
Sühnopfer, welches der Hetärismus verlangte, sei allmählich er- 
leichtert worden*; einige Völker hätten den Hetärismus auf die 
Brautnacht beschränkt^; endlich habe die demetrische Gynäko- 
kratie über den aphroditischen Hetärismus den Sieg errungen^. 
,;Mit der Gemeinsamkeit der Weiber," sagt Bachofen, „hängt 
die Tyrannis eines Einzelnen nothwendig zusammen . . . Jeder 
Stamm hat seinen Tyrannos. Es ist das Recht der Zeugung, 
auf welcher diese Herrschaft beruht. Da in der Geschlechtsver- 
bindung keine Sonderung eintritt, mithin auch das individuelle 
Vaterthum wegfällt, so haben Alle nur Einen Vater, den Tyrannos, 
dessen Söhne und Töchter sie alle sind, und welchem alles Gut 

» Bachofen S. XIX. 2 ßachofen S. XXIV, S. 26, 27. 

8 Bachofen S. XXII- XXIV. * Bachofen S. XIX und S. 12. 

* Bachofen S. 12, 13 und 18. 6 Bachofen S XXVII. 



38 Kapitel 7. Hetärismus und Häuptlingsrecht. 

gehört . . . Durch diese Verbindung erhält der Tyrannos seinen 
physischen Zusammenhang mit dem Stamme, den der kephalle- 
nische Tyrannos durch Beiwohnen mit jeder Braut vollständiger 
erreicht."* Aus einer Stelle Herodot's^ folgert Bachofen, „dass 
die Adyrmachiden unter dem Einfluss der gebildeten Aegypter 
zu einem höheren Grade der Kultur als die übrigen libyschen 
Stämme sich erhoben hatten. Der Hetärismus war dem ehelichen 
Leben gewichen ... Im Anschluss an diese Darstellung muss 
auch das dem Könige vorbehaltene droit de culage als eine 
Aeusserung fortgeschrittener Gesittung betrachtet worden sein. Ea 
erscheint wirklich in solchem Lichte, sobald wir darin eine Be- 
schränkung des früher weitergehenden Hetärismus erblicken. Der 
König allein hat noch das alte Recht, und auch er nur in dem 
ihm beigelegten höheren religiösen Charakter." ^ Aus dem Zu- 
sammenhang dieser Stelle und aus der übrigen Entwicklung 
^Bachofen's erhellt, dass er mit dem Ausdruck „droit de culage" 
das Herrenrecht der ersten Nacht bezeichnen will*. Er meint 
also, dies Recht sei der Ueberrest des Hetärismus. 

Wäre eine derartige Beweisführung zulässig, so könnten aua 
der grossen Masse geschlechtlicher Unsitten^ beispielsweise noch 
folgende als Ueberreste des Hetärismus angeführt werden. „Einige 
Völker" übergeben ihre Bräute den Königen zur Defloration*; 
bei andern Völkern gehört die Braut allen Verwandten und 
Freunden des Bräutigams und erst zuletzt ihrem Manne ^ ; in 
den entferntesten Theilen Afrikas werden die Bräute von Kö- 
nigen oder Priestern deflorirt^; in Mozambique, Malacca, Pegu 

^ Bachofen S. 17, 18. — Ueber den kephallenischen Tyrannos vgl. unten 
Kap. 34. 

2 Vgl. unten Kap. 33. 

' Bachofen S. 173. Aehnlich S. 328: . . . „Ueberwunden ist bei den 
Adyrmachiden der Hetärismus, und nur dem Könige gegenüber noch in einem 
einzelnen Falle zugelassen.^^ 

* Ueber die Unrichtigkeit dieser Bezeichnung s. Kap. 3 (S. 14, 15) und Kap. 18. 

* Polyd. Verg. lib. 1. cap. 4. Mutio fol. 60-61. Grand Vocab. Bd 17 
S. 171, 172. Grupen § 1. Fischer S. 93—97. Bachofen S. 10, 12, 13. 

« C. P. Hoffmann S. 58. 

' Giraud-Teulon S. 69: „Chez les anciens P^ruviens, en l^thiopie, aux 
lies Bal^ares, et, de nos jours, chez plusieurs tribus aborig^nes de' l*Iilde^ an 
Birman, k Cachemir, dans le sud de l'Arabie, k Madagascar et k la Nouvelle- 
Z^lande, la fianc^e appartient de droit k tous les parents et amis — le mari est 
le dernier admis k cet honneur et Supporte en g^neral galamment ce jus 
primae noctis." 

8 Tollius zu Lact, de mort. pers cap. 38. Hiermit kann die unsichere 
Nachricht Cantu's (Mittelalter Bd. 4 S. 1472) verglichen werden, dass bei 



Kapitel 7. Hetärismus und |läuptlingsrecht. 39 

und andern Ländern wird ein fremder Mann eingeladen, dem 
Bräutigam einen solchen Dienst zu erweisen*; anderwärts ge- 
schieht diese Einladung durch die eigenen Mütter der Jung- 
frauen 2; auf den Philippinen wird jene Aufgabe durch bezahlte 
Männer erfüllt ^. Dahin gehört ferner die Erzählung über die 
babylonischen Frauen und über Cypern^; die Preisgebung von 
Frauen und Töchtern an Gäste ^; die Erzählung des Ritters von 
Guitzow über „schöne Weiber zur Kurzweil"^; und die Nach- 
richt, dass bei den Indianern Nordamerikas Jeder, der in eine 
höhere Klasse aufrücke, seine Frau dem Vorgesetzten für eine 
gewisse Zeit überlassen müsse '. Bei einigen Völkerschaften 
muss die Neuvermählte in der Hochzeitsnacht alle Hochzeitsgäste 
befriedigen, bevor sie ihrem Ehemann gehört®; so hatte bei den 
Nasamonen die Braut in der ersten Nacht geschlechtlichen Ver- 
kehr mit den einzelnen Gästen, von denfen sie dafür ein Geschenk 
erhielt ^ ; Aehnliches wird von den Angulern berichtet *^, des- 



einigen Negervölkern Afrikas die Priester sich die ehelichen Primitien an- 
massten; ferner die Nachricht von geschlechtlichen Ausschweifungen, die im 
Königreich Dahoraey in Oberguinea, namentlich in der Provinz Ardrah (?) und 
in der Hafenstadt Widah (Whyda), zwischen Priestern und Mädchen angeblich 
stattfinden. (Kulischer S. 223.) 

* Varthema (über Tarnassari) S. 202 — 204 der engl. Uebers. der Ausg. 
V. 1510 (ebenso in der deutschen Ausg. v. 1534 Buch 6 Kap. 8 Bl. 80, und 
in der deutschen Ausg. v. 1556). Mutio fol. 60 v., 61. Linschot Buch 1 
Kap. 17 S. 22 (über Pegu). v. Mandelslo S. 144. Olearius in der Anraerk. 
zu V. Mandelslo S. 144. Francisci S. 937, 938. C. P. Hoffmann S. 58. Tollius 
zu Lact, de mort. pers. cap. 38. Delpit S. 272 — 278. Gubematis, Indie 
S. 137, und Usi S. 197. ^ Liebrecht 1879, S. 421, 422. 

» Demeunier Bd. 2 S. 96. Liebrecht 1874, S. 141, 142 und 1879, S. 420, 421. 

* Herodot lib. 1 § 199. Voltaire , I)6f. de mon oncle, Giraud-Teulon 
S. 73, 81. V. Hellwald S. 146, 147. 

* Oviedo Bd. 2 S. 222, lib. 24 cap. 3 (betr. Uruacay). v. Martins 1832, 
S. 65. Arch. f. Anthrop. Bd. 11 S. 127. 

^ Hieran knüpft sich eine Streitfrage über „schöne Frauen''. Vgl. 
V. Hormayr 1832, S. 38 und 1842, S. 147; Anz. d. D. Vorz. Bd. 6 S. 136 und 
S. 213 und Bd. 8 S. 55, 56 (betr. den Lehnsrevers des älteren Götz von Ber- 
lichlngen, vom 26. März 1498); G. M. Weber S. 543; Fahne S. 309. 

' Nuits d'6preuve S. 82. 

8 Montaigne liv. 1 eh. 22 S. 144, 145. Chr. Arnold S. 100. Giraud-Teulon 
S. 69. Kulischer S. 221. 

■'® Herodot lib. 4 § 172: . . . Trpwxov o^ yafjiiovTo; Naaa|xa)vo; dvopo? vdfjio; 

Twv 0^ IOC l%OL<5-:6i Ol p-i^i^j, oiooi Oüipov, t6 av zyr^ cpep'ip.evo; i^ öixou**. . . Vgl. 
Polyd. Verg. lib. 1 cap. 4; Du Verdier S. 95, 06: Grupen § 1 S. 2, 3 ; 
V. Martius S. 61. 

*® Solinus cap. 31 , de intimis gentibus Libyae : . . . „Angulae foeminas 



40 Kapitel 7. Hetärismus und Häuptlingsrecht. 

gleichen von den Bewohnern der Balearen *, von den Bewohnern 
Perus (aus der Zeit vor der Herrschaft der Yncas) 2, von einigen 
Völkern im Nordosten Südamerikas ^ und von den Bewohnern 
Cubas (aus dem achtzehnten Jahrhundert) *. Bei den Gebirgs- 
völkern von Asyr wird „das Recht der Brautnacht dem reisenden 
Gaste zugestanden ** ^. In Ceylon theilt der Ehemann seine Rechte 
an der Frau mit seinen Brüdern; nur auf die Hochzeitsnacht 
hat er ein ausschliessliches Recht ^. Bei andern Völkern besteht 
der Hochzeitsgebrauch, dass die Braut ihre Jungferschaft einem 
Götzenbilde opfert ^ Endlich könnte noch die Sage von den 
sogenannten Probenächten® hier angeführt werden. 

Wären alle diese und noch viele andere geschlechtliche Un- 
sitten bewiesen, so könnten sie doch nicht ohne Weiteres als 
Ueberreste des „Hetärismus" betrachtet werden ^ ; und noch weniger 



suas primis noctibus nuptiarum adulteriis cogunt patere: mox ad perpetuam 
pudicitiam legibus stringunt severrimis." Aehnlich lauten die Nachrichten 
bei Mela und Plinius. Vgl. Salmasius zu Solinus cap. 31; Bachofen S. 174. 

^ Bachofen S. 12, 18. Henne-Am Rhyn Bd. 1 S. 67. 

2 Garcilaso liv. 1 eh. 14, Bd. 1 S. 57 und (betr. Manta) liv. 9 eh. 8, Bd. 2 
S. 389. V. Martins S. 61. 

3 Martius S. 62. 

^ Carli, 9. Brief, vom 2. Juli 1777, Bd. 1 S. 175. Vgl. Kap. 91. 

^ Chwolsohn Bd. 1 Kap. 9 S. 292. 

« Grand Vocab. Bd. 17 S. 172. 

' Barbosa S. 304, 305. Linschot Buch 1 Kap. 33 S. 51. Balbi Kap. 23. 
Chr. Arnold S. 100. Francisci Buch 3 S. 936. C. P. Hoffmann Th. 2 Kap. 1 
§ 8 S. 59. Demeunier Bd. 2 S. 102. Giraud-Teulon S. 72. 

8 Fischer. Danz Bd. 6 S. 47 ff. v. Schmitz S. 230, 231. Nuits d'^preuve. 
Damit zu vergleichen sind die Nachrichten über Nachtbesuche der Brautleute 
bei den Afghanen und nordwestlichen Indern (Zimmer S. 308, 309) , und bei 
europäischen Völkern (v. Düringsfeld S. 9, 254), auch über die „Amannados^' 
(Zusammengewöhnung) in Ecuador (Ulloa lib. 6 chap. 6 Bd. 1 S. 343, 344, 
und V. Martius S. 56j. 

9 Henne-Am Rhyn (Bd. 1 S. 66, 67) sucht in folgender Weise dar- 
zuthun, dass in den Urzuständen der Menschheit der Hetärismus geherrscht 
habe. „Unverdächtige Zeugen erzählen von den Massageten (Herodot I, 216), 
den libyschen Auseern (ebd. IV, 180) und den äthiopischen Garamanten 
(Strabon), von den Griechen vor Kekrops und den Chinesen vor Fohl, dass 
bei denselben eine Ehe, d. h. dauernde Verbindung zwischen Personen ver- 
schiedenen Geschlechts, nicht stattgefunden, sondern vollständige Zuchtlosigkeit 
allgemein geherrscht habe." An diesen Vordersatz fügt er in buntem Mosaik 
mehr oder minder bestimmte Nachrichten und Gerüchte über Unsitten, die im 
Lauf von Jahrtausenden bei einzelnen Völkerschaften der verschiedenen Welt- 
theile geherrscht haben sollen, und er schliesst mit den Worten: „Aus diesen 
Thatsachen muss wohl auf einstige allgemeine Herrschaft des Hetärismus in 



Kapitel 7. Hetärismus und Häuptlingsrecht. 41 

könnten sie zum Beweise des jus primae noctis dienen. Die An- 
nahme, dass in der Urzeit der Menschheit allgemein Hetärismus 
geherrscht habe, beruht auf blosser Hypothese, ist also nicht ge- 
eignet, als feste Grundlage für weitere Folgerungen zu dienen. 
Zudem lässt sich die Frage, ob irgendwo und irgendwann das 
sogenannte jus primae noctis bestanden hat, nicht wie eine an- 
thropologische Hypothese behandeln; sondern sie könnte nur dann 
und nur insoweit bejaht werden, als* geschichtliche Beweise dafür 
erbracht würden. 

Niemand wird leugnen, dass in der Geschichte der Völker- 
schaften alter und neuer Zeit mannigfache geschlechtliche Un- 
sitten verzeichnet stehen. Viele dieser Unsitten sind auf irre- 
geleitete religiöse Vorstellungen zurückzuführen. Auch kann zu- 
gegeben werden, dass gewisse Unsitten verschiedener Völker aus 
verschiedenen Zeiten miteinander Aehnlichkeit haben. Allein dies 
genügt nicht zu der Voraussetzung, dass dieselben untereinander 
in ursächlichem Zusammenhang stehen. Ueberdies leidet die Hy- 
pothese Bachofen's auch an innerer Unwahrscheinlichkeit. Durch 
Fortschritt der Civilisation ist es erklärlich, dass ein Volk die Un- 
sitte der Weibergemeinschaft ablegt und dafür gesittete Gewohn- 
heiten annimmt. Dagegen ist es unglaublich, dass ein Volk, welches 
in Weibergemeinschaft lebt, diese Unsitte mit dem ausschliesslichen 
Recht des Häuptlings auf alle Weiber des Stammes vertauscht. 
Ständen aber gleichwohl alle Weiber „vor Allem zur Disposition 
des patriarchalischen Häuptlings**, und hätte der Herrscher „das 
alleinige Privileg, Frauen zu haben**, so wäre es höchst unwahr- 
scheinlich, dass er eine Beschränkung seines vermeintlichen Rechtes 
freiwillig ausspräche, indem er sich ein für alle Mal mit dem 
„Herrenrecht der ersten Nacht** begnügte, oder dass ihn die Be- 
völkerung zu einer solchen Beschrankung seiner Willkür zwingen 
würde. Soweit es möglich ist, sich in die Anschauungsweise eines 
wilden Volkes zu versetzen, dürfte anzunehmen sein, dass die 

den Urzuständen der Menschheit geschlossen werden/' Nun sind aber be- 
kanntlich die Nachrichten über den chinesischen Heros und Gesetzgeber Fohi, 
der etwa dreitausend Jahre vor Christi Geburt gelebt haben soll, und über 
Kekrops, den um 1470 v. Chr. Geb. aus Sais in Aegypten eingewanderten König 
von Attika, bloss mythische Erzählungen; und es ist ein Irrthum, zu glauben, 
dass es für die Sitten der Griechen vor Kekrops und der Chinesen vor Fohl 
„unverdächtige Zeugen'' gäbe. Aehnlich verhält es sich mit den daran ge- 
reihten weiteren Thatsachen, die keinenfalls als geschichtlich festgestellt be- 
trachtet werden können. So wird aus morschen Bausteinen, die nicht einmal 
zusammenpassen, mit Hülfe lebhafter Phantasie, das Luftgebäude eines über 
die gaoze Welt verbreitet gewesenen Hetärismus errichtet. 



42 Kapitel 7. Hetärismus und Häuptlingsrecht 

Wilden entweder roh genug sind, um jederzeit ihre Frauen dem 
Belieben des Häuptlings zu überlassen, oder genug Gesittung 
haben, um sieh den Eingriff in ihre ehelichen Rechte überhaupt, 
und insbesondere auch für die Hochzeitsnacht, zu verbitten. 

Durch das Gesagte erledigen sich die Hypothesen aller übrigen 
modernen Schriftsteller*, die theils aus eigener Erfindung, theils 

^ Schon Ewers (S. 72, 73) erklärte das jus primae noctis aus der alten 
Stellung der Geschlechtshäupter: „Der Stammgenosse war ursprünglich Unter- 
than des Stammhäuptlings; nur der Häuptling hatte jenes Recht; ob aber 
über alle Stammgenossen , auch über die , welche ursprünglich zu dem Ge- 
schlecht gehören, als jüngere Zweige der ersten Häuptlingsfamilie (die Edlen 
und Freien), oder nur über die allmählich in den Stamm aufgenommenen Ab- 
kömmlinge der dienenden Klasse? — darüber werden erst tiefere Forschungen 
künftig Aufschluss geben. Denn soviel steht durch Vergleichung wohl jetzt 
schon fest: es war kein Herrscherrecht, sondern ein Recht des Häuptlings." 
— Liebrecht betheuert (1874, S. 141 und 1879, S. 423, 424), es könne nicht 
der mindeste Zweifel darüber herrschen, dass sich in dem jus primae noctis 
eine deutliche Spur jenes Hetärismus, jener irAv,oi^oi (xi?i; erhalten habe, deren 
einstige Herrschaft Bachofen in seiner erschöpfenden Untersuchung über das 
Mutterrecht ausführlich besprochen habe. „Die Inhaber der Gewalt hielten, 
wie es scheint, noch immer an dem ursprünglich allgemeinen Rechte fest, als 
es schon längst in den übrigen Volksschichten versch\vunden, und das einstige 
Bestehen desselben vergessen war, so dass da, wo der Einzelne (bürgerliches 
oder geistliches Haupt) es noch übte, diesem Recht bald dieser, bald jener 
Grund untergelegt wurde.'' — Post schreibt (S. 36 — 38): „Ursprünglich stehen 
anscheinend ajle Weiber der Geschlechtsgenossenschaft mit Weibergemein- 
schaft vor Allem zur Disposition des patriarchalischen Häuptlings, auch in 
Beziehung auf den geschlechtlichen Gebrauch Dies führt bei Ausbildung 
eines despotischen Königthums zu dem Satze, dass der Herrscher das alleinige 
Privileg hat, Frauen zu haben, und von diesen nur an seine Günstlinge ab- 
giebt". . . . „Das alte Recht des Häuptlings auf alle Weiber führt zu dem jus 
primae noctis, dem Recht des Geschlechtsfürsten, alle zur Genossenschaft ge- 
hörigen Weiber zu entjungfern, mit andern Worten, die maritalischen An- 
sprüche der Geschlechtsgenossen gegen alle Weiber vor den übrigen Genossen 
auszuüben. Wo sich Spuren eines jus primae noctis finden, kann man mit 
ziemlicher Sicherheit darauf zurückschliessen, dass bei dem betreffenden Volke 
ursprünglich einmal Weibergemeinschaft geherrscht hat." — Giraud-Teulon 
(S. 1 — 71) vertheidigt ebenfalls die Hypothese Bachofen's, dass in alten Zeiten 
Hetärismus geherrscht habe, und damit die Eingehung einer individuellen Ehe 
nicht vereinbar gewesen sei; noch später, versichert er, habe der Abschluss 
einer festen Ehe als Verletzung des Naturgesetzes gegolten, wofür Sühne ge- 
fordert wurde; die Ehegaitten hätten das Recht auf ihren ausschliesslichen 
Besitz gewissermassen aus der Gemeinschaft, einlösen müssen; bei weiterer 
Ordnung gesellschaftlicher Zustände sei der Tribut, den die Frau an die 
Gemeinschaft verschuldete, allmählich auf eine einzige Leistung eingeschränkt 
worden; so sei das jus primae noctis entstanden, welches den Häuptlingen« 
den Königen oder den Priestern eingeräumt wurde. — Alle diese Hypothesen 
machen im Allgemeinen den Eindruck, als meinten die Verfasser, es sei bereits 



Kapitel 8. Heidnisches und christliches Priesterthum. 43 

zufolge der von Bachofen gegebenen Anregung in ähnlicher Weise 
wie Bachofen das Herrenrecht der ersten Nacht zu begründen 
suchen. 

B, Heidnisches und christliches Priesterthum. 

Kapitel 8. Viele Schriftsteller der Neuzeit meinen , das 
Herrenrecht der ersten Nacht sei „sogar** von Geistlichen in An- 
spruch genommen und ausgeübt worden. Aus einigen derartigen 
Aussprüchen ist nicht deutlich zu ersehen, wie sich die Verfasser 
die Entstehung eines solchen Rechts der Geistlichkeit vorstellen. 
An manchen Orten hatte es „sogar der Ortsgeistliche** *. „Sogar 
die Geistlichkeit hatte zuweilen eine Vorliebe für die süsse Frucht 
der ersten Nacht.** ^ „Die Pfaffen und sogar die Mönche be- 
sassen dieses Recht und genossen es in natura.** ^ „Das Schmäh- 
lichste war, dass Niemand auf dies abscheuliche Recht, selbst in 
seiner ursprünglichen rohen Form, erpichter gewesen ist, als die 
Clerisei.** * „An der Richtigkeit der Thatsache, dass selbst 
Geistliche jenes Recht auszuüben suchten, lässt sich leider nicht 
zweifeln, wie sgjhr man auch die Sache in Abrede zu stellen ge- 
sucht hat.** ^ „Es war gar nichts Unehrliches für einen Dorf- 
pfafFen, der doch die Keuschheit heilig gelobt und das heilige 
Sacrament der Ehe abgeschworen hatte, die Bräute seiner ganzen 
Pfarrei in der ersten Brautnacht zu beschlafen.**® Gegen Bi- 
schöfe und Aebte wurden Strafen verhängt, weil sie für jenes 
Recht Geld annahmen, „statt dass sie das Recht der Entjung- 
ferung bisher persönlich, con amore, ausgeübt hatten** '. 

In andern Aussprüchen wird durch den Zusammenhang an- 
gedeutet oder ausdrücklich gesagt, dass die Geistlichen in der 
Eigenschaft als Grundherren jenes Recht in Anspruch genommen 
hätten. „Es ist nicht zu bezweifeln, dass Aebte und Bischöfe 
in ihrer Eigenschaft als weltliche Herren dies Vorrecht in An- 
spruch nahmen; und es ist nicht sehr lange her, dass Prälaten 
von diesem Vorrecht Abstand genommen haben, und zwar für 

anderweitig bewiesen, dass in alten Zeiten das jus primae noctis geherrscht 
habe. Sie suchen es zu erklären. Doch können einige Bemerkungen der 
genannten Schriftsteller auch in dem Sinn aufgefasst werden, dass darin Be- 
weise jenes Rechts gefunden werden sollten. In jedem Fall sind sie un- 
begründet. 

1 Maurer Bd. 3 S. 169. 2 Schaffner Bd. 2 S. 184, 185. 

3 Dulaure, Adel S. 242, 243. ♦ Sugenheim 1861 S. 104. 

^ Kolb 1842 S. 497. 6 Reynitzsch S. 275. 

' Hormayr 1842 S. 146. 



44 Kapitel 8. Heidnisches und christliches Priesterthum. 

Geldabgaben, worauf sie ebenso viel Recht hatten, wie auf die 
Jungferschaft der jungen Mädchen." * „Das Anstössigste ist, 
dass selbst geistliche Herren den Anspruch auf Ausübung dieses 
Rechts erhoben." ^ „Das unter dem Namen droit de markette, 
cuUagium oder marcheta bekannte schmähliche Herrenrecht nah- 
men selbst Pfarrer für sich in Anspruch, und Bischöfe verwan- 
delten es in Geldabgaben." ^ „Aebte und selbst Bischöfe übten 
es aus, wie Barone."^ «Die französischen Bischöfe und Aebte 
hatten dies Recht sehr oft über ihre Vasallen, und die enthalt- 
samsten verlangten Geldentschädigung für die Nichtausübung." ^ 
„Es ist nicht zu bezweifeln, dass Aebte und Bischöfe in der 
Eigenschaft als weltliche Herren sich dies Vorrecht beilegten. 
Unter den Geistlichen, welche dies Recht geniessen, erkennt 
man die Bischöfe von Amiens, die Mönche von Saint-Etienne zu 
Nevers, die adeligen Domherren von Lyon, die Aebte von Saint- 
Theodard etc. etc. etc." ^ 

Eine dritte Klasse moderner Schriftsteller sucht jenes Recht 
aus der priesterlichen Gewalt zu erklären, und zwar aus der 
Gewalt heidnischer sowohl als christlicher Priester ^. Angelo de 
Gubernatis spricht von Brahmanen, die es für ihre religiöse Pflicht 
hielten, den jungen Mädchen, bevor dieselben heiratheten, den 
Schmuck der Jungfräulichkeit zu nehmen®, und knüpft daran 
die Bemerkung, derselbe Gebrauch habe in Europa im Mittel- 
alter geherrscht, jedoch mit dem Unterschied, dass er nicht, wie 
in Asien, durch die Priester aus Gnade und Profession, sondern 



» Voltaire, Dict. phil. unter Cuissage. Diss. S. Claude, Anh. S. 133, 134. 

2 Dupin bei Mignet Bd. 28 S. 131. Journal des Debats, 2. Mai 1854, auf 
der ersten Seite. 

3 Chateaubriand S. 386. 

^ Merlin, R6p. unter Markette. Kolb 1842, S. 497. Kolb 1843, Bd. 2 
S. 73. Vgl. (in abgeschwächter Fassung): Dict. Acad., Suppl. 1836 unter 
Markette. 

* Marichalar Bd. 6 S. 70. '^ Labessade S. 9. 

' Eine solche Gleichstellung heidnischer und christlicher Priester findet 
sich in zahlreichen Schriften des neunzehnten Jahrhunderts. Unter dem Ein- 
fluss dieser Vorstellung legen Einige (z. -B. Dulaure, Adel S. 242, Dümge 
S. 20, Le Si^cle vom 26. Sept. 1854 und Labessade S. 23 Nr. 41 u. 42 und 
S. 92) besonderes Gewicht darauf, dass selbst der gelehrte Jesuit Papebroek 
an das jus primae noctis geglaubt habe; gleichsam als ob dies Recht durch 
Zugeständniss eines Priesters bewiesen werden könnte. Doch geht die Mei- 
nung Papebroek 's (AA. SS. 30. aprilis, Bd. 3 S. 822) nur dahin, dass jenes 
Recht in heidnischer Zeit bestandeu habe und durch das Christenthum ver- 
drängt sei. Vgl. unten Kap. 20. 

8 Gubernatis Indie S. 137 und Usi S. 198. 



Kapitel 8. Heidnisches und christliches Priester thum. 45 

von den Priestern und Lehnsträgern des Mittelalters kraft eines 
Bechtes ausgeübt worden sei, so lange die Geduld der Unterthanen 
diesen Schimpf ertragen konnte *. Liebrecht vermuthet, da die 
Caziken als weltliche Häuptlinge zugleich die oberste priester- 
liche Gewalt besassen, so möge das jus primae noctis den Ober- 
priestern oder überhaupt einem Priester verblieben sein, „wo sie 
nicht mehr auch weltliche Häupter waren, während diese es ver- 
loren hatten"^. Also meint Liebrecht, jenes Recht habe an- 
fanglich den weltlichen Häuptlingen und später den Priestern 
zugestanden. Ein anderer Schriftsteller der Gegenwart meint, das 
vorläufige Paaren mit den neuvermählten Frauen sei anfänglich 
ein Recht der Geistlichkeit gewesen und habe sich bei den Brah- 
manen Indiens ebenso wie bei den christlichen Priestern des 
Mittelalters auf die ersten drei Nächte erstreckt; „der von der 
Geistlichkeit angelobte Cölibat" sei „kein Hinderniss zur Voll- 
ziehung des vorläufigen Begattungsrechts" gewesen; allmählich 
hätten sich die weltlichen Herren dieses Rechts bemächtigt; je- 
doch hätten dieselben den Umfang des Rechts eingeschränkt, in- 
dem sie nicht mehr das „trinoctium", sondern nur das jus primae 
noctis für sich in Anspruch nahmen^. 

In neuester Zeit wird sogar gelehrt, die Kirche habe das 
Herrenrecht der ersten Nacht als gerechtfertigt anerkannt und in 
ihren besondern Schutz genommen. Die Zeitung „Deutscher Mer- 
kur" * stellt nämlich über jenes „Ehebruchsprivilegium" folgende 
Sätze auf: „Es hätte sich dieser Missbrauch der grundherrlichen 
Gewalt leicht beseitigen lassen, wäre ihm, so lange er nur spo- 
radisch verübt wurde, nur von der Kirche entgegengetreten worden. 
Unter den Augen der Kirche wuchs er aber zur allgemeinen 
Landplage heran; sie aber, sonst so freigebig mit ihren Flüchen, 
Hess das Uebel ruhig weiter wachsen, ohne daran zu denken, 
ihre Fiuchapparate gegen diesen Unfug spielen zu lassen. Und 
doch war schon der Tribut, der für den Nichtgebrauch dieses 
vermeintlichen Rechts entrichtet werden musste, nicht bloss eine 
schmähliche Entwürdigung der armen Neuvermählten, sondern 
auch des Ehestandes überhaupt. Aber davon hatte die Kirche 
80 wenig eine Ahnung, dass auch sie diesen Tribut einzog. Nach- 
dem wegen allzu starken Gebrauchs dieser Ehebruchsprätensionen 



» Gubernatis, Usi S. 198. * Liebrecht 1879 S. 420. 

» Kulischer S. 223-227. 

* D. Merkur v. 17. AprU 1880, S. 124, unter der Ueberschrift : „Der 
Papst Leo XIII. als Qeschlchtsbaumeister". 



46 Kapitel 8. Heidnisches und christliches Priesterthum. 

Aufstände vorgekommen waren, wurde daran gedacht, durch 
Landesgesetze diese Prätensionen als unberechtigte Anmassungen 
zu beseitigen, womit auch der für den Nichtgebrauch eingefor- 
derte Tribut hinfällig wurde. Nirgends ist der Impuls zu diesen 
Gesetzen von den Organen der Kirche ausgegangen; wohl aber 
ist es nachweisbar, dass sie nur mit Widerwillen sich dieselben 
gefallen liess. Als in Frankreich einige Parlamente bei ihren. 
Entscheidungen von dem Satze ausgingen, dasß es für Niemanden 
ein Ehebruchsrecht geben könne, opponirten die Feudalherren, 
und die Kirche war auf ihrer und nicht der Parlamentsherren 
Seite''. . . Es wird behauptet, aus jenem Ehebruchsprivilegium 
habe die Kirche selbst Nutzen gezogen; sie habe wohl auch 
ihren geweihten Organen diese Profanation nachsichtsvoll ge- 
stattet und sei daher nicht in der Lage gewesen, derselben mit 
Nachdruck entgegenzutreten. „Was dieser Umstand für die Pflege 
häuslicher und öfifentlicher Sitte zu bedeuten hatte, vermag man 
erst dann vollständig zu' ermessen , wenn man bedenkt , dass es 
der Kirche gelungen war, die Ehesachen zu monopolisiren , und 
es mithin auf der ganzen weiten Erdenrunde kein Forum mehr 
gab, bei welchem für das Magdthum der Braut eines Sklaven 
Schutz gegen feudale Gelüste hätte gefunden werden können." ^ 
Der in jenem Zeitungsartikel gelobte Gewährsmann meint, die 
Kirche habe sich gegenüber jenem Recht „nicht nur passiv ** ver- 
halten. Denn es sei „eine historische Thatsache, dass sie den 
feudalistischen Ehebruchsprätensionen nicht nur nicht entgegen- 
getreten, sondern auch dieses schändlichste aller Herrenrechte 
als begründet anerkannt hat, indem entweder Prästation in na- 
tura oder im Falle der Verweigerung das dafür übliche oder 
festgesetzte Aequivalent beansprucht wurde. . . Zum Schutze 
der Ehe, für welche die Kirche das ausschliessliche Gesetzgebungs- 
recht in Anspruch nahm, hatte sie keine Censuren, keine Ana- 
theme." ^ 

Die einzelnen Thatsachen, die in vorstehenden Auszügen er- 
wähnt werden, sollen im Verlauf dieser Untersuchung gehörig 
beleuchtet werden. Die angeführten Theorieen stimmen mitein- 
ander nicht überein und leiden sämmtlich an dem Fehler^ dass 
sie ein Recht zu erklären suchen, ohne vorher nachzuweisen, 
dass es überhaupt bestanden hat. Eine weitere Kritik der be- 
zeichneten Verirrungen wird hier unterbleiben können. 



^ Buchmann S. 38. 
2 Buchmann S. 68, 69. 



Kapitel 9. Sklaverei und Feudalität. 47 



C. Sklaverei und Feudalität. 



Kapitel 9. Weinhold behauptet, „der Gebieter der Braut*' 
habe „bei den späteren Römern'' das jus primae noctis gehabt*, 
ohne die dunkeln Ausdrücke „Gebieter der Braut bei den spä- 
tem Römern" zu erklären. Mit grösserer Deutlichkeit drücken 
andere Schriftsteller die Meinung aus, jenes Recht sei aus der 
Sklaverei entstanden, wie solche bei den alten Griechen und 
Römern Geltung hatte 2. „Es ist wahrscheinlich, dass man dies 
Recht von dem Augenblicke an ergriff, wo es Sklaven gab. Ein 
Mann, der sich eine unbegrenzte Gewalt über das Leben und 
über die Güter aller seiner Unterthanen anmasst, kann ebenso 
gut mit ihren Frauen schlafen."^ Masson meint, um die Zeit, 
fcls die Sklaven in die Stellung von Unterthanen aufrückten, sei 
die ursprüngliche Rohheit jenes Herrenrechts beseitigt und durch 
Geldabgaben ersetzt worden*. 

Eine derartige Auffassung ist unvereinbar mit dem Begriff 
der Sklaverei, die bei den alten Griechen und Römern bestand. 
Danach war der Sklave rechtlos; der Herr hatte das Eigen- 
thum, also die volle Herrschaft über den Sklaven wie über 
eine Sache; nur aus polizeilichen Rücksichten konnten Sklaven 
gegen Gewaltthätigkeiten ihrer Herren geschützt werden; von 
einzelnen Rechten des Herrn gegenüber dem Sklaven konnte 
keine Redp sein. 

Andere Schriftsteller des neunzehnten Jahrhunderts betrachten 
das Herrenrecht der ersten Nacht theils als eine nothwendige 
Folge, theils als eine Ausartung der Leibeigenschaft und 
der Feudalität. „Nicht die niedrigsten persönlichen Dienste 
der Leibeigenen und ihrer Kinder bloss, selbst das jus primae 
noctis hatten sich die Leibherren anzueignen gewusst." ^ Dies 
Recht war die „Schande der Feudalitäf ^. „Es bestand mit dem- 
selben Recht wie die Feudalität, wovon es eine ungeheure Aus- 
artung bildete." ' „Der feudalistische Uebermuth ersann neben 
physischen auch moralische Martern, um den letzten Funken des 
Gefühls der Menschenwürde im Bauer zu ersticken. Wie die 
Erstlinge des Viehs und der Früchte des Feldes, so kam. dem 



1 Weinhold S. 194. 

2 Chateaubriand S. 386. Collin de Plancy S. 165. Masson S. 3S2. 383. 

3 Collin de Plancv Bd. 1 S. 165. ♦ Masson S. 382, 383. * 
* Welsch S. 2. Daraus: Chr. Meyer S. 371. 

6 Bibl. hist. Bd. 12 S. 232: . . ,.cette turpitude de f^odalit^^^ 
' Labessade S. 106. 



48 Kapitel 0. Sklaverei und Feudalitüt. 

Gutsherrn auch die Jungfersehaft seiner weiblichen Unterthanen 
zu. Er hatte das Recht, das Magdthum der leibeigenen Braut 
zu nehmen, die Hochzeitsnacht mit ihr zu begehen (jus primae 
noctis)/* „Das Herrenrecht der ersten Nacht beweist, wie 
verderbt die Sitten waren, und in welcher Erniedrigung sich der 
grössere Theil des Menschengeschlechts befand, als die Feu- 
dalität in ihrer ganzen Kraft regierte." ^ Jenes Recht war „eine 
noih wendige Folge des Feudalwesens, das vor Allem auf per- 
sönlicher Dienstbarkeit beruhte** ^. „Es wäre zu verwundern, 
wenn es nicht bestanden hätte.** ^ „Jenes Recht der Gewalt 
und Unkeuschheit** war ein „gehässiger Missbrauch der drückend- 
sten Feudalität.** ° „Warum sollte man darüber erstaunen oder 
aufgebracht werden? Weiss man nicht, dass die Feudalität 
grundsätzlich das Recht der Gewalt war; dass ein Mann, der 
dem Taumel der Gewalt, dem Triebe der Rohheit ergeben ist, 
gegen seine Untergebenen die wildeste Bedrückung ausüben kann, 
und dass ein Mann, der durch die Knechtschaft seiner Umgebung 
verdorben ist, die Kenntniss des Guten und Bösen verliert, seine 
Frevelthat in Recht verwandelt und so in ihrem ruhigen und 
schuldbaren Genuss sich zu befestigen trachtet? Freilich kommt 
der Augenblick, wo der Geist des Menschen erwacht, wo die 
wahre Erkenntniss des Rechts erscheint und den alten Besitzer 
verwirrt; dann schämt sich die Gewalt vor sich selbst; aber statt 
ausdrücklich ihre alten Missbräuche zu verurtheilen , verwandelt 
sie dieselben in Abgaben, in Gewohnheiten, in Symbole, die noch 
ein Zeugniss von ihnen ablegen und sie eines Tages durch das 
Zeugniss über ihren Ursprung in der Geschichte brandmarken 
werden.** « 

Der Ausdruck Feudalität umfasst hier nicht bloss den Ver- 
band zwischen dem Lehnsherrn und seinen Vasallen im Sinn des 
eigentlichen Lehnrechts, sondern zugleich den Verband zwischen 
dem Grundherrn und seinen bäuerlichen Unterthanen. Aus keinem 
dieser beiden Rechtsinstitute ist das Herrenrecht der ersten Nacht 
zu begründen. 

Wäre dies Recht aus dem Lehnswesen hervorgegangen, 
oder könnte es daraus erklärt werden, so müsste davon in den 
Hauptwerken über Lehnrecht die Rede sein. Und doch findet 
sich in keinem derselben auch nur eine Andeutung jenes Rechts. 

1 Scherr 1858, S. 211. 

2 Merlin, R6p. unter Culage (von Garran de Coulon). 

3 Legouv6 S. 94. ♦ Bonnem^re Bd. 1 S. 62. 

* Laferri^re Bd. 5 S. 454. « Laferri^re Bd. 5 S. 457. 



Kapitel 9. Sklaverei und Feudalität. 49 

CoUin de Plancy sucht dies damit zu erklären, dass die Lob- 
redner des Lehnswesens jenes Recht verheimlicht hätten *. Allein 
es ist nicht anzunehmen, dass alle namhaften Juristen, die das 
Lehnrecht behandelten, blinde Verehrer jeder einzelnen Lehns- 
einrichtung gewesen seien und aus Arglist eine derselben ver- 
heimlicht hätten. Zudem ist in zahlreichen Quellen des Lehnrechts 
auf Ehebruch oder sonst vertraulichen Umgang des Lehnsherrn 
mit der Gattin des Yasallen der Yerlust des Obereigenthums oder 
wenigstens aller Ansprüche auf die Dienste des Vasallen als 
Strafe gesetzt*. 

Viele suchen das jus primae noctis aus dem germanischen 
Recht des Grundherrn über die Leibeigenen zu begründen. 
Ein deutsches Sprüchwort sagt vom Leibeigenen: „er ist mein eigen, 
ich mag ihn sieden oder braten"'; und ein französisches Sprüch- 
wort: „entre toi et ton seigneur, nul juge fors Dieu"*. Daraus 
folgert Bouthors: „Wer sagen konnte, dieser Mann gehört mir, 
ich mag ihn sieden oder braten, konnte aus demselben Grunde 
hinzufügen: diese Frau gehört mir, die Kinder, welche sie zur 
Welt bringt, sind meine Sache; daher kann ich von ihr den 
Tribut des Vergnügens erheben und den Leib befruchten, dessen 
Frucht mir gehört."^ Osenbrüggen meint, das Recht der ersten 
Nacht sei die juristische Consequenz persönlicher Hörigkeit, und 
der Rechtstitel für die in Wirklichkeit an Stelle jenes Rechts 
getretenen Abgaben^. Schaffner sagt: „Die Seigneurs betrachteten 
sich als die Herren ihrer Vilains und Hintersassen und Hessen 
sich von diesen entweder hohe Gebühren bezahlen oder übten 
selbst das verrufene droit de jambage, cuissage oder marquette 
aus.*' ^ Buchmann scheint anzunehmen, dass die Sklaverei zwar 
nicht bei den alten Heiden, wohl aber im Mittelalter, unter dem 



* CoUin de Plancy Bd. 1 S. 166. 

» n Feud. 26 § 24; vgl. I Feud. 5 § 1 und I Feud. 17. Gerber § 137. 
— Im Gesetzbuch Castiliens ^Las siete Partidas^ (^^d^e sieben Abtheilungen^) 
aus der Zeit von 1256 bis 1263 ist die Bestimmung enthalten, dass ein Lehns- 
herr, der mit der Tochter oder Schwiegertochter seines Vasallen schläft oder 
sie zu einer solchen Schändlichkeit auch nur auffordert, wegen dieser Felonie 
das Obereigenthum verliert. Vgl. Partida cuarta, tit. 26 art. 9, bei Lagr^ze 
1867, S. 396. 

' Osenbrüggen, Studien S. 91. 

♦ DaUoz, R6p. Bd. 1 (1870) S. 86. Vgl. Bonnem^re Bd. 1 S. 62. 

» Bouthors Bd. 1 3. 470. Sugenheim 1861, S. 103. Aehnlich: Le Si^cle 
du 16. Sept. 1854; Kolb 1842, S. 496 („totale Rechtlosigkeit^) 
« Osenbrüggen, R.-A. S. 93 und Studien S. 91, 97. 
^ Schaffner Bd. 2 S. 184, 185. 
Schmidt, Jus primae noctis. 4 



50 Kapitel 9. Sklaverei und Feudalität. 

Einfluss der Kirche, zur Einführung jenes „Ehebruchspxivilegiums*' 
geführt habe ^ — Die hier dargelegten Meinungen stimmen darin 
überein , dass sie das jus primae noctis aus der !N'atur der Leib- 
eigenschaft zu begründen suchen, weichen aber in der Art dieser 
Begründung von einander ab. Manche Schriftsteller meinen, die 
Leibeigenschaft sei eine unbeschränkte Herrschaft gewesen, gleich- 
wie die Sklaverei. Wäre diese Auffassung richtig, so könnte 
von einem einzelnen Recht des Grundherrn gegenüber seinen 
Leibeigenen keine Rede sein. Daher erscheint die Begründung, 
welche Bouthors von dem jus primae noctis giebt, als unhalt- 
bar. Die andern Meinungen beruhen auf der Vorstellung, dass 
die Leibeigenschaft zwar rechtlich ein Institut gegenseitiger Rechte 
und Pflichten, also von der Sklaverei grundsätzlich verschieden 
gewesen sei, dass jedoch diese Rechtseinrichtung thatsächlich den 
Leibeigenen keinen Rechtsschutz gewährt, sondern unerhörte 
Missbräuche der Grundherren ermöglicht und so die Entstehung 
des jus primae noctis herbeigeführt habe. Allein auch diese Yor- 
stellung ist in ihrer Allgemeinheit nicht zu rechtfertigen^. 

Nach einigen Gewohnheitsrechten waren die Gutsunterthanen 
verpflichtet, zu gewissen Zeiten, insbesondere wenn die Grund- 
herrin in Wochen lag, auf das Wasser des Schlossgrabens zu 
schlagen, damit das Quaken der Frösche den Schlummer der 
Herrin und ihres Kindes nicht störe. Diese und andere Gewohn- 
heiten werden von modernen Schriftstellern getadelt ^. Zu der Zeit, 
als derartige Dienstleistungen für rechtsbeständig galten, wurden 
sie wahrscheinlich, bei freundlichen Beziehungen der Gutsunter- 
thanen zu ihrer Herrschaft, gern ausgeübt. Dasselbe gilt von 
seltsamen Spielen, die an einigen Orten und an gewissen Tagen 
zur Belustigung der Grundherrschaft aufzuführen waren *. Manche 
scherzhafte Ausdrücke und Darstellungen hatten im Mittelalter eine 
harmlosere Bedeutung, als sie heutzutage haben würden. Es kann 
nicht auffallen, dass derartige Gebräuche auch bei Heirathen sich 
ausbildeten ^, und dass sie im siebzehnten Jahrhundert durch Lehre 
der Schriftsteller und durch Urtheile französischer Parlamente^ 



^ Buchmann S. 38. 

« Vgl. Kindlinger; Mono Bd. 7 S. 139, 140. 

' V. Hormayr 1832, S. 38 und 1842, S. 145. Dupin S. 131. Alloury im 
Journal des D^bats v. 2. Mai 1854, erste Seite. 

* Vgl. die Beispiele oben in Kap. 2 S. 7 und 8. 

5 Vgl. z. B. Raynal Bd. 2 S. 207—209. 

® Vgl. Automne , tit. 8 § 1 Art. 81 (über den Lehnsgebrauch , dem Herrn 
eine Lerche auf einem Ochsen wagen zu überreichen). 



Kapitel 10. Brutalität des Mittelalters. 51 

für ungültig erklärt wurden, weil sie nach den veränderten 
Anschauungen der Zeit als lächerlich oder als unschicklich er- 
schienen. Jedenfalls ist es unmöglich, in der vermeintlich ent- 
würdigenden Natur dieser und anderer Dienstleistungen eine 
Erklärung oder gar einen Beweis für das jus primae noctis 
zu finden. 



D. Brutalität des Mittelalters^. 

Kapitel 10. In der Neuzeit meint man das jus primae 
noctis aus den allgemeinen Zuständen des Mittelalters erklären 
zu können. Man bezeichnet dies Recht als eine ,,Missgeburt 
des mittelalterlichen Hechts" ^ oder als eine ,, mittelalterliche Bar- 
barei" '. Ein solches Becht, sagt man, war nur möglich in einem 
Zeitalter, worin „der Irrthum nicht bloss verbreitet, sondern zum 
Dogma erhoben war"*. „Es ist erstaunlich, dass man im christ- 
lichen Europa den Gebrauch, die Jungferschaft seiner Yasallin 
zu haben , sehr lange Zeit zu einer Art Lehnsgesetz gemacht und 
wenigstens als ein Gewohnheitsrecht betrachtet hat; die erste 
Hochzeitsnacht der Bauerntochter gehörte ohne Widerrede dem 
Grundherrn; dies Recht wurde festgestellt wie das, mit einem 
Yogel auf dem Daumen zu gehen, und sich bei der Messe mit 
Weihrauch beräuchern zu lassen." ^ „Es giebt nichts Bezeichnen- 
deres für den ganzen Socialzustand jener finsteren und greuelvollen 
Zeiten, nichts Sprechenderes, wie sehr alle sittlichen und überhaupt 
menschlichen Begriffe mit Füssen getreten und verhöhnt wurden, 
als das sogenannte jus primae noctis, jener schamloser Weise 
zu einer Rechtsinstitution (!) erklärte scheussliche Gewaltmissbrauch, 
gegen den sich schon beim blossen Gedanken daran alle Gefühle 
aufs Tiefste empören müssen."* „Das Mittelalter, ein Zeitalter 
furchtbarer Verwirrung, das die grössten Gegensätze enthält, 
hat das Andenken an die Knechtschaft, die über die Keusch- 
heit der jungen Gattin ausgeübt wurde, in den Ueberlieferungen 
der Völker hinterlassen; die Geschichte ist nicht berechtigt, dies 



^•Ueber diesen Ausdruck vgl. die Berichte und Erörterungen der öffent- 
lichen Blätter über die Sitzung des Preussischen Hauses der Abgeordneten 
vom 15. Dezember 1880. 

* Augsb. AUg. Ztg. V. 18. April 1868, S. 1662. 

* Scherr 1865, 8. 132. 

^ Labessade S. 179, auch S. 222—225. 

* Voltaire, Dict. phil. unter Cuissage. 
< Kolb 1843, Bd. 2 S. 72. 

4* 



52 Kapitel 10. Brutalität des Mittelalters. 

Andenken der Leibeigenschaft und die Thatsaehen, wodurch es 
im Gedächtniss eines Volkes bewahrt wurde, zu leugnen; jedoch 
die Nachweisung des Abgrundes, wohin die sich selbst überlassene 
Gewalt den Mann und seine sittliche Würde fortreissen kann, 
heisst nicht, die Würde der menschlichen Natur leugnen, die sich 
im Mittelalter durch ritterliche Tugenden und erhabene Regungen 
der Beligion aufrichtet. Das Mittelalter hat die moderne Welt 
erzeugt und ihr die grossen Wege der europäischen Gesittung 
geöflfnet; das unparteiische Studium des Mittelalters ist zugleich 
ein Act der Gerechtigkeit und Dankbarkeit." * 

Manche Schriftsteller der Neuzeit, z. B. Veuillot, Vallein und 
Delpit, legen für Entscheidung der Streitfrage über das Herren- 
recht der ersten Nacht das Hauptgewicht auf eine Erörterung 
der allgemeinen Zustände des Mittelalters. Diese Untersuchung 
ist jedoch überflüssig. Denn selbst vom Standpunkt derjenigen, 
die sich das Mittelalter als ein Zeitalter der Brutalität und Boh- 
heit vorstellen, ist die Annahme, dass darin jenes Becht geherrscht 
haben könnte, aus allgemeinen Gründen unerklärlich. Wie ist es 
möglich, dass jeder „Kampf um's Becht" unterblieb, wenn die 
Grund- oder Lehnsherren jenes Becht für sich in Anspruch 
nahmen ? Wie kann man glauben, dass Jungfrauen am Tage der 
Hochzeit sich schänden liessen, dass junge Ehemänner diesen 
Schimpf duldeten, und dass keine Angehörigen der Brautleute 
Klage darüber erhoben? Dann müsste man annehmen, dass es 
im Mittelalter kein Bechtsgefühl gegeben hätte, wie Kolb be- 
hauptet^, obwohl das Bechtsgefühl in der menschlichen Natur 
unauslöschlich begründet ist^. Völlig unglaubwürdig ist die Be- 
hauptung einiger Schriftsteller^, dass die Jungfrauen des christ- 
lichen Mittelalters sich jenem Becht ohne Widerstreben und ziem- 
lich gern unterworfen hätten. 

Hätte das jus primae noctis im Mittelalter geherrscht, so 
müssten die Beweise dafür aus Gesetzen, Prozessen und Schriften 
des Mittelalters zu entnehmen sein. Allerdings wird behauptet, * 



1 Laferri^re Bd. 5 S. 457, 458. 

* Kolb 1842, S. 497: „Sobald auch nur ein Fünkcben des elnfachBten 
Rechtsgefühls wieder zu glimmen begann, musste sich die menschUche Natur 
empört fühlen gegen jene skandalöse Einrichtung.'' Der Zusammenhang 
dieser Stelle mit dem Vorhergehenden ergiebt als Meinung Kolb's, dass „der 
finstersten Zeit des Mittelalters^ selbst jenes „Fünkcben des einfachsten Rechts- 
gefühls^^ gefehlt habe. 

' Vgl. Ihering. 

♦ Voltoire, Dict. phil. unter Cuissage. CoUin de Plancy Bd. 1 S. 167, 169, 177. 



Kapitel 10. Brutalität des Mittelalters. 53 

Gesetze seien dagegen erlassen ^, Farlamentsurtheile hätten es 
geächtet*, Charten hätten dagegen geeifert^, Gemeinden hätten 
dagegen revoltirt * , Glossatoren und Commentatoren hätten da- 
gegen geschrieben^. Allein es fehlt der Beweis für die Wahr- 
heit dieser Behauptungen. Es giebt kein Gesetz und kein Par- 
lamentsurtheil über jenes Becht aus der Zeit des Mittelalters; 
und bei keinem der zahlreichen Glossatoren und Commentatoren 
wird jenes Recht erwähnt; ebensowenig findet sich eine Er- 
wähnung desselben in den zahlreichen Volksrechten aus dem 
sechsten bis neunten Jahrhundert, in den Kapitularien der frän- 
kischen Könige, in den deutschen ßechtsbüchern, den Gesetzen 
Ludwigs des Heiligen und der römischen Kaiser. Besonders 
bezeichnend ist das Stillschweigen der deutschen Minnesänger 
und der französischen Fabliaux*. Aus der gesammten Litteratur 
des Mittelalters ist meines Wissens kein einziger geistlicher oder 
weltlicher Schriftsteller ermittelt worden, der als Zeitgenosse 
jenen Missbrauch tadelte oder auch nur erwähnte. 

Wie ist es denkbar, dass ein solcher Missbrauch geherrscht 
haben könnte, ohne dass die Kirche dagegen ihre Stimme er- 
hoben hätte? Und doch steht Nichts darüber in den Quellen 
des kanonischen Rechts, weder in den Decretalen der Päpste, 
noch in den Conciliensammlungen ^. 

Buchmann fragt, „wo denn damals der civilisirende Einfluss 
der Kirche geblieben sei, wenn derselbe nicht einmal im Stande 
war, das Heiligthum eines eben aufgerichteten häuslichen Heerdes 
vor der schändlichsten Profanation zu schützen, die es geben 



* Scherr 1858, S. 212. Buchmann S. 69. Deutscher Merk. v. 17. Aprü 
1880, S. 124. 

* Boutaric chap. 15 unter Droit de marquettes. Renauldon liv. 5 chap. 10 
S. 450. Vgl. auch v. Hormayr 1832, S. 38 und 1842, S. 146; Buchmann 
S. 69; D. Merk. v. 17. Apr. 1880, S. 124. 

» Schaffner 1858, S. 185. 
^ Buchmann S. 69. 
5 Vallein S. 225, 226. 

* Vgl. den Kommissionsbericht der französischen Akademie der Inschriften 
vom 11. August 1854, Berger de Xivrey S. 23: . . . „le silence des fabliaux. 
On ne peut douter que si ce droit (nämlich das „droit du seigneur^^) eüt existö 
comme on le croyait, 11 leur eüt fourni quantit^ de traits malins, du genre 
de ceux qui y sont le plus fr^quents." — In dem grossen Werk von A. Schultz 
über „das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger^ ist vom jus primae 
noctis keine Rede; und auf besondere Anfrage hat mir Herr Professor 
Dr. Alwin Schultz ausdrücklich erklärt, dass er in den von ihm benutzten 
QueUenschriften keine Spur von jenem Recht gefunden habe. 

^ Ch6ruel bei F16chier S. 157. Berger de Xivrey 8. 24. lÄ^Oci ^. «^«Ä, 



54 Elapitel 11. Droit de cuissage oder jambage. 

kann** ^ CoUin de Plancy wundert sich, dass König Ludwig der 
Heilige kein Gesetz zur Unterdrückung des Herrenrechts der 
ersten !Nacht erlassen habe^. Dalloz wundert sich, dass in dem 
christlichen Zeitalter, ungeachtet der strengen Bestrafung des 
Ehebruchs, das seltsame „droit de prelibation^ habe bestehen 
können ^. Labessade wundert sich , • dass Dante vergessen habe, 
diesen Missbrauch in der Göttlichen Komödie zu geissein ^. In 
der That wäre Alles dies wunderbar, wenn jenes Recht im Mittel- 
alter bestanden hätte. 

E. Droit de cuissage oder jambage. 

Kapitel 11. Einige Schriftsteller des siebzehnten Jahrhunderts 
erwälmen unter den Missbräuchen, die sich bei lehns- und grund- 
herrlichen Rechten eingeschlichen hätten, den Anspruch gewisser 
Herren, am Hochzeitstage ihrer Unterthanen ein Bein in das 
Bett der Neuvermählten zu legen ^. Im Jahr 1684 behauptete 
Franz Chalier, als Erwerber der Besitzung Perignat-es-AUier in 
der Auvergne, mit dieser Herrschaft sei das adelige Vorrecht 
des „droit de cuisse" verbunden; darüber entstand ein Prozess, 
und das Urtheil vom 21. Juni 1686 entschied, dass jenes droit 
de cuisse eine Neuerung sei, die aus dem Verzeichniss der herr- 
schaftlichen Rechte gestrichen werden müsse ^. Schon im sech- 
zehnten Jahrhundert schrieb Du Verdier: „Ich habe mir sagen 
lassen, dass vor nicht langer Zeit einige Herren, sogar Geistliche, 
nach altem Gewohnheitsrecht befugt waren, ein Bein in das Bett 
zu legen, worin die neuvermählte Frau in der ersten Nacht 
schlief. Es war einmal Einer, der aus ungezügelter Lüsternheit 
über die Grenzen der Pflicht hinausgehen und sein Vorrecht 
missbrauchen wollte; doch verlor er das Recht um den Preis 
seines Lebens." ^ Auch bei andern Schriftstellern des sech- 
zehnten Jahrhunderts® und schon in einer Urkunde vom Jahr 1486 



* Buchmann S. 38. 

« CoUin de Plancy Bd. 1 S. 165. 
' Dalloz, R^p. unter Adultdre n. 7. 

* Labessade S. 117. • 

s Choppin üb. 1 chap. 31 n. 8, S. 269. Automne tit. 8 § 1 Art. 81, 
S. 477. D'Ollve liv. 2 chap. 1, S. 149, 150. D'Espeisses Bd 3 S. 306, tit. 6 
sect. 9. Vgl. unten Kap. 54 und 85. 

6 Barth^lemy S. 101, 102 (aus Dominique Branche). 

^ Dn YercUü B> 96. Daraus: La Curne de Sainte-Palaye unter Cuissage, 
Bd. 4 V. 1877, S. 430. 

^ Bo6rius dec. 297 n. 17, vgl. unten Kap. 61. 



Kapitel 11. Droit de cuissage oder jambage. 55 

wird ein ähnlicher Missbrauch erwähnt*. Dies sind die Quellen 
für ,den erst in neuerer Zeit entstandenen Ausdruck ^ droit de cuis- 
sage*' ^ oder Jambage"^, spanisch „derecho de pernada", italie- 
nisch „gambada/ Wären die [Nachrichten von dem bezeichneten 
Torrecht bewiesen, so würde daraus gefolgert werden können, 
dass seit Ausgang des Mittelalters und in neuerer Zeit in ein- 
zelnen Herrschaften ein Gebrauch entstand, der als symbolische 
Handlung die Herrschaft über die Unterthanen kennzeichnen 
sollte. Dieser Gebrauch würde an eine deutsche Sitte erinnern, 
die bei Heirathen fürstlicher Personen, namentlich bei der Hei- 
rath des Kaisers Friedrich III. mit Leonore von Portugal , nach 
Zeugniss von Aeneas Silvius beobachtet wurde*. Es würde er- 
klärlich sein, dass unter den Gebräuchen und Ausartungen der 
lehns- und grundherrlichen -^^nsprüche die vorbezeichnete Unsitte 
sich ausbildete. 

Voltaire meint, es sei schwer zu ermitteln, ob die Herren 
sich damit begnügten, ein Bein in das Bett der jungen Frau zu 
legen, wie es bei Verheirathung einer Prinzessin durch Stell- 
vertreter geschehe, oder ob sie beide Beine hineingelegt hätten ®. 
Diese Bemerkung enthält eine Anspielung auf das jus primae 
noctis und erinnert an die Erzählung von Du Verdier; sie kann 
aber nicht ernst gemeint sein ; denn es ist nicht anzunehmen, dass 
derartige Förmlichkeiten, wenn sie überhaupt beobachtet wurden, 
anders als in Gegenwart von Zeugen und in hergebrachter Art 
stattfanden ^. Ebenso unbegründet ist die umgekehrte Vermuthung 
anderer Schriftsteller, die im droit de cuissage oder jambage einen 
Ueberrest des älteren „droit de prelibation" zu finden meinend 
ISifiht minder ungerechtfertigt ist die Meinung®, das droit de 



* Vgl. unten Kap. 70. 

' Voltaire, ^d. Beaumarchais, Bd. 29 S. 460. Dict. Acad. suppl. und 
compl. unter Cuissage. Littr^ unter Cuissage. 

' Voltaire, 6d. Beaumarchais, Bd. 29 S. 460. Dict. Acad. compl. unter 
Jambage. Littr4 unter Jambage. 

* Aeneas Silvius S. 84, 85. Stryk lib. 2 tit. 2 § 31. Weinhold S. 269. 
Delpit S. 93. Kulischer S. 218, 219. 

* Voltaire, D6f. de mon oncle. 

^ Das Besteigen des Brautbettes vor Zeugen wird als indogermanische Sitte 
geschildert, A. Weber Bd. 5 S. 209, 279, 401, 410, 412. — Die Annahme, dass 
eine derartige Förmlichkeit den Vorwand zu schändlichen Handlungen hätte 
bieten können, ist mit guten Gründen widerlegt im Kommissionsbericht der 
franz. Akademie der Inschriften vom 11. Aug. 1854, Berger de Xivrey S. 24, 25. 

' Dict. Acad. compl. unter Jambage. 

8 Encycl. 1. Ausg. unter Droits abusifs. Voltaire Ausg. Iß IQ ^^, ^^ 



56 Kapitel 12. Heirathsbeschränkung der Vasallen und Hörigen. 

cttissage oder jambage sei gleichbedeutend mit dem eigentlichen 
Herrenrecht der ersten !Nacht ; insbesondere die Vorstellung *, dass 
zur Bezeichnung dieses Rechts anfanglich der Ausdruck cullage 
gedient habe, und dass an dessen Stelle das Wort cuissage getreten 
sei. Das droit de cullage war eine Heirathsabgabe ^ und hatte 
keine Verwandtschaft mit dem vorbezeichneten droit de cuisse^. 

F. Heiraihsbeschränkung der Vasallen und Hörigen. 

Kapitel 13« Im neunzehnten Jahrhundert ist die Meinung 
aufgestellt und vertheidigt worden, das Herrenrecht der ersten 
Nacht sei dadurch entstanden , dass die Vasallen und Hörigen zu 
ihren Heirathen die Erlaubniss der Lohns- und Grundherren hätten 
einholen müssen*. „Diese Dazwischenkunft des Herrenwillens 
bei den Heirathen war bei einigen Lehen der Ursprung eines 
schändlichen Anspruchs, dessen Endzweck mehr dahin ging, von 
dem zahlungsfähigen Ehemann Geld zu erpressen (und er zahlte 
immer), als einen schuldbaren und schändlichen Act der Ty- 
rannei auszuüben (droit de marquette, braconnage, cuissage, scoz- 
zonaria)." ^ „Es ist leider nur zu gewiss, dass das berüchtigte 



S. 49 und Bd. 24 S. 260. CoUin de Plancy Bd. 1 S. 164, 165. Kolb 1843, 
Bd. 2 S. 73. Schaffner Bd. 2 S. 184, 185. Cutchet bei Marichalar Bd. 6 
S. 498. Marichalar Bd. 6 S. 69. Kulischer S. 223. Liebrecht 1879, S. 417. 

* Voltaire, Dict. phil. unter Culage. 

« Vgl. Kap. 3 (S. 14) und Kap. 18 S. 94 ff. 

' Jules Delpit (S. 127) berichtet, bei Berufung der „^tats g^n^raux", im 
Jahr 1789, hätte die s^n^chauss^e von Dijon Abschaffung des ^droit de jam- 
bage" oder der zum Ersatz desselben eingeführten Rechte verlangt. Der 
Inhalt der betreffenden Bittschrift ist mir nicht bekannt; vermuthlich betraf 
sie Heirathsabgaben der serfs de formariage. Vgl. unten Kap. 59. — In 
einer spanischen Gemälde-Ausstellung erschien vor einigen Jahren ein Bild, 
^orin das ,^derecho de pernada" behandelt war; in der Beurtheilung dieses 
Bildes machten die Zeitungen Madrids geltend, dass ein solches Recht in 
Spanien niemals bekannt gewesen sei. Darüber schrieb mir am 31. März 1877 
Herr Vicente de la Juente (damals Rector der Universität zu Madrid): . . . ^del 
llamado jus primcie noctis en Espana. Entre nosotros no fue conocido ese 
derecho inmoral y abominable. Aqui lo llaman los historiadores derecho de 
pernadtty equivalente a la gamhada de Italia. Hace pocos anos se presento 
en una exposicion de pinturas un cuadro que representaba ese derecho y la 
prensa de Madrid lo consider6 como un error historico, y negö que ese de- 
recho fuera conocido en Espana. Yo no he hallado vestigios de el y los diplo- 
maticos a quienes he consultado me dicen lo mismo.^ 

* Kolb 1843, Bd. 2 S. 66, 72, 73. Cibrario Bd. 1 S. 38. Sugenheim 1861, 
S. 103. Scherr 1866, S. 128—130. v. Hellwald S. 494. 

^ Cibrario Bd. 1 S. 38. Der Ausdruck ^scozzonaria^, den ich sonst nir- 



Kapitel 12. Heirathsbeschränkung der Vasallen und Hörigen. 57 

Kecht der ersten Nacht der Gewohnheit vieler Seigneurs seinen 
Ursprung verdankt, nur um den schändlichen Preis, den es be- 
zeichnet, ihren heirathslustigen Grundholden die fragliche Erlaub- 
niss zu ertheilen." * 

In der That bestand an vielen Orten der Rechtssatz, dass 
Vasallen oder Hörige zur Verheirathung einer Tochter die Ge- 
nehmigung des Lehns- oder Grundherrn nachsuchen mussten. Dies 
erklärt sich aber durch die Natur dieser Bechtsinstitute. 

Im Lehnrecht war die Heirath einer Vasallentochter von 
Einfluss auf die Rechte des Lehnsherrn. Wäre nämlich die Wahl 
ihres Gatten völlig frei gewesen, so hätte ein Unwürdiger oder 
gar ein Todfeind- des Lehnsherrn durch Heirath in den Besitz 
des Lehens gelangen können^. Deshalb hatte nach manchen 
Lehnsgewohnheiten der Lehnsherr für die Verheirathung der Va- 
sallin Sorge zu tragen, und die Letztere war verpflichtet, aus den 
ihr durch den Lehnsherrn vorgeschlagenen Männern den Gatten 
zu wählen^. Jedenfalls entsprach es den Pflicliten der Lehns- 
treue, dass ein Vasall seine Tochter nur mit Zustimmung des 
Lehnsherrn verheirathete. Die Verletzung dieser dem Lehnsherrn 
schuldigen Rücksicht wurde, nach manchen Lehnsgesetzen mit 
dem Verlust des Lehens bestraft*. In Frankreich hatte nach 
einer Verordnung Ludwigs des Heiligen vom Jahr 1256 der Vor- 
mund einer Vasallin dem Lehnsherrn Sicherheit dafür zu leisten, 
dass sie nicht ohne seine Einwilligung heirathen würde ^; doch 
wurde seit dem fünfzehnten Jahrhundert das Erforderniss der 
lehnsherrlichen Erlaubniss aufgehoben ^ In England^ bildete 



nirgends gefunden habe, scheint mit scozzonare (d. h. ein Pferd abrichten) 
und scozzone (d. i. der die Pferde zum ersten Mal zureitet) zusammenzuhängen. 

1 Sugenheim 1861, S 103. 

' Vgl. Assises de Jerusalem, chap. 191, 102, 242, und l^tablissements de 
Saint-Louis, liv. 1 chap. 61, bei Dalloz, R6p. Bd. 1 S. 82, 84. Michelet 
S. 258. Bouthors Bd. 1 S. 473. Raepsaet 8. Ausg. S. 10, 11. 

» GlanviUa lib. 2 cap. 12 § 1. Dalloz, R6p. Bd. 1 S. 82, 83. 

* Schilter, Pand. lib. 36 § 32, S. 842. Bouthors Bd. 1 S. 473. Dalloz, 
R6p. Bd. 1 S. 82—84 und S. 130. Raepsaet 3. Ausg. S. 10—12 und S. 14. — 
Als Graf Guido von Flandern seine Tochter Philippine mit Eduard von Eng- 
land verheirathen wollte, suchte er die Genehmigung des Königs Philipp 
von Prankreich nach; doch erhielt er die Antwort, als freier Herr könne er 
über seine Tochter verfügen, wie ihm belieb^. XJrk. in Joh. Iperii Abb. 
Chronicon Sythiense S. Bertini, cap. 53, pars 5, bei Martine Bd. 3 S. 768. 

* Dalloz, R^p. Bd. 1 S. 84. Schilter, Pand. 36 § 82 S. 342. 
« Dalloz, Rep. Bd. 1 S. 130. 

' Die Justitiarien hatten darauf zu achten, ob Kronlehen durch Todesfall 
in die Hände von Weibern kamen. (Assisae Henricl B.e^\Ä ^^.iiXää ^"^>öä. 



58 Kapitel 12. Heirathsbeschränkung der Vasallen und Hörigen. 

sich der Grundsatz aus, dass ein Vasall das Lehen verwirkte, 
wenn er eine Tochter verheirathete , ohne die Genehmigung des 
Lehnsherrn nachgesucht zu haben, .dass aber andererseits der 
Lehnsherr nur aus gerechter Ursache die Erlaubniss versagen 
durfte und andernfalls die Genehmigung unentgeltlich ertheilen 
musste *. Hauptsächlich konnte die Erlaubniss versagt werden, 
wenn die Tochter an einen Feind des Lehnsherrrn vermählt 
werden sollte^. 

Die Leibeigenschaft oder Hörigkeit war in der Hof- 
verfassung so geordnet, dass alle Hörigen eines Hofgutes unter 
Vormundschaft des Hofbesitzers standen^; dort war es natürlich, 
dass sie nur mit Zustimmung des Hofbesitzers heirathen durften. 
Allein auch anderwärts konnte sich aus der rechtlichen Stellung 
des Grundherrn zu seinen Hörigen der Rechtssatz entwickeln, 
dass zu jeder Heirath eines Hörigen die Genehmigung des Grund- 
herrn nachgesucht werden musste*, weil jede Heirath auf Er- 
füllung der Dienste, zu denen der Hörige verpflichtet war, einen 
wesentlichen Einfluss ausübte. Dadurch erklären sich die Rechts- 



Clarendon et renovatae apud Nortbamtune , Nr. 16, bei Pbilipps, R.-G. Bd. 2 
S. 81). — Bei Kronleben musste der Vasall die Zustimmung des Königs nacb- 
sucben, wenn er eine Tochter, Seb wester, Nicbte oder sonstige Verwandte 
verbeirathen wollte. (Leges Henrici primi, cap. 1 § 3, bei Scbmid S. 433. 
Macpberson S. 196. Pbilipps, R.-G. Bd. 1 S. 121.) — Die Erbin eines Va- 
sallen blieb aucb naeb erlangter Grossjäbrigkeit bis zur Verbeiratbung (wozu 
die Einwilligung des Lebnsberrn nötbig war) unter Lebnsvormundscbaft 
(Glanvilla lib. 2 cap. 12 § 1). Starb dann ibr Ebegatte, so trat sie zwar 
nicbt in die Vormundscbaft des Lebnsberrn zurück; docb bedurfte sie gleicb- 
wobl zur Wieder verbeiratbung, mit dem durcb sie selbst gew&blten Gatten, 
der Genebmigung des Lebnsberrn. (Leges Henrici primi, cap. 1 § 4, bei 
Scbmid S. 433. Glanvilla lib. 7 cap. 12 § 5. Fleta lib. 1 cap. 13 J§ 6.) 

* Leges Henrici primi, cap. 1 § 3, bei Scbmid S. 433. Glanvilla lib. 7 
cap. 12 §§ 1—5. Fleta lib. 1 cap. 13, de maritagiis. Bei Glanvilla beisst 
es in § 2 : „si quis licentiam quaerit a domlno suo flliam suam et beredem 
alicui maritandi, tenetur dominus aut consentire aut justam causam ostendere. 
quare consentire non debeat, aliter enim etiam contra ipsius voluntatem 
poterit mulier ipsa de consilio patris sui et pro voluntate libere maritari.*^ 

' Leges Henrici primi, cap. 1 § 3, bei Scbmid S. 433: . . . „neque ei 
defendam, quin eam det, excepto si eam jüngere vellet inimico meo.^ — 
Glanvilla lib. 7 cap. 12 § 2: ^ . . „requirenda est ipsius domini ad id facien^ 
dum voluntas et assensus, ne de inimico suo vel alio modo minus idonea 
persona bomagium de feodo suo cogatur recipere.'' — Fleta lib. 1 cap. 13 
§ 16: ... „ne forte capitalibus inimicis Regis maritentur.^^ 

ä Kindlinger § 6 S. 15. 

♦ Vgl. G Waitz Bd. 5 S. 239 („Das Recbt dazu berubt ebne Zweifel in 
der Scbutzgewalt, die der Herr batte^')? v. Düriogsfeld S. 20. 



Kapitel 12. HeirathsbeschränkuDg der Vasallen und Hörigen. 59 

bestimmuDgen, wonach alle Hörigen, oder wenigstens die Mitglie- 
der gewisser Klassen von Hörigen, zu ihrer Verheirathung die Ge- 
nehmigung des Grundherrn nachsuchen mussten *. Der Mangel der 
grundherrlichen Zustimmung zu einer Heirath unfreier Personen 
war zwar nach einer Entscheidung des Papstes Hadrian vom 
Jahr 790^, womit das bürgerliche Recht in den meisten christ- 
lichen Ländern übereinstimmte, kein Grund, die Ehe für nichtig 
zu erklären^; wohl aber bildete jener Mangel nach manchen Orts- 
rechten ein aufschiebendes Ehehinderniss *, und es waren Rechts- 
nachtheile und Strafen für den Fall festgesetzt, dass Heirathen ohne 
Genehmigung des Grundherrn geschlossen wurden ^ Indessen fin- 
den sich nur wenige Orts- oder Personalrechte, in denen die grund- 
herrliche Genehmigung als allgemeines Erforderniss für Heirathen 
der Hörigen unbedingt aufgestellt ist. Nach manchen Rechten 
konnte ein Mangel der grundherrlichen Genehmigung durch den 
Richter ergänzt werden^. Für Heirathen unter Genoasen war 



* Vgl. über Luxemburg Guicciardini S. 452 und v. d. Schelllng S. 146. — 
In einer Denkschrift, die an König Philipp von Frankreich gerichtet Wurde, iBt 
gesagt, dass in Corbie an der Scheide etwa tausend Personen nicht ohne Zu- 
stimmung der Abtei heirathen dürften. (M6m. Pic Bd. 2 S. 341, unter Nr. 7.) 
— Nach einigen englischen Ortsrechten bedurften die Bauern der grundherr- 
lich'en Erlaubniss, wenn sie eine Tochter verheiratheten oder einen Sohn 
Priester werden Hessen. Vgl. die Urkunden aus Brayles (Grafschaft Warwick) 
und Clymeslond (Grafschaft Cornwall) bei Hazlitt S. 37, 77, 78, und bei Astle 
S. 37. — Im Allgemeinen vgl. Ducange unter Maritagium; Heineccius, Elem. 
lib. 1 tit. 1 § 46; Dalrymple Bd. 1 S. 322; Raepsaet 3. Ausg. S. 12, 13; 
Grimm, R.-A. S. 383, 384. 

* C. 1 X. de conj. serv. (4, 9). Vgl. Zöpfl Bd. 2 S. 138. 

3 V. Raumer Bd. 5 S. 25. Warnkönig Bd. 2 § 86. v. Maurer Bd. 3 S. 151, 
§ 464 Pertile S. 13, 14. Laboulaye S. 327. — Solche Ehen wurden aller- 
dings bisweilen, wie es scheint, bürgerlich ignorirt. Vgl. Kindlinger S. 117; 
Mone S. 133; Mevius, pars 5 dec. 129; Heineccius, Elem. lib. 1 tit. 1 § 46. 
Doch war keineswegs (wie v. Hellwald S. 494 voraussetzt) die Nichtigkeit 
einer solchen Ehe ein allgemeiner Grundsatz im christlichen Europa. 

* Raepsaet 3. Ausg. S. 13. Walter , K -R. § 314. Richter , K.-R. § 267. 
Vering, K.-R. § 203. 

* Cowel, Inst. lib. 1 tit. 10 § 14. Potgiesser lib. 2 cap. 2 §§ 19—21. 
Heineccius, Antiq. Bd. 2 Th. 1 S. 473, 474. v. Arx Bd. 2 S. 167. Kindlinger 
§§ 39, 45, 47, S. 158, 159, 184, 185, 193. Mone S. 133, 134. Cibrario (Bar- 
neaud) Bd. 1 S. 38. v. Maurer Bd. 3 S. 153—157, §§ 465, 466. Lagr^ze 1864, 
S. 130. Pertile Bd. 3 S. 42. Vgl. auch unten S. 60 Anm. 6 und S. 61 Anm. 1. 

« Cout. de Norm. Art. 231, 233. Mittermaier Bd. 1 § 93. — Vgl. Danz 
Bd. 6 S. 45, § 544: ,,In Ermanglung besonderer gesetzlicher Bestimmungen 
bleibt es Regel des gemeinen Rechts, dass bei den ehelichen Verbindungen 
der Leibeigenen die Einwilligung des Leibherrn zwar erfoTdex\\5i\v '\eX. .^ ^^^'^ 



60 Kapitel 12. Helrathsbeschränkung der Vasallen und Hörigen. 

bisweilen nur bei Standesunterachied der Brautleute eine grund- 
herrliche Erlaubniss erforderlich*; oder es galt der Grundsatz, 
dass dieselbe zwar nachgesucht werden musste, aber nicht 
verweigert werden konnte^. Noch häufiger war den Hörigen 
allgemein gestattet, innerhalb der Herrschaft ihres Grundherrn 
frei zu heirathen, ohne dazu einer Genehmigung zu bedürfend 
Zuweilen waren auch Heirathen zwischen hörigen und freien 
Personen allgemein erlaubt*, und nur Heirathen unter Hörigen 
verschiedener Herrschaften (TJngenossen) an die Genehmigung 
eines der beiden oder beider Grundherren gebunden^. In zahl- 
reichen Urkunden finden sich Bestimmungen über das Verbot 
solcher ungleichen Heirathen ^ und Strafbestimmungen für Ueber- 



aber doch dieser die Heirathen seiner Leibeigenen weder ohne rechtliche 
Ursache zu hindern noch nach Gefallen anzubefehlen berechtigt ist; in 
Streitfällen tritt Erkenntniss des Richters ein.^^ Es lässt sich darüber streiten, 
was Ausnahme und Regel ist. 

» Urk. V. 1166 und 1380, bei Kindlinger Nr. 12 und 131, S. 240 und 486. 

2 Danz § 544, Bd. 6 S. 44. v. Arx Bd. 2 S. 166, 167. Vgl. auch die in 
Kap. 20 S. 107 erwähnten XJrkanden, die sich dahin ausdrücken, dass für die 
Heirathserlaubniss unter Genossen keine Abgabe zu entrichten sei. 

2 Vgl. Osenbrüggen, Stud. S. 92. — Urkundlich war für einige Hörige aus- 
drücklich bestimmt, dass sie zu Heirathen unter Genossen keiner Erlaubniss 
bedurften, z. B. durch Urk. v. 1086, bei Lacomblet Bd. 1 S. 154, Nr. 239 ; von 
1181, bei Piot Nr. 103, Bd. 1 S. 140, 141; v. 1223, bei Pertile Bd. 3 S. 42, § 89. 

* Vgl. V. Arx Bd. 2 S. 167, 168; BluntschU Tbl 1 § 17 B, S. 188, 189; 
Osenbrüggen, Stud. S. 93; v. Maurer § 467, Bd. 3 S. 161, 162. 

* Damit sollte der Verlust von Arbeit und Einnahme, sowie jeder Streit 
unter den beiderseitigen Grundherren verhütet werden. Vgl. Mone S. 131. 

* Papst Gregor der Grosse erliess ein Verbot gegen den Auszug der 
Colonen der römischen Kirche (S. Gregor. Epist. lib. 10 epist. 28, S. 1022. 
Pertile Bd. 3 § 88 S 33). — Freie Personen, die auf ihren Wunsch in die 
Altarhörigkeit einer Kirche, eines Klosters oder eines Stifts eintraten, mussten 
bei ihrer Aufnahme nicht selten ausdrücklich für sich und ihre Nachkom- 
men versprechen, nur innerhalb der Herrschaft oder mit besonderer grund- 
herrlicher Erlaubniss zu heirathen. Vgl. z. B. Urk. v. 1086, bei Lacom- 
blet Bd. 1 S. 154, Nr. 239; vom 13. März 1425 und vom Jahr 1427, bei 
Mone S. 147, 148. Viele Altarhörige von Sanct-Trond bedurften zu Hei- 
rathen unter Ungenossen einer speciellen Erlaubniss des Abtes. Vgl. die Ur- 
kunden des Abtes Wiricus v. 1150—1180, des Abtes Christian v. 1208, 1209, 
1212, 1213, 1217 und März 1222, und des Abtes Thomas v. 14. Juli 1240, bei 
Piot Nr. 66, 120, 122, 131, 132, 138, 141, 166, Bd. 1 S. 89, 160—163, 170, 
175, 177, 178 und 201. Die Erlaubniss musste nach einer Urkunde v. 1088, 
bei Piot Nr. 20, Bd. 1 S. 27, vom Custos, dagegen nach einer Urk. von 
1072—1075, bei Piot Nr. 17, Bd. 1 S. 24, sowohl vom Abt wie vom Custos 
eingeholt werden. Nach einigen Urkunden von Sanct-Trond war die Ver- 
pflichtung, zu Heirathen mit Ungenossen die Erlaubniss einzuholen, allgemein 



Kapitel 12. Heirathsbeschränkung der Vasallen und Hörigen. gl 

tretung der Vorschriften über Einholung der Heirathserlaubniss *. 
Das Verbot, sich mit Ungenossen zu verheirathen, galt bei einigen 
Hörigen nur für die Männer 2, bei andern nur für die Töchter 
der Hörigen ^ ; daneben gab es auch Hörige, die ohne Unterschied 



ausgesprochen, mochte die Braut oder der Bräutigam zur Abtei gehören. 
Diesen Inhalt haben die Urkunden des Abtes Christian v. 1208, 1210, 1211 
und 1212, bei Piot Nr. 119, 124, 126 und 129, Bd. 1 S. 160, 164 und 168. 
Weit häufiger aber war die Erlaubniss (licentia, gratia oder misericordia 
abbatis) nur dann erforderlich, wenn der Mann, nicht wenn die Frau zu den 
Altarhörigen gehörte. Dahin gehören die Urkunden des Abtes Gerardus von 
1152, des Abtes Wiricus v. 1156—1180, 1158 (zwei) und 1172, des Abtes 
Nicolaus V. 1180—1198 und 1191 und des Abtes Christian v. 1193 — 1222, 
1200, 1210, 1212, 1216 und 1217, bei Piot Nr. 60, 65, 68, 69, 91, 101, 111, 
114, 117, 125, 130, 185 und 136, Bd. 1 S. 83, 88, 91, 92, 121, 139, 151, 155, 
158, 165, 169, 173 und 174. Dies erklärt sich dadurch, dass der Eintritt in 
die Altarhörigkeit mit erheblichen Vortheilen verbunden war. Vgl. Kap. 20 
S. 106. — Nach einer Entscheidung des Erzbischofs Friedrich zu Köln v. 1120 
(bei Rive S. 390, 391, Brewer S. 437—439, Binterim Bd. 3 S. 86—88 und 
Sommer S. 30, 31) war bei allen Censualen des Sanct- Victor-Stifts von Xanten 
zu Heirathen unter Genossen nur die Genehmigung des Propstes, dagegen 
zu Heirathen unter Ungenossen die Erlaubniss des Hofgerichts (der curia) 
zu Bienen bei Rees erforderlich. — Vgl. auch die Urk. aus Werden v. 1125 
bis 1141 bei Crecelius Bd. 7 S. 25, Nr. 129. 

* Durch eine Urkunde der Abtei Schwarzrheindorf (bei Bonn) v. 1172, bei 
Lacomblet Bd. 1 S. 309, 310, Nr. 444, wurden die Eigenhörigen des dortigen 
Klosterhofes in den Stand der Wachszinsigen erhoben, mit der Bestimmung, 
dass ein Mann, der sich mit einer Ungenossin ohne besondere Erlaubniss der 
Aebtissin verheirathe, in den Stand der Eigenhörigkeit zurückfalle und ein 
ihm etwa durch die Kirche verliehenes Beneftcium für seine Lebenszeit ver- 
lieren sollte; auch sollten seine Erben zur Wiedererlangung dieses Beneftcium 
die Genehmigung der Aebtissin nachsuchen. — Ausführliche und mannigfache 
Strafbestimmungen für Heirathen unter Ungenossen finden sich in dem De- 
cretum Capitull Monasteriensis ratione Cerocensualium v. 1272 oder 1372 (bei 
Binterim Bd 3 S 404, 405, Nr. 234, Kindlinger M. B. Nr. 58, S. 327-329, 
Grimm Weisth. Bd. 3 S. 126, 127), wodurch das Domstift zu Münster die 
Rechtsverhältnisse seiner Wachszinsigen feststellte. Diese Bestimmungen wur- 
den auf der Synode zu Münster vom 11. Oct. 1405 (Kindlinger M. B. Nr. 60, 
S. 332—335) feierlich bestätigt. — Nach der bei Potgiesser S. 365 (ohne An- 
gabe des Datums) mitgetheilten Urkunde konnte die Sanct-Pelagius-Kirche zu 
Oberreitenau von den Gotteshausleuten, die sich mit Ungenossen verheiratheten, 
eine willkürliche Busse erheben. — Gräftn Mathilde von Nevers ertheilte durch 
Verordnung von 1235 allen ihren Hörigen die Erlaubniss, ihre Töchter auch 
ausserhalb der Herrschaft zu verheirathen und ihnen ihre Möbel mitzugeben; 
doch fiel alsdann ihr Erbgut der Herrschaft anheim. (Coquille cap. 8 art. 16, 
S. 826, 327; MorcUet Bd. 1 S. XXXIX.) — Vgl. auch S. 59 Anm. 5. 

* Vgl. oben Anm. 6 (auf dieser Seite). 

> Potgiesser lib. 2 cap. 2 § 20, S. 365, 366. Warnkönig Bd. 2 § 86, 
S. 282. Weinhold S. 194. Mone S. 130, 131. v. Maurer Bd. 3 S. 146— Iftft^ 



62 Kapitel 12. Heirathsbeschränkung der Vasallen utad Hörigen. 

des Geschlechts sich frei verheirathen konnten , ohne einer grund- 
herrlichen Erlaubniss zu bedürfen *. 

Häufig schlössen die Herrschaften miteinander Verträge ab, 
um Heirathen zwischen den beiderseitigen Hörigen zu erleich- 
tern *. Durch derartige Verbrüderungsverträge wurden solche 
Heirathen allgemein erlaubt, z. B. von Dienstleuten des Bi- 
schofs zu Regensburg mit denen des Herzogs von Bayern^; von 
Unterthanen des Bischofs von Freisingen mit Unterthanen des Kö- 
nigs von Böhmen und Herzogs von Oesterreich, sowie mit Unter- 
thanen des Bischofs von Augsburg, des Domkapitels zu Freisingen 
und einiger anderer geistlicher Herrschaften^; von Unterthanen 

§§ 464—469. Hanauer S. 126—129, 134. Osenbrüggen, Stud. S. 93. Pertile 
Bd. 3 § 89 S. 42, 53. — Die bei Pertile Bd. 3 S. 42 abgedruckte Sentenza 
della M. Corte sui diritti de' nobili dl Sorrento vom Jahr 1223 entschied, dass 
die Bauern der Herren von Sorrent, mit Ausnahme der Soldaten, die Geneh- 
migung des Herrn nachsuchen mttssten, wenn sie einen Sohn in den geistlichen 
Stand treten oder eine Tochter an einen Fremden verheirathen wollten. — 
Nach einem Zinsbuch vom Jahr 1538, bei Mazure S. 171, bedurften die 
questaux (Schutzhörigen) zu Rividre-Basse der Genehmigung des Grundherrn, 
um ihre Töchter mit freien Männern zu verheirathen. 

* Vgl. die Urkunden des Herzogs Friedrich von Lothringen v. 1059 und 
des Abtes Gerttrdus von Sanct-Trond v. 1151, bei Piot Nr. 13 und 59, Bd. 1 
S. 18 und 82 (worin ein solches Vorrecht einiger Altarhörigen von Sanct- 
Trond ausdrücklich festgestellt ist); Urk. v. Juni 1260, Art. 4, bei Cassany- 
Mazet S. 285 (wodurch ein derartiges Recht den Bewohnern von Villeneuve- 
sur-Lot durch den Grafen Alphons von Toulouse und Poitiers ertheilt wurde). 
Vielleicht gehört hierhin auch das Privileg des Erzbischofs Bruno II. zu Köln 
von 17. Juli 1134, bei Kindlinger Nr. 9, S. 235, 236 und bei Seibertz Nr. 91, 
Bd. 1 S. 126, 127, worin das Recht einiger Kirchenhörigen erneuert wird, 
„sine mundiburnio^ zu heirathen. (Mundiburnium ist abzuleiten von mundi- 
burnus, d. i. patronus, defensor, tutor, Vogt. Vgl. Ducange unter Mundi- 
burnium und Mundiburnus; Dalloz, R^p. Bd. 1 S. 98 und die Urkunden bei 
Seibertz Nr. 4, 8, 18, 23, 34 und 90, Bd. 1 S. 5, 9, 21, 25, 39 und 125, bei 
Mone S. 141 Note 8 und bei Hanauer S. 123.) 

2 V. Raumer Bd. 5 S. 25. Häberlin S. 170—172. Mone S. 138, 139. — Auch 
durch schiedsrichterlichen Ausspruch konnten solche Rechtsverhältnisse ge- 
ordnet werden. Vgl. Urk. v. Juli 1222, bei Kindlinger Nr. 19 S. 255, 256. 

3 Vertrag v. Jahr 1213, bei Dumont Bd. 1 S. 145, Nr. 272 (wonach das 
erste Kind dem Vater folgt). 

♦ Urkunden vom 4. Dec. 1266, 29. März und 80. Oct 1268, 18. Mai 1277, 
30. Jan. 1316 u. a. m. bei Melchelbeck, Instrum. Nr. 84, 94, 95, 133, 240, 
S. 54, 60, 80 und 153. In diesen Verträgen ist verabredet, dass die Kinder 
getheilt werden sollten, jedoch ist auffallenderweise über die Art der Theilung 
Nichts gesagt. Vgl. Häberlin S. 172. Anderwärts war es üblich, nach Ana- 
logie von Justinian's Nov. 162 cap. 3 dem Herrn der Frau das erste Kind zu- 
zutheilen. Vgl. die folgende Note, auch Laboulaye S. 329 und den dort er- 
wähnten Prozess vom Jahr 1262 in Olim Bd. 1 S. 164, 165. — Die Meinung 



Kapitel 12. Heirathsbeschränkuog der Vasallen und Hörigen. 63 

des Pfalzgrafen bei Rhein und Herzogs von Bayern mit denen des 
Abts von Roth*; von Hörigen des Stifts Trier mit Hörigen des Stifts 
Sanct-Maximin ^ ; von Hörigen des Domkapitels zu Konstanz mit 
denen des Klosters Petershausen ^; von Hörigen des Klosters Sanct- 
Georgen mit denen der Herren von Homburg*; und von Hörigen 
der verbündeten Abteien Zürich, Reichenau, Sanct-Gallen und Ein- 
siedeln untereinander^. Die Abteien Sanct-Gallen und Pfeffers 
schlössen sogenannte ,,Raub- und Wechselverträge ** mit zahlreichen 
Stiftern und Klöstern. Danach waren die Heirathen unter den bei- 
derseitigen Hörigen im Voraus genehmigt, und die Frau wurde Hö- 
rige derselben Grundherrschaft, zu welcher der Mann gehörte, so- 
fern der Bräutigam vor der Hochzeit an den Grundherrn der Braut 
für deren „Raub** drei Pfennige und ein Paar Handschuhe gab *. 
Wo die Heirath zwischen einer freien und hörigen Per- 
son verboten war, konnte eine Aushülfe dadurch geschaffen 
werden, dass entweder die unfreie Person losgekauft oder sonst 
freigelassen wurde ^, oder die freie Person in die Hörigkeit 
eintrat®. Wo ein Verbot gegen Heirathen von Hörigen ver- 
schiedener Herrschaften bestand, konnte dadurch geholfen wer- 
den , dass der Bräutigam oder die Braut durch Verkauf ^, 



Häberlin's (S. 172), dass seit dem vierzehnten Jahrhundert Heirathen zwischen 
Hörigen verschiedener Herren, unter Vorbehalt der Theilung der Kinder, 
völlig frei gewesen seien, ist in ihrer Allgemeinheit nicht richtig. 

^ Pactum Ottonis 111. Baj. Ducis cum Abbate Rotensi circa Manclpia mu- 
tua, vom 19. Jan. 1233, Mon. Boica Bd. 1 S. 377, Nr. 20. Vgl. v. Raumer 
Bd. 5 S. 25. In diesem Vertrage ist bestimmt, dass die Kinder aus solchen 
Ehen unter den beiden Herrschaften „equaliter dividantur, ita tamen, quod 
ab eo incipiat particio liberorum, de cujus familla mater est^^ 

< Kindlinger § 45 unter f. 

3 Vertrag vom 22. Oct. 1297, bei Mone S 153. 

♦ Vertrag vom Jahr 1450, bei Mone S. 154. 

^ Liber mancipiorum monasteril Thuricensis in der Zeitschr. f. Schweiz. R. 
Bd. 4 Abth. 2 B, S. 98, 99; Oefnung von Hirslanden und Stadelhofen, daselbst 
S. 79 und bei Grimm, Weisth. Bd. 4 S. 321, 322. Osenbrüggen, Stud. S. 95, 
96. Vgl. auch Kyburger Oefnung aus der Zeit vor 1506, Art. 3, bei Grimm, 
Weisth. Bd. 1 S. 22. 

« V. Arx Bd. 2 S. 167, 168. Osenbrüggen, Stud. S. 94. Vgl. auch Oefnung 
von Tannegg und Fischingen von 1432, bei Grimm, Weisth. Bd. 1 S. 282. 

' Vgl. Urk. V. 1081—1105, bei Lacomblet Bd. 1 S. 172, Nr. 266; von 1443 
und 1478, bei Mone S. 169—171 ; aus der Zeit um 1037, bei Gu^rard Bd. 2 S. 354. 

» Urk. V. 12. Nov. 1020, bei Lacomblet Bd. 1 S. 97, Nr. 157. Urk. v. 1079, 
bei Dronke 1850 Nr. 766, S. 372. Urk. v. 1101—1131 bei Seibertz Nr. 39, 
Bd. 1 S. 44, 45. Urk. v. 1462, 1466, 1472 und 1476 bei Mone S. 148—150. 

9 Urk. V. 1247, 1280, 1337, 1339, 1356, 1388, 1395 und 1410 bei Mone 
S. 161—166. Kindlinger §§ 29, 45. 



64 Kapitel 13. Heiratbsabgaben. 

Tausch * oder Schenkung * in die andere Hörigkeit überging, 
oder dass die beiderseitigen Grundherren sich über eine solche 
Heirath anderweitig verständigten^. 

So weit und so lange zur Heirath von Hörigen eine grund- 
herrliche Genehmigung erforderlich war, bestand die Möglichkeit, 
diese Genehmigung von Gegenleistungen abhängig zu machen*; 
doch ist anzunehmen, dass nur solche Gegenleistungen gefordert 
werden durften, die dem Herkommen und der Billigkeit ent- 
sprachen. Obwohl es nicht undenkbar ist, dass einzelne Grund- 
herren die Gewalt über ihre Hörigen missbrauchten ^ und die Er- 
theilung der Heirathserlaubniss von unsittlichen Zumuthungen 
abhängig machten, so spricht doch für derartige Missbräuche keine 
Vermuthung, und die einzelnen Fälle müssten streng bewiesen 
werden. Geschichtlich festgestellt ist meines Wissens kein einziger 
Fall dieser Art. 

« 

G. Heirathsahgahen (im Allgemeinen), 

Kapitel 13« Dass alle Heirathsabgaben, die im Mittelalter 
oder in neuerer Zeit von Hörigen (Leibeigenen) an deren Grund- 
herren zu entrichten waren, oder wenigstens viele dieser Ab- 
gaben, durch Ablösung des Herrenrechts der ersten Nacht ent- 
standen seien und insofern die frühere Herrschaft desselben 
bewiesen, wird von vielen Schriftstellern des achtzehnten und 
neunzehnten Jahrhunderts entweder für möglich gehalten, oder 
als bestimmte Vermuthung ausgesprochen, oder ausdrücklich 
behauptet, oder als bekannte Thatsache behandelt ^ Die En- 



* Sachsenspiegel Tbl. 1 Tit. 52 § 1. Zobel Fol. 131. Die oben (S. 61, 
Anm. 6) erwähnte Urk. v. 1120. Urk. v. 1290, 1296, 1297, 1328 und 1348, 
bei Mone S. 156—161 und S. 312. Kindlinger §§ 28, 45. Potglesser lib. 2 cap. 2 
§ 22. Hurter Bd. 3 S. 495, 496. Laboulaye S. 328, 330. 

« Urk. von 1081—1105, bei Lacomblet Bd. 1 S. 172, Nr. 266. Urk. v. 1273 
und 1300, bei Mone S. 167, 168. 

» Urk. V. 1242 bei Saint-Foix Bd. 2 S. 133, 134 und bei Dulaure, Adel 
8. 233. Urk. v. 1290, 1294, 1401 und 1462 bei Mone S. 151—153. v. Arx 
Bd. 2 S. 167. 

♦ lieber Heirathsabgaben s. Kap. 13—25. * Vgl. Delisle S. 75. 

« Grand Vocab. unter Culage und Marquette, Bd. 7 S. 308, Bd. 17. S. 236. 
Diss. S. Claude, Anh. S. 133, 134. CoUin de Plancy Bd. 1 S. 17i2. Ewers 
8. 72. Pastoret, Ord. Bd. 18 8. XVI. Raynal Bd. 2 8. 209. Noordewier 
8. 160. Bonnem^re Bd. 1 8. 59, 60. LaferriAre Bd. 5 S. 457. Littr^, unter 
cuissage, cullage, marquette und prölibation. 8cherr 1858, 8. 211, 212, und 
1865, 8. 131. Post 8. 38. Vgl. auch Voltaire, 6d. Beaumarchais, Bd. 29 8.460, 
und gegen jene Meinung: Grippen §§ 2—10, 8. 4 — 20; Berger de Xivrey 8. 24, 25. 



Kapitel 13. Helrathsabgaben. ß5 

cyklopädisten stellen diese Begründung der Heirathsabgaben nur 
als möglicfa hin ^ Zöpfl meint, diese Entstehung der Heiraths- 
abgaben sei „wenigstens für Deutschland nicht nachweisbar** ^• 
Jakob Grimm hält für erwiesen, dass in Schottland und eini- 
gen Theilen Frankreichs die Heirathsabgaben aus jenem Recht 
hervorgangen seien, was sich aus deutschen Urkunden kaum 
nachweisen lasse ^. Noordewier meint, aus niederdeutschen Ur- 
kunden lasse sich nicht beweisen, dass die Heirathsteuer (Trow- 
geld), gleichwie in Schottland und in einigen Theilen Frank- 
reichs, dort unter einem verächtlichen Namen, aus dem Recht 
des Herrn auf die erste Brautnacht entstanden sei*. Pertile 
spricht von „Abgaben für Loskaufung des jus primae noctis** ^. 
Chaudruc de Crazannes behauptet, dies Recht sei fast immer in 
eine willkürliche Abgabe umgewandelt worden, deren Höhe sich 
nach Alter, Stand und Vermögen der Neuvermählten und nach 
der Schönheit der jungen Frau gerichtet haben möge ^. Labes- 
sade bemerkt, es sei in den meisten Fällen nicht in Natur aus- 
geübt, sondern durch eine Abgabe in Geld oder Lebensmitteln 
ersetzt worden, zu einer Zeit, als die Ausübung in der ursprüng- 
lichen Form unmöglich wurde ^. Jules Delpit meint, die unter dem 
Namen „formariage** bekannte Geldabgabe sei in vielen Fällen 
eine Entschädigung für das Herrenrecht der ersten Nacht gewesen ®. 

Daneben ist auch die entgegengesetzte Meinung in der Neu- 
zeit - vertreten , d^,ss nämlich das jus primae noctis aus den Hei- 
rathsabgaben sich entwickelt habe ^. Kolb meint^ der Grundsatz, 
dass die Leibeigenen nicht ohne ausdrückliche Zustimmung ihres 
Herrn heirathen durften, habe als Erpressungsmittel zur Ein- 
führung von Heirathsabgaben geführt; daraus habe sich, als die 
Zeiten „noch finsterer** wurden, das jus primae noctis entwickelt; 
später, als die Cultur ein wenig wieder stieg, seien an Stelle 
des jus primae noctis die Heirathsabgaben wieder hergestellt 
worden *^. 

Sowohl die eine als die andere Meinung ist haltlos. Die 
Heirathsabgaben erklären sich als Gegenleistungen für die grund- 



* Encycl. unter Culage, von Boucher d'Argis, 1. Ausg. Bd. 4 v. J. 1754 
S. 548. Encycl. m^th. Bd. 3 v. J. 1783 S. 434. 

2 Zöpfl Bd. 2 § 30 S. 168 (4. Aufl.). ^ Grimm, R.-A. S. 384. 

♦ Noordewier S. 160. * Pertile Bd. 3 S. 53. Vgl. oben Kap. 1 S. 5. 
« Crazannes S. 145, 146. "^ Labessade S. 82, 107. 

8 Delpit S. 118—122. 

9 Laboulaye S. 831, 332. Kolb 1843, Bd. 2 S. 72, 73. Scherr 1865, S. 129 
*® Kolb 1842, S. 495—498, und 1843, Bd. 2 S. 72—74. 

Schmidt. Jus primae noctis. 5 



66 Kapitel 18. Heirathsabgaben. 

herrliche Heirathserlaubniss ^ Wie die Vorschrift, eine solche 
Erlaubniss zur Heirath einzuholen, eine mehr oder minder aus- 
gedehnte Geltung hatte , so erklärt sich auch die Verschiedenheit 
der Grundsätze, die in den einzelnen Ländern und Herrschaften 
über Heirathsabgaben bestanden. In vielen Herrschaften waren 
solche Abgaben unbekannt; in andern waren sie durch Verträge 
oder Herkommen festgestellt ^. Es würde denkbar sein , dass an- 
fänglich die Grundherren nach freiem Ermessen entschieden, ob 
und unter welchen Bedingungen sie ihren Hörigen die Einwilli- 
gung zur Heirath ertheilen wollten, und dass erst später eine 
Garantie gegen Missbrauch dieses Rechts gefordert, und dadurch 
die Einführung bestimmter Heirathsabgaben veranlasst sei ^ ; auch 
ist die Möglichkeit nicht zu bestreiten, dass in einzelnen Fällen 
die Drohung, ein Herrenrecht der ersten Nacht auszuüben, zur 
Erpressung von Abgaben diente*. Doch fehlt ein genügender 
Grund zur Vermuthung derartiger Missbräuche, und mir ist kein 
geschichtlich bewiesenei: Fall dieser Art bekannt geworden. 

Freilassungen erfolgten häufig unter dem Vorbehalt, dass 
die Freigelassenen gewisse Abgaben, darunter auch bei Heirathen, 
an ihren frühern Herrn zu entrichten hatten; dies geschah ins- 
besondere im zwölften Jahrhundert, als in den Städten selb- 
ständige Gemeindeverfassungen geschaffen und von den bisherigen 
Grundherren bestätigt wurden. Alsdann waren jene Abgaben 
ein Zeichen früherer Unfreiheit, also gewissermassen eine Bestä- 
tigung der erlangten Freiheit®. 

Heirathsabgaben bestanden entweder nur für Heirathen mit 
TJngenossen (forismaritagium), oder auch für Heirathen unter Ge- 
nossen (maritagium) , im letztern Fall zur Anerkennung der 
Unfreiheit; sie waren im Fall des forismaritagium (formariage) 
entweder an den Herrn der Braut, oder an den des Bräutigams, 
oder an beide Herren zu entrichtend In den meisten Fällen 



1 Vgl. oben Kap. 12 S. 64. 

2 Sie sind keineswegs, wie Ernst Joachim Westphal (§ 13 S. 41, 42) meint, 
durch Einführung des kanonischen Rechts aufgehoben, sondern stehen mit 
demselben in keinem Widerspruch und haben sowohl im Mittelalter wie in 
neuerer Zeit in anerkannter Geltung bestanden. 

3 Vgl. Raepsaet 3. Ausg. S. 14, 20. ♦ Barth61emy S. 122. 

» Bouthors Bd. 1 S. 476. Louandre 8. 79. Raepsaet 3. Ausg. 8. 17—20. 
Laboulaye 8. 329, 330. 

^ Spelman, unter Maritagium. Lauri^re, unter Formariage und Cullage. 
Westphal § 12. Heineccius, Elem. lib. 1 tit. 1 § 46 und Antiquit. Bd. 2 
lib. 2 cap. 9 § 14 und g 29. Kindlinger g 45 8. 184. Pertile Bd. 3 8. 53. 
OsenbrOggen, 8tud. 8. 93. Zöpfl Bd. 2 8. 167, 168. 



Kapitel 13. Heirathsabgaben. 67 

des formariage hatte nur der Grundherr der Braut diesen An- 
spruch, was sich dadurch erklärt, dass dieselbe dem Ehegatten 
folgte und aus ihrer, bisherigen Hörigkeit befreit wurde *. Die 
Abgabe im Fall des formariage^ war eine Abzugsteuer (Gebühr 
für den Losschein) oder eine Niederlassungsteuer oder Beides zu- 
gleich, je nachdem sie von dem einen oder dem andern Grund- 
herrn oder von beiden erhoben wurde. 

Wo von dem ursprünglichen Verbot des formariage (Ver- 
heirathung der Tochter mit einem Ungenossen) bloss eine Abgabe 
(droit de formariage) übrig geblieben war, konnte es nicht auf- 
fallen, dass in späterer Zeit das Bestreben der Hörigen hervor- 
trat, sich von dieser Abgabe zu befreien^. König Ludwig XVI. 
von Frankreich erklärte durch Edict vom August 1779 (unter 
dem Ministerium Necker) auf allen königlichen Domänen die 
main-morte mit ihren Folgen für aufgehoben, namentlich auch 
die -Beschränkungen der Freiheit, sich zu verheirathen * ; dem- 
nächst wurden die Rechte aus dem formariage, weil sie mit der 
main-morte personelle zusammenhingen, durch das am 3. No- 
vember 1789 promulgirte Decret vom 4. August 1789 allgemein 
und ohne Entschädigung aufgehoben^. 

Mitunter diente der Name einer Heirathsabgabe zugleich zur 
Bezeichnung der Strafe, die bei dem Fehltritt einer Jungfrau ent- 
weder durch deren Vater oder Vormund, oder durch ihren Ver- 
führer an den Grundherrn zu entrichten war. Diese doppelte Bedeu- 
tung hatten beispielsweise die Ausdrücke amobyr oder amobragium 
in Wales*, merchet, merchetum oder marchetum in England^, 



* Vgl. V. d. Schelling Bd. 1 S. 150. 

• Ragueau, unter Formariage. Laurlöre, unter Formariage (wörtlich aus 
Bagueau). Bbutaric, unter Droit de Formariage. Encycl. m^th. unter Main- 
morte (von Henrion). Dalloz, R6p. Bd. 1 S. 95. Gu^rard Bd. 1 § 207 S. 413. 
Kindlinger S. 15 und S. 59. Laboulaye S. 325—332. 

8 Vgl. Gu6rard Bd. 1 § 168 S. 338. 

♦ :fcdit du mois d'aoüt 1779, art. 1, in der Encycl. m6th. Bd. 5 S. 694. 

* Dalloz, R6p. unter Propri6t6 f6odale, Nr. 100. 

^ Leges Hoeli Boni, ed. Wottonus, Gloss. S. 554: „Amobr . . . dicitur de 
pecunia quae vel pro maritandis puellis vel pro pudicitia violata domino 
pendebatur^. . . Vgl. Anderson S. 60. Näheres darüber s. unten Kap. 14 S. 70. 

^ Spelman, unter Merchetum: „Hoc est, quod Sokemanni et natlvi debent 
solvere pro filiabus suis corruptis sive defloratis." Vgl. Dalrymple Bd. 1 
8. 319, 320; Brinckmeier Bd. 2 S. 190. — Ohne jeden Grund setzt Ducange dem 
vorstehenden Ausspruch Spelman's hinzu : „id est , ni fallor , ne corrumpantur 
aut deflorentur a suis dominis, in prima nuptiarum suarum nocte.^^ S. unten 
Kap. 16. 



-a* 



6g Kapitel 14. Heirathsabgaben in Wales. 

marcheta in Schottland*, Beddemunt in Norddeutschland 2. 

Einige Schriftsteller meinen in dem Namen gewisser Heiraths- 
abgaben, worin eine geschlechtliche Anspielung enthalten sein 
soll, eine Bestätigung für die Vermuthung zu finden, dass sie 
durch Ablösung des Herrenrechts der ersten Nacht entstanden seien. 
Wenn jedoch eine solche Anspielung überhaupt anzunehmen ist, 
so erklärt sie sich aus der Natur der Ehe, und es liegt darin 
durchaus kein Grund zu der Vermuthung, dass die Abgabe auf 
einem schändlichen Ursprung beruhe. 

Die in diesem Kapitel entwickelten Sätze werden durch den 
Inhalt zahlreicher Urkunden bestätigt, wie die in den Kapiteln 
14 — 26 enthaltene Zusammenstellung ergiebt. Keine einzige von 
allen darin erwähnten Urkunden gewährt einen Grund für die 
Vermuthung, dass eine Heirathsabgabe durch Ablösung des be- 
zeichneten Rechts entstanden sei. Aus einer grossen Zahl dieser 
Urkunden erhellt die Unmöglichkeit eines solchen Verdachts-, da 
sie selbst den Titel über die Entstehung jener Abgaben bilden, 
und darin die Begründung derselben erklärt ist.- 

IV. Heirathsabgaben in den einzelnen enropäischen Ländern. 

A« In Grossbritannien. 

1. Wales: amobr, amobi/r, amohragiumy merched, gobr-merch, gwahr- 

merchedf maiden-rent, chevagium, 

Kapitel 14. Die dem König Hoelus (Howel), dem Guten, 
zugeschriebenen alten Gesetze von Wales ^ erwähnen an vielen 



* Houard, Littl. sect. 257 S. 332 Note 6. Vgl. unten Kap. 15. 

2 Urk. V. 1120, bei Rive, Anl. 7 S. 390, 391, und bei Sommer S. 30, 31, 
Beil. 13 : ... „sl autem aliquis sine legitimo thoro cuiquam copulata fuerit, 
foris factum suum, quod frequenter usus Beddemundum vocat, supra dictae 
componat curiae'' . . . Dieselbe Urkunde steht bei Brewer S. 437—439 und 
bei Binterim Bd. 3 S. 86 — 88 mit der Lesart Reddemundum statt Beddemun- 
dum; doch ist dies ein Druckfehler, wie Herr Archivar v. Haeften im Jahr 
1865 durch Einsicht der im Pfarrarchiv zu Xanten befindlichen Originalurkunde 
festgestellt hat, und wie auch Grimm, W.-B. (unter Bettemund), und G. Waitz 
(Bd. 5 S. 236, 237) annehmen. — Piper § 18 S. 33 und § 6 S. 14 berichtet, 
dass im Fürstenthum Minden , in der Grafschaft Ravensberg, in Lippe und in 
andern Gegenden der Grafschaft Hoya die geschwängerte Magd dem Gutsherrn 
„Bedemuth" bezahlen müsse, wogegen im Hochstift Osnabrück der Schwän- 
gerer zur Entrichtung der Bedemuth verpflichtet gewesen sei. Doch irrt Piper 
darin, dass er die andere Bedeutung des Wortes bestreitet. Vgl. Deutsche 
Encykl. unter Bedemund; Brinckmeier Bd. 1 S. 306—308; unten Kap. 22. 

* Diese Gesetze rühren nach den darüber angestellten Untersuchungen 



Kapitel 14. Heirathsabgaben in Wales. 69 

Stellen eine Abgabe unter dem Namen amobyr oder amobr. 
Das Wort wird hergeleitet von am = zum (pour oder k öause) 
und gwobr = Ehrengeschenk* oder Entschädigung 2; es heisst 
also wörtlich „zum Ehrengeschenk" oder „zur Entschädigung". 
Die lateinische Uebersetzung lautet amobragium^, merces oder 
maritagium. Diese Abgabe sollte bei Verheirathung einer Jung- 
frau, wenn sie selbständig war, von ihr selbst, sonst von ihrem 
gesetzlichen Vertreter ^, nach einer andern Stelle von ihrem Ehe- 
mann ^ entrichtet werden. Das amobr war in der Regel nur für 
diejenigen Mädchen zu zahlen, deren Vater zur Entrichtung des 
herezeld (heriotum) verpflichtet war; doch gab es mehrere Aus- 
nahmen von dieser Regel®. Der Betrag war so hoch, wie das 
heriotum des Vaters ' und demgemäss verschieden, je nach dem 
Stande, den der Vater einnahm®. Die Zeit der Fälligkeit be- 



(vgl. Gengier S. 78, 79, 169, 170, ferner Dalloz, R6p. Bd. 1 S. 28 und Pel- 
letier S. YI) aus dem zehnten Jahrhundert her und hatten nicht bloss in Wales? 
sondern auch in der Bretagne Geltung. 

* Leges Hoeli Boni (ed. Wottonus) Gloss. S. 554. 

* 2 Bullet unter Am und Gobr. » Hazlitt S. 413. 

* Ancient laws of Wales (Ausg. 1841), Venedotian Code, book 2 eh. 1 
art. 28: „Whoever shall give a woman to a man, must pay her amobyr, or 
take sureties from her for its payment: but if she dispose of herseif, let her 
pay her amobyr herseif; because she has been her own disposer." 

* Ancient laws of Wales (Ausg. 1841), Gwentian Code, book 2 eh. 39 
art. 35: „There are three causes of blushing to a maid: one is, the being told 
by her father: maiden, I have given thee to a husband; the second is, the 
desiring her to go to her husband to sleep; the third is, seeing her rising 
in the morning from her husband ; and on account of those three, her husband 
pays her amobyr to the lord, and her cowyll and her agweddi to herseif." 
In der lateinischen Ausgabe, lib. 2 cap. 23 art. 37, fehlt die Angabe, wer die 
Zahlung zu leisten hat: „Triplex est pudor puellae: primus est, cum pater 
8UUS, ipsa presente, dixerit se viro illam dedisse . . . pro primo datur amobyr 
(amobragium), pro secundo cowyl (antipherna), pro tercio aguedi (dos)." 

* Leges Hoeli Boni (ed. Wottoaus) lib. 4. triades forenses, art. 189: „Tres 
sunt puellae, quae maritagium solvere debent, licet patres earum non teneantur 
heriota solvere". . . 

' Leges Hoeli Boni, ed. Wottonus, lib. 4 cap. 190 § 8: „Maritagium filiae 
cujuslibet hominis qui heriotum solvere tenetur, aequale erit ejus herioto." 

8 Ancient laws of Wales (Ausg. 1841), Vened. Code, book 2 eh. 1 
art. 42 — 50: „The amobyr of the daughter of a maer canghellor, one pound. 
The amobyr of the daughter of a maer, six score pence. The amobyr of 
the daughter of a chief of a kindred, six score pence and one pound. The 
amobyr of the daughter of an uchelwr, six score pence. The amobyr of 
the daughter of an aillt, four score pence. The amobyr of the daughter 
of an alltud, twenty four pence. The amobyr of the daughter of every . 
Chief officer, according to some, a pound, according to others, six score pence. 



70 Kapitel 14. Heirathsabgaben in Wales. 

stimmte sich durch Uebergabe der Jungfrau an ihren Ehemann, 
eventuell durch offenes Zusammenleben, äusserstenfalls durch 
Schwangerschaft ^ Berechtigt zur Erhebung des amobyr waren 
die Herren oder Herrinnen, in deren Gebiet die Heirath stattfand ^. 
Nach Einzelbestimmungen erhielt der Musikmeister (pencherd, 
musicu^ Primarius) das amobyr der Dichtertöchter ^, und der Jäger- 
meister (penchenid, princeps venatorum) den dritten Theil des 
amobyr von- den Jägertöchtern "*. Für ein entführtes Mädchen 
musste das amobyr am Ort seiner Heimath bezahlt werden ^. 

Auch bei der Entehrung einer Jungfrau war ein amobyr 
zu zahlen, und zwar im Allgemeinen nach denselben Regeln wie 
bei der Verheirathung **. Wer Nothzucht an einer Frauensperson 
verübte, hatte an ihren Herrn ihr amobyr und dirwy, und an 
sie selbst ihr saraad , agweddi und dilyswedd zu zahlen ^. War 



The amobyr of the daughters of each of the other officers, according to 
Bome, six score pence, according to others, three score pence. The amobyr 
of the daughter of a slave, twelve pence." Die entsprechende Stelle des 
lateinischen Textes, lib. 2 cap. 21, enthält mehrfache Abweichungen. 

* Ancient laws of Wales (Ausg. 1841), Vened. Code, book 2 eh. 1 art. 41 : 
„In three modes an amobyr accrues to a woman : one is, by gift and delivery 
before she be slept with; the second is, by open cohabitation , though there 
may be no gift nor delivery; the third is, by her pregnancy." 

* Ancient laws of Wales (Ausg. 1841), Venedotian Code, book 2 chap. 1 
art. 78 : „Every lady is intitled to the amobyr of the women of her domain.''" 
Art. 79 : „Every land maer is to have the amobyr of the women of the maer- 
trev." 

' Leges Howeli Boni (Ausg. 1841) cap. 21 S. 861: „Pencherd (musicus 
Primarius) debet habere amobor filiarum poetarum sub se existentium". . . 

* Leges Howeli Boni (Ausg. 1841) cap. 21 art. 11 S. 860: „Penchenid 
(princeps venatorum) debet habere tertiam partem de diru (dirwy) venatorum, 
et de kamgul (camlwrw) et ebediv (heriota) ac ammoboreu merched (et amo- 
bragia flliarum)." In dieser Stelle wird durch „ammoboreu merched" die 
Mehrzahl ausgedrückt. 

* Ancient laws of Wales (Ausg. 1841) , Gwentian Code , book 2 chap. 29 
art. 21 : „According to where her home may be, her amobyr is paid." 

^ Leges Hoeli Boni (ed. Wottonus) Gloss. S. 554 : „Amobr . . . dicitur de 
pecunia quae vel pro maritandis puellis vel pro pudicitia violata domino pen- 
debatur". . . Anderson S. 60: „The amobyr . . . was paid either for violating 
the chastity of a virgin or for the marriage of a vassal." 

' Ancient laws of Wales (Ausg. 1841), Dimetian Code, book 2 eh. 18 
art. 18: „Whoever shall commit a rape upon a woman is to pay her amobyr 
and her dirwy to the lord; and to the woman he is to pay her saraad, her 
agweddi and her dilyswydd. If the man will to deny it, and the woman 
Support it against him, prehendat penem ejus manu sinistra et dextra reliqulis 
imposita, and let her swear to his having committed a rape upon her; and thus 
he cannot withhold any of her right." Der Schlusssatz dieser Stelle dürfte 



Kapitel 14. Helrathsabgaben in Wales. 71 

der Mann, der die Nothzucht verübt hatte, unbekannt, so wurde 
kein amobyr entrichtet*. Dasselbe galt bei Nothzucht an einer 
Ehefrau, weil deren amobr bei ihrer Heirath bezahlt war ^. 

In den beiden Bedeutungen, in denen das Wort amobyr in 
den Gesetzen des Königs Howel vorkommt, für Verheirathung 
oder Entehrung einer Jungfrau, findet es sich auch in andern 
Urkunden. Auf dem Parlament, welches König Eduard IL 
von England im Jahr 1316 zu Lincoln abhielt, ward über ver- 
schiedene Anträge bezüglich des Gewohnheitsrechts von Nord- 
Wales entschieden. In der ersten dieser Entscheidungen wurde 
für das amobragium, das wegen eines Vergehens gefordert 
werden konnte, eine besonders streng bestimmte Verjährungs- 
frist von einem Jahr eingeführt; zugleich wurde bestimmt, dass 
ein amobragium bloss in den Fällen erhoben werden sollte, in 
denen es bereits zur Zeit der alten Könige von Wales Geltung 
hatte ^. In einer Urkunde aus der Zeit um 1393 wurde das 
amobr, welches bei Verheirathung, Entführung oder Schändung 
eines Mädchens zu zahlen war, für die Tochter eines freien 
Mannes auf fünf, und für die Tochter eines Bauern auf zwei 
Schillinge festgesetzt; eine Strafe von gleicher Höhe hatte ein 
Ehemann für den Ehebruch seiner Frau zu zahlen, wenn er sie 
bei sich behielt*. Bei der am 14. November 1501 erfolgten 



als juristischer Witz aufzufassen sein, in dem Sinn, dass der Beweis einer 
erlittenen Nothzucht für unmöglich erachtet wurde. Doch ist Peignot anderer 
Meinung. 

* Ancient laws of Wales (Ausg. 1841), Gwentian Code, book 2 eh. 29 
art. 24: „A woman who shall be violated, if she know not who has violated 
her, is not to pay amobyr; since the king preserved her not from violation, 
he loses her amobyr: and if the woman be doubted in this respect, let her 
give her oath, that she knows not who has violated her; and that she was 
violated as aforesaid.^ ^ 

* Ancient laws of Wales (Ausg. 1841), Vened. Code, book 2 eh. 1 art. 68 : 
<„If a rape be committed on a married woman,. no amobyr is to be paid for 
her; because she herseif paid it, when she married.^ 

« Urk. V. J. 1316, An. 9 Edw. II, bei Rymer Bd. 2 (der Ausg. Londini 1818) 
Theil I S. 283, 284: . . . „Quod illa consuetudo, quae vocatur Amobragium, 
de caetero non exigatur, nisi infra annnm a tempore cognitionis delicti, pro 
quo dicta consuetudo solvi debeat; ita tamen quod, si infra hujusmodi annum 
exigatur, licet durante anno illo non solvatur, post annum illum finitum nulla- 
tenus persolvatur ; et de caetero, tantummodo levetur in casibus illis, in quibus 
temporibus principum Walliae levari consuevit." Daraus: Ducange, unter 
Amobragium. 

* Extent. Reddit. Treth et Firm, de Moghnant, fact. per R. anno regis Ri- 
card! XVI, im Glossar zu Leges Hoeli Boni (ed. Wottonus) S. 554: „Et paren- 
tes et heredes inter nativos tantuxn obligentur ad solvendum Amohr pro filia 



72 Kapitel 14. Hcirathsabgaben in Wales. 

Vermählung des Prinzen von Wales, Arthurs, erstgebornen Sohnes 
des Königs Heinrich VII. von England, mit der spanischen Königs- 
tochter Katharina, wurden in der Urkunde über die assignatio 
dotis die Gerechtigkeiten, die zur Grafschaft Caernarvon in Wales 
gehörten, einzeln aufgezählt; dazugehörten auch die amobragia *. 
In der Grafschaft Flintshire in Nord- Wales bestand eine Ab- 
gabe unter dem Namen amobragium im Betrage bis zu fünf 
Schillingen, die der Vasall an den König als den Lehnsherrn zu 
zahlen hatte ^. 

Als gleichbedeutend mit amobr oder amobragium galten die 
Ausdrücke merched, gobr-merch oder gwahr-merched^. 
In Zusammensetzung mit Ableitungen von amobr kommt das Wort 
merched schon in den alten Gesetzen von Wales vor^. Nach 
dem Gewohnheitsrecht von Dinover in der Grafschaft Caermarthen 
hatte jeder Bauer bei Verheirathung seiner Tochter unter dem 
Namen „gwahr-merched" zehn Schillinge an den Grundherrn zu 

bastardi sicut pro nata in matrimonio. Et quilibet liber solvet Domino, cum 
primo filiam suam maritaveritj^ vel ipsa corrupta fuerit, seu rapta et deflorata, 
nomine Amobr 5 s. , nativa vero solvet 2 s. Et postea quotiens seipsam ma- 
ritaverit vel corrupta fuerit, solvat domino 5 8., nativa vero 2 s., si habeat 
unde distringi poterint. Et quociens uxor alicujus adulteraverit, ipsa manente 
cum viro, viz. Kutkufke, maritus solvet domino 5 s. nomine Amobr, nativa 
vero 2 s. Si vero a communicatione et kytkufky cum alio in adulterium se 
diverterit, et permanserit a viro suo, ipsa sola solvet si habeat unde Amobr 
et propartem bonorum quae sibi competere posset post mortem viri sui de bonis 
ejusdem mariti amittet, nisi per ipsum virum ante obitum suum reconciliata 
fuerit" . . . 

* Urk. V. 14. Nov. 1501, bei Rymer Bd. 5 der Ausg. Hagae Comitis 1741, 
Theil 14 S. 163: „Nos Arthurus . . . dotamus . . . Katharinam ... de et in 
Dominio, Castro, Villa et Comitatu de Carnarvon ac Dominio, Castro et Villa 
de Coneway . . . una cum omnibus et singulis aliis Dominus. . . Amobragiis . . . 
Maritagiis, Releviis, Escaetis . . . ac omnibus aliis ad dictum Principatum . . . 
speetantibus sive pertinentibus." Daraus: Ducange, unter Amobragium. 

* Anderson S. 60: „Certain lands in the county of Flint are held of the 
king by Services and by ammobragium, which extended to five Shillings when 
it happened " 

' Leges Hoeli Boni, ed. Wottonus, Gloss.: ^^ Amobr . . . dicitur etiam Gobr 
merch". Tomlins Bd. 1 unter Ammobragium und Gwabr Merched, Bd. 2 
unter Merchet. Anderson S. 60: „The Amobyr or rather Gobr-merch or 
Gwahr-merched was a British custom of great antiquity." Vgl. Boxhorn, 
Lex. S. 45; Anderson S. 58; Wächter, unter Reitschoss; Hazlitt S. 433 und 
S 413. 

* Laws of Howel Dha Buch I Kap. 14 und 27, bei Chalmers Bd. 1 S. 450: 
„Efe a gaifP obren Merched y maer biswail^^ (lateinisch: maritagium filiarum 
villici dominici regi solvetur); und die oben S. 70 Anm. 4 angeführte Stelle. 
Vgl. das Nähere unten Kap. 15 S. 75. 



Kapitel 14. Heirathsabgaben in Wales. 73 

entrichten ^ Laya behauptet, die Zahlung dieser Abgabe geschehe 
unter der Bedingung, dass der Herr auf sein Recht verzichte, 
die erste Nacht mit der jungen Frau zu schlafen ; doch bezweifle 
ich, dass eine solche Bedingung in der (mir nicht zugänglichen) 
Urkunde über jenes Gewohnheitsrecht ausgedrückt ist. 

Aus dem Gewohnheitsrecht von Buelld oder Builth in der 
Grafschaft Radnorshire in Mittel- Wales wird berichtet, dass dort 
die Abgabe, welche der Tenant bei Verheirathung einer Tochter 
an den Lord zu zahlen hatte, den Namen maiden-rent führte ^. 
Danach war dieser Ausdruck gleichbedeutend mit amobyr oder 
gwahr-merched , und erklärt es sich, dass Anderson das nämliche 
Gewohnheitsrecht als „custom of marcheta" bezeichnet^. Nach 
beiden Berichten betrug die Abgabe einen „noble". 

^ Auch der Ausdruck chevagium oder che vage, welcher 
eine grundherrliche Abgabe bedeutete, wurde zur Bezeichnung 
einer Heirathsabgabe angewendet *. Spelman erklärt diesen Aus- 
druck aus dem französischen Wort chef und meint deshalb, er 
bezeichne allgemein eine Abgabe, die dem Herrn zu entrichten 
war^. Als eine Art von chevagium erwähnt er das amobyr, das 
dem Fürsten von Wales für Verheirathung einer Tochter einst- 
mals angeblich von allen Unterthanen, zu seiner Zeit aber nur 
von gewissen, auch freien Unterthanen gezahlt wurde ®. 

Obwohl keine der mitgetheilten Urkunden. vermuthen lässt, 
dass irgend eine in Wales geltend gewesene Heirathsabgabe aus 
einem unsittlichen Ursprung entstanden sei, so behaupten doch 
Ducange und dessen Nachfolger, in Wales habe das Herrenrecht 
der ersten Nacht unter dem Namen amachyr oder amobr be- 
standen '. Diese Meinung stützt sich auf eine einzige in den 

* Jaucourt in der Encycl. (erste Ausg.) unter Marchet. Garran de Coulon 
in der Encycl. m6th Jurispr. Bd. 5 S. 834 unter Marquette. Anderson S. 70. 
Laya Bd. 2 S. 417. 

* Leg Wall. Hoeli, Gloss. unter Amobr: „In the Mannour of Buelld in 
Radnorshire, a noble paid by every Tenant at the marriage of a daughter, is 
call'd Maidenrent." Tomlins Bd. 2 unter Maiden Rents. Vgl. Wächter, unter 
Reitschoss; Grupen §§ 10, 15. 

' Anderson S. 70: „In the manor of Builth, in Radnorshire, each vassal 
paid a noble to the lord, at the marriage of his daughter, for quitting of the 
custom of marcheta.'' 

* Spelman unter Chevagium. Tomlins unter Ammobragium und Chevage. 

* Spelman unter Chevagium. Vgl. auch Courson S. CCLXXXVI. 

* Spelman unter Chevagium: . . . „Est et insuper apud Wallos chevagii 
genus quod Amobyr vocant, Principi Walliae pro maritandis filiabus, olim ab 
Omnibus (ut asserunt), hodie a quibusdam (ctiam liberis) persolutum.^ 

"^ Ducange unter Marcheta. Labessade S. 22, 94, 95. 



74 Kapitel 14. Heirathsabgaben in Wales. 

alten Gesetzen von Wales enthaltene Stelle. Dieselbe lautet in 
keltischer Sprache: ^Diffaith Brenin y dywedir Morwyn, ac wrth 
hynny ni ddyly y Brenin ei hamobr"; lateinisch, in der Ausgabe 
von 1730: „Puella vocatur Desertum B.egis, et idcirco maritagium 
Regi pro illa debetur**; in der Ausgabe von 1841: „Puella di- 
citur desertum regis esse, et ob hoc regis est de ea amobyr (amo- 
bragium) habere." * Der Ausdruck ,,Diffaith Brenin", lateinisch 
desertum B.egis, bedeutet eine herrenlose Sache oder Person^. 
Hieraus ergiebt sich folgende Uebersetzung : „Ein Mädchen, 
welches keinem Herrn (nämlich Grund- oder Lehnsherrn) unter- 
worfen ist, gehört zur Herrschaft des Königs; deshalb ist bei 
ihrer Verheirathung das herkömmliche Ehrengeschenk an den 
König zu entrichten."^ Einige Schriftsteller* übersetzen das Wort 
amobyr in dieser Stelle mit pretium virginitatis, Preis der Jung- 
frauschaft; und Bullet bemerkt, das Wort „am" bedeute auch vir- 
ginite ; allein diese auffallende Uebersetzung beruht, wie die 
Verweisung auf den Abschnitt von Amobr ersehen lässt, auf der 
vorgefassten Meinung, dass amobr den Preis bezeichnete, den ein 
Ehegatte für die Jungfräulichkeit seiner Braut zahlte. „Gobr", 
Preis, Vergeltung, in Zusammensetzung „obr"; „am" also Jung- 
fräulichkeit" °. In der irrthümlichen Vorstellung, dass Ducange 
die von ihm mitgetheilte Stelle einer schottischen Rechtsquelle ent- 



* Leges Hoeli Boiii, ed. Wottonus, IIb. 2 cap. 1 art. 82; ed. 1841 lib. 1 
cap. 19 art. 3. — Bei Ducange, unter Marcheta, ist eine andere Lesart citirt, 
worin der Ausdruck „amachyr^' (statt amobyr) steht und mit „pretium virgi- 
nitatis" erklärt wird, ohne dass sich ersehen lässt, ob diese Erklärung von 
Ducange herstammt oder aus der von ihm benutzten Ausgabe entnommen ist. 

* Leges Hoeli Boni (ed. Wottonus) Gloss. S. 554 : „Diifaith Brenin, Desertum 
Regis, Yacua Regia. Loca a nuUis certis proprietariis possessa ita appellabantur, 
ex quibus lucrum omne quod per accidens oriretur, ad Regem pertinebat, qualia 
sunt mare, loca inculta campestria, vasti saltus, quos nostri Forestas vocant. 
Hoc autem vocabulo non tantum res, sed et personae interdum denotantur. 
Puellae vocantur Diifaith Brenin, ob quarum matrimonium honorarium Regi 
vel vasallis ejus deberetur, pro ratione dignitatis aut status sui vel paterni^^ . . 
Vgl. Leges Hoeli Boni (ed. Wottonus) lib. 2 cap: 13 et 21 § 7, lib. 5 cap. 4 § 35. 

' Vgl. Astle S. 37 : „The marchet of Howel Dha was the fine for the mar- 
riage of a daughter"; Anderson S. 60 (aus Blount): „Definition of Ammo- 
brogium: a pecuniary acknowledgment paid to the klng by the tenants — or 
vassals to their lord — for liberty of marrying or not marrying." 

* Vgl. Ducange unter Amachyr und Marcbeta; Qrupen § 4; Bullet unter 
Amobr; Anderson S. 60; Brinckmeier Bd. 2 S. 190. 

^ Man könnte jene Bemerkung sogar für Ironie halten, da die richtige 
Erklärung des Stammes Am unmittelbar dahinter steht: „Amobrydd, Steuer- 
Einnehmer. Am, von jeder Seite; Gobr, in Z^usammensetzung obr, bezeichnete 
jede Zahlung.^^ 



Kapitel 15. Heirathsabgaben in Schottland. 75 

nommen habe, sagt Dümge von dem Recht auf die ,, erste Braut- 
nacht *^ : ,,Die Könige Schottlands dehnten dieses Recht auf alle 
Bräute ihres Landes aus, ohne Unterschied des Standes; denn, 
hiess es, jedes Mädchen ist Eigenthum des Königs, darum gehört 
auch dem Könige der Preis ihrer Jungfrauschaft. *' ^ Diese Mei- 
nung beruht nach vorstehender Entwicklung auf Missverständniss. 

2. Schottland: Merchet, merchete, mercheta (marcheta) mtdierum, 

Kapitel 15. Gleichwie in Wales und in England^, gab es 
auch in Schottland eine Heirathsabgabe unter dem Namen merchet 
oder merchete (latinisirt mercheta oder marcheta), die bei Ver- 
heirathung oder Entehrung einer Jungfrau zu zahlen war ^ Der 
Ausdruck kann aus dem keltischen Wort merch, d. i. Tochter 
oder Mädchen "* (lithauisch „Merg", altgermanisch „Marge**) ^, er- 
klärt werden. Diese Auslegung dürfte den Vorzug verdienen vor 
derjenigen von Edward Coke, der das Wort marchet von chete 
d. i. Strafe, und marriage herleitet und daraus als eine Strafe 
für Heirathen erklärt®; desgleichen vor der Meinung vonSchwenck, 
der das Wort „marchetum** aus dem Lateinischen, von mercari 
(handeln), ableitet '. Allerdings findet sich in mehreren Urkunden 
Schottlands auch der Ausdruck „mercheta mulierum" ; doch erklärt 
sich hier das Wort mulierum als ein pleonastisoher Zusatz. Ob 
diese Worterklärung haltbar ist, mögen Sprachgelehrte beurtheilen. 

Das Wort „marc** oder „merk** bedeutet Merkmal ®, „marca** 
oder „marcha** heisst eine Geldmünze ', und „marc'h** bezeichnet 
eine Mähre (ein Pferd) *®. Hierauf stützen sich drei Erklärungen 

1 Dümge S. 19, 20. * Vgl. oben S. 72 und unten S. 84 if. 

' Heineccius, Elem. lib. 1 tit. 1 § 46. Wächter unter Merch und Reit- 
schoss. Grupen §§ 3, 5—7. Whitaker S. 265. Houard, Trait6 Bd. 2 S. 260 
Chalmers Bd. 1 S. 450, 451. Anderson S. 58. Hazlitt S. 433. 

* Boxhorn, Lex. unter Merch. Pelletier S. 595 und 398: Merc'h-gwerac'h 
und Gwerch^B =^ Jungfrau. Bullet Bd. 3 unter Merch , Merh und March. 
Dalrymple Bd. 1 S. 318. Chalmers Bd. 1 S 450. Anderson S. 58, wo die 
verschiedenen Dialekte verglichen sind. — Merched ist der Plural von merch. 

* Pelletier S. 595. Allg. Lit. Anz. 1797, S. 1422, 1423, und 1800, S. 22, 23. 
Dttmge S. 25, 26. — Hiermit mag das in der Bienenzucht gebräuchliche 
französische Wort marquette = pain de cire vierge, Jungfernwachs, zu- 
sammenhängen. 

^ Coke zu Littleton, lib. 2 cap. 11 sect. 209, unten S. 86 Anm. 1. 
•f Schwenck S. 394. 8 Pelletier S. 576. 

^ Macpherson S. 198. Corner S. 8 Schmid S. 593 (über marca der 
Angelsachsen). 

»0 Pelletier unter Marc'h S. 578. 



76 Kapitel 15. Heirathsabgaben in Schottland. 

des Ausdrucks marcheta mulierum, die zu geschmacklos sind, als 
dass sie angenommen werden könnten. Nach der einen Erklärung 
soll der Ausdruck von dem Geldstück herzuleiten sein, das als 
Heirathsteuer zu entrichten war. Die zweite Erklärung nimmt an, 
das Wort marcheta stamme von einem gewissen Merkzeichen an 
der neuvermählten Jungfrau, ebenso wie der angeblich venezia- 
nische Ausdruck „marchetta" und das italienische Wort „il mar- 
chete" ^ Skene meint, marcheta sei von march in der Bedeu- 
tung Pferd herzuleiten und bezeichne danach das Schändungs- 
recht des Herrn 2; diese Meinung hat vielen Beifall gefunden^, 
den sie nicht verdient. 

Eine Hauptstelle über die mercheta oder marcheta (mulierum) 
findet sich in „Regiam Majestatem" , einem Rechtsbuch, welches 
gegen Ende des zwölften Jahrhunderts, zur Zeit des Königs 
David II. von Schottland, auf Grund älterer Quellen verfasst sein 
mag*. Danach war der Betrag der Abgabe ein verschiedener, 
je nach dem Stande , den der Vater der Braut hatte ^ ; darin 
stimmte sie mit dem amobyr in Wales überein®. Diese Stelle 
lautet': „Nach dem Grundgesetz Schottlands beträgt die mar- 
cheta ® mulierum, mag die Frau von adeligem oder unfreiem oder 
Handwerkerstande sein, ein Rind oder drei Schillinge, und die 
Gebühr des ,serviens' drei Pfennige'. Ist ihr Vater ein Freier, 



* Manage (Ausg. 1694) unter Marquette. 

* Skene zu Reg. Maj. lib. 4 cap. 31 : „March equum significat prisca 
Scotorum lingua. . . Hinc deducta metaphora ab equitando, marcheta mulieris 
dicitur virginalis pudicitiae prima violatio et delibatio". . . 

? Hachenberg § 12 S. 122. Keysler § 64 S. 484. Westphal § 11 S. 36, 37. 
Gundlingiana, zehntes Stück S. 504. Schaffner Bd. 3 S. 185. Kulischer 
S. 223. 

* Macpherson S. 175—177, 191. Raepsaet (Ausg. v. 1877) S. 32. Acts of 
Pari, of Scotl. Bd. 1 S. 21, 27. 

5 Vgl. Macpherson S. 198. 6 S. oben Kap. 14 S. 69. 

^ Reg. Maj. (Ausg. von Skene) lib. 4 cap. 31, de marcheta mulierum : 
„Sciendum est, quod secundum assisam terrae Scotiae, quaecunque mulier 
fuerit, sive nobilis sive serva sive mercenaria, marcheta sua erit una juvenca, 
vel 3 solidi, et rectum servientis 3 denarii. Et si filia liberi sit, et non 
Domini villae, marcheta sua erit una vacca, vel sex solidi, et rectum ser- 
vientis sex denarii. Item marcheta Thani vel Ogetharii 2 vaccae vel 12 solidi, 
et rectum servientis 12 denarii. Item marcheta filiae comitis, est Reginae, 
duodecim vaccae.^^ Vgl. Spelman unter Marchet; Dalrymple Bd. 1 S. 322; 
Anderson S. 50. 

^ In der amtlichen Ausgabe von 1854 findet sich in dem Kapitel ,,de 
merchetis mulierum^ (lib. 4 cap. 54) nicht die Lesart marcheta, sondern 
überaU mercheta. 

^ Dieser Satz wird dahin zu verstehen sein, dass die Steuer im niedrigsten 



Kapitel 15. Heirathsabgaben in Schottland. 77 

aber nicht Herr der ,villa', so beträgt ihre marcheta eine Kuh 
oder sechs Schillinge, und die Gebühr des serviens sechs Pfennige. 
Ist ihr Vater ein Than oder Ochiern *, so beträgt ihre marcheta 
zwei Kühe oder zwölf Schillinge, und die Gebühr des serviens 
zwölf Pfennige. Ist sie die Tochter eines Grafen (Earl), so be- 
trägt ihre marcheta, und zwar für die Königin^, zwölf Kühe." 
In den drei ersten Sätzen dieser Stelle ist nicht gesagt, für wen 
die Hauptabgaben (von einem Rind oder drei Schillingen, einer 
Kuh oder sechs Schillingen und zwei Kühen oder zwölf Schillingen) 
bestimmt waren. Möglicherweise gebührten sie dem Könige, und 
die Abgabe war eine allgemeine Steuer für jede Heirath 'K Der 

Satz ein Kind oder drei Schillinge betrug; sonst war die Höhe verschieden, 
nach dem Rang des Vaters, wie die folgenden Sätze ergeben. 

* Macpherson S. 179 — 186 bezeichnet den Than (gälisch Tierna) als den 
Nächsten nach dem Könige, der zur Thronfolge bestimmt war und den dritten 
Theil von den Gütern des Königs besass, und den Ochiern oder Ogetharius 
(aus Oge-Tierna, d. i. junger Herr) als einen Würdenträger, der denselben 
Rang wie ein Sohn des Than einnahm. Doch ist es bedenklich , dieser 
Erklärung zuzustimmen, da in vorstehender Stelle aus Reg. Maj. der Ochiern 
mit dem Than auf dieselbe Rangstufe gesetzt ist, und Beide niedriger stehen 
als der Comes. Möglicherweise hat die Bedeutung der Würden sich geändert. 

^ Im Schlusssatz ist ^est Reginae^^ ein selbständiger Zusatz, der so zu 
verstehen ist, als stände er in Parenthese oder in einem Relativsatze (quae 
est Reginae). Das Wort Reginae steht nämlich im Dativ, nicht im Genitiv. 
Diese Auslegung wird getheilt von Macpherson (S. 197 : . . . „which belonged 
to the Queen") und wird durch die Lesart bestätigt, die in der von Skene 
im Jahr 1609 besorgten schottischen Ausgabe steht, lib. 4 cap. 31 Nr. 4: 
yjitem, the merchet of the dochter of ane Earle perteines to the Queen and 
is twelve kye.'* Der Sinn ist also, dass die letzterwähnte Abgabe der Königin 
gehört. Allerdings steht in der auf Anordnung des Parlaments besorgten 
neuen Ausgabe von Regiam Majestatem, lib. 4 cap. 54 (im ersten Bande der 
Acts of the Pari, of Scotl.), nicht „est Reginae'', sondern „et reginae". Doch 
hat das Wörtchen „et" in diesem Zusammenhang keinen Sinn, da es nicht 
denkbar ist, dass die Königin einer Steuer unterworfen war. Zudem ist es 
leicht möglich, dass ein Abschreiber das „est" in „et" verwandelt hat, 
da auf den ersten Blick das Wort „est" nicht leicht verständlich ist. Da- 
her verdient die in der Ausgabe von Skene enthaltene Lesart vor der Lesart 
der neuen Ausgabe den Vorzug. 

' Dieselbe Bedeutung mag ursprünglich das Amobr in Wales gehabt haben. 
Vgl. die Nachricht Spelman's, oben Kap. 14 S. 73. Die Steuer wurde nicht 
bloss von Töchtern unfreier Personen, sondern auch von freigebornen Töchtern 
und sogar von Töchtern der Adeligen erhoben. Auch in England galt lange 
Zeit derselbe Grundsatz; doch schon zur Zeit Bracton's waren die Töchter 
von freien Männern dieser Abgabe nicht mehr unterworfen. Vgl. unten Kap. 16 
S. 84. — Als unbegründet erscheint die Meinung von H. Martin (Bd. Ö S. 567), 
dass die marcheta mulierum in Schottland bloss im Fall des formariage er- 
hoben worden sei. 



78 Kapitel 15. Heirathsabgaben in Schottland. 

Zusammenhaug des Kapitels über die mereheta mulierum führt 
zu der Vermuthung , dass der mit dem Ausdruck „serviens" be- 
zeichnete Beamte die Stellung des Steuerempfängers einnahm, 
da er von jedem Schilling einen Pfennig (also ein Zwölftel 
der Einnahme) für seine Bemühungen erhielt ; nur bei dem höch- 
sten Steuerbetrage von zwölf Kühen, die der Königin gebührten, 
war von einem Abzug für den serviens und von einer Umwand- 
lung in Geld keine Rede ^ 

Hiernach bietet diese Stelle keinen Anlass, an einen schänd- 
lichen Ursprung der Steuer zu denken. Gleichwohl glaubt An- 
derson, die Yermuthung eines solchen Ursprungs sei deshalb ge- 
rechtfertigt, weil die Töchter aller Stände der Abgabe unter- 
worfen gewesen seien ^. Allein gerade der Umstand , dass selbst 
Töchter von freien Männern die Steuer zu zahlen hatten, spricht 
gegen jene Vermuthung ^ ; man müsste denn annehmen , dass 
nur dem König ursprünglich das fragliche Recht zugestanden 
hätte, wofür jeder Grund fehlt. Uebrigens bemerkt Anderson 
selbst, dass er nicht eine Lösung der aufgestellten Frage, son- 
dern nur eine Anregung zu weitern Untersuchungen geben wolle *. 
Die im Jahr 1613 durch Skene herausgegebenen Leges et 
consuetudines burgorum enthalten das Wort marcheta in folgendem 
Zusammenhang: „Bei dem Bürger ist keine Rede von bludewite, 
stingis dint, marcheta, herrezeld und irgend etwas Aehnlichem." ^ 
Diese Stelle könnte man nach ihrem Wortlaut so verstehen, als 



^ Dalrymple (Bd. 1 S. 323) regt folgende Fragen an, ohne sie zu beant- 
worten: „1. Zu welcher Zeit betrug der Preis einer Kuh in Schottland sechs 
Schillinge? 2. Was heisst serviens? Ist es der Sheriff oder ein niederer 
Beamter? 3. Zu welcher Zeit betrug die Gebühr eines königlichen Beamten 
ein Zwölftel der zu erhebenden Summe? 4. Wie kam es, dass die marcheta 
einer adeligen Frau und die einer Unfreien gleich war? 5. Wie kam es, 
dass die marcheta einer Than-Tochter viermal so hoch war, wie die einer 
adelig Gebomen? 6. Wie konnte es vorkommen, dass die marcheta einer 
filia libera dopjielt so hoch war, als die einer mulier nobilis? 7. Bei welcher 
Behörde war die marcheta einzuziehen, falls die Tochter eine Besitzung in 
freiem Bürgerlehen hatte ?" — Eine nähere Untersuchung dieser Fragen würde 
zu weit führen; doch sind sie zum Theil durch vorstehende Erklärung des 
Textes erledigt. 

' Anderson S. 64. 

3 Vgl. Houard Bd. 2 S. 260. 

^ Ob weitere Untersuchungen zufolge dieser Anregung in Schottland statt- 
gefunden haben, ist mir nicht bekannt. 

^ Leg. et consuet. bürg. Ausg. v. Skene, cap. 19, de bludewite et consi- 
milibus, S. 134: „Sciendum est, quod in burgo non debet audiri bludewite, 
stingis dint, marcheta, herrezeld nee aliquid de similibus^^; Leges quatuor 



Kapitel 15. Heiratl^sabgaben in Schottland. 79 

wäre die marcheta (oder merchet) eine bloss bäuerliche Abgabe 
und deshalb von den Pächtern des Königs in ;,free-burgage" nicht 
zu zahlen gewesen ^ Dann würde sie aber mit der Stelle aus 
Regiam Majestatem nicht zu vereinigen sein. 

Wenngleich über die ursprüngliche Bedeutung der mit dem 
Namen marcheta oder mercheta mulierum in Schottland be- 
zeichneten Abgabe und über das Alter derselben noch nähere 
Aufklärung wünschenswerth ^ ist, so erhellt doch mit Sicherheit 
aus dem Zusammenhang der beiden Stellen, aus der Etymologie 
des Wortes mercheta oder marcheta und aus einer Vergleichung 
mit den in Kapitel 14 und 16 erwähnten Urkunden aus Wales 
und England, dass mit dem Ausdruck mercheta (mulierum) so- 



burgorum, rubr. 17, in den Acts of the Pari, of Scotl. Bd. 1: „Et sciendum 
est quod infra burgum non debet exaudiri blodewit nee stygisdynt nee merchet 
nee herieth nee aliquid de conslmilibus^ ; daneben der schottische Teirt: 
„And it is to wyt at in burgh fall nocht be herde bludewyt na zit stokisdynt 
na merchet na herezelde na nane suilk maner of thyng/^ Vgl. Anderson S. 58. 
Unter bludewite verstand man ein SUhnegeld für vergossenes Blut, unter 
stingis dint eine körperliche Züchtigung, unter herezelde eine aus dem Nach- 
lass des Hörigen zu entrichtende Abgabe, ähnlich wie heriotum oder Best- 
haupt. Vgl. Ducange unter Blodwita, Bludwelf, Bludewica, Stingis dint, 
Herizelde, Herezelda und Heriotum; auch Hazlitt S. 417 unter Blodwite. 

* Vgl. Dalrymple Bd. 1 S. 322. 

' Möglicherweise ist diese Abgabe von Wales nach Schottland gekommen; 
für eine solche Vermuthung spricht nicht bloss der Name mercheta und dessen 
Uebereinstimmung mit den in den alten Gesetzen von Wales enthaltenen 
Benennungen, sondern hauptsächlich die innere Verwandtschaft der Bechts- 
grundsätze über die mercheta in Schottland und Wales. Vgl. Kap. 14 S. 60. 
Andere (z. B. Macpherson S. 195, 107) vermuthen, die Abgabe sei mit dem 
Lehnswesen von England nach Schottland gelangt. Nun wird zwar glaubhaft 
berichtet, dass König Malcolm III. von Schottland im Frieden von Abernithi 
(um 1072) in Ansehung seiner in England belegenen Besitzungen dem König 
Wilhelm von England den Lehnseid leistete (vgl. Dalrymple Bd. 1 S. 13 — 17, 
und Phillips, R.-G. Bd. 1 S. 07—00, 111, 112), und dass seitdem durch Ge- 
wohnheitsrecht das Lehnswesen in Schottland nach und nach Eingang fand 
(Dalrymple Bd. 2 S. 28—30). Allein es fragt sich, ob jene Abgabe in Schott- 
land nicht älter ist, als die Verbreitung des englischen Lehnswesens; über- 
dies ist der Name mercheta eher aus den alten Gesetzen von Wales, als 
aus den jüngeren englischen Rechtsquellen zu erklären. Anderson (S. 64) 
meint, der Ursprung des merchet könne in einer brutalen Gewalt weltlicher 
Herren gefunden werden, ähnlich wie die kirchliche Vorschrift, wonach die 
Ehegatten in den ersten drei Nächten Enthaltsamkeit üben sollten, auf willkür- 
licher Laune der Kirche beruht habe. Allein in Wahrheit besteht zwischen 
der Kirchenvorschrift, die an das Beispiel des Tobias erinnerte (vgl. darüber 
Kap. 27), und einer brutalen Gewalt weltlicher Herren keine Aehnlichkeit. 
Daher verdient die Meinung Anderson's keinen Beifall. 



gO Kapitel 15. Heirathsabgaben in Schottland. 

wohl eine Heirathsabgabe als auch eine Unzuchtstrafe bezeichnet 
wurde. 

In zahlreichen schottischen Urkunden aus der Zeit vom 
zwölften bis zum siebzehnten Jahrhundert steht die mercheta 
unter grundherrlichen Rechteü verzeichnet. Osbert, Abt von 
Kelso in der Zeit von 1180 — 1203, übertrug an Constantin, Prie- 
ster von Lesmahagu, die Ortschaft Doman in Strathclyde mit 
dem Bemerken, dass Letzterer die merchetas von den Töchtern 
seiner Leute als Zubehör seiner Gerechtigkeiten beziehen, dagegen 
von seinen eigenen Töchtern (Mägden?) die merchetas an den 
Abt entrichten sollte ^ Derselbe Abt Osbert von Kelso bestätigte 
den Dekan David von Stobo im Besitz der Ländereienr von Cur- 
roc in Strathclyde, die derselbe von seinem Yater hatte, mit ver- 
schiedenen Gerechtigkeiten, darunter auch mit den merchetis seiner 
Leute ^. Bei einem Zeugenverhör vom 11. April 1206, vor der 
Synode von Perth, in einem Prozess zwischen William, Bischof 
von Saint-Andrews, und Duncan von Arbuthnot, über Kirktoun 
of Arbuthnot (im Besitz des Viscount von Arbuthnot), bekundete 
der Zeuge Isaac Benein : Er sei Pächter der Einkünfte des Königs 
aus dem Gebiet von Kirktoun zu der Zeit gewesen, als Osbert 
Olifard, welcher das Jerusalem-Kreuz zum Zuge ins heilige Land 
anlegte, das genannte Gebiet besass und davon die Abgaben an 
den König verschuldete; damals habe er, Zeuge, daraus Nichts 
weiter bezogen, als die Hälfte von bloodwicks und die Hälfte 
von der mercheta mulierum, während die andere Hälfte dem 
Bischof geschuldet wurde ^. Heinrich, Abt von Kelso in der Zeit 
von 1208 — 1218, übertrug an Gillemor einen Theil der Ländereien 
von Fincurroc in Strathclyde für eine jährliche Pacht von zwanzig 
Schillingen, mit der Bestimmung, dass Gillemor die merchetas 
von den Töchtern seiner Leute haben sollte *. Dalrymple erwähnt 



* Chart. Kelso Nr. 103, bei Chalmers Bd. 1 S. 450: . . . „merchetas de 
filiabus hominum suorum habebit; et de filiabus suis dabit nobis merchetas^. 
Vgl. Dalrymple Bd. 1 S. 322. 

* Chart. Kelso Nr. 3, bei Chalmers Bd. 1 S. 450: . . . „cum molendino, 
et blodwitis, et birthinsak et merchetis hominum suorum". 

3 Anderson S. 68, 69: ... „Isaac Benein depones that in the time of 
Osbert Olifard, who took on the Jerusalem Cross for an expedition to the 
Holy Land, he farmed the King's revenue, due by the said Osbert, out of 
the lands of Kirktoun; and whilst he possessed these lands, he received 
nothing out of the same, unless a moiety of Bloodwicks, and of the Mercheta 
Mulierum — the other moiety being due to the Bishop." 

* Chart. Kelso Nr. 107, bei Chalmers Bd. 1 S. 450: . . . „habebit autem 
Merchetas de filiabus hominum suorum, curiam suam^. 



Kapitel 15. Heirathsabgaben in Schottland. gl 

eine Urkunde aus Eelso , ohne Angabe des Datums , wonach eine 
gewisse Person und ihre Erben (als Besitzer eines Gutes) für ihre 
Töchter keine merchet zu zahlen hatten ^ Der Earl Archibald 
von Douglas bestätigte durch Urkunde vom Jahr 1403 den Laird 
Johann von Edmonston im Besitz der Ländereien von Tulyalon 
iA Perthshire, mit verschiedenen Gerechtigkeiten, darunter auch 
mit den merchetis ^. Derselbe Earl hatte vorher dem genannten 
Laird eine Pachtung von Ländereien auf neunzehn Jahre mit den- 
selben Gerechtigkeiten, nebst den merchetis mulierum, übertragen, 
mit B.ücksicht auf 240 Mark schottischer Währung, die ihm in 
seiner Verlegenheit gegeben waren ^. Durch einen Vertrag aus 
Aberdeen vom 5. Februar 1447 übertrug Witt we. Christiane von 
Stratoun an ihren Sohn Alexander Frog und dessen Gemahlin 
Marianne, und für den Sterbefall an den Ueberlebenden, alle ihre 
Ländereien von Stratoun und Stratounhall, von Pfingsten 1447 ab 
auf neunzehn Jahre gegen eine jährliche Pachtsumme von 26 Mark 
(6 Schillingen und 8 Pfennigen), mit der Erlaubniss, auf diesen 
Ländern eine Mühle anzulegen und Kohlen und Steine zu gewin- 
nen; und zwar mit allen Zubehörungen und Gerechtigkeiten, mit 
Ausnahme der bludwite und merchete, die sich die genannte 
Dame vorbehielt ^ König Jakob II. von Schottland stellte im Jahr 
1450 zu Gunsten des Bischofs von Glasgow eine Urkunde aus, 
worin er die Baronie Glasgow und andere Ländereien des Bis- 
thums zu einer freien regality erhob und, abgesehen von andern 
Vorrechten des Bischofs, dessen Recht auf die merchetas mulierum 

« 

* Urk. aus Kelso, bei Dalrymple Bd. 1 S. 321: . . . „Dabit etiam, tarn 
ipse quam haeredes sui, duos solidos pro Herieth, et merchet de filiabus 
suis non dabunt.^ 

* Urk. V. 1403, bei Chalmers Bd. 1 S. 450: . . . „cum curiis et curiarum 
exitibus, cum hereyeldis, Merchetis". 

3 Chalmers Bd. 1 S. 450. 

* Indenture made at the Burgh of Aberdene, Febr. 5. 1447 (bei Anilerson 
S. 67) , „betuix a wörshipful lady , Cristiane of Stratoun of that ilke , on ye 
ta part, and Alex. Frog, his sonnys, and Marione, his spouse, on ye thoyr 
part", in which she had „set and to farme latyne in hir pure wedowhed" 
to the Said Alex. etc. and ^to ye langer leuer of yim, al and sindry hir 
landis of Stratoun and Stratounhall , with lefe and ful power to big and mak 
ane mylne within ye samyn landis, and for to wyn colis and stanis within 
ye Saide landis to yair awne mast (maist or greatest?) proflt, sekande as for 
thingis ach and to be soch (ath & to be soth?) w^ al profltis and pertinends 
ferme & unlawis and eschaetis to ye saide landis pertenit or may pertene, 
,,sauf-ande andly Tallenerly or anerly) to ye said lady bludwite and merchete, 
for ye terme of nyntene yer fra "NVitsunday nex folowande ye date of y*" 
present endenturis", paying yearly 26 markis (6 s. 8 d.)" etc. 

Schmidt, Jus primae noctis. G 



82 Kapitel 15. Heirathsabgaben in Schottland. 

bestätigte *. Diese Rechte wurden mit denselben Ausdrücken 
durch König Jakob III. im Jahr 1476 nochmals bestätigt ^, König 
Jakob II. bestätigte durch Urkunde vom Jahr 1452 den Bischof 
von St. Andrews und dessen Nachfolger im Besitz und Eigenthum 
der Ländereien jenes Bisthums, mit Zubehör, namentlich mit 
den „merchetis mulierum". Dies wurde in gleicher Weise durch 
Urkunden des Königs Jakob III. vom Jahr 1480 und der Königin 
Maria vom Jahr 1553 wiederholt^. Im Jahr 1454 stellte der Earl 
Georg von Angus eine Bestätigungsurkunde über die Ländereien 
von Invenethy in Strathern aus, mit Zubehör, darunter auch 
mit den merchetis mulierum*. Durch Urkunde vom Jahr 1462 
übertrug Thomas Rogerson von Drumdewan mit Rücksicht auf 
86 Pf. St. 13 Schillinge und 4 Pfennige schottischer Währung, die 
ihm in grossen Nöthen gezahlt waren, an Johann Stewart, Herrn 
von Lorn, die Ländereien von Strathier mit der Mühle und allem 
Zubehör, namentlich mit den merchetis mulierum^. Durch Urkunde 
vom 24. Mai 1503 verlieh König Jakob von Schottland seiner Braut, 
der Prinzessin Margarethe, ältesten Tochter des Königs von Eng- 
land, Ländereien mit mannigfachen Gerechtigkeiten, insbesondere 
auch mit den merchetis mulierum ^. Durch Urkunde vom 13. Juni 



1 Urk. V. 1450, bei Chalmers Bd. 1 S. 450, aus Chart. Glasgow S. 498: 
. . . „Merchetis mulierum" ; Ducange unter Bludwelf und unter Herizelda : 
„!^piscopi Glasguenses teneant de nobis dictas terras . . . cum libero introitu 
et exitu, Bludwelf, herizeldis et marchetis mulierum."" 

2 Chalmers Bd. 1 S. 450 aus Chart. Glasgow S. 486. 

' Urk. V. 1452, bei Chalmers Bd. 1 S. 450 (aus den Reliquiae Divi Andreas 
S. 99—102)'. 

♦ Urk. V. 1454, bei Chalmers Bd. 1 S. 450. 

5 Urk. V. 1462 , bei Chalmers Bd. 1 S. 450. — In einem ähnlichen Zu- 
sammenhang spricht eine Urkunde vom Jahr 1476 von „mulierum eschaetis", 
nämlich Charter of confirmation by James III., dated at Edinburgh, January 31. 
1476, and shire of Are, dated apud IIa, Aug. 20. 1476, bei Anderson S. 68: 
. . . ^cum curiis et curiarum exitibus et earundem eschaetis, cum averagiis 
et carriagiis, cum bludewitis et herezeldis, ac mulierum eschaetis^S Anderson 
nimmt an, mit „mulierum eschaetis^^ sei hier dasselbe wie mit mulierum 
merchetis gemeint. Hiergegen ist jedoch zu bemerken, dass in andern Urkun- 
den von eschaetis im Unterschied von merchetis die Rede ist, z. B. in der 
schottischen Urkunde von 1447, oben S. 81 Anm. 4, ähnlich wie in der Ur- 
kunde aus Wales von 1501 , oben S. 72 Anm. 1 , von amobragiis und später 
von escaetis gesprochen wird. In englischen Rechtsquellen hat das Wort 
escaeta verschiedene Bedeutungen; es bezeichnet zumeist das Heimfallsrecht. 
Vgl. Tomlins Bd. 1 unter Escheat; Phillips, R.-G. Bd. 2 S. 81. 

« Urk. d. d. Edinburgh den 24. Mai 1503, bei Rymer Bd. 13 der Ausg. 
Londini 1712, S. 63: . . . ^una cum libere tenentium servitiis, molendlnis, 
multuris, et eorum sequelis, aucupationlbus, venationibus , piscationibus. 



Kapitel 16. Heirathsabgaben in England. 83 

1598 übertrug ein schottischer Lehnsherr seinem Vasallen Län- 
dereien mit Gerichtsbarkeit und mehreren Gerechtigkeiten, nebst 
mulierum merchetis ^ Anderson, der diese Urkunde veröffentlicht 
liat, bemerkt dazu, dass er die Ausdrücke „cum herezeldis et mer- 
chetis mulierum" in zahlreichen alten Urkunden gefunden habe, 
insbesondere auch in Bewilligungen zu Gunsten von Frauenklöstern, 
in Leibrentenverleihungen an Witt wen und in Urkunden über Aus- 
stattung schottischer Königinnen und anderer angesehenen Perso- 
nen ^ Im Jahr 1610 übertrug der Laird Robert Douglas von Glen- 
bervie an seinen zweiten Sohn, Robert Douglas, verschiedene Län- 
dereien im nördlichen Theil von Kincardinshire, mit verschiedenen 
Gerechtigkeiten, darunter auch mit „mulierum merchetis" ^. 

Aus diesen Urkunden erhellt die Unmöglichkeit der Annahme, 
dass die mercheta durch Ablösung des jus primae noctis ent- 
standen sei, was gleichwohl von zahlreichen Gelehrten der Neu- 
zeit geglaubt wird^ 

3. England: Merchetumy merchefj marchety marchetuw, amobyr, 

Kapitel 16. Das Domesday-book Wilhelms des Eroberers 
(1066 — 1087) enthielt bei den Gebräuchen von Shrewsbury die 
Bestimmung, dass der König bei Verheirathung einer Wittwe 
zwanzig, und bei Verheirathung einer Jungfrau zehn Schillinge 
von derselben empfangen sollte ^. Wie es scheint, waren also in 

petrariis, turbariis, carbonariis, lapicidiis, lapide et calce fabrilibus, brasinis, 
bruerlis, et genestis, cum herezeldis, bludewicis, et marchetis mulierum, 
cum furca et fossa". . . . Daraus: Ducange unter Bludewica. 

* Urk. V. 13. Juni 1598, bei Anderson S. 56: . . . „cum curiis et earum 
exitibus, et amertiamentis , herezeldis, bluidwitis, et mulierum marchetis, 
liberoque introitu et exitu". 

* Anderson S. 67. 

' Urk. V. 1610, bei Chalmers Bd. 1 S. 450: . . . „curiis et exitibus, Here- 
yeldis, Bludwitis, et mulierum Merchetis." — Samuel Johnson erzählt, zu 
seiner Zeit, also im achtzehnten Jahrhundert, habe auf der schottischen Insel 
Ulva (westlich von Mull und nördlich von Staffa) und, wie er glaube, sonst 
nirgends, die Bezahlung der mercheta mulierum noch fortgedauert; es sei 
das Lösegeld, das in alten Zeiten bei der Hochzeit einer Jungfrau an den 
Laird entrichtet werden musste ; die Bezahlung dieser Abgabe sei früher nicht 
mit Geld, sondern mit einem Landes-Erzeugniss geschehen; und zwar habe 
Macquarry, der Eigenthümer der Insel Ulva und der umliegenden kleinen 
Inseln, einstmals gewöhnlich ein Schaf genommen, während er zu seiner Zeit 
eine Krone Geld erhielt. Vgl. Johnson S. 229, 230; Michelet S. 264.. 

* Vgl Kap. 40. 

' Domesday-book I, 252, bei Spelman unter Maritagium und bei R. Schmid 
S. 600 : ,,Mulier accipiens quocunque modo maritum, si vidua erat, dabat regi 
20 8., si puella 10 s., quolibet modo acciperet virum." Vgl. Macpherson S. 196. 

6* 



84 Kapitel 16. Heirathsabgaben in England. 

Shrewsbiiry (ähnlich wie ursprünglich in Wales und Schottland *) 
selbst freie Männer (who held their lands in free soccage) zur 
Entrichtung der Heirathsabgabe verpflichtet ^. Jofifridus , Abt von 
Croyland seit dem Jahr 1109, errichtete ein Kloster zu Wridthorp 
bei Stanford und überwies demselben gewisse Ländereien, eine 
Wassermühle und vierzehn Hörige nebst allen Abgaben, die von 
den Letzteren bisher an die Abtei zu entrichten waren; dazu 
gehörte eine Heirathsabgabe unter dem Namen gerson, und eine 
Strafe für entehrte Töchter unter dem Namen ourlop^. 

Schon zur Zeit Heinrichs IIL (1216—1272) war die Ver- 
pflichtung zur Zahlung eines „merchetum" auf unfreie Personen 
beschränkt. Bracton nämlich erwähnt das merchetum als die 
Heirathsabgabe, die für Töchter der Hörigen bei deren Ver- 
heirathung zu entrichten war*. An einer andern Stelle erörtert 
er die Frage, ob und inwieweit ein freier Mann durch den Besitz 
eines „purum villenagium" zu unbestimmten oder durch den Be- 
sitz eines „villanum socagium" zu bestimmten Knechtsdiensten 
verpflichtet werde. Er setzt hinzu, auch der Besitzer eines freien 
Gutes (liberum tenementum) könne sich durch Vertrag zu gewissen 
Diensten verpflichten. „Aber ein merchetum für die Tochter 
zu geben, kommt dem freien Manne nicht zu, unter Anderm 
wegen des Vorrechts eines freien Mannes." ^ 

In der Fleta (einem ßechtsbuch aus der Zeit Eduards I., 
1272— 1307) findet sich das Wort merchetum in folgendem 
Zusammenhang. Schenkte ein Herr seinem Leibeigenen ein Gut 
mit der Bestimmung, dass er es für sich und seine Erben be- 
halten sollte, so wurde daraus zugleich die Freilassung des Leib- 
eigenen hergeleitet, wenn auch das Wort „frei" vor dem Wort 
„behalten" nicht ausgedrückt war; doch blieben die Lasten und 

» Vgl. Kap. 14 S. 73 u. Kap. 15 S. 77. « Vgl. Macpherson S. 196, 197. 

* Blesensls S. 115: ... „et solvlt qullibet pro filiabus suis maritandis 
gersou Domino, et ourlop pro filiabus corruptis et Stoth et alla servitia et 
auxilia, quae plenius in Cartariis Monasterii describuntur. Qui [quae] omnia 
praedictus Pater venerabllis Abbas Joifridus suis praedictis Monachls assi- 
gnavit". . . . Vgl. Dalrymple Bd. 1 S. 319; über den Ausdruck gerson Kap. 18 
S. 91 ; über den Ausdruck ourlop auch Kap. 22. 

* Bracton lib. 2 tit 1 cap. 8 n. 2: „Tranavit totam Angliam Marcheti 
hujus pecuniarii consuetudo in mancipiorum filiabus maritandis^'; an einer 
andern Stelle: „Qui tenet in villenagio, talliari potest ad voluntatem domini 
. . . item dare Merchetum ad filiam maritandam^^ Vgl. Raepsaet 3. Ausg. S. 21. 

* Bracton lib. 2 cap. 8 n. 2 (am Schluss): . . . „Merchetum vero pro 
filia dare non competit libero homini, inter alla propter liberi hominis Pri- 
vilegium". . . . 



Kapitel 16. Heirathsabgaben in England. 85 

Abgaben, wozu das „merchetum sanguinis^ gehörte, insoweit be- 
stehen, als sie auf dem Besitz des Outs und nicht auf der Un- 
freiheit der Person beruhten *. Der Ausdruck „merchetum san- 
guinis^ mochte andeuten, dass die Abgabe in der Regel nur von 
Unfreien zu entrichten war, also gcwissermassen auf unfreies Blut, 
den unfreien Stand des Vaters, schliessen liess. ^ 

Der Grundsatz, dass ein freier Mann seine Tochter frei ver- 
heirathen konnte, ohne dazu einer Genehmigung des Lord zu 
bedürfen, und ohne eine Abgabe dafür entrichten zu müssen, 
konnte durch Gewohnheitsrecht der Herrschaft nicht geändert 
werden, weil angenommen wurde, dass thatsächliche Abweichungen 
von jenem Grundsatz contra rationem seien und deshalb keine 
rechtliche Wirkung haben könnten*. Dagegen konnte ein freier 
Mann eine Besitzung „cum conditione servili" vom Lord übernehmen 
und durch diesen Vertrag verpflichtet werden, bei Verheirathung 
seiner Töchter (oder Söhne) eine Abgabe an den Herrn zu zahlen; 
obwohl Littleton meinte, es sei thöricht, wenn ein freier Mann 
sich derartigen Verpflichtungen unterwerfe^. Also konnte ein 
freier Mann bei Erwerbung der Besitzung jene Verpflichtung 
übernehmen, die durch Gewohnheitsrecht nicht eingeführt werden 



^ Fleta lib. 3 cap. 13, de donationibus servis factis, § 1: . . . „sufFicit 
ad libertatem tantum haec clausula, Habendum et tenendum sibi et heredibus 
suis, eo quod donator per hujusmodi verba innuit manifeste, quod in donatione 
voluit ipsum esse liberum, quamvis hoc verbum libere non exprimatur, non 
obstante incerto servitio ac vilissimo, vel mercheto sanguinis y vel aliis tallia- 
giis voluntariis contributis, dum tarnen hujusmodi praestationes fiant ratione 
tenementi et non ratione personae". ... In den letzten Worten dieser Stelle 
entspricht die Unterscheidung von dinglichen und persönlichen Abgaben dem 
römischen Gegensatz von vectigalia und Stipendium. 

2 Littleton lib. 2 cap. 11, Villenage, sect. 209 (Uebers. v. Coke): „Also 
if the Lord of a manor will prescribe that there hath been a custom within 
his manor, time out of mind of man, that every tenant within the same 
manor, who marrieth his daughter to any man without licence of the Lord 
of the manor , shall make iine , and have made fine to the Lord of the manor 
for the time being, this prescription is voyd: For none ought to make such 
flne but onely villeines. For every free man may freely marry his daughter 
to whom it pleaseth him and his daughter: and for that this prescription is 
against reason, such prescription is voyd." 

* Littleton lib. 2 cap. 11, Villenage, sect. 174 (Uebers. v. Oke): „But 
if a Free-man wil take any lands or tenements to hold of his Lord by such 
villeine service, viz. to pay a fine to him for the marriage of his sonnes or 
daughters, then he shall pay such fine for the marriage, yet notwithstanding 
though it be the folly of such freeman to take in such forme lands or tene- 
ments to hold of the Lord by such bondage, yet this maketh not the Free- 
man a villeine." 



86 Kapitel 16. Heirathsabgaben in England. 

konnte*. Ferner konnte durch Gewohnheitsrecht in einer Herr- 
schaft der Bechtssatz entstehen, dass alle Besitzer, auch solche 
freien Standes, welche ein Gut „cum conditione servili" über- 
nähmen, an den Lord eine Strafe zu entrichten hatten, wenn sie 
ohne dessen Erlaubniss eine Tochter verheiratheten. Diese Strafe 
hiess «merchet** oder „marchet" ^. 

In Blomefield's Geschichte von Norfolk wird ein Prozess vom 
Jahr 1240 erwähnt, wonach der Prior von Shouldham, als Grund- 
herr von Caversham, von einem Einwohner dieser Stadt, Namens 
William de la Forte, bei einer Heirath die mercheta begehrte, 
jedoch abgewiesen wurde, weil der Beklagte kein höriger Bauer 
(villain), sondern ein freier Mann (freeman) war^. In einer ge- 
richtlichen Urkunde vom Jahr 1250 bekannte Wilhelm Maynard, 
Besitzer in Heurst, Grafschaft Berks, dass er als Bauer des Abts 
von Abbendon nach dem Recht der Hörigkeit (per villanas con- 
suetudines) ein Gut besitze, mit der Verpflichtung, an den Abt 
jährlich achtzehn Pfennige und bei Verheirathung einer Tochter 
oder Schwester ein maritagium und merchetum (marchetum) nach 
dem Willen des Abts zu zahlen und alle nach Bauernrecht her- 
gebrachten Dienste zu verrichten *. Nach dieser Urkunde war also 



* Coke zu Littleton lib. 2 cap. 11 sect. 209: . . . „though it may be so 
in a particular case upon such a special reservation of such a iine upon a 
gift of land, yet to claime such a fine by a general custome within the Mannor, 
is against the freedome of a freeman, that is not bound thereunto by parti- 
cular Tenure." 

2 Coke zu Littleton lib. 2 cap. 11 sect. 209: „But a custom may be 
alleged within the manor, that every tenant (albeit bis person be free), that 
holdeth in bondage or by native tenure, the freehold belng in the Lord, 
shall pay to the Lord for the marriage of bis daughter without licence, a 
fine : and it is called marchet, as it were a chete or fine for marriage. And 
here Littleton saith, that none ought to pay such fines but villeines, that 
is, either villeins of blood or freemen holding in villenage or base Tenure." 
Vgl. Coke zu Littleton, lib. 2 cap. 11 sect. 174: „And this villeine and 
servile Tenure is called in old books Marchetum or merchet". 

3 Hazlitt S 433. 

♦ Placita de Banco k die Pasch, in 15 dies 34 H. 3 Rot. 20 Berks, bei 
Spelman unter Merchetum und bei Hazlitt S. 157, 158, unter Heurst: „Will. 
Maynard, qui tenuit terras in Heurst, cognoscit se esse villanum Abbatis de 
Abbendon et tenere de eo in villenagio, et per villanas consuetudines , viz. 
per servicium 18 d. per annum, et dandi maritagium et marchetum (bei H. 
merchetum) pro filia et sorore sua, ad voluntatem ipsius Abbatis, et faciendo 
omnes villanas consuetudines." Vgl. Plot cap. 8 n. 22; Dalrymple Bd. 1 
S. 315. Auffallend ist, dass eine doppelte Abgabe, „maritagium et marche- 
tum", entrichtet werden sollte. Vielleicht ist das Abkürzungszeichen für vel 
mit dem ähnlichen für et durch den Abschreiber verwechselt. 



Kapitel 16. Heirathsabgaben in England. . 87 

nicht bloss für die Tochter, sondern auch für die Schwester bei 
deren Verheirathung ein merchetum zu zahlen ^ Der Betrag war 
dem jedesmaligen Uebereinkommen überlassen. Im Jahr 1253 
wurde gerichtlich festgestellt, dass die Leute von Berkholt, Graf- 
schaft Suffolk, nach einem seit König Heinrich II. in Geltung 
gewesenen Gewohnheitsrecht, so oft sie eine Tochter verheirathen 
wollten, als merchetum zwei 0er, im Werth von 32 Pfennigen^, 
an die Herrschaft zu entrichten hatten ^ In einer gerichtlichen 
Urkunde vom Jahr 1330, die in den Jahren 1357 und 1508 er- 
neuert wurde, ist für die Herrschaft Wivenhoe oder Wyvenho, 
Grafschaft Essex, ausser andern herkömmlichen Lasten, auch die 
Verpflichtung des merchet festgestellt; dergestalt, dass ein Be- 
sitzer unter dieser Herrschaft, welcher seine Tochter an einen 
auswärtigen Mann von freiem Stande verheirathen wollte, sich 
mit dem Herrn über das maritagium verständigen musste; ver- 
heirathete er die Tochter an einen zur selben Herrschaft gehörigen 
Mann, so hatte er kein maritagium, sondern nur das doppelte 
herezeld zu entrichten*. Nach dem Gewohnheitsrecht von Thur- 



^ Dieser Grundsatz galt auch in einigen andern Herrschaften. Vgl. z. B. 
die normannische Urk. v. 12. Jahrh., unten Kap. 18 S. 91. 

2 Also hatte ein 0er sechzehn Pfennige. Nach einer Verordnung des Königs 
Aethelred (978 — 1016) sollten fünfzehn 0er auf ein Pfund gehen. Instltutiones 
Aethelredi regis, lY. de institutione Lundoniae, cap. 9, hei R. Schmid S. 221 : 
„Et ut monetarii pauciores sint, quam antea fuerint, . . . omne pondus sit 
marcatum ad pondus, quo pecunia mea recipitur, et eorum singulum signetur 
ita, quod XV orae libram faciant.^ Danach scheint das 0er eine angel- 
sächsische Münze gewesen zu sein. Auch Hazlitt berichtet (S. 434), jene 
sächsische Münze habe Anfangs sechzehn (später zweiundzwauzig) Pfennige 
betragen. Dagegen meint R. Schmid, Gloss., Geldwährung, 6. Oere, S. 593, das 
0er sei eine dänische Münze, und es müssten sechzehn Oer auf ein Pfund 
gerechnet werden, so dass ein Oer fünfzehn Pfennige betragen habe'. 

' Placita coram concilio domini Regis Term. Mich. 37 H. 3 Rot. 4 Suff., 
bei Speimann unter Marchetum und (im Auszug) bei Hazlitt S. 24, unter 
Berkholt, Co. of Suffolk: „Johanna Deakony attachiata fuit ad respondendum 
hominibus de Berkholt, quare exigit ab eis alia servicia etc. unde dicit, quod 
tempore Regis H. avl Regis, solebant habere talem consuetudinem, quod quando 
maritare volebant filias suas, solebant dare pro filiabus suis maritandis duas ho- 
ras [oras], quae valent 32 denarios etc. Postea veniunt homines et concedunt, 
quod domina Johanna potest eos talliare semel in anno secundum facultatem 
eorum, et quod debent carriare maeremium, et quod debent dare Merchetum 
pro iiliabus suis maritandis, scilicet 32 d." Vgl. Ducange unter Marcheta; 
Dalrymple Bd. 1 S. 322; Astle S. 36; Corner S. 7; Brinckmeier Bd. 2 S. 190. 

* Extenta Manerii de Wyvenho in Com. Essex, renovata 20. Mar. 23 H. 7, 
juxta antiquiorem 18. Dec. 40. Ed. 3 et aliam 13. Ed. 3 A. D. 1330, bei Spel- 
man unter Wardpenny, auch unter Marchet: „Ric. Burre tenet unum mesuag. 



88 Kapitel 16. Heirathsabgaben in England. 

garton und HorsepoU, Grafschaft Nottingham, hatte jede Bäuerin, 
die heirathete oder Unzucht beging, als merchet (oder marchet) 
„für Lösung ihres Bluts** fünf Schillinge und vier Pfennige zu 
zahlen; die Tochter eines Kötters die Hälfte ^ Derselbe Grund- 
satz galt in Fiskerton und Moreton, Grafschaft Nottingham ^ ; des- 
gleichen in der Abtei Peterborough ^. Auch auf der Insel Guern- 
sey soll ein marchetum gegolten haben*. Astle berichtet von 
seiner eigenen Herrschaft, Manor of Great Tey, Grafschaft Essex, 
dass viele Besitzungen dieser Herrschaft dem Recht der mar- 
cheta mulierum unterworfen gewesen seien ^. 

In einem ßentenverzeichniss des Priors von Tynemouth, 
Grafschaft Northumberland , vom Jahr 1378 ist gesagt: „Alle 
Bauern von Tynemquth haben vorkommenden Falls die layre- 
wite* für ihre Töchter oder Mägde und das merchet für Ver- 
heirathung ihrer Töchter zu zahlen^. Im Herrensitz Burg oder 



etc. ... Et debet . . . Merchet hoc modo, quod si voluerit maritare flliam 
suam cum quodam homine libero extra villam , faciet pac. cum dom. pro 
maritagio. Et si eam maritaverit alicui customario villae nihil dabit pro 
maritagio. Et dabit duplex heriotum". . . Daraus: Dalrymple Bd. 1 S. 321; 
Astle S. 35; Corner S. 8; Brinckmeier Bd. 2 S. 190. Vgl. Hazlitt S. 376, 377, 
unter Wivenhoe, Co. of Essex: „Ricardus Burr tenet unum messuagium, et 
debet tallagium, seetam curiae, et merchet hoc modo, quod si maritare vo- 
luerit flliam suam cum quodam libero homine extra villam, faciet pacem 
domini pro maritagio, et si eam maritaverit alicui customario villae, nil dabit 
pro maritagio. Anno Dom. 1230.'' (Druckfehler für 1330?) 

^ Reg. Prior, de Thurgarton, bei Blount 8. 143 und bei Hazlitt S. 320, 
unter Thurgarton and Horsepoll, Co. of Nottingham: . . . „Likewise every 
naif, or she villain, that took a husband or committed fornication, paid 
merchet [bei B. marchet] for redemption of her blood, flve Shillings and 
fourpence, and the daughter of a cottager paid but half a merchet [bei B. 
marchet]." Vgl. Astle S. 37; Anderson S. 60. 

* Reg. Priorat. de Thurgarton, bei Hazlitt S. 123 unter Fiskerton and 
Moreton, Co. of Nottingham : . . . ^Every she-native that married, or committed 
fornication, paid for redemption of her blood (pro redemptione sanguinis) 
ftve Shillings and fourpence to the lord, which was in lieu of mercheta 
mulierum." Vgl. Dalrymple Bd. 1 S. 319; Astle S. 37. 

' Spelman unter Merchetum: „Hoc est quod Sokemanni et nativi debent 
solvere pro filiabus suis corruptis sive defloratis, 5 s. 4 d. Regist. Abb. de 
Burgo S. Petri in bibl. Cotton." 

♦ Plot cap. 8 n. 22 S. 278. Vgl. Spelman unter Marchet: „Floruit (audio) 
et mos iste in Gernsey, insulä Normannicä"; v. d. Schelling Bd. 1 S. 148; 
Anderson S. 59. 

5 Astle S. 34—37. Vgl. Hazlitt S. 315. « Vgl. S. 89 Note 2. 

^ Brand (ed. EUis) Bd. 2 S. 177 Anm. : „I found the subsequent clause in a 
curious M. 8. in the Cotton Library, Vitell. E. 5, entitled, Excerpta ex quodam 
antiquo registro prioris de Tynemouth, remanente apud comitem Northumbriae 



Kapitel 16. Heirathsabgaben in England. 89 

Brug, Grafschaft Salop, hatte ein Bauer, der seine Tochter ausser- 
halb der Lehnsherrschaft verheirathete , drei Schillinge an den 
Bischof (als Lehnsherrn) zu zahlen *, und für jede lierwyte ^ zwei 
Schillinge. 

In der Herrschaft Clun, Grafschaft Salop, bestand eine Ab- 
gabe unter dem Namen amabyr und chevage, die Henry Earl 
of Arundel im Jahr 1557 oder 1558 seinen Bauern erliess^ Hier- 
über wurde eine Denkschrift des Mr. Thomas Salt aus Shrewsbury 
in der Jahresversammlung, welche das Archaeologicäl Institute 
of Great Britain and Ireland im August 1855 zu Shrewsbury ab- 
hielt, am 7. August 1855 durch Dr. Kennedy verlesen*. 

Aus vorstehender Entwicklung und aus den mitgetheilten 



de Baroniis et Feodis: Rentale de Tynemouth, factum A. D. 1378: Omnes 
Tenentes de Tynemouth, cum contigerit, solvent Layrewite [pro] flliabus 
vel anciUis suis, et etiam Merchet pro filiabus suis maritandis.^ Daraus: 
Anderson S. 61. Bei Hazlitt, unter Tinmouth, Co. of Northumberland , fehlt 
die Erwähnung dieser Urkunde. 

' Liber ruber Castri Episcopi, bei Hazlitt S. 45 unter Brug or Burg, 
Co. of Salop:' ^Sciendum est, quod quando customarius manerii de Burg, in 
Gomitatu Salop, moritur, episcopus habebit melius averium, omnes porcos, 
apes, baconem integrum, pullum masculum, pannum integrum, ollam aeneam, 
tenellam cerevisiae, si sit plena. Et quando maritabit üHam extra feodum, 
dabit tres solidos; dabit etiam pro qualibet lierwyte ii s." Vgl. Astle S. 37. 

• Der Ausdruck layrewite oder lierwyte bedeutet Unzucht-Strafe, von 
dem angelsächsischen leger = fornicatio und wite = mulcta. Vgl. R. Schmid, 
Oloss. S. 623; Anderson S. 60; Hazlitt S. 432. Derselbe Ausdruck findet 
sich in den Leges Henrici Primi, cap. 23 § 1 und cap. 81 § 3, sowie in der 
Fleta, lib. 1 cap. 47. Hiernach hat das Wort layrewite oder lierwyte den- 
selben Sinn, wie die schottische marcheta mulierum oder das gälische amobyr 
in der einen Bedeutung des Worts. Vgl. Anderson S. 60; Hazlitt S. 413. 
Vermuthlich gleichbedeutend ist die „Letherwyte", die unter den Abgaben an 
die Abtei Croyland erwähnt wird, bei Ingulphus S. 101. 

' Hazlitt S. 77 unter Clun, Co. of Salop: . . . „A custom in the honour 
of Clun: Pretium virginitatis dominoisolvendum. . . . This custom Henry Earl 
of Arundel released to his tenants, anno 3 et 4 Phil, et Mar. 155.^ Corner 
S. 9: „In Wales, and on the Shropshire border, a similar custom to the 
marcheta existed under the name of amabyr or amvabyr. It existed in the 
honour of Clun, formerly belonging to the Earls of Arundel, and is mention- 
ed . . . as Pretium virginitatis domino solvendum. . . . This custom was 
released to . his tenants by Henry , Earl of Arundel , anno 3 and 4 Philipp 
and Mary, by the name of the custom of amabyr and chevage.^ 

♦ The Archaeologicäl Journal, vol. XII, London 1855 S. 385: „The Rev. 
Dr. Kennedy then red a memoir prepared and entrusted to him by Mr. 
Thomas Salt of Shrewsbury, on the history of the Manor, Borough and 
Forest of Clun in Shropshire, and observations on the Custom of Amobyr 
formerly existing there." Vgl. Corner S. 9. 



90 Kapitel 17. Heirathsabgaben in Irland. 

Urkunden erhellt die Grundlosigkeit der Meinung ^, dass in Eng- 
land das Herrenrecht der ersten Nacht bestanden haben müsse, 
weil daselbst (ebenso wie in Schottland) die marcheta mulierum 
verbreitet gewesen sei. Dieser Meinung liegt der Irrthum zu 
Grunde, dass die Erzählung des Hector Boethius über den Ur- 
sprung der marcheta mulierum ^ auf Wahrheit beruhe. Aus dem- 
selben Irrthum, in Verbindung mit der vorerwähnten Stelle aus 
Bracton (lib. 2, cap. 8), erklärt sich die Behauptung Dümge's, 
dass die Könige Englands, im Gegensatz zu denjenigen Schott- 
lands, jenes schändliche Recht auf die Freigebornen nicht hätten 
ausdehnen können^. Besonders bezeichnend für die Unklarheit, 
die über die marcheta bei einigen modernen Schriftstellern herrscht, 
ist folgende Darstellung der spanischen Advokaten Marichalar 
und Manrique. Sie meinen, in England habe unter dem Namen 
marcheta das Recht gegolten, die jungfräuliche Keuschheit zu 
verletzen; durch König Evenus nämlich sei den Grundherren die 
Brautnacht eingeräumt worden; doch sei dies Recht „sehr bald" 
verschwunden; denn König Malcolm III. habe es im Jahr 1090 
unter der Bedingung aufgehoben, dass der Bräutigam dem Grund- 
herrn fünf Schillinge und vier Pfennige zahlte oder dafür Sicher- 
heit leistete. „Seitdem besteht in England die Gewohnheit, das 
Recht abzulösen, doch ist die Ablösungssumme eine verschiedene, 
nach dem Vermögensstand der Brautleute. Zur Zeit Heinrichs III. 
hatte die Abtei Abbendon das Recht der Marcheta; der Bräu- 
tigam löste es ab mit einer Summe, die der Abt festsetzte." * 

4. Irland: Lohempty. 

Kapitel 17. Nach unsicheren Nachrichten soll in Irland un- 
ter dem Namen L o h e m p y eine Heirathsteuer bestanden haben ; 
Plot erklärt den Ursprung dieser Abgabe ebenso, wie Hector 
Boethius die marcheta mulierum von Schottland^. Diese Erklä- 



t 

1 Plot cap. 8 11. 21 S. 278. Dtimge S. 19, 20. Marichalar S. 68. La- 
bessade S. 22 Nr. 37. 

2 Vgl. darüber Kap. 40. » Dümge S. 19, 20. 

* Marichalar Bd. 6 8. 68. Vgl. zur Beleuchtung der in dieser Stelle ent- 
haltenen Irrthümer oben S. 1 und S. 86 und unten Kap. 40. 

* Plot cap. 8 n. 22 (8. 278) sagt von der marcheta mulierum: „Nor did 
it only prevail in England and Scotland, but ... in the kingdom of Ire- 
land too; where as I am told by the Whorshipful Colonel Edward Vernon 
(deputy high Steward of the Honor of Tutbury, and deputy Lieutenant of 
the Forrest of Needwood) it is caU'd Lohempy.^ Vgl. Dalrymple Bd. 1 
S. 315. — Das Wort Lohempy ist bei Lluyd und bei Windisch nicht zu 
finden; es erinnert an log, in der Bedeutung von Lohn, Preis. 



Kapitel 18. Heirathsabgaben in der Norman die. 91 

rung beruht auf dem Irrthum ^ , dass die Erzählung des Hector 
Boethius vom Gesetz des Königs Evenus als geschichtliche Wahr- 
heit zu betrachten sei. 

B. Heirathsabgaben in Frankreich. 

1. Normandie: Droit de formariage, guersumma, gaMeaux ou regards, 
mets du mariage, plat nuptial, droit de cullage, adagium, 

Kapitel 18. Die Abtei Saint-Georges de Bocherville empfing 
im zwölften Jahrhundert von ihren Leuten achtzehn Pfennige , so 
oft dieselben eine Schwester oder Tochter in einem auswärtigen 
Lehen verheiratheten ^. Dies war also ein droit de formariage ^. 
Ebenso erhielt die Aebtissin von Caen drei Sous, so oft die Bauern 
von Carpiquet eine Tochter nach auswärts vermählten*. Im Ar- 
chiv der Abtei Preaux findet sich eine Urkunde vom Jahr 1231, 
wonach in einem von der Abtei abhängigen englischen Herren- 
sitz die Hörigen für die Erlaubniss, sich oder ihre Töchter zu 
verheirathen , eine „guersumma** zu zahlen hatten^. In einem 
Lehnsanerkenntniss * vom 20. December 1373 sagt der Herr des 
Halblehens Chauvigni zu Hellen und Alen^on, er habe das Recht, 
bei allen Heirathen die „gasteaux ou regards^ zu erhalten; diese 



» Vgl. Kap. 40. 

2 Urk. V. 12. Jahrb. bei Delisle S. 69: „Si quis illorum maritaverit sororem 
vel ftliam suam in extraneo feodo, prebere nobis debet 18 denarios.^^ Daraus: 
Barth^lemy S. 105 und Delpit S. 52. 

* Vgl. Kap, 13 S. 66. — Ohne allen Grund meinen Delpit und Labessade 
(Nr. 20 S. 20, 21 und 92), das Recht der Abtei sei von derselben Natur 
gewesen, wie das Herrenrecbt der ersten Nacht. 

* Urk. V. 12. Jahrb., bei Delisle S. 69* „Si dederit flliam suam extra 
vilanagium, dabit 3 solidos abbatissae." Daraus: Delpit S. 48. Seltsamer- 
weise erblickt Labessade, der Nachfolger Delpit's, (S. 20, 9, 29 und 46) in 
dieser Urkunde den Beweis eines „droit de pr^libation", welches der Aebtissin 
zugestanden haben soll. 

* Consuet. de Tostes v. J. 1231 , bei Delisle S. 69 : „Debent dare guer- 
summam, hoc est non possunt maritare se nee filias suas sine licentia domini.'^ 
Daraus: Delpit S. 50 und Labessade Nr. 13 S. 20 und S. 81. Der Ausdruck 
guersumma bedeutet sonst allgemein eine Abgabe. Vgl. oben Kap. 16 S. 84, 
Ducange unter Oersumma und Hazlitt S. 428 unter Oersuma. Ueber die be- 
zeichnete Abtei vgl. Mor6rl unter Pr6aux. 

^ Ein aveu oder d^nombrement ist ein fUr den Lehnsherrn ausgestelltes 
Anerkenntniss des Vasallen, dass er von jenem ein Lehen mit den im Ein- 
zelnen verzeichneten Rechten und Pflichten habe. Es war ein Anerkennungs- 
titel (titre r^cognitif), wovon der ursprüngliche Erwerbstitel (titre primitif) 
unterschieden wurde. Vgl. Dalloz unter Propriöt^ Nodale Nr. 427, 428. 



92 Kapitel 18. Heirathsabgaben in der Normandie. 

Abgabe betrage nur zwei Sous und zwei Pfennige, so dass die 
Brautleute die Wahl hätten, ob sie diese Geldsumme zahlen oder 
einen Blumentisch mit zwei Weizenbroten, ein Baril Wein von 
hoher Lage und einen guten Schweineschinken liefern wollten; 
werde die Abgabe binnen acht Tagen nach der Hochzeit nicht 
entrichtet, so sei eine Strafe von noch fünfzehn Sous zu zahlen; 
überdies müsse sein Sergent zur Hochzeit geladen, oder ihm der 
Betrag von acht Pfennigen für Handschuhe gezahlt werden ; alle 
diese Dinge seien durch Abkommen seiner Vorfahren und seiner 
Leute festgestellt, „zum Ersatz für andere Abgaben, die früher 
zu entrichten waren" *. Nach Inhalt der Schlussworte hatte die 
Art der Abgaben (redevances) im Lauf der Zeit* sich geändert. 
Die Urkunde gewährt keinen Grund für die Meinung^, dass der 
Herr von Cbauvigni ähnliche Rechte wie das der ersten Nacht 
ausgeübt habe. In einem Lehnsanerkenntniss vom Jahr 1400 
sagt Stephan von Sainte - Martin bei Etrepag, wer auf seinem 
Lehen heirathe, müsse ihm ein Stück Fleisch, zwei Brote und 
zwei Kannen Wein, in Begleitung von Spielleuten, in sein Haus 
bringen, von derselben Güte wie das, was die junge Frau auf 
der Hochzeit geniesse*. Aehnliche Bestimmungen finden sich in 

* Aveu du 20 d6c. 1373, bei Delisle S 70: „Item je tiens et aveue tenir 
et k avoir par reson de heritage, comme dit est, k avoir les gasteaulx ou 
regars de touz ceulz qui se marient, . . . le dit gastel ou regart n'est que 
de ij sous ij deniers, ainsi que 11 est au chois de celuy ou de celle qui se 
marie de polar les sommez d'argent dessuz desclar^es, selon le temps des 
dictes nopces; ou de poler un gastel de la fleur de ij boesslaulx de froment, 
un baril de vin de haute vigD^e, et une jambe de porc bon et süffisant, ainsi 
que celluy ou celle qui se marie ne pole les choses dessus dictes ou Tune 
d'icelles, selon le cours du temps des dictes nopces, dedenz 8 jours apres 
les dictes noces, 11 encourt en Tarnende de 15 sous en oultre le dit gastel 
ou regart, et auxl convient-11 que le sergent de mon dit deme fie soit as 
noces, ou que il alt 8 deniers pour ses gans, et sont ces choses ycy port^es 
par lettre de certaln acort de mes ansesours et des hommes de mon deme 
fieu en recompensation d*autres redevances, selon ce que par les dictes lettres 
appert, qui furent faictes et pass^es 11 y a environ IX^^ ans." Daraus: 
Delplt S. 50 

* Labessade S. 84 berichtet, jene Rechte des Herrn von Chauvigni ständen 
schon in einer Coutume vom Jahr 1103 verzeichnet; dies wird schwerlich 
richtig sein, da die Schlussworte der Urkunde vom Jahr 1373 auf ein so 
hohes Alter nicht hinweisen. 

' Labessade S. 20. 

^ Urk. v. 1400, bei Delisle S. 71: „Item, quant aucun se marie ou dit 
fief, 11 dolt une pldce de viande, deux palns et deux pos de vin, et doit 
estre pareil k celul de l'espous^e, et le dolvent aporter ou dit hostel en la 
compaignle des menestriers faisans mestler." Daraus: Delplt S. 53. 



Kapitel 18. Heirathsabgaben in der Normandie. 93 

Lehnsanerkenntnissen aus den Jahren 1402 — 1416*. In einem 
solchen Yerzeichniss der Baronie Orglandes vom Jahr 1454 ist 
gesagt: „So oft einer meiner Leute zu Gou6 heirathet, schuldet 
er mir unter Anderm einen Kuchen im Preis von fünf Sous oder 
dafür fünf Sous Geld/ ^ Der Prior de la Bloutiere sagt in einem 
Lehnsanerkenntniss vom selben Jahr: „Wir haben die herkömm- 
lichen Abgaben für den Fall, dass unsere Leute ihre Kinder 
ausserhalb unserer Herrschaft verheirathen , und zwar für jeden 
Livre, den sie ihren Kindern in die Ehe mitgeben, zwölf Pfen- 
nige bei Verheirathung des ersten und sechs Pfennige bei Ver- 
heirathung jedes andern Kindes ; ausserdem für jedes Ohrgehänge 
vier Pfennige, für jedes Kupfergeräth vier Pfennige; für jede 
Kissenhandhabe des Federbetts vier Pfennige; ferner für den 
Backtrog pro Fuss vier Pfennige; und für die silberne Schnalle, 
wenn eine solche gegeben wird, vier Pfennige." ^ In einem Lehns- 
anerkenntniss des Herrn Heinrich von Saucei für das Lehen 
Mesnil-Auber vom Jahr 1463 ist erklärt, dass, wer seine Tochter 
verheirathet und ihr ein Bett oder einen Backtrog mitgiebt, für 
jede Federbett-Handhabe und jeden Backtrog-Fuss zwei Pfennige 
zu zahlen habe" ^ Der Herr von Chäteau-Dassi bemerkte in 
einem Lehnsverzeichniss , welches er dem König einreichte, dass 
ihm von jedem Gericht der Hochzeitschmäuso eine Schüssel in 
sein Haus gebracht werden müsse ^. Der Marschall de la Force 



» Urk. V. 1402, 1403, 1407, 1410 u. 1416 bei Delisle S. 71, 72. Diese 
Urkunden bieten keinen Grund fttr die Annahme Labessade's (Nr 21, S. 21 und 
S. 92, 93), der Herr von Saint-Martin bei Etr^pag hätte bei Heirathen seiner 
Unterthanen Rechte von der Art des Herrenrechts der ersten Nacht gehabt. 

* Urk. V. 1454, bei Delisle S. 73 : „Item, toutes et quantesfois que aucun 
de mes hommes du si^ge de Gou^ se marient, ilz, entre autres choses, me 
doivent ung gasteau du pris de cinq solz tournois ou cinq solz pour ycelui.^' 

' Urk. V. 1454, bei Delisle S. 73: „Item nous avons les coustumes des 
mariaiges que noz hommes fönt aux gens de dehors nostre dicte seigneurie, 
pour chascune livre de monnoye qu'ilz donnent k mariaige k leurs enifans, 
pour la premi^re xij deniers, et pour chascune des autres vj deniers. Item, 
pour chascun orillier, iiij deniers; pour chascuu cuevrechief iiij deniers; 
pour la coycte, pour chascune corni^re de traversin, iiij deniers; item, pour 
la huge, pour chascun piö de huge, iiij deniers; et s'il y a serreure, pour 
la serreure iiij deniers." 

* Urk. V. 1463, bei Delisle S. 73, 74: „que chascun qui marie sa fllle, 
s'il luy donne liet ou buche, il doit de chascune corni^re de couite et de 
chascun pi^ de buche ij deniers tournois." 

^ Lauriöre unter Mests de Mariage: „C'est un droit du au Seigneur de 
Chäteau- Dassi, port^ par ses aveus rendus au Roy, que de toutes vlandes 
qui se mangent aux nöces, eu est du un plat au seigneur, portable en sa 



94 Kapitel 18. Heirathsabgaben in der Normandie. 

soll als Inhaber der Herrschaft de la BouUaye bei Hochzeiten 
seiner Unterthanen folgendes Recht gehabt haben : ^ Am Tage der 
Hochzeit muss der Bräutigam, unter Begleitung einer Geige oder 
Bratsche, dem Herrn das Hochzeitsgericht (mests du mariage) 
bringen, und zwar zwei junge Hühner, zwei Kannen Wein und 
eine Hammelschulter; er muss dann einen Tanz aufführen und 
sich zurückziehen.*** Von dem Herrensitz Genesville^ theilt Du- 
cange folgende Urkundenstelle mit: „Und wenn Jemand an dem 
genannten Ort heirathet, so ist er verpflichtet, am Tag der 
Trauung uns auf unsern Herrensitz von Genesville einen Teller 
Fleisch, zwei Brote und eine Kanne Wein, unter Vorantritt von 
Spielleuten, zu bringen; dies Recht heisst Hochzeitsgericht (plat 
nuptial)." ^ Aehnliche Heirathsabgaben sollen in vielen andern 
Herrschaften der Normandie bestanden haben *. 

An einigen Orten der Normandie führte die Heirathsabgabe 
den Namen droit de cullage oder culagium. Nach einer 
Urkunde vom Jahr 1235, aus Fecamp, hatte ein Bauer, der seine 
Tochter nach auswärts verheirathete, eine Abgabe von drei Sous, 
unter dem Namen „culagium", an die Benedictinerabtei zu Fecamp 
zu entrichtend Durch Urkunde vom 22. Juli 1238 verzichtete 
Simon de Pierrecourt, mit Zustimmung seiner Gemahlin Agnes 
und seines erstgebornen Sohnes Willernus, in Gegenwart des 



maison." Ducange, unter Missus: „M^s de mariage, jus quod domino castri 
d'Assi competit , quod ejusmodi est , ut ex singulis cibis qul in vaasallorum 
nuptiis apponuntur, discus unus ad dominum deferri debeat." Das Datum 
dieses Verzeichnisses ist nicht angegeben 

* Galland bei Lauri^re Bd. 2 S. 112, unter R^gal de mariage. Daraus: 
Ducange unter Missus; Michelet S. 266, 267; Bouthors Bd. 1 S. 470. 
Lauri^re giebt das Datum einer etwa darüber ausgestellt gewesenen Urkunde 
nicht an; die Angabe von Michelet, dass die Urkunde vom Jahr 1615 datire, 
scheint auf Verwechslung zu beruhen. 

* Genest in der Normandie? ' Ducange unter Plat nuptial. Michelet 
S. 266. Dag Datum der Urkunde ist nicht angegeben. 

* Vgl. Labessade Nr. 22 — 34, S. 21: „Le seigneur de Crennes, dans la 
vicomtÄ de Vire, le seigneur de Gond^-sur-Risle , le seigneur de Montbraie, 
le seigneur de Launoy, h Saint-Pierre-ös-Champs, le seigneur de Honneteville, 
dans la vicomt6 de Pont-Audemer , le seigneur de Saint-Etienne de Lailler, 
le seigneur de Chavoi, le seigneur d'Aubigni, le seigneur de Gou6, le seigneur 
de Glatigni, le seigneur de Torquenne-en-Aulge , le seigneur de Boisbenart, 
le seigneur de Foville, et plusieurs autres seigneurs normands percevaient 
des droits de m^me nature sur les mariages de leurs sujettes." 

^ Polyptych. Fiscann. a. 1235, bei Ducange unter Culagium: „Cum villanus 
maritat filiam suam extra villenagium, debet tres solidos de culagio.^^ Daraus: 
Laferri6re Bd. 5 S. 457. 



Kapitel 18. Heirathsabgaben in der Normandie. 95 

Abts Eobert von Faucarmont, nicht nur auf alle Jahresabgahen 
seiner Leute, sondern auch auf das ,,culagium^, was darin bestand, 
dass ihm seine Leute, so oft sie eine Tochter verheiratheten, drei 
Sous zu zahlen hatten ^. In einem Lehnsanerkenntniss vom Jahr 
1455 erklärte der Herr von Trop, dass seine Leute ihm den 
^cuUage de mariages^ zu entrichten hätten*. Zufolge Urtheils 
des Rechnungshofes vom 7. April 1507 wurde die Grafschaft Eu, 
die unter vormundschaftlicher Verwaltung des Königs als Ober- 
lehnsherrn stand, für die minderjährigen Kinder des Grafen von 
Nevers und seiner Gemahlin Charlotte von Bourbon abgeschätzt; 
zu den abgeschätzten Gütern gehörte die Baronie Saint-Martin- 
le-Gaillard ; bei deren Beschreibung ist im Abschätzungsprotokoll 
gesagt, dass ihr bei Heirathen das „droit dei cullage** zustehe^. 
Offenbar betrifft auch diese Stelle lediglich eine Heirathsabgabe, 
und die Meinung der Schriftsteller, die darin einen Hauptbeweis 
für das Herrenrecht der ersten Nacht finden wollen, ist durchaus 
hinfällig. 

Für die Erklärung des Ausdrucks culagium, culage oder cul- 
lage sind verschiedene Vermuthungen möglich. Soweit damit 



1 Urk. V. 22. Juli 1238 (in der Bibliothek von Neufchätel, D6p. Seine- 
Inf^rieure) , bei Beaurepaire S. 168 und bei Barth^lemy S. 118: ... ,,Quitavl 
etiam dictis hominibus quendam reditum qui culagium dicebatur, videlicet tres 
Bolidi quos mihi singuli reddebant, quando filias suas maritabant.^^ Ohne 
Grund finden Delpit (S. 54) und Labessade (Nr. 35 8. 21, 22, 93, 94) in dieser 
Urkunde einen Beweis des Herrenrechts der ersten Nacht. 

* Aveu du fief de Trop en 1455, bei Delisle S. 69 : ... „paler le cullage 
de mariages". Daraus entnehmen Delpit (S. 52) und Labessade (Nr. 19 
S. 20 und S. 92) ohne Grund einen Beweis für das jus primae noctis. 

' Proc^s-verbal fait par M. Jean Faguier. auditeur en la chambre des 
comptes, eu vertu d'arrest d'icelle du 7 avril 1507, bei Lauri^re S. 307: . . . 
„item a ledit Seigneur audit lieu de Saint-Martin droit de cullage quand 
on se marie.^ Vgl. Ducange unter CoUecta, Culagium und Marcheta; Grupen 
§ 8; Encycl. unter Culage (von Boucher d'Argis); Voltaire, Dict. phil. unter 
Taxe; Encyl. m^th., Jurispr. Bd. 3 S. 434; Merlin, R^p. unter Markette, 
Bd. 8 S. 107; Raepsaet 3. Aufl. S. 23; Roquefort, suppl. S. 106; Collin de 
Plancy Bd. 1 S. 166, 167; Peuchet-Chanlaire 8. 23; Delisle S. 69; Veuillot 
(2. Aufl.) 8. 264; Delpit 8. 55, 56; Marichalar Bd. 6 8.. 69, 70; Gubernatis, 
Usi 8. 199; L. Favre bei La Curne unter Cullage. Einige Schriftsteller 
drücken sich so aus, als stände in jener Urkunde „droit de pr^libation", was 
nicht der Fall ist. Dieser Irrthum findet sich namentlich bei Dulaure, Adel 
8. 243; Merlin, R^p. unter Marotte; Dict. Acad. sappl. unter Markette; 
Kolb 1842, 8. 497 und 1843, Bd. 2 8. 73; Lagr^se 1867, 8. 402. Labessade, 
Nr. 86 8. 22 und 8. 94, gebraucht bei Erwähnung derselben Urkunde die 
Ausdrucke droit de culage und droit de pr^libation als gleichbedeutend. 



96 Kapitel 18. Heirathsabgaben in der Normandie. 

eine Niederlassungssteuer bezeichnet wird*, liegt es nahe, an die 
Bauernsprache zu denken, worin der Name von cul gebildet 
sein kann *. Es kann aber auch an eine Corruption des lateini- 
schen Ausdrucks collecta, coUata, collatio oder collectio (d. i. 
Abgabe^) gedacht werden. La Curne de Sainte-Palaye leitet 
das Wort culage von osculage, osculagium her*. Viele Schrift- 
steller endlich finden in dem Ausdruck eine geschlechtliche An- 
spielung. Wäre eine solche in dem Wort zu finden, so müsste 
sie auf die Natur der Ehe bezogen werden^. Keinenfalls be- 
rechtigt der Wortlaut zu der Vermuthung, dass dem Grund- 
herr^ das Recht zugestanden hätte, an Stelle des Bräutigams 
die erste Nacht mit der Braut zuzubringen. Es liegt kein ge- 
nügender Grund vor, zwischen den Ausdrücken culage und cu- 
laige einen wesentlichen Unterschied zu machen®. Das Wort 
culaige bezeichnet in mehreren Urkunden eine Abgabe oder ein 
Geschenk von Wein, Esswaaren oder Geld ^. Dieselbe Bedeutung 
haben in andern Urkunden die Ausdrücke cullage oder couUage ®, 



* Vgl. unten Kap. 78. 

2 Vgl. den Kommissionsbericht der franz. Akademie der Inschriften vom 
11. August 1854, Berger de Xivrey S. 24 („expression indöcente"). 

' Vgl. Ducange unter Collecta. * La Curne unter Cullage Bd. 4 S. 435. 

* In vielen modernen Wörterbüchern (z. B. bei Mozin-Peschier unter cu- 
lage) ist der Ausdruck droit de cullage mit „Recht der Brautnacht" übersetzt. 
Dies ist schon deshalb unrichtig, weil das Wort droit in jener Zusammen- 
setzung nicht „Recht", sondern „Abgabe" bedeutet. Allenfalls könnte jener 
Ausdruck mit „Abgabe für die Brautnacht" übersetzt werden, in der Unter- 
stellung, dass die Abgabe vor der Brautnacht zu zahlen war; allein auch dann 
ist die Uebersetzung ungenau. 

« Ducange Bd. 7 (Gloss. fran^ais) S. 116 erklärt das Wort Cullage für das 
Herrenrecht der ersten Nacht, dagegen Culaige für ein Geschenk in Fleisch, 
Wein oder Geld. Roquefort Bd. 1 S 330 hält zwar die Ausdrücke culaige, 
culage, cullage und cuUiage etymologisch für gleichbedeutend, meint aber, 
alle diese Ausdrücke seien in zwei verschiedenen Bedeutungen zur Anwendung 
gekommen, nämlich sowohl zur Bezeichnung des tyrannischen Herrenrechts der 
ersten Nacht, als auch zur Benennung des Geschenks, welches der Neu- 
vermählte am Hochzeitstage an seine Gefährten zu entrichten hatte. La 
Curne, Bd. 4 S. 434, 435, hält es für möglich, dass culaige ebenso wie cullage 
das Herrenrecht über die neuvermählten Vasallen bezeichnet habe. Dagegen 
bemerkt L. Favre (ebendaselbst), culaige bedeute ein Geschenk. Offenbar 
ist in der Schreibart culaige der Buchstabe i ein blosses Dehnungszeichen, 
ebenso wie z. B. in mariaige, oben S. 93 Anm. 3. 

' Lettres de Charles VI du mois de juillet 1415, bei La Curne unter Cu- 
laige Bd. 4 S. 434: „Je crois qu'elle est all^e boire du culaige." Vgl. auch 
die Urk. v. 1454 unten in Kap. 26. 

8 Vgl. Urk. V. 1375 unten Kap. 26. 



Kapitel 19. Heirathsabgaben in Frankreich. 97 

couillage, couillaige und coillage ^ Es ist daher erklärlich, dass 
der Ausdruck culage, wie culaige, eine Heirathsabgabe be- 
zeichnet. 

2. Andere Provinzen Frankreichs. 

Kapitel 19. Wie in der Normandie, so waren auch in an- 
dern Provinzen Frankreichs Heirathsabgaben mannigfacher Art 
hergebracht, von denen einige eine besondere Erörterung ver- 
dienen*, andere hier zusammengestellt werden mögen. 

Isle de France. Dass in der Provinz Isle de France 
Heirathsabgaben an Grundherren ^ zu entrichten waren, erhellt 
beispielsweise aus dem Bericht über einen Prozess, der um 1100 
schwebte. Aus Anlass dieses Prozesses wurde anerkannt, dass 
dem Stift Saint-Michel de Beauvais das Recht zustand, von seinen 
Hörigen bei deren Verheirathung unter dem Namen „licentia** 
fünfzehn Pfennige zu erheben*. Ferner bezog die Abtei Saint- 



^ Vgl. die Urkunden von 1385, 1391, 1396 und 1458 unten in Kap. 26. 

' Vgl. unten, besonders Kap. 26, 78 bis 81. 

^ Daneben gab es auch Heirathsabgaben zu Gunsten der Geistlichkeit, die 
den Namen ^plat de noces^^ führten und in Speisen oder Getränken bestanden. 
Ueber die Yertheilung dieser kirchlichen Einkünfte bildeten sich feste Grund- 
sätze. Vgl. Dulaure, Paris Bd. 3 S. 250; Brillon Bd. 2 S. 924; Michelet 
S. 266. Ein solches plat de noces erhielten die Pfarrer von Paris ausser der 
in Kap. 27 S. 148 erwähnten Gebühr für Einsegnung des Ehebetts. Die bei 
Ducange unter Fercula citirten Synodalstatuten des Bischofs Otto von Paris 
(1197—1208) verboten in cap. 7 § 4 den Geistlichen, die unter dem Namen 
Fercula bekannte Abgabe schon vor der Trauung zu erheben, und stellten 
ihnen frei, diese Abgabe nach der Trauung anzunehmen und nöthigenfalls 
einzutreiben. (Anderwärts bezeidinete das Wort Ferculum eine Art von Be- 
neficium, z. B. in den kölnischen Urkunden von 1176 und 1190, bei Binterim 
Bd. 3 Nr. 51 und 54). Der Pfarrer von Palestin erhielt bei Heirathen seiner 
Pfarrkinder, nach Massgabe ihres Vermögens, als droit de nop^age zwei oder 
drei Sous; dies Herkommen ward durch Urtheil des Parlaments zu Paris vom 
18. August 1562 als rechtsgültig anerkannt. Brillon Bd. 1 S. 638: „Par arrdt 
du 18 aoüt 1562 entre les Paroissiens de Palestin et leur Recteur est dit que 
lie Recteur levera les droits Rectoriaux contenus en la Clementine du concordat, 
qui sont . . . le droit de Nop^ages, autrement dit, le Pact Nuptial . . . c'est k 
SQavoir . . . pour le droit de Nop^ages 3 sols tournois de ceux qui auront en 
meuble valant 50 liv. tournois, et au-dessus; et des autres qui auront moins 
de 50 liv. valant toutefois leurs meubles plus de 30 liv. la sonune de 2 sols 
tournois, sans rien prendre de ceux desquels les meubles ne se monteront 
jusqu'ä la valeur de 30 liv.". . . Vgl. auch Brillon Bd. 4 S. 472. 

♦ Urk. circa 1100, bei Gu^rard Bd. 2 S. 379: . . . „ibique propria manu, 
pro filia secum adducta, quam in conjugium erat datura, consuetudinem que 
licentia vocatur, scilicet 15 denarios, sancto Michaeli ejusque canonicis, uti 
eorum coliberta, multis aliis videntibus, donavit." Vgl. Gu^rard Bd. 1 S. 414. 

Schmidt, Jus primae noctis. 7 



98 Kapitel 19. Heirathsabgaben in Frankreich. 

Germain -des -Pres in mehreren Ortschaften bei Heirathen im 
Fall des formariage eine Abgabe, die um Mitte des dreizehn- 
ten Jahrhunderts durch Zahlung von Kapitalsummen abgelöst 
wurde *. 

Picardie. Es wird gemeldet, dass die Heirathen in der 
Stadt Saint-Riquier der dortigen Abtei im neunten Jahrhundert 
jährlich zwanzig Pfund schweren Silbers einbrachten 2. Vielfach, 
wenigstens in späterer Zeit, beschränkte sich die Heirathsabgabe 
auf Esswaaren oder Getränke ^ Der Bischof von Amiens em- 
pfing bei Heirathen seiner Unterthanen als „droit de mariage" 
vier Sester Wein*, und zwar zwei von der theuersten und zwei 
von der billigsten Sorte. Diese Abgabe wurde, wie es scheint, 
später* auf die Hälfte herabgesetzt. Ein Urtheil des Parlaments 
zu Paris vom 9. Juni 1391 bestätigte einen Vergleich, wonach 
der Bischof statt der inzwischen streitig gewordenen einzel- 
nen Heirathsabgaben im Ganzen jährlich fünfzehn Franken und 
zwar auf Petri Kettenfeier, Weihnachten und Ostern jedesmal 
hundert Sous (fünf Franken), aus der Stadtkasse von Amiens 
erhalten sollte ; zugleich wurde der Stadt Amiens das Recht vor- 
behalten, diese Rente durch einmalige Zahlung von fünfhundert 



^ Urk. v. 1249 u. 1250, bei Gu^rard Bd. 2 S. 385-391, vgl. Bd 1 S. 415; 
Hüllmann Bd. 1 S. 86. 

2 Urk. V. 831, bei Chateaubriand Bd. 5 bis, S. 271, 272 : . . . „Les mariages 
rapportaient annuellement vingt llvres d'argent pesant^^ . . 

* Bouthors Bd. 1 S. 470; Delisle S. 70—73. Vgl. auch unten Kap. 78. 

* Le röle de lMv6ch6 d' Amiens de 1301, bei Grenier vol. 159 fol. 44 v., 
45: bei Thierry, Mon. Bd. 1 S. 313; ferner (mit Jahreszahl 1302) bei Bouthors 
Bd. 1 S. 469, 475 : „Chi parole du respit de Saint Fremin. Sachenfc tout chil 
qui kuellent le respit Saint Fremin. Que tout li bourgois doivent iij par. 
chascuns, et les veves autant a rendre a le Saint Fremin chascun an : Et qui 
se marie il doit iüj sestiers de vin ij sestiers du plus kier et ij sestiers du 
plus bas fuer; Et qui entre en le commugne il doit XVIII deniers. Sen a 
li sergens iij deniers qui doit amener chelui en le commugne a chelui qui 
kuelle le respit. Tout chiaus qui sont extrait de bourgoisie d' Amiens et 
manans as viles doivent chascun iij deniers et le vin des neuches et le vin 
des cors fors de chiaus du chapitre qui ne doivent que doubliau denier 
j. autant de vin pour leur neuches. j. autant de vin pour leur cors. qui li 
bourgois qui sont manans & Amiens. Except^ chiaus de Polainville qui ne 
paient ne cors ne neuches fors ij deniers s'il ne vont hors manoir de chele 
vile. Ne si ne doivent nient chiaus qui nont femmes ou nont eues. Et si 
sont tous jours kuite. Tres kachou quil se marient, ne se puet nus oster du 
respit Saint Fremin ne li respiteur ni puent mettre arme se il nen est de droit 
estoc. Sache bien que uns hons qui prent femme qui soit du respit ou 
femme prenge baron qui en soit, il nen pueent Jamals estre hors ne leurs en- 
fants; ne leur femme nen puet estre hors puls que ses barons sera mors^. . . 



Kapitel 19. Heirathsabgaben in Frankreich. 99 

Franken, sobald sie wolle , abzulösen ^. Danach erfolgte, die 
Ablösung am 28. Juli desselben Jahres^. — In einem Buch 
vom Jahr 1767 wird gemeldet: „Jeder Einwohner von Eue 
war verpflichtet, an den Grafen von Ponthieu eine Abgabe de 
pudore corporis sui zu entrichten.*' ^ Und, in einer Schrift vom 
Jahr 1878 wird daran folgende Erzählung geknüpft: „Eudolph, 
Graf von Guines, hatte den Bewohnern von Ham das Eecht auf 
eine ähnliche Abgabe, die am Tag der Hochzeit erhoben wurde, 
als Lehen bewilligt. Diese Abgabe wurde durch Graf Manasses, 
auf Andrängen seiner Gemahlin, abgeschafft, weil eine Frau, 
Namens Harnide, sich darüber beschwerte, dass die Gerichts- 
diener ihr eine grosse Beschämung bereitet hätten, indem sie 
von ihr die Abgabe in dem Augenblick begehrten, als sie sich 
ins Ehebett legen wollte.*' * Wenn diese Erzählungen auf Wahr- 
heit beruhen, so sind sie auf Heirathsabgaben zu beziehen, und 
es liegt kein Grund vor, einen schimpflichen Ursprung dieser 
Abgaben vorauszusetzen. 

Champagne. Ein Freibrief der Stadt Tannay vom Jahr 
1352 enthält für die Herrschaft das Verbot, von den Einwoh- 



* TJrth. des Pari, zu Paris v. 9. Juni 1391, in der Bibl. Nat., Coli, de 
Picardie, Dom Grenier, vol. 158 fol. 144—146 (aus dem Archiv von Amiens, 
cote B fol. XL VII recto). Vgl. GaU. Christ. Bd. 10 S. 1197. 

* Daire Bd. 2 S. 84. Unbegründet ist die Meinung von Delpit (S. 40, 41) 
und Labessade (S. 19), dass diese Abgabe durch Ablösung des Herrenrechts 
der ersten Nacht entstanden seL Eigentlich bedeutete respit (lateinisch re- 
spectus) eine Jahresabgabe (Ducange unter Respectus), und „respit de Salnt- 
Fremin^ diejenige Jahresabgabe, welche an den Bischof als einen der vier 
Landesherren zu zahlen war; der Name erinnert an den Märtyrer Fremin 
oder Firmin, ersten Bischof von Amiens (260—303). Vgl. Thierry, Mon. 
Bd. 1 S. 3. Die Abgabe betrug anfänglich vier Pfennige für jeden selb- 
ständigen Haushalt und ward durch Vergleich vom 6. Nov. 1226 für eine 
durch die Stadt Amiens gezahlte Kapitalsumme von 180 Fr. auf drei Pfennige 
herabgesetzt. Vgl. Urk. vom 6. Nov. 1226, bei Daire Bd. 2 S. 377 und bei 
Thierry , Mon. Bd. 1 S. 200 , 201 , auch Ducange unter Respectus. Neben 
dieser Hauptabgabe stand die Heirathsteuer in demselben Verzeichniss, obwohl 
sie zu dessen Ueberschrift (respit) eigentlich nicht passte. 

' Hist. de Ponthieu Bd. 1 S. 237, 238: „chaque habitant de Rue 4tait 
Obligo de payer au Comte de Pontieu un droit de pudore corporis sui.^ 
Dieselbe Nachricht will Labessade in einem Coutumier vom Jahr 1770 ge- 
funden haben; er schreibt (S. 74): „chaque habitant de la ville de Rue, dans 
le Ponthieu, payait un droit de pudore corporis sui.^ Die wahre Quelle dieser 
Nachrichten ist mir nicht bekannt; doch ist es möglich, dass zu Rue eine 
Heirathsabgabe unter dem Namen „droit de culage^' bestanden hat. Vgl. über 
diesen Ausdruck Kap. 18 S. 94—97. 

* Labessade S. 74, 75. 

7* 






100 Kapitel 19. Heirathsabgahen in Frankreich. 

nern bei deren Heirath, ^pour cause de nogailles", eine Ab- 
gabe zu verlangen *. In einem Lehnsverzeichniss Ludwigs von 
Sainte-Maure , als Herrn von Caenchi, Saulx und Richebourg, 
vom Jahr 1615 ist gesagt: „Ferner haben wir bei Heirathen, 
die in der Kirche von Saulx geschlossen werden, das Becht, von 
den Neuvermählten das Hochzeitsgericht (mets de mariage) zu 
erhalten, welches die Frau in Begleitung von Spielleuten bis ins 
Schloss bringen muss; das Gericht muss bestehen aus einem 
Hammelstück, zwei jungen Hühnern, sywei Quart Wein im Werth 
von vier Finten (pintes), vier Broten, vier Kerzen und Salz 
(und) am Hochzeitstage (überreicht werden), bei Vermeidung 
einer Strafe von sechzig Sous.* * 

Burgund. Ein Herr von Thomirey klagte auf Entrich- 
tung der Abgaben für formariage, weil zwei Frauen, die aus 
seinem Dorf stammten, vor siebenundzwanzig Jahren ausserhalb 
seiner Herrschaft geheirathet hatten; diese Klage ward durch 
Urtheil des Parlaments zu Dijon vom 7. December 1626 abge- 
wiesen, weil der Kläger die Liegenschaften der beiden Frauen 
inzwischen durch Erbschaft erlangt hattet 

Berry. Es wird erzählt, zu Mareuil habe der Bräutigam 
bei einer ersten Heirath einen Spielball von zweiunddreissig Vier- 
ecken und neun Farben, bei einer zweiten Heirath ein neues Billard 
von 2Y2 Fuss mit dem Kolben und zwei neuen Kugeln, bei einer 
dritten Heirath noch ein Billard oder zwei Gänschen und zwanzig 
Pfennige an den Grundherrn entrichten müssen^. Dem Herrn 
de la Motte im Kirchspiel Masce soll bei Hochzeiten seiner Unter- 
thanen unter dem Namen mets de mariage dasselbe Becht zu- 
gestanden haben, wie dem Herrn de la Boullaye in der Nor- 
mandie ^. 

Poitou. Der Priester Lambert von Ardes, der zur Zeit 
des Königs Philipp August (1180—1223) lebte«, theilt eine Frei- 

^ Libert. viUae de Tannay an. 1352, art. 14, bei Garpentier unter Nup- 
tiaticum: „Ne pourront demander lidit seigneur et dames es diz habitanz ne 
avoir d'iceulx nulle chose pour cause de ost, de chevauch^e, de subvencion, 
... de mortailles, de no^aiUes (male dictum Notailles), de chevalerie^^ etc. 

* Charta Ludovici de Sainte-Maure D. de Caenchi, de Saulx et de Riebe- 
bourg ann. 1615, bei Ducange unter Missus; Michelet S. 266; Bouthors Bd. 1 
S. 470. 

' Brmon Bd. 2 S. 924 (aus Xaintonge, Plaidoyers S. 595). 

♦ Pastoret S. XV. 

^ Lauri^re Bd. 2 S. 112, unter R^gal de Mariage (von Thaumassi^re). 
Vgl. oben Kap. 18 S. 94. 

^ Ducange, im Register unter Lambertus. Gall. Christ. Bd. 2 S. 1281. 



Kapitel 19. Heirathsabgaben in Frankreich. 101 

lassungsurkunde mit, wonach die Freigelassenen und deren Nach- 
kommen an den Abt eines Klosters jährlich einen Pfennig und 
bei jeder Heirath und jedem Todesfall vier Pfennige zu zahlen 
hatten ^ 

Saintonge. Die Heirathsabgaben, die in Saintonge be- 
standen, sollen schon im zwölften Jahrhundert durch die Königin 
Eleonore, Herzogin von Guyenne, aufgehoben worden sein*. 

Limousin. In Limousin scheint eine Niederlassungsteuer 
unter dem Namen „droit de gendrage** für den Eall bestanden 
zu haben, dass die neuvermählten Männer bei den Schwieger- 
eltern Wohnung nahmen; die Höht dieser Abgabe hing von 
der durch die Männer mitgebrachten Kapitalsumme ab^. — In 
Montmalier, einer Vorstadt von Limoges, bestand ein Gewohn- 
heitsrecht, wonach die Frauen, oder ihre Männer für sie, bei der 
Yermählung und bei der Entbindung mehr oder weniger als einen 
Thaler, nach Massgabe ihres Ranges, zu zahlen hatten. Man 
nannte diese Abgabe „droit de couillage^. Die Bewohner cedirten 
den Anspruch auf diese Abgabe an die Augustiner zu Limoges. 
Ein einzelner Bewohner erkannte jedoch die Cession nicht als 
gültig an und klagte gegen einen gewissen Duran, dessen Gattin 
entbunden war, auf Zahlung der Abgabe (zur Ortskasse). Der 
Beklagte wurde,- obwohl die Augustiner zu seinen Gunsten inter- 
venirten, durch den S6n6chal von Limousin verurtheilt; zugleich 
wurde den Augustinern die Einziehung dieser Abgabe verboten. 
Dies Verbot ward in der Berufungsinstanz durch Urtheil des 
Parlaments zu Bordeaux vom Februar 1620 wiederholt. Ob die 
Verurtheilung zu Gunsten des Hauptklägers bestehen blieb, ist 
aus dem Bericht von Automne nicht zu ersehen^. 



* Lambertus Ardensis, pag. 163. bei Ducange unter Capitale, num. 5: 
„Manumisit et liberos resignavit, dum ipsi et ipsorum et posteri et successores 
Abbati jam dicto et ejus successoribus annua pensione singulos redderent 
denarios, et in nuptiis et in morte quatuor/^ 

• Veuillot 2. Aufl. S. 220. 

' Oalland bei Lauri^re unter Gendrage: „Droit qui se prend par Usur- 
pation par quelques Seigneurs du Limousin k raison de l'argent que portent 
les nouveaux mari^s, allant loger et demeurer chez leurs beaux p^res, ou 
chez leurs femmes.^ Encycl. m^th., jurispr., unter Gendrage (von Garran de 
Coulon) Mlchelet S. 265. Brunet S 172. 

^ Automne tit. 8 § 1 (art. 81) S. 477: . . . „Le diff^rent qui estoit entre 
les habitans de Montmalier, fauxbourg de Limoges, et les Augustins, n'est, 
pas hors de propos. La coustume estoit de tout temps que les nouvelles 
marines et les nouvelles accouch^es payoient un escu, plus ou moins, selon 
leur qualit^. Les habitans cedent ce droit aux Religieux des Augustins; un 



102 Kapitel 19. Helrathsabgaben in Frankreich. 

Querci. Die Einwohner der Stadt Föns stritten mit dem 
dortigen Kloster über eine hergebrachte Getreideabgabe, die das 
Kloster bei jeder Heirath in der Stadt begehrte; die Einwohner 
wollten dieselbe bloss dann leisten, wenn der Prior auf Verlangen 
seine Sänfte hergäbe, um die Braut zur Kirche zu tragen. Dieser 
Streit ward durch schiedsrichterliches Urtheil des Juristen Geraud 
de Sabanac am 30. Dec. 1296 (ultra petitum) dahin entschieden, 
dass die Abgabe für die Zukunft gänzlich wegfallen sollte ^ 

Languedoc. Ein Urtheil des Parlaments zu Toulouse 
vom 20. Juli 1468 entschied, dass dem Armand de Polignac, als 
Prior des Klosters im Marktflecken Dumiere^, bei Heirathen, 
die in der Ortskirche von Ortsangehörigen geschlossen wurden, 
Wein, Brot und Speck oder gesalzenes Fleisch in der durch das 
Urtheil bezeichneten Menge zu liefern war ^. 

Bigorre. Nach einer Urkunde vom 1. Juli 1313 hatten 
die Einwohner des Thaies von Lavedan dreissig Sous zu zahlen, 
wenn sie einen Sohn oder eine Tochter ausserhalb der Herrschaft 
verheiratheten *. 



des habitans s'estant plainct de ce droict c^d4, fait assigner un nomm^ Daran 
pour payer ce droict, parce que sa femme s'estoit accouch^e; les Augustina 
prennent la cause pour Duran, qui refuse payer. Par sentence du Seneschal 
est ordonn^ que Duran payera ledit droict; mais inhibitions sont faictes aux 
Augustins d'exiger ce droit qu'on appelle en ce lieu droU de couillage. Appel 
en la cour. Par arrest de Boardeaus, du mois de fävrier 1620, plaidans 
Gotsage-le-jeune et Ardent, pr^sident M. de Gourgue, l'appel et ce dont a 
4t6 appen^ est mis au n^ant, et inhibitions sont faictes aux Augustins d'exiger 
ce droict." Ohne Grund finden Delpit (S. 88, 89) und Labessade (S. 27 Nr. 60 
und S. 43) in vorstehender Urkunde einen Beweis für das Herrenrecht der 
ersten Nacht. 

* Urk. V. 30. Dec. 1296, bei VeuiUot 2. Aufl. S. 298, 299 (aus einer Mit- 
theilung von M. Lacabane): ,,Item super eo quod predicti Prior et Conventus 
dicebant et asserebant, se habere et se fuisse in sazina et possessione ab an- 
tiquo habendi et levandi unum sestarium razum avenae a quolibet nubente 
|n dicta villa. Dictis consulibus in contrarium asserentibus et dicentibus 
dictum Priorem esse in sazina percipiendi dictum sestarium avenae, razum ad 
mensuram veterem, tamen ab illis tantum quibus requisitus acconfknodabat 
suum palefredum ad portandam sponsam ad ecclesiam et non ab aliis." L'arbitre 
abolit la coutnme: ^Item quod-prefati sint quiti et liberi deinceps a presta- 
tione dicti sestarii avenae ratione nuptiarum et ab aliis quae praedicto Priori 
occasione praedicta prestare consueverunt." Diese Urkunde erwähnen Delpit 
(S. 106, 107) und Labessade (S. 28 Nr. 65 und S. 43) ohne Grund als einen 
Beweis für das Herrenrecht der ersten Nacht. 

' Duni^re in Languedoc? 

• Urth. Pari. Toulouse v. 20. Juli 1488, bei Ducange unter Plat nuptial. 
^ Lagr^ze 1864, S. 129. 



Kapitel 20 Heirathsabgaben in Belgien. 103 

Ein üeberblick über alle erwähnten Heirathsabgaben, die 
im Gebiet des heutigen Frankreich erhoben wurden, bietet keine 
Veranlassung, an einen unsittlichen Ursprung derselben zu denken. 

ۥ Heirathsabgaben in den Niederlanden. 

1. Belgien. 

Kapitel 20. Nach Inhalt einer vom 5. April 932 datirto^ 
unächten Urkunde, die etwa im zwölften Jahrhundert angefertigt 
sein mag, bestätigte Kaiser Heinrich I. die durch den hl. Gerard 
gegründete Stiftung der Abtei Bronium (Brogne) im Bisthum 
!Namur; danach sollte der Abt ausser andern Einkünften auch 
Anspruch auf die Heirathsteuern (abmatrimonia) haben, welche 
bis dahin dem Stifter zugestanden hatten*. Der im Jahr 977 
oder 982 gestorbene Graf Eilbert verschenkte seine Herrschaften 
theils an seine beiden Stiefsöhne Gottfried und Arnulph, theils 
an die Kirche und Abtei zu Wassiors (Walciodurum) , mit der 
Bestimmung, dass die Hörigen dieser verschiedenen Herrschaften 
bei wechselseitigen Heirathen von der unter dem Namen „bathi- 
nodium" hergebrachten Steuer ebenso befreit sein sollten, als 
wenn die getheilten Gebiete noch eine einzige Herrschaft bil- 
deten*. Das Wort bathinodium erinnert an badimonium, vadi- 
monium oder Beddemund^. Auch kann es aus „bat" (Nutzen)* 



* Urk. V. 5. April 932, bei Miraeus, Cod. Don. S. 123—126; Mon. Germ., 
Diplomatum Regum et Ipip. tom. I Nr. 43, S. 77—79: . . . „Et in hiis locis. 
et in Omnibus quae possidet concedimus et confirmamus ei bannum et justiciam,, 
impetum et burinam, ictum et sanguinem reperturum, pergum regium, fora,, 
thelonia, vicecomitatum, wagaria, rectum et non rectum, vectig;alia, et quidquid. 
pertinet ad judicatum, integritatem Reipublicae, et incolumitatem, et campestria 
et öilvestria jura, et mortimanus suas et abmatrimonia tarn libere in sem— 
piternum possideat, sicut fundator ipsius loci, nobili prosapia natus, ante con- 
versionem suam possederat." Ueber die Unächtheit dieser Urkunde vgl. Stumpf" 
S. 6; Mon. Germ., Dipl. Reg. et Imp. Bd. 1 S. 77; G. Waitz Bd. 5 S. 237. 

* AA. SS. 30. Aprilis, Bd. 3 S. 821, 822, de S. Forannano, cap. 3 § 21 : . . . 
„Constituit praeterea quatenus ex his duabus partibus et potestatlbus , quasi 
gens una et populus unus, sibi invicem familiae haererent, et sine exactione^ 
contrarii et bathinodii quaestu Florinensis homo ex Walciodorensi potestate 
mulierem sumens, legitime sibi parem ducat; sicut versa vice similiter Wal- 
ciodorensis, de Florinensi potestate mulierem sumendo, faciet." Vgl, Dalrymple 
Bd. 1 S. 321; Bonnemöre Bd. 1 S. 59; Labessade S. 23 Nr. 41 und Nr. 42. 

» Vgl. Kap. 22 S. 125—128. G. Waitz (Bd. 5 S. 237) sagt über badi- 
monium: „Es ist wohl Uebersetzung von beddemund, nicht umgekehrt." 

^ Gothisch „botan^^; in dem plattdeutschen und alemannischen Ausdruck 
„es hattet nichts^^, d. h. es nützt nichts, erhalten. 



104 Kapitel 20. Heirathsabgaben in Belgien. 

und „Nod" (Genosse) hergeleitet und danach als Nutzen von 
Genossen (Eheleuten) erklärt werden. Offenbar verfehlt ist die 
Meinung*, bathinodium könne mit „Bed-nood*' übersetzt und für 
eine Steuer zur Ablösung des berüchtigten Herrenrechts gehalten 
werden. 

Durch Stiftungsurkunde vom Jahr 1133 erwarb der Abt des 
im selben Jahr gegründeten Prämonstratenserklosters zu Tongerlo 
von der adeligen Dame Alpeda das Recht, von ihren Nachkommen 
bei deren Heirath sechs Pfennige zu beziehen 2. Im Jahr 1173 
schenkte Walter von Mauretanien, Bischof von Laon, dem Stift 
zu Tournai die Leibeigenen, die er im dortigen Gebiet hatte, 
mit der Bestimmung, dass dieselben bei ihrer Heirath zwei Sous 
an das Stift zu zahlen hätten ^ In einer Urkunde vom 29. Mai 
1243 erklärten der Burgvogt (Chätelain*) Hugo von Gent und 
dessen Gemahlin Maria die Freilassung ihrer Leibeigenen zu 
Gunsten der Marienkirche zu Antwerpen ; und die Freigelassenen 
begaben sich mit ihrer Nachkommenschaft in Hörigkeit dieser 
Kirche, mit der Verpflichtung, bei jeder Heirath sechs Pfennige 
an die Kirche zu zahlen *. In einer ähnlichen Urkunde vom 
Jahr 1251, die von demselben Hugo, Vogt von Gent, herrührt, 
wurde die Abgabe von der Heirath ebenfalls auf sechs Pfennige 



* AA. SS. 30. aprilis, de S. Forannano, Bd. 3 S. 822: „Bathinodium . . . intelligo 
quod nos leniori dlalecto Bed-nood possemus dicere, quo significetur redimendi 
concubitus sive lecti necessitas: quae inter servos glebae ut vocant (quales 
etiam in Belgio olim erant rustici et adhuc multi sunt in Frisia et Germania) 
et dominos eorum intercedebat^^ . . . Ducange unter* Bathinodium. Le Si^cle 
du 26 sept. 1854. Labessade S. 96. 

* Urk. V. 1133, bei Miraeus, Not. eedes. cap. 144, S. 383, 384: . . . „tam 
viri quam feminae singulis annia pro capitali censu unum denarium Antwer- 
piensis monetae, in Nativitate B. Mariae, saepe dietae ecclesiae persolvere 
debeant, et sex de mairimonio contrahendo, et sex in obitu, ejusdem mo- 
netae" . . . Vgl. Potgiesser lib. 2 cap. 2 § 25 ; G. Waitz Bd. 5 S. 239. 

• Urk. v. 1173, bei Miraeus, Don. Belg. lib. 1 cap. 71, S. 144: „De uno- 
quoque eorum, tam servo quam ancilla, habebitis annuatim sex denarios cen- 
suales, et de mortua manu duos solidos et de maritagio duos solidos.^^ Dar- 
aus: V. d. ScheUing Bd. 1 S. 141; Potgiesser lib. 2 cap. 2 § 25. 

♦ Chätelain war in Flandern (ein Beamter, welcher ein militärisches und 
zugleich richterliches Amt als erbliches Lehen besass. Warnkönig Bd. 1 
8. 357. 

& Urk. V. 29. Mai 1243, bei Miraeus, Dipl. Belg. Hb. 2 cap. 88, S. 396 : . . . 
^Manumissi autem slnguli, in praesentia nostra, obtulerunt semetipsos dietae 
ecclesiae, cum omni posteritate sua, ad duos denarios Flandrenses solvendos 
annuatim in Assumptione B. Mariae nomine census capitalis, et quando nuhunt 
sex denarios Flandrenses, duodeclm vero quando moriuntur.^ Daraus: Du- 
cange unter Capitale. 



Kapitel 20. Heiratbsabgaben in Belgien. 105 

festgesetzt ^ Am 2. Januar 1314 verkündete Sigerius von Liede- 
kercke, als Herr de Boulario, in der Hadrianskirche zu Geraldi- 
monte die Freilassung seiner namentlich bezeichneten Leibeigenen, 
die er in den Dienst der genannten Kirche übergab , mit der 
Bestimmung, dass sie, ausser andern Abgaben, bei ihrer Heirath 
sechs Pfennige an die genannte Kirche zu entrichten hätten ^. 

!Neununddreissig (in einer Sammlung von sechshundert und 
siebzehn) Urkunden aus der Benedictinerabtei Sanct-Trond (im 
Bisthum Lüttich) enthalten Bestimmungen über Heirathsabgaben. 
Von diesen Urkunden stammen drei aus dem elften, sechzehn 
aus dem zwölften und neunzehn aus dem dreizehnten Jahrhun- 
dert, dagegen keine aus späterer Zeit^; von denselben wurden 
acht zur Zeit des Abts Wiricus (1150—1180) und achtzehn zur 
Zeit des Abts Christian (1193 — 1222) aufgenommen. Durch diese 
Urkunden wurde entweder den darin bezeichneten Personen das 
Eecht der Altarhörigkeit zuerst bewilligt, oder auf ihr Ansuchen 
festgestellt, dass sie schon von älterer Zeit her der Abtei an- 
gehörten. Dafür hatten diese Altarhörigen, ausser einer Kopf- 
steuer mit jährlich einem Pfennig, zumeist noch andere Steuern, 
darunter auch Heirathsabgaben * , zu entrichten. Viele dieser 
Altarhörigen hatten bei jeder Heirath unter Genossen neun Pfen- 
nige (für die Heirathserlaubniss) zu zahlen^. Für Heirathen un- 



^ Urk. V. 1251, bei Lauri^re unter Cullage: ^Ita quod singulis annis in 
Festo beati Bertulphi duos denarios de capite, sex de tnatrimonio , et duo- 
decim de morte persolvant." 

2 Urk. V. 2. Jan. 1314, bei Miraeus, Don. Belg. lib. 1 cap. 129, S. 282: . . . 
„et eosdem obtuli sub schola beato Adriano de Geraldimonte , servituros 
eccleslae de duobus denariis nomine census capitalis annuatlm, ad matrimonium 
de sex denariis, et ad mortem de duodeeim, monetae Flandriae, et mibi vel 
heredi meo, mediante meliori catallo, ab ipsis conferendo in morte ipsorum'^ 
Daraus: Lauri^re unter Cullage (mit dem Fehler 2 statt 6 Pf); Ducange unter 
Capitale; v. d. Schelling Bd. 1 S. 141, 142. 

^ Dies kann jedoch nur unter Vorbehalt eines möglieben Irrthums be- 
hauptet werden 

^ In einigen andern Urkunden dieser Art aus dem dreizehnten Jahr- 
hundert ist zwar die Kopfsteuer festgestellt, jedoch keine Rede von einer 
Heirathsabgaba Vgl. die Urkunden vom 24. Febr. 1227, vom 19. März 1242, 
vom 4. Juli 1247 und vom Mai 1262, bei Piot Nr. 152, 172, 194 und 256, 
Bd. 1 S. 187, 206, 194 und 307, 308. Daher scheint der Gebrauch, den Altar- 
hörigen von Sanct-Trond eine Heirathsabgabe aufzuerlegen, im Lauf des drei- 
zehnten Jahrhunderts allmählich ausser Uebung gekommen zu sein. Aus 
späterer Zeit, als dem dreizehnten Jahrhundert, finde ich überhaupt keine 
Urkunde aus Sanct-Trond über Rechte und Pflichten von Altarhörigen. 

^ Eine solche Abgabe ist in folgenden neunundzwanzig Urkunden erwähnt, 



106 Kapitel 20. Heirathsabgaben in Belgien. 

ter Ungenossen wurde nach einigen Urkunden, falls der Mann 
zur Abtei gehörte, die Höhe der Heirathsabgabe durch den Abt 
nach freiem Ermessen bestimmt K Dagegen war durch einige Ur- 
kunden des dreizehnten Jahrhunderts allgemein (ohne Beschrän- 
kung) eine Heirathsabgabe von neun Pfennigen festgesetzt^, wo- 
raus sich entnehmen lässt, dass die in diesen Urkunden bezeich- 
neten Altarhörigen, sowohl Männer als Frauen, gegen Entrich- 
tung der Abgabe berechtigt waren, sich nach freier Wahl mit 
Genossen oder mit Ungenossen zu verheirathen ; und eine Urkunde 
vom Jahr 1168 bestimmte ausdrücklich für jede Heirath, mochte 
dieselbe unter Genossen oder Ungenossen geschlossen werden, eine 
Abgabe von sechs Pfennigen^. Andere Altarhörige waren ver- 
pflichtet , bei Heirathen unter Ungenossen neun Pfennige zu ent- 
richten*; woraus zu folgern ist, dass bei ihnen die Heirathen 



aus der Zeit von 1072—1075, 1088, 1129, 1152, 1150-1180 (zwei), 1158 
(zwei), 1172, 1180—1193, 1186, 1191, 1193—1222, 1200, 1208 (zwei), 1209, 
1210 (zwei), 1211, 1212 (drei), 1213, 1216, 1217 (zwei), 1222 und vom 
14. Juli 1240, bei Piot unter Nr. 17, 20, 32, 60, 65, 66, 68, 69, 91, 101, 109, 
111, 114, 117, 119, 120, 122, 124 bis 126, 129 bU 132, 135, 136, 138, 141 
und 166, Bd. 1 S. 24, 27, 41, 83, 88, 89, 91, 92, 120, 139, 148, 151, 155, 
157, 160—166, 168—170, 173-175, 177 und 201. In den meisten dieser Ur- 
kunden ist der Mann (Bräutigam) als der Zahlungspflichtige bezeichnet. Als 
Empfänger der Abgabe ist in den Urkunden Nr. 17 und 20 der Custos, in der 
Urkunde Nr. 119 der Abt erwähnt. 

* Vgl. die Urkunden des Abts Nicolas von 1181 und 1186, bei Piot 
Nr. 103 und 109, Bd. 1 S. 140 und 148. Auch die Urkunde des Abts Ro- 
dulfus von 1129, bei Piot Nr. 32, Bd. 1 S. 41 , dürfte hierhin gehören, da 
dem Anschein nach im Abdruck, Seite 42 Zeile 5, ein Druckfehler (extra- 
neum statt extraneam) vorliegt. Nach den oben Kap. 12 S. 60, 61 erwähnten 
Urkunden bedurften die betreffenden Männer zur Verheirathung mit einer 
Ungenossin unbedingt der Erlaubniss des Abtes. Aus allen diesen Urkun- 
den, die nur von Männern sprechen, ist zu folgern, dass die weiblichen 
Altarhörigen, soweit jene Urkunden auf sie Anwendung fanden, für Heirathen 
mit Ungenossen keine Abgabe zu zahlen hatten. Dieser Unterschied erklärt 
sich dadurch, dass in dem einen Fall eine fremde Frau durch Verheirathung 
in die Altarhörigkeit eintrat, dagegen im andern Fall eine Altarhörige durch 
Verheirathung mit einem fremden Mann aus der Altarhörigkeit ausschied, 
und dass nach Inhalt aller hier einschlägigen Urkunden die Zugehörigkeit 
zur Abtei Sanct-Trond als ein werthvoUes Recht betrachtet wurde. 

* Vgl. die Urkunden des Abts Christian von 1212 und 1217 und des Abts 
Heinrich vom 29. Juli 1270, bei Piot Nr. 128, 137 und 277, Bd. 1 S. 167, 
174 und 342. « 

3 Urk. des Abts Wiricus v. 1168, bei Piot Nr. 86, Bd. 1 S. 113, 114: ... „pro 
licentia nubendi sive intra sive extra potestatem sex denarios debeant dare^^ 

* Urk. von angeblich 1150 (vermutlich 1160) bei Piot Nr. 73, Bd. 1 S. 96. 
Vrk. des Abtes Thomas vom 10. April 1241, bei Piot Nr. 170, Bd. 1 S. 205. 



Kapitel 20. Heirathetabgaben in Belgien. 107 

unter Genossen keiner Abgabe unterlagen. Einige Altarhörige' 
hatten nach ausdrücklicher Bestimmung bei Heirathen unter Qe- 
nossen Nichts zu zahlen ^. Dass unter den Altarhörigen von 
Sanct-Trond einige Männer selbst bei Verheirathung mit Un- 
genossinnen keine Abgabe zu entrichten hatten, ist zwar in kei- 
ner Urkunde (aus der Zeit bis zum dreizehnten Jahrhundert) 
direct ausgesprochen, ergiebt sich jedoch aus den im Kapitel 12 
(Seite 62 Anm. 1) erwähnten Urkunden. 

Aus dem vorstehenden Bericht erhellt die Unmöglichkeit, 
die in den angeführten Urkunden aus der Zeit vom elften bis 
vierzehnten Jahrhundert bezeichneten Heirathsabgaben auf einen 
unsittlichen Ursprung zurückzuführen, da sie durch jene Stiftungs- 
urkunden zu Gunsten von Klöstern, Stiftern oder Kirchen be- 
gründet wurden. 

Nichtsdestoweniger behaupten einige Schriftsteller, es hätten 
in Belgien Abgaben bestanden, die aus Ablösung des Herrenrechts 
der ersten Nacht herrührten. Schon Hector Boeis (Boethius) fügt 
seiner Nachricht über das von König Evenus erlassene und 
von König Malcolm III. aufgehobene Gesetz hinzu ^: „Etwas 
Aehnliches geschieht in einem Flecken nicht weit von Löwen, 
wo der Bräutigam die Schändung der Braut vom Vorsteher 
des Orts ablöst; nirgends hat es jemals eine unerhörtere Knecht- 
schaft gegeben.*' ^ Diesen Satz haben die Bollandisten * und 
mehrere neuere Schriftsteller^ wiederholt. Boxhorn bemerkt im 
Anschluss an die Erklärung, die Skene von der Marcheta mulierum 
giebt: „Solche Abgaben werden bei uns in Belgien in einigen 
Bezirken noch heutzutage an die Herren der Ortschaften be- 
zahlt.** * Key sler sagt: „Solche Abgaben, Reste der zollpflichtigen 
Keuschheit, bestehen noch überall in Belgien.**^ Die Bollan- 
disten meinen, Spuren jenes berüchtigten Herrenrechts fänden 
sich noch in mehreren Ortschaften Belgiens (sowie in Friesland 



1 Vgl. die Urkunden von 1095 und 1165, bei Piot Nr. 21 und 83, Bd. 1 
S. 28 und 110. Im Wesentlichen gleichbedeutend und nur in der Fassung 
verschieden ist die oben Kap. 12 S. 60 erwähnte Bestimmung , wonach einige 
Altarhörige von Sanct-Trond zu Heirathen unter Genossen keiner Erlaubniss 
des Abts bedurften. 

* Vgl. darüber Kap. 40. 

3 Boethius lib. 12 fol. 260. 

♦ AA. SS 10. junii Bd. 2 S. 332. 

^ Delpit S. 64. Labessade S. 23 Nr. 40. 
^ Boxhorn, Anm. zu Suetonius lib. 4 n. 40 ' 
» Keysler § 64 S. 487. 



108 Kapitel 21. Heirathsabgaben in Holland. 

und Deutschland), „wo gesagt wird, dass die Bauern das Recht 
der ersten Nacht durch eine Abgabe vom Grundherrn einlösen. 
Obwohl nämlich das Christenthum den abscheulichen Missbrauch 
des alten Heidenthums abgeschafFt hat, nach welchem der erste 
Beischlaf dem Herrn überlassen wurde, so blieb doch der An- 
spruch auf eine bestimmte Geldsumme, die der Bräutigam zur 
Anerkennung des Herrenrechts zu zahlen hatte ; unter Aenderung 
des Rechts, soweit es mit der Religion in Widerspruch stand, 
bleibt die Bezeichnung des alten Rechts in der Redeweise." * 
Dieser Irrthum erklärt sich dadurch, dass die Erzählung des 
Hector Boeis über ein Gesetz des Königs Evenus III. von Schott- 
land* ohne Prüfung als wahr angenommen wurde, und dass sich 
daran noch die ungerechtfertigte Folgerung knüpfte, die Heiraths- 
abgaben müssten in Belgien ebenso wie in Schottland durch Ab- 
lösung jenes Rechts entstanden sein. 

2. Holland. 

Kapitel 21. In einem Zusatz zu Reygersberg^s Chronik von 
Seeland, bei Beschreibung der Stadt Cortgene, findet sich folgender 
Zusatz von M. Smallegange (1696): „Es wird gesagt, der Herr 
von Cortgene habe seit ganz alten Zeiten das Recht über die 
Jungferschaft aller Bräute, die in sein Gebiet kamen, um zu hei- 
rathen; dies Recht pflege mit Geld abgelöst zu werden.** ^ Gargon 
(1717) schreibt darüber: „Der Herr von Cortgene hatte in alten 
Zeiten das Jungferschaftsrecht von allen Töchtern, die auf seinem 
Gebiet heiratheten, welches Recht mit Geld abgekauft wird."* 
Adrian Pars berichtet: „Eins der wunderlichsten Vorrechte, 
welches in Widerspruch mit den christlichen Grundsätzen einige 
alte Herrschaften in unserm Land angeblich gehabt haben, ist 
das vom ersten Beischlaf bei den Bräuten, die dort heiratheten, 
auch Brautgeld genannt. Dasselbe soll in Schagen, Suidwijk, 
Voshol (mit Einschluss der vier Ortschaften Swammerdam, Lan- 



* AA. SS. 30. aprilis Bd 3 8. 822. Neuere Schriftsteller (vgl. oben Kap. 8 
S. 44) haben diese Meinung der BoUandisten arg entstellt. 

* Vgl. darüber Kap. 40. 

' Smallegange 1. Deel, 5. boek, 3. hooftdeel, S. 621: „De Heer van Cort- 
gene Word geseit, van over gants oude tijden het Recht te hebben over de 
Maegdom van alle de Yrysters die onder zijn gebied komen te trouwen, 't welk 
met eenig geld geredimeert pleeg te worden.^ 

* Gargon Bd. 2 S. 221: „De Heer van Cortgene had ouds tijds het Maagdom- 
recht van alle Dochters, die onder zijn gebied trouwden, het geen met geld 
wierd afgekocht.^ 



Kapitel 21. Heirathsabgaben in Holland. 109 

geraar, Eorteraar und Eewijk), Sluipwijk, Tempel, Roon, Eort- 
gene und verschiedenen andern Herrschaften bestanden haben, 
die von der gräflichen Bechenkammer angeblich aufgezählt werden 
können; dies Becht sollen die Staaten mit einer bestimmten 
Geldsumme abgekauft haben, die an den Herrn jeder Ortschaft 
zu zahlen war/ ^ Eine ausführliche Abhandlung über denselben 
Gegenstand hatP. van der Schelling im Jahr 1727 veröffentlicht ^ 
Danach soll das jus primae noctis zur heidnischen Zeit einge- 
führt und in Geltung gewesen sein, namentlich in der Herrlich- 
keit Yoshol, wozu die Ortschaften Zwammerdam, Langeraar, Eor- 
teraar, Reewyk, der Tempel (ein Gehöft, ungefähr eine Viertel- 
stunde von Beewyk), Middelburg und andere gehörten; auch in 
Zuidwyk, das ebenso wie das erwähnte Middelburg den Herren 
von Breederode gehörte, -ferner in den Herrlichkeiten Schagen, 
Sluipwyk und Bhoon; ausserdem nach Meinung einiger Schrift- 
steller in den (vielleicht zu einer Herrlichkeit, unter Johann von 
Oldenbarneveldt, vereinigt gewesenen) drei Ortschaften Berkel, 
Bodenrys und dem Tempel bei Bodenrys (obwohl van der Schel- 
ling annimmt, dass diese Meinung auf eine Verwechslung mit 
dem Tempel bei Beewyk zurückzuführen sei); ferner in Nord- 
holland und in einigen Herrlichkeiten von Zeeland, namentlich 
in dem Orte Cortgene. Van der Schelling meint, nach Annahme 
des Christenthums sei jenes heidnische Becht in den genannten 
Herrschaften abgeschafft oder vielmehr durch eine Geldsumme, 
die Brautschatz oder Brautgeld hiess, abgelöst worden; 



* Pars S. 182, Katwijkse Oudheden: . . . „En van de wonderlijkste Voor- 
regten (met het Kristendom gants niet overeenkomende) waar van men leest, 
dat enige oude Heerlijkheden in ons Land souden gehad hebben, is dat van 
de eerste Bijslaap bij de Bruiden, dewelke aldaar trouden, ook genannt, het 
Bruügeld. Gelijk dat soude geweest sijn, in de Heerlijkheden van Schagen, 
Suidwijk, Yoshol (in sig begrijpende nog 4 Plaatsen, als Swammerdam, 
Langeraar, Korteraar, en Rewljk), Sluipwijk, Tempel, Roon, Kortgene ens. 
als mede verscheide andere, die op de Gravelijkshelds Rekenkamer soude 
kunnen werden opgesogt, het welk de Staten hebben doen afkopen met een 
seker stuk Gelds , aan den Heer van jeder plaats te betalen. Pr. de Nein, 
Lusthov der Huwelljken''. . . . Vgl. Bayle unter -Sixte IV, Bd. 4 S. 224, 
Anm. H, Note 56 (wo eine ältere Ausgabe von Pars citirt ist). Raepsaet 
3. Ausg. S. 23. Veuillot (2. Aufl ) S. 248. Noordewier S. 160. Liebrecht 
1869, S. 811, ebenso 1874, S. 140 und 1879, S. 418, 419. — In der vor- 
stehenden Stelle bezeichnet der Ausdruck „de Staten^ (die Staaten) die Be- 
hörden der einzelnen Provinzen, also nicht etwa, wie Liebrecht (1869, S. 811, 
auch 1874, S. 140 und 1879, S. 419) annimmt, die Generalstaaten. 

a ScheUing Bd. 1 S. 142—150, §§ XII— XVII. 



110 Kapitel 21. Heirathsabgaben in Holland. 

dies sei der Ursprung mancher Abgaben, die noch zu seiner 
Zeit bestanden. Er berichtet, dass eine solche Abgabe in der 
Herrlichkeit Voshol sechzig Gulden einbrachte, ferner dass noch 
in den Jahren 1676 und 1703 die Herrlichkeit Yoshol mit dem 
erwähnten, zum Tempel gehörigen sogenannten Recht öffentlich 
feilgeboten und verkauft worden sei; und dass die bis zu seiner 
Zeit aufbewahrten Bekanntmachungen der Eaufbedingungen eine 
Beschreibung jenes Eechts enthielten. Ueber Cortgene schreibt 
van der Schelling: Wo das Dorf Cortgene in Nord-Beverland 
(oberhalb der Stadt Zierinczee, Hauptstadt der Insel Schouwen) 
liege, habe früher die alte Stadt Cortgene gestanden; dieselbe sei 
bei der grossen Ueberschwemmung von Allerheiligen 1532 (worin 
72 Dörfer Südhollands zerstört wurden, und Tausende von Men- 
schen das Leben verloren) gäiizlicH vertilgt worden * ; zu den 
Vorrechten dieser früheren Stadt habe, wie die alten Chroniken 
von Zeeland meldeten, „das beschriebene sogenannte Recht oder 
die Ablösung oder der Freikauf von demselben^ gehört. 

Aus allen diesen Berichten geht deutlich hervor, dass sie 
von einer Sage sprechen, die den Ursprung einer unter dem 
Namen „BrautgeW hergebrachten Heirathsteuer durch Ablösung 
eines heidnischen Rechts erklärte. Diese Sage hielt van der 
Schelling im Allgemeinen für glaubwürdig, indem er nur im 
Einzelnen auf einige Irrthümer aufmerksam machte. Im sieb- 
zehnten und achtzehnten Jahrhundert war eine solche Sage nicht 
auffallend. Sie würde ein erhebliches Interesse nur dann haben, 
wenn sie schon vor der Zeit von Hector Boethius entstanden 
wäre. Dies ist aber weder bewiesen, noch zu vermuthen. Viel- 
mehr erwähnt van der Schelling ausdrücklich den Bericht des 
Hector Boethius über das in Schottland von König Evenus ein- 
geführte und von Malcolm IH. abgeänderte sündhafte Recht, um 
nachzuweisen, dass es nicht wunderbar sei, wenn das nämliche 
Recht auch in Holland zu heidnischer Zeit gegolten habe ^. Nun 
kann aber jener Bericht des Hector Boethius auf Glaubwürdigkeit 
keinen Anspruch machen^. Damit zerfällt die Grundlage der 
Meinung^, dass jene Sage über den Ursprung der holländischen 
Heirathsteuer geschichtlich beglaubigt sei. 



^ Vgl. darüber Smallegange S. 621 (aus Boxhom); Gargon Bd. 2 S. 221. 
• ScheUing Bd. 1 8. 146—150, §§ 16 und 17. 
» Vgl. unten Kap. 40. 

^ Liebrecht 1874, S. 140. Labessade S. 2d Nr. 43—46. Liebrecht 1879, 
S. 418. 



Kapitel 21. Heirathsabgaben in Holland. 111 

Gerard van Loon hat die Ausführungen van der Schelling's 
einer Kritik unterzogen^. Er führt aus, die Annahme, dass bei 
den Friesen, als sie noch heidnisch waren, das jus primae noctis 
bestanden habe, sei eine blosse Yermuthung, wofür nicht der 
mindeste Beweis aus dem Alterthum beigebracht werden könne; 
eine solche Yermuthung stehe mit den Nachrichten des Alter- 
thums in Widerspruch, insbesondere mit den Nachrichten von 
Tacitus über die Sitten der Germanen und mit dem Inhalt der 
alten friesischen Gesetze. Ferner fänden sich in den Predigten, 
die der hl. Bonifatius zur Bekehrung der Friesen hielt, scharfe 
Rügen gegen mancherlei heidnische Gebräuche, z. B. gegen 
Verehrung heiliger Haine und gegen Unzucht im Allgemeinen, 
dagegen keine Bemerkungen oder Andeutungen über das jus 
primae noctis, was unerklärlich sein würde, wenn dasselbe da- 
mals bei den heidnischen Friesen in Geltung gewesen wäre. 
Zudem sei es unglaublich, dass ein solches Eecht in der christ- 
lichen Zeit (unter fränkischer Herrschaft) abgelöst worden sei. 
Die fränkischen Könige würden gewiss kein Lösegeld für Ver- 
zicht auf Ausübung jenes heidnischen Rechts gefordert haben. 
An andere Herren könne nicht gedacht werden, weil es zur frän- 
kischen Zeit noch keine Herren der einzelnen Herrlichkeiten 
gab. Alles dies ist vollkommen richtig. 

Van Loon stellt seinerseits eine andere Vermuthung über 
den Ursprung der niederländischen Heirathsabgaben auf*. Er 
meint, die Vorschrift des vierten Concils von Carthago über die 
Enthaltung, welche die neuvermählten Ehegatten in der ersten 
Nacht beobachten sollten ^, sei durch die Gesetze der fränkischen 
Könige nicht allein bestätigt, sondern nach dem Vorbilde des 
jüngeren Tobias auf drei Nächte ausgedehnt worden; diese Ge- 
setze hätten in den Niederlanden seit dem zwölften Jahrhundert 
die Abänderung erfahren, dass den Brautleuten gestattet wurde, 
durch Zahlung einer Gebühr Dispens von jener Vorschrift 
zu erlangen. Dadurch, meint van Loon, seien die Heirathsab- 
gaben entstanden. Sir David Dalrymple hält diese Erklärung 
für befriedigend*. Sie ist jedoch schon deshalb unhaltbar, weil 
die fragliche Stelle, worauf van Loon und Dalrymple sich be- 



* Loon 3. Theil, 15. Hauptstück, S. 158—165. Daraus: Dalrymple Bd. 1 
S. 326, 327. 

• Loon 3. Theil, 5. Hauptstück, 8. 165—168. Daraus: Dalrymple Bd. 1 
S. 324, 327, 328. 

» Vgl. darüber unten Kap. 27 8/ 152. 

♦ Dalrymple Bd. 1 8. 329. 



112 Kapitel 21. Heirathsabgaben in Holland. 

ziehen, Dämlich Capitularium lib. 7 cap. 463, kein fränkisches 
Gesetz ist, sondern von Benedictus Levita herrührt ^ 

Voet berichtet, dass in einigen Theilen von Geldern und 
Zütphen und an andern Orten gewisse Grundherren von ihren 
Hörigen eine Geldsumme „zur Einlösung des Rechts des ersten 
Beischlafs*' erhöben*. Der Zusammenhang dieser Stelle handelt 
von Besthauptrecht , Frohndiensten und Verbot ungleicher Hei- 
rathen. Vielleicht meinte Voet, gewisse Geldabgaben bei un- 
gleichen Heirathen (forismaritagium) würden „zur Einlösung des 
Rechts des ersten Beischlafs" erhoben, obwohl dies nicht deutlich 
ausgedrückt ist. Ein derartiges Missverständniss kann nicht auf- 
fallen, da zur Zeit Voet's die Sage von einem vergangenen Herren- 
recht der ersten Nacht schon weit verbreitet war. Ebenso erklärt 
sich die Erzählung von ToUius, er habe vor einigen Jahren am 
Thor von Mastricht die Bekanntmachung einer Herrschaft über 
verschiedene Vorrechte gelesen, darunter auch über das Recht, 
die neuvermählten Ehefrauen zu defloriren, das jedoch mit Geld 
abgelöst werden konnte*. 

Es liegt also kein Grund zu der Annahme vor, dass holländische 
Heirathsabgaben auf einem verächtlichen Ursprung beruhten*. 



< Pertz Bd 2 S. 132. Walter, C. J. Bd. 2 S. 774. Vgl. Kap. 27 S. 152. 

2 Voet lib. 1 tit. 5 de statu hominum § 3 S. 120: . . . „quippe quibus 
defunctis pro usu regionis cujusque vario succedit dominus in quandam 
mobilium partem, imponit certis temporibus operas manu aut jumentis prae- 
standas, mulctas illiclti conjugii ab Ulis exigit, quoties non de ejusdem con- 
ditionis hominibus matrimonium inierint, peeuniam in redemtionem juris primi 
concubitus accipit". . . . (bei Auslegung dieser Stelle fragt es sich, ob die 
Worte „quoties" bis „inierint" auf das Vorgehende oder auf das Nachfolgende 
zu beziehen sind). Daraus: Potgiesser lib. 2 cap. 2 § 28 S. 379; Pertile 
Bd. 3 § 89 Anm. 75 S. 53. 

* ToUius zu Lact, de mort. pers. cap. 38: . . . „Apud nos autem Tra- 
jectinae portae affixam proscriptionem nobilis dominii ante aliquot annos legi, 
quae inter cetera jura et privilegia jus etiam deflorationis novarum nuptarum 
contlnebat, quae tarnen pecunia a domino loci posset redimi." Daraus: Gru- 
pen § 14 S. 25. 

♦ Eine solche Annahme ist unvereinbar mit einer Stiftungsurkunde vom 
21. Juli 1050, die bei Heda S. 118—120 abgedruckt ist. Darin tibergab eine 
freie Edeldame, Namens Berta, auf Rath des Bischofs Benno von Utrecht (des 
heiligen Bernulphus) sich und ihre Nachkommen in Hörigkeit an das neu- 
gegründete Sanct-Martinskloster zu Utrecht mit der Bestimmung, dass für 
jede Heirathserlaubniss (ohne Unterschied von Genossen und Ungenossen) 
zwölf Pfennige an das Kloster zu zahlen seien. . . . „Iterum ne omnimodo sine 
respectu vldeatur sancta Dei Ecclesia, pro licentia nubendi infra vel extra 
concedere potestatem , dentur sex denarii". . . . Vgl. Heineccius , Antiq. 
Bd. 2 lib. 2 c. 9 § 14 und § 29; Grimm, R.-A. S. 883; Noordewier S. 160. 



Kapitel 22. Heirathsabgaben in Deutschland. Hg 

D. Heirathsabgaben in ]>ent8chland. . 

Kapitel 22. Die ziemlich weit verbreitete Meinung, dass 
deutsche Heirathsabgaben durch Ablösung des jus primae noctis 
entstanden seien \ ist ebenso ungerechtfertigt, wie die Annahme ^, 
dass jenes Recht ausgeübt worden sei, wenn die Abgaben nicht 
bezahlt wurden. Beides ist mit dem Inhalt der Urkunden, wo- 
durch Heirathsabgaben im Gebiet des Deutschen Reichs be- 
gründet oder anerkannt wurden, schlechthin unvereinbar. Zum 
Beweis dieses Satzes diene die nachfolgende Uebersicht über die 
hier einschlagenden Stellen zahlreicher Urkunden aus dem Mittel- 
alter und der Neuzeit (S. 113 — 125). Auch bieten die besonderen 
Namen ^, die in Urkunden oder Berichten für einzelne Heiraths- 
abgaben gebraucht wurden und im zweiten Theil dieses Kapitels 
(8. 125 — 136) zusammengestellt sind, durchaus keinen Grund 
zu jener Vermuthung. Die in diesem Kapitel erwähnten Urkun- 
den stammen zumeist aus Rheinland oder Westfalen. Es würde 
leicht sein, aus Urkundensammlungen und Archiven der einzelnen 
deutschen Länder beide Yerzeichnisse beträchtlich zu vermehren. 
Doch dürften die Mittheilungen der nächsten Seiten für die Auf- 
gabe der vorliegenden Untersuchung genügen. 

1, Urkunden übe)' Begründung und Anerkennung von Heirathsabgaben, 

Aus der Zeit vor dem zwölften Jahrhundert sind 
nur wenige Urkunden über Heirathsabgaben veröflFentlicht wor- 
den*. Nach einer Urkunde, die sich auf die Zeit von 794 bis 
800 bezieht, jedoch in der vorliegenden Form (nach Annahme 
Lacomblet's) wahrscheinlich auf Grund einer alten Aufzeich- 
nung später niedergeschrieben ist, trat um jene Zeit eine freie 
Frau, Namens Rikildis, in das Wachszinsrecht der Sanct- 
Severins-Stiftskirche zu Köln ein, mit der Abrede, dass ihre 
Nachkommen für jede Heirathserlaubniss sechs Pfennige an 
den Altar-Küster entrichten sollten ^. Im Güterverzeichniss der 



^ Dieser Meinung sind z. B. folgende Schriftsteller des neunzehnten Jahr- 
hunderts: Dümge (S. 20, 28), v. Hormayr (1832, S. 38 und 1842, S. 146), 
Nork (S. 191, 192J, Delpit (S. 66, 66), v. Schmitz (S. 232), Post (S. 38), 
Sugenheim (1861, S. 360), Kulischer (S. 224, 228). 

^ Dies meint Labessade Nr. 47, S. 24. 

» Vgl. darüber auch Kap. 3 8. 13-^6 und Kap. 18 S. 96. 

* Eine Urkunde von 1092 ist unten S. 131 erwähnt. 

* Urk. von 794—800, bei Lacomblet Bd. 1 S. 9, 10, Nr. 15: ... „Pro 
licentia uero maritali custodi altaris VI denarios^ . . . 

Schmidt, Jiis primae noctie. • S 



114 Kapitel 22. Ueirathsabgabea in Deutschland. 

Abtei Prüm, welches vom Jahr 893 datirt und mit einem Com- 
mentar des Exabts Caesarius vom Jahr 1222 versehen ist, findet 
sich die Bestimmung, dass zu Trittenheim eine Leibeigene bei 
Yerheirathung mit einem auswärtigen Mann zwei Hühner, zehn 
Eier und eine gewisse Menge Flachs und Leinsamen an die 
Abtei zu entrichten habe ^. In einer Schenkungsurkunde zu 
Gunsten der Abtei Sanct-Maximin bei Trier aus der Zeit von 
993 bis 996 ist verfügt, dass die mitübergebenen Leibeigenen 
und ihre !Nf achkommen, wenn sie auswärts heiratheten, am Fest- 
tag des hl. Maximin Wachs im Werth eines Pfennigs für die 
Seele des Stifters an die Abtei entrichten müssten ^. In einer 
Urkunde aus dem Anfang des elften Jahrhunderts erklärt der 
Bischof Burchard von Worms, gewisse Einnahmen der Gerichts- 
barkeit, namentlich auch die aus den (unerwünschten) Heirathen 
von zinspflichtigen Männern der Peterskirche zu Worms mit 
Weibern aus andern Herrschaften, seien bisher mit Unrecht zur 
bischöflichen Kasse gezogen; deshalb weist er diese Einnahmen 
für die Zukunft dem Custos der genannten Kirche zu ^. 

Dem zwölften Jahrhundert gehört die Mehrzahl der 
Urkunden an, die in neuerer Zeit über Heirathsabgaben ver- 
öffentlicht sind*. Am 4. März 1101 bestätigte Erzbischof Rut- 
hart von Mainz eine durch die Stiftsherren der Kirche zu 
Fritzlar genehmigte Verfügung des Stiftsherrn Merbodo, wo- 
nach derselbe mehrere Allodialgüter nebst einer ihm eigenhöri- 



* Reg. Prumiense, bei Beyer, Bd. 1 S. 160, Nr. 29 : „Et 8i femina forinse- 
cum hominem acceperit, solvit pullos 11 , ova X et de Uno clauos II et de 
lino semine bacinum I'' Vgl. Potgiesser S. 365, und Ducange über die Aus- 
drücke Clavus und Baccinus. 

> Urk. V. 993—996, bei Beyer, Bd. 1 S. 327, Nr. 272: ... „mancipia quo- 
que que trado et posteri eorum. si in eadem villa sederint uel nupserint. tali 
libertate et seruicio perfruantur. sicut cetera confessoris Christi inibi manens 
familia. Si qui uero foris nupserint uel manserint. uel alias uagati fuerint. 
unusquisque eorum in festiuitate s. Maximini persoluat unam denariatam cere 
pro remedium anime mee'' . . . Vgl. Potgiesser S. 365. 

* Urk. des Bischofs Burchard von Worms (nach 1000) , bei Mone , Anz. 
1838, S. 443, 444: . . . „et si aliquis illorum, quod non exoptamus, extraneam 
mulierem fortuitu in suum conjugium duceret, quiequid justitiae inde dijudi- 
caretur^^ . . . „Quae omnia ... ad altare S. Petri apostoli Wormatiensis et 
ejusdem altaris custodi cum communi consilio nostrorum fidelium restitui- 
mus" . . . Vgl. G. Waitz Bd. 5 S. 238. 

^ Bestimmungen über Heirathsabgaben stehen auch (nach einer gefülligen 
Mittheilung des Herrn Geheimraths Dr. Harless) in ungedruckten Urkunden der 
Abtei Brau Weiler von 1159 und des Quirinstifts zu Neuss von 1188, im Staats- 
archiv zu Düsseldorf. — Vgl. auch die Urkunden S. 126, 127 und 130. 



Kapitel 22. Helrathsabgaben in Deutschland. 115 

gen Frau, Namens Mazzecha, und deren sechs Kindern an 
die genannte Kirche übergeben und dabei unter Anderm be- 
stimmt hatte, dass, so oft aus der Nachkommenschaft der ge- 
nannten Mazzecha sich eine Frau rechtmässig verheirathe, deren 
Ehemann an den Oekonomen der Kirche zwei Schillinge zu 
zahlen habe^. Im Jahr 1114 traten mehrere freie Familien in 
das Wachszinsrecht der Kapelle des Grafen von Arnsberg ein; 
hierbei verpflichteten sie sich für ihre weiblichen Nachkommen, 
bei der Yerheirathung ein Lösegeld von sechs Pfennigen an die 
Kapelle zu zahlen'. Durch Urkunde des Abts Wibaldus oder 
"Wicboldus zu Corvey aus der Zeit von 1146 bis 1160 wurden 
auf Ansuchen seines Dienstmanns Conrad us de Kaminata zwei 
Leibeigene, die zu dessen Beneficium gehörten, mit ihren künf- 
tigen Nachkommen, in das Wachszinsrecht der Sanct-Dionys- 
JK^apelle zu Kemnaden aufgenommen, unter der Verpflichtung, 
bei jeder Heirath zwei Schillinge an die genannte Kapelle zu 
entrichten, wie in der Herrschaft der Abtei Corvey Gewohn- 
heit war^. Conrad, Abt zu Corvey seit 1160, beurkundete 
mehreren Personen, dass dieselben als freie Leute durch seinen 
Yorgänger in das Wachszinsrecht der Marienkirche zu Kem- 
naden aufgenommen seien, unter der Yerbindlichkeit , bei der 
Yerheirathung zwei Schillinge an den Küster der genannten 
Kirche zu zahlen*. Im Jahr 1153 bestätigte Erzbischof Ar- 
nold IL von Köln einen Yertrag , wodurch Abt Wolbero von 



* Urk. V. 4. März 1101, bei Kindlinger, Nr. 6, S. 228—230: . . . „Femina 
liiijus posteritatis, si legitime alicui nubat, vir illius pro ea legitime habenda 
ij Bolidos Yconomo fratrum componat, et ex bis, quae tum conveniens sit, 
clementer persolvat." Vgl. Will S. 229; G. Waitz Bd. 5 S. 239. 

. * Urk. V. 1114, bei Kindlinger, M. B. Nr. 16, S. 99, und bei Seibertz Nr. 38, 
3d. 1 S. 43, 44: ... „femina ex iUa procreatione nubens .... sex dena- 
ariis redimat^^ ... In der Lücke mag, wie Kindlinger und Seibertz ver- 
muthen, „pro Bedemund^^ gestanden haben. Erhard, Reg. Nr. 1399, Bd. 1 
S. 222, bezeichnet diese Urkunde als „ungemein wichtig für die Geschichte 
der Hörigkeitsverhältnisse^^ 

« Urk. des Abts Wiboldus zu Corvey v. 1146—1160, bei Kindlinger, M. B. 
Nr. 28, S. 179, 180, und bei Sommer, Beilagen 43 und 44, S. 137, 138: 
< . . „ut per 9ingulos annos ad idem Altare duos denarios vel tantum de Gera 
persolvant . . . Yolumus autem, ut tam ipsae quam posteri earum et omnes 
ad summum Monasterium pertinentes, sicuti duos persolvunt denarios, ita nu- 
bentes duos persolvant solidos, quemadmodum apud nos consuetudo est^^ . . . 

^ Urk. des Abts Conrad zu Corvey (seit 1160), bei Kindlinger, M. B. 
Nr. 30, S. 189—191, und bei Sommer, Beilage 45, S. 138, 139: ... „Cum ali- 
qua femina illarum nupserit, sicut duos denarios ad altare, ita duos solidos 
Oustodi aecclesiae persolvat^^ . . . 

8* 



116 Kapitel 22. Heirathsabgaben in Deutschland. 

Sanct-Pantaleon ein Grundstück auf Erbzins yerliehen hatte; da- 
nach hatte jeder Besitzer dieses Grundstücks für die Erlaubnis» 
zu einer rechtmässigen Heirath sechs Pfennige zu zahlen ^. Aus- 
weislich einer Urkunde der Abtei Corvey vom 27. Februar 1158^ 
übergab Conrad von Natzungen mehrere leibeigene Weiber an. 
den Altar Sanct-Veit zu Corvey, mit der Bestimmung, dass die- 
selben bei ihrer Yerheirathung als Preis ihrer Schamhaftigkeit 
(Keuschheit) zwei Schillinge an . den Altar entrichten müssten ^. 
Durch Vertrag vom Jahr 1155 wurden zwei Schwestern, die zum 
Hof Sürdt gehörten, aus diesem Hofverband entlassen und in di& 
Altar hörigkeit der Sanct-Georg-Stiftskirche zu Köln aufgenommen^ 
mit der Yereinbarung , dass ihre männlichen Nachkommen für 
die Erlaubniss zu einer rechtmässigen Heirath sechs Pfennige an^ 
den Stiftsküster zu zahlen hätten, und dass Letzterer diese und 
andere Abgaben an den Meier des Hofes Sürdt abliefern müsse ^. 
Die Eämmerlinge des Benedictinerklosters zu Liesborn hatten, nach 
einer Urkunde des Abts Franco vom Jahr 1166, bei Heirathe» 
mit Personen ihres Standes oder mit Dienstleuten ein Goldstück 
oder ein Bockfell an das Kloster zu liefern ^. Im nämlichen 



1 Urk. V. 1153, bei Lacomblet Bd. 1 S. 261, 262, Nr. 378: ... „Si pari. 
8U0 nubere uoluerit, VI denarios pro licentia dabit.^^ 

2 Urk. V. 27. Febr. 1158, bei Falke § 427, S. 657, und bei Erhard, Cod. 
dipl. Tb. 2 S. 51, Nr. 264: . . . „Sed et quedam mancipia idem Conradus ad 
fieruicium predicte festiuitatis altari beati Yiti tradidit, quorum hec sunt no-- 
mina . . . quecunque istarum feminarum nupserit, pro precio pudlcicie dabit 
ad altare duos solidos^ . . . Vgl. Halthaus unter Stecbgroschen ; v. Keynitzsch 
S. 275, 276; v. Maurer Bd. 3 S. 169, 170; G. Waitz Bd. 5 S. 239. Dier 
Meinung der beiden letztgenannten Schriftsteller, dass in den Worten „pro- 
precio pudicicie^^ eine Erinnerung an das jus primae noctis oder eine Hin^ 
deutung darauf zu finden sei, wird durch den Zusammenhang der Urkunde 
widerlegt. G. Waitz hat bei den über diese Urkunde gemachten Bemer^ 
kungen übersehen, dass sie bei Erhard abgedruckt steht. Wegen des Da- 
tums vgl. Erhard, Reg. Th. 2^ S. 24. 

5 Urk. V. 1155, bei Lacomblet Bd. 1 S. 265, Nr. 383: .. . „ut si quis uir 
de familia supra dictorum legitimam duxerit uxorem , ad ducendi licentiam 
VI denarios persoluat custodi . . . Hec autem scilicet de licentia nubendi et 
de meliori veste post mortem seu viri seu feminae per custodem uillico pre— 
fatae curiae pro dampni recompensatione fideliter assignentur^ . . . 

♦ Urk. V. 1166, bei Kindlinger Nr. 12, S. 240, 241, und bei Sommer Beil. 55,. 
S. 181 : ... „ut de nuptiis unus tantum aureus vel pellis hercina . . .. 
nostris utilitatibus proveniat . . . quamdiu uxores de sua condicione vel de 
ministerialibus sibi copulaverint." Vgl. Grimm, R.-A. S. 379; Brinckmeier 
Bd. 1 S. 307. — Ueber die Verschiedenheit des Gegenstandes von Heiraths— 
abgaben vgl. Danz Bd. 6 S. 46, 47 (§ 544); auch § 6 des Hofrechts des Amts» 
hofes zu Loen, bei Sommer Beil. 54, 8. 160: „Item weret, dat eyne wer die 



Kapitel 22. Heirathsabgaben in Deutschland. 117 

Jahr wurden einige Familien, die keiner Hörigkeit unterlagen, 
in die Altarhörigkeit der Abtei Sanct-Pantaleon zu Köln aufge- 
nommen, unter der Verpflichtung, bei jeder rechtmässigen Heirath 
«echs Pfennige zu entrichten, die zu zwei Dritteln dem Custos 
und zu einem Drittel dem Magister der Abtei zufallen sollten ^. 
Im selben Jahr wurden durch Gräfin Hedwig von Meer und 
durch deren Tochter Hildegund die Verpflichtungen ihrer Hö- 
rigen in mehrfacher Hinsicht erleichtert, namentlich auch in der 
^eise, dass diejenigen Hörigen, welche bisher fünf Schillinge 
für die Heirathserlaubniss zu zahlen hatten, fortan diese Er- 
laubniss schon dann erhalten sollten, wenn sie nur sechs Pfennige 
an die Sanct-Laurentius-Eirche zu Meer zahlten '. Die Eigene 
hörigen des Elosterhofes zu Schwarzrheindorf wurden im Jahr 
1172 in den Stand der Wachszinsigen erhoben, mit der Ver- 
pflichtung eines jeden Mannes, der eine Genossin heirathete, 
sowie einer jeden Frau, die sich mit einem Genossen oder Un- 
^enossen verehelichte, für die Heirathserlaubniss sechs Pfennige zu 
zahlen^. !Nfach einem Hofrecht vom Jahr 1175, welches Baltha- 
«ar von Büren als Erbvogt des Oberhofs Hüninghof (Kirch- 
spiel Ascheberg) im Jahr 1467 (bei seiner Belehnung durch den 
Abt Heinrich zu Liesborn) bestätigte, hatten die Leute des ge- 
nannten Oberhofes bei ihrer Verheirathung an. die Kirche zu 
Liesborn neun Pfennige zu zahlen, und zwar sechs an den Abt 
und drei an den Küster*. In der Zeit von* li'83 bis 1196 



«ick verander säten wolde vth dem Ampte, die is schuldig dem Ampte eyn 
Pf, Peppers, vnd Tegedere oer Recht so nha alss hie dingenn kahn.^ 

* Urk. des Abts Wichmann v. 1166, bei Lacomblet Bd. 1 S. 296, Nr. 
425: . . . „Pro licentia legitimarnm nuptlarum VI denarii dabuntur totidem- 
que in obitu singulorum, quos ecclesie custos cum magistro eorum hoc modo 
partietur, ut duae partes custodi, teroia uero magistro pro labore exactionis 
«ue proueniat^ ... 

> Urk. V. 1166, bei Lacomblet Bd. 1 8. 288, Nr. 416: .. . „ut qui prius 
pro contrahendi matrimonii licentia dabant quinque solidos, eandem licentiam 
<Latis sex denariis ecclesiae S. Laurentii in mere optineant^ . . . 

s Urk. der Abtei Schwarzrheindorf v.'^1172, bei Lacomblet Bd. 1 S. 309, 
310, Nr. 444: . . . „uir si mulierem ecclesiae nostrae ducat, pro nubendi 
licentia VI denarios persoluat ... Mulier uero. ouicumque nupserit, pro licen- 
tia VI denarios dabit.^ Die Männer bedarftea- zur Heirath mit einer Un- 
^enossin der ausdrücklichen Genehmigung der Aebtissin. Vgl. Kap. 12 S. 61, 
Kap. 20 S. 106, auch Kap. 28 gegen Ende. / 

^ Urk. V. 1175, erneuert im December 1467 (am Donnerstag nach Maria- 
Geburt), bei Kindlinger Nr. 181, S. 604—607, und bei Sommer Beil. 49, 
8. 149 — 151, Art. 6: „Ock wan se syck nemet to Echte, so sollen se negen 
Pennynge brenge to Leysbome., dem Abbetö VI,, dem Küster . III Dr.^ Vgl . 



118 Kapitel 22, Heirathsabgaben in Deutschland. 

Übergab ein Ritter Namens Udo an die Kapelle zu Remelinkrode 
(Remlingrath) zwei seiner Eigenhörigen mit der Bestimmung^ 
dass diese nunmehrigen Altarhörigen und ihre Nachkommen zu 
jeder Heirath unter Standesgenossen derselben Kirche an den 
CustoB ein Ziegenfell oder neun Pfennige für die Heirathserlaub- 
nisB geben sollten, und dass sie zu jeder Heirath unter Unge- 
nossen einer besondem Dispensation des Custos bedürften ^ Am 
19. Juli 1186 erneuerte Erzbischof Philipp I. von Köln die in 
einer verbrannten Urkunde verzeichnet gewesenen Rechte der 
Familie des hl. Petrus zu Soest nebst den dazu gehörigen Ober- 
höfen Hottorp oder Gelmen, Borgelen, Osinchusen und Elfende- 
husen; darin ist bestimmt, dass ein Mann von dieser Familie, 
wenn er innerhalb derselben heirathe, nicht mehr als vier SchiU 
linge für die Heirathserlaubniss an den Schulzen zu entrichten 
habe, und dass er damit das Recht erlange, seine Besitzungen 
an Frau und Kinder zu verschenken, dass dagegen bei Heira- 
then mit Ungenossen der Ehevertrag nebst den Brautgeschenken 
vom Gutbefinden des Schulzen abhängen solle'. Im Jahr 1187 
überliessen Lambert von Wied und dessen Schwestersohn einige 
ihrer Hörigen an die Stiftskirche zu Schwarzrheindorf, mit der 
Bestimmung, dass die Kirche von diesen Hörigen für die Heiraths- 



dazu den endlichen Vertrag zwischen* dem Kloster Liesborn und Balthasar 
von Büren vom Jahr 1497, bei Sommer Beil. Öl, S. 153—156, Art. 7: „Unde 
wanner sych de hofhorigen Lüde welk friget, so aal ich Baltazar van Büren 
als eyn Erffvaget vor eyn Overlaet hebben van den gennen, de gefriget 
werth, twe Mark,: ende nicht mer; unde wy Abt unde Convent suUen darvan 
hebben, als sych dat geborth na Vormoghe unde Inholde unses Bokes.^ 

1 Urk. aus Werden v. 1183—1198, bei Erhard, Ck>d. dipl. Bd. 2 S. 168^ 
Nr. 437, und bei Crecelius Bd. 7 8. 33, 34, Nr. 139: ... „Cum licentiam 
nubendl requirunt a custode, si matrimonlum contractum fuerit inter eos qui 
ecclesiae sint et parle fuerint conditionis, pellem hircinam vel YIIII denario» 
persoluant. Alias si matrimonium intär extraneos contrahatur, sub pia dis- 
pensatione custodis ordinatio procedat^ . . . 

« Hofrecht von St Peter zu Soest v. 19. Juli 1186, bei Seibertz Nr. 90, 
Bd. 1 S. 124—126, und bei Grimm, Weisth. Bd. 6 8. 723—725: . . . „si vir 
de familia illa quicunque uxorem ducat de ipsa familia villico curtis quatuor 
solidos non amplins dare teneatur et sie optento illius aieensu domum, agro» 
curtis aut quidque habuerlt mobile aut immobile tradat uxori et filiis si ha- 
buerit, nee tenebitur uxor aut ftlil agros seu quidque eis traditum fuerit, de 
manu villici vel cujuscunque alterius suscipere, viri sive patris donacione 
contenti . . . Si autem vir non de familia ducat uxorem de familia, vel si vir 
de familia ducat uxorem de non familia, contractus ille matrimonii et dona- 
ciones inter sponsum et sponsam erunt pro bene placito villici^ . . . Vgl. 
Erhard, Reg. Nr. 2187, Bd. 2 8. 71; v. Schmitz 8. 58. 



Kapitel 22. Heirathsabgaben in Deutechland. 119 

erlaubniss nicht mehr als sechs Pfennige einziehen dürfe ^ Im 
Jahr 1192 wurden drei Schwestern freien Standes auf ihren An- 
trag in die Hörigkeit des Marienaltars des Kölner Doms aufge- 
nommen, mit der Abrede, dass ihre Cognaten, ohne Unter- 
schied des Geschlechts, frei heirathen dürften, jedoch binnen 
Jahresfrist nach der Hochzeit zwölf Pfennige oder ein Ziegenfell 
von gleichem Werth an den mit der Aufsicht über das Nacht- 
licht des Doms beauftragten Domherrn liefern müssten^. Im 
Jahr 1196 wurde festgestellt, dass gewisse Personen, als Wachs- 
zinsige der Kirche zu Meer, bei jeder Heirath unter Genossen 
sechs Pfennige fcu zahlen hätten ^ Eine Freie Namens Werens- 
vidis wurde im Jahr 1197 durch die Aebtissin Elisabeth zu Essen 
unter die Wachszinsigen der Stiftskirche oder des Altars der 
hl. Maria und der hl. Märtyrer Cosmas und Damianus (der Pa- 
trone der Essener Kirche) aufgenommen und übernahm hierbei 
für ihre weiblichen Nachkommen die Verpflichtung, bei jeder 
Heirath ein Bockfell oder zwölf Pfennige an die Küsterin des 
Stifts Essen zu entrichtend 

Aus dem dreizehnten Jahrhundert mögen folgende An- 
gaben hier erwähnt werden ^. Im Jahr 1224 trat eine freige- 
borne Frau, Namens Rikelindis, mit ihrer Tochter Yda und 
ihrer künftigen Nachkommenschaft in Altarhörigkeit der Marien- 
kirche zu Aachen, mit der Verpflichtung, bei jeder Heirath für 
die Erlaubniss zwölf Pfennige an den Custos zu zahlen*. Um 



» Urk. V. 1187, bei Lacomblet Bd. 1 S. 354, Nr. 504: . . . „Pro licentia 
uero matrimonii contrahendi neque uir neque femina amplius quam sex de- 
narioB dare cogantur^ . . . 

> Urk. des Erzbischofs Bruno 111. v. 1192, bei Lacomblet Bd. 1 S. 878, 
Nr. 536: . . . „Item mulier eiusdem cognationis libere nubat, uir licenter 
uxorem ducat, et infra aonum nuptiarum, seu uir, seu femina, predicto cano* 
nonico XII denarios aut hircinam pellem eiusdem precii persoluat^ . . . 

^ Urk. des Abts Herimann von Cappenberg vom J. 1196, bei Lacomblet 
Bd. 4 ö. 789, Nr. 642: . . . „in contractu coniugii cum consorte sua sex 



nummos.^ 



^ Urk. V. 1197, bei Crecelius^Harless Bd. 16 S.. 222: ... „et si mulier 
ex* hac progenie nuberet, pellem hircinam slve XII denarios custodi conferet.^ 

^ Ausserdem stehen Bestimmungen über Heirathsabgaben (nach einer ge- 
fälligen Mittheilung des Herrn Oeheimraths Dr. Harless) in Urkunden des 
Gereonstifts zu Köln von 1224 und der Pantaleonabtei zu Köln vom 18. Nov. 
1280, im Staatsarchiv zu Düsseldorf — In dieseii Zeitraum gehören auch die 
unten 8. 126, 127 und 130 (Anm. 6) mitgetheilten Urkunden. 

« Urk. V. 1224, bei Quix Nr. 137, Bd. 2 S. 99: „Volens etenim ei an- 
cillari, cui servire regnare est, hanc legem sibi et sue indixit successioni, ut 
annuatim duo denarii a%uen. pro sl»gula caplta ad altare bte. Marie custodi 



120 Kapitel 22. Heirathsabgaben in Deutschland. 

1224 Furde beurkundet, dass die nicht angesessenen Hofhörigen 
des Stifts Essen im Salland für ihre Heirath einen Schilling 
oder ein Ziegenfell an die Grundherrschaft zu liefern hätten ^. 
S^ach einer Urkunde des Erzbischofs Engelbert zu Köln vom 
Jahr 1225 übergab Hermann von Yolco einen Hofhörigen und 
dessen !Nfachkommen als Wachszinsige an die Kirche zu Camp 
mit der Bestimmung, dass dieselben für die Erlaubniss zur Hei- 
rath sechs Pfennige entrichten müssten^. Durch Urkunde vom 
Juai 1239 überliess der Ritter Friedrich von Rindorp an die 
dem deutschen Orden gehörige Eatharinenkirche zu Köln einige 
eigene Leute und deren künftige I^achkommen, mit der Be- 
dingung, dass dieselben bei jeder Heirath für die Erlaubniss dazu 
„der Gewohnheit gemäss^ sechs Pfennige zu entrichten hätten ^. 
Am 24. Mai 1253 bestätigte Erzbischof Conrad von Köln den 
Inhalt einer durch den heiligen Anno errichteten und durch 
einen Brand zerstörten Urkunde, worin das Recht der Wachs- 
zinsigen an der Kirche zu Helden bei Attendorn festgestellt war ; 
danach hatten diese Wachszinsigen dem plebanus bei jeder Hei- 
rath eine Abgabe von sech? Pfennigen zu zahlen *. In einem 



«oluerentur , pro licentia maritandi XII denarij aquen. de mortua manu su- 
perior vestis, vel pro redemptione similiter XII denarij aquen." 

* Urk. um 1224, bei Kindlinger Nr. 20 lit. a, S. 257-^259, n 11: „Item 
homo ecclesiae mansum non habens pro contrahendo matrimonio solidum 
dabit vel pellem hirci." Daraus: Grimm, R.-A. S. 379. Nach einer deut- 
schen Ausgabe desselben Hofrechts vom Jahr 1224 (bei Kindlinger Nr. 20 
lit. b, S. 259—262, n. 11) betrug die Abgabe fünf Schillinge oder ein Zie- 
genfeU: „Item eyn horich Mensch der Kercken sal geven 5 Schillingh oft 
1 Seghenvel, dat he sich moghe bestaden, welkere geynen Hoef en hefPt." 
Vgl. Brinckmeier unter Bedemund, Bd. 1 S. 307 (der sich für diese Bestim- 
mung auf ein Hofrecht des Stifts Essen aus dem fünfzehnten Jahrhundert 
beruft, ohne die Quelle anzugeben). Eine Helrathsabgabe. von fünf Schillingen 
findet sich auch in §§ 3, 34 und 67 des Hofrechts des Amthöfes zu Loen, bei 
Sommer Beil. 54, 8. 160—180. 

' Urk. v. 1225 , bei Potgiesser S. 376 : . . . „ut quando hie juvenis ad 
nuptias transire desiderat , nubendi licentiam sex denariis redimat^^ ; und bei 
Binterim Bd. 3 8. 185, Nr. 75: ... „cum vero ad nuptias transire desiderat, 
nubendi licentiam sex denariis redimat^ ... — Durch Urkunde vom selben 
Jahr, bei Lacomblet Bd. 2 S. 68, Nr. 127, bestätigte König Heinrich VII. der 
Abtei Camp den ruhigen Besitz ihrer Rechte. 

5 Urk. V. Juni 1239, bei Hennes Bd. 2 Nr. 54, S. 57: ... „ita videlicet, 
quod quisquis ipsorum slngulls annis pro iure cerocensuali dabit ecclesie 
predicte II denarios Coloniensls monete. Si autem aliquis eorum matrimo- 
nium contraxerit, pro licentia, ut consuetudinis est, dabit VI den., de obitu 
vero'' etc. 

^ Urk. derg; Erzbischofs Conrad zu Köln vom 24. Mai 1253 , bei Lacomblet 



Kapitel 22. Heirathsabgaben in Deutschland. 121 

durch Bischof Simon von Paderborn verkündeten Synodalbeschluss 
Yom Jahr 1262, über die Wachszinsigen des Bisthums Paderborn, 
ist gesagt : „Heirathet ein wachszinsiger Mann eine Standesge- 
nossin, so hat er ein Ziegenfell oder einen Schilling zu geben, 
iiach Wahl des Herrn; heirathet er aber eine Ungenossin, und 
erscheint er (zur Verantwortung darüber) bei dreimaliger Ladung, ^ 
so soll er gegen Zahlung von fünf Schillingen in seinem Recht 
Terbleiben/ ^ Derselbe Grundsatz galt bei den Wachszinsigen 
des Domstifts zu Münster, nach einem Weisthum vom Jahr 1272 
oder 1372 '. In einer Urkunde vom 8. März 1273, wodurch Graf 
Adolph von Berg einige Hörige dem Kloster Dünwald als Wachs- 
zinsige schenkte, wurde vereinbart, dass dieselben bei jeder Hei- 
rath für die Erlaubniss dazu sechs Pfennige zu zahlen hätten ^ 
Im dreizehnten Jahrhundert hatten sich mehrere Wachszinsige 
des Klosters Cappenberg ohne dessen Erlaubniss in der Stadt 
Lünen ^ niedergelassen, und es war für sie und ihre Nachkom- 



Bd. 2 S. 209, Nr. 391: ... „si quam [quis?] vero ipsorum matrimonium 
contrahere contigerit, siue masculus aut femina fuerit, sex denarios dabit 
plebano^ ... 

1 Urk. V. 17. October 1262, bei Sommer Beil. 37, S. 123—125: „Item 
de cerosensualibus ita sententiatnm exstitit, qaod juris est, et in omnibus 
Eccis observatur, quod si vir cerocensualis ducat uxorem sue oonditionis dabit 
pellem hircinam aut unum solidum et stat in arbitrio Domini, quid daxerit 
•eligendum. 8i vero duxerit uxorem, que non est sue oonditionis, citandus 
est tribus edictis, et si comparuerit dabit quinque solidos, et remanebit in 
jure suo" ... 

' Decretum Capituli Monasteriensis ratione Cerocensualium , bei Binterim 
Bd. 3 Nr. 234, S. 404, 405, und bei Grimm, Weisth. Bd. 3 S. 126, 127 (mit 
Jahreszahl 1272), ferner bei Kindlinger, M. B. Nr. 58, 8. 827—329 (mit Jahres- 
zahl 1372): . . . „Quod si vir cerocensualis ducat uxorem suae conditionis, 
dabit pellem hircinam aut unum solidum, et stat in arbitrio domini, quid du- 
xerit eligendum, si vero duxerit uxorem non suae conditionis citandus est 
tribus edictis, et si comparuerit, dabit quinque solidos et remanebit in jure 
«uo^ . . . Dies Recht wurde auf der Synode zu Münster am 11. Oct. 1405 
(bei Kindlinger, M. B. Nr. 60, S. 332—835) nochmals feierlich festgestellt. 
Wegen des weitern Inhalts der Urkunde vgl. oben Kap. 12 S. 61; auch 
Brinckmeier unter Cerocensualis Bd. 2 Suppl. S. 3. Herr Oeheimrath Dr. Har- 
less zu Dasseldorf hält die Jahreszahl 1272 ffir die richtige. 

3 Urk. V. 8. März 1273, wovon eine Abschrift des siebzehnten Jahrhun- 
derts sich im Staatsarchiv zu Düsseldorf befindet (Redingh. Collect. I foL 425) : 
. . . „Et etiam ipsorum quilibet pro licentia matrimonii sex denarios Colo- 
nienses persoluat super altare predictum^ . . . Bei Laoomblet Bd. 3 S. 386, 
<387, Nr. 658, ist der vorstehende Satz im Abdruck weggelassen. Vgl. die 
Anmerkung daselbst S. 387. 

^ Gemeint ist das spätere Dorf Altenltinen im Stift Münster. 



122 Kapitel 22. Heirathsabgaben in Deutschland. 

men, durch einen zwischen dem Kloster und der Stadt geschlos- 
senen Yergleich, ein besonderes Wachszinsrecht geschaffen, das 
Ton dem allgemeinen Wachszinsrecht in mehrfacher Hinsicht ab- 
wich. Darauf entstand ein neuer Streit über den Inhalt des Yer- 
gleichs, da die urkundliche Feststellung desselben versäumt war. 
^Jene Einwohner behaupteten nämlich, zur Yerheirathung inner- 
halb oder ausserhalb der Stadt berechtigt zu sein, wenn sie nur 
zwölf Pfennige für die Heirathserlaubniss an den Küster des 
Klosters entrichteten. Demgegenüber wurde durch Urkunde vom 
23. Nov. 1279 nachträglich der ganze Inhalt des Vergleichs ver- 
brieft, und insbesondere festgestellt, dass die Heirathsabgabe von 
zwölf Pfennigen nur für die in der Stadt selbst geschlossenen 
Heirathen gelte, dagegen für Heirathen mit Auswärtigen das 
allgemeine Wachszinsrecht zur Anwendung komme *. Durch Ur- 
kunden vom 21. Sept. 1280 und 20. Sept. 1309 wurden die 
Rechtsverhältnisse gewisser Wachszinsigen der Kirche von Wer- 
den festgestellt. Danach hatten dieselben schon seit älterer Zeit 
bei jeder Heirath unter Genossen an den Custos sechs Pfennige 
für die Heirathserlaubniss zu zahlen; die Genehmigung zu einer 
Heirath unter Ungenossen hing vom Gutbefinden des Custos ab^. 



^ Urk. des Klosters Cappenberg vom 23. Nov. 1279, bei Kindlinger, M. B. 
Nr. 48, S. 286—290: . . . „Preterea prehabiti Cerocensuales nostri, et eorum 
posteri pro lioentia oontrahendi matrimoninm , ubieunque eis intra opidum 
Lünen contrahere placuerit, custodi nostro dnodecim denarios Monasteriensis 
monete persolvere non omittent; si vero extra opidum contraxerint , tunc 
jure communi aliorum nostrorum in lllo contractu Cerocensualium tenebuntur 
. . . [folgt weiterer Inhalt des Vergleichs] . . . Postremo, cum compositio 
inter dictos Glves et nos per has Conditiones inducta per negligentiam non 
oonscriberetur : prefati cives metas dictarum conditionum transgredi volentes, 
in eo quod tam inAra quam extra, vel extra et infra opidum contrahere licere 
sibi dicebant, datis ovstodi nostro duodeeim denariis; Bernardus Custos noster, 
Conradus Gellarius, Warmundus Sacerdos, Bertoldus Camerarius et f rater 
Henrious dictna Horich juraverunt, ut dicti Cerocensuales nostri infra opidum 
tantum licentiam contrahendi Matrimonium haberent, tam cum hominibus sue 
conditionis quam aliis, solutis pro eo Custodi duodeeim denariis, ut superius 
est expressum; qui Bernardus, Conradus, Warinus, et ceteri predicte dissen- 
tionis fuerunt Reformatores^ ... 

' Urk. von Rutg«rus, Custos der Werdenschen Kirche, v. 21. Sept. 1280, 
wiederhergestellt und erneuert durch die Urkunde von Riquinus, Prouisor et 
Thesaurarins Monasterli Werdinensis, vom 20. Sept. 1809, bei Sommer Bei- 
lage 74, 8. 280—282 : . . . ri^ro licentia nvbendi si sue conditloni nupserlnt sex 
denarios colonienses ; sin aliter, licentia consistat in beneplacito Custodis^ . . . ; 
in der EroenerungBurkunde von 1809: . . . ^pro lioentia quorum seu matri- 
monium contrahendi, si inter eiusdem iuris seu condicionis personas contractus 
matrimonii flat, sex denarios brabantinos dabunt; sin aliter, gracie seu ordina- 



Kapitel 22. Heiratbsabgaben in Deutschland. 123 

Aus dem vierzehnten Jahrhundert datiren folgende 
Urkunden ^ Ein Kämmerer der Abtei Werden , Godekind von 
Lo, verzichtete am 16. September 1315 für sich und seine 
Nachkommen auf alle Ansprüche, die er gegen die Abtei er- 
hoben hatte, unter dem Vorbehalt seines Rechts auf gewisse 
Abgaben der Kämmerlingshörigen ; zu den letzteren gehörte eine 
Gebühr von zwölf Pfennigen, die jeder Hörige bei der Hei- 
rath zu -zahlen hatte, mochte die letztere unter Genossen oder 
TJngenossen stattfinden ^. Nach einer Urkunde der Pröpstin Lut- 
gardis zu Essen vom 25. Octobor 1321 wurde eine Eigenhörige 
des Oberhofs Nünning, Namens Hilla, durch Tausch in daa 
Wachszinsrecht der Propstei Essen aufgenommen, mit der Ver- 
abredung, dass sie im Fall einer standesmässigen Heirath an die 
Pröpstin zwölf Pfennige zu zahlen habe^ Der Kaufmann Her* 
mann Schotelmann zu Münster nahm als Vertreter des Stifts 
Essen in einer Urkunde vom Jahr 1326 für sich das Recht in 
Anspruch, von den Hörigen bei deren Heirath eine Licenzgebühr 
zu erheben , wie solche durch Kecht und Gewohnheit der Kirche 
zu Essen begründet war*. Im Jahr 1328 beurkundete Dietrich 
von Hagenbeck, nach Uebernahme der lebenslänglichen Ver- 
waltung des von der Pröpstin zu Essen abhängigen Oberhofs 
Nünning, dass die Hörigen desselben für die Heirathslicenz 

cioni Thesaurarii Monasterii Werdensis predicti qui pro tempore fuerit pro 
eo se submittet^^ . . . 

^ In einer ungedruckten Urkunde des Neusser Quirinatifts vom 12. Mai 
1352, im Staatsarchiv zu Düsseldorf, ist, wie mir Herr Geheimrath Dr. HarleBS 
mittheilt, ebenfalls eine Bestimmung über Heirathsabgaben enthalten. — Spä- 
testens aus dem vierzehnten Jahrhundert stammt eine handschriftliche Notiz 
zu einem im Pfarrarchiv zu Xanten aufbewahrten Codex (Xiber ruber), die 
bei Binterim Bd. 3 S. 405 abgedruckt ist: ... „sex vero denarios graves 
Colon, monetae pro licentia nubendi dabunt**. Aus einer Vergleichung dieser 
Stelle mit den oben erwähnten Urkunden erhellt, dass die Abgabe in den 
meisten Herrschaften sechs Pfennige betrug. — Ueber die Urkunde des Dom» 
Stifts zu Münster von 1872 s. oben S. 121. 

> Urk. V. 16. Sept. 1315, bei Lacomblet Bd. 3 S. 111, 112, Nr. 150: . . „et 
si matrimonium contraxerint , siue cum pari seu impari, similiter habebimua 
XII denarios de eis, et in hiis consensus noster non est requirendus^ . . . 

* Urk. V. 25. Oct. 1821, bei Kindlinger Nr. 72, S. 879, und bei Sommer, 
Beilage 66, S. 212 : ... „pro licentia vero nubendi, si suo pari nupserit, dabit 
nobis duodecim denarios legales et persolvet; sin autem, procurabit hujus- 
modi licentiam de nostra gratia et favoro.^ 

^ Urk. V. 1326, bei Kindlinger Nr. 76, a 384—386: . . . „eo tarnen nobia 
salvo, quod . . . licentiam pro matrimoniis dictorum hominum dasdam seeun- 
dum jus et consuetudinem praenarrate eccleaie Assyndensis nobis licite pote«' 
rlmus vindicare.^ 



124 Kapitel 22. Heirathsabgaben in Deatschland. 

zwölf Pfennige an ihn zu zahlen hätten ^ Im Jahr 1374 wurde 
die Freie Blyda von Devers auf ihren Antrag in das Wachszins- 
recht des Sanct-Antonius-Ordens von Westfalen durch dessen 
Kector zu Essen aufgenommen^ unter der Festsetzung, dass sie 
für die Erlaubniss zu heirathen zwölf Pfennige zahlen müsse ^. 
Ein Eigenhöriger des Hofes Nünning, !Nfamens Rutgherus, von 
Huttorp, kam im Jahr 1380 durch Tausch in das Wachszinsrecht 
der Kirche von Essen. Bei seiner Aufnahme durch Lyse von 
Broicke, Küsterin von Essen, wurde vereinbart, dass er das Recht, 
sieh mit einer Standesgenossin zu verelichen, durch Zahlung von 
neun Pfennigen erlange; dagegen sollte die Erlaubniss, eine Un- 
genossin zu heirathen, von Gunst und Gnade der jedesmaligen 
Küsterin abhängend 

Aus der Zeit nach dem vierzehnten Jahrhundert* 
datiren zwei Urkunden über die hofhörigen Leute des Oberhofs 
Eickel in der Mark (zwischen Iserlohn und Hagen) , dessen Erb- 
grundherrin die Benedictiner- Abtei Sanct-Pantaleon zu Köln war. 
In der älteren von diesen beiden Urkunden ist gesagt, die Hof- 
leute hätten stiftungsgemäss , seit fünfhundert Jahren, für die 
Erlaubniss (den ^^Orloff^) zur Heirath an den Schultheissen eine 
Abgabe zu entrichten; der Betrag war nach vier verschiedenen 
Fällen und nach der Yermögenslage der Brautleute abgestuft^. 
In der andern Urkunde, vom 26. Juli 1569, sind ähnliche Be- 



* Urk. V. 1328, bei Kindlinger Nr. 77, S. 386—388: ... „de nubendi 
licentiis hominum ad curtem eandem spectantium duodecim denarios recipiam. 
et habebo." 

> Urk. V. 1374, bei Kindlinger Nr. 128, S. 482: . . . „si ipsa nubere vo- 
luerit, pro tali licentia dabit XII denarios. ^^ 

• Urk. V. 1380, bei Kindlinger Nr. 131, 8. 486 : . . . „pro licentia nubendi, 
si pari suo nupserit , dabit novem denarios usuales et legales , si impari nup- 
serit, talem licentiam de nostra seu Thesaurarie tunc existentis gratia pro- 
curablt et favore." 

^ In diesen Zeitraum fallen auch die Urkunden von 1405, 1415, 1433, 1467, 
1496, 1497 und 1571, oben S. 117, 118 und 121, und unten 8. 127, 128 und 
129. Aus einer mir unbekannten Quelle stammt folgende Nachricht aus Würt- 
temberg, bei Danz Bd. 6 8. 46, 47, g 544 : „Im Jahre 1496 erhielt der Prälat 
zu Neresheim von den Bürgern und Bürgerskindern des 8tädtchens, welche 
sich verheiraiheten, eine Mass Festwein .^ 

^ Urk. um 1500, bei Kindlinger Nr. 195, 8. 645-^657, bei 8ommer Beil. 25, 
8. 72—80, und bei Grimm, Weisth. Bd. 3 8. 60—65, Art. 25—28. Aus Art. 
25 : ... „für den Orloff sal der Jenne, die uess unserem Hoff gewesselt wird, 
geven dem Herren off Scholtiss der reichste zweien rinsche Gulden, der 
Middelmässigste anderhalben rinsche Gulden, der Arme einen rinssschen Gul- 
den, der allerarmste einen halven rinschen Gulden, ind alles in Gnaden, ind 



Kapitel 22. Heiratheabgaben in Deutschland. 125 

stimmuogen enthalten, jedoch höhere Beträge für die Heiraths- 
abgaben festgesetzt ^ 

2. Besondere Namen zur Bezeichnung von Heirathsabgaben. 

Bei modernen Schriftstellern finden sich für deutsche Hei- 
rathsabgaben folgende Bezeichnungen, die nur zum Theil durch 
Urkunden beglaubigt sind: 

Abzugsgeld, in Bayern*. 

Bedemund, Beddemund, Beddemunt^, in Westfalen, 
Braunschweig und andern norddeutschen Ländern. Diese Abgabe 
wird in folgenden Urkunden aus dem zwölften bis fünfzehnten 



einen rinschen Gulden mag man betalen mit vier und thwintig alder Engelss^. 
Die Abgabe war in Art. 25 — 28 verschieden bestimmt, je nachdem der Bräutigam 
oder die Braut zu einem fremden Hof gehörten, oder Beide Genossen waren. 
Das Wort Orloff erinnert an das englische Wort ourlop, in Kap. 16, S. 84. 

^ Vergleich zwischen den Hofherren und Leuten des Hofes Eickel vom 
26. Juli 1569, bei Sommer S. 80—86, Beil. 26, besonders §§ 4 und 5. Vgl. 
auch Brlnckmeier Bd. 1 S. 307. 

« v. Maurer Bd. 3 S. 168. 

' Schottel cap. 1 § 85, 8. 27, 28; Westphal § 13, S. 89, 40; Schilter, Fand. 
36 g 32, S. 342; Harenberg, Diss. 3 g 16, S. 539, (der das Wort von „Bede^ 
= Bitte und von „Mund'^ ableitet); Potgiesser lib. 2 cap. 2 g 25; Zedier 
Bd. 3 S. 891, unter Bedemundsrecht; Piper g 11 (der das Wort aus „Wette^ 
-und „muthen^^ zu erklären sucht); J. G. Heineccius, Ant. Bd. 2 lib. 2 cap. 9 
g 29 (ytBedemuthe^); Deutsche Encykl., unter Bedemund; Kindlinger gg 6, 
7, 9, 31 (der das Wort von „Bellemund^ = Unmttndiger ableitet); Brlnck- 
meier, unter Bedemund, Bd. 1 S 306—308 (von Bett und Mund == Erlaub- 
niss zur Besteigung des Ehebetts); v. Maurer Bd. 3 8. 168; Grimm, W.-B. un- 
ter Bettmund (wo das Wort von „Mund" == Schutz, und von „Bett" abgeleitet 
wird); Scherr 1865, S. 129 und 1876, S. 237; G. Waitz Bd. 5 S. 236. — 
Dasselbe Wort bezeichnete auch die Strafe einer unrechtmässigen Geßchlechts- 
verbindung, vgl. oben Kap. 13 S. 68. — Der Ausdruck „Bedemund''^ dürfte 
von bede oder bete (praestatio, Abgabe) und mund (mundium, Schutz) her- 
zuleiten sein und danach ursprünglich den allgemeinen Sinn einer Abgabe an 
den Schutzherrn gehabt haben. Vgl. cap. 34 ex Codice Eberhardi monachi, 
bei Dronke 1844, S. 64: . . . „In hetenhusen soluant mancipia antequam nu- 
bant censum intra XXX annorum spacium. qui census vulgariter beitemunt 
nuncupatur. et est numerus quinque solidorum uel optimam uestem eins. In 
franchwarteshusen similiter" . . . Hier bezeichnet das Wort „beitemunt" nicht, 
wie G. Waitz (Bd. 5 S. 236) meint, eine Heirathsabgabe , sondern eine Art 
Grund- oder Kopfsteuer, die der Leibeigene zu zahlen hatte, bevor er hei- 
rathete oder dreissig Jahre alt wurde. Das Recht zur Erhebung dieser Steuer, 
die dem Anschein nach durch Ablösung von Frohndiensten entstanden war 
(vgl. cap. 35 Eberh. Fuld., bei Dronke 1844, S. 65), hatte in Thüringen zu 
den Einkünften des Königs Konrad (911—918) gehört und war durch denselben 
an die Kirche zu Fulda übertragen worden; sie betrug für jeden der dazu 



126 Kapitel 22. Heirathsabgabea in Deutschland. 

Jahrhundert erwähnt*. Durch eine Urkunde aus der Zeit von 
1142 — 1156 erlangten sämmtliehe Wachszinsige des Sanct-Patro- 
clus-Stifts zu Soest die Anerkennung ihres Rechts, ein Weib zu 
nehmen oder eine Tochter zu verheirathen, ohne deshalb der mit 
dem Namen „Beddemunt^ bezeichneten Abgabe unterworfen zu 
sein ^. In derselben Bedeutung, einer Heirathsabgabe, findet sich 
das Wort Beddemunt in der bereits oben (S. 116) erwähnten 
Urkunde des Abts Pranco zu Liesborn vom Jahr 1166^; in einer 
vom Jahr 1171 (irrthümlich) datirten Urkunde des Propstes Hunold 
zu Kloster Volchardinchusen im Waldeck'schen*; in einer Urkunde 
des Erzbischofs Philipp I. von Köln aus Soest vom 1. Juni 1172, 
über die aus freiem Stande in das Wachszinsrecht der Sanct-Peters- 
Kirche zu Medelach eingetretene Hadeloch und ihreNachkommen^; 



verpflichteten Leibelgenen fünf Schillinge oder das beste Kleid. In noch an- 
derer Bedeittung findet sich das Wort Bedemunt in einem Yerzeichniss des 
Abts Wedekind zu Corvey, von 1185—1205, bei Sommer, Beilage 40, S. 132 
(S 17): . . . „Hereditates que dicuntur Bedemunt Abbati cedunt^ . . . 

^ Dazu kommt noch die bei Nolten S. 145 erwähnte Urkunde, deren Alter 
mir nicht bekannt ist. Nolten versichert nämlich, dass nach einem sehr alten 
Copialbuch der Kirche Sanct-Michael zu Hildesheim die Hörigen der Kirche 
bei ihrer Verheirathung , nach Beschreitung des Ehebetts, unter dem Namen 
Beddemund neun Groschen und drei Heller an den Propst zu entrichten hatten. 
Vgl. über das Bisthum Hildesheim unten S. 131. 

2 Urk. V. 1142—1156, bei Kindlinger, M. B. Nr. 26, S. 172—174, bei Som- 
mer, Beil. 36, S. 122, 123, und bei Seibertz Nr. 43, Bd. 1 S. 57, 58: ... „Scien- 
dum est praeterea, quod quilibet in tota familia illa, rerum suarum donationes 
facere, uxores ducere et nuptum [nuptui] tradere, omnimodam libertatem ha- 
bebit, nee aliquis Ecclesie Priorum seu Ganonicorum per exactioHem que 
vulgo Beddemunt vocatur, ab aliquo quicquam extorquebit^^ . . . Vgl. Er- 
hard, Reg. Nr. 1600, Bd. 2 S. 18; G. Waitz Bd. 5 S. 237. 

3 Urk. des Abts Franco zu Liesborn v. 1166, bei Kindlinger Nr. 12, S. 240, 
241, und bei Sommer, Beil. 55, S. 181 (im Anschluss an die oben S. 116 
Anm. 4 citirten Worte): „sin vero in inferiori gradu, id est in Ancillis vel 
mancipiis matrimonia contraxerint , puerl ab illis procreatl jus parentum per 
omnia obtinebunt, excepto, quod hereditas morientium jure mancipiorum in- 
tegraliter utilitati nostre deputabitur: porro per succedentes generationes, 
quotquot fuerint, dimidium censum et nuptialia commoda, quod dicitur Bedde- 
munt, ac hereditates per omnia more litonum persolvent^^ . . . Vgl. Erhard, 
Reg. Nr. 1921, Bd. 2 S. 46; G. Waitz Bd. 5 S. 237, 

* Urk. V. 1171 oder um 1220, bei Varnhagen (Urk-B) Nr. 3 S. 8, und 
bei Wigand Bd. 3 S. 89—91 : . . . „domine (d. h. an die Oberin des Augusti- 
nerinnenklosters Volchardinchusen) cum nupserint beddemundum persolvere 
debent duobus solidis." Vgl. Grimm, W.-B. unter Bettemund; Erhard, Reg. 
Nr. 1969, Bd. 2 S. 50 (wo der bei Wigand abgedruckte Aufsatz v. Spilker's 
unbeachtet geblieben ist). 

» Urk. V. 1. Juni 1172, bei Seibertz Nr. 62, Bd. 1 S. 87, 88: . , , „et tarn 



Kapitel 22. Heirathsabgaben in Deutschland. 127 

I 

und in einer Urkunde der Aebtissin Jutta zu Meschede vom 
Jahr 1216 über eine Waohszinsige der Kirche zu Meschede^. In 
Urkunden des Abts Conrad zu Corvey vom 27. Mai 1176* und 
des Herrn Friedrich von Padberg vom 27. März 1290^ ist der 
Name der Abgabe auf* die Bezeichnung des Yerlöbnisses über- 
tragen. Nach einer Urkunde des Erzbischofs Dietrich von Köln, 
als Yerwesers des Bisthums Paderborn, vom Jahr 1415, hatten die 
Untersassen und Landleute im Lande Delbrück zufolge alten 
Landesrechts als Beddemund bei ihrer Yerheirathung (für das 
YoUwort, d. h. für die Zustimmung zur Heirath) fünf Schillinge 
nebst sechs Yierlingen für den Geldbeutel, an den Bischof oder an 
dessen Amtmann, zu entrichten^. Herzog Heinrich von Braun- 
schweig und Lüneburg erliess, mit Zustimmung der braunschweigi- 
schen Landstände, im Jahr 1433, am Sonntag Yocem jucunditatis 
(5. Sonntag nach Ostern), ein Gesetz, wonach als Bedemund 
kein höherer Betrag erhoben werden sollte, als von Alters her 
festgesetzt war ^. Yeranlassung dieses Gesetzes war (nach einer 
in der Einleitung enthaltenen Bemerkung) der Missbrauch, dass 
übermässige Beträge für den Beddemund eingefordert wurden, 
weshalb viele Leute auswanderten. • 

Die unter dem Namen Bedemund bekannte Heirathsabgabe 
bestand noch in der Neuzeit. Im Freiengericht, das Herzog 
Julius von Braunschweig zu Sickte (in der Nähe von Wolfen- 

ipsa quam omnes femine propagande ex suo semine libera ab eo jure quod 
heddemunt dicunt semper permaneat^^ . . . Vgl. Erhard, Reg. Nr. 1973, 
Bd. 2 S. 51. 

* Urk. V. 1216, bei Seibertz Nr. 142, Bd. 1 S. 184: ... „pro beddemundo 
sex denarii solvantur.^ (In dieser und der vorgenannten Stelle ist die Mög- 
lichkeit nicht ausgeschlossen, das Wort beddemund in beiden Bedeutungen 
zu verstehen.) 

* Urk. des Abts Conrad zu Corvey über die Rechte des Stiftsküsters am 
Dorf Haversfort, vom 27. Mai 1176, bei Wigand, Corvey Nr. 6, S. 225—228, 
bei Kindlinger Nr. 14, S. 243—245, und bei Sommer, Beü. 41, S. 185, 186: 
. . . „desponsationes puellarum, que vulgariter Beddemund voeantnr^ . . . 
Vgl Erhard, Reg. Nr. 2017, Bd. 2 S. 55; G. Waitz Bd. 5 8. 237. 

s Urk. Friedrichs von Padberg vom 27. März 1290, bei Seibertz Nr. 432, 
Bd. 1 S. 522 — 524: ... „11) Sponsalia que vulgo bedemunt dicuntur nomine 
et vogethdingh et frygedingh nuUum jus ibi obtinebunt^. 

* Urk. V. 1415, bei Kindlinger Nr. 158, S. 546—649, Art. 7: „Item wan 
man eyne Echtescap maket, de sollen dan na Wontbeit des Landes tor Del- 
brüge eynem Bisscope oder sinen Amptlüden geveil vyff Schillinge vor eynen 
Beddemund, unde sees Verlinge vor eynen Büdel, dair men dat Oelt inateke, 
dair mede sal men der Heren Vulbord hebben.^^ 

^ Gesetz v. J. 1433 (5. Sonntag nach Ostern), bei Schottelius cap. 2 § 13, 
S. 48—51. 



128 Kapitel 22. Heirathsabgaben in Deutschland. 

büttel) im Jähr 1&71 abhalten liess, wurde entschieden, dass die 
Mitglieder der vier Geschlechter der Freien keine Bedemund zu 
geben hätten^. Schottel berichtet: ,,Und hat es mit der Bede- 
mund (merces copulationis oraliter petitae) oder dem Bedemunds- 
recht diese Bewandtniss, der Bräutigam muss sich persönlich bei 
der bestellten Obrigkeit auf dem Lande anfinden, Bedeweiss 
mündlich sein Vorhaben zu heirathen anbringen, und wenn solches 
erlaubt und verzeichnet wird, deshalber ein geringes jedoch ge- 
wisses Geld ins Amt erlegen: und zwar zum ersten Mal giebt 
er zwanzig Mariengroschen und sechs Pfennige. Freiet er zum 
andern Mal, giebt er vierzehn Mariengroschen und vier Pfennige. 
Zum dritten Mal giebt er nur sieben Mariengroschen und vier 
Pfennige. Der aber zum vierten Mal freiet, giebt zur Bedemund 
Nichts. Wiewohl das Quantum der Bedemunds-Groschen , nach- 
dem es Herkommen, variirt.^^ In Pommern, in der Lausitz, in 
Mecklenburg, in Holstein und in Hannover soll eine bäuerliche 
Steuer unter dem Namen „Bedemunt*' noch im achtzehnten Jahr- 
hundert bestanden haben ^. 

Brinckmeier hält es für nicht ganz unwahrscheinlich, „dass 
das in den alten Zeiten, doch nur in einigen Ländern und Ge- 
genden, angeblich ausgeübte, meistens aber doch wohl abgelöste 
Recht der ersten Nacht (jus deflorationis , cunagii) den Anlass 
zur Einführung der Bedemund gegeben habe*' *. Und Westphal 
bemerkt, das Bedemundsrecht sei ein Ueberrest des durch das 
Christenthum verdrängten jus connagii, wonach in alten Zeiten 
die deutschen Herrscher die Gewalt gehabt hätten, bei Heirathen 
ihrer XJnterthanen die jungfräuliche Keuschheit in der Hochzeits- 
nacht zu verkosten^. Diese Vermuthung findet in den erwähn- 
ten Urkunden keine Bestätigung und ist, wie Danz richtig an- 
nimmt *, völlig grundlos. Sie ward schon in der deutschen Ency- 
klopädie für eine „ungegründete Fabel" erklärt^. 



> Freiengericht zu Sickte von 1571, Art. 7, bei Grimm, Weisth. Bd. 3 S. 245: 
. . . „Dazu geben sie keine bedemund noch bulebe, weder pferd noch kühe'S 

* SchotteliuB cap. 1 § 35, S. 27, 28. VgL Deutsche Encykl. unter Bede- 
mund: „An den meisten Orten wird bei der ersten Yerheirathung zehn, bei 
der zweiten vierzehn, bei der dritten sieben Mariengroschen, und bei der 
vierten gar Nichts bezahlt;^ Brinckmeier Bd. 1 S. 306. 

» Michelet S. CXXm. 

^ Brinckmeier Bd. 1 S. 307. Gleich nachher giebt jedoch Brinckmeier selbst 
zu, dass der Ursprung der Abgabe „sich schon aus den> in manchen Gegenden 
sehr ausgedehnten Eigenthumsr echten der Leibesherren erklären^ lasse. 

5 Westphal §§ 11—13, S. 37—40. 

6 Danz Bd. 6 S. 45, $ 544. ' Deutsche Encykl. unter Bedemund. 



Kapitel 22. Heirathsabgaben in DeutBchland! 129 

Brautgeld oder Brautgulden, in Bayern*, scheint nicht 
eine grundherrliche, sondern eine landesherrliche Steuer gewesen 
zu Sein*. 

Brautlauf, in Schwaben. Obwohl dieser Ausdruck, wie 
der lateinische cursus nuptialis, in der Regel die Hochzeit be- 
zeichnet^, so scheint er doch in einigen Gegenden Deutschlands 
der Name einer grundherrlichen Heirathsabgabe gewesen zu sein *. 
Wenigstens findet sich über den württembergischen, vormals 
Kloster Adelberg'schen Ort Börtlingen (nördlich von der Stadt 
Göppingen) folgende Nachricht: „Eigenthümlich war der Braut- 
lauf, welchen Adelberg'sche Personalleibeigene im Stabe Bört- 
lingen entrichten mussten; nach dem Lagerbuche von 1496 näm- 
lich: der Mann eine Scheibe Salz, die Braut aber 1 Pf. 7 Seh. 
Hlr. oder eine Pfanne, dass sie mit dem Hinteren darein sitzen 
kann oder mag." ^ 

Brautlösungsgeld hiess eine Abgabe, welche Handwerker 
an die Zunft für die Erlaubniss zur Heirath entrichteten ® ; es war 
also keine grundherrliche Abgabe. 

Bulevinge. Dies Wort soll dem Ausdruck Bumede ent- 
sprechen^, wonach man denken könnte, es sei auch in der 
Bedeutung einer Heirathsabgabe gebraucht worden. Indessen 
war bulevinge eine Abgabe, die wegen der Heirath von Un- 



1 V. Maurer Bd. 3 S. 168. 

2 Vgl. Verordnung des Königs Max Joseph von Bayern v. 25. Nov. 1808, 
Bayer. Reg.-Bl. 1808, Bd. 2 S. 2822, wodurch ausser andern Steuern die 
„Brautgulden" in den ehemaligen Provinzen Bayern- und Oberpfalz, die 
,.Brautgelder" in der ehemaligen Provinz Schw^aben und die „Hochzeitgelder" 
in der ehemaligen Provinz Neuburg aufgehoben wurden. 

' Der Ausdruck wird daraus erklärt, dass im Alterthum ein Wettlauf um 
die Braut stattfand. Vgl. Deutsche Encykl. unter Brautlauf; Grimm, W.-B. 
unter Brautlauf; Grimm, Weisth. an den im Register unter Brautlauf be- 
zeichneten Stellen; Simrock, Myth. § 147, unter Hochzeit; Schönwerth Bd. 1 
S. 121; Dümge S. 28; Weinhold S. 246, 263; v. Düringsfeld S. 215. 

* Deutsche Encykl. unter Brautlauf; Runde § 544; Danz § 544. Bei 
Reynitzsch S. 276 findet sich die grundlose Meinung, dass der „Brautlauf" in 
Bayern auf dem jus primae noctis beruhe. 

* Moser S. 74. Vgl. über einen derartigen Inhalt der Abgabe auch v. Hor- 
mayr 1842, S. 146; v. Schmitz S. 232. Ohne allen Grund meint Sugenheim 
(1861, S. 360), jene Abgabe sei „die alte Ablösungssteuer des berüchtigten 
Rechts der ersten Nacht" gewesen. Diese Nachricht Sugenheim's rechnet Ku- 
lischer (S. 224) zu den directen Zeugnissen für die Existenz des jus primae 
noctis. 

6 Grimm, W.-B. Bd. 2 S. 838. 

' Grimm, W.-B. unter Baulebung. 

Schmidt, Jus primae noctis. 9 



130 Kapitel 22. Heirathsabgaben ia Deatachland. 

genossen nicht bei der Hochzeit, sondern erst nach dem Tode 
erhoben wurde ^. 

Bumede, Burmede oder Baurmiethe^ Der Ausdruck 
Bumede findet sich in einer Stiftungsurkunde des Kaisers Lothar 
Tom 1. Aug. 1135^, in einer Schenkungsurkunde des Grafen 
Siegfried Ton Boumeneberg Tom 2. Nov. 1141 ^ und in einer 
Urkunde des Herzogs Heinrich Ton Bayern und Sachsen vom 
4. Not. 1164 ^, zur Bezeichnung einer Abgabe, die bei Heirathen 
unter Nichtgenossen zu entrichten war. Der Sachsenspiegel er- 
wähnt die Burmede als Heiratbsteuer der Wendinnen, zum Be- 
weis ihrer Unfreiheit, ohne hinzuzufügen, dass diese Abgabe 
nur bei Heirathen unter Nichtgenossen zu zahlen sei ^. Eine mit 



^ Vgl. oben 8. 61 Anm. 1; Harenberg, diss. 3 § 16, S. 539; Grimm, W.-B. 
unter „Baulebnng^; Brinckmeier unter Budelinge, Bd. 1 S. 300, 301. Hier 
wird Bnlevinge oder Budelinge definirt als „das vorbehaltene Recht des Herrn 
an eine Quote des Nachlasses seines. Hörigen, der eine fremde Hörige zum 
Weibe genommen hat^. 

* Harenberg, diss. 8 § 16, 8. 1173 (wo das Wort von „anbuen" oder „buen" 
= genus propagare, und „Miethe^ = pretinm hergeleitet wird); Potgiesser 
Hb. 2 cap. 2, § 15; G. Hoffmann lib. 1 cap. 8, S. 84—91 (der „Burmede" 
mit ^Bauermiethe^ = census rusticorum erklärt); Wächter unter Bumede 
und unter Reitschoss; Halthaus unter Bumede; Scherz unter Bumede; Zedier 
Bd. 3 8. 786 unter Baurmiethe ; Deutsche Encykl unter Bedemund und unter 
Bauermiethe (wo eine Ableitung des Worts aus „Braut" und „Metha" = Ge- 
schenk erwähnt wird); Raepsaet 8. Ausg. 8. 22; Runde § 544; Danz § 544; 
Grimm, R.-A. 8. 384; Brinckmeier Bd. 1 8. 298; v. Raumer Bd. 5 8. 25; 
V. Maurer Bd. 8 8. 168; Noordewier 8. 160; 8cherr 1865, 8. 129 und 1876, 
8. 237; Zöpfl 4. Aufl. Bd. 2 § 30, 8. 167, 168; G. Waitz Bd. 5 8. 237. 

* Urk. V. 1. Aug. 1135, bei Rehtmeier Bd. 1 8. 298 und in den Orig. 
Guelf. Bd. 2 8. 524—526, Nr. 524: ... „Yolumus, ut si qua mulier de fa- 
milia Ecclesie servo nostro ad administradium [aut uni ministerialium ?] no- 
strorum nupserit data jnstitia, quae Bumeda dicitur, in perpetuum cum ma- 
rito Juri nostro remaneat. Et e converso idem fiat, si qua de familia nostra 
Ecclesie servo nupserit." Vgl. Estor § 93, 8. 130, 131; G. Hoifmann lib. 1 
cap. 8, 8. 84—91; v. Raumer Bd. 5 8. 25; G. Waitz Bd. 5 8. 237. 

* Urk. V. 2. Nov. 1141, bei Harenberg 8. 707, 708: . . . „Ad haec conce- 
dimus, ut si qua de familia ecclesiae cuiquam nostrorum [nostro ?] maritaverit 
servo, data justitia, quae vulgo Bumede dicitur, juri nostro de cetero cum 
8U0 maneat marito , et e converso fiat id ipsum , si qua de nostra familia fa- 
mulo fuerit Ecclesiae oopulato." Vgl. G. Waitz Bd. 5 8. 237. 

* Urk. V. 4. Nov. 1164, Orig. Guelf. Bd. 3 8. 424—425: . . . „Item con- 
cedimus , ut si qua de familia Ecclesiae alicui nostro nupserit servo , data 
prius justlcia, quae vulgari eloquio Bumede vocatur, in reliquum cum marito 
juri nostro remaneat, et e converso idem fiat si quam de familia nostra Eccle- 
siae nubere contlngat" . . . Vgl. v. Raumer Bd. 5 8. 25. 

* Sachsenspiegel in, 78 § 3: „Man saget dat alle wendinne fri sin, durch 



Ki^pitel 22. Heirathsabgaben in Deutschland. 131 

dem Namen bu miete bezeichnete Heirathsabgabe wird schon in 
einer Urkunde des Bischofs Udo zu Hildesheim Tom 24. Mai 
1092 erwähnt, wodurch die Dienstleute der Kirche zu Hildes- 
heim von jener Abgabe befreit wurden. In dieser Urkunde ist 
bemerkt, dass die völlige Freiheit zu heirathen, wie solche den 

Dienstleuten des Beichs und der Kirche zu Mainz zustehe, früher 

* 

auch im Gebiet der Kirche zu Hildesheim gegolten habe, bis 
jene Abgabe durch die Bischöfe Azelin und Hettilo zu Unrecht 
eingeführt worden sei *. 

Bunzengeld oder Bunzengroschen^ Yon dem Dorf 
Farnstädt, welches im ehemaligen Fürstenthum Querfurt liegt und 
den Herren von Geusa gehörte, berichtet Lünig^: ... „es muss 



dat ire kindere na deme wendischen vädere höret; des is doch nicht; wenne 
si gevet ire burmede Irme herren , also dicke ^Is si man nemet^ . . . Latei- 
nisch: . . . ^suis dominis, quotlens copulantur, praestant mercedem copula- 
tionis^^ . . . Diese Abgabe soll von dem in § 2 desselben Artikels erwähnten 
Erzbischof Wichmann von Magdeburg herrühren. Vgl. darüber Allg. Lit. Ana. 
1797, S. 1428; Riedel Th. 2 S. 29; Homeyer 8. 248. — Zobel (fol. 449 Anm. c) 
bemerkt, die Baurmiethe sei für den Loskauf von den Pflichten gegen den 
Herrn (für die Freilassung) gezahlt worden. Wäre dies sicher, so könnte 
daraus gefolgert werden, dass die Abgabe bei Heirathen unter Genossen 
nicht zu zahlen war. 

* Urk. v. 24. Mai 1092 , bei Wigand Bd. 1 S. 104—106 : „Vdo huius 
sancte sedis uocatus episcopus diuine miserationis gratia tactus insuper et 
fratrum nostrorum canonicorum sancte Marie karitate doctus, et seruentium 
nostrorum beniuola seruitute beneuolns Ulis factus, et iusta proclamatione 
eorum uictus sanctio atque perpetualiter constituo, ut omnes, legitimi seruien- 
tes nostre ecclesie et filie eorum liberam potestatem cui uelint nubendi 
habeant, sicut seruientes ad regnum pertinentes et mogontine ecclesie. Et 
hoc novum non statuo, quia antecessores eorum idem ins a constitutione 
huius ecclesie habuerunt usqne ad tempora Azelini et Hettelonis, antecesso- 
Tum nostrorum, qui uiolenter sine ratione et sine consuetudine aliarum eccle- 
siarum eos coegerunt ad reddendum censum, quem uulgo humiete uocant. 
Nunc autem pro redemptlone anime antecessorum nostrorum et nostre et pro 
Salute ecclesie huius cognosco iniusticiam Ulis factam et iusticiam quam 
antecessores eorum habuerunt, communi consilio fratrum nostrorum eis be- 
nigne reddo, et banno conflrmo.^' Vgl. G. Waitz Bd. 5 8. 287. 

' Halthaus unter 8chUrzenzins und 8techgroschen ; Dümge 8. 21, 22; Danz 
Bd. 6 8. 46, 47 (§ 644); Reynitzsch 8. 276; Grimm, R.-A. 8. 884, und W.-B. 
unter ,,Bunzengeld^ und „Bunzenzins^^ ; Brinckmeier unter Bunzengeld ; T. Mau- 
rer Bd. 8 8. 168; 8cherr 1865, 8. 129; Zöpfl Bd. 2 8. 168; 8cherr 1876, 
8. 237. — Nach Halthaus (unter 8chUrz.enzln8 und 8techgroBchen) und Dümge 
(8. 28) werden dieselben Ausdrücke auch von denjenigen Abgaben gebraucht, 
die von entehrten Mädchen an die Ortsobrigkeit oder an den Pfarrer au ent- 
Tiefaten waren. Vgl. oben Kap. 18, 8. 67, 68. 

• Lünig Bd. 8 8. 728, 724, n. 67. 

9* 



132 Elftpitel 22. Heirathsabgaben in Deutschland. 

eine jede Braut vor ihrer Trauung dem Gerichtsherrn drey gute 
Groschen bringen, welche vormals, und nur noch vor etwan zwölf 
Jahren, der Buntzengroschen genennet worden, und von der Braut 
selbst so hat müssen genennet werden ; die Gerichtsherrschaft aber 
hat vor etwan zwölf Jahren diese Benennung aus guter christlicher 
Wohlmeinenheit abgebracht, und spricht anitzo die Braut, wann 
sie die drey Groschen bringt: Hier bringe ich, was ich schuldig 
bin. Dabey ist zu merken, dass wenn diese drey Groschen 
von der Braut, ehe ihr zur Trauung ausgeläutet, nicht erleget 
worden, der Gerichtsherrschaft freystehet, dass sie den Gerichts- 
knecht ins Hochzeithaus schicken und die sämmtiiche Hochzeit- 
speisen wegnehmen lassen mag. Den Ursprung dieses Zinses, 
und warum es der Buntzengroschen genennet worden, kann man 
nicht finden, allein die Nachricht findet man, dass er über 150 
Jahr so genennet gewesen. ... In Eilenburg findet man gleich- 
falls eine curieuse Arth von einer Zinse, von deren Ursprung 
und Beschaffenheit folgende Nachricht gegeben zu werden pfleget : 
Im Anfange des eilfften seculi hat Fräulein Hidda zu Eilenburg 
in der Stadt und Vorstädten daselbst die Anordnung gemacht, 
dass eine Wittib, wann sie sich wieder verehelichen würde, zu- 
vor auf das Schloss, oder ins Amt, einen Beutel ohne Nath, 
worinn zwey Schreckenberger (sind 7 Groschen), und vier Pfen- 
nige einlieffern sollte; worüber noch heutiges Tages gehalten 
wird , und bekömmt der Beambte die zwey Schreckenberger, der 
Land-Knecht aber die vier Pfennige.** 

Busenhuhn, Busenrecht, Busenzins^ Es wird ohne 
Angabe eines Beweises behauptet, dass für eine Heirathsabgabe 
der Ausdruck „Busenhuhn** und für das Recht des Grundherrn, 
diese Abgabe zu erheben; der Ausdruck „Busenrecht ** vor- 
komme ^. 

Buteil, Budeil oder Budteil war, ebenso wie bulevinge 
(s. oben), ein Anspruch des Grundherrn gegen den Nachlass der- 
jenigen 'Öörigen, die ohne seine Erlaubniss sich mit Ungenossen 
verheirathet hatten ^. Es war also zwar keine eigentliche Heiraths- 
abgabe, wohl aber eine Strafe für Heirathen von Ungenossen. 



^ Runde § 544; Danz § 544; v. Alvensleben zu Fellens S. 137. 

* V. Alvensleben zu Fellens S. 137. — Dagegen gebraucht v. Martius 
(1832^ S. 56) das Wort „Busenrecht^^ für die Beziehungen der Brautleute 
untereinander , wie solche bei vielen sibirischen Völkern , insbesondere bei 
Kalmücken, Tataren und Baschkiren, üblich sein sollen. 

• Vgl. die Urkunden, die bei Brinckmeier unter Budelinge und unter Bu- 
deil, Bd. 1 S. 800 und S. 428, 429, citirt stehen. . 



Kapitel 22. Heirathsabgabei in Deutschland. 133 

Connagium oder Cunnagium*. Es wird angegeben, dass 
diese Ausdrücke zur Bezeichnung deutscher Heirathsabgaben vor- 
kämen. 

Frauenzins oder Frauengeld, in Niedersachsen ^, war 
nicht eine Heirathsabgabe , sondern, falls eine darauf bezügliche 
Erzählung Eeysler's überhaupt Glauben verdient, eine Jahres- 
abgabe verheiratheter Frauen ^. Ein moderner Schriftsteller 
meint, „der Frauenszins in der Altmark '^ sei ein Ueberbleibsel 
des bei nördlichen Völkern verbreitet gewesenen und in christ- 
licher Zeit durch einen Betrag von Vieh oder Geld abgekauften 
jus primae noctis oder jus connagii„ d. h. des Rechts, die Braut 
seines Vasallen oder Unterthanen zu entjungfern *. Doch besteht 
für diese Meinung keine Berechtigung. 

Freudengeld ^ Von den zur Abtei Sanct-Peter zu Merse- 
burg gehörig gewesenen sogenannten Abteidorfschaften wird be- 
richtet, dass die Verlobten, bevor sie getraut wurden, eine Ab- 
gabe unter dem Namen „Freudengeld" (an den Abteirichter) zu 
entrichten hatten ®. 



1 Hachenberg S. 122; Westphal § 12 8. 38; Deutsche Encykl. unter Bede- 
mund; Runde § 544; Danz 544. Zur Erklärung des Wortes verweist Wächter 
(unter Reitschoss) auf das isländische Wort kona = uxor. Vgl. auch Grimm, 
W.-B. unter Kone und Kunne; Schmeller-Frommann Bd. 1 S. 1256—1258; 
Diefenbach unter Cunnus. — Mir ist aus Deutschland keine Urkunde bekannt, 
worin das Wort connagium oder cunnagium vorkommt. Ueber das „jus 
cunni^^, das zu Montauban bestanden haben soll, vgl. unten Kap. 60; über 
die italienische Heirathsabgabe ,,connagio^^ unten Kap. 24 S. 139. Vielleicht 
ist dies Wort durch volksetymologische Umdeutung aus connubium entstanden. 
Für die mehrfach (z. B. bei Westphal §§ 11—13, Kestner § 1, Nork S. 191, 
192 und Brinckmeier Bd. 1 S. 307) aufgestellte Behauptung, das Jus cunnagii 
sei gleichbedeutend mit dem Jus primae noctis und hätte bei den alten Deut- 
schen und andern nordischen Völkern geherrscht, fehlt jeder Beweis. 

2 Deutsche Encykl. unter Bedemund; Runde § 544; Danz § Ö44; Brinck- 
meier unter Frauengeld; v. Maurer Bd. 3 S. 168; Scherr 1865, S. 129 und 
1876, S. 237. 

* Keysler (§ 64, 8. 487) berichtet, er kenne eine Stadt im Eibkreise („in 
tractu Albino"), wo die verheiratheten Frauen jährlich zu Martini vor Sonnen- 
untergang vier und einen halben Pfennig an den Quästor zahlen müssten; 
diese Abgabe werde in den Registern Frauengeld genannt und vom Volk mit 
einem andern Namen bezeichnet; dasselbe Recht gelte in den Hamburgischen 
Vier Landen. Vgl. auch Potgiesser lib. 2 cap. 2 § 28, 8. 380, und Halthaus 
unter Frauengeld. 

♦ Nork S. 191, 192. 

^ Runde § 544; Danz § 544; v. Alvensleben zu Fellens S. 137; Qrlmm, 
W.-B. Bd. 4 S. 147. 

^ Dietmann S. 428, 429: „Diese Dorfschaften . . . haben einen sogenannten 



134 Kapitel 22. Heirathsabgaben in Deutschland. 

Gastschilling, im Eichsfeld ^. 

Hemblaken, Hembschilling, Hemdschilling oder 
Hemdlaken, in Niedersachsen, Braunschweig und Bremen^. 
Diese Abgabe hält man für gleichbedeutend mit Bedemund ^ Es 
wird berichtet, dass in gewissen Herrschaften Bremens jeder 
Neuvermählte eine Abgabe unter dem Namen „Hemdschilling^ 
zu entrichten hatte, die höchstens einen Imperial betragen durfte ^. 
Doch werden die Ausdrücke „Hemdlaken'^ und „Bedemund^ auch 
nebeneinander zur Bezeichnung verschiedener Abgaben erwähnt ^. 

Jungfernzins^ oder Jungfernpfennig^ Dass solche 
Ausdrücke für Heirathsabgaben in Urkunden vorkommen, ist 
zu bezweifeln; ähnliche Ausdrücke, nämlich „Jungfern-Zoll" und 
„Jungfer-Tribut", werden in ganz anderm Sinn gebraucht®. 

Eardiestelgeld^. Urkunden über eine solche Bezeichnung 
von Heirathsabgaben habe ich nicht gefunden. 

Elauenthaler, in Mecklenburg ^^, Keysler versichert , in 
Mecklenburg habe eine Heirathsabgabe im Betrag eines Thalers 
unter dem Namen „Klauenthaler" bestanden **. Ob die Nachricht 
der Wahrheit entspricht, kann unerörtert bleiben. Jedenfalls 
verfehlt ist die Vermuthung Keysler's, der Ausdruck sei dadurch 
zu erklären, dass die Jungfrau durch Zahlung des Thalers aus 
den Klauen ihres Herrn entrissen wurde *^. 

Abteirichter, welcher aber unterm Amte steht; ingleichen mUssen ein Paar 
Verlobte, ehe sie getraut werden, bei Rutsche-Recht, 6 gl. Freudengeld, und 
Wittwer oder Wittwen 12 gl. erlegen; wofern sie versäumen, solch Geld vor 
der Trauung su bezahlen, so rutschet oder rUcket es alle Stunden weiter 
fort, in einer Stunde noch einmal so viel.^^ 

* V. Maurer Bd. 3 8. 168. — Zur Erklärung des Ausdrucks kann es vielleicht 
dienen, dass zu Meissen im dreizehnten Jahrhundert die unfreien Bauern 
„Gasti^' genannt wurden; vgl. Grimm, W.-B. unter Gast. 

* Vgl. Deutsche Encykl. unter Bedemund; Runde § 544; Danz § 544; 
V. Alvensleben zu Fellens S. 137; v. Maurer Bd. 3 S. 168; Scherr 1865, 
S. 129 und 1876, S. 287. 

* Grimm, W.-B. unter Bettemund. 

^ Brinckmeier unter Hemdschilling, Bd. 1 S. 975. Wegen der Münze vgl. 
Brinckmeier unter Imperialis, Bd. 1 S. 1030. 

^ Brinckmeier unter Hemdlaken, Bd. 1 S. 976 (zwei Urkunden, nach Nolten). 
^ Scherr 1866, S. 129 und 1876, S. 237. ^ Kolb 1842, S. 497. 

8 Zedier Bd. 14 S. 1614, unter Jungfern-Zoll. 

9 Runde § 644; Danz § 544. 

*® Keysler § 64 S. 487 ; Deutsche Encykl. unter Bedemund und unter 
Bauermiethe ; Runde § 544 ; Danz § 544 ; Grimm, W.-B. Bd. 5 S. 1034. 

" Keysler § 64 S. 487. 

<^ Ebenso geschmacklos ist die bei DUmge (S. 27) citirte Meinung, dass der 
Ausdruck von ^glau^ herkomme und danach eine Steuer von schönen Mädchen 



Kapitel 22. Heirathsabgaben in Deutschland. 135 

Mannthaler^ Dies war, wie es scheint, nicht eine grund- 
herrliche, sondern eine landesherrliche Niederlassungsteuer, in 
einem Theil des Herzogthums Calenberg^. 

Marcheta^ oder Marchzins *. 

Maritagium^. 

Meidenrente*. 

Für die drei zirletzt genannten Ausdrücke sind meines Wis- 
sens keine Urkunden aus dem Gebiet des deutschen Reichs ent- 
deckt worden. 

Nagelgeld ^ In der Grafschaft Eavensberg bestand die 
Sitte, dass eine Leibeigene, welche den Hörigen eines fremden 
Herrn heirathete und durch Tausch unter dieselbe Herrschaft 
kam^, sich einen willigen Herrn machen musste, „das ist die Auf- 
fahrt oder Weinkauff und zugleich das Nagel-Geld entrichten" *. 



bedeute. Glaubhafter ist die eigene Yermuthung Dümge's, dass die Abgabe 
ursprünglich in einer Kuh bestanden habe, und die Benennung von den Klauen 
der Kuh entnommen sei. Dafür kann auf die Ausdrücke Klauenseuche, 
Klauensteuer, Klauenvieh, Klauenzehnte verwiesen werden. Vgl. Adelung 
und Grimm, W.-B. upter den bezeichneten Ausdrücken, auch Zedier unter 
Klauensteuer (Bd. 15 S. 866). — In der Geschichte des Kurfürsten Rudolph I. 
von der Pfalz (Schwiegersohns des Kaisers Adolph von Nassau) wird be- 
richtet, dass derselbe eine bis dahin unbekannte Yiehsteuer eingeführt habe, 
um die durch den Krieg gegen Kaiser Albrecht von Oesterreich verursachten 
Schulden zu decken, und dass man diese Abgabe ,,Klauensteuer^^ genannt 
habe. Parei lib. 4 cap. 2, S. 157; daraus: Dümge S. 27. 

1 Runde § 544; Danz § 544. 

2 Im Rationarium Praefecturae Coldingensis vom Jahr 1685 — 1686 sind, 
wie Pufendorf Bd- 2 obs. 166, S. 535, 536, berichtet, Einnahmen aus den 
„Mannthalern^^ unter den unbeständigen Hoheitsgefällen aufgeführt; die Amts- 
ordnung vom Jahr 1674 erwähnt „Mannthaler^^ unter den Hoheitsgefällen und 
Regalien; eine Verordnung vom 14. Jan. 1660 betrifft den „Huldigungs- sive 
Mannthaler^^ ; ein Schreiben vom 5. März 1634 giebt an, dass ,,von allen neu 
antretenden Amtsunterthanen ein Mannthaler zu Schutzgeld nebst dem Amts- 
Vogts-Gebühr alten Herkommens nach" erlegt werde. Pufendorf Bd. 3 obs. 
28, S. 105—107. 

3 Westphal § 12 S. 37 und § 13 S. 41; Deutsche Encykl. unter Bede- 
mund; Runde § 544; Danz § 544. 

, ^ Zöpfl Bd. 2 S. 168. 

^ Deutsche Encykl. unter Bedemund; Runde § 544; Danz § 544. 

6 Runde § 544; Danz § 544. 

^ Halthaus unter Nagel-Gelt; Grimm, R.-A. S. 884; Brinckmeier unter 
Nagelgelt; v. Maurer Bd. 3 S. 168; Scherr 1865, S. 129; Zöpfl Bd. 2 S. 168; 
Scherr 1876, S. 237. 

8 Vgl. darüber Kap. 12 S. 63. 

^ Potgiesser lib. 5 cap. 2 § 29, S. 861: „Persona commutata in praedium 



136 Kapitel 22. Heirathsabgaben in Deutschland. 

Reitschoss*. Diesen Ausdruck erklärt Wächter aus Reit 
oder Rad in der Bedeutung von Ehe und aus Schos, gleich 
Abgabe, ohne Urkunden über diese Heirathsabgabe anzuführen. 

„Schürzenzins" oder „Schürzenthaler** ^. Es wird er- 
zählt, der Abt des Klosters Limburg, bei Dürkheim in der Rhein- 
pfalz, habe von allen seinen Leibeigenen [bei deren Verheirathung] 
den Schürzenthaler erhoben^. 

„Sprunk-Daler*', im Amt Lüchow (Landdrostei Lüneburg, 
in Hannover). „Der Sprunk-Daler ist eine Abgabe der neuan- 
gehenden Eheleute im Amt Lüchow, welche sie des Morgens 
nach der Hochzeit dem Amtmann sowohl, als Pastoren ihres 
Ortes, und zwar einem Jeden einen Thaler geben.*' * Nach dieser 
Beschreibung war der Sprunkdaler eine Niederlassungsgebühr, 
die nicht bloss an die weltliche, sondern auch an die geistliche 
Behörde entrichtet wurde. Ohne Grund regt das Breraisch-Nieder- 
sächsische Wörterbuch die Frage an, ob diese Abgabe wohl noch 
ein Ueberbleibsel der „Abkaufung des juris primae noctis sei**. 
Diese Frage beruht auf der irrigen Voraussetzung, dass andere 
Heirathsabgaben aus Abkauf des jus primae noctis herrührten. 

Stechgroschen ^. üeber eine Heirathsabgabe dieses Na- 
mens ist mir keine Urkunde bekannt. 

„Upspringel-Geld" in Dannenberg, im hannoverschen 
Wendland. „Üpspringel-Geld wird in Dannenberg dem Gerichts- 
schulten von einer jeden Heirath entrichtet; es beträgt 8 Schill." ^ 
Die Frage des Bremisch-Niederdeutschen Wörterbuchs, ob darin 
„ein Ueberbleibsel der Abkaufung des juris primae noctis" zu 
finden sei, ist zu verneinen. 

Vogthemd'. Dieser Ausdruck soll dieselbe Bedeutung 



deducenda persolvit domino laudemium, dictum der Weinkauff, et praeterea 
repraesentat das Nagel-Geld.^^ 

* Wächter unter Reitschoss; G. Hoffmann lib. 1 cap. 7, S. 78—84; Gru- 
pen § 10; v. Alvensleben zu Fellens S. 137; Runde § 544; Danz § 544; 
Brinckmeier unter Reitschoss. 

* Halthaus unter £^chürtzenzins ; Reynitzsch S. 276; Dümge S. 28; Kolb 
1842, S. 497; Grimm, R.-A. S. 384; v. Maurer Bd. 3 S. 168; Scherr 1865, 
S. 129 und 1876, S. 237. 

8 Kolb 1842, S. 498. 

* Brem. N. W. Bd. 4 S. 975. 

s Halthaus unter Stechgroschen; Reynitzsch S. 27p, 276; Dümge S. 28; 
Kolb 1842, S. 497; v. Maurer Bd. 3 S. 168; Scherr 1866, S. 129 und 1876, 
S. 237. 

6 Brem. N. W. Bd. 4 S. 975. 

' Brinckmeier unter Vogthemd; Scherr 1865, S. 129 und 1876, S. 237. 



Kapitel 23. Helrathsabgaben in Oesterreich-Ungarn. 137 

haben wie Bedemund ^. Doch sind mir keine Urkunden darüber 
zu Gesicht gekommen. 

E. Helrathsabgaben in Oesterreich-Üngarn. 

Kapitel 33. Es kann angenommen werden, dass an man- 
chen Orten im Gebiet des heutigen Kaiserreichs Oesterreich und 
Königreichs Ungarn während des Mittelalters bei Heirathen , we- 
nigstens unter Ungenossen, soweit darüber nicht Verbrüderungs- 
verträge bestanden 2, Abgaben an Grundherren entrichtet wur- 
den. Der Herzog Ottokar von Steyermark erklärte in einer 
Stiftungsurkunde (zu Gunsten einer Abtei) vom Jahr 1191, dass 
Heirathen zwischen Hörigen seiner eigenen Herrschaft und sol- 
chen der Abtei frei (ohne Abgabe) geschlossen werden könnten, 
und dass die Kinder aus diesen Ehen getheilt werden sollten; 
dass dagegen bei Heirath eines Hörigen der Abteikirche mit 
einer Frau aus einem andern fremden Gebiet eine Heirathsteuer 
von sechzig Pfennigen an den Vertreter der Abtei zu zahlen 
sei^. Das Gericht des Patriarchen von Aquileja entschied durch 
Urtheil vom Jahr 1276, dass an den Orten von Priaul, wo 
das „copulaticum" bestehe, für jede Feuerstelle ein Scheffel 
Getreide „pro copulatico" zu liefern sei*. Danz berichtet: 
„In Ungarn kommen die Brautleute am Hochzeitstage in den 
Schlosshof, wo sie einen Tanz aufführen und dem Leibherrn 
eine Henne überreichen." ^ Diese und ähnliche Nachrichten 
geben keinen Grund zu der Vermuthung, dass die Helraths- 
abgaben durch Loskauf eines unmoralischen Rechts entstanden 
seien. 



* Grimm, W.-B. unter Bettemund. 
» Vgl. darüber Kap. 12 S. 62. 

' Urk. V. 1191, bei Potgiesser S. 365: „Si fllius ecclesiae ex aliena familia 
uxorem duxerit, cum Advocato 60 deuariis compouat: Abbatissa vero ius 
Ecclesiae exquirat: Si autem de familia Styrensi matrimonium contraxerit, 
nullam vlm utrobique patiantur, sed filii et uobis et ecclesiae aeque divi- 
dantur". . . . 

* Urk. V. 1276, bei Pertile Bd. 3 S. 154 Note 30: . . . „in villis, in quibus 
copulaticum persolvitur, quilibet massarius (d. 1. Hausbesitzer) r«8idens cum 
foco super aliquo manso , unum modium scilicet 3 staria annonae dare pro 
copulatico debet. Et qilotquot massarii fuerint super uno manso cum focis, 
tenentur pro unaquaque domo unum modium annonae persolvere. Et licet 
massarius habens unum focum decem mansos aut plus aut minus coleret, 
nisi tantum unum modium persolvere teneatur/' 

^ Danz Bd. 6 § 544, S. 46, 47. 



138 Kapitel 24. Heirathsabgaben in Italien. 

F. Heirathsabgaben in Italien« 

Kapitel 24. An vielen Orten Italiens bestanden Heiraths- 
abgaben *. Papst Gregor I. (der Grosse) erfuhr, dass die Hörigen 
der Kirche in Sicilien übermässige Heirathsteuern entrichteten, und 
verfügte zur Abstellung dieses Missbrauchs, dass jene Abgaben 
höchstens einen Schilling (für Wohlhabende) betragen dürften ^. In 
einem Prozess der Gemeinde Romagnano gegen den Grafen von 
Romagnano vom Jahr 1445 wurde festgestellt, dass der Graf be- 
rechtigt sei, von den Töchtern seiner Hörigen, wenn dieselben 
ausserhalb seiner Herrschaft heiratheten, als Abzugsteuer unter dem 
Namen „jus foeminarum^ zehn Tarenos zu erheben. Dies Recht 
galt noch im neunzehnten Jahrhundert ^ Aus diesen und ähn- 
lichen Nachrichten kann ein Grund für die Meinung, dass hier 
und da eine „Abgabe für Abkaufung des jus primae noctis*' noch 
bestehen könne*, nicht entnommen werdend 

Allerdings findet sich in einem Werk von Hieronymo Mutio 
aus dem Jahr 1553 folgende Stelle: „Ich will nicht unterlassen, 
von einem andern Gegenstand zu sprechen, den ich nicht ohne 
Jammer erwähnen kann; nach Erinnerung unserer Vorfahren 



» Pertile Bd. 3 § 89. 

2 S. Gregor, lib. 1 epist. 42, Gregorius Petro Subdiacono Siciliae: . . . „Per- 
venit etiam ad nos, quod de nuptiia rusticorum immoderata commoda percl- 
piantur: de quibus praecipimus , ut omne commodum nuptiarum unius solid! 
summam nullatenus excedat. Si qui sunt pauperes, etiam minus dare debent. 
Si qui autem divites, praefati solidi summam nullatenus transgrediantur : 
quod nuptlale commodum nullatenus volumus in nostram rationem redigi, 
sed ad utilitatem conductorum proficere.*^ Daraus: Pertile Bd. 3 § 88 S. 33; 
Laboulaye S. 334. 

» Urk. V. 1445, bei Winspeare Bd. 1 S. 130 Note 126 (aus fol. 314 vol. 2 
der Prozessakten): „Habet dictus comes jus faeminarum, quae maritantur 
extra terram, a quibus recipit pro exitura tarenos decem." — Keine Hei- 
rathsabgabe, sondern eine Jahresabgabe, war das ^diritto della connatica^ 
des Grundherrn der Gemeinde Torepaduli in Otranto; derselbe hatte nämlich 
von jedem verheiratheten Hörigen, solange beide Eheleute in seinem Gebiet 
lebten, jährlich vier Carlini, von dem Wittwer jährlich zwei Carlini, von 
der Wittwe für deren minderjährigen Sohn jährlich zwei Carlini und von 
dem grossjährigen Sohn (bis zu dessen Yerheirathung) ebenfalls jährlich zwei 
Carlini zu fordern; dies Recht wurde, wie Winspeare (Bd. 1 S. 131 Note 126) 
berichtet, im Jahr 1750 notariell anerkannt. 

* Pertile Bd. 3 S. 58. 

^ Herr Hofrath Dr. Ficker in Innsbruck hat mtr im Novbr. 1876 mit- 
getheilt: „Ich habe in den letzten Jahren eine Menge italienischer Archive 
nach rechtsgeschichtlich interessanten Urkunden durchforscht, insbesondere 
auch auf Eherecht und verwandte Dinge geachtet, auch vieles Interessante 
gefunden, aber keine Spur vom jus primae noctis.^^ 



Kapitel 25. Ileirathsabgaben in Spanien. 139 

nämlich und unserer Väter bestand in Piemont und auf den Ge- 
birgsübergängen der Apenninen und französischen Alpen der 
Brauch, dass die neuvermählten Frauen die erste Nacht mit dem 
Herrn der Ortschaft schliefen. Und diese Sache ist so wahr, 
dass noch in irgend einem dieser Orte ordentliche Auflagen be- 
zahlt werden, wodurch die Leute sich gegenüber ihren Herren 
von solcher unzüchtigen Unterwürfigkeit befreiten; diese Ab- 
gaben tragen heute den Namen Connagio.^^ Aus dieser Stelle 
geht hervor, dass bereits Hieronymo Mutio eine Sage erwähnt, 
welche den Ursprung einer mit dem Namen „Connagio** bezeich- 
neten Abgabe auf jenes vielberufene Recht zurückführte. Es 
würde jedoch unzulässig sein, daraus zu folgern, dass jener Sage 
eine geschichtliche Wahrheit zu Grunde liege. Die Nachricht ist 
erklärlich, da schön geraume Zeit vor der Abhandlung des Hie- 
ronymo Mutio die Geschichte des Hector Boethius erschienen 
und weit verbreitet war, worin eine in Schottland hergebrachte 
Heirathsabgabe in ähnlicher Weise erklärt wurde. Ein Bericht 
des Camillus Borrellus über das „jus Cunnagii^ beruht lediglich 
auf der erwähnten Stelle des H. Mutio *. Spätere Schriftsteller 
haben dieselbe Nachricht weiter verbreitete 

0. Heirathsabgaben in Spanien. 

Kapitel 25. In Spanien mögen Heirathsabgaben wie ander- 
wärts bestanden haben. Es wird berichtet, eine Abgabe, die 
an den Schutzherrn für Ertheilung der Heirathserlaubniss ent- 
richtet werden musste, habe den Namen „derecho de osas*' oder 
„dar calzas" geführt, und sei auf den Cortes von Segovia (1256) 



^ H. Mutio fol. 61: . . . „^on voglio lasciare di dire una altra cosa, la 
quäle senza rammario non poaso rammemorare ; che alla memoria de gli^ avoli 
nostri & de' nostri padri nel Piemonti & tra i gioghi del Apennino & dell' 
Alpi di Francia si usava, che le nuove spose si giacevano la prima notte col 
Signore del paese. Et ä queata cosa tanto vera, che anchora in alcuno di 
que' luoghi si pagano delle gravazze ordinarie, per le quali da' loro Signori 
si liberarono da cosi dishonesta soggettione: & servano hoggi 11 nome del 
Connagio.^ — Ueber die Etymologie des Wortes connagio vgl. Kap. 22 S. 183 
und Kap. 58. 

* Borrellus fol. 6 v., cons. 1 num. 150: „Hieronymus Mntius Justinopolitanus 
in tract. 2 de Matrimonio ad Fabritium Columnam ei Hippolytam Gonzagam, 
idiomate Italico retulit, circa juga Alpium Galliae et Montes Allobrogos fuisse 
in pecuniarium onus redactum jus quorundam Dominorum, qui prima nuptia- 
rum nocte novas nuptas eorum amplexibus accipere soliti fuerunt, et hodie 
apud illos obscaeno vocabulo Cunnagti jus appellari.^ 

s Hildebrand S. 189. 



140 Kapitel 26. Heirathsabgaben an Janggesellen. 

durch König Alphons X. von Castilien und auf den Cortes von 
Yalladolid (1258) abgeschafft worden *. Ob diese Angabe richtig 
ist, kann dahingestellt bleiben ; in der Rechtsgeschichte von Mari- 
chalar und Manrique finde ich nur die Nachricht, dass in den 
erwähnten Cortes die Fähigkeit zu Heirathen geordnet, und die 
Steuer für üochzeitsaufwand neu bestimmt worden sei^. 

H. Heirathsabgaben an Kameraden des Bräntigams: 

coillage, couillaye, coidlage, culaige, cullage; cochety coquet; droit du han; 

8chotelen-spj/se ; soulle; vin de mariage, 

Kapitel 26. Seit dem Mittelalter bestehen an vielen Orten 
Hochzeitsgebräuche, wonach der Bräutigam sich das Recht der 
ersten Nacht von seinen Kameraden gewissermassen erkaufen muss ^ ; 
bei Nichtbezahlung der hergebrachten Abgabe wird die Ruhe der 
Hochzeitsnacht durch Lärmen (Charivari, Katzenmusik) gestört^. 
Gerard van Loon bezeugt, in den Niederlanden finde sich das 
Herkommen, dass die Braut durch ihre Spielgenossen für eine 
Mahlzeit von Fischen oder etwas Anderm an den Bräutigam ver- 
kauft und abgeliefert werde ^ ; und Raepsaet meldet von den Braut- 
führern der Provinz Seeland: „Am Abend giebt es zarte Kämpfe 
zwischen ihnen und dem jungen Gatten, der sich anstrengt, seine 
Schöne aus ihren Händen zu ziehen, um sie zum Ehebett zu 
führen, und er erreicht den Zweck, sie sich abtreten zu lassen, 
nur durch eine Abfindung." ® Aus der oberen Pfalz wird berichtet, 



* Wolf S. 70, 71 aus D. Tomas Munoz y Romero, Coleccion de fueros 
municipales y cartas pueblas, Madrid 1847, tomo I p. 223. 

' Marichalar Bd. 3 S. 82: ... „se reglamenta la facultad de cazar" . . . 
S. 83: . . . „y encarga nuevamente las disposiciones sobre gastos de bodas.^' 
Vgl. auch S. 82: ... „Se mandaba qua nadie por casamiento de parienta 
tomase ni diese calzas". ... 

' Ducange unter Baiinum. Grimm, R-A. S. 167, 168. Schmeller-From- 
mann unter dem Wort „Hocbzeitspftsse'^ S. 1045. v. Dttringsfeld S. 50, 51, 
126, 159, 166, 183. — Dies könnte man jus primae noctis nennen; doch 
kommt der Ausdruck in diesem Sinn meines Wissens in keiner Urkunde 
oder Erzählung vor. 

* Barth^lemy S. 119. In der Monographie über Charivari von O. Phillips 
(1849) ist von der Hochzeitsnacht nicht speziell die Rede. 

* Loon S. 168. — Vgl. v. DUringsfeld S. 234. 

^ Raepsaet 8. Aufl. 8. 51, 52. Möglicherweise ist jedoch diese Stelle und 
auch der Bericht van Loon's nicht von Junggesellen, sondern von weiblichen 
Spielgenossen (Brautführerinnen) zu verstehen. — Vgl. auch v. DUringsfeld 
S. 233 über Texel: „Einige Burschen fragten beim Heraustreten aus der 
Kirche den Bräutigam: Die Braut oder ein Fässchen? Da er selbstverständlich 



Kapitel 26. Heirathsabgaben an Junggesellen. 141 

dass dort die jungen Leute eines Dorfes an den Hochzeiten durch 
^Fänge und Eaupereyen^ theilnehmen, indem sie in den Häusern 
die Thüren ausheben, die Kamine verstopfen, ja ganze Wagen 
auf die Firsten der Häuser bringen (und dergleichen mehr); auf 
dem Weg zur Kirche, wo die Verbindung vor sich gehen soll, 
sucht man die Braut wegzuhaschen , wo sie dann der Bräutigam 
durch ein Lösegeld wieder befreien muss *. In Tyrol und im 
bayerischen Oberland wird bei Hochzeiten ein sogenannter Braut- 
führer aufgestellt, der die Braut den ganzen Tag zu bewachen 
hat; wird sie ihm doch entführt, so muss der Bräutigam sie 
von dem Entführer loskaufen. Von Nordamerika, namentlich 
aus dem Staat Pennsylvanien, beispielsweise von dem Ort Clear- 
field am Susquehana, ist mir erzählt worden, dass dort in der 
Hochzeitsnacht auf der Strasse vor der Wohnung der Neuver- 
mählten entsetzlicher Lärm gemacht wird, wenn der Bräutigam 
unterlassen hat, seine Frau loszukaufen. 

Hierdurch erklären sich die nachbezeichneten scherzhaften Ab- 
gaben, die im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert in Frank- 
reich erhoben wurden ^. Eine Urkunde vom Jahr 1357 spricht von 
einem Herkommen , wonach an einem Ort des Bisthums Carnot 
die Neuvermählten des Abends nach der Hochzeit (an die jungen 
Leute des Dorfes) eine Kerze zu geben hatten ^. Ausweislich einer 
Urkunde vom Jahr 1373 begehrten die Junggesellen des Orts 
nach Beendigung einer Hochzeit zu Lisinos (Isle de France) im 
Hochzeitshaus die hergebrachte Art von Pasteten*. Eine Ur- 
kunde vom Jahr 1375 sagt, in Jallon sur Marne und in der 
Umgegend davon bestehe seit langer Zeit die Sitte, dass jeder 
Bursch („Knappe"), mit Ausnahme der Gelehrten und Adeligen, 
bei der Heirath seinen heirathsfähigen Kameraden ihren Will- 



da8 Fässchen gab , wurde bestimmt , in welcher Herberge es getrunken wer- 
den sollte, und die Burschen holten sich ihre Mädchen zur Hülfe herbei; 
allein konnten sie doch mit dem Fässchen nicht fertig werden/' 

* Schmeller-Frommann S. 1045. 

* Carpentier und Ducange unter Culagium. 

' Urk. V. 1357, bei Carpentier unter Nuptiaticum: „In villa de Uno- 
pano (dioec. Carnot) nuptiae factae fuerant. . . . Ad domum sponsae in sero 
diei iverunt et petierunt candelam per sponsum et sponsam praedictos, prout 
actenus extitit et est in dicta villa in similibus fieri consuetum sibi dar!/' 

* Urk. V. 1373, bei Carpentier unter Nuptiaticum: „Comme icelui Jehan, 
par maniere d'esbatement, feust alö aveo pluseura jeunes gens de la ville de 
Lisines en un certain hostel, ouquel il avait noces celle journ^e, pour deman- 
der et avoir les pastez, comme Ten a coustume k faire en ladite ville en 
tel cas.^' 



142 Kapitel 26. Heirathsabgaben an Junggesellen. 

komm bezahlen müsse, was man dort ^cullage^ oder ^coullage^ 
nenne ^. In ähnlichem Zusammenhang finden sich die Ausdrücke 
„Tin du couillage^ und „droit de coillage*' in Urkunden von 1385 
und 1391 •. Eine Urkunde vom Jahr 1390 beschreibt, wie nach 
der Hochzeit eines Webers in Dreux (in Orleanais) mehrere 
Weber desselben Ortes ihr ,, droit du ban" verlangten, nämlich 
ein oder zwei Quart Wein oder deren Werth in Geld, wofür 
sie dem Herkommen nach ein Lied zu singen hatten^. In einer 
Urkunde vom Jahr 1396 findet sich folgender Bericht: „Diese 
Leute begaben sich alle zusammen nach der Feierabendstunde 
von La Greve nach Moustier, um von dem Winzer Johann 
Thibaut seinen „coillage^ zu verlangen, weil derselbe an diesem 
Tag ein Mädchen aus La Greve geheirathet hatte . . . Johann 
Thibaut wollte ihnen Nichts geben als Brot und Wein ...*'* 
Eine Urkunde vom Jahr 1382 berichtet, dass zu Azy an der 
Marne, im Amt Vitry, eine Hochzeit stattfand, und dass bei An- 
bruch der Nacht die Kameraden sich gemeinschaftlich aufmachten, 
um von der jungen Frau den „cochet** zu begehren, so wie 



* Urk. V. 1375, bei Carpentier und bei Ducange unter Gulagium: „Comme 
en la ville de Jallon sur Marne et ou pais d'environ, il seit aecoustum^ et 
de long temps, que un chascun varlet, mais qu'il ne soit clerc ou noble, 
quant il se marie, soit tenuz de paier aus autres compaignons et varlez 
k marier son becjaune, appell^ oudit pais Cullage^^ (bei Ducange: „Cotillage^). 
Ueber den Ausdruck Gullage vgl. oben Kap. 18 S. 95, 96. 

' Urk. V. 1385, bei Carpentier u. Ducange unter Gulagium: „Le vin du 
couillage du fils Petitpas , qui fu de nouvel mariez.'^ Urk. v. 1391 , ebenda- 
selbst: „Auxquelles noces certain grant debat fu meu entreulx pour savoir ä 
qui appartenait le droit de coillage, deu par ledit espous^." 

' Urk. V. 1390 , bei Garpentier unter Bannum : „Quant Tespous^e se 
deust coucher, vinrent pluseurs tisserans d'icelle ville de Dreux, lesquelz 
demanderent k l'exposant, comme administrateur du vin, leur droit du han, 
qu'ils disoient k eulx appartenir; c'est assavoir qu'ilz dient avoir de cou- 
stume ou Heu et ou pays d'environ, que, quant aucun se marie, ils doivent 
avoir de l'espous^e, ou de ses commis, une carte ou deux de vin, pour leur 
ban, ou argent pour la valeur, et par especial ceulx qui sont de meme 
mestier ou ofßce de l'espous^: et pour ce aussi qu'il est aocoustum^ de 
chanter par esbatement une chan^on par ceulx qui fönt laditte demande, 
ledit exposant respondi amiablement qu'ilz n'en auroient point, se ilz ne 
chantoient la chan^on accoustumöe.^ 

^ Urk. V. 1396, bei Carpentier und Ducange unter Gulagium: „Lesquelz 
86 partirent touz ensemble du Heu de la Gröve aprto henre de cuevrefeu, 
pour venir au Heu de Moustier, en esp^rance de aler demander k Jehan 
Thibaut vigneron son coillage, pour ce que ce jour il avait espousö une 
ftlle dudit Heu de la GrÄve. . . . Lequel Jehan Thibaut ne leur voult donner 
aucune chose, fors . . . que son pain et son vin, et des biens de son hostel.^^ 



Kapitel 26. Helrathsabgaben an Junggesellen. 143 

herkömmlich an mehreren Orten geschah ^. Einen ähnlichen 
Inhalt haben Urkunden von den Jahren 1397, 1409 und 1471, 
die ebenfalls den Ausdruck „cochet*' enthaltend Nach einer 
Urkunde vom Jahr 1404 hatte ein Gerbermeister an die Gerber 
des Orts für Hochzeitswein („vin de mariage") zwanzig Sous zu 
zahlen^. In einer Urkunde aus der Picardie vom Jahr 1413 
wird eine Landessitte erwähnt, wonach bei Hochzeiten unter 
dem Namen „coquet^ an die heirathsfähigen Junggesellen des 
Orts Wein und Fleisch geliefert wurde*. Eine Urkunde vom 
Jahr 1428 erzählt: „Die Gefährten beschlossen, in das Zimmer 



^ Urk. V. 1382, bei Garpentier , unter Cochetus: „Jehan Grigois estant en 
la ville de Azy sur Marne ou baillage de Yitry . . . en laquelle avait unes 
nocea ; et quant vint vers la nuit, ycellui exposant et lesdiz compaignona d'un 
accort se mirent ensemble pour aller querir le Cochet de l'espous^e, si comme 
il est accoustumö k faire en plusieurs lieux ou pals/' Der Name dieser Ab- 
gabe lässt sich durch die Vermuthung erklären, dass ursprünglich ein junger 
Hahn gegeben wurde, zumal da eine Urkunde v. 1350 (bei Carpentier unter 
Cochetus) die Ausdrücke gallus und cochetus als gleichbedeutend gebraucht: 
„Die nuptiarum dicti matrimonii de sero accesserunt ad domum dicti defuncti 
tunc sponsi parentes et amici, qui ad nuptias ipsas ratione amicitiae convene- 
rant . . . causa solatii et quaerendi gallum aeu cochetum, ut in partibus illis 
est moris.^^ Zwar könnte das Wort auch von dem lateinischen cocetum 
(griech. %'jxsdiv) hergeleitet werden, womit ein durch Mischung mit Honig 
und Pfeffer bereitetes Getränk bezeichnet wurde. V^. Carpentier 1. c. und 
Forcellini (Corradini) unter Cocetüm. Allein die erstgenannte Etymologie ver- 
dient den Vorzug, da auch in Deutschland ein Brauthahn oder Brauthuhn nicht 
selten untep den Hochzeitsgeschenken erwähnt wird. Grimm, R.-A. S. 441 
(„briutelhuon , minnehuon^); Simrock S. 596. Vgl. auch die folgenden An- 
merkungen, 2 und 4, dieser Seite. 

' Carpentier unter Cochetus, Urk. v. 1397: „Lesdessuz nommez alerent 
querir et demander le Cochet de l'espous^e, si comme accoustum^ est, lequel 
cochet leur fut ordenö par ycelle espousee, et aprös ce qu'ils orent receu 
ledit Cochet s'en alerent boire en la aale." Urk. v. 1409: „Icelui Oudin 
demandait un Cochet, qui par la coustume du Heu est deu en tel cas (de 
noces) aux compaignons de la ville, qui sont k marier.^ Urk. v. 1471: „Le 
Cochet, qui est le droit que les espousez au pala ont accouatumö de ddnner 
le soir de leurs nopces aux compaignons du lieu et paroisse, ou se fönt 
leadites nopces.^' Auch in diesen Stellen kann „le cochet de Tespousöe^ mit 
„Brauthahn ^^ übersetzt werden. 

* Urk. V. 1404, bei Carpentier unter Yinum maritagii: „Chacun maistre 
dudit mestier (de tanneur) sera tenu payer pour vin du mariaige vingt aolz 
tournois." 

* Urk. V. 1413, bei Carpentier unter Cochetus: „Le Coqutt, qui est une 
ehose accouatumöe au pala de donner (aux jeunea compaignons) k marier, du 
vin et viande pour aler boire et eabatre enaemble; lequel Coquet euat 6t^ 
bailliö" etc. Hier ist das Wort „coquet*' im selben Sinn wie cochet ge- 
braucht; ea kann von coq (Hahn) abgeleitet werden. 



144 Kapitel 26. Heirathsabgaben an Janggesellen. 

der jungen Frau zu gehen, um zwei Kannen Wein für den 
Schlaftrunk zu begehren, wie bei solchen Hochzeiten in diesem 
Land (Rheims) üblich ist, mit der Erklärung, dass die Frau nicht 
zu Bett gehen werde, boYor sie ihnen den Wein gegeben habe.^ ^ 
In einer Urkunde Yom Jahr 1454 wird über S. Leu in Rethelois 
geschrieben: „Die Qefahrten schickten zu dem Haus, wo die 
Hochzeit stattfand, um nach dem Herkommen dieses Orts vom 
Bräutigam sein culaige zu verlangen.^ ^ In einer Urkunde vom 
Jahr 1458 heisst es: „Die Burschen der Stadt S. Just verlangten 
den Wein oder den couillage (couillaige) nach dem Herkommen 
des Landes.* ^ In einer Urkunde vom Jahr 1479 wird erwähnt, 
dass in Semur die heirathsfähigen Junggesellen sich versammelten, 
um die herkömmlichen Pasteten von gewissen Hochzeiten zu be- 
gehren *. 

Eine niederländische Verordnung des Königs Philipp II. vom 
22. Juni 1589 richtete sich in Art. 7 gegen die Unordnungen, 
welche an vielen Orten bei Hochzeiten dadurch veranlasst wur- 
den, dass die Junggesellen die „Schotelen-Spyse** vom Bräutigam 
verlangten^. Diese Bestimmung wurde in folgendem Prozess er- 



1 Urk. V. 1428, bei Carpentier unter Nuptiaticum: „Lesquelz compaignons 
conclurent entre eulx que il convenoit aler en la chambre de Tespous^e de- 
mander deux pots de vin pour le vin de couchier, comme l'en seult faire 
en teles nopces oudit pais (de Reims) disans s'ils ne les avoient, Tespous^e 
ne s'en iroit pas couchier.^' 

- * Urk. V. 14Ö4, bei Carpentier und Ducange unter Culagium und bei 
L. Favre zu La Curne de Saintc-Palaye unter Culaige, Bd. 4 v. 1877 S. 434 : 
^^Leaquelz compaignons envoyerent . . . oudit hostel oü se faisaient les nopces, 
pour demander k l'^pous^ son culaige, ainsi qu'ils ont accoustum^ de faire 
oudit lieu." 

' Urk. V. 1458, bei Carpentier und Ducange unter Culagium: „Fut par 
les varl^s de la ville de S. Just demand^ le vin ou le couillage, qui est une 
choae accoustum^ au pays"; bei L. Favre zu La Curne de Sainte-Palaye 
unter Culaige, Bd. 4 v. 1877 S. 434, in folgender Lesart: „Fu par les varlös 
de la ville de S. Just demandö le vin ou couillaige, qui est une chose accous- 
tum4e ou pays''. 

* Urk. V. 1479, bei Carpentier unter Nuptiaticum: „Une mesl^e de gens, 
qui estoient assemblez au lieu de Semur pour cuider avoir les past^s de cer- 
taines noces; lesquelz on a accoustumö de bailler aux varlets k marier.^ 

* Verordnung des Königs Philipp IL v. 22. Juni 1589, im Tweeden Placaet- 
Bouck, I. Bouck , Rubr. 4 (S. 169 — 180) Art. 7: „Daer-enbouen willen wy, 
dat inde Bruyloften die ten platten Lande ghehouden sullen worden, mit 
vergaderynghe van volcke, de Officieren senden eenighen Sergeant oft anderen 
persoon wel ghequaliflceert wesende, om aldaer te slisten ende neder te leg- 
ghen alle twisten ende gheschillen, die aldaer zouden moghen vallen, den 
welcken te vreden sal moeten wesen, met zes stuyvers s' daechs bouen zijnen 



Kapitel 26. Heirathsabgaben an Junggesellen. 145 

wähnt. Im Dorf Hargnies, in der Prevote von Agimont, hei- 
rathete am 13. October 1696 Johann Ferdinand Arnout aus Har- 
gnies ein Mädchen aus demselben Dorf. Am Tag nach der 
Hochzeit sammelten sich die Junggesellen des Orts, acht oder 
zehn an der Zahl, unter Anführung von Pierre Liegeois, „Capi- 
taine de la Jeunesse" des Orts, auf der Strasse, die der Neu- 
vermählte mit seiner Frau auf dem Heimweg passiren musste; 
sie trafen ihn um zehn Uhr Nachts, hielten ihn fest und* ver- 
langten von ihm eine „soulle" (d. h. Geld, um sich zu be- 
trinken) ; da er nur zwei Thaler bei sich hatte , pfändeten sie 
seine Jacke, die sie mit sich zum Wirthshaus nahmen. Arnout 
stellte den Antrag auf Strafverfolgung gegen die jungen Leute 
Henry Brichet und Genossen, worauf die Sache vom General- 
procurator betrieben wurde. Der Prevot von Agimont verurtheilte 
am 8. November 1698 die Beklagten, die Jacke herauszugeben 
und sechs Franken Schadensersatz an den Kläger Arnout zu 
zahlen, ausserdem einen jeden Beklagten zu einer Geldstrafe von 
sechs Franken und zu den Kosten. Gegen dies Urtheil legten 
Brichet und Genossen Berufung ein, worüber das Parlament von 
Tournay zu entscheiden hatte. Sie machten geltend, es liege 
kein Grund zu einem Strafverfahren vor, und sie hätten auf das 
droit de soulle einen wohlbegründeten Anspruch, weil sie dafür 
an die Gemeinde jährlich zwei Franken zahlten. Von der an- 
dern Seite wurde entgegnet, es sei eine Gewaltthätigkeit verübt 
worden, und das sogenannte droit de soulle sei ein Missbrauch, 
der weder durch Verjährung noch durch einen entgeltlichen Titel 
gerechtfertigt werden könne; auch seien ähnliche Missbräuche 
bereits durch das Piacard Philipp's II. vom 22. Juni 1589 ver- 
boten worden. Nach Anhörung des Generalprocurators , verwarf 
das Parlament die Berufung durch Urtheil vom 7. Juli 1699, mit 
dem gleichzeitigen Verbot für alle jungen Leute der Pr6v6t6 von 
Agimont, unter dem Namen von Soulle oder unter einem andern 
Vorwand irgend Etwas von Neuvermählten einzuziehen, bei Ver- 
meidung exemplarischer Bestrafung*. 

Ist bei allen solchen scherzhaften Abgaben die Möglichkeit 



cost: ende zullen de voornomde Officieren ook zien te beletten de onghere- 
geltheden, die in vele plaetsen gheschieden, om de Schotelenspyae , die de 
Jonghesellen ghewoonlick syn vande Bruydegoms te heysschen, iae mits 
stellende zekere boeten ende peinen teghens de ghene dl voortaen om sulcke 
zaecke hen vergaderen sullen.^ 

1 Pinault de Jaunaux, tome 2, arrdt 265, S. 359—362. BriUon Bd. 2 S. 899. 
Baepsaet 3. Aufl. S. 52, 53. 

Schmidt, Jus primae noctis. 10 



146 Kapitel 27. Religiöse Vorschriften über die Hochzeitsnacht. 

ausgeschlossen, ihre Entstehung auf das jus primae noctis zu- 
rückzuführen, so dient dies zur Bestätigung der Annahme, dass 
ebensowenig bezüglich der grundherrlichen Heirathsabgaben , die 
durch Inhalt und Namen ^ mit jenen Abgaben übereinstimmen, 
an das vielberufene Recht zu denken ist. 

V. Vorsohriften über die Hoohzeitsnaoht. 

A. 'Religiöse Vorschriften, 

Kapitel 27. Aus der Natur der Sache erklärt es sich, dass 
die Vollziehung der christlichen Ehe^ einen Gegenstand kirch- 
licher Fürsorge nach verschiedenen Richtungen gebildet hat. 

Es wurde die fromme Sitte eingeführt, das Schlafgemacli 
und das Bett der Neuvermählten kirchlich einsegnen zu lassen ^. 
Alte Rituale von Salisbury und York schrieben vor, dass dazu 
Weihrauch und Weihwasser verwendet werden solle*. Ein Pa- 
riser Missale aus dem fünfzehnten Jahrhundert enthält genaue Vor- 
schriften über die Einsegnung des Ehebetts und der Ehegatten, 
im Anschluss an andere religiöse Vorschriften, die bei Einführung 
der Ehegatten in ihr Wohnhaus beobachtet wurden ^ Auch wird 



' Vgl. Kap. 3 S. 13, 15 und Kap. 18 S. 94-97. 

* Die katholische Kirche lehrt die Unauflöslichkeit einer unter Christen 
gültig geschlossenen Ehe mit der Massgabe, dass diese Unauflöslichkeit aus- 
nahmslos nur fttr das matrimonium ratum atque consummatum gilt, während 
das Band eines matrimonium ratum, nondum consummatum durch das Ordens* 
gelttbde eines Ehegatten und aus wichtigen Gründen durch päpstliche Dispen- 
sation gelöst werden kann. Vgl. Cap. 2, 7 und 14 X. de conversione con- 
jugatorum; die Entscheidungen der Congregatio Concilii bei Richter, Conc. 
Trid., sess. 24 num. 139—150. 

3 Vgl. Aeneas Silvius S. 85; Chardon Bd. 6, cap. 2 S. 162, 163; Dulaure, 
Paris Bd. 2 S. 495, Bd. 3 S. 249; Voltaire, Dict. phil. unter Taxe; Drake 
S. 110; Gubernatis, Thiere S. 200; Sohm S. 155; A. Schulz Bd. 1 S. 494. 

* Chardon Bd. 6, cap. 2 S. 162 , 163 (aus Franc. Alvarez lib. 2 cap. 10) : 
„Secundum morem antiquum thurificantur thorus et thalamus.^^ 

* Miösale von Paris aus dem 15. Jahrb., bei Fr. X. Schmid Bd. 3 S. 376, 377 : 
. . . Quo facto introducit eos sacerdos per manum in domum dicens: „In no- 
mine Patris et Filii et Spiritus sancti, amen.^^ Item in sero benedictio tha- 
lami: „Benedic, Domine, thalamum hunc, et omnes habitantes in eo, ut in 
pace tua consistant, et in tua voluntate permaneant, et in amore tuo vivant, et 
senescant, et multiplicentur in longitudinem dierum. Per Dominum^ etc. 
Tunc thuriflcet thalamum, postea sponsum et sponsam, sedentes vel jacentes 
in lecto suo, benedicat dicens: „Benedic, Domine, adolescentalos istos, sicut 
benedixisti Toblam et Saram filiam Raguelis: ita benedicere digneris eos. 
Domine, in nomine tuo, vivant et senescant et multiplicentur in longitudinem 



Kapitel 27. Religiöse Vorschriften ttber die Hochzeitsnacht. 147 

berichtet, dass bei Hochzeiten in Abyssinien eine Art Bett in 
die Kirche gebracht wurde, und dort die Einsegnung desselben 
stattfand; und dass die Einsegnung des Ehebetts unterblieb, 
wenn der Pfarrer voraussah, dass sie nach dem Zustand der An- 
wesenden nicht mit Schicklichkeit vorgenommen werden könne*. 
Die Einsegnung des Ehebetts, die noch heutzutage in manchen 
Gegenden Deutschlands üblich ist, geschah an vielen Orten. 
Schwabens am Tag vor der Hochzeit^; in Konstanz zu der Zeit, 
um welche das Ehebett zurechtgemacht wurde, meist Abends^. 
Nach einem Strassburger Ritual vom Jahr 1742 begiebt sich der 
Priester am Morgen des Trauungstages in das Haus der Braut- 
leute; dort wird er von den Eltern oder andern betagten Per- 
sonen zum Brautbett geführt, vor welchem die Brautleute knieen ; 
er besprengt dann das Bett und die Brautleute mit Weihwasser, 
spricht einige Segensgebete*, besprengt nochmals das Ehebett, 



dierum. Per Christum" etc. Item alia benedictio: „Benedictio Dei omni- 
potentis, Patris et Filii et Spiritus sancti, descendat super vos, et maneat 
semper vobiscum. In nomine Patris et Filii et Spiritus sancti, amen." — 
Vgl. über die Pariser Synodalstatuten Veuillot 2. Aufl. S. 113. 

* Chardon Bd 6, du mariage chap. 2 S. 163. 

* Birlinger Bd. 2 S. 334, 385 (Oberschwaben), S. 336 (Umgegend von 
Saulgau), S. 344 (Bettringen bei Gmünd), S. 362 (Gegend von Ehingen a. D.). 
V. Düringsfeld S. 138 (Schwaben). 

* Birlinger Bd. 2 S. 401, Nr. 349: „Wenn man sich verehelichte und das 
Ehebette zurechte machte, so Hess man den Herrn Pfarrer oder einen Mönch 
zu sich bitten, dasselbe einzusegnen, welche Handlung meistens Abends vor- 
genommen wurde. Man zündete zwei Lichter an, der Geistliche legte seine 
Stola an und betete aus einem lateinischen Buche. Hierauf nahm er das 
Weihwasser und segnete das Bett ein, wodurch die Teufel, Hexen und Schrättle 
(Alp) verhindert wurden, den Eheleuten schaden zu können. Nach vollendeter 
Einsegnung des Ehebettes bewirthete man den Priester gut, unterhielt ein 
munteres Gespräch und drückte demselben beim Weggehen noch ein Stück 
Geld in die Hand." 

* Ritual von Strassburg v. J. 1742, bei Fr. X. Schmid Bd. 3 S. 377 : Sacerdos 
autem indutus superpelliceo et stola albi coloris aspergit conjuges et thalamum 
aqua benedicta, dicens: „Asperges me. Domine, hyssopo et mundabor; lavabis 
me, et super nivem dealbabor. OremusI Visita, quaesumus, Doraine, habi- 
tationem istam, et omnes insidias inimld ab ea longe repeile, angeli tui sancti 
habitent in ea, qui hos novos conjuges in pace custodiant, et benedictio tua 
Sit super ipsos semper. Per Christum dominum nostrum. Amen." Deinde 
alternatim cum ministro dicat psalmum *„Beati omnes" cum versiculis. „Ore- 
musl Benedic, Domine, thalamum istum nuptialem una cum his tuis conju- 
gibus, ut in tua pace consistant, tua voluntate permaneant, tuo amore vivant 
et senescant, et multiplicentur in longitndinem dierum. Per Christum Do- 
minum nostrum. Amen." Demum elevans manum dexteram sponsis benedicat, 
dicens: „Benedicat Dens corpora vestra et animas vestras, et det super vos 

10* 



148 Kapitel 27. Religiöse Vorschriften über die Hoch^eitsnacht. 

die Ehegatten und alle Anwesenden und hält eine kurze Er- 
mahnung K 

Wo die Einsegnung des Ehebetts hergebracht war, bestanden 
dafür nicht selten feste Stolgebühren. In der Pfarrei Saint-Eustache 
zu Paris hatte der Pfarrer die Einnahmen aus solchen Gebühren 
nach Massgabe eines Vergleichs vom Jahr 1254 mit dem Decan 
von Saint-Germain-rAuxerrois zu theilen^. In den Bisthümern 
Amiens und Paris betrug die Gebühr für Einsegnung des Ehe- 
betts zufolge einer Entscheidung des Parlaments zu Paris zwölf 
Pfennige^ oder zwei Sous*. Voltaire berichtet, diese Gebühr 
sei in einer durch Franz von Harlai de Chamvallon, Erzbischof 
Yon Paris, am 30. Mai 1693 erlassenen und durch das Parlament 
am 10. Juni desselben Jahrs genehmigten Taxe auf anderthalb 
Franken festgesetzt worden^. 

Die Einsegnung des Ehebetts ist ein äusseres Zeichen der 
Ermächtigung zum Beginn des ehelichen Lebens. Obwohl diese 
Berechtigung durch Abschluss der Ehe begründet wird, so hatte 
sich doch , im Lauf des Mittelalters an vielen Orten theils durch 



benedictionem suam, sicut benedixit Abraham, Isaak et Jacob. Manus Do- 
mini sancta sit super vos, mittatque angelum suum, qui costodiat vos omnibus 
diebns vitae vestrae. Amen. Benedicat vos Pater et Filius et Spiritus sanctus. 
Amen." 

1 Ritual von Strassburg v. J. 1742, bei Fr. X. Schmid Bd. 3 S. 377, 378: 
„L'^glise ne peut rien dire de plus juste pour cette c^r^monie, que cc que 
dj{|t Tange au jeune Tobie, que le d4mon de l'impuret^ a pouvoir sur ceux, 
qui dans leur mariage bannissent Dieu de leur esprit et de leur coeur, et 
qui ne suivent, comme les animaux, que les mouvemens de leur sensualit^: 
c'est pourquoi pour öviter ce malheur, consid^rez, qu'^tant les enfans de Saints, 
vous ne pourrez pas vous unir ensemble comme des paiens, qui ne con- 
noissent point Dieu. Suivez cet avis, que Tapötre saint Paul donne k tous 
les ^poux: Que le mariage soit trait^ de tous avec honn^tet^, et que le lit 
nuptial soit pur et sans täche." — Der hier und in der vorstehenden Note 
(S. 147 Anm. 4) beschriebene Gebrauch ist gegenwärtig dem Vernehmen nach 
fast ganz abgekommen. 

* Dulaure, Paris Bd. 2 S. 495. 

» Parl.-Urth. v. 6 März 1501 in den Syn. Stat. des Bischofs Poncher vom 
Jahr 1515 (vgl. darüber unten Kap. 63): . . . ^^out la bön^dictlon du lict en 
lieu de nng (vin?) paieront les nouveaux maries douze deniers parisis.^ 
Vgl. Hist. de Ponthieu S. 286. 

♦ Parl.-Urth. v. 19. März 1409 (s. unten Kap. 63): ... „pro benedictione 
lecti sponsatorum duos solides parisiensium^. . . 

- ^ Voltaire, Dict. phil. unter Taxe. — Ist dies richtig, so kann damals das 
Verbot, welches König Heinrich II. im Jahr 1556 gegen die kirchliche Ein- 
segnung des Ehebetts erlassen haben soll (BrUlon Bd. 1 S. 573), nicht mehr 
Jn (Geltung gewesen sein. 



Kapitel 27. Religiöse Vorschriften ttber die Hochzeitsnaeht. 149 

kirchliche Vorschriften, theils durch kirchliches Herkommen die 
Regel gebildet, dass die YoUziefaung der Ehe nicht am Tag 
der Trauung, sondern erst später stattfand ^. Eine Erklärung da- 
für liegt schon in der Sitte, während der Brautmesse oder über- 
haupt vor der Trauung zu communiciren ^. In der morgen- 
ländischen Kirche rügte Theodor Balsamen, Patriarch von An- 
tiochien im zwölfte^ Jahrhundert, dass die alto Strenge der 
Enthaltsamkeit für die Hochzeitsnacht nachgelassen habe; er 
schärfte sie von Neuem ein und berief sich hierbei auf die 
Uebung der Brautleute, vor der Hochzeit zum Tisch des Herrn 
zu gehen, sowie auf eine Synodalbestimmung des Patriarchen 
Lucas ^. Im Abendland wurde noch grössere Strenge geübt ^. 

Eine weitere Erklärung für die Enthaltsamkeit, die den Neu- 
vermählten für die erste Zeit nach der Hochzeit empfohlen wurde, 
findet sich im Beispiel des jüngeren Tobias. Als Tobias durch 
den Erzengel Raphael, der die Gestalt des Azarias angenommen 
hatte, von Ninive nach Kages in Medien geleitet wurde, um eine 
Darlehnsforderung von zehn Talenten Silber für seinen Vater 
bei Gabelus einzuziehen, kehrten beide Roisende zu Ekbatana 
im Haus RagueVs ein. Raguel gehörte ebenso wie Tobias zum 
Stamm Nephtali. Er hatte keinen Sohn, sondern nur eine 
Tochter, Namens Sara, auf deren Hand und Vermögen (nach dem 
Gesetz Mosis über die Erbtöchter) Tobias als der nächste Stam- 



* Diese Regel steht in Einklang mit sonstigen Vorschriften über eheliche Ent- 
haltsamkeit. Die Beobachtung derselben war beispielsweise in einer Synodal- 
vorschrift des Bischofs Batherius von Verona für zwanzig Tage und Nächte um 
Weihnachten, für die Octaven von Ostern und Pfingsten, für die Vorabende der 
Festtage und für alle Samstage und Sonntage vorgeschrieben; in einer Ver- 
ordnung des Erzbischofs Theodor von Canterbury für die Zeit der vierzigtägigen 
Fasten und für die ersten Wochen nach Ostern und Pfingsten ; in einer Synodal- 
vorschrift des Erzbischofs Egbert von York für die drei Tage und Nächte vor 
und nach jeder heiligen Communion. Vgl. Beped. XIV. de Syn. dioec. IIb. 5 
cap. 1 § 8; Fr. X. Schmid Bd. 3 S. 879; Veuillot 2. Aufl. S. 12Ö— 127. — Papst 
Benedict XIV. bemerkt in seiner Schrift über die Diöcesan-Synode, dass der- 
artige Bestimmungen in älterer Zeit rechtsgültige Kirchen verböte gewesen 
seien und erst später die Natur blosser Rathschläge angenommen hätten^ Dies 
mag richtig sein; doch waren die einzelnen Bestimmungen von einander ver- 
schieden und nur für einzelne Kirchensprengel erlassen; es gab keine der- 
artige Vorschriften von bindendem Charakter für die ganze Kirche. 

> Chardon Bd. 6 S. 160. Calmet unter Noces, Bd. 3 S. 64. Deutsche 
Encykl. unter Brautnacht. 

» Thomassin part. 1 lib. 6 cap. 83 num. 10, S. 496. 

♦ Thomassin part. 1 lib. 83 num. 11. Fr. X. Schmid Bd. 3 S. 379. Veuillot 
2. Aufl. S. 126, 127. 



150 Kapitel 27. Religiöse Vorschriften über die Hochzeitsnacht. ' 

mesgenosse Anspruch erheben konnte. Demgemäss sprach Ra- 
phael zu Tobias: ^Dir gehört ihr ganzes Yermögen, und du musst 
sie zur Frau nehmen; bewirb dich also um ihre Hand bei ihrem 
Vater, und er wird sie dir zur Gattin geben.*' Doch war Sara 
schon siebenmal yerheirathet gewesen, und jedesmal ward ihr 
Gatte vor Vollziehung der Ehe durch einen bösen Geist getödtet, 
Tobias fürchtete, es möge ihm ebenso ergehen. Raphael belehrte 
ihn, der Dämon habe Gewalt über diejenigen, die bei der Hei- 
rath Gott aus ihrem Herzen ausschliessen und, den unverständigen 
Thieren gleich, ihren Gelüsten folgen; Tobias dagegen möge 
nach der Hochzeit drei Tage lang sich des ehelichen Umgangs 
enthalten und diese Zeit gemeinsam mit der vermählten Jung- 
frau zum Gebet verwenden*; erst nach der dritten Nacht möge 
er, mehr aus Verlangen nach Kindern, als aus Begierde, die 
Jungfrau in der Furcht des Herrn zu sich nehmen, um im Samen 
Abraham's Eindersegen zu erlangen. Tobias befolgte diese Rath- 
schläge. Als er nach dem Hochzeitsmahl in das Schlafgemach 
geführt wurde, fesselte Raphael den Dämon. Dann sprach To- 
bias zur Jungfrau: „Stehe auf, Sara, wir wollen zu Gott beten, 
heute, morgen und übermorgen. Diese drei Nächte sind wir mit 
Gott vereint; nach Verlauf der dritten Nacht wollen wir als Ehe- 
leute leben; denn wir sind Kinder von Heiligen und können uns 
nicht verbinden wie Heiden, die Gott nicht kennen.** ^ Sie bete- 
ten inbrünstig. Dann schliefen sie zwar schon in der ersten 
Nacht nebeneinander^; doch beobachteten sie Enthaltsamkeit bis 
nach der dritten Nacht. ^ 



* Lib. Tobias cap. 6 v. 18 (Vulg.): «Tu autem cum acceperis eam, in- 
gressus cubiculum per tres dies continens esto ab ea , et nihil aliud , nisi 
orationibus vacabis cum ea.^ Diese Stelle der Vulgata fehlt im griechi- 
schen, hebräischen und syrischen Text und ist vom hl. Hieronymus aus dem 
chaldäischen Text mit Hülfe eines chaldäisch-hebräischen Dolmetschers her- 
gestellt worden. Epist. D. Hieronymi Bd. 3 S. 22. In der Itala (dem Codex 
Sinaiticus) ist an dieser Stelle (v. 17) nur gesagt: „Und wenn du die Ehe 
mit ihr vollziehen willst, so wachet erst zusammen und betet und bittet den 
Herrn des Himmels, dass Erbarmen und Heil auf euch komme.^ Gutberiet 
(§ 3 S. 22—27) nimmt an, dass die hebräische Urschrift des Buches Tobias 
verloren gegangen ist, und davon die verschiedenen Texte herrühren. 

* Lib. Tob. cap. 8 v. 4, 5 (Vulg.): „Sara, exurge, et deprecemur deum 
hodie, et cras et secundum cras: quia his tribus noctibus Deo jungimur: tertia 
autem transacta nocte, in nostro erimus conjugio. Filii enlm sanctorum sumus, 
et non possumus ita conjungi slcut gentes quae Ignorant Deum." Auch bei 
dieser Stelle fehlt die Erwähnung der drei Nächte im griechischen, hebräischen 
und syrischen Text und in der Itala. Vgl. I. Thessal. cap. 4 v. 5. 

' Lib. Tob. cap. 8 v. 16. 



Kapitel 27. Religiöse Vorschriften über die Hochzeitsnacht. 151 

Die dreitägige Enthaltsamkeit von Tobias und Sara war ein 
aussergewöhnliches Mittel zum Schutz gegen ein aussergewöhn- 
liches Unglück *. Keine allgemeine Vorschrift der Kirche ge- 
bietet, das Beispiel des Tobias zu befolgen. Im ersten Brief 
des Apostels Paulus an die Corinther ist angedeutet, dass die 
Enthaltsamkeit nur zeitweise, mit gegenseitiger Zustimmung, geübt 
werden solle, um freie Zeit zum Gebet zu gewähren 2; und das 
Concil von Trient ermahnt nur, dass die Neuvermählten nicht 
unter demselben Dach zusammenwohnen (d. h. die Ehe nicht 
consummiren) sollen, bevor die priesterliche Einsegnung (die in 
gewissen Fällen bei Abschluss der Ehe nicht erfolgen kann) in 
der Kirche stattgefunden hat*. 

Allerdings erinnern einige Quellenstellen des kanonischen 
Rechts durch ihren Inhalt an das Beispiel des Tobias. Eine 
angeblich aus den Decreten des Papstes Soter, Kapitel 5, her- 
rührende Stelle, welche in die Decrete von Burchard und Ivo 
aufgenommen ist, fordert die jungen Ehegatten auf, bis zum 
dritten Tag einschliesslich Enthaltsamkeit zu beobachten *. 

» Gutberiet S. 211. 

2 I. Cor, 7, 5: Mt] ctTrosTepeite d^XXi^Xo'j;, e{ fjii^ Tt av ^x au(jL?pü)vo'j rpo; xotipdv, 
7va GfyöXaiTjTE ttJ virjaxei^ xal 'zf^ 7rpo;ei)^^ , xal TtoXtv inX t6 auTo auv^p)^ea8e , tva 
[jLT] 7:eip«CT] u[i,a; 6 actrocvol; Siot ttjv dxpctafav üfjiuiv. 

' Conc. Trid. sessio XXIV. de reform. matr. cap. 1 : . . . Praetera eadem 
sancta synodus hortatur , ut conjuges ante benedictionem sacerdotalem in 
templo suscipiendam in eadem domo non cohabitent''. . . Vgl. dazu Ferraris 
unter Benedictio sponsorum num. 4 — 7, Bd. 1 S. 462. 

* Burchardi Decret. lib. 9 cap. 5; Decretum Ivonis, pars 8 cap. 145: . . . 
„biduo etiam ac triduo abstineant, et doceantur ut castitatem inter se custo- 
diant." An diese Vorschrift und an das Beispiel des Tobias erinnert der 
Inhalt einer Legende des Bischofs Aribo von Freisingen (angeblich 764 — 782 
oder 784), die in dem Werk Arnoldi Emmerammensis monachi (aus dem elften 
Jahrhundert) de miraculis S. Emmerammi, lib. 1 num. 3, wiederholt ist. Darin 
sagt ein Christ, der wider seinen Willen in der Gefangenschaft vermählt 
wurde, im Schlafgemach zu der neuvermählten Frau: ^Providendum nobis 
est, karissima soror, ne gentilium more, Christianas nuptias sociemus, sed 
magis per triduum abstinere oportet et Deum cum lacrimis deprecari, ut det 
germen justum in conjunctione; quia mulier non propter libidinem accipienda 
est, sed propter sobolis procreationem." (Dann wurde er im Schlaf, durch ein 
Wunder des hl. Emmeram, von der Frau und aus der Gefangenschaft be- 
freit und nach Regensburg zurückgeführt.) Vgl. AA. SS. 22. Sept., Bd. 4 Sept. 
S. 483; Mon. Germ., scriptores Bd. 4 S. 550; Migne Bd. 141 S.« 999—1001; 
Hanauer S. 137. Ferner stimmt mit jener Vorschrift der Rath ttberein, wel- 
chen nach Bericht von Aeneas Silvius (Ausg. 1685 S. 79) der Papst Nicolaus 
dem Kaiser Friedrich III. bei dessen Vermählung mit Leonore von Portugal 
ertheilte ; denselben Rath soll König Ludwig der Heilige bei seiner Vermählung 
befolgt haben (vgl. Veuillot 2. Aufl. S. 126); ein ebenso strenger Gebr8.xL<s.\5L 



152 Kapitel 27. Religiöse Vorschriften über die Hochzeitsnacht. 

Ein angebliches Schreiben^ des Papstes Evaristus an die afrika- 
nischen Bischöfe, welches sich in den Sammlungen von Iyo und 
Gratian befindet, empfiehlt den Neuvermählten, zwei oder drei 
Tage dem Gebet zu widmen und solange die Jungfräulichkeit 
zu bewahren*. Ein dritter Ausspruch, der mit Unrecht an eini- 
gen Stellen* auf ein Concil von Valentia, Kap. 101, an andern 
Stellen^ auf Art. 13 des vierten Goncils von Carthago* vom 
Jahr 398 zurückgeführt wird, geht dahin: „Bräutigam und Braut 
sollen, um den Segen des Priesters zu empfangen, von ihren 
Eltern oder von Brautjungfern (Brautführern ^) geleitet werden 
und nach Empfang des Segens aus Ehrfurcht vor demselben die 
erste Nacht in der Jungfräulichkeit verharren." ® Allein schon 
die Verschiedenheit dieser Bestimmungen lässt erkennen, dass sie 
kein allgemein gültiges Kirchengesetz enthalten. Die Rechts- 
bücher, worin sie sich finden, haben keine Gesetzeskraft^; und 
die erwähnten Vorschriften haben nur die Natur eines evange- 
lischen Raths®, dessen Nichtbefolgung keine Sünde ist^. 

soll bei den orientalischen Armeniern zur Zeit von Olearlus herkömmlich ge> 
wesen sein (Olearius, Buch 4 Kap. 41, von der Armenier Hochzeit). 

* Benedictus Levita (Capit. lib. 7 cap. 463) und Pseudo-Isidor bei Walter, C. J. 
Bd. 2 S. 774, Pertz Bd. 2 S. 132 und Hinschius S. 87; Decretum B. Ivonis, pars 8 
cap. 4; Liber decretorum sive panormia Ivonis lib. 6 fol. 122 v.; Gratian, causa 30 
qu. 5 c. 1 : ... „biduo vel triduo orationibus vacent et castltatem custodiant." 

* Decr. B. Ivonis, pars 8 cap. 143; Burchardi Decr. lib. 9 cap. 5. 

' Coli. ant. lib. 1 cap. 61. Regino lib. 2 cap. 153. Decr. B. Ivonis pars 8 
cap. 6. Panormia Ivonis lib. 6 fol. 125 v. Gratiani Decr. dist. 23 cap. 33 
und causa 30 qu. 5 c. 5. Pseudo-Isidor bei Migne Bd. 84 S. 201. 

* Vgl. darüber Harduin Bd. 1 S. 975; Hefele Bd. 2 S. 63, 64; Richard 
Bd. 1 S. 345-358; Hinschius S. 304. 

* Aus dem Wort „paranymphis" lässt sich nicht mit Sicherheit ersehen, 
ob Brautjungfern oder Brautführer gemeint sind, weil sowohl das Wort para- 
nymphus (7rap2tvv),acpo;) in der Bedeutung eines Brautführers, als auch das Wort 
paranympha in der Bedeutung einer Brautjungfer vorkommt. Vgl. Kap. 26 
S. 140; auch v. Düringsfeld S. 58, 94. 

^ „Sponsus et sponsa, cum benedicendi sunt a sacerdote, a parentibus suis 
vel a paranymphis offerantur, qui cum benedictionem acceperint, eadem nocte 
pro reverentia ipsius benedictionis in virginitate permaneant." In dieser Vor- 
schrift findet Löning, Bd. 2 S. 575, 576, ohne Gr«i)d eine Besonderheit der 
„gallischen" Kirche. 

' Philipps, K.-R. Bd. 4 § 180. Dalloz, R6p. Bd. 1 S. 161. 

® Glosse zu cap. 33 dist. 23: „alibi dicitur de biduo vel triduo ... et intelligo 
et illud.et istud esse concilium.'' Lovys Servin S. 229: „cela estoit ordonn6 
par conaeil, et non par precepte, ex honestate, non ex necessitate." d'Espeisses 
Bd. 1 S. 167. Van Espen Bd. 1 pars 2 sect. 1 tit. 12 n. 48 und Bd. 3 S. 634. 
Calmet Bd. 1 S. 54, unter Noces. Chardon Bd. 6, mariage, cap. 2 S. 160. 

5 Glosse zu Causa 30 qu. 5 c. 5: „pro reverentia, ergo non erit peccatum, 



Kapitel 27. Religiöse Vorschriften über die Hochzeitsnacht. 153 

Doch konnte eine Vorschrift, die den Neuvermählten die 
Vollziehung der Ehe für eine gewisse Zeit nach deren Abschluss 
untersagte , durch kirchliches Statutar- oder Gewohnheitsrecht 
eingeführt werden. Dies geschah beispielsweise in der Diöcese 
Amiens *. Ferner finden sich derartige Anordnungen in meh- 
reren Ritualen des fünfzehnten Jahrhunderts und späterer Zeit, 
namentlich von Lyon, Lüttich, Limoges und Bordeaux 2. Das 
Kölner Provincialconcil vom Jahr 1538 beschränkte sich auf 
den Rath, den Brautleuten den Inhalt des Buches Tobias mit- 
zutheilen und zu erläutern^; und der hl. Karl Borromäus em- 
pfahl auf einer Synode zu Mailand den Geistlichen seines Bis- 
thums, die Gläubigen zur Befolgung der erwähnten Rathschläge 
zu ermahnen ^ 

Soweit in dieser Hinsicht bestimmte Vorschriften galten, war 
naturgemäss der Bischof befugt, davon zu dispensiren. Für die 
Dispens konnte er eine Gebühr erheben^. Darauf würde sich 
der Ausdruck jus primae noctis anwenden lassen, da das Wort 
jus, ebenso wie das französische Wort droit, eine Abgabe be- 
zeichnen kann. In der That wird der Ausdruck in diesem Sinn 
von einigen modernen Schriftstellern gebraucht*. Indessen fehlt 
der Nachweis, dass dieser Sprachgebrauch schon zu der Zeit be- 
kannt war, als jene Dispensgebühren erhoben wurden. 

Gänzlich verfehlt ist die Meinung, dass die angeführten kirch- 



8i aliter fiat." Sanchez lib. 3 disp. *12. d'Espeisses Bd. 1 S. 167. Thiers 
liv. 10 eh. 6, S. 561—565. Anderer Meinung ist Buchmana S. 69. 

* Vgl. unten Kap 63. 

* Deutsche Encykl. unter Brautnacht. Veuillot 2. Aufl. S. 126. 

' Conc. Colon. I. a. 1536 ^rt. 41, bei Harduln Bd. 9 S. 2010: . . . „Hie 
quae Tobiae 6, 7 et 8 scribuntur, enarrari, proponi ac doceri conveniet. Ubi 
locus pulcherrimus est, exemplo commonstrans, quemadmodum bona uxor do- 
num Dei sit''. . . 

* Veuillot 2. Aufl. S. 127. 

^ Hanauer S. 136 : ... „la ferveur se refroidit; on demanda des dispenses 
pour cette loi, comme pour Celle du jeüne ou de Tabstinence; on la rempla^a 
par une aumöne, inscrite parmi les revenus des ^vftques et des cur^s." — In 
Frankreich wurde die Berechtigung zur Erhebung solcher Gebühren bestritten, 
und dem Bischof von Amiens, sowie den Pfarrern von Amiens und Abbeville 
durch Urtheile des Parlaments die Einziehung derselben untersagt. Vgl. 
unten Kap. 63. — Bei Mittermaier (7. Aufl. S. 278) und Marichalar (Bd. 6 
S. 70) finden sich Andeutungen, als hätten bisweilen Grundherren sich jenes 
kirchliche Dispensrecht mit dem Anspruch auf die Dispensgebtthren angemasst ; 
doch ist mir kein Beispiel eines solchen Missbrauchs bekannt geworden. 

6 Danz § 544, Bd 6 S. 51. Jacobson bei Weiske Bd. 3 S. 566. Vgl. 
unten S. 159. 



154 Kapitel 27. Religiöse Vorschriften über die Hochzeitsnacht. 

liehen Yorsehriften mit dem jus primae noetis in der Bedeu- 
tung eines Herrenrechts in Zusammenhang stehen könnten ^. Die 
Deutsche Encyklopädie bemerkt, Priester und Bischöfe hätten 
aus Gewinnsucht den neuen Eheleuten erlaubt, in der ersten 
Brautnacht beisammen zu sein; „daraus entstand dann die der 
Geistlichkeit an der Ehre so nachtheilige und so schmutzige 
Erzählung de jure primae noctis und du droit de cuissage^ ^. 
In der neuesten Zeit wird sogar behauptet, sowohl heidnische 
als auch christliche Priester hätten sich das „Recht der vor- 
läufigen Begattung^ für die ersten drei Nächte angemasst. „Be- 
wusst oder unbewusst hat eben darum die Geistlichkeit gegen 
die Beschlafung der Frauen durch die Ehemänner während der 
ersten drei Nächte geeifert. Es ist selbstverständlich, dass die 
Geistlichkeit diesem Verbote ein ganz anderes Motiv unterzu- 
schieben pflegte, als dasjenige, dem es seinen Ursprung zu ver- 
danken hatte . . .** ^ Ein anderer moderner Schriftsteller sagt von 
dem jus primae noctis: „Die Nonnenklöster konnten selbstver- 
ständlich dieses Feudalrecht nicht ausüben und waren deshalb 
auch nicht befugt, das Aequivalent dafür zu beanspruchen. Das 
Institut der Tobiasnächte, welches allen Neuvermählten aufge- 
zwungen wurde, half aus."* Und das „Organ für katholische 
Reformbewegung*' schreibt: „Als in Frankreich einige Parlamente 
bei ihren Entscheidungen von dem Satze ausgingen, dass es für 
Niemanden ein Ehebruchsrecht geben könne , opponirten die 
Feudalherren, und die Kirche war auf ihrer und nicht der Par- 
lamentsherren Seite. Als aber gleichwohl die Parlamente fort- 
fuhren, in dem angegebenen Sinne zu entscheiden, wurde die 
Kirche demonstrativ und forderte der weltlichen Obrigkeit zum 
Trotze die dem Gebrauch substituirte Abgabe für drei Nächte. 
Das blieb ihr unverwehrt, bis die Rothen in der constituirenden 



* Dies erkennt Dalrymple, Bd. 1 S. 324, ausdrücklich an, obwohl er jene 
kirchlichen Vorschriften verspottet. 

* Diese Bemerkung der deutschen Encyklopädie (unter Brautnacht) enthält 
zwei Irrthümcr: erstlich, dass die Ertbeilung der Dispense lediglich auf Ge- 
winnsucht der Priester und Bischöfe zurückzufuhren sei, und zweitens, dass 
die Verantwortlichkeit für jene schmutzige Erzählung nicht sowohl den Er- 
findern derselben, als vielmehr der Geistlichkeit zur Last gelegt wird, zu 
deren Verunglimpfung jene Erzählung verbreitet wurde. 

» Kulischer S. 223—225. 

^ Buchmann S. 69. Danach scheint die Meinung Buchmann*s dahin zu 
gehen, dass die Nonnenklöster eine Gebühr empfingen, so oft der Bischof von 
Beobachtung der Tobiasnächte dispensirte. Ein Grund dieser seltsamen Meinung 
ist nicht angegeben. Ebenso unverständlic)i ist der erste Satz. 



Kapitel 27. Religiöse Vorschriften über die Hochzeitsnacht. 155 

Versammlung auch diesem klerikalen ünfuge ein Ende machten.*' * 
Die Jlaltlosigkeit aller dieser Verirrungen erhellt aus der vor- 
stehenden Entwickjung. 

Der Gebrauch, die drei „Tobiasnächte" zu beobachten, hat 
sich in manchen Gegenden Deutschlands als Yolkssitte erhalten ^, 
verbunden mit der Vorstellung, dass davon Glück und Segen 
des Ehestandes abhänge; beispielsweise an einigen Orten der 
Oberpfalz ^ und bei der oberschwäbischen Hochzeit, im Allgäu, 
namentlich in Christatzhofen und EglofFs^, auch in Bettringen 
bei Gmünd ^. Diese fromme Auffassung für Aberglauben zu er- 
klären®, dürfte schwerlich gerechtfertigt sein. 

In der Geschichte und Sage selbst heidnischer Völker finden 
sich Sitten und Vorstellungen, die einigermassen an das Bei- 
spiel des Tobias erinnern ^ Bei den Griechen soll der Ge- 
brauch, dass Braut und Bräutigam nach der Hochzeit die erste 
Nacht getrennt blieben, unter dem Namen «TraüXia bestanden 
haben®. Nach einer Sage über die Hochzeitsnacht des Franken- 

» Deutscher Merkur v. 17. April 1880, S. 124. 

2 Dies berichtet Hanauer S. 137 von mehreren Gemeinden des Kocherabergs 
(im Elsass) ; vgl. auch bezüglich der ersten Hochzeitsnacht (zu Sachelay, D6p. 
Seine-et-Oise) v. Düringsfeld S. 250. 

5 Schönwerth Th. 1 S. 111, 112 (im Kapitel über die Heimkehr nach der 
Hochzeit): . . . „Bei Tiefenbach kehrt die Braut noch auf drei Tage zu ihren 
Eltern zurück. . . Bei Waldmünchen zieht zwar die Braut gleich bei dem 
Bräutigam ein; doch darf er die ersten drei Nächte nicht mit ihr zusammen- 
schlafen, weil sonst Glück und Segen weichen würde." Daraus: A. Weber 
Bd. 5 S. 326. 

♦ Birlinger Bd. 2 S. 334, Nr. 317: „Eine wunderschöne, auf der Bibel 
beruhende Sitte im Allgäu (z. B. Christatzhofen, EglofPs) war — ob's jetzt 
noch so ist, weiss ich nicht — , die Tobiasnächte zu halten. . . Die Ehe wird 
glücklicher ausfallen, weil ihr in Folge dieser Enthaltung der Teufel Nichts an- 
haben könne." Daraus: A. Weber Bd. 5 S. 455. Vgl. auch v. Düringsfeld S. 146. 

^ Birlinger Bd. 2 S. 354, Nr. 319: „Die Tobiasnächte werden auch hin 
und wieder gehalten, d. i. der Bräutigam berührt seine Braut drei Nächte 
nacheinander nicht. Durch diese Enthaltsamkeit hofiPt man eine arme Seel zu 
erlösen." Vgl. A. Weber Bd. 5 S. 465: „Hiernach liegt es in der That wohl 
näher, die deutsche Sitte auf kirchlichen , resp. biblischen Einfluss zurückzu- 
führen, statt sie als einen Rest aus indogermanischer Zeit zu betrachten." 

« Dies geschieht bei Wuttke § 569 'S. 352. 

' Vgl Öimrock § 147 S. 690. 

8 Haas S. 331. Vgl. C. P. Hoffmann cap. 3 g 1, und L. 66 (§ 1) Dig. de 
don. inter virum et ux. (24, 1). — Das Wort diraiXia bezeichnet gewöhnlich 
Hochzeitsgeschenke, aber auch den Tag, an welchem die Neuvermählte mit dem 
Gatten schläft. Wie mir Herr Oberlehrer Dr. Zöller zu Colmar mitgetheilt hat, 
findet sich im Etymologicum magnum (einem griechische^ Wörterbuch von 
einem unbekannten Verfasser , - der wahrscheinlich im zehnten. J&bs\\?asL^«xS. 



156 Kapitel 27. Religiöse Vorschriften ttber die Hochzeitsoacht. 

königs Childerich mit Basine (die er ihrem rechtmässigen Ge- 
mahl, dem König Basing oder Basinus in Thüringen, entrissen 
hatte*) sprach Basine zu Childerich: „Enthalten wir uns! Stehe 
auf, und was du auf dem Hof sehen wirst, das berichte deiner 
Dienerin/ Childerich erhob sich und sah Thiere vorübergehen, 
welche Löwen, Einhörnern und Leoparden glichen. Er kehrte 
zu seiner Gattin zurück und berichtete, was er gesehen hatte. 
Sie sagte : „Herr, gehe nochmal und erzähle dann deiner Dienerin, 
was du gesehen hast.** Childerich begab sich aufs Neue hinaus 
und sah Thiere wie Bären und Wölfe vorübergehen. Als er dies 
seiner Gemahlin erzählt hatte, Hess sie ihn zum dritten Mal hin- 
ausgehen , und er sah Thiere einer geringeren Gattung. Daraus 
erklärte Basine dem Childerich seine Nachkommenschaft, und sie 
gebar einen Sohn Namens Chlodwig : dieser war gross, berühmter 
Krieger, ähnlich einem Löwen unter den Königen 2. Von den 
brasilianischen Wilden wird erzählt, dass bei ihnen eine gewisse 
Enthaltsamkeit der Neuvermählten für rühmlich gehalten werde ^. 
Besonders auffallend ist die Aehnlichkeit der im Buch Tobias 
enthaltenen Vorschrift mit Bestimmungen der indischen Haus- 
regeln (Grihyasüträni) * über Hochzeitsgebräuche (bei der Nach- 



lebte, Ausg. Heidelberg 1594 und Leipzig 1816) folgender Satz: „oti TfJte 
ap)reTai Vj xfJprj /wpl; toO zaTpo; a6XiCe<J«)ai >j tc^te iizvjKÜ^&'zon to> dvopl ^j y'jvtj''* 
(d. h. dann beginnt das Mädchen ausserhalb des Hauses ihres Vaters zu 
wohnen, oder dann zieht das Weib in die Wohnung des Mannes); hierzu kön- 
nen die bei Stephanus citirten Parallelstellen aus PoUux, Hesychius, Isidor 
und Acro, Pausanias ap. Eust. verglichen werden. Das Citat aus PoUux, 
d. h. aus dem Onomasticon von Pollux oder Polydeukes aus Naukratis (um 
180 n. Chr. Geb.) lautet: lib. 3 cap. 3 oder 3, 39, 40; es wird sich in der 
Ausgabe von Imm. Bekker , Berlin 1846 , finden lassen. Im griechischen 
Lexikon von Suhle (1875 S. 576) steht: „tä ^irauXta", der Tag nach dem 
Hochzeitsbeilager. 

^ Chateaubriand S. 217, 218. Michelet, Hist. de France Bd. 1 S. 120. 
Michelet, Orig. S. 37. Cantu, Mittelalter Bd. 1 S. 235, 236. Thierry, Lettres 
3. Brief S. 31, 32. Junghans S. 6, 7. 

» Chateaubriand S. 217—218. Vgl. Junghans S. 8. 

3 V. Martius (1832) S. 60, 61. 

* Die Literatur der vier Vedas, nämlich des Rig-Veda, des Yajur-Veda, 
des Säma-Yeda und des Atharva-Yeda, die als heilige Schriften der Inder 
gelten (Colebrooke Bd. 1 S. 9—113) , hat drei Stufen durchlaufen : die 
Samhitä- oder Mantra-Literatur , die BrUhmana-Literatur und die Sütra- 
Literatur. Die Sütras zerfallen wieder nach ihrem Inhalt in verschiedene 
Klassen, Qrauta-Sütras , Grihya-Sütras , Dharma-Sütras (d. 1. Kechts-Sütras), 
grammatische Sütras und andere. Die Grihya-Sütras gehören einer spätem 
Zeit an als die Qrauta-Sütras. Sie und die Dharma-Sütras behandeln im 
Allgemeinen denselben Stoff, indem sie den brahmanischen Inder von seiner 



Kapitel 27. Religiöse Vorschriften über die Hochzeitsnacht. 157 

feier der Hochzeit), die aus den verschiedenen Bearbeitungen durch 
Haas, wie folgt, zusammengefasst worden sind: „Stillschweigend 
sollen sie dann sitzen bis Abends, wenn die Sonne untergegangen 
ist ; dann zeigt ihr der Bräutigam unter freiem Himmel den Polar- 
stern . . . und die sieben Sterne des grossen Bären . . . (mit der 
Ermahnung), sie möge ebenso unwandelbar und beständig sein, 
wie diese. Drei Nächte von der Hochzeit an sollen sie, auf dem 
Boden liegend und Keuschheit bewahrend, das Hochzeitsfeuer unter- 
halten und dabei nur ungesalzene Speise, bestehend in Reis und 
Milch, gemessen/ * Später: „Am vierten Tag nach der Hoch- 
zeit . . . soll man das Hochzeitsfeuer übertragen ins Innere des 
Hauses und sogleich Speiseopfer bereiten . . . Die letzten Con- 
sequenzen des Ganzen zu ziehen, dazu ist endlich, nach vier 
Tagen der Ceremonie und Enthaltung, am fünften die Zeit 
gekommen. Gobhila sagt, dass Einige nicht so lange warten, 
wozu eine Bestätigung Päraskara liefert. Die verschiedenen 
Fristen, die er ansetzt, sind: drei oder sechs oder zwölf Nächte 
nach der Hochzeit, und auch sogar Jahresfrist . . ." ^ Dieser Be- 
richt wird durch den Wortlaut der vier bekanntesten Grihya- 
sütras bestätigt ^ Wegen der Aehnlichkeit altindischer Hochzeits-» 



Erzeugung bis zu seinem Tod begleiten. Es giebt zahlreiche Bearbeitungen 
der Grihya-Sütras , von denen einige nur aus AnfOhrungen bekannt sind 
(A. Weber, L.-G., ed. Mann, S. 55, 84, 101, 102, 152, 278). Herausgegeben 
sind bis jetzt die Grihya-Sütras des Qäukhäyitna und des A^valllyana zum 
Rig-Veda, des Päraskara zum Yajur-Veda und des Gobhila zum Säma-Yeda. 
(Von den Dharma-Sütras sind drei übersetzt, und zwar die des Apastamba und 
Gautama von Bühler, und die des Vishnu von Jolly.) 

1 Haas S. 325, 326. Vgl. auch Colebrooke Bd. 1 S. 221, 222. — Haas 
erinnert hierbei (S. 326) an das Naishadhiyacarita, „wo im 47. Vers des 
16. Gesanges auch davon die Rede ist, dass Nala und Damayantt drei Nächte 
bei einander weilten und die Keuschheit bewahrten^. 

« Haas S. 330, 831. 

' Das Ürihyam von Q&nkh&yana, Buch 1 Kap. 17, bei Oldenberg S. 34 
(Weber Bd. 5 S. 346) : . . . „Eine dreitägige Frist sollen sie Enthaltsamkeit 
üben, am Boden schlafen, . . . Abends und Morgens das hochzeitliche Feuer 
umwandeln" . . . ; und Buch 1 Kap. 18 , bei Oldenberg S. 35 (Weber Bd. 5 
8. 347): „Nun die Feier des vierten Tages. Nach Ablauf der drei Tage opfert 
er von einer Topfspeise". . . Päraskara, Buch 1 Kap. 8 Vers 21, bei Stenzler 
S. 21 (Weber Bd. 5 S. 359, 360): „Drei Nächte sollen sie nichts Gesalzenes 
essen und auf der Erde schlafen. Ein Jahr lang sollen sie keine Beiwohnung 
begehen, oder zwölf Nächte, oder sechs Nächtis, oder wenigstens drei Nächte/^ 
A^valäyana's Hausregel,' Buch 1 Kap. 8 Vers 10 u. 11, bei Stenzler 
S. 22 (Weber Bd. 5 S. 368): ^Von da an sollen sie kein Salz essen, keusch 
sein, sich schmücken, auf dem Fussboden schlafen, drei Nächte oder zwölf 
Nächte. Oder ein Jahr; denn dann wird ihnen ein '^iahi geboren." Gob* 



158 Kapitel 28. Rechtliche Bedeutung der Hochzeitsnacht. 

brauche mit der biblischen Darstellung ist die Frage angeregt 
worden, ob etwa die drei Tobiasnächte nach Indien, als dem 
Land ihrer Entstehung, zurückzuführen seien ^. Doch würde 
eine Bejahung dieser Frage nur dann möglich sein, wenn fest- 
stände, dass die Grihyasütras aus älterer Zeit stammen, als das 
Buch Tobias. Solange hierüber keine Sicherheit besteht, kann 
auch die umgekehrte Frage aufgeworfen werden, ob das Buch 
Tobias als Quelle für die angeführten Bestimmungen indischer 
Lehrbücher anzusehen ist. Desgleichen ist noch eine dritte An- 
nahme möglich, dass nämlich die Enthaltsamkeit dpr IS^euver- 
mählten bei den verschiedenen Völkern nicht auf Entlehnung, 
sondern auf locale Entstehung zurückzuführen sei. Eine Unter- 
suchung dieser Fragen wird hier unterbleiben können. 

B, Staats- und privatrechtliche Bestimmungen. 

Kapitel 28. Der Ort, wo die Neuvermählten die erste Nacht 
miteinander zubrachten, war im Mittelalter und in neuerer Zeit 
naqh einigen Ortsrechten von Entscheidung für wichtige Rechts- 
ver)iältnisse , ähnlich wie heutzutage nach vielen Gesetzen das 
eheliche Güterrecht durch den ersten Wohnsitz der Ehegatten 
bestimmt wird. Jene Ortsrechte erklären sich durch den alt- 
germanischen Rechtssatz, dass die vermögensrechtlichen Wirkungen 
der Ehe mit dem Beilager beginnen 2. Soweit die Rechte der 



hila, Buch 2 Kap. 3 Vers 13, bei Weber Bd. 5 S. 874, 375: „Von nun an 
darf das Paar ein trinoctium hindurch keine gesalzene Speise essen, muss 
sich keusch halten und auf der Erde zusammenliegend schlafen^^, und Buch 2 
Kap. 5 Vers. 5, bei Weber Bd 5 S. 877: „Nach einem trinoctium findet die 
Beiwohnung statt, sagen die Einen.'' — Der indische Commentator Näräyana 
(der im 15. oder 16. Jahrhundert lebte, vgl. A. Weber, ed. Mann, S. 58) 
meint, die Vorschrift des Grihyam von A^valäyana über die Enthaltsamkeit 
könne durch Landessitte nicht geändert werden. Näräyana bei Stenzler 
S. 15: „Wenn zwischen den Sitten eines Ortes und den hier beschriebenen 
Handlungen ein Widerspruch ist, so sollen die letzteren vollzogen werden. 
So findet z. B. bei den Vaidehas das Beilager sogleich statt, während die 
Hausregel vorschreibt, dass das junge Paar drei Nächte Keuschheit bewahren 
soll. Hier soll also der Mann die Vorschrift der Hausregel befolgen, nicht 
die Sitte des Landes.'' (Vgl. auch Zimmer S. 314, wonach die Samhitä keine 
derartige Vorschrift enthalten.) Näräyana stützt sich hierbei auf AQvaläyana, 
Buch 1 Kap. 7 §§ 1 u. 2, bei Stenzler S. 15: „Nun giebt es mannigfaltige 
Sitten der Länder und der Oerter; die muss man bei der Hochzeit beobachten. 
Was aber das Gemeinsame ist, das wollen wir sagen." 

* Vgl. A. Weber Bd 5 S. 465, 456; Gildemeister bei Benfey, Or. u. Occ. 
Bd. 1 S. 745 und 746; Wuttke § 569 S. 352. 

' Vgl. Sachsenspiegel , Landrecht Buch 1 Art. 45 § 1 : . . . „se Is sin ge- 



Kapitel 28. Rechtliche Bedeutung der Hochzeltsnacht. 159 

Ehegatten, im Gebiet des öffentlichen Rechts oder des Privat- 
rechts, von jenem Ort abhingen, an dem sie in der ersten Kacht 
verweilten, könnte man von einem Kecht der ersten Nacht sprechen ; 
doch findet sich ein solcher Sprachgebrauch meines Wissens in 
keiner Urkunde *. 

Nach einigen Ortsrechten bestimmte sich die Landesange- 
hörigkeit der Eheleute nach dem Ort, wo sie die Hochzeits- 
nacht zubrachten. Beispielsweise ist in einem Yerzeichniss der 
Kechte und Güter des Bisthums Strassburg, das aus dem Anfang 
des vierzehnten Jahrhunderts herrühren soll, von dem Dorf 
Wettolsheim (bei Colmar im Elsass) Folgendes gesagt: „Die 
Hälfte dieses Dorfes auf der Seite nach Kufach, in der ganzen 
Ausdehnung, welche durch Grenzsteine bezeichnet wird, gehört 
dem Bischof. Es besteht dort der Gebrauch, dass wenn Einer 
in der genannten bischöflichen Hälfte sich verheirathet und da- 
selbst die Nacht mit seiner Gattin zubringt, er Unterthan des 
Bischofs wird, sollte er sich auch später mit seiner Familie und 
seinem Vermögen in die andere Hälfte begeben, die dem Herrn 
von Horburg gehört." ^ 

Nach einigen Städterechten hing das Bürgerrecht davon 
ab, ob die Neuvermählten in der Stadt die Hochzeitsnacht zu- 
brachten ^ Zuweilen wurde dafür eine Steuer erhoben*. Im 
Gewohnheitsrecht der Stadt Aubigny in der Picardie (Amt Amiens) 
vom Jahr 1507, Art. 26, ist gesagt: „Ferner kann nach dem Ge- 
wohnheitsrecht des genannten Orts Niemand das Bürgerrecht er- 
werben , wenn er nicht Sohn eines Bürgers oder einer Bürgerin 
ist; der Bürger-Ehemann kann seine Gattin zur Bürgerin machen, 
und die Frau-Bürgerin ihren Gatten zum Bürger; aber zur Er- 

notlnne, unde trit In sin recht, wenne se in sin bedde gat^^ . . .; Buch 3 
Art. 45 § 3 : . . . „Dat wif is ok des mannes genotinne tohant alse sie in sin 
-bedde trit". . . 

1 Vgl. Kap. 3 S. 14 und Kap. 27 S. 153. 

^ Registre des droits et biens de l'^v^ch^, sans date, mais pr^sum^ par 
8on contenu et son caract^re §tre du commencement du quatorzi^me si^cle, 
unter Yettolsheim , im Inventaire des Titres des Bailliages de l'^v^ch^ de 
Strasbourg, tome 8, Obermundat, vonDuboys im Jahr 1758 angefertigt, holte 17, 
liasse 1 11t. E; davon eine Abschrift im Bezirksarchiv zu Colmar, Serie G 
Nr. 2, Bisthum Strassburg, S. 439: „La moiti^ de ce village du cdt6 de Rouf- 
fach et däns toute l'^tendue que les pierres bornes lui donnent, appartient k 
r^vSque. II y a un usage, que si quelqu'un se marie dans la dite moiti^ 
^piscopale et y passe la nuit avec son ^pouse, il devient sujet de l'^vSque, 
quand m^me 11 se transporteralt lui, sa famille et ses facultas dans l'autre 
moiti^, qul est aux sieurs de Horbourg. 

' Vgl. unten Kap. 78. ♦ Vgl. unten Kap. 78. 



160 Kapitel 28. Rechtliche Bedeutung der Hochzeitsnacht. 

werbuDg dieses Bürgerrechts geziemt es sich, dass sie den Tag 
ihrer Hochzeit zusammen in der Stadt Aubigny zu Bett gehen 
und die Schöffen des Orts rufen lassen, damit dieselben die Ehe- 
gatten beieinander im Bett liegen sehen, so dass Nichts zwischen 
ihnen liegt. Anders kann man nicht einen Nichtbürger zum 
Bürger und eine Nichtbürgerin zur Bürgerin machen; und auf 
diese Art werden die Kinder, wenn solche aus der Ehe hervor- 
gehen, Bürger werden; und so sind die Ehegatten gehalten, von 
dem Tag, an welchem sie das Bürgerrecht erworben haben, die 
Einschreibung in die Schöflfenregister bewirken zu lassen/ * Das 
Stadtrecht von Dercy in der Picardie vom Jahr 1318 bestimmte, 
dass die Bewohner und Bewohnerinnen dieser Stadt, wenn sie 
ausserhalb heiratheten, verpflichtet waren, nach der Hochzeit 
die erste Nacht in Dercy zu ruhen ^ Diese Vorschrift erklärt 
sich aus dem Bestreben, die Ortsangehörigkeit der jungen Ehe- 
leute festzustellen; sie wird ohne Grund von Carpentier und spä- 
teren Schriftstellern^ als Beweisstelle für ein Herrenrecht der 
ersten Nacht angeführt. Die spanischen Advokaten Marichalar 
und Manrique fügen hinzu, es sei im Vertrag festgestellt, dass alle 
neuvermählten Frauen zum Palast des Herrn gebracht werden 
müssten, „damit er sie deflorirte, wenn es ihm beliebte" *, obwohl 
kein Wort hiervon in der Urkunde zu lesen ist. In einem Lehns- 



* Coutume d'Aubigny Art. 26, bei Bouthors Bd. 2 S. 299: Item, selon la 
coutume dudit lieu, nulz ne peult droit de bourgoys acqu6rir, s'il n'est filz 
de bourgoyz ou bourgoise; le mari bourgois peult faire sa femme bourgoise, 
et la femme bourgoise son mari bourgois semblablement: mais il convient, 
pour acqu^rir ladite bourgoisie, que le jour de leurs espousailles, ilz viennent 
couchier ensemble en ladite ville d' Aubigny, et faire appeller les eschevins 
dudit lieu pour les voir tous deulx au lit pr^s l'un de l'autre, et que rien ne 
soit mis entre eulx deulx. Autrement ne se peult faire le non bourgois bour- 
gois, ne semblablement la non bourgoise bourgoise; et par ces moyens, se 
lesdits conjointz ont enifans, ilz seront bourgois; et sy sont tenus lesdits con- 
jointz eulx faire registrer du jour qu'ilz ont acquis ledit droit de bourghesie, 
es registres desdis eschevins.^ Vgl. hierzu: Bouthors Bd. 2 S. 549; Dupin 
8. 138, 139. 

* Pactum an. 1318 inter Joan. de Herbigny dorn, de Dercy et habitatores 
ejusdem villae ex Reg. 59 Chartoph. reg. eh. 150, bei Carpentier und Ducange 
unter Marcheta: „Se aucuns demourans en ladite ville de Dercy se marioit 
hors de ladite ville de Dercy, il devait et estait tenuz k amener sa femme au 
giste en la devantdite ville de Dercy, la nuit que il l'esposoit: et se famme 
de Dercy se marioit k aucun de dehors, eile devait et estait tenue k gösir k 
Dercy la nuit que eile esposoit.** 

s Delpit S. 33, 34. Sugenheim 1861, S. 120. Gubernatis, Usi S. 200. 
Labessade S. 19, 62, 63. 

* Marichalar Bd. 6 S. 69. 



Kapitel 28. Rechtliche Bedeutung dtir Hochzeitsnacht. 161 

anerkenntniss vom 18. Januar 1869 ist gesagt, dass wenn ein 
Mann in der Stadt Brimeu (in der Picardie) oder anderswo hei- 
rathe und mit der Frau die erste Nacht in Brimeu ruhen wolle, 
dazu die Genehmigung des Grundherrn eingeholt werden müsse; 
dass jedoch diese Bestimmung auf den Yasallen (homme-lige); der 
auf seinem Lehen ruhe , keine Anwendung finde *. Ohne Grund 
wird auch diese Urkunde von einigen Schriftstellern als Beweis 
eines Herrenrechts der ersten Nacht angerufen. Dasselbe gilt 
von mehreren Gewohnheitsrechten vom Jahr 1507 aus dem Amit 
Amiens^. 

Winspeare berichtet, der Baron von Castiglione in Otranto 
habe von jedem Neuvermählten, der die erste Nacht nicht in 
Castiglione zubrachte, fünfzig Asses erhoben, und zufolge einer 
Beschwerde der Gemeinde Castiglione habe die Feudalcommission 
am 3. Juli 1810 über diesen Anspruch entschieden ^ Dieser Be- 
richt ist so kurz, dass er nicht einmal den Inhalt der Entschei- 
dung angiebt. Doch ist darin keine Rede vom jus primae noctis; 
die fragliche Abgabe scheint 'eine Abzugsteuer gewesen zu sein. 

Nach zahlreichen Gewohnheitsrechten galt im Erbrecht 
der Grundsatz, dass die Tochter eines Hörigen, welche sich mit 
einem freien Mann oder mit dem Hörigen einer andern Grund- 
herrschaft vermählte, dadurch die Möglichkeit verlor, bei dem 
Tod ihres Vaters dessen Hof zu erben. Sie schied durch die 
Heirath aus der bisherigen Hörigkeit aus. Es entwickelte sich 
der Grundsatz : „Der Erbe muss sein huldig und hörig nach dem 
Hofe."* Insofern war die Hörigkeit begehrenswerth ^. Hieraus 
folgte, dass beim Tod eines Hörigen, der keine hofhörigen Erben 



* Urk. V. 13. Jan. 1369 , in der Hist. de Ponthieu Bd. 1 8. 238 : . . . „que 
si aucun prend femme en la ville de Brimeu, ou hors d'icelle, et s'il veut 
g^sir la premlere nult avec eile, 11 convient qu'il en prenne cong6 de lui, s'il 
n'est homme-lige qui gise sur son fief." Vgl. de Labessade S. 74. 

2 Vgl. Kap. 78. 

^ Winspeare Bd. l S. 131, 132: „V. pure il volume de' gravami del co- 
mune di Castiglione in Otranto che si dolse nell' abolito sacro Consiglio che 
il barone esigeva ,a sponso quolibet asses quinquaginta si prima nuptiarum 
nocte in Castilione cum sponsa sua non commoratus fuerit'. V. la decisione 
della commissiohe de' 3 luglio 1810." 

* Moser Bd. 5 S. 155. Vgl. z. B. Lagerbuch v. 1. April 1581 Kap. 2 und 
Urk. V. 11. Juli 1602, bei Sommer, Beil. 56, S. 181—186; Hofrecht zu Loen, 
bei Sommer, Beil. 54, S. 160—180; v. Maurer § 464 Bd. 3 S. 150; Laboulaye 
S. 320, 322. 

* Vgl. Urk. V. 1101—1131, bei Seibertz Nr. 39, Bd. 1 S. 44, 45; auch oben 
S. 61, 106, 117. 

Schmidt, Jus primae noctis. W 



162 Kapitel 28. Rechtliche Bedeutung der Hochzeitsnacht. 

hinterliess , sein Gut an den Grundherrn zurückfiel^. Doch ge- 
stattete denr Grundherr nicht selten , dass die ausserhalb seiner 
Herrschaft verheirathete Tochter seines Hörigen zur Nachfolge 
gelangte, wie wenn sie niemals ausgezogen wäre^. Oder der 
Uebelstand wurde durch Tausch ausgeglichen ^ In einigen Ge- 
wohnheitsrechten entwickelte sich die Milderung, dass die Töch- 
ter des Hofbesitzers, welche durch Heirath aus der Herrschaft 
ihres bisherigen Grundherrn ausschieden, sich ihr eventuelles 
Erbrecht am väterlichen Gute vorbehalten konnten; dies ge- 
schah bisweilen dadurch, dass die Neuvermählten die erste Nacht 
in der Wohnung des Yaters der Braut zubrachten, und dass sie 
sich darüber bei ihr^m Auszug ein Anerkenntniss des Grund- 
herrn (gegen eine Abgabe) oder eine Notariatsurkunde aus- 
stellen Hessen^. Justus Moser meint, wahrscheinlich sei hierin 
der Grund des Bechts der ersten Nacht zu finden; es sei ein 
Becht gewesen, welches die Ehegatten erwarben, indem sie die 
Brautnacht auf dem Hofe zubrachten „und damit gleichsam 
öffentlich erklärten, dass ihre Nachkommen als in der Hofhörig- 
keit erzeugt angesehen werden sollten^. Er setzt hinzu: „Es ist 
traurig, dass die Spötter aus einem so edlen und sprechenden 
Symbol, womit sich die Yölker, ehe sie schreiben konnten, so 
gut behalfen, gerade eine der unmoralischesten Handlungen ge- 
macht haben." ^ 



^ Dies Recht des Grundherrn hiess in Frankreich „Droit de mainmorte^. 
Vgl. Laboulaye S. 320; Dalloz, Röp. unter Propriöt^ f^odale (oben Kap. 13, 
S. 67). 

« Vgl. z. B. Urk. V. J. 1227, bei Coutant S. 84 und bei Laboulaye S. 321. 

' Laboulaye S. 323, 324 („mariage par öchange^O* 

^ Vgl. über die Coutumes von Burgund und Franche-Comt^ unten Kap. 59 
und 60. 

^ Moser Bd. 5 S. 158; daraus: Kreuzzeitung, 11. Juli 1875, Sonntagsbeilage; 
Herder Bd. 3 S. 179. Vgl. jedoch oben S. 159 und Kap. 3 S. 14, 15. 



Zweiter Abschnittr 

Darstellung und Beurtheilung der einzelnen 
Nachrichten über das jus primae noctis. 



A. Galt das jus primae noctis im Alterthum? 

I. Asien. 

a. PalMtina lud Babylon. 

1, Eine im Talmud erwähnte Nachricht ^, 

Kapitel 29. Der Jerusalemische Talmud, der im fünften 
Jahrhundert nach Christi Geburt redigirt ist', enthält in der Ab- 
handlung Kethubhoth (Verlobungen), Abschnitt I, zu Mischna Y, 
eine Erörterung über den Satz der Mischna^, dass „der Bräutigam, 
dessen Schwiegervater in Judäa zu Haus ist, eine Klage wegen* 
fehlender Jungfrauschaft ^ nicht anstrengen kann, sobald er bei 



^ Die zu Kap. 29 und 30 nöthigen Vorkenntnisse, insbesondere die Be- 
schaffung, Uebersetzung und Erklärung der hebräischen Stellen, verdanke ich 
theils dem Herrn Dr. Moritz Steinschneider in Berlin, theils dem Herrn 
Dr. S. Landauer in Strassburg. (Für die aus der Worterklärung gezogenen 
weiteren Folgerungen bin ich allein verantwortlich.) Den beiden genannten 
Herren drücke ich hiermit öffentlich fUr die mir bereitwilligst ertheilten Be- 
lehrungen den verbindlichsten Dank aus. 

2 Steinschneider 1857 S. 9 ff. Vgl. Grätz Bd 4 S. 384: „Einer An- 
deutung zufolge scheint man in Tiberias in der ersten Hälfte des vierten 
Jahrhunderts mit dem Sammeln begonnen zu haben." 

' Mischna heisst die mündliche Lehre der Juden, im Gegensatz zu der 
Bibel. Gemara heisst Ausführung. Mischna und Gemara zusammen bilden 
den Talmud. Vgl. Grätz Bd. 4 S. 381 : „Die Mischna lieferte nur die trockene 
Halacha, künstlich abgerundete Gesetzesparagraphen, der Talmud aber gab 
auch das Lebendige der Gesetzesentwicklung und ihren geistigen Gehalt, noch 
dazu mit dialektischer Schärfe.^ (Hier wird das Wort Talmud für Gemara 
gebraucht). Nach Grätz, Bd. 4 Note 35, S. 494, 495, soll das Niederschreiben 
von Mischna und Talmud erst um 550 n. Chr. Geb. erfolgt sein. 

^ Die Jungferschaftsklage, postulatio de praerepta virglnitate, war die 
Klage auf Scheidung wegen Mangels der Jungfrauschaft. Vgl. Seiden Hb. 3 
cap. 1. 

11* 



164 Kapitel 29. Eine Nachricht des Talmud. 

dem Vater seiner Braut, ohne Gegenwart von Zeugen, zu Tisch 
gesessen hat, weil dort die Braut allein mit dem Bräutigam 
zu verkehren pflegt" *. . Hierzu bemerkt der Jerusalemische Tal- 
mud: „In früherer Zeit gab es eine Verfolgung in Judäa (Jehuda), 
die ihren Ausgang in einer von den Ahnen der Verfolger über- 
kommenen Ueberlieferung nahm, Jehuda (nämlich der Sohn Ja- 

* koVs) habe den Esau umgebracht . . . Man knechtete die Judäer, 
nothzüchtigte deren Töchter und bestimmte, dass der axpd- 
Tio<;2 sie zuerst beschlafe. Da traf man die Einrichtung, dass 
der Bräutigam seine Braut schon im Haus des Schwiegervaters be- 
schlafe ; dpnn wenn sie sich bewusst ist, dass die Furcht (Gewalt, 
Macht) ihres Mannes über ihr ist, so fühlt sie sich auch weiter zu 
ihm hingezogen.** Hierauf folgt die Frage: „Und wenn sie dann 
doch vom aTpaxtoc beschlafen wird?" was hilft dann jene Mass- 
regel P Antwort: „Ja, .dann ist sie genothzüchtigt, und in diesem 
Fall darf sie der Gatte (gesetzlich) als Frau behalten." „Was 
thun aber Priester-Frauen?" (Dieselben würden nach erlittener 
Nothzucht wegen der Befleckung zu ihren Gatten nicht zurück- 
kehren dürfen.) „Die hat man im Verborgenen gehalten." 
„Warum dann nicht ebenso die andern?" „Das -würde nicht 
mehr geheim bleiben ; die Regierung würde es erfahren, und die 

*Einen würden das Loos der Andern theilen" . . . „Die Verfol- 
gung ist nun wohl vorüber; der Gebrauch aber hat sich (bei 
den verlobten Männern) erhalten. So trat die Schwiegertochter von 
Rabbi Hoschaja schwanger in die Ehe." ^ Ein Rabbi Hoschaja 
lebte um 300 n. Chr. Geb.; doch ist die Möglichkeit nicht aus- 
geschlossen, dass die Stelle sich auf einen älteren Rabbi Hoschaja 



* Das gleiche Verhältniss hertihrt die Miachna im Tractat Jebhamoth, Ab- 
schnitt IV, Mischna XI. 

* Wie mir Herr Oberlehrer Dr. Albrecht zu Colmar mittheilt, ist das 
Wort axpdTio; sonst nicht als Hauptwort, sondern nur als Eigenschaftswort 
bekannt, nämlich axpaTto;, a, ov, d. i. zum Heer oder zum Krieg gehörig, 
kriegerisch; bei Aristophanes , Vespae 618: [liyoi xal axpaTtov xotT^TrapSev; 
Herodot V, 119: U At6? aTpaxfou Ipdv — und ot Att axpaT^t») Ouafa; dvotyQucit; 
ausserdem bei Aristoteles, Strabo, Aelian, Plutarch und Lucian. 

' Jerusalemischer Talmud, tractatus Kethubhoth, Abschnitt I zu Mischna V : 

«•'n Tiy n-^Vy nVarn nw*»»» nsfii'' N">nw ^in>2W rr^SR iT'an nTj:? n'^V:» ns nV^JS nh"'«? 
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Kapitel 29. Eine Nachricht des Talmud. 165 

bezieht, der etwa dreiviertel Jahrhundert früher lebte und ge- 
wöhnlich mit dem Beiwort Babba, d. h. der Aeltere, bezeichnet 
wird ^. 

Im Babylonischen Talmud, dessen jüngste Redaction aus 
dem fünften oder sechsten Jahrhundert n. Chr. Geb. stammt', 
und zwar ebenfalls im Abschnitt Eethubhoth, fol. 3 y. , erörtern 
die jüdischen Gelehrten Babylons einen andern Satz der Mischna, 
nämlich dass Jungfrauen Mittwochs, Wittwen Donnerstags hei- 
rathen. Zunächst werden die mündlichen Ueberlieferungen vor- 
getragen. Die Mischna nämlich vermeidet jede Discussion, in 
Gemässheit ihres Codifications-Charakters, wie derselbe aus der 
letzten Redaction des Rabbi Jehuda ha-Nasi ^ (gegen 200 n. Chr. 
Geb.) hervorgegangen ist; doch stammen aus ebenso alter Zeit 
viele gut überlieferte Erörterungen des gleichen Sto£Ps, die noch 
mehr den Stempel der in den Schulen mündlich gemachten 
Auseinandersetzungen tragen. Eine solche yriederholt nun der 
Talmud wörtlich: „Warum sollen Jungfrauen des Mittwochs hei- 
rathen?" Antwort: „Damit der Ehemann, falls er eine Jungfer- 
schaftsklage vorzubringen hat, sogleich den nächsten Tag, der 
Gerichtstag ist, vor das Tribunal treten kann.*** „Warum dann 
nicht am Sonntag? Montag ist ja gleichfalls Gerichtstag.^ Die 
Antwort lautet: „Es sollte Gelegenheit geboten sein, drei Tage 
für das Hochzeitsmahl sich zu bemühen.^ (Daran hätte, wenn 
Sonntags geheirathet werden sollte, der vorausgegangene Sabbath 
gehindert.) „Von der Zeit der Gefahr an und später ward 
es im Yolk Gebrauch, auch schon Dienstags zu heirathen; und 
die Weisen wehrten ihnen nicht. Am Montag soll man nicht 
heirathen; aber wenn ein Zwang stattfindet, ist es erlaubt.^ 
An das vorstehende Referat knüpft nun die spätere Babylonische 
Schule an, mit folgender Interpretation : „Worin besteht die Ge- 



1 Vgl. auch Grätz Bd. 4 S. 232 und S. 347, wo „Rabbi Uschaja der Aeltere, 
zubunannt der Vater der Mischna", unter den Nachfolgern von R. Juda 
ha-Nasi , und „Uschaja der Jüngere'^ als Bruder von Rabba bar Nachmani 
(vgl. S. 166) erwähnt wird. 

' Nach Grätz Bd. 4 S. 409 erfolgte der Endabschluss des Babylonischen 
Talmud (auch Gemara genannt) am 2. Dez. 499. 

3 Vgl. Grätz Bd. 4 S. 220 und Note 1 S. 413, wonach der Abschluss der 
Mischna von Einigen in das Jahr 189, von Andern in das Jahr 219 n. Chr: G. 
gesetzt wird. — Nach Grätz Bd. 4 S. 210 bis 213 lebte R. Juda (Sohn Si- 
mons II.), mit dem Beinamen ha-Nasi, d. h. der Fürst, von 150 bis um 
210 n. Chr. G., und er gelangte zur Patriarchenwürde um 170 n. Chr. G. 
Zufolge seines hohen Ansehens wurde er schlechtweg Rabbi genannt. 

^ Vgl. das Nähere hierüber bei Seiden lib. 2 cap. 11. 



166 Kapitel 20. Eine Kaehricht des Talmud. 

fahr? Sollte sie etwa darin liegen, dass ein Befehl der Macht- 
haber erlassen wnrde, wonach Jungfrauen, die Mittwochs hei- 
rathen, umgebracht werden sollten? — Dann hätte man nicht 
von Gebrauch reden können, sondern man hätte geradezu Ter- 
bieten müssen, Mittwochs zu heirathen,'' und nicht bloss erlauben, 
am Dienstag zu heirathen. Hierauf wird von Babba folgende Ant^ 
wort gegeben: „Sie befahlen, dass die Jungfrau, welche 
am Mittwoch heirathete, vom Taphsar zuerst be- 
schlafen werde/ Einwand: „Das ist nicht mehr Gefahr zu 
nennen, das ist Zwang.'' Ein Zwang würde die Schuld aufheben. 
Antwort: „Es giebt aber Züchtige, die lieber ihr Leben Terlieren^ 
als sich dem Zwaug unterwerfen/ Frage: „Möchte man ihnen nun 
aber erklären, dass bei einem Zwang sie keine Schuld trifft?'' Ant- 
wort: Nein, denn „es giebt wieder Unzüchtige und Priesterinnen ". 
Die Ersteren würden sich leicht hingeben, unter dem Yorwand, 
Zwang erduldet zu haben ; die Letzteren würden wegen der Be- 
fleckung zu ihren Ehegatten nicht zurückkehren (nicht heirathen) 
dürfen. Einwand : „Nub, dann wird der Taphsar auch am Dienstag 
zum Actus sich präsentiren ?" Antwort: „Eines zweifelhaften 
Falles wegen (wenn nämlich der Dienstag nur facultatiy ist) be- 
müht sich jener Taphsar nicht" ^ Der in dieser Stelle erwähnte 
Babba (bar Nachmani) lebte von 270 bis 330 n. Chr. Geb. und 
bekleidete die Resch-Metibta- Würde in Pumbedithä seit 309; er 
gilt als Hauptvertreter der talmudischen Dialektik^. Unrichtig 
ist die Uebersetzung Helfferich's: „Babba sagte, es ist die 
Meinung, dass eine Jungfrau, welche sich an einem Mittwoch 
vermählt, in der Brautnacht Yom Taphsar beschlafen wird." ^ 
Ebenso irrig ist die daran geknüpfte Bemerkung, dass Babba em- 
pfehle, „sich am Mittwoch zu yerheirathen, trotz des Eingriffs in 
die ehelichen Bechte". Vielmehr geht der Sinn der Stelle dahin^ 
dass wegen der Gefahr, und zur Abwehr gegen dieselbe, durch 

Km» Vrix'» msa n:pn Vy crsr-. -.-rp» . . . nsrs "triRa «i?:'ni [.] y» p-S5 D'»rc>ft 
•srric Vihi "'wV»2 oi:55 cyn -tÄn: Y'"'** nssoc- . . . er"« Tvshv rr.iyvn. nnits C":ä 
»«•»V"«« [?] nsso '»«>5 . . . nnir 02i«n rusnc c«t o-irs*» »V "sws*. [.] c-tsh ct^s 
•»nie«": rtan nie« [!] n"*npy: ••-itti'^ "lins A-in-p ■'ya-.n c.-'V n»»-:n n^tro "»-.«»-r 
ü'wc [1] «in o:iK n255 "»«n [.] nV*»nn nstts^ Vya*»n "«yann C":"'^ nsr-rn rr^irs 
...[.] r.*!:ns "«ics «5*«'! pns-.ifi «2*« [?] -«n» ssik-i •.n^ B":-i"r»Vn . . . n-.y^^s «s-»«-: 

2 rr»wfi: npy «V Kp'>&oic [?] V-ys"! t« -r: "»"Vxs -rn •». 

* Vgl. GriLtz Bd. 4 S. 347, 349 und Note 32 S. 492, wo die Nachricht 
von Moed Katan 28a, dass er nur 40 Jahre alt geworden sei, für sagenhaft 
erklärt wird. 

s Helfferich S. 411. 



Kapitel 29. Eine Nachricht des Talmud. 167 

einen Satz der Ueberlieferung, welchen Babba interpretirte, eine 
Abweichung von der rituellen Vorschrift gestattet wurde. 

Die Erörterungen jüdischer Gelehrten über zwei verschie- 
dene Sätze der Mischna stimmen darin überein, dass sie eine 
Bestimmung der Machthaber erwähnen, wonach die Bräute der 
Juden geschändet werden sollten. Diese Verordnung wird zur 
Erklärung zweier Mischnas und einer alten Ueberlieferung ver- 
werthet; es wird also von einer Zeit gesprochen, die vor Ab- 
schluss der Mischna liegt. 

Heliferich meint, es liege nahe, bei dem Ausspruch Babba's 
an ein persisches Satrapenrecht zu denken^, weil Babba „um's 
Jahr 320 n. Chr. Geb. unter dem persischen Könige Schabur 
(Sapor) lebte 2, der die Juden, auch die babylonischen, stark be- 
drückte^, und weil der Ausdruck Taphsar nofits, der auch bei 
Jeremias 51, 27 und Nahum 3, 17 vorkomme und bei Buxtorf 
durch princeps übersetzt werde, mit dem persisch-türkischen Wort 
Tephtar übereinstimme oder durch Lautverschiebung aus Satrap 
entstanden sei. Diese Worterklärung ist an sich gewagt^, aber 
auch unerheblich, da ein in der Bibel zweimal gebrauchtes 
Wort vom Talmud aufgenommen werden konnte, ohne dass 
irgendwie gefühlt wurde, aus welcher Sprache das Wort stammte. 
Ueberdies bestand nach andern Nachrichten ein freundliches Ver- 
hältniss des persischen Hofes zu den Juden bis kurze Zeit vor 
dem Tod Rabba's^. Zudem bezieht sich die Stelle des Jerusale- 
mischen Talmud ausdrücklich auf Judäa. Allein, ganz abgesehen 
von allen diesen Bedenken, ist die Meinung Helfferich's jedenfalls 
deshalb unhaltbar, weil die vor länger als hundert Jahren, in 
einem Satz der alten Ueberlieferung, erwähnte und von Babba 
erklärte „Zeit der Gefahr" nicht auf einen Vorgang aus der 
Lebenszeit Rabba's bezogen werden kann. Aus demselben Grund 
kann die „Zeit der Gefahr" ebensowenig aus der im Kapitel 37 
erwähnten Nachricht des Lactantius über den oströmischen 
Kaiser Maximin erklärt werden. 



* Helfferich S. 410, 411. 

' Sapor oder Sch&pür der Zweite, nachgeborner Sohn von Hormizd n. , re- 
gierte von 309 — 379; er führte Krieg mit den römischen Kaisern Constantins 
und Julian. Vgl. Nöldeke S. 417. 

^ Eine andere Erklärung des genannten Ausdrucks findet sich bei Gesenius- 
Mühlau S. 319 und bei Lenormant Bd. 3 S. 264. 

♦ Vgl. Grätz Bd. 4 S. 352, über Verfolgung, Flucht und Tod Kabba's-, 
Nöldeke S. 68. 



168 Kapitel 80. Ursache des Makkabäer-Auüstandes. 

Eabba spricht von einer so alten „Zeit der Oefahr^, dass er 
keine directe Auskunft über die damals erlassene Verordnung von 
Augenzeugen oder sonstigen Zeitgenossen empfangen haben kann ; 
und er beruft sich auf keine urkundliche Geschichtsquelle. Daher 
wird anzunehmen sein, dass er die Nachricht aus einer münd- 
lichen Ueberlieferung geschöpft hat. Aus seinem Ausspruch ist 
nicht zu ersehen, zu welcher Zeit, von welchem Machthaber, und 
in .welcher Form die fragliche Verordnung erlassen' wurde. 
Mithin ist daraus nicht eine bestimmte geschichtliche Thatsache, 
sondern nur eine Sage zu entnehmen. Ist dies richtig, so kann 
es nicht auffallen, dass jener Befehl des Machthabers in den 
Makkabäischen Büchern nicht erwähnt wird; und es darf aus 
diesem Stillschweigen nicht gefolgert werden, dass der fragliche 
Befehl erst nach der Zerstörung Jerusalems (70 n. Chr. G.) er- 
lassen sein könne. Es ist nicht sicher, ob Rabba den Satz der 
Ueberlieferung von der „Zeit der Gefahr** richtig erklärt hat; 
vielleicht bezog sich dieser Satz auf einen andern Vorgang, der 
2ur Zeit Rabba's nicht mehr bekannt war. Wäre aber auch die 
Auslegung Rabba's richtig, so würde sich auf den Befehl, den 
er anführt, der moderne Ausdruck „jus. primae noctis^ nicht an- 
wenden lassen. Aus allen diesen Gründen ist es ungerechtfertigt, 
dass Herzfeld den apodiktischen Satz aufstellt: „Das jus primae 
noctis muss einmal gegen die Juden geltend gemacht sein, denn 
selbst jüdische Gebräuche erscheinen danach abgeändert.** * 

2. Veranlassung des Aufstand es der Makkabäer^. 

Kapitel 30. Einige Schriftsteller des neunzehnten Jahr- 
hunderts meinen, es sei geschichtlich festgestellt, dass der Aufstand 
der Makkabäer gegen den syrischen König Antiochus IV. Epi- 
phanes (165 oder 167 v. Chr. Geb.) durch das jus primae noctis 
hervorgerufen worden sei^. Dies ist ein Irrthum. Abgesehen 
davon, dass der moderne Ausdruck jus primae noctis auf die in 
Rede stehenden Nachrichten nicht passt, gehören dieselben nicht 



1 Herzfeld Bd. 2 Abschn. 3 Kap. 3 § 60 Anm. 80, S. 266. Hier ver- 
weist Herzfeld auch auf die Tosiffca Ketubot K. 1. Darin findet sich jedoch 
keine neue Quelle, sondern nur jene alte Ueberlieferung erwähnt, die deii 
Ausspruch Rabba's veranlasste. (Vgl. auch unten S. 178, Anm. 2). lieber 
die unter dem Namen Tossefta (d. 1. Zusatz, Nachtrag) bekannte Sammlung 
vgl. die Monographieen von Dünner und Zuckermandel. 

« Vgl. S. 163 Anm. 1, auch Lipsius S. 338—340. 

' Helfiferich S. 412. S. Cahen in den Arch. Israel. Bd. 17 S. 174. 



Kapit^ 30. Ursache des Makkabäer-Aufständea. 169 

der Geschichte, sondern der Sage an. Es handelt sich hierbei 
um folgende Nachrichten über die Veranlassung zur Einführung 
des Chanukka-Festes, d. i. des Festes zur Feier der Befreiung 
der Juden von der Herrschaft des Antiochus Epiphanes*. 

In den Scholien zum sechsten Kapitel der M^'gillath 
Ta'anith findet sich folgende Erörterung: „Womit haben die 
griechischen Könige ihnen Leides gethan? Sie setzten in den 
Städten Quästoren (castiraoth) ein, um die Bräute zu beschlafen 
{zu nothzüchtigen); und dann wurden die Bräute ihren Männern 
zugeführt . . . Und Niemand wollte eine Frau nehmen wegen 
der Castiraoth^ . . . „Mattatja ben Jochanan, der Hohepriester, 
hatte eine Tochter; und als die Zeit der Hochzeit kam, erschien 
der Quastor (Castrin), um sie zu verunreinigen (zu beschlafen). 
Aber man liess ihn nicht gewähren. Da ereiferten sich Mattatja 
und seine Söhne, und sie überwanden die griechische Regie- 
rung. . .^' Diese Darstellung erscheint als eine Sage aus dem sie- 
benten* oder achten Jahrhundert n. Chr. Geb. ^. In Wahrheit hatte 
der Aufstand der Makkabäer eine andere Veranlassung, wie aus dem 



^ lieber die Bedeutung des Chanukka-Festes vgl. Pfannenschmid S. 526 
bis 529. 

* M^giUath Taanith, Amsterdam 1711, fol. 26ro unten (lat. Uebers. bei Lip- 
fiius S. 338) = M«gillath Taanith, Warschau 1874, S. 23, 24: 

inth niN"^"ji30prr ■^as» n»« Hv^h wpa« Di« n'»n k^i naas»"» "ihx »"»«i »-isn nw« 
rr^s hi'p*^ inh ^ip nh»» ^ipi -»i»» "^ip on» "«nawm -ittj«» •'Ncha oni» v^'^^^'^n 
:piaw ",3n yinw D-inttis i-in -»a-naa c-ihn h'ip o'^ytti» i-'nrsi na -nxi c^-ihn Vip 
tins nm Dv nnwtt Dw nnw» B'>-i»ik T>n ^"»h mnaa na mx c*»«'in T^nrs". -pr: 
«Vi nxtttaV •,">"it:opn ns Kw:n^ na^t yanwa'j Vin^n -^nsn •»aiT)'» -p in-'nn»^ rrn-'n 
inixai CJÄnm cTia "jnowai -,t> ms^tt ^y bt» n'^:i:^'i i-'aai n-^nntt i«api imx ir^an 

3 Brann (S. 375, 452, 453) sagt: „Die M^giUath Taanith ist eine Sammlung 
hervorragender Ereignisse, die zur Zeit des zweiten Tempels und während 
der letzten Kämpfe unter Trajan und Hadrian die Kräftigung und Einigung 
der Nation herbeigeführt haben. Die Jahrestage solcher Ereignisse bezeichnet 
der chaldäische Grundtext, der Ordnung des Kalenders folgend, in einem 
schwer verständlichen Lapidarstil. Hebräische Noten, die Jahrhunderte später 
hinzukamen, machen den Versuch, die Bedeutung der Gedenktage zu er- 
läutern. ... Die Daten des Textes besitzen die Autorität vollgültiger That- 
sachen. . . . Das Scholion darf nur mit äuseerater Vorsicht benutzt werden. 
Es hat sagenhafte Berichte in der kritiklosesten W6ise dnrcheinandergemengt 
und dennoch Geschichte darzustellen gemeint. Darum kann auch den Nach- 
richten, deren sagenhafter Charakter nicht erwiesen ist, nur ein zweifelhafter 
Werth zuerkannt werden". . . . Herzfeld bemerkt (Bd. 1 S. 266) von der 
M^gillath Ta'anith : „In ihr sind nach der Reihenfolge der Monate des jüdischen 



170 Kapitel 30. Ursache des Makkabäer-Aufttandes. 

bibliscbeD Bericht ^ zu ersehen ist. Zwar meint Orätz, die M'gillath 
Ta anith sei von grossem geschichtlichen "Werth, als eine von der 
Hauptquelle unabhängige Quelle, welche sich auf die Haupt- 
begebenheiten der Makkabäischen und spätem Geschichte er- 
streckt*; doch würde es, wie Herzfeld richtig bemerkt, ungerecht- 
fertigt sein , auf die in den Scholien zur M'gillath Ta anith ent- 
haltenen Märchen einen höheren Werth zu legen, als auf den In- 
halt der Makkabäischen Bücher^. Die vorstehende Erzählung 
erinnert an die im vorigen Kapitel besprochene Stelle des Jeru- 
salemischen Talmud: „Man knechtete die Judäer, nothzüchtigte 
deren Töchter und bestimmte, dass der orpatio«; sie zuerst be- 
schlafe.* Daher dürfte sich vielleicht die Vermuthung aufstellen 
lassen, dass die im Talmud erwähnte Sage, die von einer unge- 
wissen Zeit handelt, später auf den Aufstand der Makkabäer be- 
zogen wurde. 

Die in den Scholien zur M'gillath Ta anith enthaltene Sage 
über die Veranlassung zum Aufstand der Makkabäer ist in der 



Kalenders die Tage aufgezählt, an welchen nicht gefastet werden dürfe, und 
die freudigen Ereignisse mitgetheilt , die fOr Israel an diesen Tagen statt- 
fanden, und wegen deren ihre Jahrestage nicht traurig begangen werden 
sollten. Dies verbürgt zwar viel geschichtliche Wahrheit in ihr, doch glaube 
ich, dass zu manchen dieser halben Feiertage, dessen Veranlassung mit der 
Zeit vergessen war, entweder vom Verfasser selbst oder schon von seiner 
Quelle, Schrift oder Sage, ein Geschichtchen hinzugedichtet worden ist". . . . 
Diese Bemerkungen findet er (Bd. 2 S. 266) bestätigt bei der vorerwähnten 
Stelle. Eine Abhandlung von Joseph Schmilg über die Entstehung und den 
historischen Werth der M^^gillath Taanith gelangt auf Seite 43 zu folgendem 
Ergebniss: „Die Erklärungen, die das Scholion giebt, können keinen Anspruch 
auf geschichtliche Vollgiltigkeit erheben, da sie mit unverkennbaren Sagen 
vermischt sind und dann auch oft mit den uns anderweitig bekannten, aus 
sicheren Quellen iliessenden Nachrichten in Widerspruch stehen." — Brann 
(S. 449) hält es für sicher, „dass der Scholiast nicht früher als in das siebente 
nachchristliche Jahrhundert zu setzen ist"; Schmilg (S. 36) nimmt an, dass 
die Abfassung des Kalenders „im siebenten oder achten Jahrhundert nach 
Christus" stattgefunden habe. Steinschneider (Ersch u. Oruber Bd. 27 S. 378) 
versichert, das unter dem Namen M^gillath Ta*anith gedruckte Werk sei ein 
schon im achten Jahrhundert bekannter Commentar über Fragmente der aus 
dem zweiten Jahrhundert herrührenden ursprünglichen Schrift, und setzt hin- 
zu: „Eine jüngst versprochene kritische Bearbeitung von L. und G. ist noch 
nicht erschienen". Dem Vernehmen nach fehlt die kritische Bearbeitung noch 
heute, und die verschiedenen Handschriften sind noch nicht geprüft. 

1 Erstes Buch der Makkabäer Kap. 2. 

« Grätz Bd. 3 S. 415. 

3 Herzfeld Bd. 2 S. 239, 266. Vgl. Buxtorf cap. 28, S. 552 (aus Asarias 
in Meor enajim cap. 51). 



Kapitel 30. Ursache de» Makkabäer-Aufstandes. 171 

spätem jüdischen Litteratur theils geändert, theils weiter 
ausgebildet worden. In Beth ha-Midrasch, Sammlung kleiner 
Midraschim (d. h. Legenden, Vorträge, Sagen, Sprüche), und zwar 
im Midrasch für Chanukka, findet sich nämlich folgende Erzählung^ 
über Hanna, Tochter Jochanan's, in drei Versionen ^ An der 
einen Stelle wird im Namen des Rabbi Simon ben Jochai be- 
richtet: „Zur Zeit des Makkabäerkrieges nahm ein Grieche eine 
Thora-RoUe und brachte Hanna, die Tochter des Hohenpriesters 
Jochanan, die von einer Schönheit war, wie sie sonst die Welt 
nicht kannte, und die an Eleasar, Sohn des Hasmonai, verheirathet 
war, und wollte sie beschlafen, Angesichts ihres Gatten und Va- 
ters . . . Eleasar erhob das Schwert und brachte die Griechen 
um.** 2 ^n ^er zweiten Stelle wird über die Griechenherrschaft 
erzählt: „Sie (die Inhaber der damaligen Regierungsgewalt) 
verordneten, dass wenn ein Mann heirathe, die Frau 
zuerst von dem r^^^ziiw)^ (Häuptling) beschlafen werde 
und dann zu ihrem Mann zurückkehre; und dies dauerte drei 
Jahre und acht Monate, bis die Tochter des Jochanan, des Hohen- 
priesters, verheirathet wurde. Als man sie zu jenem r^^^\lwv 
führte, entblösste sie ihr Haupt, sie zerriss ihre Kleider und stand 
nackt vor dem Volk. Da wurden Juda und seine Brüder von 
Zorn erfüllt, und sie befahlen, sie hinauszuführen und zu ver- 
brennen, damit es nicht der Regierung zu Ohren komme, wegen. 
Lebensgefahr, da sie die Frechheit hatte, sich nackt vor das ganze 
Volk hinzustellen. Da sprach sie zu ihm (Jehuda) : Wie sollte ich 
verächtlich geworden sein vor meinen Brüdern und Freunden und 
nicht verächtlich geworden sein in den Augen des Unbeschnittenen 
und Unreinen, da ihr an mir den Frevel begehen wollt, mich ihm 
zuzuführen, dass er bei mir schlafe P Als Juda und seine Brüder 
dies hörten, beschlossen sie, den Hegemon umzubringen." . . . 
Dann wird weiter erzählt, wie die Braut mit grossem Gepränge dem 
7;7£ji(DV zugeführt, und Letzterer von Jehuda getödtet wurde ^» 
Die dritte Fassung lautet: „Als die Griechen (Syrer) sahen, 
dass Israel sich an ihre Befehle nicht kehre, gaben sie eine 
bittere Verordnung . . . (die Braut) müsse die erste Nacht 



1 Jellinek Theil 1 S. XXIII u. XXIV und Theil 6 S. 2, 3. 

2 Jellinek Theil I S. 135; Berliner Jahrg. 3 S. 036 des hehräischen Textes. 
Vgl. Herzfeld S. 266; Lipsius S. 351; ferner (über Hanna als Tochter Matis- 
jahu's und ihren Verlobten, den Hasmanäer Elasar) Berliner Jahrg. 3 S. 219; 
auch (über den Zusammenhang der Sagen von Hanna, Martha und Mirjam): 
Steinschneider 1877 S. 264, 265; Frankel Bd. 28 S. 496; Kayserling S. 56, 343. 

» Jellinek Theil 1 S. 133. Vgl. Lipsius S. 339, 348, 349, auch S. 360, 361. 



172 Kapitel 30. Ursache des Makkab&er-Aufstandes. 

bei dem rjYSfxcov des Ortes verbringen ... In dieser Weise 
misshandelten die Griechen die Jungfrauen Israels drei Jahre und 
acht Monate, bis die Geschichte mit der Tochter des Hohenpriesters 
Mattatja sich ereignete, die einen Hasmonäer, Namens Elasar, 
heirathen sollte. An ihrem Hochzeitstag nämlich, als die Ange- 
sehensten in Israel zum Mahl versammelt waren, erhob sich Hanna, 
die Tochter Mattatja's, von ihrem Ruhebett; sie schlug die Hände 
zusammen, zerriss ihr Gewand und stand so entblösst vor dem 
ganzen Yolk . . . Als die Brüder das sahen, senkten sie vor 
Scham ihren Blick zu Boden . . . und sie wollten sie tödten. Sie 
aber sprach : Höret, ihr Brüder und Vettern ! wenn ich vor frommen 
Leuten nackt stehe, ohne mich (fleischlich) zu vergehen, ereifert 
ihr euch; warum thut ihr das nicht, wenn ihr mich dem Un- 
beschnittenen überantwortet, dass er meiner höhnt?" * . . . 

Den letzterwähnten Midrasch, der aus dem cod. h. München 
117, 4 herrührt, hält Jellinek „für die älteste der drei Bearbei- 
tungen*', weil sich diese Recension „an biblische Verse anlehnt*, 
und weil die erste Recension (Jellinek Theil I S. 133) „kurz zu- 
sammenfasst, was hier ausführlich erzählt wird, überdies auch 
die Formel 72^'^ i:n auf eine bereits vorhandene und benutzte 
Hagada hinweist^. Doch dürften diese Gründe nicht ausreichen, 
die Annahme Jellinek's zu rechtfertigen. Eine Vergleichung 
des Inhalts der drei Fassungen führt vielmehr zu der Vermuthung, 
dass der an erster Stelle mitgetheilte Midrasch (Jellinek I, 133) 
gerade wegen seiner Kürze als der älteste anzusehen ist, und 
dass daraus, unter Berücksichtigung der in den Schollen zur 
M^'gillath Ta anith enthaltenen Sage, mit weiterer Ausschmückung, 
die beiden andern Midraschim entstanden sind. Die beiden letz- 
teren zeigen untereinander grosse Uebereinstimmung; beide spre- 



» Jellinek Theil 6 S. 2, 3: 

. . JTjtt nntÄ Dh-»^:? i-Jt^i it»:? cn'>n:-JTa3 •,'»W'»Ä-ite ^«n»'» v^w t'^si'» "sn-iw -,1'« 

nia-'^in nnhtt» dt» yanw -»rs i»» n'>n nry^xT '»«aittwh pV nNtDa-j ^na -^na 
. . . ■'Ns'jwwm n-inn» -Jias^ Vn-iw ■»^itä h^ i^apns n"n:>on i^t ]>'>arTW5'i ti"^"^»«^ 
«-i-'B-iiB ny-ipi IT hy it n-ifis npsoi •,t>-isn h:^^ n^nn» na nsn m^y "^ipoh nar-iwai 
linii iw'tani p n-sh« iki» V'^s • • • nV''AW «■»n^a ^8*-iwi Va -»«^ mw^i nV» 
n»-: • ^-fTTi -»nx "a-jy^aw cn^ n"i»s • rtamn^ n^hy iTttJi omnaa ijnpi ypnpa cn'»5B 
-)"'N"i cxspnw on« "»-in n-i-iar mw «53 nTain? D"^p"^i2e "»SB^ -»miflaw ^-»a^a &m 

: . . . "«a *9*9ynn^ ^-is "fa "»a-ioitt't? D-iwapn» on« 

Vgl, noch daselbst S. 6, M*gillath Antiochus vers. 47 — 50, wo Aehnliches 
berichtet wird. 

« Jellinek Theil 6 S. VI u. VII. 



Kapitel 30. Ursache des Makkabäer-Aufstandes. 173 

chen von einer förmlichen Verordnung der griechischen Regie- 
rung, wovon im ersten Midrasch noch keine Rede ist; doch wird 
nur im dritten „die erste Nacht" erwähnt. Insofern ist dieser 
dritte Midrasch der wichtigste für die gegenwärtige Untersuchung. 
Die erwähnte Münchener Handschrift (cod. 117 Monach.) ist nach 
Angabe des Katalogs der hebräischen Handschriften, Seite 57, 
im Jahr 1433 (nicht 1435, wie es Seite 56 heisst) geschrieben. 
Daher wird bis auf Weiteres das erste Drittel- des fünfzehnten 
Jahrhunderts als die Zeit anzunehmen sein, in der diese Recen- 
sion der Sage spätestens entstanden ist; ob sie ein höheres Alter 
hat, steht noch nicht fest. 

J.ellinek zählt zur Erläuterung der drei von ihm heraus- 
gegebenen Bearbeitungen vier grausame Edikte auf, welche die 
Griechen gegen die Juden erliessen : • „Die Wohnungen mussten 
oflFen stehen, die Hausthiere den Göttern geweiht werden, damit 
sie nicht gebraucht und genossen werden dürften, die Frauen 
sollten nicht das Reinigungsbad nehmen, und die Bräute (sollten) 
durch das jus primae noctis geschändet werden. Daran 
schliesst sich die Erzählung von der schönen Braut Hänna, der 
Tochter des Mattisjahu — in der ersten Recension zweimal „des 
Johannes" — deren bevorstehende Schändung das Signal zum 
Kampfe wider die Griechen ward." ^ In dieser Darstellung dürfte 
die Anwendung des modernen Ausdrucks jus primae noctis ^ nicht 
gerechtfertigt sein, da weder aus der Passung der drei Midraschim 
noch aus andern Gründen zu entnehmen ist, dass schon zvir Zeit 
der Abfassung der Erzählungen von jenem Herrenrecht die Rede 
war. Jellinek fügt den vorstehenden Erläuterungen hinzu: „Diese 
Erzählung, die in allen hagadischen^ Relationen über Chanukka 



i Jellinek Theil 6 S. VII, unter Verweisung auf Raschi zu Tr. Sabbat 
23 a und auf die Einleitung zu ^M^gillath Antiochus^^ 

2 Derselbe Fehler findet sich bei Lipsius S. 338, 339, bei Rösch S. 20 
und in folgendem Satz Berliner's (Jahrg. 3 S. 219) : „Die Anmassung des 
jus primae noctis wird in Megillat Taanit c. 6 erwähnt, ebenso in Jerusch. 
Ketubot 1, 5 und Tosifta daselbst, womit Babli Ketubot 3 b zu ergänzen 
sein dürfte". 

^ Nach Grätz Bd. 4 S. 17, 18 bezeichnet das Wort Agada (Hagada) eine 
Homilie, d. h. eine zwanglose Auslegung der heiligen Schrift ohne Gesetzes- 
charakter. Den Gegensatz bildet die Mischna, d, i. die Lehre mit Gesetzes- 
kraft. Der Inhalt der Mischna zerfällt in drei Lehrweisen, nämlich erstens 
Halacha (Herkommen, Brauch, Praxis) in fest formulirten Sätzen, zweitens 
Midrasch (Deutung), d. h. Herleitung des überlieferten Stoffs aus dem Schrift- 
wort, und Talmud (Gemara), d. h. Anwendung und Folgerung aus den 
Gesetzesbestimmungen. Vgl. oben S. 163 Anm. 3. 



174 Kapitel 30. Ursache des Makkabäer-Aufstandes. 

erscheint, muss einen historischen Kern in sich bergen.^ ^ Gleich- 
wohl ist es bis jetzt noch nicht gelungen, den geschichtlichen 
Kern aus jenen Sagen herauszuschälen. 

In einem um 1000 n. Chr. Geb. ^ verfassten arabischen 
Werk von Abu Raihän Muhammad ben 'Ahmad Albtrünt wird die 
Sage über Entstehung des jüdischen Hanukka- (Beinigungs-) Festes 
in folgender Fassung mitgetheilt: „Antiochus, König der Grie- 
chen, hatte aie (die Juden) lange Zeit bezwungen und miss- 
handelt. Er hatte die Gewohnheit, in einem unterirdischen 
Gewölbe die Frauen zu schänden, bevor sie ihren neuvermähl- 
ten Gatten zugeführt wurden. Aus dem Gewölbe führten zwei 
Stricke hinaus, an deren Enden Glocken befestigt waren. So- 
bald er nun eine Frau begehrte, schellte er auf der rechten 
Seite, und die Frau trat ein; war er mit ihr fertig, so schellte 
er auf der linken Seite ; und sie wurde entlassen. Damals lebte 
ein Israelit, der acht Söhne und eine Tochter hatte ; die Letztere 
hatte ein anderer Israelit zur Ehe begehrt. Nun sagte der Yater 
der Braut, der sie zu vermählen wünschte: Gieb mir Zeit, denn 
ich stehe zwischen zwei Dingen. Führen wir meine Tochter zu 
dir, so wird sie durch den verfluchten Tyrannen entehrt werden ; 
und sie ist dann für dich nicht mehr eine gesetzmässige Gattin. 
Will sie sich ihm aber nicht unterwerfen, so wird er mich zu 
Grunde richten. Wegen dieser Sachlage tadelte und schalt er 
seine Söhne, die sehr erregt und ärgerlich wurden. Doch der 
jüngste von ihnen sprang auf; er kleidete sich wie eine Frau, 
verbarg einen Dolch in seinen Kleidern und kam zum Thor 
des Königs, indem er sich gleich einer Lustdirne benahm. Jetzt 
zog der Tyrann die Schelle auf der rechten Seite, und er ward 
zu ihm geführt; dort, allein mit ihm, tödtete er ihn (der Jüng- 
ling den Tyrannen); er schlug ihm den Kopf ab, zog dann die 
Schelle auf der linken Seite, ward hinausgelassen und pflanzte 
(anderwärts) den Kopf auf. Deshalb feiern die Israeliten ein Fest 
an jenem Tage und an den (sieben) folgenden Tagen, nach der 
Zahl der Brüder dieses Jünglings. Gott weiss es am besten** 
(wie viel Wahrheit dieser Erzählung zu Grunde liegt) ^. Mit 
dieser Erzählung stimmt der Bericht von Abulfeda über einen 



1 Jellinek Theil 6 S. VII. 

* Die Jahreszahl 1000 steht auf der Ausgabe von Sachau. FrUher wurde 
das Jahr 1031 als Zeit der Abfassung angegeben, bei A. Weber (ed. Mann) 
S. 201, 253, 261, 262. 

3 Albtrünt chap. 14 (of the Festivals and Fast-days in the months of the 
Jews), S. 271 272 (in der arabischen Textausgabe S. 278). 



Kapitel 30. Ursache des Makkabäer- Auf Standes. 175 

„gewissen griechischen Eönig^, der in Jerusalem residirte, mit 
geringen Abweichungen, meist wörtlich überein K In beiden Be- 
richten, von Albtrünt und von Abulfeda, fehlt eine Angabe über 
die Namen der Juden. Eine fernere Abweichung von dem jüdischen 
Sagenkreis besteht darin, dass die Schandthaten nicht einem Be- 
amten, sondern dem König selbst zugeschrieben werden. Danach 
scheinen die beiden arabischen Berichte auf einer von der M^gillath 
Taanith unabhängigen Quelle zu beruhen. Zwar ist es möglich, 
dass dem Birüni ein älterer und besserer Text der M^'gillath 
Taanith vorlag, als der bisher durch Druck bekannt gewordene. 
Denn S. Landauer bemerkt, dass Btrünt für den Bericht über die^ 
Fasttage der Juden das letzte Kapitel der M^gillath Ta anith fast 
wörtlich „nach einem vorzüglichen Text^ aufgenommen habe, und 
dass er deshalb „in manchen Punkten zur Sicherstellung des inter- 
polirten hebräischen Originals dienen** könne ^. Allein aus Innern 
Gründen dürfte es unwahrscheinlich sein, dass eine bestimmte Hin- 
weisung auf König Antiochus in der ältesten Gestalt der Sage sich 
vorfand und später unterdrückt wurde ; vielmehr dürfte eine innere 
Wahrscheinlichkeit dafür sprechen, dass die concretere Form der 
Sage erst in der spätem Entwicklung hervortrat. Andererseits erin- 
nert die (bei Abulfeda weggelassene) Bemerkung Albirünt^s über die 
„gesetzmässige Gattin** an die im vorigen Kapitel erörterten Tal- 
mudstellen. Sonst hat die Sage in der arabischen Fassung Yer- 

1 Abulfeda, Uebers. Fleischer's, S. 161, 163 : „Aliud festum est El-Hanuccah, 
i. e. Lustratio, octo dierum, quorum primus est quintus et vigeslmus mensis 
Kislev. Prima fest! noete singulae lucernae accenduntur , seeunda binae, et 
sie deinceps , donec noete octava ad octonas pervenitur. Hoc festo recolitur 
memoria adolescentls , ex octo fratribus natu minimi, a quo rex quidam 
graecus interfectus est, qui Imperium in Judaeos adeptus, sede Hierosolymis 
üxa, virglnibus, antequam ad sponsos deducerentur , pudorem eripere solebat. 
Cryptam habebat sub terra, unde duo funiculi prodibänt, quorum uterque 
tintinnabulo instructus erat. Quoties igitur lubidine tentabatur, funiculum 
dextrum movebat: quo signo audlto mulier ei adduoebatur; ea postquam abu- 
sus erat, moto funiculo sinistro rursus dimittebatur. lUo ipso tempore vir 
erat inter Israelitas, qui octo fllios unamque flliam habebat. Uanc aliquls 
popularium in matrimonium duxit; sed quum a patre petiisset, ut eam sibi 
traderet, ille: ,Si puellam', inquit, ,ad te deducam, nebulo ille eam vitiabit'. 
Simul filios, talis scilicet injuriae patlentes, increpuit: quibus quum hac re 
indignatlonem incussisset, minimus eorum. prosiluit, et sumto cultu muliebri, 
pugionem vestibus tegens sororisque personam agens ad aulam regiam venit. 
Rex funiculum movet: adolescens ad eum deducitur: ceteri discedunt: Ille 
regem interficit, caput reclsum aufert, moto funiculo sinistro exit et dimittitur. 
Regis nece divulgata, Judaei magno gaudio afPecti festum octo dierum in- 
stituerunt, quo memoria octo illorum fratrum conservaretur." 

' S. Landauer in den Gott. gel. Anz. v. 23. Juni 1880, Nr. 25, S. 781. 



176 Kapitel 31. König Sharahbil von Saba. 

wandtschaft mit der Erzählung Heraklid's über den Tyrannen yo 
Kephalenia^. Es wird nicht gesagt, dass die Schandthaten de 
Königs Antiochus nur bei Nacht stattfanden, und zwar nach de 
jedesmaligen Hochzeitsfeier; insofern kann hier von einem ju 
primae noctis in der gewöhnlichen Bedeutung dieses Ausdruck 
nicht gesprochen werden. 

b. Arabien. 

1, Verordnung des Königs Sharahbil von Saba, 

Kapitel 31. Ueber die in der heiligen Schrift erwähnt 
Königin von Saba, die auf das Gerücht von Salomon's Weis 
heit zu ihm kam, ihn mit Bäthseln versuchte und nach gegen 
seitigen Beschenkungen in ihr Land zurückzog, theilt Weil unte 
dem Titel „Salomon und die Königin von Saba^ folgende Legendi 
der Muselmänner mit^: König Salomon machte auf Anweisunj 
Abraham's, der. ihm im Traum erschienen war, eine Pilgerfahr 
von Jerusalem nach Jathrib (Medina) und nach Mekka. Er reist« 
mit Menschen, Genien und Thieren auf einem grossen Teppich 
der von Vögeln überschattet und von Winden getragen wurde 
In der Kaaba zu Mekka predigte er über den künftigen Pro 
pheten Mohammed. Nach drei Tagen, als die Rückreise be 
ginnen sollte, fehlte ein Vogel im königlichen Gefolge, und zwa 
der Wiedehopf. Derselbe wurde durch den Adler herbeigehol 
und brachte dem König Kunde über das Land Saba in Süd 
arabien und über die Königin Balkis. Unter Anderm erzählt 
der Wiedehopf: „Der letzte König von Saba, welche 
Scharahbil hiess, trieb die Gewaltthätigkeiten s< 
weit, dass kein Mädchen sich verheirathen durfte 
ohne sich vorher ihm hingegeben zu haben^.. Könij 
Scharahbil sah, als Bettler verkleidet, auf einer Fussreise dii 
dreizehnjährige Balkis, die so schön war, dass sie einer Hui 
aus dem Paradiese glich. Diese, Tochter eines früheren Vezier 
und der Nymphe (Djinnstochter) Umeira, war in stiller Zurück 
gezogenheit aufgewachsen, ,weil ihr Vater fürchtete, Scharahbi 
möge von ihr hören und sie nicht schonender als die an den 
Jungfrauen Sabas behandeln' *. Der Vezier trat in seine früher( 
Stellung bei König Scharahbil zurück und eröfifnete nach kurze 
Zeit seiner Tochter: ,Was ich längst befürchtete, ist nun ein 



1 Vgl. Kap. 34. 2 Weil S. 225 ff. 

3 Weil S. 253. Vgl. Delpit S. 274. ♦ Weü S. 254. 



Kapitel 31. König Sharahbil von Saba. 177 

gejkroflFen. Der König hat bei mir um deine Hand angehalten, und 
ich konnte sie ihm ohne Lebensgefahr nicht versagen, obgleich 
ich dich lieber ins Grab steigen sähe, als in das schandbefleckte 
Bett dieses Tyrannen.' ,8ei ohne Furcht, mein Vater,' erwiederte 
Balkis, ,ich werde mich und mein ganzes Geschlecht von der 
Lüsternheit dieses Wollüstlings zu befreien wissen; zeige ihm 
nur eine heitere Stirn, damit er keinen Verdacht schöpft, und 
erbitte dir als einzige Gnade, dass die Vermählung hier im Stillen 
gefeiert werde.' Der König gewährte gern seiner Braut diesen 
Wunsch und begab sich am folgenden Abend, nur von einigen 
Dienern begleitet, in das Schloss seines Veziers, wo er eine 
königliche Bewirthung fand. Nach der T».fel zog sich der Vezier 
mit allen Anwesenden zurück, und Balkis blieb allein bei dem 
König. Auf ihren Wink erschienen ihre Sklavinnen, von denen 
die eine sang, die andere die Harfe spielte, die dritte tanzte, und 
die vierte den Weinkelch überreichte. Die Letztgenannte war 
nach Balkis' Anweisung besonders thätig, so dass der König, dem 
Balkis auf jede Weise zusprach und von den stärksten Weinen 
reichen liess, bald bewusstlos auf das Sopha hinsank. Jetzt zog 
Balkis einen Dolch unter ihrem Gewand hervor ; damit durchbohrte 
sie den König, so dass seine Seele augenblicklich zur Hölle fuhr. 
Sie rief ihren Vater und zeigte ihm des .Königs Leichnam. Dann 
sagte sie: ,Morgen früh lässt du im Namen des Königs die ein- 
flussreichsteri Männer der Stadt, auch einige Häupter der Truppen, 
auffordern, ihm ihre Töchter zu schicken. Dies wird einen Auf- 
stand verursachen, den wir zu unserm Vortheil ausbeuten können.' 
Balkis hatte sich nicht getäuscht. Die zur Entehrung ihrer Töchter 
aufgeforderten Männer versammelten ihre Freunde und rotteten 
sich des Abends vor dem Schloss des Veziers zusammen; sie 
drohten , dasselbe in Brand zu stecken , wenn ihnen der König 
nicht ausgeliefert werde. Balkis schnitt der Leiche den Kopf ab 
und warf ihn den versammelten Empörern zum Fenster hinaus. 
Da erscholl ein lautes Jubelgeschrei in der Menge, die Stadt 
wurde festlich beleuchtet, und Balkis, die Beschützerin aller 
Mädchen, ward zur Königin erwählt. Diese Königin" — so schloss 
der Wiedehopf seine Erzählung — „regiert nun seit mehreren 
Jahren mit vieler Weisheit und Einsicht und lässt Gerechtigkeit 
in ihrem ganzen, wieder höchst blühenden Reiche walten" *. . . . 
In diesem Märchen sind Ausschweifungen des Königs Sha- 
rahbil beschrieben, wobei nicht gesagt ist, dass Sharahbil die 



1 Weil S. 256—258. 

Schmidt, Jus primae noctis. 12 



178 Kapitel 31. König Sharahbil von Saba. 

Entehrung der Jungfrauen als ein Recht für sich in Anspruch 
genommen oder gar ein Gesetz darüber erlassen habe. 

Ueber die Königin Balkis oder Belkisa von Saba, d. h. Te- 
men in Südarabien, und über ihre Beziehungen zu König Salo- 
mon sind in Ermanglung urkundlich beglaubigter Ueberlieferungen 
viele unsichere Nachrichten verbreitet *. Es wird erzählt, sie sei 
um das Jahr 1000 vor Chr. Geb. Königin von Temen geworden, 
habe sich nach zwanzigjähriger Regierung mit König Salomon, 
dem Sohn David's, vermählt und sei durch denselben nach 
Jerusalem geführt worden 2. In den Stammtafeln wird sie als 
22. oder 23. Königin vom Stamm Temen, als Nachfolgerin ihres 
Vaters Hodhäd oder Heddad, des Sohnes von Sharhäbil oder Schara- 
chil, bezeichnete. Andere Erzählungen melden, lange Zeit, bis 
zu der des Königs Salomon, hätten überhaupt nur Frauen über 
Saba geherrscht^. Daneben findet sich auch noch die Sage, dass 
Belkisa nicht eine Königstochter, sondern die Tochter des 
Dsi-Asrog, Veziers von König Sjerah, gewesen sei ^ 



» Vgl. V. Lilienstern S. 1, 100, 101, 223 (die Königin Balkis sei „eine in der 
späteren Zeit des Judaismus eingeschwärzte mythische Figur^^) ; Steinschneider 
hei Frankel 1845 S. 273 (ZurUckführung auf Malika Saba, d. i. Königin von 
Saba); Bachofen S. 173, 174 ^ Rösch S. 51, 52. Ein arabisches Gedicht aus 
dem zwölften Jahrhundert, die himjarische Kasideh, handelt von Bilkls und 
Salomo in den Versen 44—48, bei v. Kremer 1865 S. 10—13. (Der Verfasser 
dieses Gedichts starb, wie v. Kremer 1866 S. 45 angieht, im Jahr 573 d. H., 
also 1195 nach Chr. Geb.) In denselben Sagenkreis gehört ein abyssinisches 
Werk (des späten Mittelalters), „Lob der Könige", das im Jahr 1870 mit 
lateinischer Uebersetzung durch Fr. Praetorius herausgegeben ist. 

2 Hamza, lib. 8, bei Gottwaldt Bd. 2 S. 99 und bei Schultens S. 25 ; Abulfeda 
bei Schultens S. 7, 9, und bei Fleischer S. 117 (nach Ihn Sayd Africanus). 
Vgl. Volney bei v. Lilienstern S. 29 ; de Sacy S. 501 ; v. Lilienstern, Tafel 1 unter C. 

• Hamza, bei Gottwaldt Bd. 2 S. 99. Pocock, Ausg. von 1806 S. 60 und 
Ausg. V. 1650 S. 59. Volney bei v. Lilienstern S. 29, 30, 102, Tafel 1 unter 
D. V. Lilienstern aus Hamza, Tafel 1 unter A. In einer Denkschrift der 
französischen Akademie der Wissenschaften wird die Vermuthung aufgestellt, 
dass die nach Abulfeda angefertigte Stammtafel lückenhaft sei, und dass Balkis 
erst ungefähr vierhundert Jahre nach dem Tod des Alhodad, Nachfolgen von 
Sherhabyl, zur Regierung gelangt sei. Vgl. v. Lilienstern S. 25, 26, 228 und 
Tafel 1 unter B. 

* Diese Nachricht wird auf Georgius Ebno '1 Amdi und auf den Patriarchen 
Eutychlus Patricides (Said Ebn Patrik) zurückgeftthrt , bei Pocock Ausg. v. 
1650 S. 85 und Ausg. v. 1806 S. 87: „Diebus Argu multos annos occupavit 
foemina regnum Sabae, et post eam regnarunt ibi foeminae usque ad tempus 
Salomonis fllii Davidis." Vgl. v. Lilienstern S. 28, 63. 

5 Noweiri , bei Schultens S. 55 , 57 : „Nos historiam Belkisae ante executi, 
diximus eam filiam fuisse Dsi-Asrogi; ejusque patrem non Regem fuisse, 



Kapitel 31. König Sharahbil von Saba. 179 

üeber die Grundlagen des vorstehenden Märchens können hier 
nur Andeutungen gegeben werden ^ Im Koran steht: „Ein Eibitz 
berichtet dem Salomo, dass dort ein Weib regiere, versehen mit 
Allem, was zu einem Fürsten erfordert wird, und mit einem 
prächtigen Thron, aber sie und ihr Volk seien Anbeter der Sonne. 
Deshalb sandte ihr Salomon durch denselben Eibitz zuerst einen 
Ermahnungsbrief, zum rechten Glauben zurückzukehren, dann 
bedrohte er sie mit Erieg, worauf sie sich selbst nach Jerusalem 
auf den Weg machte." ^ Ausserdem erinnert der Inhalt jenes 
Märchens an verschiedene Sagen über den Regierungsantritt der 
Bilkis. Es wird erzählt, sie habe einen Gegenkönig dadurch be- 
seitigt, dass sie ihn zum Schein heirathete, bei der Hochzeit mit 
Wein berauscht machte und dann tödtete^. Eine andere Er- 
zählung lautet, sie habe ihren Oheim, der nach ihres Vaters Tod 
zur Thronfolge gelangte und jede schöne Eönigstochter entehrte, 
durch scheinbares Eingehen auf seine Bewerbungeu in ihr Schloss 
gelockt und dort durch Männer ihrer Verwandtschaft tödten lassen, 
worauf sie selbst zur Eönigin erwählt worden sei*. Nach einer 
dritten Erzählung war sie die Tochter eines Veziers; sie tödtete 
den König, der die Töchter der Vornehmen zu rauben pflegte, 
und wurde dann selbst zur Eönigin erwählt^. In einer weit- 
verbreiteten Sage erscheint Bilkts als Tochter des Königs Hadhäd 
und einer Fee, nämlich der in eine Gazelle verzaubert gewesenen 
Harürä, Tochter des Dschinnenkönigs Teleb^. 

Liebrecht führt in einer Abhandlung über das jus primae 



sed Vezirium Regia Homeiritarum , Sjerahi Homeiritae videlicet. Et hoc soli 
Deo notum. Dissentitur autem circa eum, qui post Alhadhadum regnavit. 
Mesoudius dicit, Tobbaa primum, ejusque imperio quadringentos annos tribuit. 
Sed Ibn Katiba Alhadhado successisse ait filiam ejus Belkis, conjugem Salo- 
monis iilii David, super quibus pax et fausta comprecatio. Ea regnum tenuit 
per centum et viginti annos". . . . Vgl. v. Lilienstern S. 101, 113, 228; 
Rösch S. 13. 

* Weil sagt in der Einleitung (S. 4)J „Diese Sagen stammen, einzelne 
spätere Ausschmückungen abgerechnet, von Mohammed selbst her. Die 
wesentlichsten Züge sind sogar im Koran vorhanden, und was nur angedeutet 
ist, wird durch die mündliche Tradition weitergesponnen und ergänzt.'' Unter 
den Quellen erwähnt Weil mehrere arabische Handschriften der herzoglich 
Gothaischen Sammlung (Nr. 279, Nr. 235 und Nr. 909). 

2 V. Lilienstern S. 101. 

^ Rösch S. 18, 19, aus der Prophetengeschichte von Ta&lebl. 

♦ Rösch S. 19, aus der Chronik von Ibn-el-Athir (die im Jahr 1867, leider 
ohne Uebersetzung, durch C. J. Tornberg herausgegeben ist). 

5 Rösch S. 19, 20, ebenfalls aus Ibn-el-Athir. 

6 A. V. Kremer 1866 S. 65-67. 

12* 



180 Kapitel 32. Die Stämme Tasm und Djedis. 

noctis aus der Schrift von Weil bloss den Satz an: ^Der letzte 
König von Saba, welcher Scharahbil hiess, trieb die ßewalt- 
thätigkeit so weit, dass keine Mädchen sich verheirathen durften, 
ohne sich vorher ihm hingegeben zu haben." * Dies muss auf 
den Leser den Eindruck machen, als werde hier eine geschicht- 
liche Thatsache mitgetheilt. Aus dem Vorstehenden erhellt je- 
doch, dass jener Satz einem Märchen, und zwar der Erzählung 
eines Wiedehopfes, entnommen ist. 

2, Untergang der Äraherstämme Tasm und Djedis, 

Kapitel 32. Man sagt, ein Häuptling des Araberstamiiies 
Djadis habe das „droit du seigneur" oder jus primae noctis über 
den Stamm der Tasmiden ausgeübt^. „Ein Tyrann vom Stamm 
Tasm, bei den Arabern vor Mahomet, erliess ein Gesetz, wel- 
ches anordnete, dass keine Tochter dieses Stammes sich ver- 
heirathen dürfe, bevor er selbst zuerst die Rechte des Ehegatten 
genossen habe." ^ Liebrecht bemerkt üt^r das jus primae noctis: 
„In Arabien masste es sich an Amlek, ein alter König der 
Stämme Dschadis und Tasm." * Er beruft sich hierfür auf Caussin 
de Perceval, obwohl Letzterer deutlich erklärt, dass die von ihm 
mitgetheilte Erzählung ein Märchen sei^. In der That hat die 
fragliche Erzählung keinen geschichtlichen Werth, wie aus fol- 
gender Darstellung erhellt. 

In der Geschichte Abulfeda's wird über die erloschenen ara- 
bischen Völkerstämmo berichtet: „Erloschen sind die Araber- 
Stämme der Tasmiten und Djedisiten. Diese beiden Stämme be- 
wohnten den Theil der arabischen Halbinsel, der El-Jemäma 
genannt wird. Die Herrschaft war bei den Tasmiten. Nachdem 
diese Lage ziemlich lange bestanden hatte, gelangte die Herrschaft 
an einen ungerechten und gewaltthätigen Tasmiten, der den 
Brauch einführte, dass keine Jungfrau vom Stamm 
der Djedisiten ihrem Bräutigam zugeführt wurde, 
bevor er selbst mit ihr zu thun gehabt und ihr die 
Keuschheit entrissen hatte. Nachdem die Djedisiten dies 
geraume Zeit erduldet haben, werden sie durch die Nichtswürdig- 
keit der Sache bewogen, einen gemeinsamen Beschluss zu fassen. 



1 Liebrecht 1879, S. 419. 

- Perron, citirt bei de Barth^lemy S. 110. 

3 Nuits d'^preuve S. 82. 

* Liebrecht 1864, S. 541, ebenso 1874, S. 140 und 1879, S. 419. 

* Caussin de Perceval S. 28. 



Kapitel 32. Die Stämme Tasm und Djedis. 181 

Sie verbergen ihre Schwerter im Sand und bereiten daselbst dem 
König ein Gastmahl. Der König kommt zufolge ihrer Einladung 
mit den Vornehmsten der Tasmiten zu dem bezeichneten Ort, 
wo die Djedisiten ihre Schwerter ergreifen und den König nebst 
den meisten Tasmiten tödten. Einer von ihnen entwischte und 
hinterbrachte die Sache dem Tobba, l^önig von Yemen, welcher 
damals Hassan, Sohn von Asad, gewesen sein soll. Er beklagte 
sich bei diesem König über die durch die Djedisiten an ihrem 
eigenen König verübte Schandthat und bat um Rache. Der König 
brach auf gegen die Djedisiten, grifif sie an und vernichtete sie. 
So sind die Tasmiten und Djedisiten aus dem Gedächtniss der 
Menschen verschwunden." ^ Auf Grund dieser Stelle des Abul- 
feda ist die Sage, mit einigen Abweichungen, durch Pocock^, 
durch de Sacy ^ und durch Säle * weiter verbreitet. 



* Abulfeda S. 181, 183: „De iis quae de Arahum exstinctorum histaria me- 
moriae prodita sunt. Arabes exstincti sunt Tasmitae et Djedisitae. Duae hae 
tribus illam partem peninsulae arabicae incolebant quae El-Jemäma appellatur. 
Imperium penes Tasmitas erat. Postquam per sat longum tempus res eo loco 
fuerunt, Imperium nactus est Tasmita quidam, vir iniquus et violentus, qui 
eum morem instituity ut nulla virgo e Djedisitis ad sponsum deduceretur, quin 
ipse prius cum ea rem hdberet eisque pudorem praeriperet. Quod cum Dje- 
disitae aliquamdiu tulissent, tandem, rei indignatione moti, commune capiunt 
consilium: gladios in arena abscondunt et regi eo in loco convivium parant: 
qui ubi invitatus cum optimatibus Tasmltarum eo venit, Djedisitae, arreptis 
gladiis, et illum et plerosque Tasmitarum occidunt. Unus tamen ex iis eVasit 
et causam detulit ad Thobba'um, regem Jemenensem, qui eo tempore Hassan 
ül. As'adi fuisse dicitur. Apud hunc igitur de facinore a Djedisitis in ipsorum 
regem commisso questus est, et, ut suorum vindictam susciperet, ab eo petiit. 
Itaque rex, adversus Djedisitas profectus, eos adortus est et ad internecionem 
delevit. Sic Tasmitae et Djedisitae hominum memoria exciderunt.'^ Daraus 
V. Lilienstern S. 77. 

2 Pocock, Ausg. V. 1650, S. 37, 38; Ausg* v. 1806, S. 38: „Tasmum e po- 
steris Lüdi filii Semi statuit Abu'lfeda, Jadlsum e filiis Getheri; promiscue 
autem habitasse tribus istas in peninsula Arabum, imperio apud Tasmum ma- 
nente, donec devolutum tandem sit ad tyrannum quendam qui legem condidit 
ne nuptum daretur cuipiam e Jadiso virgo, nisi a se prius vitiata: quod cum 
aegre tandem ferrent Jadisidae , inter eos convenisse ut gladiis arena tectis 
regem una cum viris e Tasmo primariis ad convivium evocatum adorirentur, 
atque ita maximam Tasmi partem e medio sustulisse. De quo eorum facto 
Tasmidarum quendam apud Tobbaum Yamani regem questum, auxilium ab 
ipso contra eos impetrasse; qui ergo tribum Jadts adortus eos internecione 
delevit, adeo ut post haec nulla fere Tasml et Jadts memoria supersit/^ 

' de Sacy S. 547, 548 : „Arabes extinctl sunt Tasmitae et Djadisitae. Duae 
illae tribus partem peninsulae Arabum incolebant, cui Yemama nomen est. 
Apud Tasmitas regium fuit Imperium ; cumque res eo statu per sat longum 
temporis spatium perdurasset, solium conscendit e Taamltv^ nvc ^^^wsLVc&Äja^Ä 



182 Kapitel 32. Die Stämme Tasm und Djedis. 

Dieselbe Sage steht bei Nowairi, in dessen Werk über die 
Kriege der Araber vor der Hegira, in folgendem Zusammenhang: 
„Geschichte des Untergangs von Thasm und Gadis. 
Thasm war der Sohn des Laud, des Sohnes Arem's, des Sohnes 
Sem's, des Sohnes Noah's. Gadis war der Sohn Amer's, des 
Sohnes Arem's, des Sohnes Sem's, des Sohnes Noah's. Dies 
sind ächte Araber, wie einige Qeschichtschreiber versichern. Sie 
hatten ihren Sitz in Jemamah, was damals Gu hiess. Es herrschte 
über sie ein Thasmite, Namens Amlek, ein unbilliger und un- 
gerechter Mann, der den Untergang beider Stämme herbeiführte. 
Zu ihm kam einmal eine Frau Namens Hazilah, Tochter Ma- 
zen's, mit ihrem Ehemann, Namens Mas, der sie Verstössen hatte 
und nunmehr den von ihr gebornen Sohn für sich in Anspruch 
nahm. Diesen Streit brachten Beide vor den Eonig zum Schieds- 
spruch. Hazilah behauptete, das bessere Recht auf den Sohn 
zu haben, weil sie ihn neun Monate im Leib getragen, dann 
geboren und demnächst bis zur Sättigung gesäugt habe und 
keinen Nutzen von ihm erlangen könne, bevor er kräftige Glie- 
der erlange...; jetzt aber, sagte sie, wpUe ihr Ehemann ihr 
den Solin mit Gewalt entreissen. Der Mann entgegnete, er habe 
der Frau eine reichliche Ausstattung gegeben und daraus keinen 
andern Vortheil erlangt, als den unmündigen Knaben. Der 
König fällte das Urtheil, dass der Knabe in die Zahl seiner 
Häscher (Diener) eingereiht werden solle. Darüber entrüstet, 
schalt die Frau den König, worauf der König sehr erzürnt den 
Schwur that, er wolle künftighin nicht gestatten, 
dass eine Frau vom Stamm Gadis ihrem Gatten bei- 



et violentus, qui hunc morem instituit, ut ex Djadisitis nulla virgo ad sponsutn 
sibi destinatum deduceretur, quin prius eam rex ipse violaret, Quod cum ali- 
quamdiu tolerassent Djadisitae, tale tandem facinus indignati, in hoc consilium 
communi conseDsu convenerunt, ut gladiis sub arena conditis, regem convivio 
exciperent: qui ad convivium vocatus, ubi advenit, praecipuis Tasmitarum 
eum comitantibus, Djadisitae, arreptis gladiis, regem majoremque Tasmitarum 
partem necaverunt. Horum quidam cum fuga se eripuisset, ad Tobbaum 
Yemamae regem se contulit, qui tunc, ut quibusdam placet, Hasanus filius 
Asadi fuit, et de eo quod in regem Tasmitarum a Djadisitis factum fuerat, 
apud eum conquestus, auxilium ab ipso expetivit. Itaque ad Djadisidas 
profectus est Yemamae rex, eosque adortus internecione delevit: ita ut post 
haec nulla remanserit Tasmitarum et Djadisitarum memoria." 

♦ Säle (franz. Ausg.) S. 22: ... „fit une loi d^fendant qu'aucune fiUe de 
la Tribu de Jadis se mariät qu'il n'eut joui le premier les droits de l'^poux'* . . . ; 
Säle (engl. Ausg) S. 10: ... „tili a certain tyrant made a law, that no maid 
of the tribe of Jadls should marry, unless first defloured by him". . . 



Kapitel 32. Die Stämme Tasm und Djedis. 183 

wohne, bevor er selbst einen Versuch mit ihr gemacht 
habe. Dies wurde auch eine Zeit lang beobachtet, bis Afirah 
(Akirah), die Tochter AfiFar's (Akkar's), vom Stamm Gadis, 
Schwester Asvad's, eines vornehmen Gadisiten, von ihrem Ver- 
lobten, Namens Schamus, heimgeführt wurde; Sie ward der 
Gewohnheit gemäss von Amlek geschändet und begab sich, so- 
bald sie von ihm entlassen war, hinaus zu den Stammesgenossen^ 
noch blutig, mit einem vorn und hinten zerrissenen Hemd, 
und forderte die Gadisiten zur Rache für diese schwere Be- 
schimpfung auf. Die Gadisiten pflogen Bath und versprachen 
dem Asvad, Sohn AfiFar's, sie wollten seine Befehle ausfüjiren, 
wie sie auch sein möchten, in gleicher Weise, als die Thasmiten 
die Befehle ihres Königs befolgten. Als sie das Bedenken er- 
hoben, die Thasmiten seien ihnen an Zahl und Zurüstung über- 
legen, belehrte er sie, wie er durch List bei einem Gastmahl 
Alle aufheben und, während sie mit langen und weiten Ge- 
wändern bekleidet seien, mit Schwertern angreifen wolle. Afirah 
entgegnete zwar, KunstgrifiFe seien unwürdig und gereichten 
zur Unzier ; sie meinte , es sei besser , die Feinde in ihrem 
eigenen Gebiet, während sie unvorbereitet seien, anzugreifen, 
um in ofiPenem Kampf zu siegen oder mit Ehren zu sterben; 
allein Asvad verharrte bei seinem Vorhaben. Er bereitete also 
ein Gelage und befahl den Seinigen, die blanken Schwerter im 
Sand zu verbergen. Der Plan gelang. Dem Blutbad entging 
nur Einer, Rejah, der Sohn Morra's. Derselbe flüchtete sich zu 
Hasan, dem Sohn Tobbä's, und bat ihn um Hülfe, um das Ver- 
brechen der Gadisiten zu rächen. Anfänglich erklärten die vor- 
nehmen Jemenenser, sie hätten keine Kenntniss von Gadisiten und 
Thasmiten; und auf die Belehrung, dass sie Brüder (miteinander 
verwandt) seien, gaben sie den Bescheid, dass sie keinen Theil 
an der Sache nehmen wollten. Hasan aber fragte, ob sie glaub- 
ten, falls ihnen selbst so Etwas begegne, es schicke sich für 
ihren König, zu gestatten, das Blut seiner Unterthanen ungestraft 
zu vergiessen, und ob es nicht Aufgabe der Könige sei. Jedem 
das Seine zuzutheilen und Gerechtigkeit zu üben. Darauf billig- 
ten Alle die Meinung des Königs. Er befahl also, den Marsch 
nach Jemamah anzutreten. Als sie von dort noch drei Nachtreisen 
entfernt waren, theilte Rejah, der Sohn Morra's, dem Hasan, 
Sohn Tobbä's, mit, er habe eine Schwester Namens Jemamah, 
die mit einem Gadisiten verheirathet sei; dieselbe könne einen 
Reiter in der Entfernung von drei Nachtreisen erkennen; er 
fürchte daher, dass sie ihr Volk von der Ankunft der Reiter 



184 Kapitel 32. Die Stämme Tasm und Djedis. 

benachrichtigen möge. Deshalb rieth er dem König, zu be- 
fehlen , dass jeder Soldat einen aus dem Boden gerissenen Baum 
vor sich hertragen solle. Hasan befolgte diesen Rath. Die 
Schwester Rejah's sah die Bäume und rief: ,Gadisiten, Bäume 
kommen auf euch los.' ,Wie ist das möglich?' versetzten sie. 
,Ich sehe/ sagte sie, ,Bäume, und hinter ihnen Menschen. Ich 
sehe hinter einem Baum einen Mann, der entweder ein Schul- 
terstück (scapulam ^) zernagt oder einen Schuh zusammennäht.' 
Indessen die Gadisiten zeihten sie der Lüge und unterliessen des- 
halb die Eriegsrüstung. So kam es, dass die Himjariten, als 
sie noch eine Nachtreise von den Gadisiten entfernt waren, sich 
in Schlachtreihe stellten und früh Morgens die Unvorbereiteten 
erschlugen und das Land Jemamah verwüsteten. Asvad floh zu 
den Thaiten, welche ihn gegen alle seine etwaigen Verfolger in 
Schutz nahmen. Von seiner Familie ist noch die Rede bei den 
Thaiten. Alsdann befahl Hasan, der Jemamah die Augen aus- 
zureissen; als dies geschah, fand man darin schwarze Adern. 
Auf die Frage nach der Ursache davon erwiederte Jemamah, sie 
sei gewohnt gewesen, mit einem schwarzen Stein, welcher Ithmid 
heisse, sich die Augen einzureiben, und habe dadurch ein schär- 
feres Augenlicht erhalten. Sie soll die Erste gewesen sein, welche 
sich dieses Steins (Minerals) bediente. Endlich liess Hasan sie 
kreuzigen, am Thor von Gu. Man sagt, von ihr sei das Land, 
welches bis dahin Gu hiess, Jemamah genannt worden."^ 



^ Dies Wort erinnert an den elsässischen Ausdruck „Schüfel^^, d. i. eine 
geräucherte Schweinsschulter. 

^ Nowairi caput quintum de bellis Arabum ante hegiram, bei Rasmussen 
S. 81 — 83 : „Historia excidii Tasm et Gadis, Tasm ftlius erat Laudi, filii Aremi, 
filii Semi, ftlii Noachi. Gadis erat filius Ameri, filii Aremi, f. Semi, f. Noachi. 
Ui sunt genuini Arabes, ut historici quidam asseverant. Sedes suas habuerunt 
in Jemamah, tunc temporis Gu dicta. Imperavit illis Thasmita quidam, nomine 
Amluk [Amlek], vir iniquus et injustus, qui utriusque gentis exitium effecit. 
Accessit enim aliquand'o ad eum 'mulier quaedam, nomine Hazilah, filia Mazeni, 
cum marito suo, Mas dicto, qui eam repudiaverat, et nunc quidem voluit natum 
ab ea filium sibi vindicare. Hanc litem ad regis arbitrium retulerunt. Ha- 
zilah filium contendit optimo jure suum esse, quia eum per novem menses 
gestaverat, deinde partum ediderat, tum ad satietatem usque lactaverat, 
neque ullam utilltatem. ex eo capere pdituerat, antequam articuloe robustes 
adeptus erat, et bene moratus evaserat; nunc vero, inquit, velle maritum vi 
et violentia eum ipsi adimere. Contra maritus ad ea verba respnndit , se 
mulieri plenam dotem dedisse, neque vero aliud emolumentum ex ea dote 
cepisse, quam puerum insipientem. Kex eam tulit sententiam, ut puer satel- 
litibus (famulis) suis insereretur. Hinc indignabunda mulier versibus regem 
increpavit; qui valde offensus juravit, se unquam deinceps permittere noUe, 



Kapitel 32. Die Stämme Tasm und Djedis. 185 

In der Darstellung Nowairi's finden sich erhebliche Ab- 
weichungen von derjenigen Abulfeda's. Nowairi berichtet weit- 
läufiger als Abulfeda; er theilt die Namen der betreflFenden Per- 
sonen mit und fügt den Anlass hinzu, der den König Amlek 



ut foemina Gadisensia prius cum marito concumberet , quam ipse ejus experi- 
tnentum cepisset. Id etiam aliquamdiu observatum fuit, donec Afirah (v. Aki- 
rah), filia AflPari (v. Akkari), Gadisitis, soror Asvadi, domini Gadisitarum, 
ad sponsum, Schamus vocatum, deduceretur. lUa, pro recepto more ab Am- 
luko vitiata, ad gentiles, ut primum ab eo dimiesa erat, exivit, sanguinolenta, 
lacero indusio, tarn antrorsum, quam retrorsum, versusque recitavit, quibus 
Gadisitas ad ulciscendum haue gravem ignominiam excitabat. Gadisitae igi- 
tur, collatis consiliis, Asvado, fllio AfPari, promiserunt, se hac in re imperata 
ejus quaecunque essent, haud minus ac Thasmitae ipsorum regis, facere velle. 
Cum vero opponerent, Thasmitas plus numero et apparatu valere, docebat se 
velle eos doloso convivio omnes tollere et, longis largisque chlamydibus indu- 
tos, gladiis adoriri. Afirah quidem opposuit, indignos et dedecori esse dolos; 
melius esse affirmavit, hostes in suis sedibus imparatos invadere. et ita aperto 
marte aut vincere aut honeste mori; sed Asvad proposito stetit. Comparavit 
igitur epulas, suosque jussit, ut gladios nudos in arena conderent. Pros- 
pere cessit institutum. Necem solus evasit Rejah, fillus Morrae, qui ad Has- 
Sanum, filium Tobbäi aufugit, ejusque auxilium ad ulciscendum Gadisitarum 
scelus rogavit. Negabant primum proceres Jemenenses scire., quid essent 
Gadisitae et Thasmitae; edocti vero, quod fratres essent, profitebantur sibl 
nullas in ea re partes fore. Hasan autem interrogavit , si inter ipsos tale 
quid contigisset, crederentne, suum regem decere, sanguinem ipsorum impune 
efPundi permittere; si quidem id ipsum regum munus esset, suum cuique 
tribuere et justitiam administrare. Mox omnes sententiam regis approbarunt. 
nie igitur jussit iter ad Jemamah ingredi; unde cum trinoctli itinere abessent, 
edocuit Hasanum, filium Tobbäi, Rejah, filius Morrae, sibi esse sororem 
Jemamah vocatam, Gadisitae cuidam nuptam, quae equitem trium iioctium 
itineris spatio distantem agnoscere posset; timere itaque, ne illa gentem suam 
de adventu equitum admoneret. Hinc regi persuasit, ut juberet unumquem- 
que militem suam ante se gestare arborem, terra evulsam. Hasan consilium 
comprobavit. Soror vero Rejahi, his visis, o Gadisitae! inquit, arbores ad 
vos acceduut. Quomodo hoc? responderunt. Video, inquit, arbores, et post 
eas homines. Video virum post arborem, aut rodentem scapulam aut calceum 
consuentem. Sed Gadisitae eam mendacii arguerunt, ideoque se ad bellum 
parare neglexere. Hinc factum, ut Himjaritae, acie, cum unius noctis itinere 
a Gadisitis distarent , instructa , ' mane improvidos et incautos opprimerent, 
ferroque et rapinis regionem Jemamah vastarent. Asvad ad Thaitas aufugit, 
qui eum , quamvis ignotum , contra omnes eum requisituros in tutelam rece- 
perunt. Adhuc de familia ejus inter Thaitas mentio fit. Deinde jussit Hasan 
oculos Jemamae erui; tunc intra eos invenerunt nigras venas. Cujus rel 
causam, interrogata Jemamah respondit, se lapidem nigrum ithmid dictum 
oculis inspergere solitam, qui visum acutiorem reddidit. Dicitur prima fuisse 
eo lapide usa. Denique jussit Hasan eam crucifigi apud portam Gu. Dicunt 
ab ea appellatam esse regionem, antea Gu dictam, Jemamah/^ Hactenus 
Nuvairius. Daraus: v. Lilienstern S. 77, 78. — Wie mir Herr Dr. Stein- 



186 Kapitel 32. Die Stämme Tasm und Djedis. 

zum Zorn getrieben haben soll. Nach Nowairi hat der König 
Amlek nicht ein Gesetz erlassen, sondern einen Schwur gethan, 
und der Inhalt dieses Schwurs ist etwas anders angegeben, als 
der Inhalt des von Abulfeda bezeichneten Gesetzes. Eine von 
Caussin de Perceval mitgetheilte Erzählung derselben Sage stimmt 
in der Hauptsache theils mit Abulfeda, theils mit Nowairi üter- 
ein und enthält einige selbständige Angaben, welche aus den von 
ihm angeführten andern Quellen ^ entnommen sein mögen \ 

Man streitet darüber, ob die Vernichtung der Stämme Tasm 
und Gjadis zur Zeit des Perserkönigs Darius Eodomannus (der 
in der Schlacht bei Issus im Jahr 333 v. Chr. von Alexander 
d. Gr. besiegt wurde) oder etwas früher oder zur Zeit Ardeschir's, 
der gegen 220 n. Chr. Geb. die Dynastie der Sasaniden gründete, 
oder noch später erfolgt ist. Bei Hamza und Abulfeda findet 
sich die Meldung, Dhu Habshan (Dzu Djeischan), der Sohn Acran's, 
des Sohnes von Abimalich, sei der König gewesen, der zur Zeit 
des Darius, Sohnes des Darius, des Sohnes von Bahman, und seiner 
Nachfolger, vor der Herrschaft Alexander's, die Tasmiten und 
Giadisiten besiegte^. Dies führt auf die Zeit des Perserkönigs 



Schneider mittheilt, wird Stibium (Spiessglanz) schon bei Dioskorides und bei 
Galenus als Augenmittel empfohlen; es ist ein Heilmittel arabischer Aerzte. — 
Ueber die Erzählung vgl. auch die himjarische Kasideh, Vers 77—80, bei 
V. Kremer 1865, S. 16—19, und die auf 'Ubeid I. Sarjeh zurückgeführte Sage, 
bei V. Kremer 1866, S. 88. 

1 Diese Citate sind: Aghäni IH, 15; Ibn-Khaldoun , Ms. Bibl. Nat. R. B. 
2402 I 1838, fol. 11; und Ibn-Badroun ed. R. Dozy S. 53—56. 

2 Caussin de Perceval S. 28: „Les tribus de Tasm et de Djadls ^taient 
gouvern^es par un roi nomm^ Amloük, de la race de Tasm. II tenait les 
Djadicites sous une dure oppression. II les avait Obligos de se soumettre k 
l'humiliant usage de lui präsenter toutes les jeunes fiUes qui devaient se 
marier, et ne permettait pas qu^elles fussent conduites ä la demeure de leurs 
Spoux avant quHl leur eüt enlevS leur virginitS. II jouit de ce droit du 
seigneur pendant assez longtemps. Enfin il l'exerQa sur la jeune Qhofayra, 
surnomm^e Chamoüs, la r^tive, soeur d'Aswad, fils de Ghifär, Tun des princi-^ 
paux personnages de la tribu de Djadls. Aswad, pour venger cet affront et 
d^livrer les siens de la tyrannie d'Amloük , forma un complot avec les chefs 
Djadicites. Ils invit^rent Amloük et les membres de sa famille k un grand 
repas. Au milieu de la f&te, saisissant leurs armes qu'ils avaient cach^es 
sous le sable, ils tomb^rent sur Amloük et les enfants de Tasm, et les massa- 
erfreut. Un seul ^chappa; il s'appelait Ribäh, fils de Mourra. II se r^fugia 
dans le Yaman auprös de Hass&n, fils de Tobba, souverain himyarite, qui, k 
son instigation, entreprit ensuite une exp^dition contre la tribu de Djadis, 
et l'extermina." 

» Hamza, lib. 8, bei Gottwaldt Bd. 2 S. 101 und bei Schultens S. 29, 31; 
Abulfeda aus Hamza, bei Schultens S. 9, 11 und bei Fleischer S. 117. Vgl. 



Kapitel 32. Die Stämme Tasm und Djedis; 187 

Darius KodomaDnus *. Jedoch nach den weiteren Berichten Hamza's 
erfolgte die Auflösung der beiden Stämme erst einige Jahr- 
hunderte später, unter Hassan, dem Sohn Tobba's und Vorgänger 
Amr's ^. Dieser letztgenannte König (nämlich Amr, mit dem Bei- 
namen Dzu'1-Avad) soll ein Zeitgenosse des Perserkönigs Sapor I. 
(238 — 271 n. Chr. Geb.) gewesen sein ^ Nun können zwar die 
beiden Nachrichten Hamza^s dahin vereinigt werden, dass sowohl 
durch König Dhu Habshan, zur Z^it des Perserkönigs Darius 
Kodomannus, als auch durch König Hassan, zur Zeit des Königs 
Ardeschir, Kriege gegen Tasm und Djadis geführt, und dasa 
diese Stämme in beiden Kriegen besiegt, jedoch erst durch 
den letzteren völlig ausgerottet wurden. Allein es besteht Streit 
darüber, ob Dhu Habshan zur Zeit des Darius Kodomannus oder 
erst von 160 — 175 n. Chr. Geb. regierte*; und ob Hassan, der 
Sohn Tobba's, etwa im Jahr 238 die beiden Stämme vernichtet hat ^, 
oder ob die Lebenszeit dieses Königs anders zu bestimmen ist*. 



de Sacy, M^^^m. S. 521, 524. — Nuweiri, bei Schultens S 59, 61, bezeichnet den 
Akran, Sohn des Abimalich (also den Vater des erwähnten Dhu Habshan), als 
den König, der die beiden Stämme vernichtete. Vgl. dazu de Sacy, M^m. S. 521. 

* V. Lilienstern S. 78, 137, 323. 

2 Hamza, lib. 8, bei Gottwaldt Bd. 2 S. 103 und bei Schultens S. 38. 

3 Vgl. die bei Hamza (Ausg. von Gottwaldt Bd. 2 S. 104) erwähnte Nach- 
richt eines Schriftstellers; de Sacy, M^m. S. 525, 588. 

* Vgl. de Sacy, M6m. S. 540-542. 

* Dies meinen de Sacy, M^m. S. 538, 539, und Caussin de Perceval S. 100, 
vgl. auch S. 29. 

^ Ein Hauptgrund der Ungewissheit liegt darin, dass in den Stammtafeln 
weit hinter Tobba dem Zweiten wieder ein Tobba der Erste und später 
ein Tobba der Mittlere erwähnt werden (vgl. v. Lilienstern S. 592, 598, 
Tafel I A bis B und die Tafeln III bis V), also vermuthlich mehrere Könige 
Yemens als Tobba I. etc. bezeichnet wurden. Vgl. auch Gottwaldt's Ausgabe 
von Hamza, Bd. 2. S. 101, 102, mit den Bemerkungen in Bd. 1 S. XIV— XVI 
(wodurch die Schwierigkeit nicht gehoben sein dürfte). "Wäre ferner der ge- 
nannte Amr Ihn Tobba ein Zeitgenosse des Perserkönigs Sapor I. gewesen, und 
hätte Dhu Habshan ben Al-Acran zur Zeit des Darius Kodomannus regiert, 
so würde zwischen Beiden ein Zeitraum von fünf- bis sechshundert Jahren 
liegen, und es würde unerklärlich sein, dass in dieser Zwischenzeit, wie 
Hamza (lib. 8, bei Gottwaldt S. 102, 103) berichtet, nur vier Könige regierten. 
Deshalb wird vermuthet, dass die Stelle aus Hamza lückenhaft sei. (Vgl. de 
Sacy, M6m. S. 523.) Einen weitern Fehler Hamza's glaubt de Sacy (M^m. S 541) 
darin finden zu müssen, dass derselbe den Kotsay als Sohn von Genara be- 
zeichne ; er meint, „Cenara^ sei ein Schreibfehler für Kenana, doch sei Kotsay 
nicht Sohn des Kenana, sondern dessen Nachkomme im neunten Grad gewesen. 
Reiske und de Sacy vermuthen, Hamza habe an der Stelle, wo jetzt der 
Name Kotsay steht, von Nadhr, dem Sohn des Kenana , sprechen wollen , der 
zu den Vorfahren Mohammed's gehörte und um 142 n. Chr. Geb. geboren sei. 



188 Kapitel 32. Die Stämme Tasm und Djedis. 

Eine dritte Nachricht geht dahin, dass Hassan, der Sohn von Tobba 
Asad, zu der Zeit über Yemen regierte, als Godzaimah al Ab- 
rasch (der Aussätzige) König von Hira war^, dass also damals 
die Vernichtung der Stämme Tasm und Djadis erfolgte. Jedoch 
besteht keine Gewissheit darüber, wann Godzeimah der Aus- 
sätzige regierte ; die Nachricht, dass er im Jahr 44 n. Chr. Geb. zur 
Regierung gelangt sei ^, ist unsicher. Es steht also nicht fest, um 
welche Zeit die AraberstämmaTasm und Gjadis ausgerottet wurden. 
Die Sage, die den Grund des Vernichtungskampfes auf die 
fraglichen Gewaltthätigkeiten eines Herrschers vom Stamm Tasm 
zurückführt, scheint erst gegen Ende des dreizehnten oder An- 
fang des vierzehnten Jahrhunderts entstanden zu sein. Sie findet 
sich weder bei Hamza noch bei Abulfaragius ^. Der letztgenannte 
Schriftsteller bemerkt, es gebe über die erloschenen Araberstämme, 
zu denen die Stämme Tesm und Jadis gehörten, weder sichere 
Nachrichten, noch Mittel, solche zu erlangen^. Daher lässt sich 
annehmen, dass ihm die fragliche Sage unbekannt war, weil er 
sonst Veranlassung hatte, sie zu erwähnen. Die Quelle, woraus 
Abulfeda die Sage entnommen hat, ist nicht bekannt und von 
ihm selbst nicht bezeichnet^. 

(Vgl. de Saey, M^m. S. 541, 542.) Diese Vermuthung wird durch Gottwaldt 
insofern bestätigt, als derselbe die fragliche Stelle (Bd. 2 S. 102, auch Bd. IS. XV) 
dahin übersetzt: ,,Ii, qui Dzu Djeischano successerunt, Alexandri tempore, id 
est tempore Nadhr, filii Kenanae, regnavere." A. v. Kremer (1866 S. XII) 
hält die Synchronismen Hamza's für ungetreu und verlegt die Herrschaft des 
ersten Tobba in die Zeit von 200—250 nach Chr. Geb. 

^ Rasmussen S. 83,^ im Einklang mit Hamza cap. 6, de Lachmitis, bei 
Rasmussen S- 4, 5. 

* Vgl. de Sacy, M6m. S. 579. 

* Abu*l-Farag bedeutet Vater von Farag; Bar heisst Sohn. Daraus 
erklärt sich der Name Abu 'l Farag Gregorius Bar-Hebraeus. Er war Christ, 
Sohn eines Juden, und schrieb arabisch. Pocock S. XII n. XIII (Ausg. 1806) 
nimmt an, er habe von 1221 bis 1297 oder 1305 gelebt. Steinschneider (1877 
S. 101) giebt nach älteren Auctoritäten das Jahr 1286 als Todesjahr an. 

* Abulfaragius, bei Pocock S. 3: ,,De Arabum moribus ante Mohammedem. 
Duo sunt, inquit Al-Kädi SaSid Ebn Ahmed Andalosenus, Judex urbis 
Tolaitelae, Arabum- genera; unum quod periit, alterum adhuc superstes. 
Quod ad illos qui perierunt, gentes erant copiosae, velut Ad et Thomüd et 
Tesm et Jadls, qui quod ita pridem deleti sunt, certis eorum memoriis 
destituimur, et defecerunt proraus rationes quibus in ipsorum vestigia in- 
quiramus.^ Der hier erwähnte Gelehrte, S&l[d, Sohn dos Ahmed, starb am 
16. Juli 1070. Vgl. Steinschneider, 1867 S. 1 und 141. 

* Vgl. Abulfeda 8. 181: ^Historiae scriptores Arabes in tria genera divise- 
runt: Batda, Exatinctos, 'Ariba, Indigenos, Mostha* riba, Insititios. Ex- 
stincti sunt prisci illi Arabes, quorum historia accuratior propter temporum 



Kap 33. Die Adyrmachiden. Kap. 34. Ein Tyrann von Kephalonia. 189 

II* Africa: Herodot's Nachricht Aber die Adyrmachideii* 

Kapitel 33. Bei Beschreibung der einzelnen libyschen Volks- 
stämme hebt Herodot als eine Eigenthümlichkeit der Adyrmachi- 
den, die an Aegypten grenzten, den Gebrauch hervor, dass sie 
die Jungfrauen , die heirathen wollten , dem König vorstellten, 
und dass der König die, welche ihm gefiel, deflorire ^ Diese 
Nachricht nimmt in den Untersuchungen moderner Schriftsteller 
über das jus primae noctis einen hervorragenden Platz ein; und 
sie verdient Beachtung wegen ihres hohen Alters, da das Werk 
Herodot's um 450 v. Chr. Geb. verfaast ist. Allein zunächst 
können die Erzählungen über sonderbare Unsitten barbarischer 
Völker, die Herodot den griechischen Sitten gegenüberstellt, im 
Allgemeinen als geschichtlich beglaubigt nicht ohne Weiteres an- 
genommen werden. Sodann ist es nicht gerechtfertigt, den mo- 
dernen Ausdruck „jus primae noctis" auf eine Nachricht Hero- 
dot's anzuwenden. Wäre der Beweis eines solchen Rechts in 
jener Stelle zu finden, so würde diese Nachricht vereinzelt da- 
stehen , und kein Grund zu der Annahme vorliegen , dass die 
geschilderte Unsitte eine allgemeine Bedeutung für die Cul- 
turgeschichte damaliger Zeit gehabt habe^. Aber auch der 
Inhalt jener Stelle ist ungeeignet, als Beweis eines Rechts der 
ersten Nacht zu gelten. Es ist darin weder von der Hochzeits- 
nacht, noch von einem Recht des Königs die Rede. Im Wesent- 
lichen geht der Sinn der Nachricht dahin, dass die Adyrmachiden 
den Gebrauch beobachteten, ihre heirathsfähigen Töchter dem 
König zur Geschlechtsgemeinschaft anzubieten. 

III* Enropa« 

a. Grieohenland. Ein Tyrann von Kephalonia. 

Kapitel 34. In den Fragmenten von Heraclides Ponticus 
(Schüler von Plato und Aristoteles) wird von der ionischen Insel 



vetustatem noa fugit. ... De Arabum exstinctorum historia paucissima super- 
sunt, quae jamjam enarrabimus". . . . 

* Herodot lib. 4 § 168: . . . „ouioi U |jLoOvot Atßutüv toOto ipydlio'iTOU, aolX 
Tiji ßaai>v^i [jLO'jvoi td; itapi^ivou; fjLEXXoüaa? a'jvotxieiv ^TriSeixvuouai • 9] 8e civ tuJ» ßaai- 
Xii dpeaiTj Yävrjtai, utio xo-iiou oiaTrapOeveuETcti" . . . Vgl. Polyd. Verg. lib. 1 
cap. 4, S. 19 ; Petr. üregor. lib. 9 cap. 1 n. 45, S. 605 ; Ducange unter Mar- 
cheta; C. F. Hoifmann S. 58; v. d. ScheUing Bd. 1 S. 147; Zedier Bd. 1 
S. 597 unter Adyrmachiden; Demeunier Bd. 1 S. 237; Bachofen S. 173, 328; 
Giraud-Teulon S. 70; Liebrecht 1864, S. 541, ebenso 1874, S. 140 und 1879, 
S. 419. 

2 Vgl. oben Kap. 4 S. 18 und Kap. 7 S. 38. 



190 Kapitel 35. Die Sklaven in Yolsinii. 

Kephalonia, die damals Eephalenia hiess, Folgendes erzählt: ^In 
Kephalenia herrschte der Sohn des Promnesus, ein unsanfter und 
rauher Mann, der seinen Bürgern nur zwei Feste gestattete und 
in jedem Monat nur zehn Tage lang den Aufenthalt in der Stadt 
erlaubte. Die Mädchen erkannte er selbst, bevor sie 
Terheirathet wurden. Ein gewisser Antenor aber kam mit 
einem Schwert, in Frauenkleidung, in das Schlafgemach und 
tödtete ihn. Deshalb erlangte er solche Ehre, dass er vom Volk 
zum Fürsten erwählt wurde. Aber auch da's Mädchen, für wel- 
ehes er zum Tyrannen eintrat, ward geehrt." * 

In dieser Stelle finden einige Schriftsteller des neunzehnten 
Jahrhunderts einen Beweis des jus primae noctis ^. Allein es ist 
darin von der Nacht keine Rede. Noch weniger wird von einem 
Recht gesprochen. Im Gegentheil ist aus dem Wortlaut der 
Nachricht deutlich zu ersehen, dass jener Tyrann, dessen Name 
nicht mitgetheilt wird, Gewaltthätigkeiten verübte und dadurch 
mit dem Rechtsbewusstsein des Volks in Widerspruch trat; dass 
er zur Strafe für diese Verbrechen den Tod fand; und .dass die 
Handlung dessen, der ihn erschlug, um ein Mädchen vor ihm zu 
schützen, als Heldenthat gefeiert wurde und den Thäter zum 
Thron führte. JEs ist also nicht zulässig, die erwähnten Schand- 
thaten eines einzelnen Tyrannen der Insel Kephalonia so darzu- 
stellen, als ob dieselben durch die Rechtszustände des Alterthums 
begründet würden^. 

b. Römisohes Reich. 

1. Herrschaft der Sklaven zu Volsinii. 

Kapitel 35. Valerius Maximus erzählt, als die Sklaven zu 
Volsinii in Etrurien herrschten, hätten sie ein Gesetz erlassen, 
dass die von ihnen an Wittwen oder Ehefrauen verübten Schän- 
dungen straffrei sein sollten, und dass keine Jungfrau sich mit 
einem Freien vermählen dürfe, bevor Einer aus der Zahl der 



* Heracl. Pont. XXXII, KecpaXXi^vtüv, bei Schneidewin S. 25, bei C. MüHer 
Bd. 2 S. 222 : 'Ev KecpaXXrjvfo npofxvVjcou ulo? IxpcttTjae • xotl ^aXeiroc -^^v, xal iopxdc 
irXiov Suotv oux iTieTpeirev, o68' ^v udXet StaiTÖla^at irX^ov ifjfjL^pa? S^xa toO [xt)v(Jc. 
Tct? Te x(5pac lipo tou yafxfcfxea^at «6x6; ^yfvajaxev. AvT/^vojp hl Xaßwv ^icpföiov xal 
Yuvatxe(av la^ta, ^vSoacifASvoc zh t)]v xo^tt^v dirixTetve* xal 6 Stjjao; aixov Ix^fi-Tjae 
aal Tfjyefxdva xaT^iTTjae* xal ilj x<Jp7], uir^p ^5 aito; eiai^ei, lirixXrjpo; ly^veTO. 

* Bachofen S. 18. Liebrecht 1864, S. 541 und 1879, S. 419. 

' Dieser Fehler findet sich bei Bachofen. Vgl. darüber oben Kap. 7 
S. 37, 38. 



\ 



Kapitel 36. Kaiser Caligula. 191 

Sklaven sie entehrt habe ^ Diese Angabe kann in ihrem Zu- 
sammenhang nur dahin verstanden werden, dass die Sklaven die 
kurze Herrschaft, welche sie durch einen Aufstand in Volsinii 
erlangten, zu Ausschweifungen und Willkürhandlungen miss- 
brauchten. Ein bestimmtes Zeugniss für ein Herrenrecht der 
ersten Nacht ist darin nicht zu finden. 

2. Ein Gesetz des Kaisers Caligula. 

Kapitel 36* Sueton berichtet, Kaiser Caligula habe neue 
und unerhörte Steuern, erhoben, ohne irgend eine Menschenklasse 
zu verschonen, namentlich von Dienstmännern den achten Theil 
ihrer Tageseinnahme, und von dem Fang (der Einnahme) der 
Prostituirten soviel, als jede bei einem Beischlaf verdiene; nach 
einem Zusatz zu diesem Theil des Gesetzes sollten auch Weiber, 
die gewerbsmässige Unzucht, und Männer, die Kuppelei (vor 
Erlass des Gesetzes) getrieben hatten, mit dem dadurch erwor- 
benen Vermögen zu der Steuer herangezogen werden, und auch 
rechtmässige Ehen sollten der Steuer unterworfen 
sein^. Diese Stelle handelt lediglich von Steuern; schon da- 
durch widerlegt sich die auch sonst unverständliche Meinung eini- 
ger Schriftsteller ^, dass Caligula bei allen Heirathen im römischen 



* Val. Max. lib. 9 cap. 1 de luxuria et libidine, § 2: ... „Postremo lege 
sanxerunt, ut stupra sua in viduis pariter ac nuptis impunita essent; ac ne 
qua virgo ingenuo nuberet, cujus castitatem non ante ex numero ipsorum ali- 
qui8 delibasset." Vgl. Petr. Gregor, lib. 9 cap. 1 n. 45, S. 606; C. P. Hoff- 
mann S. 57 ; Bastian S. 189. 

2 Suetonius lib. 4 (Caligula) cap. 40: „Vectigalia nova atque inaudita 
primum per publicanos, deinde, quia lucrum exuberabat, per centuriones 
tribunosque praetorianos exercuit, nuUo rerum aut hominum genere omisso, 
cui non tributi aliquid imponeret. Pro edulibus , quae /tota urbe venirent, 
certum statutumque exigebatur : pro litibus atque judiciis , ubicunque con- 
ceptis , quadragesima summae , de qua litigaretur ; nee sine poena , si quis 
composuisse vel donasse negotium convinceretur : ex gerulorum diurnis quaesti- 
bus pars octava, ex capturis prostitutarum , quantum quaeque uno concubitu 
mereret. Additumque ad caput legis , ut tenerentur publice , et quae mere- 
tricium et qui lenocinium fecissent; nee non et matrimonia ohnoxia essent.^ 
Vielleicht ist der letzte Satz dieser Stelle anders auszulegen, als oben 
geschehen ist. Allein keinenfalls ist darin vom jus primae noctis die Rede. 
Die ganze Stelle handelt lediglich von der Habsucht des Kaisers. 

^ Vgl. Boxhorn zu Sueton lib. 4 cap. 40; Burmann bei Panckrouke zu 
Sueton lib. 4 cap. 40. — Aus der Stelle Sueton's ist nicht zu ersehen, nach 
welchen Rechnungssätzen die Steuer von Eheleuten erhoben werden sollte, 
auch nicht, ob sie bloss einmal oder in wiederkehrenden Zeiträumen, etwa 
jährlich, zu zahlen war. Torrentius sagt, die Steuer sei erhoben worden, „si 



192 Kapitel 37. Kaiser Maximin. 

Reich für sich das Herrenrecht der ersten Nacht in Anspruch 
genommen habe. 

3, Ew Massregel des Kaisers Maximin, 

Kapitel 37. Nach Beschreibung der Christen Verfolgung, die 
unter Maximin^ stattfand, spricht Lactantius von den übrigen 
Schandthaten dieses Kaisers. „Er übertraf alle seine Vorgänger 
in der Begierde, zu verführen, die ich nur als blind und unge- 
zügelt bezeichnen kann, obwohl sie mit diesen Worten nicht in 
ihrer ganzen Nichtswürdigkeit ausgedrückt wird. Die Sprache 
versagt den Dienst bei der Grösse des Verbrechens. Verschnittene 
und Kuppler durchsuchten Alles. Wo immer eine einigermassen 
üppige Gestalt war, mussten sich Väter und Ehegatten von Töch- 
tern und Frauen trennen. Den vornehmen Frauen und den Jung- 
frauen wurden die Kleider ausgezogen, und sie wurden an den 
einzelnen Gliedern untersucht, ob nicht irgend ein Körpertheil der 
königlichen Lagerstätte unwürdig sei. Hatte sich Eine diesen 
Untersuchungen entzogen, so wurde sie ertränkt, als ob Keusch- 
heit unter einem solchen Ehebrecher ein Majestätsverbrechen wäre. 
Einige Männer tödteten sich selbst, weil sie den Schmerz nicht 
ertragen konnten, dass ihre Gattinnen, die sie wegen ihrer ehe- 
lichen Keuschheit und Treue lieb hatten, geschändet waren. Keine 
Keuschheit blieb vor diesem Ungeheuer unverletzt, sofern seine 
barbarische Wollust nicht etwa durch ausgezeichnete Hässlichkeit 
gebändigt wurde. Endlich hatte er sogar den Brauch 
eingeführt, dass kein Mann ohne seine Erlaubniss 
heirathete, damit er selbst bei allen Hochzeiten der 
Vorkoster sei. Edle und unversehrte Jungfrauen gab er seinen 



qui in matrimonio turpiter et incontinenter viverent, aut etiam quoties con- 
cumberent conjuges^^ Isaak Casaubonus meint, sie sei zu zahlen gewesen, 
„quoties liberis operam darent". Diese Vermuthungen verdienen keinen Bei- 
faU, da die bezeichneten Voraussetzungen nicht leicht festzustellen sind. 
Die Meinung, dass die Steuer nur flir zweite und spätere Heirathen eingeführt, 
also gewissermasen eine poena secundarum nuptiarum gewesen sei (Brodeau 
S. 273), ist mit dem Wortlaut schwer zu vereinigen. Die Schlussworte 
würden für sich allein dahin verstanden werden können, dass die Steuer von 
Prostituirten auch dann erhoben werden sollte , wenn sie verheirathet waren ; 
doch passt diese Auslegung nicht in den Zusammenhang mit der Steuer der 
Kuppler. 

* Cajus Galerius Valerius Maximinus, Neffe des Kaisers Galerius, erklärte 
sich im Jahre 307 zum Augustus und starb zu Tarsis im Jahr 313 (an einer 
schrecklichen Krankheit oder durch Selbstmord). 



Kapitel 37. Kaiser Maximin. 193 

Sklaven zu Gattinnen. Auch die Statthalter dieses Fürsten 
ahmten sein Beispiel nach und verletzten ungestraft die Lager* 
Stätten ihrer Unterthanen. Wer hätte sich rächen können? Die 
Töchter geringer Leute raubte Jeder, wie ihm beliebte. Vor- 
nehme Damen, die nicht geraubt werden konnten, wurden bei 
GFunstbezeugungen erbeten; unterschrieb der Kaiser, dass man 
zu Grunde gehen oder einen Barbaren als Schwiegersohn an- 
nehmen solle, so musste man sich dieser Wahl unweigerlich 
unterziehen. Denn fast alle Trabanten (Leibdiener) an seiner 
Seite gehörten zum Stamm Derer, die zur Zeit der Yicennalien 
(d. h. der Feier der zwanzigjährigen Regierung des Kaisers Ma- 
ximian, im Jahr 304) aus ihrem Land durch die Gothen vertrieben 
waren und sich dem Maximian, dem Uebel der Menschheit, er- 
geben hatten, so dass sie in der Flucht vor der Knechtschaft der 
Barbaren unter die Herrschaft der Römer gelangten. Ton solchen 
Helfershelfern und Beschützern umringt, trieb der Kaiser mit dem 
Morgenland sein Spiel.** * ^ 

Es kommt hier hauptsächlich auf Auslegung des Satzes an: 
^Postremo hunc jam induxerat morem, ut nemo uxorem sine per- 
missu ejus duceret, ut ipse in omnibus nuptiis praegustator esset. ^ 
Das Wort praegustator (Vorschmecker) ist hier, wie der Zu- 



1 Lactantii liber ad Donatum Confessorem de Mortibus Persecutorum, 
cap. 38: „lUud vero capitale, et supra omnes, qui fuerunt, corrumpendi 
cupiditas, quid dicam nescio, nisi coeca et eifraenata, et tarnen his verbis 
exprimi pro indignatione sua non potest. Vincit officium linguae sceleris 
magnitudo. Eunuchi, lenones scrutabantur omnia. Ubicunque liberalior facies 
erat, secedendum patribus ac maritis fuit. Detrahebantur nobilibus foeminis 
vestes, itemque virginibus, et per singulos artus inspiciebantur, ne qua pars 
corporis regio cubili esset indigna. Si qua detrectaverat, in aqua necabatur; 
tanquam majestatis crimen esset sub illo adultero pudicitia. Aliqui, constu- 
pratis uxoribus, quas ob castitatem ac fidem carissimas habebant, quum do- 
lorem ferre non possent, se ipsos etiam necavterunt. Sub hoc monstro, pudi- 
citiae integritas nulla, nisi ubi barbaram libidinem deformitts insignis arcebat. 
Postremo hunc jam indtucerat morem , tU nemo uxorem sine permissu ejus du- 
ceret, ut ipse in omnibus nuptiis praegustator esset, Ingenuas virgines imminutas 
servis suis donabat uxores. Sed et Comites ejus sub tali Principe imitabantur 
[hoc exemplum, et civium] suorum cubilia impüne violabant. Quis enim 
vindicaret? Medlocrium Alias, ut cuique libuerat, rapiebat. Primariae, quae 
rapi non poterant, in beneficiis petebantur; nee recusari licebat, subscribehte 
Imperatore, quin aut pereundum esset, aut habendus gener aliquis barbarus. 
Nam fere nullus stipator in latere ei, nisi ex gente horum, qui a Gothis 
tempore vicennalium terris suis pulsi, Maximiano se tradiderunt, malo generis 
humani, ut Uli barbaram servitutem fugientes, in Romanos dominarentur. 
His satellitibus et protectoribus cinctus, Orientem ludibrio habuit.^ Daraus: 
Grupen § 1 S. 1; Michelet S. 268; Pericaud S. 10; Kolb 1842, 8. 495. 

Schmidt, Jus primae noctis. 13 



194 Kapitel 38. Das Rtg8m41-Lied. 

sammenhang zeigt, nicht in seiner ursprünglichen Bedeutung, 
sondern bildlich zu verstehen ^ Daraus ergiebt sich die Aus- 
legung, dass nach Meinung des Lactantius der Kaiser Maximin 
Gelegenheit suchte, die Bräute seiner Unterthanen zu entehren^. 
Das Mittel, wie er diesen Zweck erreichen wollte, war nicht eine 
kaiserliche Verordnung, sondern die Einführung eines Gebrauchs. 
Danach heirathete „Niemand^ ^ ohne Genehmigung des Kaisers. 
Also soll der Kaiser auf die Männer seiner Umgebung und auf 
alle Männer, die sich durch ihn bestimmen Hessen, den Einfluss 
ausgeübt haben, dass dieselben nicht heiratheten, ohne ihn um 
Erlaubniss zu fragen ; und zwar in der Meinung, dass der Kaiser 
dadurch Gelegenheit haben sollte, ihre Bräute zu entehren. Als- 
dann aber erscheint die Nachricht als unglaublich, und es liegt die 
Yermuthung nahe, dass Lactantius in dem Bestreben, die Schlech- 
tigkeit des Kaisers zu schildern, einem übertriebenen Bericht 
Glauben geschenkt und Ausdruck gegeben hat. Keinenfalls ist 
es gerechtfertigt, die Stelle des Lactantius dahin auszulegen, dass 
der ELaiser und seine Statthalter das jus primae noctis (oder jus 
deflorationis) für sich in Anspruch genommen und ausgeübt hät- 
ten. Denn Lactantius spricht nicht von Ausübung eines vermeint- 
lichen Eechts, sondern von Schandthaten eines Tyrannen und 
seiner Helfershelfer*. 

0. Nord-Europa. 
1, Eine Stelle de^ Rigsmdl- Liedes, 

Kapitel 38« Helfferich meint, in der nordischen Dichtung 
kämen Züge vor, die aus dem jus primae noctis ein Vorrecht der 
Götter machten ^. Dies ist ein Irrthum. Die Meinung stützt sich 



^ Ursprünglich bezeichnet das Wort praegustator Denjenigen, der Speisen 
oder Getränke vorschmeckt oder vorkostet, bevor dieselben Andern vorgesetzt 
werden. Vgl. Baluzius zu der angeführten Stelle des Lactantius. Doch 
braucht schon Cicero in der Rede pro domo den Ausdruck „praegustator libl- 
dinum^; deshalb versteht TolUus die Stelle des Lactantius (in einer An- 
merkung dazu) von einem ,gus deflorationis^^ 

' Was hier von „allen Hochzeiten ^^ gesagt ist, kann nach der Natur der 
Sache nicht auf den Umfang des oströmischen Kaiserreichs bezogen werden, 
sondern nur auf den Umkreis, in welchem der Kaiser seine WoUust befriedigte. 

^ „Niemand^ muss ebenso wie der Ausdruck „bei allen Heirathen^^ in ein- 
geschränktem Sinn verstanden werden. 

* Vgl. Grnpen S. 1 — 4; de Gubernatis, Usi S. 200: . . . „puö essere un caso 
isolato di arbitrio sovrano^S . . . 

» Helfferich S. 418, 419. 



Kapitel 39. Die Hebriden. 195 

lediglich auf das Rigsmäl-Lied der Edda, wonach der Gott Heim- 
dallr unter dem Namen Eigr die grünen Wege der Erde durch- 
wanderte und die menschlichen Stände gründete. ^An der Mee- 
resküste fand er eine Hütte mit offener Thür. Zwei Eheleute, 
Ai und Edda, bewirtheten ihn drei Nächte mit grober Kost. 
Nach neun Monaten genas Edda eines Kindes mit schwarzer 
Haut, von dem das Geschlecht der Thräle (Knechte) stammt . '. . 
Ihm vermählte sich Thyr, die Dirne. Rtgr aber wanderte weiter 
und fand ein Ehepaar, Afi und Amma, in eigenem Hause woh- 
nen, bei dem er wieder drei Tage blieb . . . Nach neun Monaten 
genas Amma eines Kindes , das Karl genannt ward ^ • • Er 
freite ein Weib, das Snör hiess; von ihnen stammen die freien 
Bauern. Rigr aber wanderte weiter und gelangte zu einer Halle 
mit leuchtendem Ring, worin Yater und Mutter sassen und an 
den Fingern spielten . . . Auch hier blieb Rtgr drei Nächte, 
bei guter Bewirthung; nach neun Monaten aber gebar die Frau 
ein Kind mit lichter Locke, leuchtender Wange und scharfem 
Blick, das Jarl genannt ward . . . Dem Jarl vermählte sich die 
gürtelschlanke, adelige, artliche Erna. Yon ihnen stammen die 
Edeln und Fürsten.*'* In dieser Göttersage, worin die mensch- 
lichen Stände auf göttliche Gründung zurückgeführt werden, findet 
sich keine Spur eines jus primae noctis, und nicht einmal eine 
Erwähnung der Hochzeitsnacht. 

2, Eine Nachricht des Solinus über die Hebriden. 

Kapitel 39. Um die Behauptung zu erläutern, dass schon 
in alter Zeit und bis nach Asien und Afrika hin das jus primae 
noctis geherrscht habe, bemerkt Liebrecht: „So übte es nach So- 
linus c. 22 der König der Ebudischen Inseln." ^ Die „Ebudi- 
schen" Inseln liegen weder in Asien, noch in Afrika, sondern 
in Europa; es sind die Hebriden. Solinus erzählt, der König 
der Hebriden habe kein Privateigenthum und keine Familie, son- 
dern erhalte Alles aus der Gemeinschaft; ihm werde keine be- 
sondere Frau gegeben, sondern er nehme abwechselnd jede Frau, 
zu der er Neigung habe, in seinen Gebrauch \ Es bedarf keiner 



1 Simrock § 89, 2. Aufl. S. 301, 302. Vgl. Grimm, Myth. 4. Ausg. Bd. 1 
S. 194, 299; Haupt Bd. 2 S. 266, 267 (im Aufsatz J. Grimm's über die un- 
gleichen Kinder Eva's); Scherr 1865, B. 100, 101. 

s Liebrecht 1864, S. 641 , ebenso 1874, S. 140 und 1879, S. 419. 

' Solinus cap. 25 (oder cap. 22, bei Mommsen S. 234, 235): „Haebudes 
insulae. . . . Rex nihil suum habet, omnia universorum: ad aequitatem certis 

13* 



196 Kapitel 40. König Evenus von Schottiand. 

nähern Untersnchung über die Auslegung und den Werth dieser 
Stelle^; denn soviel ist klar, dass von einem Recht der ersten 
Nacht darin keine Rede ist. 



3, Ein Gesetz des Königs Evenus III, von Schottland. 

Kapitel 40. In der Geschichte der Schotten von Hector 
Boeis, welche zuerst im Jahr 1526 erschien ' und in zweiter Auf- 
lage im Jahr 1574 von Ferrerius herausgegeben wurde, findet 
sich folgende Erzählung. Zur Zeit das Kaisers Augustus regierte 
in Schottland König Evenus der Dritte, ein Mann von schlechtem 
Lebenswandel; derselbe erliess ein Gesetz, wonach „jeder Herr 
einer Ortschaft die Gewalt haben sollte, die erste Keuschheit der 
neuvermählten Jungfrau zu gemessen^ ^; Versuche späterer Kö- 
nige, dies Gesetz abzuschaflfen , scheiterten am Widerstand der 
jungen Magnaten; erst durch König Malcolm III. Canmoir, auf 
Andrängen seiner Gemahlin, der heiligen Margarethe, wurde jenes 
Gesetz aufgehoben, und an Stelle desselben eine Steuer einge- 
führt, wonach bei der Hochzeit einer verlobten Jungfrau ein 
Goldstück als Loskaufsgeld an den Ortsherrn gegeben werden 
sollte^; diese Steuer führte den Namen marcheta. An einer 
andern Stelle desselben Werkes wird als eine That König Mal- 
colm's III. hervorgehoben, durch ihn sei die von dem heidnischen 
Tyrannen Evenus eingeführte abscheuliche Gewohnheit abgeschafft 
worden, wonach die Herren oder Präfecten in ihrem Gebiet die 



legibus stringitur: ac ne avaritia divertat a vero, discit paupertate justitiam, 
ntpote cui nihil sit rei familiaris: verum aliter e publico. nulla illi datur 
foemina propria, sed per vicissitudines in quamcunque commotus fuerit, 
uBurariam sumit. unde ei nee votum nee spes coneeditur liberorum.^ 

^ Vgl. Raepsaet S. 38 — 43, wo ausgeführt wird, die Nachricht beruhe 
wahrscheinlich auf einer Verwechslung mit der rechtmässigen Polygamie 
des germanischen hohen Adels im Sinn des Zeugnisses von Tacitus, Germania, 
cap. 18; vgl. Caesar, De hello Gall. lib. 1 cap. 53. 

2 Mackenzie, Lives Bd. 2 S. 384, 461. 

s BoSthius lib. 3 fol. 35: „Fecit ad haec plura relatu indigna, leges tulit 
improbas omnem olentes spurdtiam: ut liceret singulis suae gentis plnres 
uxores, aliis sex, aliis decem pro opibus ducere. Nobilibus plebejorum uzo- 
res communes essent, ac virginis novae nuptae loci dominus primam libandi 
pudicitiam potestatem haberet.^ 

^ BoSthius lib. 3 fol. 35: ... „Eam tandem Malcolmus Canmor rex, diva 
Margareta regina suadente veluti in Deum et homines iniuriam prorsus sub- 
movit sanciens nummum aureum (Marchetam nostra vocat aetas) in nuptiis 
eponsae pudoris redimendi causa loci domino pendendum.^ In dieser Stelle ist 
noch keine Rede von der ersten Nacht. 



Kapitel 40. iCönig Evenua von Schottland. 197 

Jungfräulichkeit aller Bräute verkosteten; statt dessen. müsse die 
Braut für eine halbe Silbermark eine Nacht Ton den Gattinnen 
der Fräfecten einlösen; diese Abgabe bestehe noch unter dem 
Namen marketa ^. 

Die vorstehende Erzählung macht in beiden Gestalten von 
vornherein den Eindruck einer Dichtung^. Undenkbar ist^ dass 
irgend ein Yolk, selbst von der niedrigsten Bildungsstufe, die 
Ausübung der bezeichneten Gewaltthätigkeit geduldig ertragen 
sollte^. Gerade in den alten Zeiten waren die Schotten, ebenso 
wie andere Völker, zu stolz und ui^bändig, als dass sie sich 
unter eine solche Last hätten beugen könnend Noch unglaub- 
licher ist es, dass jene Unsitte bis zur Regierung des £önigs 
Malcolm III. (1059 — 1093), also mehr als tausend Jahre lang^ 
geherrscht habe; und dass selbst der grosse Einfluss, welchen 
die Königin Margarethe auf ihren Gemahl ausübte, nicht die 
gänzliche Abschaffung jener Unsitte, sondern nur ihre Umwand- 
lung in eine Geldabgabe herbeizuführen vermochte. 

. Ueber die alte Geschichte Schottlands herrscht im Allgemeinen 
grosses Dunkel; die in den öffentlichen Archiven Schottlands auf- 
bewahrt gewesenen Urkunden gingen nach dem Tod des Königs 
Alexander III. von Schottland, zur Zeit des Königs Eduard I. von 
England (1272 — 1307), verloren^; die Geschichtsquellen Schott- 
lands aus der Zeit bis zum Tod des Königs Malcolm Ganemore 
oder Canmoir beschränken sich im Wesentlichen auf Nachrichten 
fremder Schriftsteller und auf mündliche Ueberlieferungen *. Da- 
raus haben spätere Chronikschreiber eine Geschichte hergestellt ^. 



^ BoSthius lib. 12 fol. 260: „Illud vero inter caetera haud indignum me- 
moria existimem , abrogatam pessimam eam ac pestilentem consuetudinem 
olim ab Eveno tyranno Ethnico inductam, ut dominl praefective in suo terri- 
torio sponsarum omnium virginitatem praelibarent , dimidiata argenti marca 
unam noctem a praefectorum uxoribus redimente sponsa; quam etiamnum 
pendere coguntur, vocantque vulgo mulierum Marketam.^^ In dieser Stelle 
wird zwar „eine Nacht^ erwähnt, jedoch nicht gesagt, dass in dem abge- 
schafften Gesetz die erste Nacht dem Herrn überlassen sei. . 

> Macpherson S. 193, 195. Wächter unter Reit-schoss. Whitacker S. 265. 
Grupen § 2. Dalrymple vol. 3 app. 1. Raepsaet 3. Ausg. S. 25, 29^35. 
Anderson S. 56. 

5 Macpherson S. 193, 194. ♦ Macpherson S. 193. 

* Acts of Pari, of Scotl. Bd. 1 S. 18. Robertson Bd. 1 S. 6. Macpher- 
son S. XI. de Lagr^ze 1867, S. 410. 

ß Acts of Pari, of Scotl. Bd. 1 S. 3: „There is probably no Scotch writing 
extant^ whether of charter, record or chronicle, so old as the reign of Mal- 
colm Canmore ,• who died in the year 1093''. . . . 

^ de Lagröze 1867, S. 410. 



198 Kapitel 40. König EvenoB von Schottland. 

Hector Boeis oder, wie er selbst schrieb, Boethius, geboren 
zu Dondee in der Grafschaft Angus, Professor der Philosophie 
zu Paris, dann seit 1500 bis zu seinem um 1550 erfolgten Tode 
Vorsteher der Universität (des Kings College) zu Aberdeen, wird 
als Wiederhersteller der schönen Wissenschaften jind als ein 
Schriftsteller von gutem Geschmack gerühmt, steht aber im Ruf 
grosser Unzuverlässigkeit und Leichtgläubigkeit ^. Diesen. Vor- 
wurf bestätigt der Inhalt seines Geschichtswerks, namentlich die 
vorstehende Erzählung, nebst den Unklarheiten und Widersprüchen, 
die in den beiden angeführten Stellen sich vorfinden. Diese 
Stellen widersprechen sich in Ansehung der Höhe der Los- 
kaufsumme und in Ansehung der berechtigten Personen; unklar 
ist die Bezeichnung der Berechtigten, besonders die Stelle, die 
von den Gattinnen der Präfecten spricht. Die schwülstige Fas- 
sung des Gesetzes steht mit der Angabe von seinem hohen Alter 
in Widerspruch; die Ausdrücke sind so gefasst, als wäre bereits 
zur Zeit des Königs Evenus das Lehnswesen in Schottland aus- 
gebildet gewesen, was noch nicht einmal von der Zeit des Königs 
Malcolm HL Canemore feststeht'. 

Ferner ist nicht anzunehmen, dass zur Zeit des Kaisers Au- 
gustus ein König Namens Evenus oder überhaupt ein König von 
Schottland lebtet Hätte um jene Zeit ein einziger König über 
Schottland geherrscht, so würden darüber bei Cäsar und Strabo, 
sowie bei Pomponius Mela und andern Schriftstellern Nachrichten 
zu finden sein, was nicht der Fall ist^; sicherlich hätte Solinus 
darüber nicht geschwiegen, da er von den fünf Hebriden beson- 
ders hervorhebt, sie lägen so nahe aneinander, dass sie zusammen 
einen einzigen König hätten ^ Anderson bemerkt, unter Be- 
rufung auf mehrere Geschichtswerke, es sei bekannt, dass die 
Caledonier und Picten erst um das fünfte Jahrhundert unter einem 
Herrscher vereinigt wurden, und die Scoten erst im vierten Jahr- 
hundert, vielleicht sogar erst um das Jahr 503 n. Chr. Geb., sich 
in dem heutigen Schottland dauernd niederliessen ®. Die durch 

^ Mackenzie, Lives Bd. 2 S. 376—451 : the life of Hector Boeis, principal 
of the Kings Ck)ll^e at Aberdeen. Robertson Bd. 1 S. 5. Fabricius S. 195. 
Jöcher Bd. 2 S. 1426. Johnson S. 21, 22, 45. Michaud Bd. 4 S. 668. Didot 
Bd. 6 S. 362, 363. Potthast S. 171. 

* Vgl. Dalrymple Bd. 1 S. 28-30; Chalmers Bd. 1 S. 455—457. 
' Macpherson S. 193. 

♦ Vgl. Caesar, De beUo Gall. lib. 4 cap. 27 u. 30, lib. 5 cap. 22 u. 60; 
Mela lib. 3 cap. 6; Strabo lib. 4 cap. 5 u. 6 (Ausg. 1853, S. 165—167). 

^ 8olinus cap. 25. 

« Anderson S. 72. Vgl. auch W. Skene S. XXIV ff. 



Kapitel 40. König Evenua von Schottland. 199 

Cäsar ^ , Solinus ^ und den hl. Hieronymus gemeldeten Nachrich* 
ten, wonach bei den alten Bewohnern Schottlands und der be- 
nachbarten Inseln die ehelichen Zustände sehr ungeordnet waren, 
und kaum feste Ehen bestanden, sind ebenfalls mit der Erzählung 
des Hector Boethius unvereinbar. 

Hätte ein Gesetz des Königs Evenus in Schottland bestan- 
den, und wäre es, wie Hector Boethius behauptet, zur An- 
wendung gekommen, so müssten Nachrichten und Beschwerden 
darüber schon vor dem elften Jahrhundert ausserhalb Schottlands 
bekannt geworden und zum päpstlichen Stuhl gelangt sein. Mac- 
pherson^ sagt: »Der Satiriker Gildas*, welcher die heftigsten 
Vorurtheile gegen die Schotten unterhielt, würde eine solche Ge- 
legenheit sich nicht haben entgehen lassen, mit seiner gewohnten 
Bitterkeit gegen sie zu eifern; Beda^ selbst, obwohl ein Schrift- 
steller von grösserer Humanität und Mässigung, würde einen so 
bemerkenswerthen Theil ihres Charakters nicht übersehen haben, 
zumal da er sie mehr als einmal anklagt.^ John Pinkerton hat 
über die Geschichte Schottlands aus der Zeit vor König Mal- 
colm III. eine kritische Untersuchung angestellt und den Versuch 
gemacht, eine zuverlässige Geschichte herzustellen; doch finde 
ich darin nicht einmal den Namen des Königs Evenus, daher noch 
weniger dessen angeblichem Gesetz erwähnt*. Die Vitae San- 
ctorum von Surius, von Pinkerton und von Guerin enthalten 
ausführliche Lebensbeschreibungen der hl. Margarethe, Königin 
von Schottland, und viele Nachrichten von den durch ihren 
Einfluss beseitigten Missbräuchen, jedoch keine Andeutung 
über Aufhebung eines Gesetzes von König Evenus ^ Ebenso- 
wenig steht darüber Etwas in den Werken des Willielmus Mal- 
mesburiensis (st. 1141), De Gestis rerum Anglorum, und des 
Rogerus de Hoveden (st. nach 1201), Annalium pars prior, so- 
wie in den bei Bouquet (Brial) abgedruckten sonstigen Ge- 
schichtswerken , obwohl in allen diesen Werken der Einfluss der 



» Caesar, De belle Gall. Hb. 5 cap. 12, 14. 

* Solinus Ausg. 1646, cap. 25 S. 302, 303. Vgl. oben Kap. 39 S. 195. 
' Macpherson S. 194. 

* Gildas Badonicus sive Sapiens starb 570 oder 577. Vgl. über ihn und 
seine Werke Potthast S. 341. 

5 Beda Venerabilis (starb 26. Mai 735), Chronicon, und Historia eccle8ia8tic& 
gentis Anglorum. Vgl. Potthast S. 159, 160. 

* Pinkerton, Enquiry. 

* Wohl aber ist die Sage in die AA. SS. der BoUandisten aufgenommen^ 
Bd. 2 S. 332 Anm. e. 



200 Kapitel 40. König Evenus von Schottland. 

Königin Margarethe auf König Malcolm mit mehreren Beispielen 
gerühmt wird K 

Es fragt sich nun, woher Hector Boeis die Nachricht yom 
Gesetz des Königs Evenus entnommen hat Dieselbe findet sich 
weder in dem Hauptwerk der älteren schottischen Geschichte, 
von Johann Fordun', noch in der Geschichte Schottlands von 
Joannes Major ^. Letzterer war ein Zeitgenosse des Hector Boeis, 
scheint aber die Erzählung Tom Gesetz des Königs Evenus nicht 
gekannt zu haben ^. Man könnte denken, Hector Boeis habe jene 
Nachricht von seinem Zeitgenossen Pplydorus Yergilius ^ entnom« 
men, dessen Werk (De rerum inventoribus) vom 7. Aug. 1499 
in der Vorrede datirt ist, also dem Anschein nach aus älterer 
Zeit als das Werk von Hector Boeis (1526) herrührt. Allein die 
fragliche Stelle fehlt bei Polydorus Yergilius in den Ausgaben 
bis zum Jahr 1532 ^. Daher ist die i^ den neueren Ausgaben 
enthaltene Stelle wahrscheinlich auf Hector Boeis zurückzuführen ^. 
Ferner könnte man an den Kanzler von Schottland, William 



* Script, post Bedam S. 122, 453, 464. Bouquet (Brial) Bd. 11 S. 156, 
176, 315; Bd. 12 S. 571, 572, 651, 765. 

* Der Domherr Johann Fordun von Aberdeen schrieb in der zweiten Hälfte 
des vierzehnten Jahrhunderts eine Geschichte Schottlands, die mit Zusätzen 
des Abts Walter Bower von S. Columba aus der Zeit von 1441 bis 1449 
unter dem Titel Scotichronicon im Jahr 1759 herausgegeben ist. Darin ist 
noch keine Rede von König Evenus. 

' Die Historia Majoris Britanniae, tam Angliae quam Scotiae, per Joannem 
Majorem, ist im Jahr 1521 erschienen, also nur wenige Jahre vor dem Werk 
des Hector BoSthius. 

* Er spricht nämlich von zahlreichen Dichtungen, die über die alte Ge- 
schichte Schottlands verbreitet seien, erwähnt aber mit keinem Wort einen 
König Namens Evenus oder gar dessen Gesetz. 

^ Polyd. Verg. lib. 1 cap. 4, in den Ausgaben Basel 1575 und Amsterdam 
1671: . . . „Fuit idem mos apud Scotos, ut novam nuptam dominus loci ante 
vir um comprimeret. Quod nempe institutum post homines Christ ianos natos 
turpissimum, Malcolmus tertius eorum rex princeps optimus sustulit, circiter 
annum salutis humanae MXC. constituitque, ut nubentes, pudicitiae redimendae 
causa, locorum dominis nummum aureum penderent, id quod hodie adhue 
servatur.^ Daraus: v. d. Schelling Bd. 1 S. 148, 149. 

^ Namentlich fehlt die angeführte Stelle in den Ausgaben, die zu Strass- 
bürg im Jahr 1509 und zu Basel in den Jahren 1521 und 1532 erschienen. 
Die beiden ältesten Ausgaben, aus Venedig von den Jahren 1499 und 1503, 
habe ich nicht vergleichen können. 

^ Dies würde selbst dann anzunehmen sein, wenn sich nachweisen Hesse, 
dass die in den neueren Ausgaben enthaltene Stelle auf handschriftlichen 
Aufzeichnungen von Polydorus Yergilius beruhten, da derselbe erst gegen 
1555 gestorben ist. 



Kapitel 40. König Evenus von Schottland. 201 

Elpbinston, denken, der eine in der Bodleian Library zu Oxford 
handschriftlich aufbewahrte Geschichte Schottlands geschrieben 
hat ^ Denn Mackenzie spricht in der Lebensbeschreibung Elphin- 
ston^s und im Bericht über seine Geschichte Schottlands vom 
Gesetz des Königs Evenus, wie wenn er die Nachrichten darüber 
aus der Geschichte Elphinston's entnommen hätte ^. Allein nach 
dem speciellen Bericht, den Thomas Innes über die dem Elphinston 
zugeschriebene Geschichte Schottlands liefert, ist dies Werk fast 
gänzlich aus Fordun entnommen und von der Darstellung des 
Hector Boeis ganz verschieden, dergestalt, dass es nur wenige 
Zeilen über die ersten vierzig angeblichen Könige enthält^. 
Drittens könnte eine Schrift von Mackenzie zu der Meinung ver- 
leiten, dass die Sage vom Gesetz des Königs Evenus schon im 
zwölften Jahrhundert bekannt gewesen sei, nämlich um die Zeit 
des Abtes Aelred von Riedual, der am 12. Januar 1166 starbt 
Denn in der Beschreibung seines Lebens wird auf sein Werk 
über die heilige Margarethe verwiesen, welches im dritten Band 
von Surius abgedruckt ist. Hierbei berichtet Mackenzie : „Durch 
ein altes Gesetz von Evenus dem Dritten waren alle Noblemen, 
Gentlemen und andern Grundeigenthümer ermächtigt, bei jeder 
Heirath ihrer Bauern (tenants) die erste Nacht der Braut zu 
haben; zur Abschaffung dieser hässlichen Sitte verordnete un- 
sere Königin, dass jeder Grundherr verpflichtet sein solle, 
von seinem Bauer bei dessen Hochzeit, als Preis für die Jung- 
fräulichkeit der jungen Frau, eine Mark Gold anzunehmen.**^ 
Der Zusammenhang macht den Eindruck, als sei diese Stelle aus 
der bei Surius abgedruckten Schrift des Abtes Aelred entnommen. 
Dies ist aber nicht der Fall; denn dort findet sich kein Wort 
von Evenus ®. Hector Boeis nennt als Quellen seines Werks, 

* Innes Bd. 1 ö. 219, 220. Mackenzie, Lives Bd. 2 S. 118. — William 
Elphinston starb im Jahr 1614; durch ihn ward Hector BoSthius im Jahr 1500 
an das neu gegründete Kings College zu Aberdeen berufen. Vgl. Mackenzie, 
Lives Bd. 2 S. 3, 4, 382. 

^ Mackenzie, Lives Bd. 2 S. 14: . . . ^and, by another law, the Lord of 
the ground was allow'd the maiden-head of every bride^. 
» Innes Bd. 1 S. 220. 

♦ Mackenzie, The live of St. Aelred Abbot of Riedual. Lives Bd. 1 S. 123 
bis 140. 

^ Mackenzie, Lives Bd. 1 S. 132. 

^ Surius Bd. 3, unter dem 10. Juni: ^Vita S. Margaretae reginae Scotiae, 
quam quidem S. Adelredus Abbas primo conacrlpsit, sed haec, quam nos 
edimus , ab alio quodam incerto authore , ex illo brevius descripta est^ 
(Ausg. v. 1579 S. 686—690; Ausg. v. 1618, S. 167—169). Es bedarf hier 



202 Kapitel 40. König Evenns von Schottland. 

ausser der Geschichte Elphinston's, noch eine Geschichte Ton Tar- 
get, eine Chronik von Inch-Colm und hauptsächlich Yeremundus, 
John Campbell und Cornelius Hybemicus ^. Das Werk von Tar- 
get enthalt keine Andeutung von einem Gesetz des Königs Etc- 
nus *. Ebensowenig ist darüber Etwas in der Chronik von Inch- 
Colm zu findend Die Gesehichtswerke von Yeremundus, John 
Campbell und Cornelius Hybernicus sind, wie es scheint, verloren 
gegangen; doch ist es sehr unwahrscheinlich, dass ächte Werke 
dieser Geschichtschreiber dem Hector Boeis überhaupt Torgelegen 
habend Hätten sich diese Werke bis zu seiner Zeit erhalten^ 
so würden sie schon von früheren Schriftstellern benutzt wor- 
den sein. Keinenfalls liegt genügender Grund zu der Yer- 
muthung vor, dass in einem dieser drei alten Werke Etwas von 
Evenus und von dessen Gesetz gestanden habe. Andererseits ist 
dem Hector Boeis nach seiner Persönlichkeit nicht zuzutrauen, 
dass er wissentlich falsche Berichte verbreitete. Daher dürfte 
die Yermuthung von Innes Beifall verdienen, dass Boeis die 
alte Geschichte Schottlands aus Büchern geschöpft habe, die als 
Werke von Yeremundus, Campbell und Cornelius Hybernicus 
ausgegeben wurden, in Wahrheit aber aus seiner eigenen Zeit 



keiner Erörterung der Streitfrage, ob und wieweit diese Lebensbeschreibung 
vom hl. Aelred herrührt. Mackenzie (Lives Bd. 1 S. 139} vertheidigt die 
Urheberschaft Aelred's gegen Du Pin, der behaupten soll, dass die meisten 
unter dem Namen Aelred's mitgetheilten Lebensbeschreibungen von Surius 
selbst verfasst seien. Doch scheint auch hier ein Irrthum von Mackenzie 
vorzuliegen« Denn bei Du Pin findet sich keine derartige Aeusserung, son- 
dern im Oegentheil der Ausdruck ungetheilten Lobes über die Leistungen 
von Surius. Vgl. Du Pin, 16« si^cle, S. 407—409. 

* Vgl. Innes Bd. 1 S. 218. 

* Das Werk des Turgot steht in den AA. SS. zum 10. Juni abgedruckt. 
Nicht dies Werk, sondern nur eine Anmerkung der Bollandisten zu demselben, 
verweist auf die Erzählung von jenem Gesetz, und zwar auf Grund der Be- 
richte von Hector Boeis und Bachanan. 

' Denn die Chronik von Inch-Colm ist, wie Innes Bd. 1 S. 219 versichert, 
aus den ersten Büchern von Fordun entnommen. 

^ Man sagt, diese alten Geschichtswerke seien im Kloster Ycolmkill auf- 
bewahrt gewesen und dort zur Zeit des Königs Eduard I. von England vor 
der Vernichtung bewahrt worden: Hector Boeis will sie im Jahr 1525 aus 
der Bibliothek zu Ycolmkill zugeschickt erhalten haben. Allein seine Ge- 
schichte erschien schon im folgenden Jahr, und es erscheint als unglaublich, 
dass die Bibliothek von Ycolmkill, wenn darin die Hauptwerke der Geschichte 
Schottlands aufbewahrt wurden, von der allgemeinen Vernichtung der Ur- 
kunden über die alte Geschichte Schottlands verschont blieb. Vgl. Innes 
Bd. 1 Buch 2 Kap. 3 Art. 2 § 2, S. 214—225. 



Kapitel 40. König Evenus von Schottland. 203 

stammten ^ Wenn diese Yermuthung zutrifiEt, so kann Hector Boeis 
seine Nachrichten im Glauben an die Wahrheit derselben aus 
Werken, die jetzt in Vergessenheit gerathen sind, nachgeschrieben 
und aus mündlichen Ueberlieferungen von unsicherm Werth er- 
gänzt haben ^. 

Hiernach besteht keine Sicherheit über die Quelle, woraus 
die angeführte Erzählung von König Evenus geschöpft ist, 
wohl aber die Gewissheit, dass sie keinen Anspruch auf ge- 
schichtliche Wahrheit erheben kann^. Die marcheta oder mer- 
cheta war eine Heirathsabgabe ; davon handeln zahlreiche Ur- 
kunden, die keinen Anlass zur Yermuthung eines unehrbaren 
Ursprungs dieser Abgabe bieten *. Nichtsdestoweniger haben 
zahlreiche Schriftsteller die Erzählung für wahr angenommen 
und weiter verbreitet. Bald nach der zweiten Ausgabe des 
Hector Boeis erschienen zwei Werke über die Geschichte Schott- 
lands mit entgegengesetzten Tendenzen, nämlich im Jahr 1578 
zu Rom das (dem Papst Gregor XHI. gewidmete) Werk des 
Bischofs John Lesly^ zu dem Zweck, die Gerechtigkeit der 
Sache von Maria Stuart zu vertheidigen ^, und im Jahr 1582 zu 
Edinburgh das Werk von George Buchanan^ zu dem Zweck, 
die Empörung gegen die schottische Königsfamilie zu recht- 
fertigen ^. t)iese beiden Schriftsteller haben die Erzählung des 
Hector Boeis vom Gesetz des Königs Evenus und von der 
neuen Anordnung des Königs Malcolm mit einigen Aenderungen 



^ Innes S. 225: „the writings and memorials that passed nnder the name 
of Yeremund in Boece's time are but late inventlons about Boece's own time^. 

* Eine andere Art milder Beurtheilung des Hector Boeis findet sieb bei 
Raepsaet 3. Ausg. 8. 34. 

s Derselben Meinung sind: Grupen § 2 S. 4—6; Whitacker S. 266; Dal- 
rymple Bd. 1 S. 88; Astle S. 35; Corner S. 7, 8. 

* Vgl. Kap. 15 8. 76—83 und Kap. 16 8. 84—88. 

^ Jobn Lesly, Biscbof von Ross (geb. 1526, gest. 1596), vertbeidigte an 
mebreren Höfen, namentlicb aucb in Rom, die Sacbe seiner Königin Maria 
Stuart bis zu deren Tod ; darauf zog er sieb in ein Augustinerkloster bei 
Brüssel zurück, wo er auch starb. Vgl. Mackenzie, Lives Bd. 2 8. 502—618; 
Innes Bd. 1 8. 290—294; Michaud Bd. 24 8. 295, 296. 

^ Mackenzie, Lives Bd. 2 8. 506. 

* George Buchanan (geb. 1506, gest. 5. Dez. 1582) wurde wegen dieses 
Werks vor den geheimen Rath geladen, starb aber vor dem Tag des Ver- 
hörs. Nach seinem Tod wurde das Buch durch einen Parlamentsakt ver- 
boten (Pari. 8 Jacob VI. An. 1584, chap. 184). Vgl. Innes Bd. 1 8. 305 ff.; 
Mackenzie, Lives Bd. 3 8. 156—186; Jöcher Bd. 1 8. 1446; Johnson 8. 6; 
Michaud Bd. 6 8. 198—200. 

8 Mackenzie, Lives Bd. 2 8. 171. 



204 Kapitel 40. König Evenus von Schottland. 

wiederholt. Lesly sagt, nach dem Gesetz des Königs Evenus III. 
habe allen Adeligen und Herren freigestanden, sowohl die Töch- 
ter ihrer Bauern und Schutzhörigen, bevor dieselben heiratheten, 
als auch die Ehefrauen ihrer Untergebenen zu schänden; dies 
Gesetz sei auf Bitten der heiligen Margarethe durch Malcolm III. 
aufgehoben worden, unter Einführung einer noch gültigen Geld- 
abgabe, wodurch die Heirathserlaubniss eingelöst werde ^. Bucha- 
nan schreibt, König Evenus III., der als sechzehnter König 
Schottlands vom Jahr 12 bis zum Jahr 4 v. Chr. Geb. regierte, 
habe ein Gesetz erlassen, wonach der König die Keuschheit der 
adeligen Bräute , und die Adeligen diejenige der plebejischen 
Bräute vor deren Hochzeit verkosteten^; und an einer anderen 
Stelle, König Malcolm III. habe auf Bitten der Königin bewilligt, 
dass die . erste Nacht der vermählten Jungfrau , die nach einem 
Gesetz des Königs „Eugenius^ den Häuptlingen, mit gewissen 
Abstufungen, gebührte, durch den Bräutigam mit einer halben 
Silbermark eingelöst werden könne ; dies Lösegeld heisse marcheta 
mulierum^. Dieselbe Erzählung wurde noch im sechzehnten 
Jahrhundert durch Petrus Gregorius (nach Boeis), durch Ragueau 
(nach Buchanan) und durch Du Verdier weiter verbreitet *. Dann 
folgten im siebenzehnten Jahrhundert: J. Skene, Yannozzi, Au- 
tomne, Spelman, Boxhom, Papebroeck, d^Espeisses, Pftt, Brodeau, 



^ Leslaeus IIb. 2 cap. 16 S. 96 (Gesetz des Königs Evenus): „Ut omnes 
Nobiles et domini suorum villicorum et clientum filiabus ad libidinem suam 
explendam abuterentur, earumque pudicltiam et virginitatis primitias prius 
delibarent, quam libero legiti(ni matrimonii contrahendl jure fruerentur: simi- 
liter et inftmorum uxoribus Proceres Nobilesque pro suo arbitratu uterentur^; 
und Leslaeus lib. 6 cap. 86 S. 213 (Gesetz des Königs Malcolm III.): ni^<^ni 
quam Evenus tertius de primitüs Yirginum delibandis fixit legem, iste ut 
foedisslmam liberalique homine indignam reftxit ac penitus antiquavit.^ In 
dieser Darstellung ist von der Hochzeitsnacbt keine Rede, und der Betrag 
der Abfindungssumme nicht angegeben. 

' Buchanan lib. 4 fol. 31 v.: ... „ut Rex ante nuptias sponsarum nobilium, 
nobiles plebejarum praelibarent pudicitiam^^ An dieser Stelle wird die erste 
Nacht nicht erwähnt, wohl aber an einer andern Stelle, worin von der Auf- 
hebung dieses Gesetzes die Rede ist. Vgl. die folgende Anm. 

3 Buchanan lib. 7 fol. 62 v. : „Uxoris etiam precibus dedisse fertur, ut 
primam novae nuptae noctem, quae proceribus per gradus quosdam lege Regis 
Eugenii debebatur, sponsus dimidiata argenti marca redimere posset; quam 
pensionem adhuc Marchetas mulierum vocant^ Erst in dieser Stelle ist 
gesagt, dass im Gesetz des Königs „Eugenius^ (der hier mit Evenus ver- 
wechselt wird) den Häuptlingen „die erste Nacht^ der Bräute überlassen sei. 

* Ragueau unter Les marquettes. Petr. Gregor.. lib. 9 cap. 1 n. 45, S. 604, 
605. Du Verdier S. 96. 



Kapitel 40. König Evenus von Schottland. 205 

Mor^ri, Ducange und Manage ^; im achtzehnten Jahrhundert: 
Mackenzie, Bayle, Lauriere, Gundling, Hildebrand, C. P. Hoff- 
mann, Eeysler, van der Schelling, Potgiesser, Säle, die Heraus- 
geber von Beaumont und Fletoher, ferner Zedier, die Encyklo- 
pädisten (de Jaucourt, Boucher d'Argis und Garran de Coulon), 
Yoltaire, Renauldon, das Grand Yocabulaire und das Diction- 
naire de Trevoux, Dulaure und Blaokstone^; im neunzehnten 
Jahrhundert: Merlin, Roquefort, CoUin de Plancy, Peuchet et 
Chanlaire, Stephen, Dümge, Eolb, Sugenheim, Brinckmeier, 
Scherr, Bastian, de Gubernatis, Liebrecht, de Labessade ^. Alle 
diese und viele andere Schriftsteller haben ihre Nachrichten über 
das von Evenus eingeführte und von Malcolm abgeschaffte Her- 
renrecht theils direct, theils indirect aus dem Werk von Hector 
Boeis geschöpft^. 

Die einzelnen Abweichungen und Entstellungen der von 
Boeis herrührenden Erzählung sind mannigfacher Art. So soll 

1 J. Skene zu Reg. Maj. lib. 4 cap. 31. Yannozzi Bd. 2 Nr. 529, S. 253. 
Automne Tit. 8 § 1 Art. 81, S. 477. Spelman unter Marchet. Boxhorn zu 
Sueton lib. 4 § 40. Boxhorn , Lex. unter Amobr. AA. SS. 10. junii, S. Mar- 
garetha, Bd. 2 S. 832 Anm. e. D'Espeisses Bd. 3 Tit. 6 sect. 9, S. 306. Plot 
cap. 8 Nr. 1 S. 278. Brodeau S. 273. Mor^ri Bd. 4 S. 294 unter Evenus m. 
Ducange unter Marcheta. Manage unter Marquette. 

2 Mackenzie, Def. cap. 7 S. 118, 119. Bayle Bd. 13 S. 385, unter Sixte IV, 
lit. H. Lauriöre unter Gullage und Marquettes. Gundlingiana zehntes Stück 
S. 503, verdruckt statt 599. Hildebrand S. 188, 189. C. P. Hoffmann S. 58. 
Keysler § 64 S. 485—488. v. d. Schelling Bd. 1 S. 148, 149. Potgiesser 
lib. 2 cap. 2 § 26. Säle, franz. Ausg. S. 22, engl. Ausg. S. 10. Beaumont 
und Fletcher Bd. 2 S. 5. Zedier Bd. 8 S. 2092 unter Evenus III. Encycl. 
1. Ausg. Bd. 4 S. 548, unter Gulage, von Boucher d'Argls, und Bd. 10 unter 
Marchet, von M. de Jaucourt. Voltaire, Dict. phil. unter Cuissage, Bd. 39 
S. 209, und unter Taxe Bd. 43 S. 298. Renauldon liv. 6 chap. 10 S. 450. 
Grand Vocab. Bd. 17 S. 173. Enjtsycl. m^th., Jurispr. unter Culage, Bd. 3 
S. 434, und unter Marquette, Bd. 5 S. 834, 835, von Garran de Coulon. 
Dict. de Trevoux unter Cullage, Bd. 3, und unter Marquette, Bd, 13. Dulaure, 
Gesch. d. Adels S. 241, 242. Blackstone Bd. 2 (S. 83 in der 9. Ausg.). 

^ Merlin, R^p. unter Markette. Roquefort, Suppl. S. 106. CoUin de Plancy 
Bd. 1 S. 169—171. Peuchet et Chanlaire S. 23. Stephen Bd. 1 (S. 216 der 
5. Ausg.). Dümge S. 19, 20. Kolb 1842, S. 496, 497 und 1843, S. 73. Sugen- 
heim 1861, S. 103. Brinckmeier Bd. 2 S. 190. Scherr 1865, S. 129. Bastian 
S. 175. de Gubernatis, Usi S. 199. Liebrecht 1874, S. 138 und 1879, S. 416. 
de Labessade S. 22, 23, 95. 

^ Fällt diese Grundlage zusammen, so bleibt kein Grund für die Meinung 
übrig, dass in Schottland das jus primae noctis bestanden habe. Damit er- 
ledigt sich die auch sonst unhaltbare Vermuthung (vgl. Anderson S. 73), das 
jus primae noctis in Schottland könne durch Ausartung des Lehenwesens 
entstanden sein. 



206 Kapitel 41. Schlacht von Gabhra. 

die darch König Evenus eingeführte Unsitte ursprünglich, wie 
George Säle nach Bayle angiebt, die Namen ,,culliage^ und 
^cullage^ , nach Merlin den Namen ^prelibation^ geführt haben. 
Als ob die alten Caledonier französisch gesprochen hätten! ße- 
nauldon meint, noch König Malcolm habe das Recht in Anspruch 
genommen, mit den neuvermählten Frauen zu schlafen. Dulaure 
yersichert, dieser Gebrauch sei noch im elften, zwölften und 
dreizehnten Jahrhundert in Schottland im Schwung gewesen und 
erst später zufolge von Empörungen in eine Geldabgabe ver- 
wandelt worden. Collin de Plancy erzählt, zwar sei schon Mal- 
colm III. durch zahlreiche Empörungen veranlasst worden, die 
Ablösung des durch Evenus eingeführten Rechts zu gestatten; 
doch hätten die armen Leibeigenen, denen die Mittel des Los- 
kaufs fehlten, sich nach wie vor die Ausübung des Herrenrechts 
der ersten Nacht gefallen lassen müssen, und die Abschaffung des- 
selben sei erst viel später, vor noch nicht langer Zeit, geschehen. 
Die Herausgeber von Beaumont und Fletcher meinen, König 
Eugenius III. von Schottland, der im Jahr 535 n. Chr. Geb. zur 
Regierung kam, habe jenes Recht eingeführt^. Joachim Hilde- 
brand meint, jenes Recht habe in Schottland seit Einführung 
des Christenthums bestanden und sei durch König Malcolm den 
Zweiten abgeschafft worden '. Sugenheim sagt, König Ewen, durch 
den das jus primae noctis in Schottland eingeführt sei, habe im 
siebenten oder achten Jahrhundert regiert^. Alle diese Nach- 
richten sind theils auf Leichtgläubigkeit und theils auf Erfindung 
modemer Schriftsteller zurückzuführen. 

4. Veranldsmng der Schlacht von Gabhra in Irland, 

Kapitel 41; Mehr oder minder beglaubigte Nachrichten über 
die alte Geschichte Irlands beziehen sich auf die Heldenthaten 
der Fenier, der „Fianna Eireann^, nämlich der über ganz Irland 
verbreiteten Kriegerschaaren , die im Dienst des Monarchen das 
Land gegen feindliche Angriffe vertheidigten und mit grossen 
Vorrechten ausgestattet waren*. In jeder der vier Provinzen, 
Ulster, Connaught, Munster und Leinster, stand eine Hauptab- 



^ Beaumont und Fletcher Ausg. 1750, Bd. 2 S. 5. 

* Hildebrand S. 188, 189. > Sugenheim 1861, 8. 103. 

* Vgl. O'Kearney 8. 40—46; W. Skene 8. LXIV— LXXVII; O'Curry 
Bd. 2 8. 876—882; Windisch 8. 647. — Dm Wort Fian bedeutet Held (Win- 
disch 8. 547), wird aber auch von Fiadach, d. i. Jagen, oder von Fineadha, 
d. i. Familien oder Stämme, abgeleitet. Vgl. O'Curry Bd. 2 8. 376, 377. 



Kapitel 41. Schlacht von Gabhra. 207 

theilung dieses Eriegsheers. Der berühmteste Fian (Held) war 
Finn oder Fionn, Mac Ciimhaill (Sohn des Cumhaill, des Sohnes 
von Baoisgne) ; er war Heerführer in der Provinz Leinster, 
als Haupt des Stammes (der Glanna) Baoiscne oder Baoisgne. 
Von ihm wird gemeldet, dass er durch den im Jahr 266 n. Chr. 
Geb. gestorbenen £önig, von Irland, Namens Cormac Mac Airt, 
mit dem Oberbefehl über alle Fenier Irlands betraut wurde*. 
Ais Gormac^s Sohn und ]!Tachfolger , Cairbre Liffeachair oder 
Lithfeacair (268 — 284), die Regierung antrat, erneuerte sich ein 
alter Streit über die unter dem Namen „Boromean Tribute" be- 
kannte Abgabe, die der Monarch von den Königen der Provinzen 
.begehrte. Der König von Leinster, Breasal Belach, weigerte 
sich, die Abgabe zu entrichten, und rüstete sich zum Krieg '. 
Er verleitete den Finn Mac Cumhaill, die Sache seines Kriegs- 
herrn zu verlassen und ihm beizustehen. Finn sammelte seine 
Truppen und besiegte auf dem Schlachtfeld zu Cnamhros den 
König Cairbre Liffeachair, der in der Schlacht seine drei Söhne 
und neuntausend Mann seiner Truppen verlor^. Nach dieser 
Niederlage schenkte Cairbre Liffeachair sein ganzes Vertrauen 
dem Anführer der Connaught-Fianna, Namens Aed Caemh, von 
der Clanna Morna (Möirna). Durch diesen Stamm, der auf die 
Clanna Baoisgne wegen des Vorrangs längst eifersüchtig war, 
wurde Cairbre zu einem neuen Krieg angereizt, und zwar gegen 
Mogh Corb (Mogha Cuirb), den König von Munster, einen Enkel 
des inzwischen, im Jahr 283, verstorbenen Finn Mac Cumhaill. 
Finn^s Tochter, Namens Samhair, war die Gattin des Cormac Gas, 
Königs von Munster, und ihr Sohn war der genannte Mogh Corb 
(Mogha Cuirb). Durch Finn's Tod wurde dessen Sohn Oisin 
(d. i. der Dichter Ossian) Haupt des Stammes Baoisgne^. In 



1 O'Curry Bd. 2 S. 377. 2 o'Curry Bd. 2 S. 383. 

3 O'Curry Bd. 2 S. 384—386. 

* O'Curry Bd. 2 S. 387. Danach ist die Nachrieht, dass Finn im Jahr 283 
durch Aichleach , Sohn von Duibhdreann , zu Ath Brea am Boyne getödtet 
wurde, aus den „Annais of the Four Masters^ entnommen. Mit der Darstel- 
lung O'Curry's stimmen zwei Berichte, die O'Kearney aus alten Handschriften 
entnommen hat (O'Kearney S. 48 und 59), im Wesentlichen überein. In dem 
einen derselben (O'Kearney S. 48) heisst es: ... ,,the Clanna Moirne pro- 
voked the monarch and other princes of Ireland to warr upon Mogha Cuirb, 
King of Munster, because he protected the Clanna Baoisgne, hoping by that 
meanes that they should be deserted by the King of Munster, and so be 
utterly expelled the kingdom, which the monarch did although that was bis 
own daughter's (not sister's) son. But the King of Munster stuck faithfully 
to the Clanna Baoisgne, whereupon issued the BattaiUe of Gabhra^ . . . 



208 Kapitel 41. Schlacht von Gabhra. 

der mörderischen Schlacht von Gabhra ^ kämpfte der Monarch 
Cairbre Liffeachair mit der Clanna Morna und andern Streit- 
kräften gegen den König von Munster nebst den Feniern vom 
Stamm Baoisgne, unter dem Befehl yon Oisin (Ossian). Die 
Letzteren unterlagen, und die Macht der Fenier vom Stamm 
Baoisgne wurde vernichtet^. Kaum Einer blieb übrig. In der 
Schlacht wurde Oscar, der berühmte Sohn Oisin's, durch Cairbre 
getödtet, der seinerseits eine Wunde von Oscar empfangen hatte 
und dann ebenfalls auf dem Schlachtfeld den Tod fand. 

Die Fenier Irlands, namentlich Fionn Mac Cumhaill, sein 
Sohn Oisin (Ossian) und dessen Sohn Oscar (Osgar) sind Helden 
der Finnsage, die aus den Ossianischen Gedichten bekannt ist^ 
Zu diesem Sagenkreis gehören die über die Schlacht von Gabhra 
verfassten Dichtungen, die im Jahr 1853 durch Nicholas O^Eear- 
ney Esq. für die Ossianic Society in irischer Sprache mit eng- 
lischer Uebersetzung theils im Ganzen , theils in Auszügen 
herausgegeben wurden. Daraus hat O'Kearney folgende Be- 
schreibung entnommen: „Der Sohn des Königs der Decies er- 
bat und erlangte die Einwilligung von Sgeimh Sholais (Licht 



* O'Curry (Bd. 2 8. 883 und 387) sagt, die Schlacht habe stattgefunden zu 
„Gabhra Aicl^, now the hill of Skreen, near Tara". O'Kearney spricht von 
der „battle of Gabhra, Garristown in the County of Dublin". Windisch 
(S. 157) bemerkt über die „Schlacht bei Gabair Aide", .der im Englischen 
übliche Ausdruck „the battle of Gabhra" sei incorrect, weil „Gabhra" die 
Genitivform von „Gabair" sei. — Ueber die Zeit der Schlacht finden sich die 
Angaben folgender Jahreszahlen : 283 (bei O'Kearney S. 5, 60 , und zwar mit 
dem Datum des 17. Juni), 284 (bei O'Curry Bd. 2 S. 386 und Windisch S. 157) 
und 296 (O'Flaherty bei O'Kearney S. 60, Anm.). Finn starb im letzten Jahr 
vor der Schlacht, doch wird sein Sterbejahr ebenfalls verschieden angegeben, 
nämlich auf 288 (O'Curry Bd. 2 S. 387 und Windisch S. 146) , 273 (Win- 
disch S. 59) und 285 (W. Skene S. LXV). Die beiden letztgenannten An- 
gaben mögen Druckfehler sein. 

* O'Kearny S. 40. O'Curry Bd. 2 S. 382, 387, 388. Windisch S. 157. 
Vgl. unten S. 210, Anm. 3. 

» Vgl. Windisch S. 59, 65, 146—158. Danach haben die Iren zwei alte 
Sagenkreise. Zu den Hauptpersonen des altern Sagenkreises gehört Concho- 
bar, König von Ulster, der um 20 n. Chr. Geb. starb. Der zweite Sagenkreis 
ist zweihundert Jahre sp&ter angesetzt; Hauptheld desselben ist Finn Mac 
Cumaill. Die durch James Macpherson seit 1760 herausgegebenen Ossiani- 
schen Gedichte sind nicht blosse Erfindungen des Herausgebers, sondern Um- 
arbeitungen von zahlreichen kleinen Dichtungen, die in Schottland seit An- 
fang des sechzehnten Jahrhunderts und in Irland noch früher bekannt waren. 
Der gegenwärtige Stand der lebhaft erörterten Streitfrage über die Ossiani- 
schen Gedichte kann aus W. Skene (S. XLVII— LXIH) und Windisch 
(S. 146—156) ersehen werden. 



Kapitel 41. Schlacht von Gahhra. 209 

von Schönheit), Tochter des Monarchen Cairbre, ihn zu ihrem 
Ehegatten anzunehmen. Als die Fenier, unter denen damals 
der Stamm Baoisgne den Oberbefehl führte, von jener Ver- 
lobung Nachricht erhielten, schickten sie Botschafter an den 
Monarchen, um ihn an ihre Vorrechte zu erinnern und zwanzig 
Unzen (Barren) Gold als ein Lösegeld für die Dame zu begehren. 
Cairbre ward unwillig über diese Zumuthung und gelobte, ent- 
weder die Fenier auszurotten oder bei diesem Unternehmen unter- 
zugehen. Er liess die Könige der Provinzen durch Botschaf- 
ter von seinen Absichten in Eenntniss setzen und erlangte 
die allgemeine Zustimmung seiner Fürsten und Völker. Der 
Stamm Baoisgne, der grosse Unterdrücker des irischen Volkes, 
und seine Anhänger beschlossen, dem Monarchen und seinen 
Streitkräften in einer Schlacht entgegenzutreten, und sicherten 
sich den Beistand der schottischen und brittischen Fenier." * 
Dann folgte die Vorbereitung und Ausführung der Schlacht. 
Von ähnlichem Inhalt ist die Erzähluog, womit eine in Prosa 
abgefarsste Schilderung der Schlacht anfängt: „Cairbre, Sohn 
von Art, des Sohnes von Conn von den hundert Schlachten, 
hatte eine schöne, sanfte, würdevolle und bescheidene Tochter. 
Sie hiess Sgeimhsholas (Licht von Schönheit). Maolsheachlainn 
O'Faolain, Sohn des Königs oder Herrschers der Decies, begehrte 
sie zur Frau. Als Fionn und die Fenier von Irland dies hörten, 
schickten sie Botschafter an Cairbre, um ihn zu er- 
innern, den Tribut zu zahlen, nämlich zwanzig Un- 
zen (oder Barren) Gold oder das Eecht, mit der Prin- 
zessin die Nacht vor ihrer Hochzeit zu schlafen. Cair- 
bre ward unwillig über die Botschaft und erklärte, er werde sich 
keiner von beiden ^Bedingungen unterwerfen. Fionn liess ihm 
sagen, entweder müsse er zahlen, oder nur der Kopf der Prin- 
zessin werde genügen, um die Verletzung des Vorrechts zu 
sühnen. Hierüber gerieth Cairbre in Zorn, und ohne Verzug 
sandte er Herolde." Die Könige von Ulster, Leinster und Munster 
wurden aufgeboten; sie erschienen; und die Schlacht ward vor- 
bereitet^. „Obwohl diese Erzählung," bemerkt Nicholas O'Kear- 



1 O'Kearney 8. 68, 59. 

* The hattle of Gabhra, hei O'Kearney S. 135 u. 137: „Cairbre, the son 
of Art, the son of Conn of the Hundred Battles, had a fair, mild-eyed, digni- 
fied, and modest danghter. Sgeimhsholas (Light of Beauty) was her name; 
and Maolsheachlainn O'Faolain, son of the king or lord of the Decies, came 
to seek her as his wife. When Fionn and the Fenians of Ireland heard of 
this, they despatched messengera to Cairbre, to remind htm to pay the tribute, 

Schmidt, Jus primae noctis. 14 



210 Kapitel 41. Schlacht von Gabhra. 

ney, „keinenfalls als ein Stück ächter Geschichte angesehen wer- 
den kann, so verdient sie doch aufbewahrt zu werden, weil sie 
älter ist als irgend ein anderer Bericht über die grosse Schlacht. . . 
Es ist klar, dass der Verfasser, wer er auch gewesen sein mag, 
Erinnerungen von irischer Geschichte hatte, die er in seinem 
Geiste vereinigte, indem er Namen und Thatsachen verwechselte 
und Alles in eine confuse Masse zusammenwarf. '^ ^ 

Dass die vorstehende Erzählung „älter ist als irgend ein an- 
derer Bericht über die grosse Schlacht", dürfte zu bezweifeln sein. 
Denn sie findet sich, wie O^Kearney selbst bemerkt, in keiner 
andern Geschichtsquelle ^ und steht mit den oben (S. 207, 208) 
erwähnten anderweitigen Ermittlungen der Geschichtschreiber, mit 
Einschluss der eigenen Darstellung O'Kearney's, in Widerspruch ^. 
üeber das Alter der Schrift, die dem Abdruck zu Grunde liegt, 
hat O^Kearney keine Auskunft gegeben; doch scheint sie aus 
der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts herzustammen *. 



viz, twenty ungas (ingots or ounces) of gold, or the right of cohahiting with 
ihe princess the night previous to her marriage, Cairbre became very indignant 
upon hearing this message, and declared he never would submit to either of 
these conditions. Fionn thereupon sent htm word that he should pay either, 
or that the head of the princess only should satisfy the violation of the 
privilege. Upon hearing this, Cairbre became exceedingly enraged, and lost 
no time in despatching heralds to Conall Cionnbagair, king of the province 
of Ulster ; to Criomthan Culbhuidhe, king of Leinster ; and to Fiacha Muillea- 
than, king of Munster. They all assembled at one place, and Cairbre ex- 
plained to them the nature of his difficulty, and the thraldom under which 
he and his people were held by Fionn and the Fenians of Ireland. . . . The 
kings and nobles of Ireland thereupon became exceedingly enraged, and came 
to the conclusion not to endure or tolerate such slavery any longer. They 
aU retumed to their own provinces, and having held Council with their 
people, came to the resolution of expelling the Fenians from Ireland^S . . 
< O'Kearney S. 184. 

* O'Kearney S. 134: „The account opens with a piece of history nowhere 
eise to be met with, namely, the intended marriage of the monarch Cairbre's 
daughter with a Momoniam prince, and the tribute or tax claimed by the 
Fenians even from royalty itself for permission to celebrate the nuptlals of 
the princess of Ireland/' 

^ Der Widerspruch liegt hauptsächlich in den Angaben über die Veran- 
lassung des Streits, sodann aber auch in dem Bericht (O'Kearney S. 59, 137), 
dass selbst der König von Munster auf Seiten des Monarchen gestanden habe, 
und in der angeblichen Ungewissheit des Sieges (O'Kearney S. 61) 

* Vgl. W. Skene S. LXI (wo zwar nicht von der hier fraglichen Prosa- 
Erzählung, wohl aber von dem im selben Bande veröffentlichten Gedicht über 
die Schlacht von Gabhra gesagt wird, es gehöre zu einer im Jahr 1780 an- 
gefertigten Handschrif tensammlung) ; Windisch S. 149, 150. 



Kapitel 41. Schlacht von Gahhra. 211 

Wegen der schwülstigen Fassung vermutbet O'Kearney, dass 
die Erzählung aus dem fünfzehnten Jahrhundert oder aus dem 
Anfang des sechzehnten Jahrhunderts herrühre K Hiergegen ist 
einzuwenden, dass eine solche Schreibart auch im achtzehnten 
Jahrhundert möglich war. Keinenfalls ist daraus für die Frage, 
wann die Sage in der mitgetheilten Form entstanden ist, etwas 
Sicheres zu entnehmen; und noch weniger können die An- 
gaben über die Yeranlassung der Schlacht, namentlich über 
die Prätensionen der Fenier, als geschichtlich festgestellt er- 
achtet werden. Es würde daher ein grober Irrthum sein, wenn 
man annehmen wollte, die Erzählung über den Anspruch der 
Fenier auf den bezeichneten Tribut gehöre der Geschichte an. 
Zu diesem Irrthum kann ein Citat Helfferich's führen, der in 
einer Untersuchung über das jus primae noctis (mit Berufung auf 
eine Gefälligkeit von Jacob Grimm) die oben (S. 209) hervor- 
gehobenen Worte ohne Angabe des Zusammenhangs und ohne 
Erörterung über den Werth der Quelle mitgetheilt hat*. 

!N'ach Inhalt der vorstehenden Sage behaupteten die Fenier, 
eine Verletzung ihres Vorrechts durch die Verlobung der Kö- 
nigstochter erlitten zu haben. Vielleicht war hiermit das in 
einer andern Dichtung (über die Abenteuer der Sabia, Tochter 
von Eophan Og) erwähnte Vorrecht gemeint, wonach die Fenier 
verlangen konnten, dass der König, bevor er seine Tochter ver- 
lobe, anfragen müsse, ob keiner von den Feniern sie zur Frau 
begehre^. Weil diese Anfrage unterlassen war, verlangten die 
Fenier einen Tribut von zwanzig Unzen Gold oder Anerkennung 
ihres Rechts, mit der Prinzessin die Nacht vor ihrer Hochzeit 
zu schlafen. Darin ist ein Herrenrecht der ersten Nacht nicht 
zu finden. Denn abgesehen davon, dass die Fenier eine Alter- 
native zur Auswahl Hessen, und dass sie für den Fall der Ver- 



* O'Kearney S. 135. 

2 Helfferich S. 419. — HelflFerich bemerkt dazu: „Dasf celtische leapta ist 
belonging to a ^ed." Diese Bemerkung ist an sich richtig. (Vgl. Lluyd 
und O'Reilly : ^Leaptha, belonging to a bed".) Allein es ist nicht verständlich, 
wie sie mit der Schlacht von Gabhra zusammenhängen soll. 

' Nach dieser Dichtung (0*Keamey S. 43) wurden einstmals die Frauen 
der Fen\er-Häuptlinge beim Baden durch einen Fremden überrascht. Der 
Fremde erkundigte sich nach den Sitten und Vorrecht^i der Fenier. Die 
Fenierkönigin gab Auskunft darüber und erzählte u. A. : „Niemand in Irland 
darf Jemandem eine Frauensperson zur Ehe geben , ohne dreimal anzufragen, 
ob unter den Feniern Irlands kein Mann sei, der sie heirathen wolle; meldet 
sich ein Fian, so wird sie ihm gegeben." 

14* 



212 Kapitel 42. Untergang von Harapa. 

Weigerung des Lösegeldes nicht auf die Hochzeitsnacht , son- 
dern auf die Nacht vor der Hochzeit Anspruch erhoben, so 
kann der fragliche Anspruch der Fenier überhaupt nicht als 
Herrenrecht bezeichnet werden, weil er auf die Königstochter 
gerichtet war. 

6. Galt das jus primae noctis im Mittelalter? 

I. Indien. 

a. Untergang der Stadt Harapa. 

Kapitel 42. Bastian führt zum Beweise eines jus primae 
noctis den Satz an, ein Häuptling der weissen Hunnen, Namens 
Shorkot, habe bei jeder Heirath in Harapa das Vorrecht des 
Ehemanns in Anspruch genonmien ^. Obwohl die Quelle dieser 
Nachricht nicht angegeben, und eine deshalb gestellte Anfrage^ 
ohne Antwort geblieben ist, so kann doch einige Aufklärung 
darüber gegeben werden. 

Im Jahr 1831 reiste nämlich eine englische Gesandtschaft 
mit Geschenken für den Maharaja von Labore von Hyderabad 
nach Labore^. Alexander Burnes, ein Mitglied der Gesandt- 
schaft, besichtigte auf der Reise die Ruinen zweier alten Städte, 
und zwar Shorkote, zwischen den Flüssen Chenab und Ravee, 
und Harapa, seitwärts vom linken Ufer des Ravee. In seiner 
Reisebeschreibung wird eine Sage erwähnt, dass Shorkote vor 
ungefälqr 1300 Jahren (also etwa im sechsten Jahrhundert nach 
Chr. Gebi) durch einen König des Westens zerstört worden 
sei. Burnes . meint jedoch , die Erzählung über Shorkote sei 
eine glaubhafte Ueberlieferung von Alexander d. Gr., der an 
diesem Orte verwundet worden sei *. lieber Harapa schreibt 
Burnes: „Ungefähr fünfzig englische Meilen von Toolumba 
ging ich fünf Meilen landeinwärts, um die Ruinen einer alten 
Stadt, Namens Harapa, zu untersuchen. Die Ueberreste sind 
ausgedehnt, und der Ort, der von Backsteinen erbaut war, 



^ Bastian 8. 179: „Shorkot (leader of the white Huns) claimed the hus- 
bands privilege on every marriage (in Harapa).^ 

' Arch. f. Anthrop. Bd. 12 8. 268. Es ist anzunehmen, dass Herr Pro- 
fessor Dr. Bastian von dieser Anfrage Nichts erfahren hat. 

' Die bekannte Stadt Labore liegt am Flnss Ravee oder Hydraotes, der 
unterhalb der Stadt Toolumba in den Fluss Chenab oder Acesines einmündet ; 
der Fluss Chenab mündet bei Mooltan in den Indus. 

^ Burnes vol. 3 chap. 5 S. 131, 132. 



Kapitel 42. Untergang von Harapa. 213 

hat ungefähr drei Meilen im Umfang. Dort sieht man eine zer- 
störte Citadelle an der Uferseite der Stadt; sonst ist Harapa ein 
vollständiges Chaos, ohne ein ganzes Gebäude; die Backsteine 
sind zum Bau eines kleinen Ortes mit dem alten Namen, dicht 
bei den Ruinen, verwendet. Die Ueberlieferung setzt den Unter- 
gang von Harapa in dasselbe Zeitalter, wie den von Shorkote (vor 
1300 Jahren) , und das Volk erklärt die Zerstörung der Stadt 
durch eine Rache Gottes über Harapa , und zwar über dessen 
Beherrscher, der gewisse Vorrechte bei jeder Heirath 
in seiner Stadt beanspruchte und in Verfolg seiner 
Ausschweifungen sich der Blutschande schuldig 
machte. Zu einer spätem Zeit wurde Harapa eine niuhamme- 
danische Stadt; und dort ist das Grab eines Heiligen der Gläu- 
bigen, achtzehn Fuss lang, in der angeblichen, aber fabelhaften 
Grösse des Verstorbenen. Ein grosser Stein von Bingförm und 
eine grosse schwarze Platte von ovaler Gestalt, die neben dem 
Grabe liegen , sollen den Ring und den Edelstein im Ring dieses 
Riesen darstellen und von werthvoUerem Stoff gewesen sein, 
als dem gegenwärtigen unedlen. Wo solche Fabeln geglaubt 
werden, müssen wir aufhören, auf verständige Dichtung zu hoffen. 
Ich fand einige persische und Hindu-Münzen in diesen Ruinen; 
aber ich kann das Zeitalter von keiner derselben bestimmen.^ ^ 
In dieser Darstellung sind die fraglichen Vorrechte, die der 
Herrscher von Harapa soll in Anspruch genommen haben, nicht 
genau bezeichnet; und es ist nicht nöthig, an das jus primtae 
noctis zu denken, zumal da der Bericht mehrere („gewisse^) 
Vorrechte erwähnt. Auch fehlt eine Angabe über das Alter der 
Volkssage und über die Art, wie Bumes Eenntniss davon erhalten 
hat. Hiernach ist ungewiss, ob die im Jahr 1831 entdeckte Sage 
aus alten Zeiten herrührt, und ob sie in Indien entstanden ist; 
es ist daher nicht gerechtfertigt , ohne eine Untersuchung dieser 
Vorfragen aus dem Bericht vpn Burnes zu folgern oder auch nur 
eine Vermuthung herzuleiten^, dass in Indien einst das jus primae 
noctis geherrscht habe. Sicher ist nach dem Wortlaut des Berichts, 
dass die Erzählung dem Gebiet der Dichtung oder Sage angehört. 
Mithin wird die Behauptung Bastian's durch Burnes keineswegs 
bestätigt; abgesehen davon, dass der Name Shorkote nicht einem 
Häuptling, sondern einer Stadt zukommt. 



* Burnes vol. 3 chap. 5 S. 137. 

2 Dieser Fehler findet sich bei Liebrecht 1864, S. Hl, ebenso 1874, 
S. 141 und 1879, S. 419. 



214 Kapitel 43. König von Tsiampa. Kapitel 44. Priester in Gambodja. 

b. Recht des Königs von Tsiampa. 

Kapitel 43. Der Venetianer Marco Polo soll im Jahr 1280 
das Königreich Ziampa. oder Tsiampa (Cambodja) besucht ha- 
ben*. Von dieser Reise wird berichtet, im Reich des Königs 
von Ziampa dürfe kein Mädchen von einiger Schönheit heirathen, 
bevor es dem König vorgestellt sei; er behalte diejenigen, die 
ihm gefielen, für einige Zeit und gebe ihnen bei der Entlassung 
eine Summe als Ausstattung für eine standesgemässe Heirath ^. 
Hieraus folgern zwei Gelehrte der Gegenwart, dem König von 
Tsiampa habe das jus primae noctis zugestanden^. Doch ist 
diese Meinung, abgesehen von der Frage, ob und inwieweit 
die Nachricht Glauben verdient, schon nach deren Wortlaut 
unhaltbar. Denn danach bestand die Unsitte darin, dass der 
König aus seinen Unterthanen (ohne Unterschied des Standes) 
Mädchen, die ihm gefielen, für seinen Harem auswählte, und 
dass er sie dort behielt, solange es ihm beliebte; diese Tyrannei 
wurde einigermassen dadi^rch gemildert, dass dieselben bei der 
Entlassung eine Ausstattung empfingen, um sich verheirathen 
zu können. 

e. Buddha-Priester in Gambodja. 

Kapitel 44. Der durch Abel-Remusat übersetzte und her- 
ausgegebene Reisebericht eines chinesischen Gesandten aus dem 
Ende des dreizehnten Jahrhunderts enthält eine Beschreibung, wie 
im Königreich Cambodja, unter grossen Festlichkeiten, den Jung- 
frauen von einem Priester Buddha^s oder der Tao-sse-Sekte durch 
eine Manipulation deis Zeichen der Jungfräulichkeit genommen 
wurde*. Dies geschah nach Inhalt des Berichts nicht bei den 



^ lieber die Reisebeschreibung des Marco Polo vgl. Hüllmann Bd. 4 
S. 357—862, besonders S. 361: „Die Nac]irichten über Indien, Persien, 
Arabien, Aethiopien sind aus arabischen Schriften entlehnt." 

* M. Polo, book 3 chap. 6 S 586 : . . . „in his dominlons no young woman, 
of a certain degree of beauty, can be given in marriage, until she has been 
first presented to the king. Those who proove agreeable to him he retains 
for Bome time , and when they are dismissed , he furnishes them wlth a sum 
of money, in order that they may be able to obtain, according to their rank 
in life, advantageous matches^. . . . Hierzu bemerkt Marsden (Note 1174), 
es lasse sich nicht feststellen, ob das „droit du seigneur^^ in Tsiampa be- 
standen habe. 

' Liebrecht 1864, S. 541, ebenso 1874, S. 141 und 1879, S. 419 de Guber- 
natis. Indie S. 137. 

♦ Römusat S. 116—118: . . . „Audivi illum cum virgine simul in proxi- 



Kapitel 45. Brahmanen in Ostindien. 216 

einzelnen Heirathen, sondern jährlich zu gewisser Zeit in meh^ 
reren Häusern. Yon einem jus primae noctis ist hierbei keine 
Rede. Gleichwohl beruft sich ein modemer Gelehrter auf 
diesen Bericht für die an sich unklare Behauptung, dass in Cam- 
bodja das jus primae noctis jenem Priester ,,aufliege'' (,,in- 
combe")*; woraus ein anderer Schriftsteller folgert, ,,dass in 
Cambodja das jus primae noctis dem Buddha-Priester oder Tao-sse 
gehöre" ^. Ohne Grund erwähnt auch Liebrecht jenes Verfahren 
des Buddha-Priesters unter den vermeintlichen Beweisen eines 
jus primae noctis ^ 

d. Brahmanen in Ostindien. 

Kapitel 45. Dalloz meint, die Brahmanen hätten die Erst- 
linge (les pr6mices) der neuvermählten Frauen gehabt^. Und 
Angelo de Gubernatis versichert, im mittelalterlichen Indien hätten 
die Brahmanen das jus primae noctis besessen ^ Er berichtet in 
einem andern Werk, in Malabar fanden sich Brahmanen, die aus 
religiöser Pflicht den jungen Mädchen, bevor dieselben heirathen 
könnten, das Zeichen ihrer Jungfräulichkeit abnähmen und sich 
dafür noch bezahlen Hessen; selbst der König von Calicut räume 
das jus primae noctis einem Brahmanen ein^. Zur Erklärung 
dieses Missbrauchs erwähnt de Gubernatis eine alte , in der Brah- 
manen-Gesellschaft Indiens verbreitete und durch zahlreiche Ge- 



mum' cubiculum ingredi, ibique eam, manu adhibita, constuprare. Manum 
deinde in vinum immittit, quo, si quibusdam credideris, pater, mater, proximi 
tandem atque vicini, frontem signant; 8i aliis, vinum ore ipsi degustant. 
Sunt et qui sacerdotem puellae, pleno coitu misceri asserunt, alii contra 
contendunt." Vgl. Koppen Bd. 1 S 584: Lassen Bd. 4 S. 408. 

1 Giraud-Teulon S. 71. ' Kulischer S. 223. 

3 Liebrecht 1879, S. 420. 

* Dalloz, Dict. g6n. Bd. 1 unter Adult^re : . . . ^Ailleurs les Bramines avaient 
les pr^mices des jeunes mari^es.^ Hier ist kein bestimmtes Zeitalter ge- 
nannt; doch kann die Bemerkung auf das Mittelalter bezogen werden. 

5 de Gubernatis, Thiere S. 200. 

*> de Gubernatis, Indie S. 137 : . «. . „trovarsi nel Malabar br&hmani, 1 quali, 
come per unico loro cömpito religioso, levano il fiore della virginiUk alle 
fanciuUe, che per questo li pagano e senza del che non potrebbero pigliar 
marito. II re stesso di Calicut concede 11 jus primae noctis ad un br&h- 
mano**. . . . Vgl. de Gubernatis, Usi S. 197, 198 („idea di puriftcare la sposa**). 
Der Bericht ist so gefasst, als solle er sich auf die Gegenwart oder 
wenigstens auf die Neuzeit beziehen; doch kann er auch vom Mittelalter 
verstanden werden, da der Titel des Werkes auf die Zeit vom dreizehnten 
bis sechzehnten Jahrhundert verweist. 



216 Kapitel 45. Brahmanen in Ostindien. 

dichte, Legenden und Novellen bestätigte Yolksanschauung \ wo- 
nach der Besuch eines Brahmanen als Segen für kinderlose Ehe- 
gatten gelte, und insofern der Brahmane als Befruchter betrachtet 
werde ^. 

Nun ist zuvörderst klar, dass de Gubernatis in den angeführ- 
ten Stellen den Ausdruck jus primae noctis in einem andern Sinn 
gebraucht, als in der seit dem achtzehnten Jahrhundert herge- 
brachten Bedeutung; denn nach dem Zusammenhang seiner Dar- 
stellung würde das Yorrecht des Brahmanen darin bestehen, dass 
er auf Begehren des Königs oder anderer Männer eine durch 
religiöse Vorschriften eingeführte Handlung vornimmt und dafür 
eine Gebühr empfängt. Insofern kann hier von einem Herren- 
recht nicht gesprochen werden. Es ist aber auch nicht gerecht- 
fertigt, die thatsächlichen Angaben von Gubernatis auf Treu und 
Glauben als richtig anzunehmen, zumal da sein Bericht an meh- 
reren Unklarheiten leidet ^, und der weitere Inhalt seiner Schrift 
über das jus primae noctis, soweit derselbe sich auf das euro- 
päische Mittelalter bezieht, den Beweis liefert, dass der genannte 
Gelehrte bei Untersuchung dieser Frage die Ansichten von Du- 
cange und spätem Schriftstellern ohne ausreichende Prüfung für 
richtig angenommen . hat. 

Hätten alle indischen Brahmanen, wie de Gubernatis anzu- 
nehmen scheint, im Mittelalter oder in älterer Zeit jenes Recht 
besessen, das er mit dem Ausdruck jus primae noctis bezeichnet, so 
müsste es leicht sein , dies zu beweisen. Es müssten dann die Be- 
weise in der Sanskrit-Litteratur, namentlich in der Eechts-Littera- 
tur, Indiens in Fülle zu finden sein. Zur ältesten Sanskrit-Littera- 
tur (Veda-Litteratur) gehören die bereits erwähnten „Hausregeln*' 
(Grihyasütras) *; darin sind die Hochzeitsgebräuche der alten 
Inder genau beschrieben; dort wäre der Platz gewesen, von 
dem fraglichen Recht der Brahmanen, wenn es bestanden hätte. 



' Diese Yolksanschauung soll durch ganz Indien verbreitet sein, jener 
Missbrauch aber sich bloss in Malabar ausgebildet haben. (Vgl. Anm. 2.) 
Für diese Inkongruenz giebt de Gubernatis keine Erklärung. 

^ de Gubernatis, Indie S. 137: . . . „l'uso di adoperare 11 brähmana come 
fecondatore ö antico nella BocieUi brähmanica; e i poemi e le leggende e le 
novelle deU' India, dove si parla di parentl che non possono aver figliuoli e 
vorebbero averne, dimostrano come la vislta di un br&hmano non fu mal 
inntile e divenne sempre una vera benedizione; solamente nel Malabar, oltre 
air uso noi costatiamo l'abuso della cosa". Vgl. de Gubernatis, Usi S. 197, 198. 

3 Vgl. bezOgliob der Erbrechtsfrage oben Kap. 6 S. 34. 

♦ A. Weber Bd. Ji S. 267—412. Stenzler 1865. Oldenberg bei Weber Bd. 15 
S. 1-166. Vgl. oben Kap. 27 S. 156, 157. 



i 



Kapitel 45. Brahmanen in Ostindien. 217 

Zeugniss abzulegen; daselbst ist aber Nichts davon zu finden. 
Nach Auskunft des Herrn Professors Dr. JoUy kommt auch in 
einigen ungedruckten Werken dieser Klasse, die sonst manches 
Eigenthümliche enthalten, von einem derartigen Recht Nichts 
vor. Zudem ist der umstand verdächtig, dass das fragliche 
Recht gerade den Brahmanen zustehen soll, die als Träger der 
Sanskrit-Litteratur doch gewiss nicht darüber geschwiegen hät- 
ten^. Zu demselben Ergebniss führt die Nachforschung in den 
indischen Gesetzbüchern. Die geraume Zeit vor Christi Geburt 
verfassten Gesetzbücher des Apastamba und des Gautama ge- 
währen einen klaren Einblick in die Sitten und Rechtszustände 
der alten Inder, worin keine Spur von unsittlichen Gebräuchen 
oder gar von einem jus primae noctis der Brahmanen zu finden 
ist. Die darin enthaltene Strafbestimmung gegen einen Brahmanen, 
der mit der Ehefrau eines Andern fleischlich verkehrt^, giebt 
keine Andeutung einer dafür möglichen Entschuldigung. Auch 
in den Gesetzbüchern von Manu, T&jnavalkya, Vishnu, Vasishtha, 
Närada und Andern, kurz in allen bisher bekannt gewordenen 
Gesetzbüchern des indischen Alterthums, deren Zahl sehr be- 
deutend ist, findet sich (nach einer Auskunft des Herrn Professors 
Dr. Jelly) nicht die leiseste Anspielung auf eine derartige Sitte. 
Nach Bestimmungen der indischen Gesetzbücher wurde auf die 
Jungfräulichkeif der Braut ein so grosses Gewicht gelegt, dass 
eine Ehe für ungültig erklärt werden konnte, wenn die Gattin 
bei Abschluss der Ehe nicht Jungfrau war; ferner deiss der 
Yater, der die Anzeige eines solchen Fehlers unterliess, bestraft 
wurde , und dass der mit Unrecht gemachte Vorwurf jenes Man- 
gels als schwere Beleidigung galt ^. Hiermit ist die Annahme, dass 
ein jus primae noctis bestanden haben könne, schwer vereinbar. 
Zudem erörtern die indischen Gesetzbücher alle wirklichen oder 
eingebildeten Yorreohte der Brahmanen mit solcher Vollständig- 
keit, dass jenes Recht der Brahmanen, „selbst wenn es nur als 
frommer Wunsch existirt hätte, sicherlich nicht übergangen 
worden wäre" ^. 



' Aus einem Brief des Herrn Prof. JoUy. 

2 Apastamba II, 10, 27 n. II, bei Btthler S. 165: „They declare, that a 
Brahmana who has once committed adultery with a married woman of equal 
class, shall perform one-fourth of the penance prescribed for an outcast." 

3 Vgl. Manu 8, 224; Närada 12, 34; Manu 9, 72 und 73 5 YÄjnavalkya 2, 
1, 60; Yishnu 5, 44—46; etc. 

^ Aus einem Briefe des Herrn Prof. JoUy. 



218 Kapitel 45. Brahmanen in Ostindien. 

Eine Anfrage ^ nach den Quellen , worauf die Behauptung 
von de Gubernatis beruhe, ist unbeantwortet geblieben. Zu- 
folge besonderer Erkundigung habe ich darüber (von Herrn Pro- 
fessor Dr. Jelly) folgende Auskunft empfangen: ^Mit der von 
Gubernatis angeführten Yolksanschauung , wonach der Besuch 
eines Brahmanen als Segen für kinderlose Ehegatten gilt, sind 
vielleicht Erzählungen wie die von Nala und Damayantt gemeint, 
wo gleich zu Anfang von einem Besuch des Damana, eines hei- 
ligen Mannes, bei dem König Bhtma erzählt wird. Zum Lohn 
für die gastliche Aufnahme, die er findet, schenkt Damana dem 
bisher kinderlosen König drei Kinder. Freilich wird in diesen 
und ähnlichen Fällen der Brahmane keineswegs direct als Be- 
fruchter betrachtet. Dies ist nur bei der Leviratsehe der Fall. 
Bei der Leviratsehe aber handelt es sich um den Verkehr, nicht 
mit einer Jungfrau, sondern mit einer kinderlos gebliebenen Frau 
oder Wittwe. Die Ausübung dieser Sitte, die schon Manu als 
eine , viehische' bezeichnet, ist nach den Gesetzbüchern in der 
Regel auf Verwandte beschränkt und kann nur in Ermanglung 
von solchen (einer oder zwei Stellen zufolge) auf einen beliebigen 
Brahmanen übertragen werden.^ Aus diesen Anschauungen er- 
klären sich folgende vier Erzählungen, von denen die drei ersten 
in dem grossen Heldengedicht Mahäbhärata (d. i. grosser Krieg 
der Bhärata^) enthalten sind; sie stammen dem Anschein nach 
nicht aus der Zeit der ursprünglichen Abfassung des genannten 
Epos, sondern aus brahmanischen Bearbeitungen späterer Zeit. 
Als Raja Qantanu, der König von Hastindpura (am oberen 
Ganges, nordöstlich von dem heutigen Delhi), der Urenkel des 
grossen Königs Bhärata, gestorben war, folgte nicht sein ältester 
Sohn , Namens Devavrata (der auch mit dem Patronymikon Qän- 
tanava, d. i. Sohn oder Nachkomme des Qäntanu, bezeichnet 
wird), sondern die Herrschaft fiel an seine beiden Söhne zweiter 
Ehe, zuerst an den älteren, Citrängada, dann, nach dessen Tode, 
an Vicitravtrya. Denn Devavrata, der Sohn erster Ehe, hatte 
auf die Nachfolge verzichtet und feierlich gelobt, unvermählt zu 
bleiben, weil nur dadurch sein Vater zu der zweiten Gattin, 
Satjavatt; gelangen konnte. Seit jenem schrecklichen Gelübde 
wurde Devavrata mit dem Namen Bhtshma (d. i. der Schreckliche) 
bezeichnet. Vicitravtrya starb kinderlos und hinterliess zwei Witt- 



* Arch. f. Anthrop. Bd. 12 8. 268. 

^ Bhärata heissen die Nachkommen des Stammvaters Bharata; ähnlich wie 
Väsishtha das von Yasihtha herrührende Gesetzbuch ist. 



Kapitel 45. Brahmanen in Ostindien. 219 

wen, Ambikä und Ambälikä. Nun war es Sitte, dass beim Tod 
eines Mannes, der keinen Sohn hinterliess, sein Bruder oder 
nächster Verwandter seine Wittwen zu sich nahm und aus ihnen 
Söhne für den Verstorbenen erweckte ** Die Königin-Mutter 
Satyavatt bat deshalb den Bhtshma , mit den Wittwen des Königs 
Vicitraytrya demselben Söhne zu erzeugen. Bhtshma berief sich 
auf sein Gelübde. Darauf wendete sich Satyavatt an einen ihrer 
eigenen Verwandten, den Brahmanen Vyäsa, der ihren Wunsch 
erfüllte^. Ambikä gebar den Dhritaräshtra, und Ambälika gebar 
den Pändu. Nach einer andern Darstellung war Vyäsa ein Sohn 
der Satyavatt und des Rishi Parägara, also ebenfalls Halbbruder 
des Vicitravlrya , und er erfüllte in dieser Eigenschaft die be- 
zeichnete Verpflichtung^. Eine zweite Erzählung lautet, der 
Brahmane Dirghatamas habe auf Bitten des Königs Bali, für 
ihn Söhne zu erwecken, mit der Königin Sudeshnä fünf Söhne 
erzeugt ^. Nach einer dritten Erzählung erhielt einmal der König 
Saudäsa (von Ayodhyä) Besuch von dem berühmten Brahmanen 
Vasishtha, den er bat, mit seiner Frau einen Sohn für ihn zu 
erzeugen; Vasishtha gewährte die Bitte und kehrte, als die 
Königin schwanger war, in seine Einsiedelei zurück. Die Köni- 
gin gebar darauf einen Sohn, Namens Agmaka, der als Sohn 
des Saudäsa erzogen wurde. Diese Geschichte wurde dem Arjuna 
erzählt, der daran Anstoss nahm. Deshalb wurde ihm zur Auf- 
klärung mitgetheilt, Saudäsa habe einst die Prophezeiung er- 
halten, er müs^e sterben, wenn er seine Frau umarme; er habe 



* Ueber diesen Grundsatz (Manu 9, 59 ff.) vgl. Wheeler Bd. 1 S. 58, 62, 
Bd. 2 S. 583—585; Lassen Bd. 1 S. 780; Mayr S. 99. 

' Mahäbhärata, Ausg. von Calcutta, Buch 1 Vers 4273—4304; Ausg. von 
Bombay, Buch 1 Kap. 106 Vers 1—32. Vgl. Wheeler Bd. 1 S. 50—62, be- 
sonders S. 50, 51, 54. 

« Lassen Bd. 1 S. 776, 779—781. Wheeler Bd. 1 S. 60, 61. — Ein so 
erzeugter Sohn hiess Kshetrajna-Sohn , d. i. auf dem Acker des verstorbenen 
Bruders erzeugt. Lassen Bd. 1 S. 780, 781. — Es wird vermuthet, dass nach 
der ursprünglichen Fassung der Dichtung Bhtshma selbst der bezeichneten 
Verpflichtung genügte, und dass die Erzählung von seinem Gelübde und von 
der Hülfe des Brahmanen Vy&sa (der als Verfasser des Mahftbhärata gilt) aus 
der späteren brahmanischen Bearbeitung herrührt. Vgl. A. Holtzmann Bd. 1 
S. XI, XII und S. 37, 88, 211; Wheeler Bd. 1 S. 58—63. Eine Bestätigung 
dieser Vermuthung liegt darin, dass im weiteren Verfolg des Heldengedichts 
Bhtshma von den Söhnen des Dhritaräshtra sowohl wie des Pändu als Gross- 

• • • • 

vater bezeichnet wird. 

* Mahäbhärata, Ausg. von Calcutta, Buch 1 Vers 4172—4222. Ausg. von 
Bombay, Buch 1 Kap. 104 Vers 1--56. Vgl. Lassen Bd. 1, 2. Aufl. S 669—671. 



220 Kapitel 45. Brahmanen in Ostindien. 

daher, um seinen Stamm fortzusetzen, zu jenem Ausweg ge- 
griffen ^ Endlich wird aus dem Bhägavata-puräna eine Stelle an- 
geführt, wonach Angiras einem kinderlosen Krieger, Namens 
Bathttara, Söhne erzeugte '. 

Aus diesen Dichtungen ist die durch Gubematis bezeichnete 
Yolksanschauung nicht zu entnehmen, und noch weniger seine 
Behauptung von einem jus primae noctis zu begründen. Von 
einem derartigen Recht weiss, wie mir ein Hauptkenner des indi- 
schen Epos, Herr Professor Dr. Holtzmann zu Durlach, mitgetheilt 
hat, das Mah&bhärata selbst in seinen spätesten Stellen Nichts 
zu melden; und „die Zeit, aus welcher unsere epische Poesie 
stammt, also die nachvedische Heidonzeit, weiss von jenem jus 
absolut Nichts". Im Gegentheil dient der Inhalt der vorstehen- 
den Dichtungen zur Bestätigung der Yermuthung, dass die Brah- 
manen von einem Vorrecht, das ihnen bewilligt worden wäre, 
gewiss nicht geschwiegen hätten. 

Hätte ein jus primae noctis oder eine ähnliche Unsitte der 
Brahmanen geherrscht, so müsste darüber bei den indischen Ju- 
risten des Mittelalters, welche die älteren Werke mit Commen- 
taren versehen und zu Systemen verarbeitet haben, nähere Aus- 
kunft zu finden sein. Davon ist aber Nichts bekannt geworden; 
und Herr Professor Dr. Jelly hat mir auf Befragen bestätigt, 
dass sich bei jenen Juristen nirgends eine derartige Anschauung 
oder Vorschrift finde. 

In allgemeinen Darstellungen über Religion und Rechtsent- 
wicklung der Inder ^ habe ich keine Spur von einem jus primae 
noctis oder von einem „ähnlichen" Recht der Brahmanen ent- 
deckt; und sowohl Albrecht Weber als auch Julius JoUy haben 
mir die Versicherung gegeben, dass ihnen aus der indischen Lit- 
teratur keine Stelle über das jus primae noctis bekannt sei. 

Hiernach ist es ungerechtfertigt, zu behaupten, dass die 
Brahmanen Indiens, sei es im Mittelalter oder in älterer Zeit, ein 
jus primae noctis oder ein „ähnliches" Recht besessen hätten. 

Allerdings gilt das Gesagte in der Hauptsache nur von den 
Indern, soweit solche zur indogermanischen Volksrace gehören, 
nicht, von den im südlichen Vorderindien verbreiteten Volks- 



1 Mahäbh&rata, Ausg. von Calcutta, Buch 1 Vers 4736 und 4737, auch 
Vers 6787—6791; Ausg. von Bombay, Buch 1 Kap. 122 Vers 21 u. 22, auch 
Kap. 177 Vers 43—47. Vgl. Muir 2. Aufl. Bd. 1 S. 418. 

2 Muir 2. Aufl. Bd. 1 S. 224. 

» Benfey, Indien, bei Ersch u. Gruber Bd. 17. A. Weber Bd. 1 u. Bd. 2. 
DaUoz, R6p. (1870) S. 5—12. 



Kapitel 46. Das „Fürstliche^ in Russland. 221 

stammen der Dravida-Race *. Von den zur Dravida-Race gehö- 
rigen Malabaresen melden einige Seefahrer der Neuzeit, dass bei 
Hochzeiten des Kaisers (Samorin) von Calicut und bei Hochzeiten 
anderer vornehmer Herren die Priester ersucht würden, gewisse 
Handlungen mit den Bräuten vorzunehmen^. Die Möglichkeit 
ist nicht zu bestreiten, dass ähnliche Unsitten schon im Mittel- 
alter bestanden. Doch ist dies bisher nicht bewiesen, und kann 
daraus keinenfalls ein jus primae noctis der Brahmanen gefolgert 
werden. 

II. Bussland. 

Eine Ohronik über „du Fürstliche". 

Kapitel 46. Jacob Grimm schreibt: „In Russland musste 
der leibeigene Bräutigam dem Herrn der Braut einen schwarzen 
Marder liefern, und Nestor erzählt, im Jahr 964 habe Olga das 
Fürstliche abgeschafft und dafür jene Abgabe verordnet. Das 
fürstliche (Recht) bezieht man auf die Sitte alter Völker, bei 
welchen die erste Nacht leibeigener Bräute dem Herrn gehörte." ^ 
Weinhold stellt die bestimmte Behauptung auf, in Russland 
habe der Gebieter der Braut das jus primae noctis gehabt ^ 
Scherr versichert, aus Russland werde glaubwürdig bezeugt, dass 
dort der Herr das Recht der ersten Nacht bei der leibeigenen 
Braut gehabt habe^. Post meint, das jus primae noctis sei in 
Russland im Jahr 964 durch Olga abgeschafft worden; er schreibt 
darüber: „Dieses uralte Recht löst sich später in eine Abgabe auf 
und verschwindet endlich als solche. Olga verordnete, dass statt 
desselben vom Bräutigam ein schwarzer Marder genommen wer- 
den solle, woher noch bis vor Kurzem eine Abgabe, welche der 
Bräutigam für seine leibeigene Braut dem Herrn derselben ent- 
richtete, die Mardergabe hiess." ^ Liebrecht versichert, das jus 
primae noctis sei im Mittelalter in Russland ^ beansprucht und 
geübt worden®. 

Alle diese Behauptungen sind auf eine Schrift von Joseph 



* Vgl. darüber Andree S. 73. — lieber die Polyandrie dieser Volksstämme 
8. oben Kap. 6 S. 35, 86. 

2 Vgl das Nähere darüber in Kap. 75. 

3 Grimm, R.-A. 2. Ausg. S. 379, 380. Daraus: Michelet S. 263. 

♦ Weinhold S. 194. 

» Scherr 1865, S. 129. « Post S. 38. 

^ Auch nach dem Jahr 964 ? 

8 Liebrecht 1874, S. 138 und 1879, S. 416. 



222 Kapitel 46. Das „Fürstliche^ in Russland. 

Müller aus dem Jahr 1812 und auf ein im Jahr 1826 er- 
schienenes Werk von Ewers zurückzuführen. Müller und Ewers 
stützen sich auf y. Schlözer's Arbeiten vom Jahr 1809, und zwar 
auf einen darin erwähnten Ausspruch des russischen Schrift- 
stellers Tatisczev, der sich bei einer Stelle der russischen Chronik 
an das fragliche Herrenrecht erinnerte. Obwohl Ewers den Ta- 
tisczev als einen ,, durchaus unkritischen Gewährsmann^ bezeich- 
net^, nehmen doch Müller und Ewers die fragliche Stelle der 
russischen Chronik für acht an; und sie meinen, darin sei die 
Bede von dem jus primae noctis, welches früher in Russland 
stattfand ^. Einen Hauptgrund für diese Meinung findet Ewers 
darin, dass ein solches Recht in andern Ländern gegolten habe 
und in Urtheilen der S6n6chaus8ee de Guyenne vom 13. Juli 1302 
und des Parlaments zu Paris vom 19. Mai 1409 förmlich anerkannt 
worden sei*. Nun ist aber das angebliche Urtheil vom Jahr 1302 
eine fälschlich angefertigte Urkunde ^ , und das Urtheil vom Jahr 
1409 hat keinen Zusammenhang mit dem fraglichen Herrenrecht ^. 
Damit fällt die Hauptstütze hin, worauf Ewers seine Meinung er- 
baut hat. Zwar bemerkt er, in Russland führe eine Abgabe, die 
der Bräutigam für seine leibeigene Braut dem Herrn derselben 
entrichte, noch jetzt den Namen „Mardergabe^ ^. Allein daraus 
kann höchstens die Yermuthung hergeleitet werden, dass als Ab- 
gabe Anfangs ein schwarzer Marder, später eine Geldsumme zu 
entrichten war. Die weitere Hypothese von Ewers, Olga habe 
im Bereich ihrer Familienbesitzungen die Häuptlinge bewogen, 
sich die Ablösung ihres persönlichen Rechts für einen bestimmten 
Preis gefallen zu lassen^, ist unvereinbar mit seinem Bericht, 
dass die Ablösungssumme nicht bloss an die Herren, sondern 
auch an die Geistlichkeit zu zahlen gewesen sei. Abgesehen von 
diesen allgemeinen Gründen, ist leicht nachzuweisen, dass die 
Meinung von Ewers unhaltbar ist. 

Ueber Olga, Wittwe des im Jahr 945 in einem Peldzug 
gegen die Drewier erschlagenen Grossfürsten Igor, die für ihren 
Sohn Sviatoslav Igorevicz die Vormundschaft führte und Reichs- 
verweserin war, wird aus der Zeit um 964 gemeldet: „Damals 
schaffte Olga das Fürstliche ab und verordnete, dass der Bräuti- 



1 J. MüUer S. 220, Anm. 97; Ewers S. 70. 

2 Ewers S. 71 u. 75. 

3 Kap. 62. ♦ Kap. 63. 

5 Ewers S. 72. Vgl. J. Müller S. 220. 
« Ewers S. 73. 



Kapitel 46. Das „Fürstliche'^ in Russland. 223 

gam einen schwarzen Marder an den Fürsten entrichte, und so 
auch der Bojar von seinem Unterthan nehmen solle/ ^ Diese 
Stelle ist nicht, wie Jacob Grimm aus Ewers entnimmt, eine Er- 
zählung Nestor's, sondern ein späteres Einschiebsel der russischen 
Chronik^. Ein Mönch im Höhlenkloster (peczerskij monastyr) zu 
Kiew, Namens Nestor, geboren im Jahr 1056 und gestorben im 
Jahr 1116 oder etwas später, soll einige Jahre Yor seinem Tode 
eine russische Chronik in slavonischer Sprache geschrieben haben % 
die demnächst von Abt Sylvester und zwei ungenannten Mönchen 
bis zum Jahr 1203 fortgetzt wurde*. Das Original von Nestor's 
Chronik ist verloren gegangen; die ältesten bisher entdeckten Ab- 
schriften stammen aus der mongolischen Periode ^. Es entstanden 
während der mongolischen Herrschaft (1224 — 1462) und später 
zahlreiche Abschriften mit willkürlichen Zusätzen und Aenderun- 
gen bis zum Jahr 1630, so dass mehr als fünfhundert Jahre mit 
der russischen Chronikenschreiberei vergingen^. Das Alter der 
einzelnen Handschriften ist schwer zu bestimmen, da nach Ver- 
sicherung V. Schlözer's wenigstens zu seiner Zeit (1802) eine 
slavonische Diplomatik in Eussland noch unbekannt war^. Im 
Jahr 1732 begann der erste Druck einer Uebersetzung, und zwar 
nach einer einzelnen Abschrift®. In den Jahren 1768 — 1784 er- 
schienen vier Folianten von Auszügen aus einer Menge von Hand- 
schriften bis zum Jahr 1462, die der im Jahr 1750 verstorbene 
Tatisczev (Geheimer Kath und öouverneur von Astrachan) seit 
1720 vorbereitet hattet Von 1767—1800 wurden zwölf Hand- 
Schriften der russischen Chronik gedruckt *®. v. Schlözer hat diese 
zwölf gedruckten und noch neun ungedruckte Handschriften mit- 
einander verglichen und den Versuch gemacht, daraus den ur- 



* Tatisczev bei v. Schlözer Bd. 5 S. 127 : ^Togdash otrieszi Olga kniasheje, 
i uloshila brat' ot shenicha po czernie kunie, kak Kniaziu tak Bojarina ot 
jego poddannago.^^ Vgl. J. Müller S. 181 (wo sich folgende unklare Ueber- 
setzung findet: „Damals schaffte Olga das Fürstliche ab, und verordnete, von 
den! Bräutigam zu einem schwarzen Marder zu nehmen, dem Knäsen sowohl 
als den Bojaren von seinem Unterthan"); Ewers S. 70. 

2 V. Schlözer Th. 5 S. 126, 127. 

» V. Schlözer Th. 1 S. 3—9; Potthast S. 463 und S. 1009. 

* V. Schlözer Th. 1 8. 16, 17. Vgl. hiergegen jedoch Rjumin Bd. 1 , Einl. 
S. 1-3. 

* V. Schlözer Th. 2 S. 14, 287, 295, Th. 5 S. 5. 
" V. Schlözer Th. 1 S. 20—22, Ö8— 56, 83. 

» V. Schlözer Th. 1 8. 41, Th. 2 S. 287. 

8 V. Schlözer Th. 1 S. 80. » v. Schlözer Th. 1 S. 92, 107, 108. 

«0 V. Schlözer Th. 2 S. I. 



224 Kapitel 46. Das ^Fürstliche^ in Russland. 

sprünglichen Text Nestor's wiederherzustellen *. Seitdem scheinen 
diese Arbeiten fortgesetzt zu sein^. 

Die vorbezeichnete Stelle über „das Fürstliche**, welches 
Olga im Jahr 964 abgeschafft haben soll, steht in keiner von den 
Handschriften, die v. Schlözer verglichen hat. Er versichert, sie 
sei ein Einschiebsel, das sich bloss bei Tatisczev finde. „Yen dieser 
Stelle sagt Tatisczev, Anmerkung 135, S. 329, er habe sie einzig 
und allein im Cod. Raskoln. gefunden.^ ^ Aus welcher Zeit dieser 
Codex stammt, wird nicht berichtet. Es liegt nahe, zu vermuthen, 
dass er aus verhältnissmässig später Zeit herrührt; denn es liesse 
sich nicht erklären, dass diese Stelle Jahrhunderte laug bei allen 
neuen Abschriften unbemerkt blieb , wenn sie schon in einer alten 
Handschrift gestanden hätte. 

Mithin kann die fragliche Stelle weder dem ersten Verfasser 
der russischen Chronik zugeschrieben, noch überhaupt mit Sicher- 
heit für eine Nachricht des Mittelalters ausgegeben werden, und 
es bedarf keiner näheren Prüfung, ob und inwieweit die russische 
Chronik für die Geschichte von Olga und Sviatoslav^ Glauben 
verdient. Allein selbst wenn jene Stelle Wahrheit enthielte, so 
könnte sie doch nicht zu der Meinung berechtigen, dass Olga 
das jus primae noctis vorgefunden und abgeschafft habe. Ta- 
tisczev sagt (nach v. Schlözer's Bericht) , die Bedeutung des Aus- 
drucks „das Fürstliche" (kniasheje) sei „nicht völlig bekannt**; 
„doch' denkt er an die Sitte alter Völker, bei denen die erste 
Nacht leibeigener Bräute den Herren gehörte, und citirt dabei 
den Herodot IV, 34 und Justin. Dieses schändliche Recht habe 
Olga, während ihr Sohn im Feld war (und sie sich doch noch 
mit der Staatsverwaltung abgab), in eine Geldabgabe verwandelt; 
und diese werde noch bis auf den heutigen Tag bei Hochzeiten 
an die Herren und die Geistlichkeit entrichtet." ^ Hiernach wird 
jener Ausdruck mit dem Recht der Herren auf „die erste Nacht 

leibeigener Bräute" nur deshalb in Verbindung gebracht, weil 

( 



1 V. Schlözer Th. 2 S. HI u. IV. » Vgl. Rjumin, Einl. zum 1. Bd. 

» V. Schlözer Th. 5 S. 127. — Der vollständige Titel dieses Codex, der dem 
Tatisczev selbst gehörte, lautet: „Roscoln. Golytz. Poviest' vremiannych diej 
Nestora, Czemoriztza Feodosjeva Peczerskago monastyria.'' Vgl. v. Schlözer 
Th. 2 S. 4. 

* Dieser Theil ist nebst Uebersetzung und Commentar bei v. Schlözer 
Th. 5 S. 1—186 abgedruckt. Vgl. die Kritik Th. 5 S. 7, 8. 

* V. Schlözer Th. 5 S. 127. Vgl. J. MüUer S. 220. — Welche SteUe aus 
den Schriften von Justinus Martyr in vorstehenden Citaten gemeint sei, ist 
nicht angegeben. 



Kapitel 47. Das jus primae noctis in Deutschland. 225 

Tatisczev, ein Schriftsteller des achtzehnten Jahrhunderts, meint, 
eine derartige Unsitte habe bei alten Völkern geherrscht. Doch ist 
eine Berechtigung für diese Annahme weder aus Herodot noch aus 
Justin zu entnehmen. Zudem ist die Erklärung auch insofern unver- 
ständlich, als darin zwei verschiedene Abgaben (an die Herren und 
an die Oeistlichkeit) ohne jede Begründung gleichgestellt werden. 

V. Schlözer berichtet, Jelagin sei der Einzige, der von dieser 
Stelle Notiz genommen habe. Jelagin zweifelt nicht daran, dass 
hier „das im alten Europa allgemein (?) geltende Droit du seig- 
neur (Jus primae noctis) gemeint sei : eine Folge des barbarischen 
Lehenrechts, welches ja anfänglich, bekanntlich, auch in Russ- 
land stattgehabt. Noch jetzo werde die Geldabgabe, die der 
Bräutigam für seine Braut bezahlt, kunicznoje (bei Heym kunitza) 
genannt^, v. Schlözer setzt hinzu: „So hätte sich also ein für die 
alte russische Welt wichtiges Factum nur in einem einzigen Co- 
dex geborgen.*' * Schon diese letzte Bemerkung, in Verbindung mit 
dem Fragezeichen hinter „allgemein^, deutet an, dass v. Schlözer 
den Erklärungen von Tatisczev und Jelagin keinen Beifall spendet. 
Deutlicher ist dies durch eine Nachtragsbemerkung ausgedrückt, 
die unter den Berichtigungen steht: „S. 127. Grupen in Uxor 
theotisca p. 8 beweist, dass das jus primae noctis ein schottisches 
Märchen sei.^ ^ In der Geschichte Russlands von Bestushew- 
Rjumin findet sich keine Erwähnung jener Erzählung, obwohl 
darin berichtet wird, dass Oleg den Drewlänen die Verpflichtung 
auferlegt habe, einen schwarzen Marder vom Rauchfang zu zahlen, 
und obwohl die Thätigkeit Olga's bei Feststellung der Abgaben 
in ausführlicher Darstellung geschildert wird^. 

Aus allen diesen Gründen fehlt eine Berechtigung für die 
Behauptung, dass in Russland das jus primae noctis bestanden 
habe und durch Olga abgeschafft worden sei. 

in. Deutschland und Schweiz« 

ft. UnbeBÜmmte Naehriohten »vb Deutsehhuid. 

Kapitel 47. Viele Schriftsteller des achtzehnten und neun- 
zehnten Jahrhunderts^ sind der Meinung, in Deutschland habe 



* V. Schlözer Th. 6 S. 121. « v. Schlözer Th. 5 S. 21Ö. 
« Rjumln S. 82, 83. 

♦ Keyeler § 64 S. 484; Weetphal §g 11, 12, 8. 37—40; Pars S. 182; 
V. d. Schelling Bd. 1 S. 146, 147, § 16 ; Johnson 6. 280 in der Anm. ; v. Alvens- 
leben zu Fellens S. 148; Dulaure, Gesch. d. Adels S. 241, 242; Merlin, R6p. 

Schm.idt, Jus primae noctis. 15 



226 Kapitel 47. Das jus primae noctis in Deutschland. 

• 

das Herrenrecht der ersten Nacht bestanden. Ein Artikel der 
Augsburger Allgemeinen Zeitung bestreitet zwar die Bichtigkeit 
dieser Annahme, will aber zugeben, dass in einzelnen Gegenden 
sich Andeutungen fanden, wonach jenes Eecht „per nefas in An- 
wendung gebracht worden sei" *. Georg Ludwig v. Maurer be- 
merkt, in Deutschland fanden sich nur wenig Spuren von jenem 
Recht; und Christian Meyer meint, aus der Zeit des Mittelalters 
sei „von einer thatsächlichen Ausübung des sogenannten jus pri- 
mae noctis in Deutschland eine sichere urkundliche Beglaubigung 
nicht aufzufinden" ^ Eeysler behauptet, unter dem Namen Jus 
cunnagii" sei bei unsern Yorfahren ein Recht gebräuchlich ge- 
wesen, welches den Fürsten und allen Dynasten, so oft Jungfrauen 
aus ihrer Herrschaft heiratheten, die erste Verletzung und Ver- 
kostung der jungfräulichen Keuschheit überlassen habe ^ Andere 
behaupten , der Brauch des jus primae noctis habe bei den Deut- 
schen im Mittelalter vielfach stattgefunden^; dies Recht sei im 
europ£uschen Mittelalter bekanntermassen in Deutschland ebenso- 
wohl wie anderwärts beansprucht und geübt worden^; es habe 
sich in Deutschland länger erhalten, als manches andere aus dem 
Feudalismus hervorgegangene Herrenrecht ^ ; die Herren in Deutsch- 
land hätten die Ausübung jenes empörenden Rechts bis ins acht- 
zehnte Jahrhundert hinein gefordert \ 

Auf die Frage, in welchen Theilen Deutschlands jenes Recht 
gegolten habe oder ausgeübt worden sei, geben die meisten 
Schriftsteller keine Antwort. Doch hält Ludwig v. Alvensleben 
die Lausitz für das Land, wo sich die Ausübung jenes Rechts 
in Deutschland am längsten erhalten habe®. Sugenheim meint, 



unter Markette; Dtimge S. 20, 28; v. Hormayr 1832, S. 38 und 1842, S. 146; 
Kolb 1842, S. 497; Nork S. 190—192; Delpit S. 65, 66; de Labessade 
Nr. 47 S. 24; Weinhold S. 195; Scherr 1858, S. 212 (und 1876, S. 237, 238); 
Scherr 1865, S. 129; Liebrecht 1864, S. 541; v. Schmitz S. 232; Liebrecht 
1874, S. 138; Post S. 38; Kulischer S. 224, 227, 228; Liebrecht 1879, S. 
416, 418. 

* Augsb. Allg. Ztg. V. 18. April 1868, Nr. 109 S. 1662. 

2 V. Maurer Bd. 3 S. 169 ; Chr. Meyer S. 365. » Keyaler § 64 8. 484. 

♦ Kulischer S. 227. * Liebrecht 1879, S. 416. 

^ V. Alvensleben zu Fellens S. 148. ^ Dulaure, Adel S. 241, 242. 

^ V. Alvensleben zu Fellens 8. 148. — Eine Andeutung über das angebliche 
jus primae noctis der Lausitz findet sich schon in einer Anmerkung des 
Uebersetzers von Johnson (S. 230) : ^^Wo mir recht ist, so findet dieses näm- 
liche Herrenrecht bei uns noch in den wendischen Dörfern der Lausitz statt, 
wo der Bräutigam die primam noctem seiner Braut mit Erlegung eines Du- 
katen bei dem Gutsherrn lösen muss.^^ 



Kapitel 47. Das jus primae noctis in Deutschland. 227 

in Bayern hätten bis Z4i den letzten Decennien des achtzehnten 
Jahrhunderts die Leibherren sich jenes Recht anzueignen gewusst K 
Daraus folgert ein späterer Schriftsteller, jenes Recht sei noch 
in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts von den Grundbesitzern 
in Bayern in der primitiven Form ausgeübt worden ^. In einer 
andern Schrift findet sich die Meinung, das jus primae noctis 
erscheine „in so manchen Gegenden des südlichen Deutschlands 
wirklich als erwiesen^, dagegen sei es „stark zu bezweifeln^, 
dass es in der Umgebung von Soest (in "Westfalen) gegolten habe *. 
In Wahrheit liegt nicht die mindeste Berechtigung zu der 
Annahme, vor, dass in irgend einem Theil der zum Deutschen 
Reich vereinigten Länder zu irgend einer Zeit das jus primae 
noctis gegolten habe oder auch nur thatsächlich ausgeübt worden 
sei. Kein Schriftsteller hat für die angeführten Behauptungen 
einen directen Beweis zu erbringen versucht. Dies gilt auch von' 
den Behauptungen, die durch ihre Fassung bei dem Leser die Yor- 
stellung erwecken, als beruhten sie auf urkundlichen Beweisen. 
Es wird behauptet , in Deutschland seien Gesetze zur Bekämpfung 
jenes Rechts erlassen, und die Geistlichkeit habe versucht, dagegen 
einzuschreiten ^; allein es fehlt eine Bezeichnung dieser Gesetze und 
Massregeln, die in der That nicht existiren. In Ermanglung direc- 
ter Beweise können die vorbezeichneten Meinungen nur auf Indir 
cien oder Vermuthungen gestützt werden. Nun ist es aber undenk- 
bar, dass jenes Recht in Deutschland als gültig anerkannt oder 
auch nur thatsächlich ausgeübt sein, sollte, ohne in irgend einer 
Urkunde oder von irgend einem deutschen Schriftsteller vor dem 
achtzehnten Jahrhundert erwähnt zu werden. Liebrecht meint, 
es müsse in Deutschland bestanden haben und ausgeübt worden 
sein, weil es „einst fast überall existirte und geiibt wurde *'^ 
Ein anderer Schriftsteller entnimmt aus dem Namen einer bei 
Eigenthumsübergängen in Wetzlar gültig gewesenen Abgabe die 
Yermuthung, dass jenes Recht in Deutschland allgemein bekannt 
gewesen sei ^. Ferner wird in der Beschaffung „schöner Frauen** 
eine „Ausdehnung des droit du seigneur" ^ gefunden. Diese Bei- 
spiele kennzeichnen die Unhaltbarkeit der Yermuthungen, aus 
denen gefolgert wird, das jenes Recht in Deutschland gegolten 



1 Sugenheim 1861, S. 374. Vgl. Welsch S. 2. 

» Kulischer S. 228. » y. Schmite S. 232. ♦ Scherr 2. Aufl. S. 212. 

* Liebrecht 1869, S. 811 und 1879, S. 418. 

« Kulischer 8. 228. VgL darüber oben Kap. 2 S. 10. 

' Anz. f. Kunde d. deutschen Vorzeit Bd. 6. 8. 136. 

15* 



228 "K.^.]}. 48 und 49. Die Zwingherren von Ravenatein und von Vatz. 

habe. Die Meinung zahlreicher Schriftsteller, dass aus deutschen 
Heirathsabgaben und ans deren Benennungen auf ein jus primae 
noctis geschlossen werden könne, ist im Kapitel 22 widerlegt. 

b. Anftitand gtgm die Zwingherren von Raventtein. 

Kapitel 48. Freiherr v. Hormayr erzählt, es habe in 
Deutschland stets als unerträgliche Tyrannei gegolten, wenn ein 
Burgherr das Recht der ersten Nacht wirklich an Haut und Haar 
ausübte; „die Zwingherren von Fersen, von Ravenstein und von 
Vatz erweckten dadurch den Aufruhr, der sie vertrieb" *. So- 
weit diese Nachricht auf Zwingherren von Fersen und von Vatz 
sich bezieht , gehört sie nicht in das Gebiet des gegenwärtigen 
Deutschen Reichs; die Herren von Fersen wohnten in Süd-Tirol* 
und die Herren von Vatz in der Schweiz ^. Daher würde die 
Nachricht im gegenwärtigen Kapitel nur bezüglich der Herren 
von Ravenstein zu prüfen sein. Allein hier ist völlig ungewiss, 
auf welche Herren die Nachricht sich bezieht. Es gab eine 
Herrschaft Ravenstein an der Maas, die aus einer kleinen Stadt 
und zwölf Dörfern bestand^, fer&er ein Bergschloss Rauenstein, 
im sächsischen Erzgebirge^ und ein Bergschloss Rauenstein in 
Sachsen-Meiningen ^. Leider hat Herr von Hormayr für seine 
Nachricht keine Quelle angegeben, so dass sie bis zur Entdeckung 
näherer Aufklärung nicht berücksichtigt werden kann. 

0. Anfsiand gegen die Zwingherren von Vati. 

Kapitel 49. Wie zu Anfang des vorigen Kapitels gesagt 
ist, behauptet Freiherr v. Hormayr, die Zwingherren von Vatz 
hätten dadurch, dass sie das jus primae noctis „an Haut und 
Haar** ausübten, den Aufruhr erweckt, der sie vertrieb". Er 
giebt nicht an, wie er zu dieser Nachricht gelangt ist. Mag 
nun aber die Behauptung auf eigener Erfindung® oder auf der 
Erzählung eines andern Schriftstellers beruhen, jedenfalls ist sie 



1 V. Hormayr 1832, S. 88 und 1842, S. 146. 

« Vgl. Kap. 50. « Vgl. Kap. 49. 

^ Büsching 4. Theil 8. 194, 195. 

» BOsching 3. Theil, 2. u. 3. Bd. 8. 2764. 

6 Büsching 3. Theil, 2. u. 8. Bd. 8. 2942. 

^ V. Hormayr 1832, 8. 38 und 1842, 8. 146. 

® In einem gefälligen 8chreiben des Herrn Professors Dr. E. Roehholz zu 
Aarau wird jene Behauptung auf die „forcirte Anekdotenjägerei^ des Autors 
zurückgeführt. 



Kapitel 49. Die Zwingherren von Vatz. 229 

4 

unbegründet, wie sich leicht nachweisen lässt. Die Freiherren 
von Yatz (de Yatio) waren Landesherren in einem Theil Grau- 
bündtens und nahmen schon im Jahr 1160 einen hohen Bang 
unter dem rhätisphen Adel ein. Ihre Geschichte ist aus Urkun- 
den und sonstigen Quellenwerken wohlbekannt ^ Der Mannes* 
stamm dieses berühmten Hauses erlosch mit Johann Donat von 
Yatz, der zwischen 1330 und 1338, wahrscheinlich 1333 oder 
1335, starb. Seine Herrschaft yererbte sich auf seine beideli 
Schwiegersöhne, den Grafen Friedrich von Toggenburg und den 
Grafen Eudolph von Weidenberg-Sargans. Donat führte Fehde 
mit Rudolph Montfort, Bischof von Chur, und besiegte denselben 
in der Schlacht bei Yillisur, unweit des Schlosses Greif enstein, 
im Jahr 1323. Ueber Johann Donat von Yatz sind mancherlei 
Erzählungen verbreitet, die ihn als einen Feind der Geistlichkeit 
und als einen schrecklichen Tyrannen schildern ^. Darunter findet 
sich eine Erzählung, wonach er als unbussfertiger Sünder auf dem 



* Vitoduranus S. 103, 104 (aus pag. 72 und 78 der Handschrift); Stumpff 
Bd. 2, Buch 10, Kap. 12, Blatt 308; Campell Bd. 1 und Bd. 2 an vielen 
Stellen; v. Salls-Seewis in Schweiz. Gesch.-F. Bd. 1 S. 250—818 und S. 488 
bis 500; Tschudi Theil 1, Buch 6 zum Jahr 1880; Leu Bd. 18 S. 456—458. 

> Vitoduranus zum Jahr 1828, S. 103, 104 (pag. 72, 78 des Manuscr.): 
„Dominus de Yazz jam memoratus tantam seviciam et tirannidem, quamvis 
jurisperitus seu canonista foret, in hostes suos exercuit, quod ipsos captos 
in multo numero quandoque laute refecit clbo potuque, oarcerl postea incon- 
tinenti, nunquam ultra panem comesturos, mancipandos. Fama communis de 
ipso volans protestatur, ipsum tante duricie extitisse ac obstinate malicie, 
quod quandocunque suos captivos seu turri inclusos audivit lamentabiUter pre 
nimia fame ac carceris swalore et horrore ejulare et clamare, exultavit non 
modicum, dicens : ,l8te sunt avicule mee dulciter in meia auribus personantes I' 
Iste cum diu episcopatum Curiensem vexasset et bona ipsius plurima sibi 
usurpasset et tandem in lectum infirmitatis ad mortem decidisset et anmonitus 
fuisset, quod anlme sue salutem confitendo peccata sua procurasset, more flde- 
lium de hoc mundo transmigrancium , respondit , in malicia sua nimls indnrai- 
tus : ,Ego confessionem, licet ipsam fiaciendam fore optime noscam, non faciam, 
quia salubris michi nequaquam esse poterit, sed frustratoria, cum eam absque 
contricione penitus agerem.' Et sie heu absque penitencia et omni satis- 
factione et emenda, quod est mlserabile et horribile dictu, ab hoc seculo de- 
cessit^ . . . Vgl. femer Campell Bd. 1 S. 57 : „Einst lud er drei seiner Un- 
terthanen zu einem reichlichen Mahle. Nach dem Essen musste auf seinen 
Befehl der Erste sich heftige und unausgesetzte Bewegung maeben, der 
Zweite das Nämliche, aber nur mit M&ssignng thun, der Dritte jedoch schlafen. 
Dann habe er aber allen Dreien den Leib aufschneiden lassen, um sich zu 
überzeugen, welche Beschäftigung die geeignetste zur Verdauung gewesen, 
und hierbei bemerkt, dass der Zweite am besten verdaut habe.^ Fera^r 
Campell Bd. 1 S. 147 betr. das Kloster Curwalden. 



230 Kapitel dO. Oundobald von Pergine. 

Krankenbett starb. Diese Erzählungen beruhen zum grossen 
Theil auf Yolkssage oder Erfindung. Schon Johann von Winter- 
thur, der Zeitgenosse Donaths, beruft sich für die über ihn mit- 
getheilten Erzählungen auf die „fama communis ^4 und nicht ohne 
Orund bemerkt ^ Conradin v. Mohr, dass die angeblichen Orau- 
samkeiten des Donat von Yatz vor der strengen historischen 
Kritik nicht bestehen können ^ Wie dem aber auch sein mag, 
keine einzige Erzählung aus seinem Leben enthält eine That- 
Sache, woraus der Bericht des Herrn von Hormayr entnom- 
men sein könnte. Kein Geschichtschreiber meldet Etwas von 
einem Aufruhr gegen Donat von Vatz oder von dessen Ver- 
treibung; Alle stimmen darin überein, dass er bis zu seinem 
Tode in seiner Herrschaft geblieben ist; und es findet sich keine 
Andeutung davon, dass er das jus primae noctis oder überhaupt 
ein schmachvolles Recht in Anspruch genommen oder gar aus- 
geübt habe. Zwar hat von Hormayr nicht gesagt, dass er von 
der schweizer Familie von Vatz rede ; und nach dem Zusammen- 
hang der fraglichen Stelle könnte man vermuthen, er meine 
eine deutsche Familie desselben Namens. Indessen ist meines 
Wissens von einer solchen Familie im Gebiet des Deutschen 
Reichs Nichts bekannt. 

IT. Oesterreich. 

AnfBiand gegen Ckmdobftld Ton Pergine (Pereen) in Süd-Tirol. 

Kapitel 50. Bei einigen Schriftstellern des neunzehnten 
Jahrhunderts findet sich die Behauptung, die Herren von Pergine 
in Südtirol hätten das jus primae noctis ausgeübt^. Tommaso 
Gar berichtet, nach dem Tod Friedrichs von Pergine, der um 1050 
lebte, habe dessen Sohn und Nachfolger Adalbert zu früheren 
Missbräuchen den Anspruch auf die Jungfrauschaft der Bräute 
-hinzugefügt; und diese Gewaltthaten und Bedrückungen seien 
unter Adalberts Sohn, Gundibald, zum Uebermass gewachsen. 
Er meint, jener „Anspruch auf die Jungfrauschaft der Bräute" 
sei zu damaliger Zeit, also etwa um 1100, weit verbreitet ge- 
wesen: „Dieser dumme und thierische Missbrauch, der die mensch- 



f y. Mohr zu Campell Bd 1 S. 57 und 71. 

* Vgl. B B. V. Hormayr 1832, S. 38 und 1842 8. 146: „Die Zwingherren 
von Persen . . . erweckten dadurch den Aufruhr, der sie vertrieb"; Chabert 
Abth. 2. S. 82: ^Der grausame Oondebald von Pergine übt das jus primae 
noctis"; Kulischer S. 228: ^Ein urkundliches Zeugniss über die Existenz 
dieses Brauches finden wir auch in Wälsch-Tyrol." 



Kapitel 50. Oundobald von Pergine. 231 

liehe Würde in ihrer zartesten Empfindung verletzt, war zu jenen 
Zeiten unter die Hoheitsrechte aufgenommen worden, und wurde 
nicht allein thatsächlich ausgeübt oder in günstigeren Fällen 
durch Geld losgekauft, sondern war auch in dem öffentlichen 
Recht eines fremden geistlichen Fürstenthums schmählicher Weise 
erwähnt." * 

Diese Behauptungen stützen sich theils direct, theils indirect 
auf eine Urkunde vom Jahr 1166, gegen deren Aechtheit keine 
Bedenken bestehend 

Zum allgemeinen Yerständniss mag Folgendes dienen. Der 
Marktflecken Pergine (zu deutsch Fersen) liegt zwischen Trient und 
Bassano, wo das Yalsugana mit dem Yalle del Fersina zusammen- 
trifft, auf dem schönen Wege von Trient zum Lage di Caldonazzo. 
Im Südosten des Marktfleckens, auf einem freien Hügel, steht 
noch jetzt die alte Burg (mit prachtvoller Aussicht vom Schloss- 
thurm), wo vormals die durch Mord, Brand und Raub berüchtigten 
Herren von Pergine rfesidirten^. Ausserhalb des Ortes an der 
Landstrasse nach Trient, an dem Platz des jetzigen Franziscaner- 
klosters, stand das Benedictinerstift Wald, das im Jahr 1377 
durch Ueberschwemmung zerstört wurde ^. Schon in einer Ur- 
kunde vom Jahr 845 über einen Prozess, der zu Trient vor den 
Abgesandten des Kaisers Ludwig und des Herzogs Liutfred ent- 
schieden wurde, findet sich unter den Schöffen der Name Avar- 
dus de Perfines^. Kaiser Conrad II. verschenkte im Jahr 1027 
das Herzogthum Trient, wozu, damals die Herrschaft Pergine 
gehörte, an den Bischof von Trient^. Es scheint jedoch, dass 
die Bischöfe nicht lange eine directe Herrschaft; über Pergine aus- 
übten, sondern dass bald eine Ritterfamilie von bayerischer Abstam- 



* Gar S. 17; de Gubernatis, Usi S. 200, 201. — Aus der SteUe von Gar 
ist nicht zu ersehen, au welches geistliche Fürstenthum er gedacht hat. 
Ebensowenig findet sich dort eine Begründung der Behauptung, dass su dama- 
ligen Zeiten der „Anspruch auf die Jungfrauschaft der Bränte^^ unter die 
Hoheitsrechte gezählt wurde. Es scheint also, dass Tommaso Gar diese That- 
Sache als notorisch ansieht oder, mit andern Worten, mit einer vorgefassten 
Meinung den Einzelfall geprüft hat 

' Bonelli (Bd. 2 S. 436, Anm. a) versichert, er habe die Urkunde (im 
Original, wie es scheint, nach Bd. 1 S. 17) von Simon Bartolomei mitgetheilt 
erhalten, und sie sei bereits von Marzari, lib. 1 fol. 67, und Pagliarini, lib. 1 
£ol. 21, und zwar von Letzterm aus dem Libro antico dell' Archivio di Vi- 
cenza, carte 79, veröffentlicht worden. Damit ist die Anm. d bei Bonelli 
Bd. 1 S. 17 berichtigt. Vgl. auch Gar S. 27. 

» B. Weber S. 611—616. ♦ B. Weber S. 613. 

5 Muratori Bd. 2 S. 971. « Gar S. 15. 



232 Kapitel 50. Gandobald von Pergine. 

mung (unter Lehnsherrlichkeit der Bischöfe Yon Trient) zur Herr- 
schaft über die durch mehrere Ortschaften gebildete Gemeinde 
Pergine gelangte ^ 

Die Urkunde vom Jahr 1166 wurde in dem genannten Bene- 
dictinerkloster notariell, in lateinischer Sprache, aufgenommen. 
Sie enthält zahlreiche Sprachfehler, Lücken und undeutliche 
Stellen. Aus dem Schluss lässt sich nicht ersehen, ob sie von 
den im Text genannten Personen unterschrieben ist. Nach einem 
Abdruck vom Jahr 1760, von dem nicht feststeht, ob er 
nach einer korrekten Abschrift erfolgte, lautet der Inhalt: 
„Im Namen unseres Herrn [Jesu Chri]sti. Im Jahr Seiner Ge- 
burt 1166, in der vierzehnten Indiction, am dritten Mai^, im 
Kloster der Mönche von Wald bei dem Marktflecken Person , im 
Saal der gewöhnlichen Zusammenkünfte zu Versammlungen für 
das allgemeine Wohl, haben die Vorsteher der ganzen Gemeinde 
[Person] in Gegenwart des Herrn Abts Teutwig . . . [folgt Auf- 
zählung der versammelten Vertreter der einzelnen Ortschaften] . . • 
alle Senioren und Vorsteher der Ortschaften ausserhalb des 
Marktfleckens und des ganzen Gemeindebezirks von Person, mit 
Ausnahme der Pomermanni in Floruts, welche zu den Dienst- 
mannen des Herrn gehören ^ , nach dem Willen und Befehl ihrer 
Männer und Senioren in der bestmöglichen Form ... zu ihren 
wahren und gewissen Abgesandten, Bevollmächtigen und Botschaf- 
tern der ganzen genannten Gemeinde bestellt und ernannt die 
Herren Abrian und Alimar, Sohn von Asgrand, aus Persen, 
den Jacobino aus Susate . . . [mit dem Auftrage] , zur Stadt Vi- 
cenza sich zu begeben und sich dort unter Wahrung der dem 
Reich und der Kirche von Trient gebührenden Ehre, . . • dem 
Vogt (Gewalthaber, Podestä) und den Vorstehern der ganzen 
Gemeinde und Stadt Vicenza vorzustellen .... und die ganze 
Gemeinde, Männer und Personen, in ihren Schutz zu geben, 
und um für die Männer des ganzen Bezirks und der Gemeinde 
Person eidlich zu versprechen, dttös sie ihre treuen Diener, 
Freunde ihrer Freunde und Feinde ihrer Feinde sein und ihnen 
bei Fehden ausserhalb des Bezirks Persen mit zweihundert, 



« Vgl. Gar S. 15; B. Weber 8. 514—516. 

^ Da das Jahr 1166 die Indiction XIV hat, so ist ^quarta decima^ zu in- 
dictione und „tercia^ zu Madii zu ziehen. 

^ ^De Arimania Domini^^ Der Ausdruck Arimanni wird von Heermannen, 
Ehrmannen oder Erbmannen hergeleitet. Die Arimanni hatten ein kleines 
Erbgut als Allod, nahmen jedoch Dienste bei Mächtigeren an. Vgl. Hüllmann 
Bd. 2 S. 202; Gar S. 32. 



Kapitel 60. Gnndobald \(m Pergine. 238 

innerhalb des Bezirks mit yierhundert bewaffneten Fusssoldaten 
helfen wollen ; jedoch unter folgenden Bedingungen, dass sie von 
der Gemeinde Vicenza einen Yogt erhalten, der mit einer ge- 
nügenden Zahl Bewaffneter, gleichzeitig mit den Abgesandten 
und Botschaftern, zu ihnen kommen soll, bevor Herr Gundibald, 
der gegenwärtig in Bayern ist, zurückkehrt, [und dass sie seine] 
Bedrückungen nicht gestatten, sondern nach allen ihren Kräften 
mit ihrem Beistand ihn aus dem ganzen Bezirk vertreiben. Fer- 
ner, dass der Yogt denselben Männern und Personen gestattet, 
nach ihren eigenen Gebräuchen, Gesetzen und alten Gewohnheiten 
zu leben, wie sie immer, seit Menschen-Gedenken und schon 
sechshundert Jahre lang, gelebt haben und künftig leben wollen, 
nach der Lex Salica und Longobardica. Ferner, dass sie ver- 
sprechen, ohne Betrug oder List, die herkömmliche coUetta ^ [nur] 
von den Feuerstätten, nicht von den Liegenschaften, zu entrichten 
[zu erheben?], und anderes Gutes, wie es immer von Alters 
her beobachtet wuifde. Femer, dass sie aus allen ihren Kräften, 
mit ihrem Beistand und mit starker Hand, sie befreien und be* 
freit halten sollen von der Tyrannei und Herrschaft des Herrn 
Gundibald, Sohnes von Adalbert, des bisherigen Beherrschers 
der Burg Fersen, der Burgen Cuco und Caveone . . . und 
des ganzen Bezirks Fersen. Ferner, dass sie nicht in Fehde 
wider das Brcich oder die Kirche von Trient und Felters geführt 
oder zur Hülfeleistung oder Begünstigung gegen dieselben ge- 
nöthigt werden dürfen, wie es Herr Gundibald thut mit den 
Herren von Castrobarco und Andern, und wie es Adalbert that, 
[und] der Grossvater des Herrn Gundibald. Ferner , dass die 
Frohnden und Lasten, die durch denselben Yater und Gross- 
vater [des Herrn Gundibald] ihnen auferlegt sind, ganz aufge- 
hoben und vernichtet werden sollen, nämlich und 

Nutzungen der ersten Nacht wegen der Bräute. Ferner, 
dass der Yogt für die Lasten und Dienste, die er von ihnen in 
der Burg empfängt, einen angemessenen Lohn zu zahlen hat, 
nach Massgabe des Herkommens, welches vor der Herrschaft 
des Herrn Friedrich, Grossvaters des Herrn Gundibald, beobachtet 



^ Vgl. Ducange unter CoUecta; Gar 8. 39: „La colta o coUetta (eoUecta) 
uaa tassa imposta arbitrariam^ite ora sui fondi ora sui fnochi, e che si diceva 
biscolta, se esigevasi due volle V anno. Quella sui fnochi importava soUtä- 
mente quaranta soldi^. Zu Deutsch: ,,Die Colta oder CoUetta (coUecta) war 
eine Abgabe, welche willkürlich bald ihren Liegenschaften, bald ihren Feuer- 
stätten auferlegt ward; sie hiess biscolta, wenn sie zweimal im Jahr erhoben 
wurde. Die der Fenerstfttten betrug aUein 40 soldi.^ 



234 Kapitel 50. Gundobald von Pergine. 

und nur dadurch beseitigt vnirde, dass Herr Friedrich durch 
Gewalt und Kriegsmacht mit Bewaffneten zu Dienstleistungen 
nöthigte, ohne Lohn dafür zu geben, indem er diejenigen, die 
Lohn begehrten , einkerkerte und misshandelte. . . . Ferner , dass 
es ihnen erlaubt sein soll , die gewohnten Zehnten an den Herrn 
Bischof von Felters abzuliefern, wie es herkömmlich war, bevor 
Herr Friedrich mit bewaffneten Männern nothigte, dass die 
Lieferung an ihn selbst erfolgte, [indem er] die Zuwiderhandeln- 
den mit . . . und Hunger [bestrafte]. Ferner, däss die durch 
Herrn Gundibald eingeführte minella ^ von neuen Werken nicht 

erhoben werden soll. Femer , dass ' Ferner , dass ihnen 

freistehen soll, wie es immer seit den ältesten Zeiten erlaubt 
war, den Richter zu wählen, der jedoch un|;er . . . dem Herrn 
Yogt stehen soll. Ferner, dass niemals aus irgend einem Ver- 
wand der Bezirk Fersen soll übergeben, cedirt, verschenkt, 
veräussert oder auf andere Weise [weggegeben] werden können, 
an Herrn Adalbert Gundibald oder dessen Erben, Verschwägerte 
und Andere von seiner Sippe und an seine Freunde, auch nicht 
an Andere, ohne den freien Willen der Männer aus der Gemeinde 
und dem Bezirk Fersen; und dass, wenn dies demungeachtet 
geschehen sollte, die Personen von selbst frei von der TJnter- 
thänigkeit sein sollen. Ferner, dass sie nicht genöthigt werden 
sollen, auf Strassen und öffentlichen Wegen Fehde zu führen 
und die Reisenden zu berauben und auszuplündern, wie Herr 
Gundibald eingeführt hat. . . . Ferner, dass die Herren Vogt 
und Vorsteher ihren Männern unter Eid versprechen sollen, diese 
Bedingungen auf ewige Zeiten zu halten und den an sie Abge- 
sandten eine Sicherheits- und Zustimmungs-Ürkunde ausstellen, 
für sich und die Nachfolger der genannten Stadt auf ewige 
Zeiten. . . .** ^ 



^ Vgl. Gar S. 40: ,,La minella era una tassa prelevata sul dissodamento 
e riduzione a novali degli spazli o strati boschivi; tassa che nel Patto Per- 
ginese & chiamata de läboreriis,'^ Zu Deutsch: ^Die Mine IIa war eine Ab- 
gabe dafür, dass Plätze oder Waldflächen urbar und zu Brachfeld gemacht 
wurden; eine Abgabe, die im [vorliegenden] Vertrag von Pergine mit dem 
Ausdruck de laboreriis bezeichnet ist." 

' Carta spettante alla Lega offensiva e difensiva fatta dalla Gomnnitk di 
Pergine con la ComunitJt e Gittk di Yicenza oontro i Signori di Castel Per- 
gine, ed altri seco loro coUegati, bei Bonelli Bd. 2 S. 433 — 435: „In nomine 
Domini nostri . . . sti. Anno ejusdem Nativitatis millesimo centesimo sexage- 
simo sexto Indictione quarta decima tertia Madii in- Cenobio Monachorum de 
Uualdo apud Burgum Persines in cubile ubi consuetum est convenire ad 
adunantias pro bono publico Rectores totius Communis ... in preaencia Domni 



Kapitel 50. Gusdobald von Pergine. 235 

Diese Urkunde vom 3. Mai 1166 enthält nicht, wie Rapp 



Teutovigi Abba . . . presentibus Gutfrido quond. Andree Benedicto quond. 
Nicolai de Padua habitactoribus in Burgo Persines Ruffino quond. Marci et 
Joanne quond. Riprandi de Turrone Servltoribus in dicto Genobio Testibus 
rogatis. Ibique Sigefridus de Boniolis Joannes quond. Lamperti Oluradinus 
et Seniores in Burgo facientes pro hominibus Burgl Sivemach Yallare et 
Valdeurbano. Blaxlus quond. Jacobi de Prato Argaitus quond. Marci Bene* 
dictus quond. Rumeli facientes nomine hominum et personarum Prati Vierach 
Porteli Canestie Braxesii .Sertzii et Arzenach. Janolus quond. Odoricl de 
Madrano Malebrutus quond. Tieterici de Yiculzano facientes nomine hominum 
et personarum Madrani Nogarait Gantzelini Buxi Uuarde Vioulzani Gaxilini 
Goste etc. . . . Albrectus de Susato lUemarius de Ganalo facientes nomine ho- 
minum et personarum Susate Ganale Gostasabine Runconi Gebricus quond. . . . 
de Gretung Mansaitus de Hoiohlait facientes nomine hominum et person. . . . 
Fraxilongi et Robure. Halitmarius quond. Xichi de Hiscla Gutuvertus quond. 
Kauchi de Volchzurige facientes nom. . . . hominum et personarum Hiscle 
Tenne S. Gristofali Yignole et Volchestan. Redoxus quond. Brente de Ga- 
steneto . . . nom . . . hominum et personarum Gasteneti Volcfanaur Sancte Gha- 
terine omnes Seniores et Rectores Villarum extra Burgum et totius Gommunis 
et districtus Persines exceptis Pomermanis in Floruts de Arimania Domini de 
voluntate et jussione suorum hominum et Senior um omni mellori modo quo 
possunt forma et . . . constituerunt et ordinaverunt suos veros et certos 
Misses Procuratores et Ambaxatores totius Gommunis predicti Dominum Abri- 
anum et Halitmarium quond. Ansprandi de Persines Jacobinum de Susate . . . 
. . . ire ad Givitatem Vicentie et se presentandum salvo honore Imperii et 
Eccles. Trid. . . . coram . . . Potestatem et Rectores totius Gommunis et Givi- 
tatis Vicentie pred . . . secundum jam sunt tres hebdomade con . . . fuit et 
tradendum totum commune homines et personas sub protectione illius et ad 
faciendum promissionem sub Sacramento Juramenti homines totius Districtus 
et Gommunis Persines se velle esse ftdeles servitores et amicos amicorum et 
inimicos inimicorum suorum et juvare in wera extra districtum Persines cum 
bis centum armatis peditibus et in districtu cum quadrincentis . cum his tamen 
condictionibus quod recipiant Potestatem a Gommune Vicentie qui venire ha- 
beat cum ipsis Missis et Ambaxatoribus cum competenti numero Armatorum 
antequam veniat Dominus Gundibaldus qui ad presens est in Babaria . . . 
molestari non permittant sed cum omni et toto suo posse cum adjutorio ipso- 
rum hominum expellant a toto districtu. Item quod Potestas permittat ipsos 
homines et personas vivere suis usibns legibus et consuetudlnibus antiquis 
secundum quod semper ab hominum memoria et in ante jam sunt centum 
GG GGGG annos vixerunt et vivere volent tarn ex lege Salica et Longobar- 
dica. Item quod promittunt sine dolo et fraude selvere consuetam quantitatem 
collecte super focis non super fundis et alia bona ut semper ab antiquo ob- 
servatum fuit. Item quod se liberent et liberatos teneant cum onmi suo 
posse et toto auxilio forti brachio a tirannide et dominatione Domini Gundi* 
baldi quond. Domni Adelpreti usqne ad presens Reguli Gastri Persines Gastris 
Guco et Gaveone Bru , . . Gastelire et Viculzani et totius districtus Persines. 
Item quod non possint deduci in weram contra Imperium et Ecclesiam Tri* 
denti et Felters vel cogi contra illos auxilium et favorem prestare, ut facit 
Dns Gundibaldus cum illis de Gastrob^o et aliis et fecit Adelprectus Avus 



286 Kapitel 50. GundcOMld von Perfcine. 

meint ^, die Yerbriefung eines Schutz- und Trutzbündnisses, son- 
dern nur die Bestellung von Bevollmächtigten, die einen Vertrag 
unter den in der YoUmacht bezeichneten Bedingungen abschliessen 
sollten. Anderwärts wird bezeugt, dass die Stadt Yicenza das 
ihr gemachte Anerbieten angenommen habe; doch wird nicht 
hinzugefugt, ob durch Hülfe der Stadt Yicenza die Perginesen 
von der ihnen verhassten Herrschaft befreit wurden*. 

Bonelli (1760) entnimmt aus dem Inhalt dieser Urkunde, 
dass die Beherrscher von Pergine ^nicht allein die Beisenden 
überfielen und ausplünderten, sondern oft die Waffen gegen die 



Dni Gundibaldi. Item quod hangarias et honera ab ipso Patre et Avo suis 
sibi factis in totum tollantur et cassentur uti sunt . . . et fruietiones prime 
noctis de sponsabus. Item quod pro honeris et serviciis Potestati in Castro 
sibi solvatur merces congrua juxta quod semper observatum fuit usque ante 
Dominationem D&i Friderici Avi Dni Gundibaldi qui per vim et forcias cum 
armatis coegit hoperas facere et nihil pro mercede dando includendo in car- 
ceribus qui mercedem petebant et percutiendo . . . Item quod liberum alt 
solvere decimas consuetas Domno Episcopo de Felters prout consuetum fuit 

ante Dnum Fridericum qui cum armatis hominibus coegit sibi dari 

fame contrafacientes. Item quod de novis laboreciis factis et fiendis non exi- 

gatur mineUum ut institnit D&us Gundibaldus. Item quod sibi 

erat Item quod sibi liceat usque semper ab antiquissimis temporibus 

Judicem sibi eligere qui tamen sit sub . . . DSo Potestate. Item quod nun- 
quam districtum Persines tradi cedi donari alienari quolibet pretextu causa 
. . . vel alio modo possit Dno Adelprecto Gundibaldo vel ejus filiis heredibus 
affinibus et aliis de ejus parentela et amicis sine voluntate ipsorum hominum 
Communis et Districtis Persines et nee aliis sine suo consensu et si factum 
fuerit ipse persone sint libere ipso facto a subjectione Item quod non pos- 
sint cogi ad facere vvardam in stratis et vlis publicis et robare et spoliare 
comeantes prout instituit Dnus Gundi . . . Item quod Dni Potestas et Becto- 
res promittant de observando sibi hominibus has condictiones sub Sacramento 
in perpetuum et dare sibi Missis chartam securationis et placiti pro se et 

Successoribus dicte Civitatis in perpetuum promittentes dicti ho- 

mines facientes . . . ftrma rata habere gesta suorum Missorum . . . Ratorum 
sub condictionibus tamen uti premissum fuit supra stipulandis et promittendis 
et non contrafacere per se nee per alios Successores in presenti et futurum 

perpetuis futuris temporibus nuUo pretextu nisi sibi non fuerlnt 

servate . . . premisse condictiones . . . pena marcharum . . . damnorum et 

expensarum teuere Misses L. f S. Ego Ataulfus quond. 

. . . habitator in Burgo Persines sacri Palatii Notarius interfui ... et seripsi 
ad presentiam . . . ium.^ Daraus: Gar 8. 55— 59; deutscher Auszmg bei 
Rapp S. 42, 43 und S. 22; italienische Uebersetzung bei Gar S. 22—27. 

* Rapp S. 22, 42. 

* Vgl. Gar S. 27, 28, wo auf die Vicentiner Qeschichtschreiber Pagliarini, 
Marzari, Castellini und Maccä verwiesen wird. — Bei B. Weber (8. 616) 
findet sich die Notiz, dass die Herren von Pergine gegen 1300 aus der Q^» 
schichte verschwunden seien. 



Kapitel 50. Gundobald von Pergine. 237 

Kirche und das Beich ergriffen, die armen Unterthanen beschwer- 
ten und unterdrückten, nicht bloss den Kirchen die Zehnten, 
sondern auch den Arbeitern ihren gerechten Lohn versagten, un- 
aufhörliche Gewaltthätigkeiten dem unglücklichen Volk zufügten, 
sogar den Anspruch erhoben, die ersten Blüthen 
der Ehen abzupflücken, und mit aller ihrer Macht so starken 
Missbrauch trieben, dass damals die Yertheidigung der weltlichen 
Güter der Kirchen vor ihren gewaltthätigen und ungerechten An- 
massungen dasselbe bedeutete, wie die Entziehung derselben aus 
den Händen jener Tyrannen, die, je mächtiger sie geworden 
waren, um so mehr auf den Schaden des einzelnen und öffentlichen 
Wohls hintrachteten^ K Bapp versteht die Urkunde dahin, dass 
die Yertreter der Stadt Yicenza den Abgesandten von Pergine 
versprechen sollten, „die ihnen von Gundibald und seinen Ahn- 
.herren aufgebürdeten Frohnen und Lasten abzunehmen, und 
besonders den tyrannischen Genuss ihrer Bräute in 
der ersten Nacht abzuschaffen^^. Tommaso Gar über- 
setzt die Stelle „et fruictiones prime noctis de sponsabus^ mit den 
Worten: „e il godimento della prima notte delle spose^ ^, was zu 
Deutsch heisst: „und den Genuss der ersten Nacht der Bräute^. 
Indessen ist die mehrgenannte Urkunde nicht geeignet, den 
Nachweis zu erbringen, dass Gundibald das Herrenrecht der 
ersten Nacht ausgeübt oder auch nur Anspruch darauf erhoben 
habe; ganz abgesehen davon, dass die fragliche Stelle, wenn 
sie von jenem Becht zu verstehen wäre, nicht ein glaubhaftes 
Zeugniss, sondern bloss eine Anklage gegen Gundibald enthalten 
würde. Das Wort „fruictiones*''* ist gleichbedeutend mit „frui- 
tiones'^. Dann lautet die Uebersetzung der betreffenden Stelle: 
„und Nutzungen der ersten Nacht wegen der Bräute **. Sicherlich 
würde der Yerfasser sich anders ausgedrückt haben, wenn er vom 
Herrenrecht der ersten Nacht hätte sprechen wollen. Die Ueber- 
setzung Bapp's übersieht ausserdem, dass sich vor den entscheiden- 
den Worten eine Lücke befindet. Ueberdies ist es kaum glaublich, 
dass die Urkunde den „tyrannischen Genuss der Bräute^ zu den 
Frohnden und Lasten gerechnet haben sollte. Aus dem Abdruck 



1 BoneUi Bd. 1 cap. 2 g 7 S. 17, 18. 

* Rapp 8. 43. ' Gar 8. 25. 

* Eine Erklärung dieses Wortes finde ich weder bei Forcellini, noch hei 
Ducange oder Diefenbach. Doch ist es unbedenklich, ^fruictionee'' als gleich- 
bedeutend mit ^fruitiones^ zu verstehen, da sich diese Eigenthflmlichkeit der 
Schreibart auch in andern Wörtern der Urkunde findet, z. B. „condictiones" 
statt conditiones und „habitactoribus" statt habitatoribus. 



238 Kapitel 50. Gundobald von Pergine. 

bei Bonelli ist nicht zu ersehen, ob in der Originalurkunde die 
Lücke vor den Worten ^et fruictiones prime noctis de spon- 
sabus^ den Baum weniger Wörter oder etwa mehrere Zeilen ein- 
nimmt. Yermuthlich ist die Lücke nicht unbedeutend, da der 
Eingang der Stelle über Frohnden und Lasten so gefasst ist, als 
solle eine Aufzählung derselben im Einzelnen folgen. Bis zu 
näherer Aufklärung über den Umfang der Lücke wird angenom- 
men werden müssen, dass die bezeichnete Stelle den Schluss eines 
Abschnitts über Frohnden und Lasten bildet. Nun aber erscheint 
es als undenkbar, dass der Verfasser der Urkunde am Ende eines 
Abschnitts über Frohnden und Lasten mit den angeführten sechs 
kurzen Wörtern, gewissermassen wie einen Nebenpunkt, das 
Herrenrecht der ersten Nacht bezeichnen wollte. Sollte gegen 
Gundibald der Vorwurf erl^oben werden, dass er den „tyran- 
nischen Genuss der Bräute^ seiner Unterthanen beanspj^ucht habe, 
so würde dieser Anklagepunkt der wichtigste von allen gewesen, 
und deshalb an die Spitze gestellt, mindestens aber in einem 
besonderen Abschnitt behandelt worden sein. Sicherheit über 
Auslegung der Stelle könnte nur dann erlangt werden, wenn 
die Urkunde ohne Verstümmelung vorläge. Vermuthlich aber 
sind unter „Nutzungen der ersten Nacht wegen der Bräute^ im 
Sinn der vorliegenden Urkunde Heirathsabgaben zu verstehen. 
Diese Auslegung ist mit dem Wortlaut („de sponsabus^) gram- 
matisch besser vereinbar, als die Erklärung von Bonelli und 
Bapp. Es ist leicht möglich, dass die Herren von Pergine bei 
Heirathen ihrer Unterthanen (bei allen Heirathen, oder nur bei 
solchen von' Ungenossen) Abgaben erhoben , und dass dieselben 
vor Vollziehung der Ehe bezahlt werden mussten. Auch passt 
diese Auslegung in den Zusammenhang des Abschnitts über Frohn- 
den und Lasten. Sie wird noch dadurch bestätigt, dass die Ur- 
kunde an keiner andern Stelle von Heirathsabgaben handelt, 
obwohl nach anderweitigen Nachrichten zu damaliger Zeit in der 
Umgegend von Trient zur Verheirathung der Leibeigenen die Zu- 
stimmung des Herrn erforderlich war*, daher die Vermuthung 
nahe liegt, dass dafür Abgaben durch die Beherrscher von Per- 
gine erhoben wurden. 



^ Gar S. 35: ... ^Spogliati dei diritti inalienabili della specie umana, 
non potevano, senza il consenso del feudatario, ammogliarsi^ . . . 



Kap. 51. Cardinal Hier, della Bovere. Kap. 52. Nizza della Paglia. 239 

T. Italien (Piemont)«^ 
a. Priyileg des Haiuei della Bovere. 

Kapitel 51. Im Jahr 1610 schrieb Yannozzi, dieselbe Un- 
sitte, welche in Schottland durch König Evenus eingeführt und 
durch König Malcolm abgeschafft worden sei, habe seit der Heiden- 
zeit in Piemont bestanden ; der Cardinal Hieronymo della Rovere 
habe ihm mitgetheilt, da»s er ein Privileg seines Hauses über 
ein solches Recht eigenhändig zerrissen habe K Diese Nachricht 
beweist nur, dass um die Zeit von 1610 von einem vergangenen 
Herrenrecht der bezeichneten Art in Piemont gesprochen wurde. 
Es ist möglich, dass in dem verbrannten Privileg des Cardinais 
Hieronymo della Rovere (der am 26. Febr. 1592 gestorben ist)^ 
eine Heirathsabgabe erwähnt war^. Näheres lässt sich darüber 
nicht ermitteln, da der Wortlaut der zerrissenen Urkunde nicht 
erhalten ist. 

b. VeranlaBiimg der Chründong 7on Niiia della Paglia. 



Kapitel 52. In den Annalen von Alessandria, die im Jahr 
1666 von Girolamo Ghilini herausgegeben wurden, findet sich 
zum Jahr 1235 folgende llrzählung: Die Einwohner von Lanero, 
Calamandrana, Garbazuola, Quinzano, Lintiliano und Belmonte 
konnten das unanständige und tyrannische Leben ihrer Herren, 
der Grafen von Acquasana, nicht mehr ertragen; diese Herren 
begnügten sich nicht, die gewöhnlichen Abgaben von ihren Unter- 
thanen zu erheben, sondern wollten auch die von göttlichen und 
menschlichen Gesetzen verbotenen Personallasten wiedererlangen 
und die Primizien der Jungfrauen, welche heirathe- 
ten, geniessen; darüber aufgebracht, rächten sich die Ein- 
wohner der genannten Ortschaften, mit Hülfe der Einwohner 
von Alessandria, ihrer Bundesgenossen, indem sie nach einem 
verabredeten Zeichen der Glocke von Belmonte zu einer und 
derselben Stunde ^die erwähnten Grafen unbarmherzig nieder- 
metzelten; sie wurden dadurch von der tyrannischen Herrschaft 
befreit, zerstörten die Schlösser und alle Häuser und bebauten 



* Vanozzi Bd. 2 8. 253 (hinter der Nachricht von Evenus und Malcolm): 
,,Gotal costume, da Pagani & da Gentili, fu gla in Piemonte, & il Cardinale 
lUustrissimo Hieronymo della Rovere mi dlceva, haver egli stesso, abbrucciato 
il privilegio, che havea di cio la sua Gasa.^' Daraus: Bayle, unter Sixte IV, 
Bd. 4 S. 224, Anm. H. 

» Mor^ri Bd. 9 S. 394. » Dalrymple Bd. 1 S. 328. 



240 Kapitel 68. NijBza della Paglia. 

auf gemeinschaftliche Kosten in der benachbarten Ebene, am Flüss- 
chen Nizza, ein Terrain, das den Namen Nizza erhielt und durch 
die günstige Lage zwischen den Flüssen Nizza und Belbo, durch 
Veranstaltung von XJeberschwemmungen, leicht gegen Angriffe ver- 
theidigt werden konnte ^ Wäre die Wahrheit dieser Erzählung 
erwiesen, so würde daraus nicht ein jus primae noctis hergeleitet 
werden können, sondern nur die Thatsache, dass die Grafen von 
Acquasana geäussert hätten, sie wollten die Primizien der Jung- 
frauen, welche heiratheten, gemessen'. Ghilini giebt die Quelle 
der Erzählung nicht an. Da er über einen Hergang spricht, der 
sich vierhundert Jahre früher zugetragen haben soll<, so kann 
seine Auctorität allein nicht genügen, um die erzählten That- 
sachen zu beweisen. Bis zu einer etwaigen Entdeckung der Quelle, 
woraus Ghilini die Nachricht geschöpft hat, kann darin höchstens 
eine Sage des siebzehnten Jahrhunderts gefunden werden. Be- 
merkenswerth ist die Uebereinstimmung dieser Erzählung mit dem 
Grundgedanken der Sage , die sich im selben Jahrhundert über 
die Gründung der Stadt Montauban verbreitete^. Die Annalen 
von Ghilini sind nach der Zeitfolge geordnet und enthalten Nach- 
richten zu den einzelnen Jahren von 1168 bis 1659; bei dem 
Jahr 1235 findet sich nur die angeführte Erzählung und die kurze 
Bemerkung, dass zu Norwich in England die Juden ein Enäblein 
Namens Wilhelm gekreuzigt hätten. Es ist nicht anzunehmen, 
dass diese beiden Nachrichten auf kritischen Untersuchungen 
beruhten. 

Auch eine epische Dichtung in zwölf Gesängen von Sincere 
Rastelli betrifft die Gründung von Nizza della Paglia. Das Vorwort 
dieiies Gedichts bezeichnet den Hergang, woraus der Gegenstand 
geschöpft sei, unter Berufung auf Ghilini und andere Schrift- 
steller. Danach hätten die Grafen von Acquasana, unter Ober- 
hoheit des Marchese di Monferrato, nicht verstanden, sich bei 
ihren Unterthanen, den Einwohnern der vorerwähnten sechs Ort- 
schaften, beliebt zu machen; abgesehen von andern Lasten, 
hätten sie sich im Besitz eines sehr ungerechten Gesetzes ge- 
halten, wonach alle neuvermählten Frauen dem Grafen, ihrem 
Herrn, ihre Erstlinge hätten geben müssen ; die armen Einwohner 

1 Ghilini S. 36. Vgl. darüber Delpit S. 68—70; de Lagr^ze S. 893; Buch- 
mann S. 36; de Labessade S. 25, Nr. 50. 

• Ghilini S. 36: ... „volevano anche ricoverare i personali, dalle divine 
& humane leggi proibiti, e goder le primizie delle vergini, che andavano k 
marito" . . . 

» Vgl. darüber Kap. 69. 



Kapitel 53. Prelley und Parsanni. 241 

hätten sich lange dieser Niederträchtigkeit gefügt, aber endlich 
im Jahr 1235 sich gegen ihre Herren verschworen und auf ein 
verabredetes Zeichen der Glocke von Belmonte die sechs Grafen 
in ihren Felsen angegriffen und getödtet, dann ,die Schlösser ge- 
schleift, ihre eigenen Wohnungen zerstört und mit Hülfe der 
Alessandriner , welche ihnen gegen Bonifacio Marchese di Mon- 
ferrato zu Hülfe kamen, am Einfluss der Nizza in den Belbo 
die Stadt erbaut, die Nizza della Paglia heisse. Diese Darstellung 
weicht von derjenigen Ghilini's darin ab, dass angegeben wird, 
eine Zeit lang hätten die Grafen von Acquasana sich im wirk- 
lichen Besitz jenes angeblichen Rechts gehalten, und ihre Unter- 
thanen hätten die Ausübung geduldet; sowie in der Angabe, dass 
dies Recht „il Fodero** geheissen habe ^ In demselben Vorwort 
bemerkt jedoch der Verfasser, das Recht des Fodero habe die 
Unterthanen eigentlich nur zu einer bestimmten Steuer verpflichtet, 
nämlich zu Lieferung von Getreide für den König und Nahrung 
für die Soldaten und Pferde; und es sei sicher, dass eine öffent- 
liche Abgabe dieser Art ohne irgend einen schmachvollen Inhalt 
bestanden habe; dagegen in dem Gedicht nehme er das Wort 
in der landläufigen Bedeutung, die vielleicht von Missbräuchen 
der Grafen von Acquasana herrühre*. 

0. Aufstand gegen die Herren von Prelley und Parsanni. 

Kapitel 53. Im Jahr 1704 berichtete Lauriere , die Herren 
von Prelley und Parsanni in Piemont hätten ein ähnliches [gleiches] 
Becht, wie das durch König Evenus in Schottland eingeführte, 
ausgelebt; dies Recht habe den Namen Cazzagio^ geführt; die 



^ RasteUi S. 6 : ... „Tra le altre gravezze si mantevano in possesso d'uua 
legge iniquissima detta del Fodero, in virtü della quäle erano obbligate tutte 
le novelle spose di dare al Conte Padrone le loro primizie. I poveri ter- 
razzani si adattarono per un pezzo a questa infamia^ . . . 

* RasteUi S. 8. — Das Wort Foderum oder Fodero findet sich in zahl- 
reichen Urkunden in der Bedeutung von Futter oder Futter-Ahga^e. Vgl. 
Muratori Bd. 2 S. 64 und S. 452; Ducange unter Fodrum; Sigonius Üb. 7 
bei dem Jahr 992. Hauptsächlich wurde so die Proviant-Abgabe bezeichnet, 
die an den deutschen König zu entrichten war, wenn er zur Kaiserkrönung 
nach Italien kam. Vgl. Gar S. 39. 

3 Diesen Ausdruck habe ich in keinem altern Werk gefunden; doch ist 
es möglich, dass eine Heirathsabgabe so bezeichnet wurde, da der Anfang des 
Worts dem Anschein nach von cazzo entnommen ist, und die Endung -agio 
ebenso wie die lateinische Endung -agium auf eine Abgabe hindeutet. (Die- 
selbe Endung wiederholt sich bei zahlreichen Abgaben, z. B. amobragium, 
chevagium, connagium, culagium, maritagium.) 

Schmidt, Jus primae noctis. 16 



242 Kapitel 53. Prelley und Paroannl. 

Yasallea hätten die Ablösung begehrt und, als die Herren dar- 
auf nicht eingehen wollten, einen Aufstand erregt und sich an 
Amadäus, den Sechsten dieses Namens, den vierzehnten Orafen 
von Savoyen, ergeben; Letzterer habe sie an seine Nachfolger 
überlieferte Der Sinn dieser Nachricht scheint dahin zu gehen, 
dass Amadäus der Sechste von Savoyen geholfen habe, die Orte 
Prelley und Parsanni von jenem Herrenrecht zu befreien, und 
dass er zufolge der darüber entstandenen Fehde jene piemontesi- 
schen Ortschaften mit der Grafschaft Savoyen vereinigt habe. 
Aus Lauriere ist die Nachricht, als vermeintlicher Beweis für das 
jus primae noctis, in die Werke vieler neueren Schriftsteller theils 
direct , theils indirect übergegangen ^ , und zwar mit mehreren 
Ungenauigkeiten. Bei den Encyklopädisten (in allen mir bekannten 
Ausgaben) und bei Voltaire findet sich der Druckfehler „carragio*' 
statt „cazzagio; bei Dulaure ist Amadäus als der Yierte (nicht als 
der Sechste) des Namens bezeichnet; in der Augsburger Allge- 
meinen Zeitung steht „der Adel von Piemont** anstatt der Namen 
Prelley und Parsanni. In keinem von allen diesen Werken findet 
sich ein Anzeichen selbständiger Untersuchung. 

Die Erzählung wurde durch Phantasie moderner Schriftsteller 
weiter ausgeschmückt^. Daraus entstand folgende Darstellung, 
die in einer spanischen Rechtsgeschichte zu lesen ist: „In Italien 
wurde das derecho de prelibacion, unter dem Namen cazzagie, 
noch unerträglicher (als in Belgien und in der Qascogne). Es 
bestand gemeiniglich darin, dass der Grundherr die drei ersten 
Nächte mit der neuvermählten Frau zubrachte. Aber dies war 
noch nicht das Schlimmste; sondern inzwischen musste der Ehe- 



^ Lauriöre unter GuUage (hinter der aus Buchanan entnommenen Nach- 
rieht über das Gesetz des Königs Evenus von Schottland): ^L'histoire de 
Savoye nous apprend que les Seigneurs de PreUey et Parsanni en Pi^mond 
jouissaient d'un pareil droit, qu'ils appelaient Cazzctgio, dont les vassaux ayant 
demandä la commutatiou , le refus les porta k la revolte , et se donnerent k 
Am^ VI. du nom quatorziöme Comte de Savoye, lequel les a transmis k ses 



successeurs." 



* Ducauge unter Marcheta; Encyclop. unter Culage, in der 1. Ausg. (Ar- 
tikel von Boucher d'Argis) und in der Encycl. m^th., Jurispr. ; Voltaire, Dict. 
phil. unter Taxe ; Dulaure, Adel S. 242 ; Roquefort unter CuUage, suppl. S. 106 ; 
ColUn de Plancy Bd. 1 S. 169 ; Fellens Bd. 1 S. 147 ; Michelet S. 264 ; Lieb- 
recht 1864, S. 541, ebensQ 1869 S. 810, 1874 S. 139 und 1879 S. 416, 417; 
Augsb. AUg. Ztg. V. 18. April 1868 Nr. 109 S. 1662; Delpit S. 67; de Labes- 
sade S. 24, 25, 96, Nr. 48, 49; L. Favre bei La Curne unter Cuissage; de Gu- 
bernatis, Usi S. 200. 

8 Collin de Plancy Bd. 1 S. 168, 169. 



Kapitel 53. Prelley und Parsairai. 243 

mann sich mit dem, was der Herr ihm befahl, beschäftigen, > 
zum Beispiel fortgehen, um in einer Kachbarstadt eine gewisse 
Zahl Kerzen zu holen, während der Nacht, gut oder übel, so 
gut er konnte, ein Paar Schuhe für den Herrn anfertigen, die 
ganze Nacht mit Springen über eine Blase verbringen und andere 
ebenso yerletzende Handlungen ausfuhren. Die Yasallen erhoben 
sich zu wiederholten Malen gegen die Excesse ihrer Herren, . und 
zuletzt erreichten sie, dass, wo die Herren früher das Recht 
hatten, drei Nächte mit der Neuvermählten zu verbringen, dies 
Recht auf eine Nacht beschränkt wurde, und wo sie das Recht 
für eine Nacht hatten, die Beschränkung auf eine Stunde eintrat, 
während die Yerpflichtung , Schuhe anzufertigen und über Blasen 
zu springen, in Wegfall kam, indem die Herren einwilligten, dass 
die Vasallen die Nacht an der Thür des Schlafzimmers zubrachten, 
mit dem Recht, das Geräusch anzuhören, was innerhalb stattfand.^ ^ 
Dass eine Dichtung solchen Inhalts, als ob sie Wahrheit enthielte, 
den Platz in einer Rechtsgeschichte finden konnte, ist ein Zeichen 
grosser Leichtgläubigkeit. 

Die Frage, aus welcher Quelle die Nachricht Lauriere's her- 
vorgegangen ist, vermag ich nicht zu beantworten*. Er selbst 
beruft sich auf „die Geschichte Savoyens" , ohne ein bestimmtes 
Geschichtswerk zu bezeichnen. Die Angabe, dass Amadäus, der 
Sechste des Namens, vierzehnter Graf von Savoyen gewesen sei, 
steht mit andern Nachrichten in Widerspruch und muss danach 
als Irrthum bezeichnet werden^. lieber Amadäus VI., den 
„grünen Prinzen**, wird berichtet, dass er mit seinem Vetter und 
Vasallen Jakob von Savoyen, Fürsten von Piemont, Streit hatte, 
und dass er mehrere Herrschaften mit seinen Staaten vereinigte; 
doch ist dabei von den Herrschaften Prelley und Parsanni keine 
Rede *. Bezüglich der Namen Prelley ^ und Parsanni sind alle 



* Marichalar Bd. 6 S. 69. 

* Das Werk Lauriöre's ist eine Umarbeitung des im J. 1580 erschienenen 
Werkes von Fran^ois Ragueau, worin die angeführte Nachricht und über- 
haupt der Artikel Cullage noch nicht enthalten ist. 

3 Amadaeus VI., „der grüne Graf", regierte von 1343—1383; er wird bei 
Grote (S. 342) als der neunte, in der Chronique de Savoye, Extrait de Pa- 
radin, vom Jahr 1602, als der elfte und in andern Stammtafeln (vgl. Bouillet 
S. 1710, 1711; Martiniöre Bd. 5 S. 181) als der fünfzehnte, dagegen in kei- 
nem mir bekannten Geschichtswerk als der vierzehnte Graf von Savoyen 
bezeichnet. 

* Bouillet S. 1711; Martini6re S. 182. 

^ Bekannt ist die Stadt und Herrschaft Prela im Fürstenthum Oneglia 
(vgl. Dict. d'Italie Bd. 2 S. 359; Martiniöre Bd. 4 S. 871; Büsching S. 785; 

16* 



244 Kapitel 64. Die Kanoniker zu Lyon. 

meine Nacbforsohungen vergeblich gewesen. Insbesondere sind 
diese Namen in dem grossen Dizionario Geografico von G-offredo 
Gasalis nicht zu finden. Durch mündliche Kachfrage bei zahl- 
reichen Gelehrten, durch schriftliche Anfrage bei dem Herrn 
Departementsarchiyar von Chamböry, endlich sogar durch eine 
öffentliche Anfrage * habe ich den Weg zu der Quelle gesucht, 
woraus LauriSre seine Nachricht geschöpft haben mag. Alles 
dies blieb ohne Erfolg. Auch Louis Yeuillot versichert, nach 
der Quelle vergeblich geforscht zu haben; er ist zu der Mei- 
nung gelangt, dass es Ortschaften mit den Namen Prelley und 
Parsanni niemals gegeben habe^. 

Nach dem Gesagten ist es ungewiss, ob der Stoff zu der 
Nachricht Lauriere^s aus älterer Zeit herrührt. Eeinenfalls ist sein 
Bericht geeignet, einen Beweis für das Herrenrecht der ersten 
Nacht zu liefern. Denn die Grundlage der Erzählung beruht, 
wie ihr Wortlaut ergiebt, auf der Voraussetzung, dass die Ver- 
ordnung des Königs Evenus IH. von Schottland eine geschicht- 
liche Wahrheit sei. Dies ist aber ein Irrthum®. 

yi. Frankreich. 

a. Qewolmheiisreohte. 

1. Recht der Kanoniker zu Lyon, 

Kapitel 54* Seit dem siebzehnten Jahrhundert wird viel- 
fach behauptet, die Domherren von Lyon hätten das Herren- 
recht der ersten Nacht für sich in Anspruch genommen und 
ausgeübt ^. Dies Recht soll sich nicht bloss auf die Lehnserbinnen, 



Gasalis Bd. 15 8. 731). Die Herrschaft Prela soll mit der Grafschaft Tenda 
an Karl Emanuel (den Grossen), der von 1580 — 1630 Herzog von Savoyen 
war, abgetreten sein. Vgl. Dict. d'Italie Bd. 2 S. 359; Bouillet S. 1712. 
Nach andern Nachrichten (Büsching S. 785) gelangte das Thal Prela schon 
in den Jahren 1575 und 1579 an das Haus Savoyen. Auch steht ein Ort 
Namens Preller. südwestlich von Alessandria, südlich von Nizza della Paglia, 
auf der Karte des Theatrum Europaeum , im achtzehnten Theil, verzeichnet. 
Aber kein Ort Namens Prelley ist zu ermitteln. 

1 Arch. für Anthrop. Bd. 12 S. 269. 

« Veuillot 2. Aufl. S. 255, 256. 

3 Vgl. Kap. 40. 

^ Limnaeus addit. ad Hb. 4 cap. 7 in f., Bd. 4 S. 603; Henel cap. 47, 
S. 401; Hildebrand S. 188, 189; Potgiesser lib. 2 cap. 2 § 28; Saintfoix Bd. 2 
8. 141; Carli Bd. 1 S. 175; Dulaure, Adel S. 242; Collin de Plancy Bd. 1 
8. 175, 176; Dalloz, Dict. Bd. 1 (1835) und R6p. Bd. 3 (1846) unt^r Adul- 
täre n. 7. 



Kapitel 54. Die Kanoniker zu Lyon. 245 

sondern auch auf die Bräute der Lehnsmänner erstreckt haben K 
Garli meint, das fragliche Recht des Lehnsystems habe sich ,,am 
längsten bei den kanonischen Grafen von Lyon, in ihren reichen 
Lehen, erhalten*' *. Henel erzählt, die Grafen und späteren 
Kanoniker von Lyon hätten von ihren Yasallen die Befugniss^ 
mit deren Bräuten zu schlafen, eingeräumt erhalten, durch ein 
Abkommen, welches man in alten Zeiten jus lu:s:andae coxae 
oder cunnagii genannt habe; doch hätten Choppin und Borellus 
entschieden, dass dies schmähliche Becht in eine Geldäbgabe ver- 
wandelt werden müsse ». Von Andern wird gemeldet, den Dom- 
herren von Lyon werde auf Grund eines besondern Statuts ein 
Lehnscanon dafür bezahlt, dass sie das Herrenrecht der ersten 
Nacht über die jungen Ehefrauen nicht mehr ausübten; diese 
Abgabe nenne man „die Lehensschuldigkeit, den Canonicis die 
Bräute die erste Nacht zu überlassen^; das Becht heisse jus 
coxae locandae (oder luxandae), jus Caxandrae, Oojae 
oder Cunnagii^. Man behauptet, es existire eine Urkunde 
vom Jahr 1132, worin die Kanoniker von Lyon in aller Form 
(„en due forme**) auf das bezeichnete Becht verzichtet hätten ^ 
Wieder eine andere Behauptung geht dahin, die Domherren zu 
Lyon hätten das Becht, mit den Frauen ihrer Leibeigenen während 
der Hochzeitsnacht zu schlafen , zu Anfang des vierzehnten Jahr- 
hunderts, als die Vereinigung des Lyonnais mit Frankreich er- 
folgte, noch ausgeübt und überhaupt erst nach zahlreichen Klagen 
und Urtheilen verschiedener Gerichte sich dazu verstanden, ihr 
Vorrecht nicht mehr oflFen geltend zu machen *. Zu diesen ein- 
ander widersprechenden Erzählungen wird noch hinzugesetzt, nach 
Angabe eines gewissen de Bar oder Baar habe ein Domherr von 
Lyon (dessen Name nicht mitgetheilt wird) den alten Titöl über 
das erwähnte Herrenrecht so lächerlich gefunden, dass er ihn ver- 
brannt habe ^. 

Verfolgt man die den vorstehenden Erzählungen hinzugefügten 
Gitate, so ergiebt sich als gemeinsame Quelle eine Stelle von 

• Potgiesser Hb. 2 cap. 2 § 28. « Carll Bd 1 S. 175. 
» Henel cap. 47 S. 401. 

« Westphal g 12 S. 38, 39; Kestner S. 4, 5; Lünig Bd. 3 S 724 n. 56 
(Note). 

^ de Labessade S. 97. 

* Collin de Plancy Bd. 1 S. 176. Wann und von welchen Gerichten die 
fraglichen Urtheile erlassen sein sollen, wird nicht gesagt. 

^ Delpit S. 71, 72. — Es klingt sonderbar, dass ein Domherr die alte Ur- 
kunde, die ihm nicht gehörte, bloss weil er den Inhalt lächerlich fand, kurzer 
Hand vernichtete. 



246 Kapitel 54. Die Kanoniker su Lyon. 

Ren6 Choppin, aus dem sechzehnten Jahrhundert. Choppin 
schreibt, die Kanoniker und gleichzeitigen Grafen von Lyon 
hätten ursprünglich das Patronat-Recht gehabt, bei Heirathen 
ihrer männlichen und weiblichen Unterthanen am Tag ihrer 
Hochzeit ein Bein in das Ehebett zu legen; doch hätten sie 
zugelassen, dass diese unanständige Last in eine am Hochzeits- 
tag zu entrichtende Abgabe von Speisen umgewandelt sei ^ Der 
von vielen Schriftstellern als Gewährsmann angeführte Camillus 
Borrellus lebte nicht, wie J. Hildebrand meint, im vierzehnten 
Jahrhundert, sondern war ein Zeitgenosse Ohoppin^s und hat die 
durch ihn weiter verbreitete Nachricht von Choppin entnommen ^. 
Wären die Angaben Choppin's bewiesen, so würde daraus 
hervorgehen, dass die Grafen und gleichzeitigen Kanoniker von 
Lyon bei Heirathen ihrer Untergebenen einstmals das Becht hatten, 
am Tage der Hochzeit (also nicht in der Nacht) eine Förmlich- 
keit zu verrichten, die ihre Herrschaft andeutete^; und dass mit 
ihrer Zustimmung diese anstössige Last .in eine Abgabe von Ess- 
waaren verwandelt wurde. Danach könnte von einem jus primae 
noctis nicht gesprochen werden. Indessen ergiebt eine nähere 
Prüfung, dass die Erzählung von jener Förmlichkeit und ihrer 
Umwandlung nicht der Geschichte, sondern der Sage angehört. 
Ghcippin hat weder die Quelle seiner Nachricht angegeben, noch 
eine Andeutung über die Zeit gemacht, zu welcher die Umwand- 
lung des Rechts in eine Abgabe von Esswaaren erfolgte. Pericaud 
vermuthet, die Umwandlung sei im Jahr 1132 geschehen, als 
der Erzbischof und das Kapitel die Grafschaft Lyon vom Grafen 
Forez erwarb ^. Und allerdings ist es undenkbar, dass im Kapitel 



* Choppin lib. 1 cap. 31 n. 8 S. 269: „Siinili modo Canonici simul et 
Comites Lugdunenses, quum patronale jus haberent coxae locandae in geniali 
thoro subditi subditaeve nuptias incuntium, primo connubiali die, passi sunt 
obscoeni hujus oneris conversionem in epulare munus eodem die nuptiati." 
Daraus: Automne S. 477; Simon d'Olive liv. 2 chap 1 S. 149; Brodeau zu 
tit. 1 art. 37 n. 11 S. 273; Laurent S. 57. 

* Borrellus, cons. I n. 150, fol. 6 v. : „quo loco referf* (nämlich Renatus 
Choppinus) ,,Canonicos et Comites Lugdunenses Dominii jure habuisse primo 
connubiali die , in thoro geniali subditorum nuptias ineuntium jus lo- 
candae coxae y et obscaenum hoc onus conversum fuisse in epulare munus 
ejusdem diei.'' Daraus, mit dem falschen Citat n. 158 statt n. 150: Weat- 
phal § 12, S. 38, 39; Kestner § 1 S. 4. 

• 3 Vgl. darüber oben Kap. 11 S. 54—56. 

* Pericaud S. 9, 10. Ueber die Grafenrechte der Erzbischöfe von Lyon 
Tgl. Gall. Christ. Bd. 4 S. 80—82 und die dort abgedruckte Urkunde des 
Kaisers Friedrich I. Barbarossa vom 18. Nov. 1157 (bei Böhmer Nr. 2381, 
Bd. 1 S. 126, und bei Stumpf Nr. 3787, S. 333). 



Kapitel 55. Droit de braconnage (Picardie). • 247 

von Lyon , unter den Augen des Erzbischofs, jener für Kanoniker 
besonders unanständige Gebrauch entstehen konnte *. Anderer- 
seits ist aber ebensowenig zu glauben, dass schon vor dem Jahr 
1132 jene unschickliche Förmlichkeit in Uebung gewesen sei, 
da die Ausartungen der grundherrlichen Bechte sonst erst in 
späterer Zeit hervortraten. Hiernach ist die Sage in der Gestalt, 
wie sie durch Choppin mitgetheilt wird, von geringem Werth. 
Alles Weitere aber ist auf Ausschmückung neuerer Schriftsteller 
zurückzuführen und zeigt abermals, wie der Glaube an das jus 
primae noctis ohne einen verständigen Grund sich verbreitet hat. 
Barthelemy versichert, er habe über das angebliche droit de 
cuissage der Grafen-Domherren von Lyon die genauesten Er- 
kundigungen einziehen lassen, jedoch keinen Beweis dafür er- 
mitteln können ^. Wäre die Nachricht schon in alter Zeit ver- 
breitet gewesen , so würde sie von einiger Bedeutung se'n; für 
solche Annahme fehlt aber ein genügender Grund. 

Nach Absonderung dessen, was der Sage angehört, bleibt 
die Angabe Choppin's übrig, dass die Grafen-Kanoniker von 
Lyon das Recht hatten, bei Heirathen ihrer Hörigen eine Ab- 
gabe vom Hochzeitsmahl zu erhalten. Dieser Bericht ist zwar 
nicht durch Urkunden beglaubigt, kann aber richtig sein, da an 
vielen Orten ähnliche Rechte den Grundherren zustanden ^. 

2, Droit de braconnage des Herrn von Mareuü. 

Kapitel 55. Mit besonderem Nachdruck wird im neunzehnten 
Jahrhundert behauptet, den Herren von Mareuil in der Picardie 
habe das jus primae noctis urkundlich zugestanden *. Die Wahr- 
heit ist folgende. Julien Brodeau, ein Rechtsgelehrter des sieben- 
zehnten Jahrhunderts, berichtet, in einigen alten Lehnsverzeich- 
nissen und andern Titeln, sowie in den Rechnungen der Domäne 
Chaulny und der Grafschaft Ponthieu werde ein „droit de bracon- 
nage** erwähnt. Er giebt die Bedeutung dieses Rechts nicht an, 
sondern bemerkt nur, es sei. von dem in der Normandie bekann- 



* Von geringerer Bedeutung ist der Umstand, worauf Pericaud besonderes 
Gewicht legt, dass Lyon nicht zu den Ländern des Gewohnheitsrechts, son- 
dern zum Gebiet des geschriebenen (römischen) Rechts gehörte. 

2 de Barthelemy S. i07. 

^ Vgl. de Lauriöre unter Mets de Mariage; Ducange unter Missus; Michelet 
S. 266, 267; Bouthors Bd 1 8. 470; Delisle S. 70—73. 

♦ Delpit S. 34—36; Buchmann S. 36; de Labessade S. 19, 43; Kulischer 
S. 227 (mit mehreren Druckfehlern). 



248 Kapitel 55. Droit de braconna^e (Picardie). 

ten „droit de cheuel** verschieden gewesen; letzteres habe in der 
Beihülfe bestanden, die dem Lehnsherrn für die Ritterschaft seines 
ältesten Sohnes, für die Heirath seiner ältesten Tochter und für 
seine Befreiung aus der Gefangenschaft geleistet werden musste *. 
Ducange verwies (in den Ausgaben von 1678 und 1733) zur Er- 
klärung des Wortes „braconagium*' lediglich auf die angeführte 
Stelle aus Brodeau^. Dagegen stellte Carpentier in seinem zur 
Ergänzung von Ducange bestimmten Glossarium, vom Jahr 1766, 
die Meinung auf, das Wort „braconnage*' bezeichne das Herren- 
recht der ersten Nacht ®. Dieselbe Bemerkung ging als Zusatz 
in die neueren Ausgaben von Ducange über *. Carpentier beruft 
sich zum Beweis seiner Behauptung auf ein Lehnsanerkenntniss 
vom Jahr 1228, worin das Wort „braconner" jenes Recht aus- 
drücke. Die betreffende Stelle dieser Urkunde lautet: „Ausser- 
dem kann und soll mein Herr von Mareuil droit de bracon- 
nage über Töchter in der genannten Herrschaft haben; wenn 
sie sich verheirathen , und er jenes Recht nicht ausübt, so ver- 
fallen sie in zwei sous gegen die Herrschaft." ^ Bei Auslegung 
dieser Stelle beziehen einige Schriftsteller der Neuzeit die Worte 
„droit de braconnage" und „si ne les braconne" auf das jus pri- 
mae noctis^. Doch giebt der Name „droit de braconnage" für 



* Brodeau S. 273: „Ce qui se rapporte au droit de Braconnage, dont il 
est parl^ en quelques anciens adveus et d^nombrements , et autres titres , et 
dans les comptes du Domaine de Chaulny et du Comt^ de Ponthieu : lequel 
droict est autre que celuy de Cheuel eu Normandie, qui est un droict d'ayde 
aux trois cas, pour la cheualerie du fils aisnö, le mariage de la fille aisn^e, 
et la prison du Seigneur" . . . Der Name „Cheuel'' kann aus Cheval (Pferd) 
erklärt werden. 

* Ducange unter Braconagium : ^Vide Brodaeum in consuetud. Paris, tom. I 
p. 198." 

' Carpentier unter Braconagium: „Adde pag. 273, 2»® edit. ubi voce Bra- 
conage significatur jus quoddam insolitum domini in puellas quae nubunt, 
ipsas nimirum deflorandi in prima nuptiarum suarum nocte, ex comput. do- 
manii Calniac. et comitatu Pontiv." Dieser Satz rührt nicht etwa, wie aus 
der Fassung von Carpentier und von Ducange-Henschel angenommen werden 
könnte, von Brodeau, sondern erst von Carpentier her. 

^ Ducange ed Henschel unter Braconagium. 

^ Recognit. feudalis Joannis dom. de Mareuil an. 1228, bei Carpentier unter 
braconagium: „Et mi comme sire de Mareuil puet et loit [doit?] avoir droit 
de Braconage sur Alles et fiUetes en medite seigneurie: si se marient, et si 
ne les braconne, Scheut en deux solz enver ledite seigneurie." Daraus: Mi- 
chelet S. 265; de Labessade S. 65. 

® Leng und Wolff (unter Braconnage) meinen, dies Wort bezeichne „das 
heimliche Jagen auf fremdem Grunde, ehemals soviel als droit de cuissage du 
Seigneur, das Recht des Gutsherrn, bei der Braut des Unterthanen in ihrer 



Kapitel 55. Droit de braconnage (Picardie). 249 

sich allein keinen Grund zu einer solchen Auslegung. Man könnte 
wegen der Endung -age (gleich der lateinischen Endung -agium) 
an eine Abgabe denken^, zumal da der Ausdruck, wie Brodeau 
berichtet, in den von ihm erwähnten Lehnsverzeichnissen und 
Rechnungen vorkommt; doch ist der Zwischensatz „si ne les 
braconne^ bei der Annahme einer Heirathsabgabe nicht leicht zu 
erklären. Vielleicht ist „braconnage" (lat. brachionagium) mit 
„Umarmung" und „braconner" (lat. brachionare) mit „umarmen" 
zu übersetzen; die öffentliche Umarmung der Braut durch den 
Grundherrn oder dessen Vertreter kann eine symbolische Hand- 
lung gewesen sein, wodurch die Heirath des Vasallen genehmigt 
wurde. Mit Sicherheit wird sich die Bedeutung des fraglichen 
Bechts erst dann feststellen lassen, wenn die von Brodeau er- 
wähnten sonstigen Urkunden veröffentlicht werden. Allein die 
Vermuthung, dass „braconner" gleichbedeutend sei mit „deflorer" 
oder gar mit Ausübung des Bechts der ersten Nacht, erscheint 
als willkürlich, solange nicht aus andern Quellen nachgewiesen 
wird, dass dies Recht damals bestanden habe. Zudem steht einer 
solchen Vermuthung die Auctorität von Brodeau entgegen. Denn 
er hatte die Urkunden vor Augen, worin das „droit de bracon- 
nage" erwähnt war; er erkannte aus ihrem Zusammenhang, dass 
damit etwas Anderes als mit dem „droit de chevel" gemeint sei; 
er war aber weit entfernt von dem Gedanken, dass es ein Name 
für das Herrenrecht der ersten Nacht sein könne. Und doch 
kannte er die Sage von einem solchen Recht; er glaubte sogar, 
es habe bei nordischen Völkern bestanden und sei in christlicher 
Zeit abgelöst worden ^. Hat er demungeachtet nach Prüfung des 
Inhalts der Urkunden keine Veranlassung gefuiiden, an jenes 
Recht zu denken, so sind noch weniger spätere Schriftsteller be- 
rechtigt, mit einer derartigen blossen Vermuthung die angeführte 
Stelle zu erklären. 



Hochzeitsnacht zu schlafen^. Littr^ (Ausg. v 1875) Bd. 1 S. 404 erklärt 
den Ausdruck droit de braconnage mit „droit du seigneur" und die Worte ne 
les braconne mit „n'use du droit du seigneur^, unter Verweisung auf das 
provenzalische Wort brac (spanisch braco, italienisch bracco, deutsch Bracke). 
Vgl. darüber auch Littr6 unter Braque und Grimm, W.-B. unter Bracke 
(Bd. 2 S. 289). Liebrecht 1879, S. 417 meint, droit de braconnage sei ein 
Name des jus primae noctis gewesen. 

* Vgl. Kap. 53 S. 241. 

2 Brodeau S. 273, n. II. 



250 Kapitel 56. Die Bauern von Verson. 

3. Recht der Aebte von Mont-Saint- Michel über die Bauern von Verson, 

Kapitel 56. Im neunzehnten Jahrhundert ist die Behauptung 
aufgestellt worden, die Mönche von Mont-Saint-Michel hätten 
über die Bauern von Verson in der Normandie unter dem Namen 
,,droit de culage" das Herrenrecht der ersten Nacht ausgeübt *. 
Dieser modernen Sage liegen folgende Thatsachen zu Grunde. Die 
Ortschaft Verson, am linken Ufer des Flüsschens Odon, hatte zu 
den Allodialgütern des im Jahr 996 gestorbenen Herzogs Richard I. 
von der Normandie gehört und wät durch eine Schenkung dieses 
Herzogs, mit Zustimmung seiner Gemahlin, Gräfin Gonnor, an die 
Abtei von Mont-Saint-Michel übertragen *. Im zwölften Jahrhun- 
dert empörten sich die Bewohner gegen die Abtei auf Anstiften 
oder wenigstens unter Schutz des Vicomte Osbert, Herren von Fon- 
tenay-Pesnel , eines Nachkommen der Gräfin Gonnor ^ Diesen 
Aufstand unterdrückte Baoul d'Ivry*. Im Jahr 1247 wurde durch 
Abt Richard III., vor Notar N. de Bellen, ein Verzeichniss der 
Einkünfte der Abtei aus den Orten Verson und Brette ville auf- 
genommen ^ Auf derselben Handschrift steht ein Gedicht von 
228 Versen, welches sich auf die Abgaben der Bewohner von 
Verson bezieht und dem Anschein nach von der nämlichen Hand 
wie die Urkunde über die Einkünfte der Abtei geschrieben ist *. 
Lechaude d'Anisy meint, ein Mönch der Abtei von Mont-Saint- 
Michel, und zwar wahrscheinlich der in der Urkunde bezeichnete 
Notar N. de Bellen, Kaplan des Abtes Richard III., habe das Ge- 
dicht verfasst^ Danach würde es aus dem Jahr 1247 herstammen, 
und in einzelnen Stellen könnte eine Verhöhnung der Bauern 
gefunden werden. Dagegen nimmt L6opold Delisle an, dies Ge- 
dicht sei bereits im zwölften Jahrhundert verfasst worden, und 
zwar durch Estout de Goz, bei Gelegenheit des erwähnten Auf- 
standes, der mit dem grossen Aufstand der Pastoureaux in Ver- 
bindung gestanden habe^ Dieser Ansicht hat sich Barthelemy 
angeschlossen ^. Danach könnten einzelne Stellen des Gedichts 

* Delplt !S. 49, 50; de Labessade S. 20. 

2 Die Urkunden darüber sind im Jahr 1841 veröffentlicht Vgl. Lechaude 
S. 88, 89; de Barthelemy S. 105 
8 Lechaude S. 104, 105. 

♦ Delisle S 121, 124, 125. 
s Lechaude S. 90, 112. 

6 Lechaude S. 105. 
^ Lechaude S. 105. 
8 Delisle S. 122, 125. 
8 de Barthelemy S. 105. 



Kapitel 56. Die Bauern von Verson. 251 

als Spott gegen die Abtei gedeutet werden. Welche von beiden 
Annahmen die richtige sei, kann hier unentschieden bleiben. 
Ein Theil des Gedichts behandelt die Heirathsabgabe mit folgen- 
den Worten: 

,,Biem me conta Begier Ad6, Jadis avint que le vilein 

Qu6 honte äit vilein eschap6: Ballout sa fille par la mein 

Se vilain sa fiUe marie Et la livrout k son seignor, 

Par de dehors la aeignoriey Ja ne fast de si gp'ant valor, 

Le seignor en u le culage : ' A faire idone sa volonte, 

iij sols en a del mariage; Aneeis qu'il li eust el don6 

iij sols en a reisen por quei, Rente, chatel ou h^ritage 

Sire, je l'vos di par ma fei; Por consentir le mariage." * 

Diese Stelle kann etwa folgendermassen übersetzt werden: 
„Wohl erzählte mir Regier Ade, von welcher Schmach der Bauer 
befreit sei: Wenn ein Bauer seine Tochter ausserhalb der Herr- 
schaft verheirathet , so hat der Grundherr davon den ,culage'; 
drei Sous hat er von der Heirath. Drei Sous bekommt er aus 
dem Grunde, Herr, den ich Euch auf Treue sage : früher geschah 
es , dass der Bauer seine Tochter an der Hand dem Herrn über- 
reichte und überlieferte, wenn sie auch nicht von so grossem 
Werth war, um dann seinen Willen zu thun, lieber als dass er 
ihm etwas Anderes, Rente, bewegliche Sachen ^ oder Erbgut, für 
die Zustimmung zur Heirath gegeben hätte.** ^ Hier wird nicht 
von einem Herrenrecht der ersten Nacht, sondern von einer Steuer 
im Fall des formariage gesprochen. Die weitere Ausschmückung 
enthält eine scherzhafte Andeutung, als wenn in vergangenen 
Zeiten die Bauern, statt eine Abgabe für die Zustimmung zur 
Heirath zu entrichten, vorgezogen hätten, ihre Tochter persön- 
lich dem Herrn vorzuführen , „um dann seinen Willen zu thun". 
Delpit tind Labessade halten es für unzweifelhaft, dass der 
Dichter damit auf das Herrenrecht der ersten Nacht ange- 
spielt habe, indem sie stillschweigend voraussetzen, dass dem 
Dichter ein solches Recht bereits bekannt gewesen sei. Doch 
fehlt ein genügender Grund für diese Annahme. Zudem ist der 



* Leohaudö S. 107; Delisle S. 671, 672, auch S. 69, 74, 122; de Barth^lemy 
S. 104; de Lagrfeze (1867) S. 400; Delpit S. 49, 50; de Labessade S. 47—49. 

2 Vgl. Grand Vocab. Bd. 5 S. 147 unter Catels ou Cateux; Dict. de Tre- 
voux Bd. 2 unter Gatel ou Cateüx. Danach umfasste der Ausdruck catel in 
der Picardie Mühlen, Schiffe, hängende Früchte, moventia etc. „Droit de 
meilleur c^tel^ hiess das Besthauptrecht. Vielleicht entspricht in obiger 
Stelle das normannische Wort „chatel^^ dem englischen Rechtsbegriff ^chattels^. 

3 Vgl. oben Kap. 18 S. 94-97. 



252 Kapitel 57. Guido von Ch&tiUon. 

Gedanke an ein jus primae noctis mit dem Wortlaut insofern 
unvereinbar, als danach die fragliche Leistung, an Stelle der 
Abgabe, nicht Seitens der Grundherren gefordert, sondern Seitens 
der Bauern angeboten wurde. Urkundlich hatte in Verson jeder 
Besitzer eines vollen Bauerngutes (villenagium), wenn er seine 
Tochter ausserhalb des Gebiets der Abtei verheirathete, achtzehn 
Pfennige, und jeder Besitzer eines kleineren Gutes einen ent- 
sprechenden Theil dieser Summe als formariage zu entrichten *. 
Das vorstehende Gedicht giebt die Summe auf drei Sous (das 
Doppelte von achtzehn Pfennigen) an, ohne Unterschied der 
Grösse des Bauerngutes. Ob diese Abweichung als Uebertreibung 
des Dichters oder anders zu erklären ist, mag dahingestellt 
bleiben. 

4. Recht des Grafen Guido von Chdtillon zu Fhre, 

Kapitel 67. Lauriere (1704) berichtet, die Bewohner von 
F^re in Tardenois seien zufolge eines mit dem Grafen Guido 
von Chätillon^ geschlossenen Vergleichs verpflichtet, auf dem 
Schloss Wache zu halten, so oft es nöthig sei, und der Grund- 
herr oder Schlosshauptmann dazu auffordere. Yor Abschluss 
dieses Vergleichs hätten die Bewohner von Fere in drückender 
Knechtschaft gelebt, da sie nicht bloss hundert Sous bei jeder 
Yerheirathung eines Kindes an den Grundherrn hätten bezah- 
len müssen 1, sondern ausserdem zur Entrichtung des „droit des 
mariages" verpflichtet gewesen seien, was ihnen grossen Nach- 
theil gebracht und den Abschluss vortheilhafter Heirathen ver- 
hindert habe; beide Verpflichtungen seien durch den erwähnten 
Vergleich abgelöst worden ^. Er beruft sich , ohne die Zeit des 
Vergleichs anzugeben, auf eine nicht näher bezeichnete Geschichte 
von Chätillon, Buch 9 Kap. 16 Seite 598, welche ich nicht habe 
ermitteln können. Er scheint bei dem Ausdruck „droit des ma- 
riages^ an ein Schändungsrecht gedacht zu haben. Denn er er- 



^ Etat des revenus de Tabbaye du Mont-Saint-Michel k Verson (canton 
Evrei) XXV, bei Delisle S. 680: ^Item, notandum est, quod quilibet qui 
tenet plenum vilanagium, si maritaverit filiam suam extra terram sancti Mi- 
chaelis, tenetur reddere xviij d.; et qui minus tenuerit, reddet pro portione 
quam tenebit.^^ Vgl. de Barth^lemy S. 105 (mit dem Fehler intra statt extra). 

^ Möglicherweise bezieht sich diese Nachricht auf den am 2. October 1362 
gestorbenen Gui de Ch&tiUon, seigneur de Före en Tardenois etc., der bei 
Mor^ri Bd. 3 S. 570 erwähnt ist. 

' Lauriere unter Cullage. Daraus: Roquefort, Suppl. S. 107; Mlchelet 
S. 265; Delpit S. 77; de Labessade S. 26 Nr. 55; Kulischer S. 227. 



Kapitel 58. Larlvi^re-Bourdet (Normandie). 253 

wähnt es in demselben Artikel, worin er die Erzählung des Hector 
Boethius über Evenus III. von Schottland und dessen Gesetz als 
geschichtliche Wahrheit vorträgt. Daher ist in vorstehendem Be- 
richt eine Sage vom Anfang des achtzehnten Jahrhunderts zu 
finden, solange eine ältere Quelle nicht entdeckt wird. Irrig ist 
die Meinung^, es sei erwiesen, dass dem Herrn von Fere das 
Herrenrecht der ersten Nacht zugestanden habe. Die Behaup- 
tung^, dass Guido von Chätillon nicht vergessen habe, „dieses 
Recht eines Herrn par excellence sich vorzubehalten" , steht so- 
gar in directem Widerspruch mit dem Bericht Lauriere's. 

5, Recht des Herrn von Larivüre-Bourdet, 

Kap. 68. In einer Urkunde des Herrn von Lariviere-Bourdet 
aus der Normandie vom Jahre 1419 ist gesagt: „Am genannten 
Ort bin ich auch berechtigt, von meinen Leuten und Andern, 
wenn sie auf meinem Gebiet heirathen, sechs Sous und eine 
Schweins-Länge in der ganzen Länge vom Bückgrat bis zum Ohr, 
einschliesslich des Schwanzes, mit einem Gallon Getränk^, wie 
es auf der Hochzeit vorkommt, zu erheben; oder ich kann und 
muss, wenn es mir gefällt, mit der neuvermählten 
Frau schlafen gehen, in dem Fall, dass weder ihr Mann 
noch Jemand für ihn mir oder meinem Vertreter eine der vor- 
bezeichneten Sachen liefert.** * Delisle bemerkt zu dieser Urkunde, 
darin sei die Ausübung des sogenannten Herrenrechts für den 
Fall angedroht, dass die geringfügige Abgabe nicht entrichtet 
werde ^. Doch ist in der Drohung von einem Recht nicht einmal 



1 Michelet S. 265; Delpit Nr. 65 S. 77; de Labessade Nr. 55 S. 26. 
» Kulischer S. 227. 

^ Bruvaigne = biberagium = breuvage, d. i. ein Liqueur von Essig und 
Milch. 

♦ Urk. V. 1419, Delisle S. 72 : „En dit lieu (de la rivi^re Bourdet, en 1419) 
aussi ay droit de prendre sur mes hommes et autres, quant ilz se marient en 
ma terre, dix soulz tournois et une longue de porc tout au long de 1 eschine 
jusques k l'oreille, et la queue franchement comprinse en ycelle longue, 
avecques ung gallon de tel bruvaige comme 11 aura aux nopees, ou je puia 
et dois y sHl me piaist, aler couchier avecque VespousSe, en cas ou son mary 
ou personne de par lui ne me paieroit k moy ou k mon commandement l'une 
des choses dessus d^clair^es.^ Vgl. auch Bonnem^re Bd. 1 S. 61 ; de Barth^lemy 
S. 106; Delpit S. 52, 133; de Labessade S. 18, 43, 92. 

* Delisle S. 74, 75. — Nach Prüfung aller in den Archiven der Normandie 
ermittelten Urkunden ist Leopold Delisle zu dem Schluss gelangt, dass keine 
dieser Urkunden zu der Annahme berechtigt, es habe in der Normandie das 
jus primae noctis bestanden. Delisle S. 75. 



254 Kapitel 59. Coutifme von Burgund. 

die Rede, sondern es wird nur gesagt, was der Herr thun 
könne und müsse, wenn die Leistung der Abgabe unterbleibe. 
Hieraus ist nicht zu ersehen, ob dem Verfasser der Urkunde 
die Sage von einem Herrenrecht der ersten Nacht bekannt war. 
Jedenfalls enthalten die hervorgehobenen Worte einen blossen 
Scherz, der zur pünktlichen Erfüllung einer rechtsgültigen Ver- 
pflichtung aneifem sollte. Ein ähnlicher Scherz findet sich in 
einigen Urkunden anderer Länder *. 

6. Die alte Coutume von Burgund, 

Kapitel 59. Jules Delpit meint, in Burgund seien die Leib- 
eigenen mit Verlust ihrer Güter bestraft worden, wenn sie sich 
dem Herrenrecht der ersten Nacht nicht unterwerfen wollten, oder 
wenn sie den Herrn in die Unmöglichkeit der Ausübung dieses 
Rechts versetzten*. Er beruft sich hierfür auf Art. 117 und 118 
des alten Gewohnheitsrechts von Burgund. Indessen mit Unrecht. 

Im Herzogthum Burgund galt das droit de formariage für 
diejenigen Hörigen, von denen in rechtsgültiger Weise bewiesen 
wurde, dass sie zu den serfs de formariage gehörten^. Für sie 
bestand der Grundsatz, dass sie Alles verloren, was sie hatten, 
wenn sie ausserhalb des Gebiets ihres Herrn ohne dessen Ein- 
willigung heiratheten^ Doch konnte ein Mann, der zur Klasse 
der serfs de formariage gehörte, den Verlust seiner Habe da- 
durch abwenden , dass er mit seiner jungen Frau die erste Nacht 
auf dem Gebiet seines Herrn zubrachte; alsdann folgte die Frau 
dem Recht des Mannes; sie wurde als Hörige für den Herrn 
ihres Ehemanns erworben^. Sollte die Frau gegen den Ver- 
lust ihrer bisherigen Hörigkeitsrechte geschützt werden, so war 



» Vgl. darüber Kap. 79 und 88. 

* Delpit S. 76, 77, 120; de Labessade S. 26 Nr. 54, S. 99, 100. 
8 Bouhier, Cout. chap. 67 art. 15, Bd. 2 S. 790. 

* Anciennes Coutumes de Bourgogne, Art. 117, bei Bouhier chap. 67 § 12, 
Bd. 2 S. 790: „Ceux de for-mariage sont ceux qui ne puent marier fors de 
dessous leur Seigneur, sans licence; et se ils se marient hors dessous leur 
Seigneur, ils perdent quanque ils ont^ . . . Vgl. Delpit S. 76; de Labessade 
S. 99. 

^ Anciennes Coutumes de Bourgogne, Art. 117 (hinter der in der vorigen 
Anmerkung angeführten Stelle): „Toutesvoyes , si homs se marie en autre 
Jurisdiction et prand femme au lieu, s'il la meine gesir le premier soir dessous 
son seigneur, il ne perd rien. Gar il acquiert la femme pour le seigneur et 
la trait k sa condition. Et se il ne gist le premier soir dessous le seigneur, 
il perd quanque il a. Et toutesvoyes n'est-il pas hors de servitude, qu'il 
demeure serf, se par d^saveu n'en part.^ 



Kapitel 60. Acte de repret. 255 

es nöthig, dass der Bräutigam den Herrn der Braut als seinen 
Herrn anerkannte und dann auf dessen Herrschaftsgebiet die 
Hochzeitsnacht mit ihr zubrachte ^. Der Fall des formariage lag 
nicht vor, wenn vor dem Beilager beide Ehegatten Hörige des- 
selben Herrn geworden waren ^. In der Bedaction der Coutumes 
de Bourgogne ^ , die Herzog Johann der Gute von Burgund auf 
Antrag seiner Stände im Jahr 1459 bestätigte^, wu]:den die Yor- 
stehenden Grundsätze im Wesentlichen aufrecht erhalten. 

Hieraus erhellt, dass der Ort, wo die Neuvermählten die 
Hochzeitsnacht zubrachten, insofern von rechtlicher Bedeutung 
war, als der eine oder andere Ehegatte an dem Ort der Hoch- 
zeitsnaoht unter den näher angegebenen Voraussetzungen die mit 
der Hörigkeit yerbundenen Vermögensrechte erwarb ^. In diesem 
Sinn könnte man aus den angeführten Bestimmungen ein „Recht 
der ersten Nacht** herleiten. Von einem Herrenrecht der ersten 
Nacht findet sich darin keine Spur. 

7. Der „acte de repret'' in der Franche-Comte. 

Kapitel 60. Ein Recht, welches die Aebte von Saint- 
Claude in Franche-Comte ausübten, soll nach der Meinung von 
Jules Delpit nur durch Annahme des „droit du seigneur** erklärt 
werden können ^. Auch dies ist ein grober Irrthum , wie sich 
leicht zeigen lässt. 

' In der Franche-Comte konnten die Kinder der Leibeigenen 
(mainmortables) zur Erbfolge in das Bauerngut ihrer Eltern nur 
dann gelangen, wenn sie bis zu deren Tod in Gütergemeinschaft 



^ Anciennes Coutumes de Bourgogne, Art. 118, bei Bouhier chap. 67 §§ 14, 
29, 30, Bd. 2 S. 790, 792, 793; Delpit S. 77; de Labessade S. 99, 100: „Se la 
femme serve et de for-mariage sort dessous son Seigneur, soit qu'eUe veigne 
gesir dessous son Seigneur ou non, eUe est for-mari^e et desadvou^e taisible- 
ment. Gar se eile gist au Heu, eile ne peut acquSrir Thomme; et si eile 
gist ailleurs, l'homme l'acquiert. Pourquoi eile est for-mari^e et perd tout ce 
qu'elle a. Mais se le mary venait advouer le seigneur de la femme avant 
ce qu'il l'eust eu [hier fehlt ein Wort] se eile gisoit au lieu, eile ne seroit 
pas fort mari6e." 

* Bouhier chap. 67 §§ 29, 30, Bd. 2 S. 792, 793: ... „Si avant la con- 
sommation du' mariage, les deux mari^s viennent dem eurer au lieu main- 
mortable il n'y a point de for-mariage" ... 

5 Coutume de Bourgogne, Art. 107, bei Bouhier chap. 67 §§ 13—30, Bd. 2 
S. 790—793. 

♦ Dalloz, R6p. Bd. 1 S. 184. 

5 Vgl. oben Kap. 28 S. 161, 162. 
« Delpit S. 122. 



256 Kapitel 60. Acte de repret. 

mit ihnen geblieben waren. Eine Tochter, die bei Lebzeiten 
der Eltern heirathete, konnte sich ihr künftiges Erbrecht vor- 
behalten, indem sie durch Worte oder Handlungen ihren Willen 
erklärte, die Gütergemeinschaft (Bechtsgemeinschaft) mit ihren 
Eltern und Geschwistern, unbeschadet der ihr gegebenen Aus- 
stattung, fortsetzen zu wollen. Dies hiess „repret^ ^ Die Cou- 
tume du Cooit6 de Bourgogne vom Jahr 1459 bestimmte, dass an 
den Orten der mainmorte die Tochter, welche von ihren Eltern 
ausgestattet wurde und sich verehelichte, ihr bisheriges Recht 
beibehalten konnte, indem sie nach der Hochzeit in das elter- 
liche Haus zurückkehrte und dort die erste Nacht zubrachte'. 
In der Rechtsprechung des Parlaments zu Besangen fand dieser 
Grundsatz des Gewohnheitsrechts eine so milde Auslegung, dass 
die Ausdrücke „en son partage" und „retourner** nicht als Be- 
dingungen, sondern als Beispiele betrachtet wurden^. Danach 
entschied das Parlament, dass es nicht nöthig sei, im elterlichen 
Haus eine Nacht zuzubringen, sondern dass es genüge, wenn 
dort das Hochzeitsmahl stattfinde^, oder wenn die Tochter am 
Tag nach der Hochzeit auf kurze Zeit zurückkehre ^ , oder wenn 
sie , an der Rückkehr verhindert , durch eine öflFentliche Urkunde 
den Willen erkläre, die Gütergemeinschaft mit den Eltern und 
Geschwistern fortsetzen zu wollen ®. Das „Repret" war ein Vor- 
recht der Leibeigenen. Dies erhellt aus einem Urtheil des Par- 
laments zu Besangon vom 19. Februar 1633'. Da,mals machte 
eine Tochter freien Standes, die sich bei ihrer Heirath nach 



^ Dunod chap. 3 sect. 4, du repret, S. 105 — 117, insbesondere S. 107: 
,,le repret; c'est ainsi que nous appellons l'acte de fait ou de paroles, par 
leqwel eile t^moigne qu'elle veut conserver la communion/ Daraus: Garran 
de Coulon in der Encycl. m^th., jurispr. Bd. 7 S. 353, unter Repret. 

• Goutumes g^n^rales du comt^ de Bourgogne v. J. 1459, Art. 90, bei 
Bourdot de Richebourg Bd. 2 8. 1201, und Goutume du Gomt6 de Bour- 
gogne, Art 8, bei Dunod S. 105: „En Heu de Mainmorte, la fille marine en 
son partage, peut retourner pour avoir et recouvrer son partage; pourvü 
qu'elle retourne g^sir la premi^re nuit de ses ndces, en son meix et h^ritage." 
lieber die Bedeutung des Wortes meix, welches von mansus hergeleitet 
wird, vgl. Dunod S. 37, 38, 109. Vgl. Moser Bd. 5 S. 158 ; Delpit S. 77. 

' Vgl. über die Worte „fille marine en son partage^^: Dunod S. 110—113 
und über „retourner^: Dunod S. 109, 110. 

* Urth. Pari. Besan^n v. 7. Oct. 1600, bei Dunod S. 107; Urth. v. Juli 
1608, bei Dunod S. 107, 108. 

5 Urth. Pari. Besannen v. 12. Sept. 1620, bei Dunod S. 108. 
« Urth. Pari. Besangon v. 24. Dec. 1619, 9. Nov. 1629 und Juli 1685, bei 
Dunod S. 108, 109. 

' Urth. Pari. Besannen v. 10. Febr. 1633, bei Dunod S. 106. 



Kapitel 60. Acte de repret. 257 

der Coutume gerichtet hatte, gegenüber ihrer Schwester, von der 
diese Vorschrift nicht beobachtet war, Anspruch auf das AUein- 
eigenthum der Qüter der mainmorte im Nachlass ihrer Mutter, 
unter Ausschluss ihrer Schwester; diesen Anspruch verwarf das 
Parlament mit der Erwägung, dass jene Vorschrift der Coutume 
auf Personen freien Standes keine Anwendung finde. Bei dieser 
Sachlage rechtfertigt sich die Bemerkung von Justus Moser, dass die 
Förmlichkeit des Repfret als Milderung des alten Grundsatzes : „der 
Erbe muss sein huldig und hörig nach dem Hofe^, zu betrachten 
sei und keineswegs als eine Härte angesehen werden könne K 

Zur Zeit, als Voltaire zu Perney lebte, wurde unter den 
Leibeigenen, die vom Stift Saint-Claude abhingen, die Vor- 
stellung verbreitet, dass die Grundsätze der mainmorte mit den 
allgemeinen Menschenrechten in Widerspruch ständen. Zwei 
Denkschriften darüber, die den Eindruck machen, als seien 
sie von Voltaire selbst oder wenigstens unter seiner Leitung ab- 
gefasst, wurden an den französischen Staatsrath abgesendet. 
Darin behauptete man, alle Bechtstitel der mainmorte, worauf 
sich die Stiftsherren beriefen, seien durch deren Rechtsvorgänger, 
die Benedictiner-Mönche , in vergangenen Jahrhunderten falsch- 
lich angefertigt worden. Die zweite der beiden Denkschriften 
fand eine besondere Ungerechtigkeit darin, dass eine Tochter, 
die heirathe und dadurch genöthigt werde, das elterliche Haus 
zu verlassen, alle Anwartschaft auf die künftige Erbschaft, selbst 
den Pflichttheil, verliere. „Man hat nur ein Mittel erfunden, 
um die empörende Ungerechtigkeit dieser Entscheidung zu mas- 
sigen, ein Mittel, das ebenso wunderlich ist, wie das Gesetz 
ungeheuerlich; man sollte erröthen, es ernstlich vor ehrenwer- 
then Gerichten vorzutragen: die leibeigene Tochter kann sich 
durch einen Notar eine Bescheinigung ausfertigen lassen, welche 
feststellt, dass sie die erste Nacht ihrer Hochzeit im Haus 
ihres Vaters geschlafen hat; man nennt dies acte de repret, 
eine Bezeichnung, die keinen Sinn hat; vermittelst dieser selt- 
samen Vorsicht bewahrt diese Tochter bei der Heirath die Vor- 
theile, die sich an ihre frühere Gemeinschaft knüpfen. Unter- 
lässt sie diese Förmlichkeit, so ist Alles für sie verloren; und 
selbst das Rechtsmittel der ViTiedereinsetzung in den früheren 
Stand wird ihr verweigert.** * Das Stift reichte ebenfalls Denk- 
schriften ein, um die vorbezeichneten Behauptungen zu wider- 



1 Moser Bd. 6 S. löö. Vgl. oben Kap. 28 S. 161, 162. 
' Dias. S. GUude, seconde requdte au Rol, Anh. S. 28, 24. 
Schmidt, Jus primae noctlB. 17 



258 Kapitel 61. Gascogne. 

legen und wohlerworbene Rechte zu vertheidigen. Durch Be- 
Qchluss vom 18. Januar 1772 verwies der Staatsrath die Sache 
an das Parlament zu Besangon, mit dem Auftrage, über den Streit 
der Parteien in erster und letzter Instanz zu entscheiden, und da- 
bei sowohl die vorgelegten Urkunden zu prüfen, als auch den 
Besitzstand zu berücksichtigen. Inzwischen verfasste Voltaire 
eine Eeihe von Schriften gegen die Ansprüche des genannten 
Stifts ^. Er behauptete , die vorgelegten Titel seien im zwölften 
und dreizehnten Jahrhundert fälschlich angefertigt worden*. Zu- 
gleich wiederholte er die übrigen Behauptungen , ^ die in den 
Denkschriften und in der daraus angefertigten Dissertation auf- 
gestellt waren ^. Namentlich stellte er die irrige Behauptung auf, 
es sei als ein Verbrechen behandelt und mit Verlust des Ver- 
mögens bestraft worden, wenn die junge Ehefrau die erste Nacht 
bei ihrem Ehegatten, statt im elterlichen Haus, zubrachte^. Die 
Bemühungen Voltaire's hatten keinen Erfolgt vermuthlich deshalb, 
weil die Rechte des Stifts wohl begründet waren, und die dagegen 
gerichteten Angriffe sich als ungerechtfertigt erwiesen. Das Par- 
lament zu Besangen entschied den Streit zu Gunsten des Stifts 
von Saint-Claude ^ 

8. Recht in der Gascogne. 

Kapitel 61. In den „Decisiones Burdegalenses" von Nicolaus 
Boerius sagt der Verfasser, es werde, wie er gehört habe, erzählt 
und für wahr gehalten, dass einige Herren der Gascogne das Recht 
gehabt hätten, in der ersten Hochzeitsnacht ihrer XJnterthanen einen 
nackten Schenkel an die Seite der neuvermählten Frau zu legen 
oder sich darüber mit ihren XJnterthanen abzufinden'. Dies ist 



1 Voltaire, ficrits pour les habitants du Mont-Jura 1770—1775, 6d. Beau- 
marchais Bd. 29 S. 4ÖÖ— 511. 

« Voltaire 1. c. Bd. 29 S. 479. Zudem wird S. 499 behauptet, dass ein 
titre authentique de libert^ vom Jahr 1390 durch die Mönche bei Seite ge- 
schafft und erst im März 1770 wiedergefunden sei. 

' Die Dissertation sur Tabbaye de St. Claude wird erwähnt und belobt 
bei Voltaire 1. c. Bd. 29 8. 479. 

* Voltaire, 6d. Beaumarchais Bd. 29 8. 477, 478, 502, 506. 

^ VoltAire, ^d. Beaumarchais Bd. 29 S. 461, 462: . . . „L'^loquence et le 
z^le de M. de Voltaire ont ^t^ inutiles; la servitude subsiste encore au pied 
du Mont-Jura." 

8 Kreiten S. 285, 286. 

' Boörius, dec. 297 n. 17 : ... „Et pariter dici audivi et pro certo haberi, 
nonnuUos Vasconiae dominos habere facultatem prima nocte nuptiarum suorum 
subditorum , ponendi unam tibiam nudam ad latus neogamae cubantis , aut 



Kapitel 62. Urtheil vom 13. Juli 1302 (Guyenne). 259 

eine Erzählung aus der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, aus 
einer trüben Quelle K Sie bezieht sich auf die im Kap. 11 erörterte 
Förmlichkeit, keineswegs auf das jus primae noctis im gewöhnlichen 
Sinn dieses Ausdruckes. Hieraus ergiebt sich die XJnhaltbarkeit der 
Behauptung, dass mehrere Herren der Gascogne unter dem Namen 
„droit de cuissage^ das Herrenrecht der ersten Nacht ausgeübt 
hätten^; oder dass die altherkömmliche Ablösung dieses Bechts 
noch biä ins sechzehnte Jahrhundert an die Qrundherren der 
Gascogne allgemein habe entrichtet werden müssend 

b. Gerioliiliolie EntBolieidnngen. 

1. Urtheil des Gross-Seneschalls von Guyenne vom 13. Juli 1302, 

Kapitel 62. Im Jahr 1812 veröffentlichte M. de Saint- Amans 
eine „unendlich merkwürdige^ Urkunde, mit dem Bemerken, dass 
ihm die Aechtheit derselben verbürgt sei, und dass er ihre Auf- 
findung dem Zusammentreffen glücklicher Zufalle verdanke; sie 
sei in der Landessprache abgefasst, die in Aquitanien im drei- 
zehnten und vierzehnten Jahrhundert gegolten habe und fast unver- 
ändert in Catalonien erhalten sei. Nach dieser Torbemerkung 
folgt der Wortlaut eines angeblichen TJrtheils des Oross-Seneschalls 
der Guyenne vom Mittwoch, 13. Juli 1302, in Sachen des Herrn 
Johann von Durasfort als Grundherrn von Blanquefort, La Talhan, 
Cantenac, Margaux und andern Herrschaften, gegen Catharina 
den Soscarrola aus Cantenac und ihren Ehegatten Guilhem deu 
Becarron den Jüngeren, über das Recht „de premici et de de- 
floroment" *. Eine französische Uebersetzung dieser Urkunde 
wurde im Jahr 1819 veröffentlichte Seitdem wird dies Urtheil 



componendl cum ipsis.^^ Vgl. d'Espeisses tit. 6 sect. 9; Lauri^re unter Les 
marquettes des femmes; Le Si^cle du 19 sept. 1854, erste Seite; VaUein 
S. 220; Delpit S. 92, 93; Marichalar Bd. 6 S. 69; de Barth^lemy S. 109. 

* Vgl. Näheres über das Werk des BoSrius, insbesondere über deo. 297 
n. 17, in Kap. 82. 

• de Labessade Nr. 63 S. 28, vgl. 8. 16, 17. 
« Sugenheim 1861, S. 104. 

^ de Saint-Amaus 1812, S. 61 — 65; daraus später abgedruckt bei Salni- 
Amans 1818, S. 65—68 und bei Delpit S. 94—96. Ein Abdruck derselben \ 
Urkunde, jedoch ohne Angabe der Quelle, steht auch bei Cassany-Maaet 
S. 292—294. Auf diese Urkunde stützt Cassany-Mazet (8. 89) die Behauptung 
dass die Grundherren zur Zeit Philipp's des Ktthnen das alte Feudalrecht der 
ersten Nacht „wiederhergestellt^' hätten. 

^ Bibl. bist. Bd. 19 S. 232—234. — Der Redacteur dieser Zeltschrift, 
C^sar Eugene Gossuin, stand am 24. Jan. 1820 als Angeklagter vor dem Assi- 
IT» 



260 Kapitel 62. Urtheil vom 13. Juli 1302 (Quyenne). 

als Beweis angeführt^, dass im Mittelalter das Feudalrecht der 
ersten Nacht thatsächlich ausgeübt und sogar gerichtlich an- 
erkannt worden sei; und dass in der Quyenne der Neuvermählte 
„noch^ im vierzehnten Jahrhundert verpflichtet gewesen sei, seine 
Frau dem Seigneur zur Ausübung des jus primae noctis sogar 
persönlich zuzuführen^; als ob es selbstverständlich wäre, dass 
eine solche Yerpflichtung auch früher bestanden habe. Die Aecht- 
heit jenes Urtheils wurde im Jahr 1840 durch Brunet in Zweifel 
gezogen ^ und seitdem von Niemandem nachgewiesen. Qleichwohl 
erwähnen spätere Schriftsteller diese Urkunde unter den Beweisen 
des jus primae noctis, ohne sich über ihre Aechtheit bestimmt 
auszusprechen *. 

Nach Inhalt dieses angeblichen Urtheils* behauptete der 



senhof der Seine; er ward nach einer bewegten Verhandlung durch die Ge- 
schworenen für nichtschuldig erklärt und demgemäss durch den Assisenpräsi- 
denten von der Anklage losgesprochen. Dieser Process betraf lediglich einen 
im elften Band jener Zeitschrift abgedruckten Aufsatz. (Vgl. Moniteur, Mardi 
26 janv. 1820, S. 98.) Deshalb sind die bei Veuillot 2. Aufl. S. 305—310 
auB diesem Proeess gezogenen Folgerungen von keiner Erheblichkeit für die 
im neunzehnten Band enthaltene Publication. Ueberdies kann dieselbe als 
eine Uebersetzung der bereits im Jahr 1812 veröfPentlichten Urkunde be- 
trachtet werden. (Vgl. jedoch S. 262, 267.) 

* Miot S. 217, 218; Ewers S. 71, 75; Bonnem^re Bd. 1 S. 58; Marichalar 
Bd. 6 S. 69; Kulischer 8. 227. — Aus dem Glauben an die Aechtheit jenes 
Urtheils erklärt sich eine Bemerkung der Augsb. Allg. Ztg. (v. 18. April 1868) 
und Liebrecht's (1879, S. 417), wonach das jus primae noctis den Namen droit 
de deflorement geführt haben soll. 

» Sugenheim 1861, S. 103 und 1872, S. 930. 
» Brunet S. 172. 

* Delpit Nr. 64, S. 93 ff.; Labessade Nr. 64, S. 28; „Une sentence, vraie 
ou suppos^e" . . . 

^ Saint-Amans bei Malte-Brun Bd. 18 8. 61—65: Asso es la carta et Sta- 
tut deu dreit de premici et de defloroment que lo senhor de la terra et sen- 
horia de Blanquefort a et deu aver, en et sohren totas et cascunas las ßlhas 
no noblas qui se maridan en la deita senhoria, lo primier jorn de las nopsas : 
^Conaguda causa sia que cum de tot temps de dreit, et per costuma anciaux, 
lo poderos senhor de la terra et senhoria de Blanquefort , La Talhan , Cante- 
nac , Margaux et autras , agos lo dreit de premici et defloroment en et sobren 
totas et cascunas las filhas, no noblas, qui se maridan en la deita terra et 
senhoria de Blanquefort, et autras dessus nompmadas, lo primier jorn de las 
nopsas, empero lo maridat present, et tenent una cama de la maridata 
penden que lo deit senhor prendra lo dreit de premici et fara lou de- 
floroment, et lo deit defloroment feit lo deit senhor no pot mech toquar la 
deita maridata, et a deu laissar au marit. Et cum lo mes de may dareiro- 
ment paasat, Gatharina deu 8oscarola de la parropia deu deit Cantenac se 
fo88& maridata al Guilhem deu Becarron lo joen, lo poderos senhor en Johan 



Kapitel 62. Urtheil vom 13. Juli 1302 (Guyenne). 261 

Kläger, auf Grund alted Gewohnlieitsreclits der genannten Herr- 
schaften die Befugniss zu haben, an allen nicht adeligen Mädchen, 



de Durasfort, cavaley, senhor de la deita terra et senhoria de Blanquefort et 
autras dessus nompmadas, agos voulut uzar deu deit dreit, et poder de pre- 
mici et de deüoroment en et sobre la deita deu Soscarola, era se fossada re- 
fusada d'obedir au deit senhor , et no vougut lo accorda lo deit premici et 
defloroment, et lo deit deu Becarron si fos equalement apausat, et emportat 
de malas palauras envers lo deit senhor, et perrason de la desobedientia de 
la deita maridata et las malas palauras deu deit maridat, lo deit senhor los 
agos feit meter en carcera separoment, et fos anat en se clamant d'una cla- 
mor eriminosa envert Mosseu lo Orand Senescaut de Guyana per enformar 
de so que dessus es deit, et a que so feit enquesta per cartas, et per torbas 
de testimonis deu dreit et costuma anciana en los quaus ero lo senhor de la 
deita terra et senhoria de Blanquefort, et autras sobredeitas daver et uzar 
deu dreit de premici et de defloroment en la maneira susdeita, et empres la 
deita enformation et enquestas feitas fo rendut una sententia per la cort se- 
nescala de Guienna de la quau lo tenor sen sec de mot k mot. Entre lo 
noble et poderos senhor en Johan de Durasfort, cavaley, senhor de la terra 
et senhoria de Blanquefort, Ip Talhan, Labarda, Cantenac, Margaux, et autres, 
demandador en dreit de -premici et de defloroment lo primier jorn de las 
nopsas en et sobre totas et cascunas las filhas no noblas que se maridan en 
la deita terra et senhoria de Blanquefort et autras dessus deitas, empero lo 
maridat present et tenent una cama a la maridata penden quet prendra lo 
deit premici et fara lo defloroment, duna part, et Gatharina deu Soscarrola 
de la parropia deu deit Cantenac noaroment maridata al Gullhem deu Be- 
carron lo joen defendadora au susdeit dreit d'autra part, et lo medis senhor 
equaloment demandator en reparation et castigament de malas palauras contra 
lo deit deu Becarron aissi medis defendador au dreit susdeit encora d'autra 
part, et es esta bist per la cort senescala la clamor eriminosa deu deit senhor 
en Johan de Durasfort, ensemps las enformations enquesta per cartas et per 
torbas de testimonis et autras pessas deu contest entre las pardidas, a deit et 
declarat lo deit senhor estre fondat en dreit, et en rason, et per costuma an- 
ciana daver et poder prendre lo premici et far lo defloroment lo primier jorn 
de las nopsas en et sobren totas et cascunas las filhas no noblas que se ma- 
ridan en la deita terra et senhoria de Blanquefort et autras sobredeitas em- 
pero lo maridat present et tenen una cama k la maridata penden que lo deit 
senhor prendra lo deit premici et fara lo defloroment, et aquo feit lo deit 
senhor no pot mech toquar la maridata, mas la deu laissar au maridat, et per 
rason de so que dessus es declarat, la deita cort a condamnat et condamna 
la deita Gatharina deu Soscarola, et lo deit Guilhem den Becarron lo joen, 
d'obedir au deit senhor perche prenne son dreit en la maneira susdeita; et 
en so que toqua las malas palauras que lo medis Guilhem ave deitas au deit 
senhor, la deita cort la condamnat et condamna de se amandar envert lo deit 
senhor, et lo demandar gratia un genouil en terra, lo cap nud, et las mas en 
crots estendudas sobre la peitrina, en la presentia de tot los que foran assem- 
blats k las nopsas, et plus ordonna la deita cort que en so que toqua lo dreit 
susdeit la presenta sententia serbira de lex et Statut tant x>er lo temps pre- 
sent que per lo temps advendor, per lo deit senhor de la far proclamar et 



262 Kapitel 62. Urtheil vom 13. Juli 1302 (Guyenne). 

die in seiner Herrschaft heiratheten, das Recht der Vorkost und 
Defloration auszuüben und dazu die Beihülfe des Bräutigams in 
näher bezeichneter Weise in Anspruch zu nehmen ; die Beklagten 
hätten sich diesem Eecht bei ihrer Heirath, im Mai 1302, nicht 
unterwerfen wollen, und der Bräutigam habe sich sogar Schimpf- 
reden gegen den Kläger erlaubt. Deshalb hatte er Beide einzeln 
einsperren lassen, und er wendete sich an den Gross-Seneschall 
der Guyenne (Grand Senescaut de Guyana) mit dem Antrag 
auf Strafverfolgung (Clamor criminosa). Der Gerichtshof erhob 
Beweis durch Zeugen und Urkunden über das Gewohnheitsrecht. 
Das Endurtheil erklärte die Ansprüche des Klägers für gerecht- 
fertigt, yerurtheilte demgemäss beide Eheleute, dem Herrn zu ge- 
horchen, damit er sein Recht in der bezeichneten Weise ausübe, 
und den Ehemann allein zu einer genau bestimmten Demüthigung 
als Genugthuung für die dem Herrn zugefügten Beleidigungen; 
verordnete, dass dies Urtheil für alle Zeiten als Gesetz und Statut 
dienen solle, und überliess dem Kläger, dasselbe durch einen 
königlichen Notar oder durch einen Weibel vor der Kirchenthür 
zu Cantenac am Schluss der Pfarrmesse und ausserdem im ganzen 
Umfang der genannten Herrschaften bekannt machen zu lassen, 
auch soviel Ausfertigungen davon zu nehmen, als ihm beliebe. 
Schon aas diesem Inhalt, hauptsächlich aus der Specialvor- 
schrift über die Verpflichtung des Ehemanns, dem Herrn behülflich 
zu sein, ist zu ersehen, dass ein solches Urtheil von keinem 
Richter erlassen sein kann, und dass die Anfertigung des Schrift- 
stücks aus einem frivolen Scherz herrühren muss*. Die leicht 
verständlichen und häufig wiederholten Ausdrücke und Redewen- 
dungen führen zu der Vermuthung, dass eine Uebersetzung aus 
dem modernen Französischen in die ältere Sprache vorliegt, und 
dass dafür die einzelnen Wörter zumeist aus ächten Urkunden des 
vierzehnten Jahrhunderts entlehnt wurden. Die Arbeit erscheint als 



publicar sia per un Noutari Reyau, sia per un apparitor au davant de la 
porta de la Gleisa deu deit Contenac & la saUhida de la messa de parropia, 
et per tota lestenduda de la deita senhoria de Blanquefort et autras sobre- 
deitas, et de far dressar cartas deu proclamat a tan cum lo plaira.^ Au dos 
est ^crit: „Sententia haec fuit in audientia Seneschallii Aquitaniae, die mer- 
curii decima tertia mensis Julii, anno millesimo trecentesimo duo.^^ 

^ In der Neuzeit soll es vorgekommen sein, dass zufolge eines Scherzes 
einem Gerichtspräsidenten unter den „blossen Unterschriftsachen^' sein eigenes 
Todesurtheil mit haarsträubendem Inhalt vorgelegt, und dasselbe von ihm 
richtig unterzeichnet wurde. Doch dürften derartige Scherze im vierzehnten 
Jahrhundert nicht so leicht als im neunzehnten Jahrhundert auszuführen 
gewesen sein. 



Kapitel 62. Urtheil vom 13. Juli 1302 (Guyenne). 263 

ziemlich ungeschickt, da sie nicht einmal den Formen einer ge- 
richtlichen Verhandlung oder einer Urkunde aus jener Zeit ent- 
spricht. Eine specielle Sprachvergleichung kann hier unterbleiben * ; 
denn die Fälschung wird durch eine grosse Zahl von Indicien klar 
bewiesen. Auf der Bückseite des Urtheils soll geschrieben stehen, 
es sei erlassen oder verkündigt ^ „Mittwoch den dreizehnten Juli 



^ Für den Fall, dass ein Sprachgelehrter diese Untersuchung unternehmen 
wollte , würde als ein vorzügliches Vergleichungsstück die Handschrift der 
herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Nr. 31 Aug. in fol. , aquitanisches 
Lehnsregister, zu berücksichtigen sein. Dieselbe ist aus dem Archiv von 
Bordeaux vor dem Jahr 1627 in die Bibliothek des Herzogs August von 
Braunschweig gelangt; sie ist gegen Ende des dreizehnten oder Anfang des 
vierzehnten Jahrhunderts angefertigt und enthält auf 171 FoUo-Blättern eine 
Abschriftensammlung von notariellen Urkunden aus der zweiten Hälfte des^ 
dreizehnten Jahrhunderts, zur Feststellung der Rechte des Königs Eduard 
von England als Herzogs von Aquitanien. (Vgl. auch die Beschreibung dieser 
Handschrift bei Schönemann S. 43 u. 44; Martial und Jules Delpit, in den 
Notices Bd. 14 S. 296 — 458.) Einige dieser Urkunden sind lateinisch, andere 
in der Landessprache abgefasst, und zwar letztere in verschiedenen Dialecten. 
Aus einer sorgfältigen Vergleichung dieser Urkunden mit dem angeblichen 
Urtheil vom Jahr 1302 werden Fachgelehrte ermitteln können, ob letzteres 
in einer Sprache geschrieben ist, die am Ende des dreizehnten und Anfang 
des vierzehnten Jahrhunderts in der Quyenne gesprochen wurde. Andere Ver- 
gleichungsstücke finden sich in mehreren Urkunden aus dem dreizehnten und 
vierzehnten Jahrhundert, die in der Geschichte Montauban's von Le Bret ab- 
gedruckt stehen. — Es mag richtig sein, dass die in der Urkunde gebrauchten 
Ausdrücke mit der Sprache, die zur Zeit von Saint-Amans in Catalonien ge- 
redet wurde, ,,fast^^ übereinstimmen; wenigstens ist eine gewisse Aehnlichkeit 
unverkennbar. (Vgl. das catalonisch-spanische Wörterbuch von Labernia.) 
Doch wäre es auffallend, wenn die Sprache sich in fünfhundert Jahren nur 
wenig geändert haben sollte. — Ueber die Verwandtschaft der Sprache von 
Guyenne und Catalonien hat mir Herr Manuel de BofaruU zu Barcelona ge- 
schrieben: „Die Annahme, dass die Sprache von Catalonien und Guienne mit 
einander übereinstimme, ist ein grober Irrthum. Die romanische Sprache 
zerfällt in eine grosse Zahl von Dialecten, von denen jetzt nur noch einige 
gesprochen werden; sie sind ähnlich in der Syntax, aber verschieden in an- 
dern Theilen ; der Sinn eines solchen Dialects lässt sich errathen , wenn man 
ihn auch nicht spricht, wegen der Etymologie oder Aehnlichkeit der Wurzeln. 
Die catalonische Sprache unterscheidet sich von andern romanischen Dialecten 
durch einen bestimmten Charakter; denn sie war eine geschichtliche, amtliche 
und wissenschaftliche Sprache, die von einem Volk und einer Dynastie 
Jahrhunderte lang gesprochen wurde. Aus diesem Grund kann die Sprache 
von Catalonien derjenigen von Guienne ähnlich sein, wie die portugiesische 
der castellanischen ; aber sie ist nicht dieselbe, wie sich leicht beweisen lässt, 
wenn man Namen vergleicht" . . . 

2 Das Wort „publicata" vor „fuit" scheint in der Handschrift oder dem 
Abdruck vergessen zu sein. 



264 Kapitel 62. Urtheil vom 13. Juli 1302 (Guyenne). 

1302". Ein Schreib- oder Druckfehler im Datum ist nicht anzu- 
nehmen, da der ganze Vermerk in Buchstaben gedruckt ist. Nun 
war es aber um jene Zeit ungewöhnlich, in der heute üblichen 
"Weise ein Datum durch Monat und Wochentag zu bezeichnen; ge- 
wöhnlich erfolgte die Bestimmung nach Heiligentagen und Festen. 
Sodann war, was besonders zu beachten ist, der dreizehnte Juli 
im Jahr 1302 nicht ein Mittwoch, sondern ein Freitag ^ Ferner 
fehlt in der Urkunde eine Angabe über den Namen des Richters 
und über den Ort des Gerichts, sowie über Siegel und Unter- 
schrift des Richters oder Gerichtschreibers. Auffallend ist, dass 
die Urkunde vom Gross-Seneschall der Guyenne spricht, obwohl 
dem Seneschall der Guyenne (dem Senescalcus Vasconiae) die 
Bezeichnung „Gross** nicht zukam 2. Im höchsten Grad verdächtig 
ist die Angabe, dass die Urkunde zufällig aufgefunden sei, und 
dass man dem M. de Saint-Amans die Aechtheit verbürgt habe. 
Wer eine angeblich vor mehr als fünfhundert Jahren geschriebene 
Urkunde herausgiebt und deren Aechtheit behauptet, hat mindestens 
anzugeben, wo und in welcher Weise die Urkunde gefunden ist, 
wo sie verwahrt wird, und aus welchen äusseren und inneren 
Gründen die Aechtheit der Urkunde sich entnehmen lässt; dazu 
gehört eine Beschreibung des allgemeinen Aussehens, der Schrift- 
zeichen, der Siegel und Unterschriften und sonstiger Merkmale. 
Alles dies hat M. de Saint-Amans unterlassen. Wäre das Urtheil 
acht, so müsste darüber in den gedruckten Acten aus der Regierung 
des Königs Eduai'd I. von England oder im Departements- Archiv 
von Bordeaux eine Nachricht zu finden sein^. Im Jahre 1302 war 
Bertrand II. de Gout oder de Got (der spätere Papst Clemens V.) 
Erzbischof von Bordeaux; in dessen Lebensgeschichte wird ein 
solches Urtheil nicht erwähnt *. Ebensowenig wurde es in den 



^ Wenn man die Muthmassung aufstellen könnte, die zwar unsicher ist, 
aber nicht selten zutrifft, dass der Urheber der Fälschung aus dem Kalender 
des Jahrs, worin er schrieb, das Datum aufs Gerathewohl entnommen habe, 
so könnte daraus ein Fingerzeig zur Ermittlung der Jahreszahl der Arbeit 
gewonnen werden. Vor dem Jahr 1812 (worin der 13. Juli auf einen Montag 
fiel) war der 13. Juli ein Mittwoch in den Jahren 1785, 1791, 1796, 1803 
und 1808. 

* Vgl. die erwähnte Handschrift der Wolfenbütteler Bibliothek (welche 
auch wegen dieser Frage näher durchgesehen werden könnte) ; ausserdem eine 
Urk. V. 1299 bei Ducange unter Senescalcus; Warnkönig Bd. 1 S. 861, 362. 

' Eine Anfrage, die ich darüber an den Herrn Departements-Archivar zu 
Bordeaux gerichtet habe, ist ohne Antwort geblieben. 
• * Gall. Christ. Bd. 2 S. 829, 830. 



Kapitel 62. Urtheil vom 13. Juli 1302 (Guyenne). 265 

Archiven der Herrschaft Blanquefort vorgefunden*. Wäre das 
Urtheil , wie dessen Schluss verordnet , bekannt gemacht und 
verbreitet worden, so müssten zahlreiche Abschriften angefertigt 
sein, und die Entscheidung müsste in der Guyenne Aufsehen 
erregt haben ; ferner würden spätere Herren von Blanquefort Er- 
klärungen darüber abgegeben, und Schriftsteller mindestens aus 
dortiger Gegend, z. B. Automne im Gommentar zu den Coutumes 
des pays Bourdelois, über dies merkwürdige Urtheil gesprochen 
haben. Wie erklärt es sich, dass dies „Gesetz und allgemeine 
Statut" vollständig verschwand, bis es nach mehr als fünfhundert 
Jahren durch unbekannte Personen aufgefunden und dem M. de 
Saint- Amans eingehändigt wurde? Es wird erzählt, die Urkunde 
sei zum Verbrennen bestimmt gewesen und mit andern Feudal- 
titeln von dem auf der place Dauphine in Paris errichteten 
Scheiterhaufen durch einen Sturm weggeführt, dann durch einen 
Beisenden aufgehoben und von demselben an M. de Saint-Amans 
mitgetheilt worden ^. Allein es fehlt jeder Beweis für die Richtig- 
keit dieser sonderbaren Erzählung; und es ist nicht einmal an- 
gegeben, wo die gerettete Urkunde, seit sie in Händen des 
M. de Saint-Amans war, geblieben sei Die spanischen Advocaten 
Amalio Marichalar Marques de Montesa und Cayetano Manrique 
versichern, das Original-Urtheil gesehen zu haben ^. Doch ver- 
dient diese Angabe keinen Glauben, solange nicht einmal ge- 
sagt ist, wann und wo ihnen die Gelegenheit zur Einsicht jener 



^ Delpit S. 105 (aus der ersten Auflage von Baurein). In der neuen Aus- 
gabe von Baurein (1876) finde ich keine Erwähnung dieses Urtheils. 

^ Delpit S. 105, 106 (aus einer angeblichen Mittheilung des Präsidenten 
Duprat, der eine Abschrift des Urtheils mit jener Erzählung besessen haben 
soll) : „Cette pi^ce a ^t4 sauv^e des flammes par un pur hasard , lorsqu^en 
ex^cution du d^cret qui ordonnoit de faire brüler tous les titres f^odaux, on 
transporta des archives sur la place Dauphine plusleurs charretöes de vieux 
titres qui devoient Stre livr^s aux flammes. Au moment oü le feu alloit les 
dövorer, il se leva un Vent de sud-ouest si violent qu'un grand nombre de 
ces papiers fut empörte loin du bücher; entre autres, le singulier jugement 
que Ton vient de copier. II tomba aux pieds d'un voyageur que la curiosit^ 
avoit amen^ k cet Strange auto-da-f^ , des mains duquel il est pass^ dans 
Celle de M. de Saint-Amans >' — Zum nähern Verständniss dieser Erzählung 
mag bemerkt werden, dass nach Art. 6 und 7 des Decrets vom 17. Juli 1793 
alle Titel über die ohne Entschädigung aufgehobenen Feudalrechte verbrannt 
werden sollten; die Ausführung dieser Bestimmung wurde durch Art. 3 des 
Decrets vom 8 pluv. 11 (27 Jan. 1794) auf spätere Zeiten verschoben. 

^ Marichalar Bd. 6 S. 69: ^Ocasion hemos tenido de ver una sentencia 
original de la Senescalia de Guyena^^ ... 



266 Kapitel 62. Urtheil vom 18. Juli 1302 (Guyenne). 

Urschrift geboten wurde ^. Zu Alledem kommt hinzu , dass der 
Käme des angeblichen Klägers mit den genealogischen Nachrichten 
über die Familie von Durasfort in Widerspruch steht'; danach 
war zur Zeit des Urtheils nicht Johann von Durasfort, sondern 
Eduard von England Herr von Biancafort ^ 

Kann somit kein Zweifel darüber bestehen, dass die Ur- 
kunde Yom 13. Juli 1302 unächt ist, so bleibt noch die Frage 
übrig, zu welcher Zeit, durch welche Person und aus welchen 
Beweggründen die Anfertigung geschehen sei. Es ist mir nicht 
gelungen, hierüber etwas absolut Sicheres zu ermitteln. Veuillot 
vermuthet, der Anfertiger habe aus politischen oder persönlichen 
Beweggründen die Absicht verfolgt, die Familie des Herzogs von 
Durasfort zu verunglimpfen*. Hiergegen bemerkt Delpit, die 



^ £s wäre zu wünschen, dass der Inhfiber der Urkunde, falls sie existirte, 
sich meldete, um eine Prüfung der Aechtheit zu ermöglichen. 

2 P. Anselm Bd. 1 cap. 162, S. 812—814. 

' Diese Herrschaft gelangte (wie aus Baurein S. 252—262 zu ersehen ist) 
erst im October 1336 an die Familie Durfort , . und zwar an Aymery (nicht 
Jean) de Durfort, zufolge eines mit dem König von Frankreich geschlossenen 
Vergleichs. Nach Inhalt der authentischen Urkunde vom October 1836 ver- 
zichtete Aymery de Durfort auf verschiedene Ansprüche, die er aus einer 
letztwilligen Verfügung des Bertrand de Got, zufolge kinderlosen Absterbens 
des Johann von Durfort (Sohnes von Bernard von Durfort, Herrn von 
Flamarens), erhoben hatte; dagegen übertrug ihm der König von Frankreich 
das Schloss Biancafort mit Zut>ehör, und zwar sowohl diejenigen Güter dieser 
Herrschaft, welche der König bereits in Besitz hatte, als auch diejenigen, die 
in Besitz des Herzogs von Guienne waren und nach einem zwischen dem 
König und dem Herzog geschlossenen Uebereinkommen an Erstem heraus- 
gegeben werden sollten. (Vgl. Urk. v. Oct. 1336, Arch. bist. Gironde, Bd. 4 
S. 91—94; dazu die zweite Urk. v. Oct. 1336 S. 94-95.) Bertrand de Got, 
ein Neffe des Papstes Clemens V., hatte am 16. Juni 1308 die Herrschaft 
Biancafort von König Eduard I. von England geschenkt erhalten (unter der 
Verpflichtung , den König am römischen Hof in Schutz zu nehmen) ; Eduard 
von England hittte die eine Hälfte dieser Herrschaft durch Erbschaft von 
H^lie de Talmon und dann die andere Hälfte durch Vertrag vom 15. Mai 1270 
von Alaide Blanquefort (Aladis domina de Biancafort) und deren Ehegatten 
Bernhard von Trencal^on (Bernardus Trenchaleo) erworben. Die oben S. 263 
erwähnte Wolfenbütteler Handschrift enthält ausser andern Urkunden über 
Biancafort auf der Rückseite von Blatt 60 unter Nr. 75 den .Vertrag vom Jahr 
1270. Vgl. Notices Bd. 14 S. 380, 453, 454. — Gaufreteau (dessen Zeugniss 
freilich keine grosse Bedeutung hat) verlegt eine Verhandlung vom Jahr 1270, 
zwischen König Eduard und dem Alchimisten Arnaud de Villeneufve, in das 
chasteau de Blanquefort-les-Bourdeaux, ist also der richtigen Meinung, dass 
dies Schloss damals dem König Eduard von England gehörte. Gaufreteau 
Bd. 1 S. 3. 

♦ Veuillot 2. Aufl. S. 811. 



Kapitel 68. Die Bischöfe von Amiens. 267 

Schrift des M. de Saint-Amans sei gerade in royalistischen Zei- 
tungen gelobt worden, und der Sohn des Verfassers sei Ritter 
des Ordens vom hl. Ludwig und Hauptmann der königlichen Garde 
gewesen ^ Danach müsste der Sohn des Herausgebers vor der 
Hinrichtung des Königs Ludwig XVI., also vor dem 21. Januar 1793, 
Ritter des Ordens vom hl. Ludwig und Hauptmann der könig- 
lichen Garde gewesen sein; dies ist aber nicht glaublich, da sein 
Vater (geb. 1748) im Jahr 1793 erst 45 Jahre alt wurde. Die 
Vermuthung Veuillot's hat innere Wahrscheinlichkeit für sich; 
doch mag es richtig sein, dass M. de Saint-Amans die Urkunde 
nicht selbst angefertigt, sondern von einer Person, deren Namen 
er nicht mittheilt, empfangen und leichtgläubig für acht gehalten 
hat. Es ist nicht nöthig, den Anfertiger der Urkunde unter den 
Gegnern der Aristokratie zu suchen. Die Urkunde kann schon 
in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts fabricirt 
worden sein, zu der Zeit, als in Hof- und Adels-Ereisen die 
Unsitte bestand, sich mit möglichst pikanten und äquivoken Er- 
zählungen unterhalten zu lassen. Allein jedenfalls fehlt ein strenger 
Beweis für die Beweggründe, die zu der Fälschung geführt haben, 
solange die Person des Thäters nicht ermittelt ist^. 

2, Prozess der Bischöfe von Ämiens vor detn Parlament zti Paris^, 

Kapitel 63. Seit dem achtzehnten Jahrhundert werden die 
durch Parlamentsurtheile entschiedenen Streitigkeiten des Bischofs 
von Amiens mit den Bewohnern der Städte Amiens und Abbe- 
ville als Beweis dafür angeführt, dass ein Herrenrecht der er- 
sten Nacht im Mittelalter bestanden habe und ausgeübt worden 
sei^. Ducange drückt sich noch unsicher aus; er bemerkt im 



^ Delpit S. 99. 

' Ganz verfehlt ist die Meinung Delpit's (S. 105), dass die Urkunde, wenn 
sie überhaupt un'ächt sei, von einem Mönch des Mittelalters (einem pöre 
titrier) angefertigt sein müsse, zu dem Zweck, dem Herrn von Blanquefort 
einen Dienst zu erweisen. Denn abgesehen davon, dass dies ein schlechter 
Dienst gewesen wäre, sprechen die vorbezeichneten Gründe gegen die Ver- 
muthung, dass die Anfertigung schon im Lauf des Mittelalters geschehen seL 

3 Vgl. Vering, Arch. Bd. 40 unter X, S. 256—273. 

^ Lauri^re unter Gulage; Ducange unter Marcheta; Encycl. 1. Ausg. unter 
Culage und Droits abusifs; Encycl. m^th. Jurispr. unter Amiens, Culage und 
Droits abusifs; Voltaire, Dict. phil. unter Taxe; Diss. S. Glaude, Anh. S. 134; 
Collin de Plancy Bd. 1 S. 176; Miot S. 217, 218; Ewers S. 71, 75; Bouthors 
Bd. 1 S. 469; Dupin S. 131, 132; Delpit Nr. 9 S. 36 ff.; de Labessade S. 19, 
43, 66, 67; de Gubernatis, Usi S. 199; Schaffner Bd. 2 S. 185; Weinhold 



268 Kapitel 68. Die Bischöfe von Amiens. 

Anschluss an die Oeschicfate vom Gesetz des Königs Eyenns, 
ihm scheine, dass darauf auch der Anspruch des Bischofs von 
Amiens bezogen werden müsse, falls derselbe sich nicht etwa 
auf eine !E(estimmung des yierten Concils von Carthago gestützt 
habe ^. Yoltaire sagt , allerdings hätten einige Theologen die 
Behauptung aufgestellt, dass die Oeldabgabe, die der Bischof 
Ton Amiens begehrte, mit einer Vorschrift; des vierten Concils 
Ton Carthago zusammenhänge; doch sei es wahrscheinlicher, dass 
jene Gebühr aus der infamen Gewohnheit herrühre, die gewissen 
Herren die erste Nacht der jungen Frauen ihrer Vasallen gewährte *. 
Seitdem haben viele Schriftsteller die Meinung vertheidigt, die 
Gebühr, welche die neuvermählten Ehegatten für die Erlaubniss, 
die ersten drei Nächte beieinander zu schlafen, an die Beamten 
des Bischofs zu zahlen hatten, sei aus dem Herrenrecht der ersten 
Nacht entstanden ^ Samuel Sugenheim hält es für „sehr wahr- 
scheinlich, dass die Bischöfe von Amiens, als sie den (1393 bis 1409) 
wiederholten Verfügungen des Parlaments noch länger geradezu 
Gehorsam zu versagen nicht rathsam erachteten, die fragliche 
Steuer unter einem pfifiBg ausgesonnenen andern Titel noch 
eine Zeit lang forterhoben^ hätten ^ Die spanischen Advocaten 
Marichalar und Manrique verwechseln Amiens mit Antwerpen 
(Anvers) und meinen, dem Bischof von Antwerpen habe in seiner 
Herrschaft das Recht auf die fleischliche Erkennung aller neu- 
vermählten Frauen zugestanden; doch habe man durch Zahlung 
von zehn bis dreissig Franken, je nach dem Stand des Vermögens, 
das fragliche Recht ablösen können^. Sie erwähnen an einer 
andern Stelle einen „Befehl des Parlaments zu Paris vom 19. Mai 
1409" als Beweis dafür, dass „sehr viele französische Bischöfe 
und Aebte jenes Recht über ihre Vasallen hatten, und die ent- 
haltsamsten eine Geldentschädigung für die Nichtausübung ver- 
langten** *. Einige Schriftsteller stellen die bestimmte Behauptung 
auf, die Bischöfe von Amiens hätten das Herrenrecht der ersten 

8. 195; Sugenheim 1861, S. 104, 106; Marichalar Bd. 6 S. 69; Buchmann S. 69; 
Kulischer S. 224. 

^ Ducange unter Marcheta. — Eine ähnliche Unsicherheit findet sich bei 
einigen spätem Schriftstellern: Boucher d'Argis in der Encycl. unter Culage; 
Weinhold S. 196 in Verbindung mit S. 269. — lieber die fragliche Be- 
stimmung „des vierten Concils von Carthago^^ s. oben Kap. 27 S. 152. 

' Voltaire, Dict. phil. unter Taxe. 

* Bouthors Bd. 1 S. 469; Dupin S. 181, 132; Sugenheim 1S61 , S. 104, 
105; Kulischer S. 224. 

^ Sugenheim 1S61, S. 104, 106. 

» Marichalar Bd. 6 S. 69. ^ Marichalar Bd. 6 S. 70. 



Kapitel 63. Dijs Bisohöfe von Amiens. 269 

Nacht thatsächlich ausgeübt. „Die Bischöfe von Amiens genossen, 
in ihrer Eigenschaft hoher Barone, dieses Prälibatsrecht in seiner 
ganzen Fülle/ ^ Es wird erzählt, dies Becht über die Frauen 
ihrer Yasallen und Bauern sei ihnen zu Anfang des fünfzehnten 
Jahrhunderts auf Verlangen der Ehemänner durch Urtheil ab- 
erkannt worden; vorher hätten in vielen Gantonen der Picardie 
die Pfarrer das schlechte Beispiel des Bischofs nachgeahmt und 
an seiner Stelle das Herrenrecht ausgeübt; ein Vergleich vom 
Anfang des yierzehnten Jahrhunderts habe das droit de cuissage 
der Pfarrer für die drei ersten Nächte aufrecht erhalten und nur 
die Ablösung dieses Eechts den Ehemännern gestattet; erst 
durch Urtheil vom Jahr 1409 sei das Eecht selbst aufgehoben 
worden ^. Dalloz behauptete anfänglich, das Capitel von Amiens 
habe das verrufene Herrenrecht bis ins siebenzehnte Jahrhun- 
dert hinein thatsächlich ausgeübt^. Elf Jahre später schrieb 
er, ungeachtet der strengen Bestrafung des Ehebruchs sei das 
„droit de prelibation^ durch das Ghristenthum lange Zeit auf- 
recht erhalten und bis zum yierzehnten Jahrhundert durch das 
Capitel von Amiens ausgeübt worden; Spuren davon hätten sich 
bis zum siebenzehuten Jahrhundert erhalten ^ Bei L6on de La- 
bessade findet sich folgender Satz: „Die Bischöfe von Amiens 
waren besonders versessen auf das droit du seigneur, obwohl das 
berühmte Goncil von Trient unter Strafe des Bannes verboten 
hatte, sich den Heirathen der Unterthanen zu widersetzen.**^ Er 
meint also, das „droit du seigneur^ sei durch die Bischöfe, von 
Amiens selbst nach dem Goncil von Trient (nach 1563) aus- 
geübt worden*. 

Eine grosse Verwirrung herrscht in den Angaben über Be- 
zeichnung des Jahres und Tages, wann das Parlamentsurtheil 
über die fraglichen Streitigkeiten erlassen ist. Es werden Urtheile 
von zehn verschiedenen Tagen erwähnt'. Mehrfach wird be- 
hauptet, die Bischöfe von Amiens hätten die fraglichen Ansprüche, 



* Dulaure, Adel S. 242. * ColUn de Plancy S. 176—178. 
' Dalloz, Dict. Bd. 1 unter Adult^re. 

* Dalloc, R^p. Bd. 3 unter Adult^re n. 7. » de Labessade S. 66, 67. 

^ An einer andern Stelle bemerkt de Labessade (S. 77—79), die Bischöfe 
von Amiens hätten bis cum sechzehnten Jahrhundert das Herrenrecht der 
ersten Nacht hartn&ckig festgehalten. 

' Diese Tage sind: 17. Januar 1883, 17. Januar 1393, 1. und 11. Marx 
1401, 19. März 1407, 19. März 1409, 19. und 26. Mai 1409, 6. und 11. März 
1501. Boucher d'Argis nennt an einer Stelle den 19. März, an einer andern 
Stelle den 19. Mai 1409 als den Tag der Entscheidung. 



270 Kapitel 68. Die Bischöfe von Amiens. 

ungeachtet der dagegen erlassenen ausdrücklichen Yerhote des 
Königs Philipp VI. vom 10. Juli 1336 und des Königs Karl VI. 
Yom 5. März 1388, noch in späterer Zeit aufrecht erhalten oder 
erneuert K Danach berechnen einige Schriftsteller die Dauer des 
Prozesses auf mehr als sechzig Jahre (von 1336 bis 1409)^; 
Labessade sogar auf 165 Jahre (yon 1336 bis 1501) ^ 

Glücklicherweise sind die Quellen zur Erkenntniss der frag- 
lichen Streitigkeiten nicht auf die Berichte der Schriftsteller be- 
schränkt, sondern hauptsächlich in den Acten des Pariser Par- 
laments zu finden^. 

Nun erhellt zunächst aus dem Inhalt der königlichen Ver- 
ordnungen vom 10. Juli 1336 und 5. März 1388, dass der darin 
erwähnte Streit nicht das Eecht der ersten Nacht, sondern 
den Umfang der bischöflichen Gerichtsbarkeit, und zwar über 
Ehebruchsachen, betraft Die in der erstgenannten Verord- 
nung ^ erwähnte Beschwerde der Stadt Amiens ging nämlich 



1 Daire Bd. 2 S. 84, 85; Raepsaet 1. Aufl. S. 32, 33 (3. Aufl. S. 55, 56); 
Louandre chap. 20, S. 223, 224; Sehäffner Bd. 2 S. 185; de Labessade 8. 77. 
' Delpit S. 44, 46; Buchmann S. 69. 
. ' de Labessade S. 77. 

* Die im Staatsarchiv zu Paris aufbewahrten amtUchen Parlamentsproto- 
kolle sind nicht vollständig. Zu ihrer Ergänzung dienen die Abschriften, 
welche Grenier aus dem Archiv der Stadt Amiens entnommen hat; die 
Sammlung dieser Abschriften findet sich in der Bibliothöque Nationale, D^p. 
des n^anu^cripts, Collection de Picardie, Dom Grenier, vol. 158 und 159. 
Yermuthlich sind die Urschriften davon und vielleicht noch andere zur Be- 
urtheilung der fraglichen Streitigkeiten erhebliche Urkunden im Archiv der 
Stadt Amiens aufbewahrt (worin ich keine Nachforschungen angestellt habe); 
doch können die Abschriften Grenier's als hinreichend beglaubigt angesehen 
werden, da sie in Paris dasselbe Ansehen wie die Urschriften geniessen. 

* Ebenso: Gall. Christ. Bd. 10 S. 1193, wo sich jedoch ein Irrthum in der 
Jahreszahl (1366 statt 1336) vorfindet. 

8 Königl. Verordnung v. 10. Juli 1336, bei Grenier, vol. 158 fol. 142 (aua 
Cartul. de l'Hotel de Ville d' Amiens cott6 B, fol. XLVI Ro) : „Philippus Dei 
gratia Francorum Rex Baillivo Ambianensi aut ejus locum tenenti salutem. sua 
nobis Major et Scabini ville Ambianensis gravi conquestione monstraverunt, 
quod cum ipsi super eo quod officialis Ambianensis vices gerens Episcopi 
dicte ville, et alle ipsius Episcopi gentes Joannem de Argeuve et plures alios 
dicte ville Burgenses nostros coram ipsis conveniri et citari faciebant. impo- 
nentes eisdem Joanni et aliis nostris Burgensibus quod ipsi feminaa alias 
quam suas desponsatas carnaliter cognoverant, ipsos ad solvendum emendas 
propter hoc compellendo, vel etiam tractando coram dilectis et fldelibus Gen- 
tlbus nostris Parlamentum nostrum Parisiis tenentibus, in tua presentia con- 
questi fuissent; asserentes premissa fore in magnum [et] prejudicium nostrum 
et dictorum conquerentlum ac predictorum omnium in dicta Villa commoran- 



Kapitel 63. Die Bischöfe von Amiens. 271 

dahin, dass der bischöfliche Offizial gegen Johann von Argeuve 
und andere Männer, obwohl dieselben Unterthanen des Kö- 
nigs seien, Ladungen erlassen und Geldstrafen verhängt habe, 
weil sie mit andern Weibern als ihren rechtmässigen Gattinnen 
fleischlichen Verkehr gehabt hatten*. Mithin irrt Lauriere, in- 
dem er die Beschwerde so versteht, als habe die bischöfliche 
Behörde Geldstrafen auch von denjenigen Männern erhoben, die 
mit ihren eigenen Frauen ehelich verkehrten *. Diese Auslegung 
ist mit den "Worten der betreflTenden Stelle und mit dem Zusammen- 
hang der ganzen Urkunde unvereinbar. Dies wird noch bestätigt 
durch den Wortlaut der königlichen Verordnung vom 5. März 
1388 ^ Nach Inhalt der in dieser Verordnung erwähnten Be- 



tlum, cumque de precepto Gentium nostrorum predictorum tibi ore tenus 
facto ipsum Episcopum ad desistendum de premissis per ipsius temporalitatis 
captionem compellere voluisses. tarnen tu, pretextu quarundam litterar um re- 
giarum tibi per ipsum Episcopum directarum, continentium inter cetera, ut 
dicitur, quod sua temporalitas nisi de nostro speciali mandato nullatenus ar- 
restetur , a premissis omnino cessasti , in dictorum conquerentium et omnium 
in dicta villa habitantium dampnum non modicum ac periculum et gravamen, 
sicufc dicunt. tandem, auditis super hoc partibus coram predictis Gentibus 
nostris ordinatum fuit, quod dictus Episcopus compelleretur ad desistendum 
a premissis , seu desisti faciendum , per ipsius temporalitatis captionem in- 
dilate compellas. Litteris predictis per ipsum Episcopum seu ejus Gentes 
tibi super hoc directis vel ostensis, et aliis impetratis a nobis, etiam impe- 
trandis, non obstantibus quibuscumque. Datum Parisiis in Parlamente nostro. 
die X Julii anno Domini millesimo CCCo tricesimo sexto. ressigillant sigillo 
nostri Karoli, Dei gratia Francorum Regis III<^ die Julii anno Domini mille- 
simo CCCC<) sexto regni vero nostri XXVI. Ainsi sign^es. Hangest. Lecta 
per Cameram dupt," Vgl. Daire Bd. 2 S. 395, 396; Lauriere, Ord. Bd. 2 
S. 117, 118. 

^ Allerdings enthält der Abdruck bei Lauriere die Lesart : „quod ipsi foe- 
minas alias^ue suas desponsatas carnaliter cognoverant^, anstatt der bei Grenier 
und Daire befindlichen Lesart: „quod ipsi feminas alias quam suas desponsatas 
carnaliter cognoverant^^ Allein offenbar ist die letztere Lesart die richtige; 
überdies würde selbst die Lesart von Lauriere, wenn sie richtig wäre, nur 
dahin verstanden werden können, dass die betreffenden Männer nicht bloss 
ihre rechtmässigen Frauen (foeminas im Sinn von uxores), sondern auch an- 
dere nach vorgängiger Verlobung fleischlich erkannt hätten; diese Auslegung 
würde zwar einigermassen gezwungen, jedoch nöthig sein, um den Worten 
irgend einen Sinn beizulegen. 

« Lauriere, Ord. Bd. 2 S. 117, Note. 

» Königl. Verordnung v. 5. März 1388, bei Grenier, vol. 158 fol. 143 (aus 
Gartul. de l'Hdtel de Ville d* Amiens cott6 B, fol. XL VII Ro): „Karolus Dei 
gratia Francorum Rex BailUvo Ambianensi aut ejus locum tenenti ac primo 
Parlament! nostri Hostiario seu servienti nostro, qui super bis requireretur, 
SiBilutem. Major et Scabini ville Ambianensis curie nostre Parlament! conque- 



272 Kapitel 63. Die Biechöfe von Amieni. 

scbwerde verhängten die Archidiakone von Amiens und Ponthieu, 
als BisthumsYerweser , gegen verfaeirathete Bürger der Stadt 
Amiens, Geldstrafen, weil die Letzteren mit andern Weibern als 
ihren rechtmässigen Ehegattinnen fleischlichen Umgang hatten. 
Grenier hat eine Beschwerde des Capitels von Amiens in latei- 
nischer Sprache, mit Angabe der Jahreszahl 1336, und darunter 
auf demselben Blatt eine Beschwerde der Bewohner von Amiens 
in französischer Sprache, ohne Angabe der Jahreszahl, in Aus- 
zügen mitgetheilt^, welche sich auf die fraglichen Streitigkeiten 



rendo monstrarunt , quod cum super debato olim moto et pendente in dicta 
curia, inter dictos conquerentes ex una parte, et Episcopum Ambianensem ex 
altera, super eo quod dlctus Episcopus, ejus officialis, alieque ejus Gentes et 
officiarii trahebant in causam Burgenses et habitatores ville et Episcopatus Am- 
bianensis uxoratos, eis imponendo se (Uteras mulier ea quam suaa uxores in 
fade ecclesie desponsatas carnaliter cognovisse, ab ipsis emendas pecuniarias 
exigendo. partibns auditis, per arrestum seu ordinationem curie dictum fuit et 
mandatum Baillivo Ambianensi, seu ejus locum tenenti, tunc existenti, ut 
dictum Episcopum, ejus offtcialem, Gentes et alios officiarios suos quoscunque 
compelleret per captionem et tentionem eorum temporalitatis ad cessandum 
a compulsionibus et exactionibus predictis. Nihilominus, predictia non ob- 
stantibus, Archidiaconi Pontlvensis et Ambianensis, qui, Sede Episcopatus 
vacante, ut est de presenti, in Ecclesia Ambianensi habent regimen spiritua- 
litatis ipsius Episcopatus, Burgenses et Habitatores ville et dioecesls predicto- 
rum de facto percitationis , monitiones, excommunicationum sententias, pro- 
mulgationes et pecuniarum exactiones causa predicta prosecuntur; et adeo 
vexant, tarn laboribüs, quam expensis, quod vexationes suas redimendo nee 
non obviare satagendo, jurgiis, que in facto matrimonii sequi possent, cum 
prefatis Arcbidiaconis et eorum officiariis, ad certas pecuniarum sociis [sum* 
mas?] componunt: ipsasque suas indebite exigunt et levant, contra tenorem 
arresti seu ordinationis predictorum temere veniendo: quod in ipsorum con* 
querentium non solum prejudicium et gravamen, sed nostri et predicti curie 
contemptum redundat, si est ita. quare vobis et vestrum cuilibet committendo 
mandamus, quatenus de et supra predictis vos diligenter informetis, et infor- 
mationem, quam inde feceritis, quam citius dicte curie remittatis: ut ipsa 
Visa dicta curia providere valeat, ut fuerit rationis. et insuper Arcbidiaconis, 
eorum officialibus, officiariis et servitoribus et eorum cuilibet, sub certis ma* 
gnis penis nobis applicandis, precipiatis et injungatis, ex parte nostra, ut a 
predictis monitionibus, citationibus, sententiarum excommunicationibus, et po- 
tissimum pecuniarum exactionibus omnimode de cetero se desistant, litteris 
subrepticiis impetratis vel impetrandis non obstantibus quibuscunque. Datum 
Parisiis in Parlamente nostro Y die martii anno Dni Mo CCCo octogesimo 
octavo, sub sigillo nostro, in abscentia magni, ordonato. Ainsi sign^es: per 
Gameram. J. Jouvente clerici.^ Vgl. Lauriöre, Ord. Bd. 2 S. 117, 118. 

* Grenier, vol. 169 fol. 28, Plaintes du Chapitre d'Ämiena cantre Vivique, 
an 1336: „Item quod a LX annis et citra et a tempore et per tempus, 
cujus contrarii memoria hominum non existit, mos fuit et consuetudo lau- 
dabilis civitatis et dioecesis Ambianensis, in eisdem civitate et diocesi 



Kapitel 63. Die Bischöfe von Amiens. 273 

beziehen. Die Richtung dieser beiden Denkschriften scheint ver- 
schieden gewesen zu sein, dergestalt, dass die Beschwerde des 
Domcapitels deshalb erhoben wurde, weil der Bischof Johannes 
von Beobachtung einer guten Sitte überhaupt dispensirte, während 
die Bewohner von Amiens sich über die Höhe der Dispensgebühr 
beklagten. Daraus ist nicht deutlich zu ersehen, wann die Streitig- 
keiten begonnen haben. Doch mag es richtig sein, dass sie Jahre 
lang schwebten, bis die Entscheidung des Parlaments begehrt wurde, 
und dass die Beweisaufnahme und sonstige Instruction in beiden 
Prozessen, vor dem Parlament, geraume Zeit in Anspruch nahm, 
lieber den Streit zwischen dem Bischof einerseits und den 
Vertretern der Stadt Amiens andererseits, in Betreff des Rechts 
der ersten Nacht, urtheilte das Parlament am 17. Januar 1393; 
ier gleichartige Prozess des Bischofs mit den Bewohnern der Stadt 
Abb e vi 11 e wurde durch Parlamentsurtheil vom 19. März 1409 
entschieden*. Von den acht übrigen, bei verschiedenen Schrift- 



Ambianensi, notorie et inconcusse servati; salvo quod infra dicetur: quod 
lectus Nubentium duntaxat tertia nocte post contractum matrimonium , per 
verba de presenti et traditionem factum, benedici debet, et sie ab antiquo 
servatum extitit in civitate et diocesi Amb. praefatis palam et notorie. 
Item quod , non obstante consuetudine et more prefatis , et contra morem 
prescriptiim dominus Johannes, pro dando licentiam benedicendi prima nocte 
lectos nubentium praelibatos, pecuniam ä nonnullis personis civitatis et 

9 

dioecesis Ambianensis praedictarum exegit et recepit et exigit et recipit: 
videlicet a Johanne de Monte Desiderio iiii libras et ab omnibus aliis, nisi 
paupertas excusat." ex instrumento appellationis ad Regem. — Condoleance 
des habitans au Roy: „Item pour donner licence de benistre les lits 
des Mariaris nouvellement, en li premiere nuict; lesquels lis ne doit estre 
beneis, selon le coustume anchien de le Cist6 d' Amiens, avanstes a le 
tierche nuit; li dis Eveskes ou ses gens en prendent cascun jour, que li cas 
eskiet, XX. XXX. XL. livres ou plus, selon la facult6 des personnes. et 
s'aucune fois cet avenu que on ait fait che sans se licence, il constraint les 
faisant a grant amende, si comme il li piaist." extrait d'un manuscript. — 
Augustin Thierry (Mon. Bd. 1 S. 463) hat den Auszug aus der Beschwerde 
der Bewohner von Amiens abdrucken lassen und die Jahreszahl 1336 hinzu- 
gesetzt. Hierdurch ist die richtige Jahreszahl der Beschwerde nicht festge- 
stellt. Aber auch die durch Grenier bei der Beschwerde des Capitels an- 
gegebene Jahreszahl scheint unsicher zu sein , da er die Stelle der Urkunde, 
wo das Datum angegeben war, nicht mitgetheilt hat. Aus dem Namen des 
Bischofs ist wenig über die Zeit der Beschwerde zu entnehmen, da Johannes I. 
von 1325—1372, Johannes IL bis 1376, Johannes IIL bis 1388 und Johan- 
nes IV. bis 1410 den bischöflichen Stuhl zu Amiens einnahmen. 

^ Das Urtheil vom 17. Jan. 1393 steht in den Registres du Parlement de 
Paris, in den Archives nationales zu Paris, reg. X. 1 a. 40, fol. 128 recto, 
ausserdem auch in der Sammlung Grenier's, vol. 158 fol. 147. Das Urtheil 

Schmidt, Jus primae noctis. 18 



274 Kapitel 63. Die Bischöfe von Amlens. 

stellern erwähnten Tagen sind keine Parlamentsurtheile über die 
fraglichen Streitigkeiten in Paris zu finden. Die Nachricht über 
ein Urtheil vom 17. Januar 1383, aus der Zeit des Bischofs 
Johann III. (von 1376 bis 1388), rührt aus der Gallia Christiana 
her* und beruht auf einer Verwechslung mit dem ürtheil vom 
17. Januar 1393, aus der Zeit des Bischofs Johann IV. (von 1389 
bis 1410). Die Berichte über Urtheile vom 19. März 1407 ^, vom 
19. Mai 1409^ und vom 26. Mai 1409* scheinen sämmtlich auf 
Irrthümern im Datum zu beruhen und sich auf das ürtheil vom 
19. März 1409 zu beziehen. Ein Urtheil vom 1. März 1401, welches 
in lateinischer Sprache von Paponius ^ und in französischer Sprache 



vom 19. März 1409 findet sich in der Sammlung Greuier's, vol. 158, fol. 148 
und (die Fortsetzung) vol. 159 fol. 81 — 34 v. Dies letztere Urtheil hat 
Veuillot (1. Ausg. S. 451—459) 'angeblich aus den Acten des Staatsarchivs 
(Arch. Imp. X, 57) abdrucken lassen; doch ist dasselbe dort nicht zu finden. 
Der Wortlaut bei Veuillot weicht in mehreren Punkten von der Abschrift 
Grenier's ab, obwohl dadurch der Sinn keine wesentliche Aenderung erleidet. 

* Gall. Christ. Bd. 10 S. 1196, zum Jahr 1388: „Anno eodem 17. Januarii 
senatus Parisiensis decreto abolita est consuetudo numerandae pecuniae epi- 
scopo Ambianensi ad impetrandam licentiam accedendl ad uxorem noviter 
ductam ante tres noctes a contractis nuptiis : olim enim tribus Ulis prioribus 
noctibus, nisi accederet episcopi dispensatio, a concubitu abstinebant con- 
juges." Vgl. Veuillot, 2. Aufl. S. 149. 

2 Thierry, Recueil Bd. 2 S. 55. 

3 Paponius IIb. 13 tit. 3 n. 8: „Jura inepta, ridicula et abusiva tolerari 
ac confirmari non debent, quamcunque tandem possessionem vel quamcunque 
tituli speciem quis allegare velit, exempli gratia, accipiendi pecuniam pro 
impetranda licentia prima nocte cum sponsa dormiendi, prout faciebat Eplseo- 
pus Ambianensis, a quo praetenso jure depulsus fuit Arresto 19. Maji 1409." 
Vgl. Brillon Bd. 2 S. 917; d'Espeisses Bd. 3 Tit. 6 sect. 9; Boucher d'Argis 
in der Encycl. unter Droits abusifs ; Voltaire, Dict. phil. unter Taxe. 

♦ Charondas liv. 7 resp. 79, S. 279: . . . „nous lisons en un ancien arr^t 
du 26. jour de May 1409 donn4 contre l'Evesque d'Amiens, \)at lequel non 
obstant l*ancienne coustume de son diocese, de prendre argent des nouveaux 
mariez, pour la premiere licence de coucher avec leurs femmes, ledit Evesque 
fut debout^ du droit de ladite prestation pecuniaire.^^ Vgl. Dalrymple 
Bd. 1 S. 325. 

^ Paponius lib. 15 tit. 1 arrestum 1 : „Prima die Martii 1401 declaratum 
et Arresto judicatum fuit, Episcopos Ambianenses et Curiones Abavillanos, 
plus uno solido Parisiensi pro chartula bann! ad proclamandum matrimonium, 
si qua oppositio esset, exigere non debere; pro licentia despondendi in altera 
Parrochia non plus uno solido Turonensi; pro consecratione nuptiali non plus 
tredecim denariis, pro instrumento nuptiali non plus duobus solldis; pro cele- 
bratione Missae non plus duobus solidis sex denariis. Ei autem qni Missam 
cantat praeter ea, omne quod offertur, deberi, nisi cum Curione transegisset, 
quo casu transactione cum contentum esse debere; pro benedictione Gamerae 



Kapitel 63. Die Bischöfe von Amiens. 275 

von Baluzius * und Daire ^ mitgetheilt wird, und ein bei Carpentier 
und Ducange^ erwähntes Urtheil vom 11. März 1409 stimmt im 
Wesentlichen mit dem Urtheil vom 19. März 1409 überein; dies 
führt zu der Yermuthung, dass am 1. oder 11. März 1401 die 
Klage der Bewohner von Abbeville gegen den Bischof von Amiens 
bei dem König eingereicht wurde, oder eine vorläufige Entschei- 
dung des Parlaments erging, und das Endurtheil, nach der Be- 
weisaufnahme, erst am 19. März 1409 erfolgte. 

Endlich ist noch ein Urtheil vom 6. März 1501 in den Synodal- ^ 
Statuten des Bischofs Stephan Poncher von Paris enthalten*. 
Dieser Bischof bestätigte am 13. Mai 1515 eine von Joh. Ran- 
dinus besorgte Ausgabe der Pariser Synodalstatuten; darin ist 
«las erwähnte Urtheil, zur Verhütung einer appellatio in causa 
abusus, mit der Bestimmung abgedruckt, dass der Inhalt dieses 
ürtheils auch in der Diöcese Paris befolgt werden solle, soweit 
er dort nicht mit besonderen Gewohnheitsrechten in Widerspruch 
trete ; es ist französisch abgefasst und mit der Unterschrift Brunart 
versehen ^ Dies Urtheil hat einen ähnlichen Inhalt wie das vom 



ßponsorum non plus decem denariis Parisiensibus pro vino exigere posse; 
sponsosque citra scrupulum et impetratam ejus veniam prima nocte una con- 
cumbere posse.^ Daraus : Dalrymple Bd. 1 S. 325. 

^ Baluzius S. 657 (aus einer handschriftlichen Collectio Arrestatorum Ma- 
thaei Chartier Advocati Parisiensis) : „Le premier jour de Mars 1401 l'Arrest 
donnä contre l'Eveque d'Amiens sur la taxe de Sacremens et autres choses 
eccl^siastiques." 

^ Daire Bd. 2 S. 85: . . . „les habitans d' Abbeville port^rent leur plainte 
au Parlement en 1401. La cour fit le premier Mars un Reglement provisoire 
pour les honoraires des fian^ailles et mariages, et accorda la r^cr^ance aux 
nouveaux Marias, le Proc^s pendent, et permit aux Espotisia de coucher fran- 
chement avec leurs femmesJ* Vgl. Brillon Bd. 1 S. 637. 

^ Urth. V. 11. März 1401 , bei Carpentier und Ducange unter Marcheta 
(angeblich aus vol. 9 arrestatorum Parlamenti Parisiensis) : „Quamvis de jure 
communi viris desponsatis cum suis uxoribus libere cubare prima nocte sui 
conjugii concedatur, dictus tarnen episcopus (Ambianensis) per se aut suos 
officiarios ipsos componit et componere satagit, quosdam ad decem, alios ad 
duodecim, nonnullos ad viginti vel triginta francos, prius quam ipsis de cu- 
bando prima nocte cum suis de novo uxoribus licentiam impertiri velit, aut 
aliter ipsos compellendo a suis uxoribus per tres noctes abstinere.^ 

^ Als irrthümlich erscheint die Angabe von Baluzius (S. 587, 657, 658) und 
einigen spätem Schriftstellern (z. B. Labessade S. 72, 73), dass dies Urtheil 
vom 11. März 1501 datirt sei; doch findet sich dasselbe Datum in dem Ab- 
druck bei Veuillot, 2. Aufl. S. 164, 165. 

^ Decreta Sinodalia, edita a D. Jo. Randlno J. C. L., approbata per Bev. 
Dominum episcopum et senatum Parisiensem, in 4^j ohne Angabe von Ort, 
Zeit und Seiten, hinter dem Abschnitt „De sacramento eucharistiae ae\x ^\iL%c- 



276 Kapitel 63. Die Bischöfe von Amiens. 

19. März 1409, mit dem es grossentheils wörtlich übereinstimmt. 
In beiden Urtheilen findet sich der Name Johann Martel. Auch 
enthalten beide ein Verzeichniss von Taxen für kirchliche Ge- 
bühren. Doch sind die Taxen in dem Urtheil vom 6. März 1501 
meist geringer, als in dem vom 19. März 1409. Daher dürfte 
die Meinung von Baluzius ^ dass die Synodalstatuten einen blossen 
Druckfehler im Datum enthielten, nicht haltbar sein. Andererseits 
ist nicht leicht anzunehmen, dass über dieselben Streitpunkte 
unter denselben Parteien in den Jahren 1409 und 1501 be- 
sondere Urtheile ergingen, ohne dass in dem letzteren auf das 
erstere verwiesen wurde. Zur Lösung der Schwierigkeit lässt 
sich vermuthen, dass ein französischer Auszug aus dem Urtheil 
vom 19. März 1409, unter Berücksichtigung späterer Gebühren- 
Ermässigungen, durch Parlamentsurtheil vom 6. März 1501 neu ^ 
redigirt wurde. 

Die bezeichneten Urtheile haben folgenden Inhalt. 

Die Vertreter der Stadt Amiens klagten gegen ihren Bischof 
vor dem Gericht des königlichen Amtmanns, mit dem Antrag, 
zu erkennen, dass die Bewohner von Amiens sogleich nach Ab- 
schluss der Ehe die Hochzeit feiern und die Ehe vollziehen 
dürften, ohne den zweiten und dritten Tag abzuwarten; und dass 



ris": . . . „Et ut nullus Incidat in errorem vel periculosos processus cum de 
similibus simile judicatum sit ferendum in dubiis pro nonnullis taxis a par- 
lamenti curia factis hie vobis infero formam arresti parlamenti parisiensis de 
quo tenor sequitur de verbo ad verbum quoniam si aliter ageretur possent 
fbrte in majores sumptus teneri ubi appellatio interponeretur in causa abusus. 
Et hec est forma. Entre les maire et eschevins de abbeville et le procureur 
du roy nostre sire dune part et maistre jehan martel dautre. Veu les me- 
moires et tout considere. Dit a este que la cause demourera et nauront conge 
ne despens les evesques ne eures et sont contraires a toutes fines. Et . . . 
au regard des fiansailles payeront ceux qui seront fiances douze deniers paris. 
pour la lettre' de bans ou il y aura Opposition. Pour lun ou lautre des 
maries deux soulz parisiz. . . . pour la b^n^diction du lict en lieu de 
ung paieront les nouvcaux maries douze deniers parisis, pour les espou- 
sailles treize deniers paris. pour une foys pour la messe du marie . . . quant 
a non coucher de troys nuyz avec sa fenime au commencement du mariage 
les demandeurs auront la recreance le proces pendent et pourront les espouses 
couclier franchement les troys prftnieres nuyz avec leurs femmes, Quant 
aux intestaz il seront enterres et ensepuelis franchement sans lettre. Sil ny 
a autre canonique empeschement au regard du testat . . . Quant aux prestres 
mortuaires lestat sera baille aux curez selon quil le declaireront. Pronunce 
en parlement le VI. jour de mars lan mil cinq cent et ung. Signe hrunart. 
Omnia in praedicto arresto contenta approbamus absque praejudicio lauda- 
bllis consuetudinis ecclesiarum nostrae dioecesis ubi in contrarium obstaret^ . . . 
^ Baluzius S. 657, 658. 



Kapitel 63. Die Bischöfe von Amiens. 277 

sie deshalb für einen von der bischöflichen Behörde an den Pfarrer 
zu richtenden Erlaubnissschein keine Gebühr zu zahlen hätten. Der 
Richter entschied in erster Instanz und im vorläufigen Verfahren, 
unter Vorbehalt aller Rechte für den bereits angestellten Haupt- 
prozess, nach dem Klageantrag. Das ürtheil wurde durch den 
Bischof mit Berufung angefochten, jedoch in der Berufungsinstanz 
durch Urtheil des Parlaments zu Paris vom 17. Januar 1393 be- 
stätigt *. Ueber den Ausgang des Hauptprozesses habe ich Nichts 
ermitteln können 2. 



* Urtheil des Parlaments zu Paris v. 17. Jan. 1393, aus den Registres du 
Parlement, in den Archives nationales zu Paris, reg. X, 1 a 40, fol. 128 recto: 
,,Cum a quadem sententia per locumtenentem haillivi nostri Ambianensis, ad 
utilitatem majoris et scabinorum, nomine communitatis dicte Tille Ambia- 
nensis, Johannis dicti Wicart et Andree Coutelarii, habitancium dicte ville, 
et contra dilectum nostrum episcopum Ambianensem, racione recredentie rei 
contenciose in certa causa novitatis et saisine coram dicto baillivo mote, quam 
recredentiam dicti major, scabiui et habitantes ad se pertinere debere dice- 
bant, quod videlicet singuli dictorum habitancium, habiles et volentes contra- 
here matrimonium et sponsalia, possent die dictorum sponsaliorum et solem- 
nizationis matrimonii, messiare, prandere, cenare ac simul eodem die cubare 
et alias solennitates die dictorum sponsaliorum et matrimonii contracti neces- 
sarias et opportunas facere et complere, absqiie hoc quod secundam aut terciam 
diem exjyectare tenerentur vel deberent, aut si dictis habitantibus aut singulis 
eorumdem placeret, licentiam et cedulam eorum curatis dirigendam a dicto 
episcopo et suis officiariis petere libere et absque aliqua peccunie solutione 
habere deberent lata, per quam dictus locumtenens partes praedictas super 
recredentia absque factis deliberari posse dictam recredentiam majori et sca- 
binis ac habitantibus, principali processu in causa novitatis et saisine inter 
dictas partes durante, mediante tamen caucione sufficienti, et absque pre- 
judicio dicti principalis processus faciendo, et dictum episcopum in eorum 
expensis condempnando pronunciaverat , fuisset pro parte dicti episcopi ad 
nostram parlamenti curiam appellatum; auditis igitur, in dicta curia nostra 
partibus ante dictis in causa appellationis predicte, processuque utrum bene 
vel male fuisset appellatum ad judicandum recepto, eo viso et diligenter ex- 
aminato, per arrestum dicte curie nostre dictum fuit locumtenentem bene 
judicasse et pronunciasse et dictum episcopum male appellasse , et emendablt 
appellans, ipsum in expensis hujus cause appellacionis condempnando, ea- 
rumdem expensarum taxatione dicte curie nostre reservata. Pronunciatum 
XVII» Januarii Nonagesimo tercio. Marle-Blanchet.** — Dasselbe Urtheil, 
aus einer andern Ausfertigung (mit kleinen Abweichungen), die im Archiv 
der Stadt Amiens aufbewahrt wird, steht vollständig abgedruckt bei Daire 
Bd. 2 S. 407 (mit der Unterschrift Villequin) und bei Thierry, Mon. Bd. 1 
S. 792, 793. Auszüge, angeblich aus Bd. 8 der Parlamentsurtheile, finden 
sich bei Ducange und Carpentier unter dem Wort Marcheta. 

^ In der Gallia Christiaiia Bd. 10 S. 1197 wird ein zu Gunsten der Be- 
wohner von Amiens erlassenes Urtheil vom 19. März 1409 erwähnt; doch 



278 Kapitel 63. Die Bischöfe von Amiens. 

Au8 dem Urtheil vom 19. März 1409, wie solches in der 
vollständigen Abschrift Grenier's aufbewahrt wird und in zahl- 
reichen Auszügen bekannt gemacht ist * , ergiebt sich folgende 
Prozessgeschichte. Bürgermeister und Schöffen der Stadt Abbe- 
ville richteten an König Karl VI. von Frankreich eine Be- 
schwerde über verschiedene Gebühren, welche sie theils an den 
Bischof, theils an ihre Pfarrer für geistliche Amtshandlungen zu 
zahlen hatten. Sie verlangten Abschaffung aller dieser Gebühren, 
weil dieselben mit den Vorschriften des canonischen Rechts in 
Widerspruch ständen und missbräuchlich eingeführt seien. Ein 
Beschwerdepunkt ging dahin, dass die bischöfliche Behörde den 
Neuvermählten nicht gestatte, auf Grund des gemeinen Rechts 
schon die erste Nacht beieinander zu schlafen, sondern sie zu 
einer Enthaltsamkeit für die drei* ersten Nächte nöthige und 
eine Dispens davon nur gegen Zahlung von zehn, zwölf, zwanzig 
oder dreissig Franken ertheile^. Durch königliches Schreiben 
wurde dem Bischof und den Pfarrgeistlichen bei Strafe verboten, 
die in der Beschwerde aufgezählten Gebühren ferner zu er- 
heben. Der Bischof und die Pfarrgeistlichen legten gegen Voll- 
streckung dieser Verordnung Einspruch ein , worüber das Parla- 
ment zu entscheiden hatte ^. Hierauf folgte der Prozess vor 
dem Parlament, in Sachen des königlichen Generalprocurators, 
sowie der Bürgermeister und Schöffen der Stadt Abbeville in 
Ponthieu, als Kläger, gegen den Bischof von Amiens, sowie 
gegen Johann Martel, Pfarrer von St. Jacob zu Abbeville, und 



scheint dies eine Verwechslung mit der zu Gunsten der Bewohner von 
Abbeville erlassenen Entscheidung zu sein. 

* Baluzius S. 657, 658 (aus einer Handschrift des Antonius Vion Hero- 
vallius); Thomassi^re chap. 11 S. 392; Lauri^re, Gloss. unter Ex^cuteurs und 
unter CuUage; Lauri^re, Ord. Bd 2 S. 118; Montesquieu liv. 28 chap. 41; 
Grupen § 11 S. 22; Frank Bd. 1 S. 139; Roquefort, Suppl. S. 107; Velly 
Bd. 6 S. 147; Hist. de Ponthieu Bd. 1 S. 239; Raepsaet 3. Ausg. S. 56; 
Bouthors Bd. 1 S. 469; Dupin S. 131, 132; Labessade S. 71. 

2 Urth V. 19. März 1409, bei Grenier Bd. 159 Bl. 31: ... „Et quamvis 
de jure communi maritis cum uxoribus suis prima nocte nuptiarum cubare 
libere concedatur, dictus tamen Episcopus , per se aut suos officiarios , dictos 
conjuges, quosdam ad decem, alios ad duodecim, nonnullos ad viginti vel tri- 
ginta francoSy priusquam ipsis de cubando dicta prima nocte cum suis de 
novo uxoribus licentiam impertlrl vellet, exigebat, aut aliter ipsos a suis 
uxoribus per tres noctes abstinere compellebat.^ 

* Urth. V. 19. März 1409, bei Grenier Bd. 159 Bl. 32: ... „virtute cer- 
tarum literarum a nobis obtentarum Inhibitiones et precepta sub certis penis 
dictis deffensoribus facte fuerant, ut a dictis exactlonibus et interprisiis ees- 
sarent, executloni quarum defPensores se opposuerant^^ . . . 



Kapitel 63. Die Bischöfe von Amiens. 279 

mehrere andere einzeln benannte Pfarrer y als Beklagte. Die 
Kläger beantragten, die streitigen Gebühren sämmtlich für miss- 
bräuchlich zu erklären, daher den Einspruch des Bischofs und 
der Pfarrgeistlichen zu verwerfen, die Beklagten zur Rückzahlung 
der empfangenen Gebühren und zu einer Busse von zehntausend 
Franken oder einer andern Summe zu Gunsten der Kläger zu 
verurtheilen , ihnen die Erhebung jener Gebühren für die Zu- 
kunft zu untersagen und dem Bischof die Kosten aufzuerlegen *. 
Die Beklagten beantragten, ihren Einspruch als rechtlich be- 
gründet anzuerkennen, sie in ihren Rechten zu schützen, die 
Anträge der Kläger zu verwerfen und dieselben zu den Kosten 
zu verurtheilen ^. Die Pfarrer \ führten aus , dass die streitigen 
Gebühren auf rechtmässigem Gewohnheitsrecht beruhten und sich 
durch den Mangel an genügenden sonstigen Pfarreinkünften 
erklärten. Der Bischof bemerkte, die durch Gewohnheitsrecht 
entstandene Vorschrift, dass Eheleute nicht vor Ablauf der dritten 
Nacht beieinander schlafen sollten, bestehe in der Stadt, dem 
Decanat und dem Bann von Abbeville seit alten Zeiten, im 
Einklang mit dem canonischen Recht, der Vernunft und den 
Aussprüchen der Kirchenväter ; bei Dispens von dieser Vorschrift 
würden, theils für den Kleriker, welcher den Dispensbrief zu 
schreiben habe, theils für Siegel und Unterschrift des Officials, 
Gebühren im Betrage von zehn, zwölf, bisweilen zwanzig Sous, 
je nach der Vermögenslage der Eheleute , erhoben ; mehr als 
zwanzig Sous seien nur dann erhoben worden, wenn mit der er- 
wähnten Dispens die Lossprechung von einem Excommunications- 
urtheil oder eine Aufgebots-Dispens verbunden gewesen sei, und 

> Urth. V. 19. März 1409, bei Grenier Bd. 159 Bl. 32 : ... „Qiiare pe- 
tebant dicti actores prefatas inhibitiones et precepta ad bonam et jiistam cau- 
sam factas fuisse, et dictos deffensores ad malam et injustam causam se op- 
posuisse, dictasque exactiones et interprisias, abusus ac corruptellas fore dici 
et declarari, ipsosque defPensores ad eas revocandum et annullandum, et in 
talibus abinde cessandum, necnon quicquid ipsi et eorum quilibet exigissent 
restituendum, ac in decem mille francorum, aut aliam summam juxta dicte 
nostre curie discretionem erga nos per capcionem et detentionem sue tempo- 
ralitatis ac aliis quibuslibet viis rationabilibus , presertim memoratum episco- 
pum in eorum dampnis interesse et expensis condempnari et compelli." 

« Urth. V. 19. März 1409, bei Grenier Bd. 159 Bl. 33: ... „Quare pe- 
tebant dictos actores ad eorum proposita admitti non debere , et si admitte- 
rentur, causam seu actionem non habere, et si causam seu actionem haberent, 
ab ipsorum Impetitionibus absolvi debere, ac in suis juribus et possessionibus 
manu teneri et conservari, impedimentum, quod per ipsos actores appositum, 
amovcri debere, dici et pronunciari, ac in expensis dictorum curatorum con- 
dempnari." 



280 Kapitel 63. Die Bischöfe von Amiens. 

für solche Fälle rechtfertige sich die erhobene Gebühr nach dem 
Gewohnheitsrecht und den Synodalstatuten ^ Es ward Zeugen- 
beweis erhoben, und das Endurtheil erging, nach Anhörung beider 
Theile, am 19. März 1409. Darin wurde der Einspruch der Pfarr- 
geistlichen und des Bischofs in Ansehung der meisten Streitpunkte 
als begründet anerkannt, daher insoweit das im königlichen Schrei- 
ben enthaltene Verbot aufgehoben, und die Klage kostenfällig 
abgewiesen; dagegen bezüglich der Gebühr für Dispens von der 
dreitägigen Enthaltsamkeit wurde, unter Compensation der Kosten 
der Kläger und des mitbeklagten Bischofs, dessen Einspruch gegen 
das königliche Schreiben verworfen, und ausdrücklich ausgespro- 
chen, dass jeder Einwohner von Abbeville schon am Hochzeitstag 
die Ehe vollziehen dürfe, ohne dazu einer Erlaubniss oder Dis- 
pens des Bischofs zu bedürfen ^ 



* Urth. V. 19. März 1409, bei Grenier Bd. 159 Bl. 33: „Dicto vero epi- 
scopo ex adverso separatim proponente, quod in villa, decanatu et banleuca 
de predicta AbbatisviUa, ex consuetudine sacro canoni, rationi et Sanctis Pa- 
tpibus consona, ab antiquis observatum fuerat, ne cui uaque ad tertiam nup- 
tiarum noctem cum uxore sua cubare sine sua aut ofiicialis sui dispensatione, 
absque emenda, liceret; quodque tarn pro salario clerici litteram dispensationis 
scribendi quam pro sigiUo et officialis signeto, interdunp decem, nonnunquam 
duodecim et aliquando sexdecim, et quandoque viginti solidos parisienses, 
secundum personarum facultates, petere -et recipere poterat ; et si ultra dictam 
viginti solidorum summam receperat, iUud ratione absolutionis a sentencia 
excommunicationis sive bannorum dispensationis erat et fuerat, ex consuetu- 
dine etiam et sinodalibus statutis, observatum dicebat^ . . . 

2 Urth. V. 19. März 1409, bei Grenier Bd. 159 BI. 34: ,.Super quibus 
et pluribus aliis hinc inde propositis, inquesfa facta et ad judicandum, salvis 
reprobationibus testium per utramque partem traditis , recepta . . . , visis 
Omnibus et diligenter examinatis, per Judicium dicte nostre Curie dictum 
fuit , in quantum dictos actores contra curatos concernebat , ad malam et 
injustam causam praedictas inhibitiones et precepta dictis curatis et eorum pre- 
decessoribus factas fuisse , ipsosque ad bonam et justam causam se opposuisse 
declaravit et declarat, ipsos ab impetitionibus et demandis dictorum actorum 
absolvendo et ab expensis dictorum actorum et ex causa relevando. In quan- 
tum vero prefatos actores contra Episcopum concernebat, dictum fuit predictas 
inhibitiones et precepta, respectu monitionum generalium predictarum eidem 
episcopo factas, ad malam et injustam causam factas esse, dictum vero episco- 
pum ad bonam et justam causam se opposuisse, a dictis impetitionibus dictorum 
actorum absolvendo, ceterasque inhibitiones et precepta prenominatas eidem 
episcopo ad requestam dictorum actorum factas, ad bonam et justam causam 
factas fuisse, dictumque episcopum ad malam et injustam causam se opposuisse 
declaravit et declarat. Et per idem Judicium dictum fuit quod quilihet habi- 
tantium dicte ville de AbbatisviUa , prima die auarum nuptiarum potet'it cum 
sua uxore, absque congedio seu dispensatione predicti Episcopi cubare^ . . . 
(Folgt eine weitere Bestimmung über Begräbniss der intestati) . . . „expensas 



Kapitel 63. Die Bischöfe von Amiens. 281 

In diesen beiden Parlamentsurtheilen sind die Entscheidungs- 
gründe nicht angegeben. Daher kann nur aus der Prozessgeschichte, 
namentlich aus den Anträgen der Parteien und der dadurch fest- 
gestellten Sachlage, eine Vermuthung darüber aufgestellt werden, 
aus welchen Gründen der Anspruch des Bischofs verworfen wurde. 
Der Bischof berief sich auf ein Gewohnheitsrecht, dessen Rechts- 
beständigkeit er vertheidigte. Danach wurde herkömmlich die 
Einsegnung des Ehebetts * am dritten Tag nach der Hochzeit vor- 
genommen, und bis dahin Enthaltsamkeit durch die Neuvermählten 
beobachtet, sofern der Bischof nicht davon dispensirte; für die 
Dispens war eine Gebühr zu entrichten^. Die Gültigkeit eines 
Gewohnheitsrechtes beruht auf dem Bewusstsein von der ßechts- 
verbindlichkeit einer thatsächlich bestehenden Uebung. Dass nun 
im vorliegenden Fall seit langer Zeit thatsächlich die Uebung 
bestand, welche der Bischof behauptete, war nicht bestritten und 
in den Angaben der Kläger sogar ausdrücklich zugestanden. 
Gleichwohl verlangten die Bewohner von Amiens und Abbeville 
die Beseitigung der herkömmlichen Gebühren. Daher dürfte die 
dem Parlament zur Entscheidung vorgelegte Frage die gewesen 
sein, ob das Herkommen als rechtsbeständig (als eine consuetudo 
rationabilis im Sinn von JL. 2. C. quae sit longa consuetudo) ^ 
zu betrachten war. Hierbei konnte das Parlament auf die ver- 
änderten Zeiten Rücksicht nehmen; denn es ist denkbar, dass 
ein kirchliches Gewohnheitsrecht, welches in der frommen Sitte 
der Vorzeit eine feste Stütze hatte, später sich nicht mehr auf- 
recht erhalten, liess. War einmal die Uebung dahin geändert, 
dass regeluiiässig Dispens begehrt und gewährt wurde, daher fast 
nur die Förmlichkeit des Dispensverfahrens und die damit ver- 
bundene Geldabgabe übrig blieb, so führte ein Schritt weiter da- 
hin, auch diesen Rest des alten Gewohnheitsrechts zu beseitigen. 
Von diesem Gesichtspunkt erklärt sich die getroffene Entschei- 
dung*. Das Parlament mag zu der Ueberzeugung gelangt sein, 

hinc et inde factas corapenpando. in cujus testimonlum presentibus Litteris 
nostrum jussimus apponi sigillum. Datum Parisius in Parlamento nostro XIX». 
die martii anno Domini millesimo quadragentesimo nono et regni nostri XXX^. 
ainsi sign6. Per Judicium Curie Bayi.** 

» Vgl. darüber oben Kap. 27 S. 148, 149. 

2 Berger de Xivrey S. 23: „Cette pratique devint une prescription , dont 
les nouveaux mari^s pouvaient s'afPranchir en achetant une dispense, comme 
on faisait pour Tusage du beurre et des oenfs en caröme." Vgl. oben 
Kap. 27 S. 153. 

» Vergl. V. Savigny, System Bd. 1. S. 420 -429. 

* Die im Commissionsbericht der französischen Akademie der Inschriften 



282 Kap. 64. Die Aebte von Rebais. Kap. 65. Captal de Buch. 

dass der Anspruch des Bischofs mit den veränderten Sitten nicht 
mehr in Einklang stand. Die Aussprüche der Kirchenväter und 
Bestimmungen des canonischen Rechts, worauf der Bischof sich 
berief, bildeten kein Hinderniss, in diesem Sinn zu erkennen *. 

Jedenfalls erhellt deutlich aus dem Wortlaut der Parlaments- 
urtheile, dass sie nicht ein Herrenrecht, sondern eine kirchliche 
Dispensgebühr betreflfen ^. Es besteht nicht einmal der Schein einer 
Berechtigung für die Meinung, dass der Bischof das Herrenrecht 
der ersten Nacht ausgeübt oder dafür eine Entschädigung be- 
gehrt, oder überhaupt ein anstössiges Herrenrecht in Anspruch 
genommen habe. 

3, Prozess des Ahts von Bebais vor dem Parlament zu Paris, 

Kapitel 64. Am Schluss des Berichts über das in Sachen 
des Bischofs von Amiens erlassene Parlamentsurtheil vom Jahr 
1409 bemerkt Charondas, seitdem sei eine ähnliche Entscheidung 
gegenüber dem Abt von Rebais ergangen ^. Diese Bemerkung 
wird von späteren Schriftstellern wiederholt*. Es ist mir nicht 
gelungen, das fragliche Urtheil zu ermitteln; doch ist es möglich, 
dass in Pfarreien, die dem Kloster von Rebais (in Brie) incorporirt 
waren, ein ähnliches Gewohnheitsrecht wie in Amiens und Abbe- 
ville bestand, und dass über die daraus hervorgegangene Dispens- 
gebühr vor dem Parlament gestritten wurde. Alsdann würde 
das im vorigen Kapitel Gesagte auch hier gelten. 

4, Urtheil des Parlaments zu Bordeatix vom Jahr 1468, 

Kapitel 65. Jules Delpit behauptet, der Landhauptmann 
(Captal) von Buch, in der Nähe von Bordeaux, sei berechtigt ge- 
wesen, mit den neuvermählten Frauen seiner Leibeigenen die 
erste Nacht zu schlafen oder ein beliebiges Geschenk zu begehren, 
bis dies Recht durch Urtheil des Parlaments zu Bordeaux vom 



(Berger de Xivrey S. 23) angedeutete Meinung, dass ein Anspruch auf kirch- 
liche Dispensgebühren im Rechtswege überhaupt nicht habe verfolgt werden 
können, dürfte nicht haltbar sein, weil zahlreiche Gebühren ähnlicher Natur 
durch Urtheil vom 19. März 1409 für rechtsgültig erklärt wurden. 

1 Vgl. oben Kap. 27 S. 151--153. 

' Derselben Meinung sind Dalrymple und Raepsaet (3. Ausg. S. 44 — 57). 

5 Charondas lib. 7 resp. 79 S. 279: „Et depuis a est6 donn6 autre arrest 
contre l'Abb6 de Rebais en semblable espece." 

♦ Dalrymple; Limnaeus lib. 4 cap 7 S. 603; Potgiesser tit. 2 cap. 2 § 28, 
S. 380. 



Kapitel 66. Die Lehnsherren der Auvergne. 283 

Jahr 1468 in den Anspruch auf eine Geldabgabe verwandelt 
worden sei *. Eine in der Hauptsache gleichlautende Notiz findet 
sich in einer durch Jules Delpit herausgegebenen Sammlung von 
Erzählungen, die angeblich im siebzehnten Jahrhundert verfasst 
wurde ^. Meine Bemühungen, in Paris oder Bordeaux das frag- 
liche Urtheil zu ermitteln, sind vergeblich gewesen^; auch fehlt 
der Beweis für die Richtigkeit und Genauigkeit des Berichts, 
worin nicht einmal der Tag des Urtheils und der Name des Cap- 
tal von Buch bezeichnet ist. Hiernach verdient die Nachricht 
bis zur Entdeckung der Urkunde oder einer etwaigen zuverlässi- 
gen Auskunft keine Berücksichtigung. 

5. Prozess der Lehnsherren der Auvergne, 

Kapitel 66. Dulaure behauptet: „Einige Herren in Auvergne 
waren im Besitz [des Rechts], die erste Hochzeitsnacht mit der 
Neuvermählten hinzubringen oder nur einen nackten Schenkel 
in das Hochzeitsbett zu legen."* Andere sagen, das jus primae 
noctis sei in der Auvergne heimisch gewesen ^ Doch wird be- 
merkt, es sei seltsam, wie die Herren der Auvergne hätten 
schlafen können, da das eine Bein nackt und das andere gestiefelt 



* Delpit S. 92, aus einer angeblich in Bordeaux aufbewahrten Handschrift 
des Abb6 Bellet, Stiftsherrn zu Cadillac, Notes et observations sur Bordeaux, 
Seite 54 : „Marquetes des femmes. Le captal de Buch avoit autrefois ce 
droit de coucher avec les nouvelles ^pouses la premiöre nuit des noces, ou 
de prendre tel präsent qu'il ordonnoit. Ce droit, contraire aux bonnes moeurs, 
et qui ne se pouvoit se lever que sur les esclaves, fut supprim6 en 1468 par 
arret du Parlement de Bordeaux, qul substitua ä la place un droit en argent." 
Ebenso: de Labessade Nr. 62, S. 28, 104, 105. — Ueber Pays de Buch und 
Captal de Buch vgl. auch Saint- Amans 1812 S. 60, 61. 

2 Gaufreteau Bd. 1 (über die Zeit von 1240 bis 1599) S. 27, zum Jahr 
1468 : „En cette ann^,e , le captau de Buch avoit le droit de coucher, s'il 
vouloit, avec les nouvelles espous^es, le premier soir des nopces, ou de prendre 
un present selon qu'il Tordonnoit, en toutes les terres et paroisses de son 
captalat. Mais ce droit fut aboli comme estant contraire aux commandemens 
de Dieu, par arrest du parlement de Bourdeaux, et au lieu d'yceluy, lui fut 
ordonn6 un certain droit de fouage en argent, sur ses subjects." Ueber das 
droit de fouage vgl. oben Kap. 2 S. 8. 

^ In Bordeaux ist ein solches Urtheil nicht zu finden. Der Herr Bibliothekar 
der Stadt Bordeaux hat mir darüber am 13. August 1878 geschrieben : „Quant 
ä l'arröt du Parlement de Bordeaux de 1468, il n'a pas 6t6 retrouv6." Ebenso 
vergeblich war meine Recherche im Staatsarchiv zu Paris. ^ 

* Dulaure, Adel S. 243. 

» Augsb. Allg. Ztg. V. 18. April 1868, Nr. 109, S. 1662; Liebrecht 1869 
S. 811, ebenso 1874 S. 139 und 1879 S. 419. 



284 Kapitel 66. Die Lehnsherren der Auvergne. 

und gespornt gewesen sei *. Sugenheim behauptet, das jus primae 
noctis sei in der Auvergne in der ursprünglichen rohen Form 
allgemein üblich gewesen; es sei abgelöst worden; und noch bis 
in die zweite Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts hätten die 
Bäuerinnen oder ihre künftigen Ehemänner die altherkömmliche 
Ablösung jenes Rechts an die Grundherren entrichten müssen ». 
Wann die Ablösung erfolgte, wird nicht gesagt. Hierüber 
macht CoUin de Plancy eine Andeutung; er versichert, das 
eigentliche Herrenrecht der ersten Nacht habe den Grundherren 
der Auvergne solange zugestanden, bis vor beinahe vierhundert 
Jahren, zufolge einer von mehreren Vasallen gegen ihren Lehns- 
herrn angestellten Klage, durch Urtheil bestimmt wurde, dass 
die Lehnsherren die erste Nacht der Hochzeit mit ihren Vasallinnen 
nicht mehr schlafen dürften, sondern dass ihnen bloss erlaubt sein 
solle, ein nacktes Bein in das Bett der neuvermählten Frau zu 
legen und eine Viertelstunde mit ihr unter vier Augen zuzu- 
bringen ^. Nach dieser Darstellung, die den Tag des sonderbaren 
Urtheils nicht angiebt, müsste der Prozess in der ersten Hälfte 
des fünfzehnten Jahrhunderts geschwebt haben; doch ist darüber 
sonst Nichts bekannt geworden; daher wird bis zu näherer Auf- 
klärung die Annahme sich rechtfertigen, dass jenes Urtheil nicht 
existirt. 

Die älteste Nachricht, die ich über jenes Herrenrecht habe 
ermitteln können, findet sich bei Paponius, einem Rechtsgelehr- 
ten des sechzehnten Jahrhunderts. Derselbe schreibt: „Es ist 
abscheulich , dass an einigen Orten Frankreichs , namentlich 
in der Auvergne, eine Gewohnheit sich vorfindet, besteht und 
geduldet wird, welche dem Herrn des Orts das Recht gewährt, 
in der ersten Nacht mit det Braut [seines Unterthanen] zu 
schlafen . . . Diese Handlungen sind barbarisch und viehisch, 
unwürdig nicht nur eines Christen, sondern auch eines Menschen." * 
Diese Stelle ist so gefasst, als habe die bezeichnete Unsitte zu 



^ de Labessade S. 11. 

2 Sugenheim 1861 S. 104, 147 und 1872 S. 930. 

» Collin de Hancy Bd. 1 S 166, 167. Vgl. Delpit S. 126. 

* Paponius lib. 22 tit. 9, de adulterio, n. 18: „Detestandum est, in non- 
nuUis locis hujus Regni, nominatim in Arvernia, reperiri et extare ac tolerari 
Consuetudinem , qua Domini loci jus hoc datum, ut prima nocte cum sponsa 
dormire impune possit. ... Hi actus barbari sunt ac bestiales, indigni non 
tantum Christianis, sed etiam hominibus.^^ Daraus: Hagueau (1680) und 
Lauri^re (1704) unter Les Marquettes des femmes; Automne (1621) tit. 8 
§ 1, Art. 81. 



Kapitel 67. Historial du Jongleur. 285 

seiner Zeit bestanden. Doch fehlt die Angabe, ob und in welcher 
Weise, die Nachricht beglaubigt sei, insbesondere ob und welche 
einzelnen Thatsachen festgestellt seien, um die Annahme von dem 
Bestehen der bezeichneten Unsitte zu rechtfertigen. Paponius 
starb im Jahr 1590; bei seinen Lebzeiten war die Irrlehre von 
einer frühern Herrschaft des Herrenrechts der ersten Nacht schon 
ziemlich weit verbreitet; es ist daher leicht möglich, dass Paponius 
unter dem Einfluss jenes Irrthums geschrieben hat. Ueberdies 
finden sich in seinen Nachrichten mancherlei Irrthümer *. Unter 
diesen Umständen kann aus der gänzlich unsubstantiirten Be- 
hauptung von Paponius auf dessen alleinige Auctorität hin nicht 
als geschichtlich erwiesen angenommen werden, dass einmal das 
Herrenrecht der ersten Nacht in der Auvergne geherrscht habe. 

c. Kämpfe und Aufstände. 
1» Hktorial du Jongleur, 

Kapitel 67, Eine Erzählung über das „droit de nopgage" im 
Historial du Jongleur ^, einer Dichtung aus dem neunzehnten Jahr- 
hundert, hat folgenden Inhalt. Der Haut-bers de Montguisard (in 
der Normandie) wollte sich nicht begnügen, das aus alter Zeit her- 
kömmliche droit de nopgage gleich seinen Vorfahren in der Art 
geltend zu machen, dass er den Hochzeiten seiner Vasallen und 
Leibeigenen mit einem Pagen, zwei Windhunden und sechs Lauf- 
hunden (deux levriers et six chiens courants) beiwohnte und sich 
bewirthen liess, sondern er nahm für sich das Recht in Anspruch, 
allein mit der jungen Frau eine Stunde zu verbringen, bevor die- 
selbe sich zum Ehebett begebe. Dagegen behauptete der Abt von 
Gaillefontaine, seinerseits ebensolches Recht zu haben ^ Während 



« Vgl. z. B. Kap. 63 S. 274 und Kap. 83. 

2 Vgl. Kap. 1 S. 2. Von diesem Werk bemerkt B. de Lagr6ze (1867, 
S. 400): „8i r^diteur, en publiant ce livre, avec des caract^res gothiques, 
a soin de dire que les initiales, vignettes et fleurons sont imit^s des mauu- 
scripts originaux, il ne dit pas oü sont ces manuscripts. Je les ai cherch^s 
vainement, et ils ne se trouvent ni dans la Biblioth^que Imperiale, ni dans 
la riebe coUection de M. Didot. Ce conte, admis comme authentique, surtout 
ä Tetranger, me paralt donc plus que suspect. Le texte eüt 6t6 d^cisif" . . . 
Mir schien es nicht nöthig, jene Angabe des Herausgebers als ernstlich ge- 
meint zu betrachten. 

3 Historial du Jongleur S. 7, 8 (Le Prieur): ... „Au temps pas86, les 
p^res du sire de Montguisard avaient par lief le droit d'assister aux nopces 
de leurs vassaux et hommes liges avec un page, deux levriers et six chiens 
courants, le tout pour estre bien et duement h^berg^ et festoyö entre deux 



286 Kapitel 68. Roman von Karl Fellens. 

des Hochzeitsfestes bei Verheirathung von Jacqueline, Tochter 
des Kalkbrenners Peter Aubriot, mit Samuel Robertsart, erschien 
ein Abgesandter des Haut-bers de Montguisard (der ecuyer Sire 
de Maltaverne) mit dem Befehl an Peter Aubriot, seine Tochter 
Jacqueline in das Schloss zu führen, um dem droit de nop^age 
zu genügen *. Der junge Ehemann leistete Widerstand, als ihm 
seine Frau mit Gewalt entrissen werden sollte. Während des 
Streits überbrachte der Vitzthum (Vidame) des Abts von Gaillefon- 
taine dessen Befehl an Peter Aubriot, seine Tochter Jacqueline 
zum Kloster zu führen, damit sie sich dem droit de nopgage un- 
terwerfe 2. Jetzt entstand ein Kampf zwischen den Parteien der 
beiden Prätendenten, der so hitzig wurde, dass es den Neuver- 
mählten gelang, in der allgemeinen Verwirrung zu entfliehen. 
Wenige Tage nachher öffnete Ronen seine Thore dem König von 
Frankreich, welcher Lehnsherr der Normandie wurde. Der Haut- 
bers de Montguisard verlor sein Lehen wegen Felonie; er ward 
verbannt wegen Theilnahme an der Ermordung Arthur's von Bre- 
tagne und rettete nur sein Leben, indem er dem König Johann 
ohne Land nach London folgte ^ Aus dem Schluss dieser Dichtung 
ist zu entnehmen, dass sie das Jahr 1204 betrifft; denn im Jahr 
1204 verlor König Johann die Herrschaft über Ronen und die 
ganze Normandie nebst andern Provinzen an König Philipp August 
von Frankreich. Im Uebrigen entbehrt die Erzählung eines ge- 
schichtlichen Inhalts. 

2, Aufstand gegen Bichard IL, Herzog der Kormandie , und gegen den 

Grafen Des VeHus, 

Kapitel 68. Im Roman von Karl Fellens, der angeblich 
aus archivalischen Quellen geschöpft ist und lauter Wahrheit 



soleils, ce qui s'appelle ^s titres et chartes: Droit de Nopgage; mais depuis 
la mort de son tr^s-honor^ p6re, le sire de Montguisard l'entend expliquer 
et lever autrement, ä savoir: qu'il pr^tend que le dit droit consiste & passer 
une heure, seul, avec l'espous^e, avant qu'elle entre au nuptial lit. . . . De 
mdme aussi pr^tend faire et fait le sire abb6 de Gaillefontaine". . . . Vgl. 
dazu die Noten im Anhang S. 7 und 8. 

^ Historial du Jongleur S. 27: „De par mon tr^s redout^ Seigneur et le 
tien, le Haut-bers de Montguisard, je te semonds toi, Pierre Aubriot le chau- 
fournier, son homme lige, pl^ge et vassal, de me bailler et d^livrer Jacqueline, 
ta fille, qui sera conduite au chastel pour estre par eile acquittö le Droit de 
Nop^age. J'ai dit.^ Das Wort „bers" scheint soviel wie Baron zu bedeuten. 
Vgl. unten Kap. 78 S. 327. 

' Historial du Jongleur S. 31. ^ Historial du Jongleur S« 40. 



Kapitel 68. Roman von Karl Fellens. 287 

enthalten soll, wird behauptet, das Herrenrecht der ersten Nacht 
sei zur Zeit des Königs Robert des Zweiten von Frankreich 
(996 — 1031) Hauptursache eines Aufstandes gewesen, gegen den 
Grafen von Evreux und dessen Neflfen, Richard den Zweiten, 
Herzog der Normandie und König von Neustrien*. Indessen er- 
folgte der Bauern-Aufstand in der Normandie erst im zwölften 
Jahrhundert, zur Zeit des Herzogs Richard II. 2, und dieser Auf- 
stand hatte keine Beziehung zu jenem berüchtigten Herrenrecht. 
Der genannte Roman giebt eine Schilderung der Herrehrechte, 
namentlich des jus primae noctis^, aus der Zeit Robert des Zweiten. 
Der Hauptinhalt ist folgender. Graf Raimund vom Schloss Des 
Vertus bei Jalons (Arrondissement Chalons) hatte sich das Recht 
der ersten Nacht abkaufen lassen*. Sein Nachfolger Fulgentius 
war mit dem Loskauf nicht zufrieden ^, sondern übte das vermeint- 
liche Recht an den Hochzeitstagen seiner Unterthanen in einem 
einsamen Landhause thatsächlich aus *. Als Clotilde, Tochter Lo- 
thar's vom Flecken Des Vertus, sich mit Fritz-Andres, dem Pflege- 
sohn eines Pächters, verheirathen wollte, fassten Lothar und Fritz- 
Andres den Entschluss, den Grafen Fulgentius an Ausübung des 
Herrenrechtes zu verhindern^. Lothar bat um die Erlaubniss, 
dies Recht abkaufen zu dürfen; Fulgentius schlug die Bitte ab®. 
Der Pfarrer verlegte die Zeit der Trauung, die anfänglich auf 
zehn Uhr Morgens festgesetzt war, auf sieben Uhr Abends ^ 
Mit seiner Beihülfe wurde Clotilde unmittelbar nach der Trauung 
durch List und Gewalt in das Landhaus geschleppt, wo Fulgen- 
tius sie erwartete und das Verbrechen der Nothzucht an ihr voll- 
zog *^. Sie ward bei ihrer Rückkehr von ihrem Vater und Gatten 
liebevoll aufgenommen, starb aber an den Folgen der verübten 
Schandthat*^ Vierzehn Tage nach diesem Verbrechen verhei- 
rathete sich Fulgentius mit Berthine, Schwester des Herzogs der 
Normandie *^. Er wollte die Hochzeitsnacht in demselben Land- 
haus geniessen , worin er das Herrenrecht auszuüben pflegte *^ 



^ Fellens Bd. 1 S. 111, 112 (Rede Ludwigs, Sohnes von Lothar, an die 
Verschworenen). 

2 Delisle chap. 6 S. 121. 

^ Fellens Bd. 1 S. 16, 135, 147, 148; Bd. 2 S. 11. 

* Fellens Bd. 1 S. 143. 

5 Fellens Bd. 1 S. 143; Bd. 2 S. 68 („ein geheiligtes Recht!"). 

6 Fellens Bd. 1 S. 163. ' Fellens Bd. 1 S. 144. 
8 Fellens Bd. 1 S. 149, 150. » Fellens Bd. 1 S. 151. 

*o Fellens Bd. 1 S. 153-157. *» Fellens Bd. 1 S. 158, 171. 

12 Fellens Bd. 1 S. 160. " Fellens Bd. 1 S. 163. 



288 Kapitel 69. GrQndung von Montauban. 

Dort ward er aber von Vermummten überfallen, geknebelt und 
mit verstopftem Munde an einen Baum gebunden, während seine 
Gemahlin im dunklön Schlafgemach in der Meinung, von ihrem 
Gatten umarmt zu werden, durch den Knecht Lothar's miss- 
braucht wurde *. Erst des andern Morgens wurde der Graf 
durch seine Freunde losgebunden. Lange Zeit blieb der wahre 
Hergang dieser Sache unaufgeklärt^, und ein Zerwürfniss zwi- 
schen dem Grafen Fulgentius und seiner Gattin bestehen ^. 
Beim Tode des Grafen Fulko Nerra von Anjou wurde ermittelt, 
dass sein rechtmässiger Sohn erster Ehe und Nachfolger in der 
Regierung der erwähnte Fritz-Andres war, dessen wahrer Name 
Gottfried Martel hicss*. Er trat die Regierung an und erklärte 
dem Grafen Fulgentius Raimund den Kriegt, betete am Grabe 
Clotildens^, zerstörte das Schloss des Fulgentius, nahm ihn ge- 
fangen und demüthigte ihn ' , unter Hinweis auf die Schändung 
Clotildens und die dafür geübte Rache®. Gottfried Martel, Graf 
von Anjou, ward von seinen Vasallen verehrt, gab ihnen eine 
Constitution und schaffte alle Herrenrechte ab *, namentlich auch 
das Recht der ersten Nacht ^^. In dem geschilderten Hergang 
ist keine geschichtliche Wahrheit enthalten. Titel und Inhalt 
des Buchs lässt deutlich erkennen, dass der Roman eine Tendenz- 
arbeit ist und auf keinen wissenschaftlichen Forschungen beruht. 

3, Aufstand gegen die Abtei Montauriol und Gründung von Montauban, 

Kapitel 69, Im zwölften Jahrhundert drängte eine stür- 
mische Bewegung zur Bildung selbständiger städtischer Gemein- 
den *^ Durch die Vortheile, die den Ansiedlern neuer Städte sich 
darboten, Hessen sich häufig die Hörigen benachbarter Herrschaf- 
ten verleiten, ihre Herren zu verlassen ^^. So geschah es auch bei 
der Gründung von Montauban, der jetzigen. Hauptstadt des De- 
partement Tarn et Garonne. Dieselbe erfolgte im Jahr 1144, durch 
Alphons Jourdain, Grafen von Toulouse, Herzog von Narbonne 



1 Fellens Bd. 1 S. 164, 165. * Fellens Bd. 1 S. 167, 168. 

3 Fellens Bd. 1 S. 192; Bd. 2 S. 28, 29, 60. 
♦ Fellens Bd. 2 S. 35—40. * Fellens Bd. 2 S. 59, 61. 

6 Fellens Bd. 2 S. 62, 03. ' Fellens Bd. 2 S. 63—70. 

8 Fellens Bd. 2 S. 68, 69. ^ Fellens Bd. 2 S. 71, 73. 

10 Fellens Bd. 2 S. 74. 

1» Vgl. Dalloz, Rep. Bd. 1 S. 88; Thierry, Lettres, unter XIII.; Hüllmann 
Bd. 3 S. 16-28. 

12 Thierry, Lettres S. 185, 186. 



Kapitel 69. Gründung von Montauban. 289 

und Markgrafen von Provence , und durch seinen Sohn Raymund 
von Saint-Gilles , und zwar unmittelbar neben den Besitzungen 
der Benedictiner-Abtei Saint-Martin (Saint-Audard oder Saint- 
Theodard), die vor alten Zeiten, durch die Vorfahren des hl. Theo- 
dard von Narbonne oder schon durch den hl. Bischof Martin von 
Tours, auf dem Mons Aureolus erbaut war*. Die Gründungs- 
urkunden vom 2. October 1144 verheisst den Ansiedlem bedeu- 
tende Vorrechte neben verhältnissmässig geringen Verpflichtungen. 
Es ist daher erklärlich,, dass viele Hörige der Abtei sich zur 
Ansiedlung in der neuen Stadt bestimmen liessen, um ihren Ver- 
pflichtungen gegen die Abtei zu entweichen ^. Der Abt Albrecht 
von Saint-Audard führte darüber Beschwerde bei Papst Eugen III., 
mit der Behauptung, dass Graf Alphons von Toulouse die Abtei 
gewaltsam zerstört, ihre Leute zum Aufstand und zur Auswande- 
rung verführt und drei Schlösser auf dem Allodialgute der Abtei 
errichtet habe. Papst Eugen III. beauftragte durch Schreiben vom 
23. Juni 1145 den Erzbischof Arnold von Narbonne und den Bi- 
schof Raimund von Toulouse, in seinem Namen die zur Er- 
ledigung der Beschwerden geeigneten Ermahnungen an den Grafen 
zu erlassen und, falls derselbe ihrer Ermahnung binnen vierzig 
Tagen keine Folge leiste, die Stadt Toulouse und das ganze Bis- 
thum, soweit es zur Herrschaft des Grafen gehöre, mit dem Inter- 
dict zu belegen, auch die Verhängung des grossen Kirchenbannes 
gegen den Grafen in Aussicht zu stellen *. Es ist nicht bekannt, 
ob und wie der Auftrag des Papstes zur Ausführung gelangte; 
eine Unterbrechung scheint dadurch eingetreten zu sein, dass Graf 
Alphons zu dem durch den hl. Bernhard gepredigten Kreuzzuge 
nach dem heiligen Lande auszog und dort im Jahr 1148 den 
Tod fand ^. Zwischen seinem Sohn und Nachfolger, Raymund V., 
und dem Abt Amelius von Saint-Audard wurde der Streit durch 



* Vgl Gall. Christ. Bd. 13 (Ausg. 1874) S. 226, 229; Hist. de Languedoc 
Bd. 2 S. 438; Hist. de Montauban Bd. 1 S. 1, 2. 

^ Urkunde vom 2. Oct. 1144, besprochen und vollständig abgedruckt in: 
Gall. Christ. Bd. 13 (Ausg. 1874) S. 226, Instrum. S. 182, 183; Hist. de Mon- 
tauban Bd. 1 S. 63—69, 347, 348; Hist. de Languedoc Bd. 2 S. 438. 

3 Hist. de Montauban Bd. 1 S. 55, 58; Hist. de Languedoc Bd. 2 S. 438. 

* Urk. vom 23. Juni 1145, Gall. Christ. Bd. 13 (Ausg. 1874) Instrum. 
S. 183, 184; Bouquet (Brial) Bd. 15 S. 427, 428; Hist. de Montauban Bd. 1 
S. 55—58 und S. 350; Hist. de Languedoc Bd. 2 S. 438, zum Jahr 1144; 
Cathala-Coture liv. 3 chap. 11, Bd. 1 S. 137; Mary-Lafon bei Guilbert Bd. 2 
S. 517; Jaff6 Nr. 6163, S. 618. 

5 Gall. Christ. Bd. 13 (Ausg. 1874) S. '229; Hist. de Languedoc Bd. 2 
S. 463; Cathala-Coture liv. 3 chap. 11 S. 136. 

Schmidt, Jus primae noctis. 19 



290 Kapitel 69. Gründung von Montauban. 

Vergleich vom 6. Mai 1149 zu Beziers geschlichtet * ; der Graf 
überliess der Abtei die Hälfte des Eigenthums und aller Ge- 
rechtigkeiten in Montauban, gab ihr die Ländereien zurück, die 
er ihr entrissen hatte, und räumte ihr noch weitere Rechte ein. 
Bald entstanden zwar neue Streitigkeiten, worin der Graf von 
Toulouse (mit Hülfe der Albigenser) das Kloster beraubte, den 
Abt einkerkerte und drei zur Gerichtsbarkeit von Montauban 
gehörige Schlösser in Besitz nahm. Doch kam am 13. Oct. 1231 
in der Stadt Gaillac ein neuer Vergleich zu Stande ^ zwischen 
Graf Raymund VII. und Abt Albert II. Darin ward der Ver- 
gleich vom Jahr 1149 theils bestätigt, theils ergänzt und ab- 
geändert, insbesondere der Antheil der Abtei an der Gerichts- 
barkeit in Montauban von der Hälfte auf ein Viertheil herab- 
gesetzt ^ Diese Verträge wurden demnächst noch mehrmals be- 
stätigt *. 

Dies ist die wahre Geschichte der Gründung von Montauban, 
wie sie aus authentischen Urkunden erhellt. Darin ist Nichts 
zu entdecken, was einen Tadel gegen die Abtei oder einzelne 
Aebte von Saint-Audard rechtfertigen könnte. Die Mönche von 
Saint-Audard hatten etwa im Jahr 1130 die strenge Regel des 
hl. Benedictus angenommen^; sie hatten im Jahr 1119 den Papst 
Calixtus IL zu Gast , als derselbe vom Concil aus Toulouse nach 
Cahors reiste*; und es würde sich nicht erklären lassen, wie sie 
bei dem Papst Eugen III., dem Erzbischof Arnold von Narbonne 
und dem Bischof Raimund von Toulouse hätten Schutz finden 
können, wenn ihre Beschwerden ungerechtfertigt gewesen wären. 



* Vergleich v. 6. Mai 1149, Gall. Christ. Bd. 13 (Ausg. 1874) Instrum. S. 184, 
185; Hist. de Montauban Bd. 1 S. 72—74; Hist. de Languedoc Bd. 2 S. 463. 

2 Gall. Christ. Bd. 13 (v. 1874) S. 226; Hist. de Montauban Bd. 1 S. 75—80. 
» Urk. V. 13. Oct. 1231, GaU. Christ. Bd. 13 (Ausg. 1874) Instrum. 
S. 188—191; Hist. de Montauban Bd. 1 S. 75—80. 

* Dies geschah im Juni 1270 zu Aigues-Mortes durch Alphons, Grafen 
von Toulouse und Poitiers (Bruder des Königs Ludwig des Heiligen) und 
seine Gemahlin Johanna von Toulouse , Tochter des Grafen Raymund YII. ; 
dann durch PhUipp VI. im Juli 1328, durch Karl VII. im Jahr 1442 und 
durch Ludwig XI. Vgl. GaU. Christ. Bd. 13 (Ausg. 1874) S 226, und 
Hist. de Montauban Bd. 1 8. 80—83. Inzwischen war die Abtei durch die 
im Corpus juris canonici (cap. 5 extrav. comm. lib. 3 tit. 2, de praeb. et 
dignit.) enthaltene Bulle des Papstes Johann XXII. vom 25. Juni 1316 zum 
Bisthum erhoben. Vgl. auch GaH. Christ Bd. 13 (Ausg. 1874) S. 226 (wo 
die Jahreszahl 1317 angegeben wird). 

* Mary-Laion in der Hist. de Montauban S. XIII. 

* Hist. de Languedoc Bd. 2 S. 384. zum Jahr 1119: Hist. de MonUuban 
Bd. 1 S. 373. 



Kapitel 69. Gründung von Montauban. 291 

Gleichwohl ist eine Sage entstanden, die dahin geht, dass 
der Abt und die Mönche von Montauriol (Mens A.ureolus) ein 
garstiges Recht unter dem Namen „jus cunni** ausgeübt und 
dadurch ihre Leute erbittert und zur Auswanderung genöthigt 
hätten. Schon Le Bret (1668) erwähnt diese Erzählung, mit dem 
Bemerken, dass sie eine grobe Verleumdung sei, welche die Cal- 
vinisten erfunden hätten ^ Mit Beziehung auf Le Bret giebt auch 
die Histoire de Languedoc an, dass über den Ursprung von 
Montauban Fabeln durch die Protestanten verbreitet seien ^. Die 
neuen Herausgeber der Geschichte von Montauban sind ebenfalls 
der Meinung, dass jene Erzählung keinen Glauben verdiene, und 
dass 'sie von den Albige nsern und Calvinisten in Umlauf gesetzt 
worden sei ^. Leider sind in keinem dieser Werke die Na- 
men und Schriften der betreflfenden Albigenser oder Calvinisten 
angegeben ; und es ist mir nicht möglich gewesen, die Entstehungs- 
zeit jener Sage und die ersten Verbreiter derselben genau zu er- 
mitteln ^ Ein Zeitgenosse von Le Bret, nämlich Cathala-Coture, 
schreibt, man behaupte, die Ursache der Unzufriedenheit der Be- 
wohner von Montauriol sei die gewesen, dass der Abt und die 
Mönche von allen neuvermählten Frauen eine gewisse Abgabe unter 
dem Namen „jus cunni oder cunnagii*' erhoben hätten ; zwar finde 
sich darüber keine Urkunde im Archiv der Stadt Montauban; doch 
sei es eine Ueberlieferung ^. An einer andern Stelle erzählt der- 
selbe Schriftsteller, die Mönche von Saint- Audard hätten unter 
ihren Herrenrechten das „jus cunni" gehabt; dieser Ueberrest 
alter Barbarei sei gleich entehrend für die, welche darauf An- 
spruch erhoben, wie für die, welche sich demselben unterwarfen ; 

1 Hist. de Montauban S. 58, 59. 

2 Hist. de Languedoc Bd. 2 S. 438. 

. 3 Hist. de Montauban, Note 8, S. 362—374. 

* In der Geschichte der Albigenser von Peter von Vaulx-Cernay, einem 
Zeitgenossen und Gegner des Grafen Raimund von Toulouse (die in Guizot's 
Werken Bd. 14, Paris 1824, abgedruckt ist), findet sich noch Nichts von 
einer solchen Erzählung. Ebensowenig habe ich Etwas darüber in den Ge- 
schichtswerken über Aquitanien von Peter Louvot und von Johann Bouchet 
gefunden. August Galand (1634) spricht zwar schon (S. 191) von der Härte 
(„durete") des Abts von Saint-Audard, giebt jedoch nicht an, worin die Härte 
bestanden habe. Nach Veuillot (2. Aufl. S. 290) soll die Sage bis 1564 un- 
bekannt gewesen sein, 

* Cathala-Coture, Memoire sur la g^n^ralit^ de Montauban, citirt in der 
Hist. de Montauban Bd. 1 8. 368. Im Extrait du mtooire de la g^n^ralit^ 
de Montauban, dress6 par ordre de Monseigneur le Duc de Bourgogne en 
1699, bei Boulainvilliers Bd. 5 S. 174-262, habe ich den angeführten Satz 
nicht gefunden. 

19* 



292 Kapitel 69. Gründung von Montauban. 

die Mönche hätten mit der äussersten Härte Lösegeld für dies 
Recht von den Bewohnern MontaurioFs gefordert, bis die Letzteren, 
um diesen Bedrückungen ein Ziel zu setzen, den Schutz des 
Lehnsherrn, Grafen von Toulouse, angerufen hätten *. Worin das 
„jus cunni*, dieser vermeintliche „Ueberrest alter Barbarei**, be- 
standen habe, wird von Cathala-Coture nicht angegeben. Man 
könnte vermuthen, es sei eine Heirathsabgabe gewesen, die irr- 
thümlich als ein Ueberrest alter Barbarei betrachtet wurde '. Allein 
die ganze Erzählung von dem „jus cunni* und der dadurch ver- 
ursachten Empörung gehört in das Gebiet der Sage, als deren 
Entstehungszeit bis zur Entdeckung einer älteren Quelle das sieb- 
zehnte Jahrhundert anzunehmen ist ; sie wird durch den geschicht- 
lich festgestellten Heigang der Gründung von Montauban wider- 
legt *. Hierdurch verliert der Streit, der sich über die Natur des 
jus cunni erhoben hat, für die vorliegende Untersuchung jede 
Bedeutung \ Auf der Erzählung von Cathala-Coture beruhen alle 
s|>äteren Angaben über das jus cunni der Aebte von Saint- Audard, 
worin die Erzählung von Cathala-Coture theils wiederholt, theils 
ausgeschmückt und zu der bestimmten Behauptung entstellt ist, 



> Cathala-Coture Bd. 1 S.,134. 

^ Herr Archivdirector Dr. Pfannenschmid in Colmar vennathet« .euna^um^ 
sei eine alte Heirathsabgabe gewesen« da das Wort von cuna (Wiege) her- 
kommen und danach eine Abgabe Itkr Erwerbung des Heimathsrechts bedeuten 
könne : dies bitten Feinde der Kirche in die nnzflchtige Bedeutung eines rj^^ 
cunni** (vulvae) umgedeutet. 

' Die Behauptung von Peuchet-Chanlaire (S. 34). dass die Nachricht des 
Cathala-Coture der am Allgemeinsten angenommenen Meinung der Sehiifl- 
steiler entspreche, ist offenbar unerheblich, da die allgemeine oder öffent* 
liehe Meinung für Feststellung geschichtlicher Thatsachen keinen Werth hat« 

^ Le Bret i^Hist. de Montauban S. 58, 59) meinte, unter jus cunni sei das 
Münzrecht lu verstehen. Diese Annahme ist rwar etymologisch mögUeh, je- 
doch aus folgenden Gründen nicht haltbar. Die Ausübung des M&nzrechts 
konnte keinen Vorwand zur Auswanderung gewlüiren; auch findet äch in 
Werken über Münxwesea keine Spur davon, dass die Abtei Saint-Audard 
jemals ein Münireeht ausgeübt hat: im Jahr 1144 stand vidmehr das MUbs- 
recht dem Bischof von Cahors zu. welcher die Gerichtsbarkeit Iber die Abtei 
Saint- Audard hatte. Dies ist durch Baioa Chaudruc de Crazannes (S. 141 — 144) 
nachgewiesen. Doch irrt derselbe, indem er (auf S. 140 — 146) aus der Unhal^ 
barkeit der dunth Le Bret aufgestellten Vermuthung vv^reilig die weitere Fol» 
geruDg zieht, das jus cunni der Aebte von >Iontauriol sei mit doa «droit 
hottteux de prelibation** gleichbedeutend gewesen. Denn es fehlt ein Beweis 
für die Abnahme. da:«s die Aebte von Montauriol in der fragli^ieB Zeit (Tor 
1144' llberhaupt ein jus cunni gehabt bitten, und umsomehr dafllr, da» ein 
solches Rech? mit dem droit de prelibation ftbereinstiaime. Daher ist der 
Irttiusi des Herrn von Crazannes gro«sser. als derjenige von Le Bret. 



Kapitel 70. Schiedsurtheil vom 21. AprU 1486 (Catalonlen). 293 

dass die Aebte von Saint-Audard das Herrenrecht der ersten 
Nacht gehabt und ausgeübt hätten^. Diese Meinung ist nach 
dem Gesagten völlig unbegründet. 

TU. Spanien. 

a. Catalonlen. 
Schiedsurtheil des Königs Ferdinand vom 21, April 14S6. 

Kapitel 70. In Deutschland und Frankreich sind einige 
Schriftsteller des neunzehnten Jahrhunderts der Meinung, in Ca- 
talonien habe das jus primae noctis gegolten ^ unter dem Namen 
^arcia** ^ oder ,,ferma d'espoli forzada" * oder „firma de esposa 
forzada** ^ oder „derecho de prelibacion" *. In Deutschland wird 
sogar behauptet, das jus primae noctis sei in Gatalonien bis gegen 
Ausgang des fünfzehnten Jahrhunderts in einer anderwärts kaum 
gekannten Ausdehnung ausgeübt worden; erst im Jahre 1486, zu- 
folge einer Empörung der wüthenden Bauern, hätten die hartköpfi- 
gen Barone Cataloniens in eine Ablösung jenes berüchtigten Bechts 
eingewilligt ^. — In einer spanischen Bechtsgeschichte des neun- 
zehnten Jahrhunderts findet sich der Satz, das Herrenreoht der 
Unkeuschheit habe, mit der Beschränkung auf den Tag der Hoch- 
zeit, in Gatalonien unter dem Namen „derecho de prelibacion*' 
bestanden, und zwar bei Heirathen der Yasallen oder Bauern „de 
remenza^ ®. Zur Begründung dieser Behauptung verweist man 



1 Dulaure, Montauban S. 27—29; Dulaure, Adel S. 242, 243; Peuchet- 
Chanlalre, D6p. Tarn et Garonne S. 23 — 24; Saint-Fargeau , unter Montau- 
ban, S. 629—630; Mary-Lafon bei Guilbert unter Montauban, Bd. 2 S. 5X6, 
vgl. S. 535; de Labessade S. 10, 11, 28, 43. Vgl. dagegen VeuUlot 2. Aufl. 
S. 280—295. 

* Helfferich S. 408-412; Sugenheim 1861, S. 35; de Lagröze 1864, S. 131, 
132; Wolf S. 90; de Lagröse 1867, S. 396—398; Augsb. Allg. Ztg. v. 18. April 
1868, S. 1662; Liebrecht 1869, S. 810; Sugenheim 1872, S. 930; Liebrecht 
1874, S. 138; Kulischer S. 228; Liebrecht 1879, 8. 416, 417. 

3 Helfferich S. 408. 

* Wolf 8. 90; Liebrecht 1869, S. 811 und 1879, S. 417. 

* Lagr^ze 1867, S. 397; Augsb. AUg. Ztg. v. 18. April 1868, S. 1662. 

6 Wolf S. 90; Liebrecht 1869, S. 810, ebenso 1874, S. 138 und 1879, 
S. 416, 417. — Das Wort „derecho de prelibaclon" könnte (wenn es in Ur- 
kunden vorkäme) als das Recht, den Hochzeltswein zu kredenzen, oder als 
ein Anspruch auf den ersten Hochzeitswein (als Heirathsabgabe) erklärt 
werden. 

7 Sugenheim 1861, S. 35, 36 und 1872, S. 930; Kulischer S. 229. 

8 Marichalar Bd. 6 S. 67. 



294 Kapitel 70. Schiedsurtheil vom 21. April 1486 (Catalonien). 

auf Ausspruche von Pellicer* und Pujades*, ferner auf ein amt- 
liches Aktenstück vom Jahr 1786®, auf eine in den Cortes zu 
Cadix im Jahr 1811 gemachte Mittheilung des Abgeordneten 
Lloret*, auf eine in Catalonien über das derecho de prelibacion 
erhaltene Ueberlieferung ^ und hauptsächlich auf ein Schiedsurtheil 
des Königs Ferdinand II., des Katholischen, vom 21. April 1486. 

Es giebt jedoch keine Urkunde, die zu der Annahme be- 
rechtigt) dass in Catalonien das jus primae noctis in anerkannter 
Geltung gewesen sei ^ und dass eine Ablösung desselben im Jahr 
1486 stattgefunden habe. 

Das Schiedsurtheil vom 21. April 1486 wird von den Ver- 
fassern der vorerwähnten Rechtsgeschichte zu den grössten Ruh- 
mesthaten des Königs Ferdinand, des Katholischen, gerechnet ^ ; und 



^ Danach sollen die Vasallen de remenza in Catalonien verpflichtet gewesen 
sein, die Jungfrauen, mit denen sie sich verheiratheten , dem Grundherrn 
zu übergeben, damit derselbe sie vor dem Ehegatten deflorire. 

« Vgl. unten S. 303, 804. 

* Nämlich im Papel instructivo acerva del derecho de la Real Corona, 
impreso en Madrid el afio 1786, betreffend das Collegiatstift San Juan de 
Abadeses, soll gesagt sein, die Qrundherren in Catalonien hätten ihren !Em- 
phyteuten und Leibeigenen die Verpflichtung auferlegt, sich von dem Herren- 
recht zu befreien, was darin bestand, dass in der ersten Nacht ihrer Hoch- 
zeit der Grundherr Zutritt ins Ehebett hatte. Marichalar Bd. 6 S. 67, 68. 

^ Danach bezahlte die Stadt Verdü in Catalonien für das „derecho de 
pernada" siebzig catalonische Pfund an den Grundherrn , das Kloster von 
Pöblet, und die Quittung darüber wurde als Belag zu den Rechnungen 
des Gemeindevermögens genommen. Marichalar Bd. 6 S. 67. (Ueber das 
durch die Grabmäler der Könige von Aragon berühmte Cistercienserkloster 
Pöblet oder Populetum vgl. Dict. de Trev. Bd. 6 S. 848.) Nach einer Nach- 
richt, die ich dem Herrn Professor Dr. Vicente de la Juente zu Madrid 
verdanke, wird erzählt, dass der Abt von Pöblet das derecho de pernada von 
einem ungenannten Grundherrn abgetreten erhalten, jedoch nicht in Natur 
ausgeübt, sondern in eine Geldabgabe verwandelt habe. Vielleicht liegt diesen 
Berichten ein etymologisches Missverständniss zu Grunde. Das Wort pernada 
bezeichnet zwar einen Stoss mit dem Fuss, zugleich aber auch eine Art 
ländlicher Gebäude, wie daraus erhellt, dass in der Conöt. Cath., Buch 4 
Tit. 28 Art 3, „mas, o pernada, o borda en senoria de algu" zusammengesteUt 
werden. Dies führt zu der Möglichkeit, das „derecho de pernada^' als eine 
Abgabe für Besitzveränderungen zu erklären. 

* „So gab es in der Umgegend von Villanueva ein Schloss mit dem Namen 
de malos usos; dort zeigte man ein besonderes Zimmer, worin der Grundherr 
jenes abscheuliche Recht ausgeübt hatte. ^ Marichalar Bd. 6 S. 68. 

* In demselben Sinn schreibt mir Herr Manuel de BofaruU aus Barcelona : 
„A la consulta sobre el jus primae noctis en Cataluna, puedo contestar ase- 
gurandole, que no consta en documento alguno ejercito legalmente." 

' Marichalar Bd. 6 S. 496. 



Kapitel 70. Schiedsurtheil vom 21. April 1486 (Catalonien). 295 

schon Qurita rühmt den Muth und die Klugheit, womit der König 
die fraglichen Streitigkeiten beendete ^. Ein Abdruck steht in 
den Pragmaticas y altres Drets de Cathalunya vom Jahr 1589, 
die auf Anordnung des Königs Philipp II. vom Jahr 1585 zu- 
folge eines Beschlusses der Cortes herausgegeben wurden^. Die 
Veranlassung zu diesem Schiedsurtheil war folgende. In einem 
Theil des Fürstenthums Catalonien^ lebten Bauern, die mit dem 
Beinamen „de remenga" oder „dels mals usos" * bezeichnet 
wurden, weil sie an die Scholle gebunden und zur Entrich- 
tung der sechs sogenannten mals usos^ oder einzelner derselben 
verpflichtet waren. Vier dieser „mals usos", und zwar remenga 
personal, intestia, xorquia und cugucia, standen bereits in 
den Usatges de Barcelona und in den Constitutiones de Ca- 
thalunya verzeichnet, waren also gesetzlich festgestellte Ver- 
pflichtungen *. Unter „remenga personal" (persönlicher Loskauf) 
verstand man die Hörigkeit in dem Sinn, dass der Bauer eine 

^ Qurita, Hb. 20, fol. 346: „y fue una de las cosas en que mas el Rey 
senalo eu gran valor, y prudencia^. . . . 

^ Ferrando segon en la sententia arbitral dada eu Guadalupe a 21. de 
Abril 1486, in Pragmat Drets, lib. 4 cap. 13, S. 97—106, wozu noch eine 
Declaratoria und zwei Verordnungen vom 9. Jan. 1488, daselbst S. 106 — 109, 
gehören. Dass dieser Abdruck mit dem Original übereiustimmt , wird bis 
auf Weiteres angenommen werden müssen. — Vgl. Qurita lib. 20, a. 1486, 
fol. 326, 327 und fol 345 v. bis 346 v.; Sempere S. 248, 249; Sugenheim 1861, 
S. 35, 36; Marichalar Bd. 6 S. 68 und 495 bis 499; Wolf S. 91 und 93. — 
Bei Pujades, lib. 6 cap. 152 n. 11, findet sich das unrichtige Datum vom 
21. April 1468, woraus derselbe Irrthum in die Werke von Mariano Nougues 
y Secall und Bascle de Lagröze übergegangen ist. Vgl. Lagr^ze 1864, S. 131 
und 1867, B. 396, 397. Auf denselben Irrthum und einen hinzugetretenen 
Druckfehler ist das Datum des 11. April 1468 zurückzufuhren, in der Augsb. 
AUg. Ztg. V. 18. April 1868, S. 1662, und bei Liebrecht 1869, S. 810, 811, 
ebenso 1874, S. 139 und 1879, S. 417. 

^ Namentlich in den Grafschaften Ampurias und Rossellon, wie Qurita 
fol. 346 berichtet. 

^ Lateinisch lautete der Ausdruck: „pagenses de redimentia et malorum 
usum". Pragmat. Drets S. 109. 

^ Der Ausdruck „mal us^ heisst an sich Missbrauch. So bezeichnete man 
die fraglichen Gebräuche, obwohl sie rechtmässig entstanden waren 

6 Pragmat. Drets S. 98, in Art. 1 des Urtheils, s. unten S. 299 Anm. 1. — 
Vgl. Qurita fol. 346; Pujades Bd. 4 S. 333 (lib. 6 cap. 152 n. 3); Marichalar 
Bd. 6 S. 497; Wolf S. 73, 91; HelflFerich, 2. Abth. Nr. IV. S. 407, wo auf 
die Usatici Barchionenses , cap. 69, 109—112, verwiesen wird (bezüglich der 
exorquiae und cuguciae). Helfferich meint (S. 399), dass die Usatici Barchio- 
nenses vor allen übrigen Werken Europas aus dem elften Jahrhundert durch 
Form und Inhalt hervorragten, und dass sie von einem hohen Bildungsstand 
Cataloniens Zeugniss ablegten. 



296 K&pitel 70. Schiedsurtheil vom 21. April 1486 (Catalonien). 

Abfindungssumme an den Grundherrn zahlen musste, wenn er 
heirathen oder die Scholle verlassen wollte ^. ^Intestia^ be- 
zeichnete das Eecht des Grundherrn auf den dritten Theil (zu- 
weilen die Hälfte) vom Nachlass eines Bauern, der ohne Testa- 
ment starb. ,,Ougucia^ war das Recht des Grundherrn, mit 
einem Bauern, dessen Frau Ehebruch getrieben hatte, deren Ver- 
mögen zur Hälfte zu theilen, und, falls der Ehebruch mit Zu- 
stimmung des Ehemanns begangen war, das ganze Vermögen 
der Frau allein einzuziehen. „Xorquia" oder „exorquia*' war 
ein Anspruch des Grundherrn auf gewisse Güter des Bauern^ 
der keine Kinder hinterliess ^. Die beiden andern mals usos, 
nämlich „arcia** und „forma despoli forgada", waren durch Ge- 
wohnheitsrecht eingeführt und bereits in einigen Urtheilen als 
rechtsbeständig anerkannt^. „Arcia^ scheint ein Anspruch des 
Grundherrn für den Fall gewesen zu sein, dass ein Gebäude 
durch Schuld des Bauern abbrannte^. Die „ferma despoli for- 



^ Vgl. die catalonischen Urkunden bei Ducange unter Redimere und die 
in der folgenden Note vermerkten Stellen. 

2 Pujades Bd. 4 S. 383 bis 336; Cutchet bei Marichalar Bd. 6 S. 497, 498; 
de Lagr^ze 1867, S. 397. — Sonst bedeutet cugucia soviel wie adulteri, d. .1. 
Ehebruch, und exörquia das Recht einer kinderlosen Wittwe an der Erb- 
schaft ihres Ehemanns. Im Usatge ^Similiter de rebus^^ (abgedruckt in den 
Const. Cath. Buch 4 Tit. 29, Art. 1 S. 379), worauf die vorstehende Stelle 
beruht, wird das Wort cugucia in der Bedeutung von Ehebruch gebraucht: 
„Semblantment, de las cosas, o de las possessions dels cugu^os, si la cugucia 
es feta los marits no volents, ells, e lurs senyors per eguals parts hauran 
tota la part de las mullers adulteras. E si peruentura (qo que Deu no vullo) 
ab voluntat, o ab manament, o ab consentiment del marit sera feta la cugucia, 
daquells aytals hajan los senyors lur dret entegram ent'^ . . . Vgl. auch Brlnck- 
meier unter Cugus, Bd. 1 S. 564. 

3 Das Urtheil v. 21. April 1486 erwägt in Art. 1 (Pragmat. Drets S. 98), 
dass „las ditas Arcia, e Ferma despoli sien per consuetut introduidas, de las 
quals segons som informats se ha algunas vegadas feta justitia en lo dit 
Principat". Vgl. unten S. 299. 

* Den Ausdruck „arcia" (der bei Labernia nicht zu finden ist) erklärt Pu- 
jades als das Recht des Grundherrn, aus den Frauen der Bauern die Ammen 
für seine Söhne zu nehmen. Andere meinen, „que era lo que del vasallo 
exigia el senor en caso de incendiarse alguna casa rural por culpa di pri- 
mero". Das Wort würde nach der erstem Annahme von dem lateinischen 
Wort arcere (zwingen), nach der andern von arder (in Brand setzen) abge- 
leitet werden können Luis Cutchet hält die zweite Auslegung für die rich- 
tige, wogegen Marichalar und Manrique sich der Auslegung von Pujades an- 
schliessen. Vgl. Marichalar Bd. 6 S. 497, 498. Mir scheint die Auslegung, 
die Cutchet vorzieht, in der That den Vorzug zu verdienen, und die Aus- 
legung des Pujades mit dem Zusammenhang des Schiedsurtheils vom 21. April 



Kapitel 70. Schiedsurtheil vom 21. April 1486 (Catalonien). 297 

gada" * bestand in der Verpflichtung des Hörigen, für seinen 
Heirathsvertrag , damit derselbe Gültigkeit erlange, die Unter- 
schrift (ferma) seines Herrn einzuholen^. Die Bauern führten 
Beschwerde über Missbräuche, die bei Ausübung der mals usos 
eingerissen waren, und klagten über viele andere ihnen vermeint- 
lich zu Unrecht auferlegte Lasten und Abgaben. Aus diesen 
Beschwerden entwickelte sich ein Aufstand, worin die Bauern 
viele Zerstörungen ausführten und sonstige Verbrechen begingen ^. 
König Ferdinand und Königin Isabella suchten, bevor sie den 
Krieg gegen die Mauren in Granada eröffneten, in den durch 
ihre Heirath vereinigten Königreichen so viel wie möglich Frieden 
herzustellen, zuerst in Oalicien und Castilien^, dann, auf der 
Reise nach Cordova, in Catalonien. Dort wurden die Streitig- 
keiten zwischen den pagesos de remenga und ihren Grundherren 



i486 unvereinbar zu sein. Dort wird das Recht des Grundherrn, die Ammen 
für seine Kinder aus den Frauen der Bauern auszuwählen, im ersten Satz 
des neunten Artikels (vgl. unten S. 301 Anm. 1), dagegen die arcia schon im 
ersten Artikel behandelt; und die Voraussetzung von Pujades, dass Artikel 9 
in den beiden ersten Sätzen eine authentische Erklärung der arcia und der 
ferma despoli forgada enthalte, widerspricht dem Wortlaut und der Stellung 
dieses Artikels. — Bei Uelfferich (S. 407—409) findet sich das Missverständ- 
niss, dass Pujades den Ausdruck arcia auf das Herrenrecht der ersten Nacht 
beziehe; unter dem Einfluss dieser irrigen Voraussetzung sucht Helfferich 
das Wort aus semitischen Wurzeln zu erklären. Gegen diese Erklärung vgl. 
Wolff S. 91, Anm. 1. 

^ „Ferma despoli^^ heisst wörtlich : Unterschrift des Eheversprechens ; daher 
ferma despoli for^ada: die erforderliche Unterschrift des Eheversprechens. 

^ Brief des Herrn Manuel de BofaruU v. 16. Mai 1878: . . . „i^o significa 
mas que la firma que pone el Senor en el contrato de esponsalicio, y que el 
vasallo estä obllgado (forzat) 4 pedir, para que aquel valga: lo que queda 
confirmado en cödigos y documentos" ... — Francisco Solsona bemerkt zur 
Erklärung der „firma de espolio forzado^ [forzada?], dass, wenn der Vasall 
sein Gut zur Sicherheit für die dos seiner Frau bestellte, der Grundherr fflr 
die Bestätigung dieser Verpflichtung oder Hypothek den dritten Theil des 
laudemium erhielt. Francisco Solsona, Stilus, fol. 77, bei Pujades lib. 6 cap. 
152 num. 12, Bd. 4 S. 337. 

^ Vgl. Art. 1 und Art. 19—21 des Urtheils vom 21. April 1486, Pragmat. 
Drets S. 98 und 102—104. Eine Aufzählung der zahlreichen Verbrechen 
findet sich in Art. 19. 

^ Vgl. darfiber Qurita hb. 20, fol. 346. Danach suchten sie in Galicien 
den Don Rodrigo Osorio, Grafen von Lemos, der Ponferrada besetzt hielt, zum 
Gehorsam zu bringen, und sie ernannten für die Zeit ihrer Abwesenheit zwei 
Statthalter fttr Castilien. Sie schlichteten ausserdem Streitigkeiten zwischen 
dem Herzog von Alva und dem Don Pedro de Stufiiga, Grafen von Miranda, 
und versöhnten in Bejar den Herzog Don Alvaro de Stufiiga mit seinem 
künftigen Nachfolger gleichen Namens. 



298 Kapitel 70. Schiedsurtheil vom 21. April 1486 (Catalonien). 

durch die Weisheit des Königs und durch die Klugheit seines 
Vicekanzlers Alfonso de Caualleria* zur Beruhigung des Landes 
geschlichtet. \ 

Die Entscheidung des Königs Ferdinand vom 21. April 1486 
erging in einem Saal des Klosters Sanctae Mariae zu Guadalupe, 
auf Grund eines Schiedsrichtervertrags, welchen die betheiligten 
Grundherren am 28. October 1485 und die pagesos de remenga 
e o dels mals usos am 8. November 1485 vor Notar Ludovicus 
Gonzalez unterschrieben hatten; zugleich aber auch kraft könig- 
licher Machtvollkommenheit; nach Anhörung beider Parteien, 
durch deren Vertreter die Anträge schriftlich und mündlich ge- 
stellt und vertheidigt waren, und nach Anhörung des königlichen 
Eathes (Royal Consell) ^. Die Vollmacht der Parteien und die 
Entscheidung des Königs bezog sich nicht bloss auf die „mals 
usos*' , sondern auf alle grundherrlichen Streitigkeiten der Par- 
teien ^. Das Urtheil enthält achtundzwanzig Artikel. Der erste 



^ Qurita Hb. 20, fol. 346 v. 

2 Vgl. die Einleitung des Urtheils, Pragmat. Drets S. 97 und 98. 

* Im Eingang des Urtheils (Pragmat. Drets S. 98) ist der Gegenstand des 
Compromisses und Urtheils durch folgende Stelle bezeichnet. Es ist zu ent- 
scheiden, „en, e sobre los debats, e questions, e differentias , plets, e littigis 
judicials, e extrajudicials que entre ells eren. e podien esser, per causa, e 
occasio de las remengas, e Servituts personals, e dels mals vsos, axi vulgär- 
mente appellats, e censos, e altres Servituts, e drets deuallants de aquells, 
compresos, e compresas, en lo dit poder a nos per las ditas parts donat, per 
la clausula de incidents, dependents e emergents, en lo dit poder contenguda, 
no obstant la exceptio en aquella adjecta per part dels dits senyors o senyo- 
ras, com per aquella tantsolament hajan exceptat los censos, tascas e altras 
Servituts e drets alla exprimits , pertanyents a lurs predecessors , e a ells , e 
axi condicion alment faeren la dita exceptio, la quäl volgueren segons la po- 
sitio de aquella hagues loc, si e quant las ditas Servituts, drets a ells per- 
tanguessen , hont no es dubte , que la declaratio de la dita conditio , si las 
Servituts ja ditas, e drets axi exceptas de justitia pertanyen, o no pertanyen 
als dits senyors, pertany fer a nos, per virtut de la dita clausula dels inci- 
dents e dependents etc. per la quäl com dit es nos fou dat poder de declarar, 
y pronuntiar sobre las ditas Servituts, e drets, com a cosas incidents, e mer- 
gents, e dependents dels sis mals vsos, pus per la exceptio no foren exceptas, 
si no ab conditio, e modiftcament, asaber es, si e quant als dits senyors per- 
tanyen , com las ditas paraulas se hajan entendre de dret, e no de fer , e per 
virtut de la submissio , e submissions a nos fetas . e per lo que de paraula 
es estat supplicat per part dels dits senyors, supplicant nos pronuntiassem los 
manassem pagar los delmes, censos, e tascas, e los altres drets que a ells 
pertanyen sobre los dits pagesos, per raho dels masos, e terras que aquells 
tenen, proseguint dauant nos los dits drets contra los dits pagesos, e los dits 
pagesos opposant, e exceptant contra aquells, e axi com a Rey, e senyor, per 



Kapitel 70. Schiedsurtheil vom 21. April 1486 (Catalonien). 299 

Artikel verwandelt die sechs mals usos in Geldabgaben, und 
zwar für jeden Bauerngutsbesitzer in sechzig Sous Kapital oder 
drei Sous Jahresrente * , vorausgesetzt , dass sich seine Verpflich- 



la Buprema potestat que nos tenim, e de la quäl deuem , podem , e som ten- 
guts, e volem vsar^^ . . . Qurita, IIb. 20, fol. 346v rühmt die Klugheit des 
Königs hauptsächlich deshalb, well er die Parteien veranlasste, alle ihre 
Streitigkeiten (todas sus differencias) seiner Entscheidung zu unterwerfen. 

* Art. 1 des TJrth v. 21. April 1486 (Pragmat. Drets S. 98, 99): „Prime- 
rament per quant per part dels dits pa^esos nos es feta gran clamor, de sis 
mals VBOS vulgarment appellats, dient, que indegudament , e injusta, en gran 
carrec de conscientia los dits senyors exigen dells, compellint los per via del 
sagrament, e homenatge quels han prestat, a pagar los dits sis mals vsos, los 
quäl son Remenga personal, Intestia , Cugucia , Xorquia , Arcia, e ferma des- 
polt forgada, e jatsie que per vsatges de Barcelona, e constitutions de Catha- 
lunya sien fundadas las ditas Remen^a personal, Intestia, Xorquia, e Cugucia, 
e las ditas Arcia, e Ferma despoli sien per consuetut introduidas, de las 
quals segons som informats se ha algunas vegadas feta justitia en lo dit 
Principat, empero, attes que los dits mals vsos, per molts, e diuersos abusos 
que de ells se han seguit, contenen euident Iniquität, los quals sens gran 
pecat, e carrec de conscientia nos potien per nos tollerar, e attes que los dits 
mals vsos, si fossen temperats, reduits, e limitats a alguna moderacio, serien 
tollerables, pero, per quant de aquells se han seguits grans debats, e que- 
stions , e per lo Rey don Alfons nostre oncle de glorlosa tecordatio , e apres 
per lo senyor Rey nostre pare de eterna memoria , e per lo Princep ' don 
Carlos com a son Loctinent general nostre germa paradis haja, foren los dits 
mals vsos Inhibits, e interdits, e de lauors en^a per los dits pagesos no se 
han pagat, e jatsie per nos la declaratio que lo dit Rey don Alfons feu, sie 
reuocada en la Cort que vltlmament celebram en la ciutat de Barcelona, re- 
stituint los dits senyors en la possessio, en que abans de la dita declaratio 
estauan, contra la quäl reuocatio per nos feta, per los dits pagesos moltas, 
e diuersas cosas contra ella se han allegat, majorment dient, que no eren 
part en la Cort, e los qui eren de Cort, e inportunauen la dita nostra reuo- 
catio , empatxant la conclusio de la Cort , si aquella no fahlen , eren parts, 
e aduersaris lurs, de lo quäl sens dubte tenim certa, e indubitada notitia. 
De ques segueix, que los dits mals vsos, encara ques moderassen, e llmitassen, 
nos rebtlen per las ditas parts, en sos limits, que la vna, e laltra nols tras- 
passassen, e trangredlssen , pertant sententlam, arbltram, e declaram, que los 
dits sis mals vsos no sien, ne se obseruen, ne hajan loc, nes pugan demanar, 
ne exiglr dels pagesos, tie de sos descendents, ne dels bens dells, ne de 
alguns de ells, ans per la present nostra sententia aquells abolim, extinguim, 
anlchllam, e declaram los dits pagesos, e sos descendents perpetualment esser 
llberts, e qultls, de ells, e de cada vn dells. Pero perque a alguna mode- 
ratlo se potien redulr, e axi podrien subsistlr segons dlt es, pertant en satis- 
factlo , e compensatio de aquells pronuntlam , e declaram , los dits pagesos 
esser obllgats, e tenguts dar, e pagar per cascun capmas sexanta sous de 
moneda Barcelonesa , o tant cens , quant montaran los dits sexanta sous Bar- 
celonesos, a raho de vlnt mllia per mil, lo quäl dlt cens se haja a pagar del 
die que la present nostra sententia se publlcara a vn any, e de aqui auant 



300 Kapitel 70. Schiedsurtheil vom 21. April 1486 (Catalouien). 

tuDg auf alle sechs mals usos erstreckte; daher hatte ein Bauer, 
der vorher nur zu einzelnen der sechs mals usos verpflichtet war, 
für jeden derselben zehn Sous Kapital oder sechs Pfennige Rente 
zu zahlen *. Die näheren Bestimmungen über die Ausführung des 
Art. 1 , namentlich über Zahlung und Beschaffung der nöthigen 
Gelder, sind in Art. 2 — 5 enthalten. Art. 6 gewährt den Bauern 
Rechtsschutz gegen Misshandlungen der Grundherren. Art. 7 
ordnet die Form des Huldigungseides , den die Bauern ihren 
Grundherren zu leisten hatten, sofern ihnen dieser Eid nicht 
durch Privileg erlassen war *. In Art. 8 wird das Recht der 
Grundherren festgestellt, über die drei Monate lang verlassenen 
Grundstücke frei zu verfügen '\ Der Art. 9 verbietet den Grund- 
herren die Ausübung von fünf vermeintlichen Rechten, nämlich: 
a) die Weiber der Bauern wider ihren Willen, mit oder ohne 
Bezahlung, für ihre Söhne oder für andere Kinder als Ammen 
zu nehmen; b) bei Heirathen der Bauern mit ihren 
Frauen die erste Nacht zu schlafen, oder zum Zei- 
chen der Herrschaft, nachdem die Frau sich zu Bett 
gelegt hat, über sie, die Frau, hinüberzuschreiten; 
c) die Töchter oder Söhne der Bauern, mit oder ohne Bezah- 
lung, zu Frohndiensten zu zwingen; d) von den Bauern eine 
gewisse Lieferung (deren Sinn nicht deutlich ist*), ferner das 

quiscun any en semblant die. E aquell imposam sobre los dits pagesos, e 
masos que als dits sis mala vsoa eren, e son tenguts, e obligats, mentre que 
luit no fera, lo quäl cens declaram se puga per los dits pagesos luir, e quitar 
a la dita raho de vint milia per mil, ab a^o, que si la dita luitio se fara de 
cens, o censos que pertangan a senyors ecclesiastics, o laics a qui pertanyera 
la senyoria directa dels dits masos, ab vincle que aquella peruenga en per- 
sonas algunas, que la peccunia pagadora als dits senyors per causa de la 
luitio, y quitament del dit cens hajan de posar los dits pagesos en la taula 
de la ciutat de Barcelona, per esmer^ar aquella per Indemnität dels dits 
senyors, o senyoras.'" — Die in diesem Artikel erwähnte Verordnung aus 
Barcelona, wodurch die Verfügung des Königs Alfons aufgehoben, und die 
Wiedereinsetzung der Grundherren in ihre Rechte ausgesprochen wurde, er- 
ging im Jahr 1481 ; sie steht abgedruckt in den Const. Cath. Buch 4 Tit. 29 
Art. 6, S. 382, unter der Ueberschrift : „Ferrando segon en la primera Cort 
de Barcelona, Any 1481, Cap. 15.^^ Vgl. auch die Oeschichtserzählung bei 
Qurita lib. 20 fol. 346 (Rückseite). 

^ Vgl. Art. 2 des Urth. v. 21. April 1486 und die dazu erlassene Decla- 
ration vom 9. Jan. 1488, Art. 1, Pragmat. Drets S. 106—108 

^ Zu Art. 7 wurde die Ausführungsverordnung vom 9. Jan. 1488 (Pragmat. 
Drets S. 109) erlassen. 

^ Dieser Artikel wurde bezüglich der Minderjährigen durch Art. 2 der 
Declaratoria vom 9. Jan. 1488 (Pragmat. Drets S. 107) gemildert. 

* Die Stelle lautet: „a pagar los ous apellats de cugul^^ Marichalar und 



Kapitel 70. Schiedsurtheil vom 21. April 1486 (Catalonien). 301 

Besthaupt nach ihrem Tode, für die Einwilligung zu ihrer Be- 
erdigung, zu begehren; e) den Bauern den Gewerbsverkauf von 
Weizen, Hafer, Wein und andern Sachen zu untersagend In 
Art. 10 und 11 wird über eine grosse Zahl von Reallasten an- 
geordnet, dass sie nur dann und insoweit gefordert werden 
können, als entweder Heberegister vorgelegt werden, worin 
sie verzeichnet stehen, oder bezüglich verbrannter oder sonst 
verlorener Heberegister der Verlust und der frühet-e Inhalt nach- 
gewiesen wird, oder die einzelnen Berechtigungen auf recht- 
mässiger possessio longi temporis beruhen. Die Berechtigungen 
sollen nicht gelten, wenn die dafür vorgelegten Heberegister ge- 
fälscht, oder die Berechtigungen durch Arglist oder auf prekäre 
Art entstanden sind. Alle hiernach nothwendigen Beweise sollen 
binnen fünf Jahren vor dem König oder vor dessen Deputirten 
geführt werden*. Die Art. 12 und 13 treffen Bestimmung über 

Manrique (Bd. 6 S. 500) gestehen ihr Unvermögen, diese Stelle zu erklären. 
Das Wort „cugul" heisst Maulesel; und „ous*' ist vielleicht aus usus in der 
Bedeutung einer Abgabe zu erklären. Indessen ist der Sinn einer Abgabe, 
die den Namen „cugul^^ führte, nicht verständlich. 

^ Art. 9 des Urth. v. 21. April 1486 (Pragmat. Drets S. 100): „Item sen- 
tentiam, arbitram, e declaram, que los dits senyors no pugan pendre per didas 
pera sos fills, o altres qualseuol creaturas las mullers dels dits pagesos de 
remeuQa, ab paga, ne sens paga, menys de lur voluntat, ni tampoc pugan 
la primera nit que los pages pren muller dormir ab ella, 
o en senyal de senyoria, la nit de las bodas, apres que la 
muller sera colgada en lo lit, passar sobre aquell, sobre 
la dita muller, ni pugan los dits senyors, de la filla, o fiU del pages, 
ab paga, ni sens paga seruir se dell, sens sa voluntat, ne pugan com- 
pellir los dits pagesos a pagar los ous apellats de cugul, ni dret de flas- 
sada de cap de casa, la quäl se preten, que quant moria lo pages, lo senyor 
lals prenia, e nols dexaua soterrar, fins que la millor flasada de casa se hauia 
presa, ne tampoc pugan los dits senyors, o senyoras per respecte de la senyo- 
ria que sobre los dits pagesos tenen (puix no sie per respecte de la senoria 
del castell, o iurisdictio) fer los prohibitions que no venan forment, ciuada, 
vi, e altras cosas amenut, e si tals prohibitions per los dits senors los eren 
fetas, pronuntiam, e declaram, aquellas esser nuUas, e que aquellas no ob- 
stants, los dits pagesos pugan vendre, e axaugar per menut, e com ben vist 
los sera los dits forments, ciuada, vi, e altras cosas, sens licentia, e permis 
dels dits senyors." Vgl. Sempere S. 246, 247; Sugenheim 1861, S! 35; 
Marichalar Bd. 6 S. 500 ; Wolf S. 73. 

2 Die grosse Mannigfaltigkeit der in Art. 10 und 11 behandelten Abgaben 
und Lasten erhellt aus de)n Anfang des Art. 10: „Item sententiam, declaram, 
e arbitram, que los pagesos no sien obligats pagar poUs de astor, ni pa de 
ca, ni dret appellat brocadella de cauall, ni tanpoc los dits seSors pugan 
compellir los dits pagesos a vsos appellats cussura, enterca, alberga, menjar 
de balles, pernas de carnsalada, arages, molto, e anel magenc, porc, e ouella 



302 Kapitel 70. Schiedsurthell vom 21. April 1486 (Catalonien). 

die Frage, ob und inwieweit jene Bauern zur Veräusserung ihrer 
beweglichen und unbeweglichen Habe berechtigt sind. Art. 14 
betrifft Aufbringung der Kosten für Unterhaltung der königliehen 
Schlösser. Art. 15 handelt vom Beweis zur Feststellung verschie- 
dener Grrundlasten ^. Die Art. 16—18 enthalten allgemeine Be- 
stimmungen über die Tragweite der Entscheidung, dass dieselbe 
nämlich: a) sich nur auf diejenigen grundherrlichen Dienste und 
Abgaben bezieht, die aus dem Besitz von Grundstücken erwach- 
sen, also nicht auf diejenigen, die sich auf einen andern Reehts- 
grund stützen (Art. 16); b) unbedingt Geltung haben soll, un- 
geachtet aller entgegenstehenden Gesetze und Gewohnheitsrechte 
(Art. 17); c) für kirchliche Personen nur unter dem in Art. 18 
gemachten Vorbehalt der päpstlichen Zustimmung in Wirksamkeit 
tritt. In Art. 19 — 21 werden die Bauern wegen der verübten 
Gewaltthätigkeiten zur Wiederherstellung (Art. 19), Strafe (Art. 20) 
und Schadenersatz (Art. 21) verurtheilt. Der Art. 19 bestimmt 
eine Frist von zehn Tagen für die Herausgabe der königlichen 
Schlösser und Festungen. Der Art. 20 verhängt gegen die in 
einer verschlossenen Anlage verzeichneten Hauptverbrecher die 
Todesstrafe mit Vermögenseinziehung , unter dem Vorbehalt , aus 



ab let, scanal de porc, vi de trescol, vi appellat den besora, sistella de raims, 
carabassa de vi, feix de palla, cercols de bota, mola de moli, ni adob de resclo- 
sas, blat de acapte, jouas, batudas, jornals, podadas, femadas, segadas, traginas, 
e altres semblants drets, e seruituts personala." Dann folgen die näheren Vor- 
schriften, wovon oben (im Text von S 301) ein Auszug gegeben ist. Vgl. Sem- 
pere S. 247, wo leider eine deutsche Uebersetzung der Urkunde fehlt. Die 
meisten der bezeichneten Ausdrücke sind in dem catalonisch-spanischen Wörter- 
buch von Labernia nicht zu finden, was zu der Vermuthung berechtigen dürfte, 
dass die fraglichen Dienste und Abgaben in dei^ neuern catalonischen Sprache 
unbekannt sind. Viele der bezeichneten Lasten scheinen in der an den 
Grundbesitz der Bauern geknüpften Verpflichtung zu Lieferungen bestanden 
zu haben, z B. von jungen Falken (polls de astor), von Pferde-Geschmeide 
(brocadella de cavalls) , von Fassreifen (cercols de bota) , von Mühlsteinen 
(molas di moli), von gesalzenen Schinken (pernas de carn salada, Beinen von 
gesalzenem Fleisch), oder zu andern Handlungen, z. B. Gestellung von Fuhr- 
werken (traginas), Beschneiden von Bäumen und Reben (podadas), Besorgung 
von Herbergen (alberga). Beihülfe bei Treibjagden (batudas), gemeinschaft- 
lichen Arbeiten (jovas) und Tagelohnarbeiten (jornals). Weiter ist es mir 
nicht möglich, die einzelnen Lasten zu erklären, selbst da, -^vo die Wörter an 
und für sich leicht zu übersetzen sind, z. B. porc (Schwein), ovella ab let 
(Schaf mit Milch, also Mutterschaf), scanal de porc (Schweine-Gedärm), 
arages (Ackerfeld). Auch können sich in den vorstehenden Erklärungen Irr- 
thümer finden. 

^ Aufgezählt werden „delmes, primicias, censos, tascas, quints, quarts, 
e altres drets reals". 



Kapitel 70. Schiedsurtheil vom 21. April 1486 (Catalonien). 303 

wichtigen Gründen eine Umwandlung dieser Strafe eintreten zu 
lassen, und verurtheilt alle übrigen Bauern zu einer blossen Geld- 
strafe von 5000 Liuras, unter Erlass einer gegenüber dem Oheim 
des Königs eingegangenen Verpflichtung. Die Entschädigung für 
die Grundherren ist in Ai;t. 21 auf zusammen 6000 Liuras fest- 
gesetzt. In Art. 22 wird den Grundherren aufgegeben, die noch 
in ihrer Gefangenschaft gehaltenen Bauern freizulassen. Der 
Art. 23 richtet an die zuständigen kirchlichen Behörden das Er- 
suchen, die im canonischen Prozess gegen Bauern eingeleiteten 
Untersuchungen einzustellen und die gegen dieselben ausgespro- 
chenen Excommunicationen aufzuheben. Nach Art. 24 sollen 
alle Streitigkeiten der Parteien durch dies Urtheil entschieden 
sein, daher die schwebenden Einzelprozesse eingestellt, und 
keine neuen Civil- oder Straf-Prozesse wegen der Vergangen- 
heit zugelassen werden. Art. 25 enthält eine Verfügung zu 
Gunsten des Vicekanzlers Alfonso de Cavalleria. Art. 26 setzt 
die Bedingungen fest, unter denen andere Bauern als die pagesos 
de remenga sich den Bestimmungen dieses Urtheils unterwerfen 
können. Art. 27 bestimmt, wann und inwieweit das Urtheil für 
andere als die durch Schiedsrichtervertrag vereinigten Grundherren 
und Bauern in Kraft treten soll. Art. 28 endlich behält dem 
König das Eecht vor, nöthigenfalls dies Urtheil auszulegen, zu 
ergänzen und zu berichtigen. 

Also wurde durch das Schiedsurtheil vom 21. April 1486 
eine grosse Zahl mannigfaltiger Streitigkeiten entschieden. Wäh- 
rend die sechs sogenannten mals usos in den fünf ersten Artikeln 
in Geldleistungen verwandelt wurden, erfolgte in Art. 9 die Auf- 
hebung von verschiedenen Missbräuchen ohne Entschädigung. Es 
ist daher ein Irrthum, anzunehmen, einer der im ersten Artikel 
aufgezählten mals usos, nämlich die Forma despoli forgada, 
habe nach Art. 9 darin bestanden, dass sich der Grundherr bei 
Heirathen seiner Bauern in der ersten Nacht in das Bett der 
jungen Frau legte, bevor ihr Mann sie berührte *. Auch ist eine 



* Dieser Irrthum findet sich bei Pujades lib. 6 cap. 152 num 11 und 12 
(Bd. 4 S. 336); Marichalar Bd. 6 S. 67; Lagröze 1864, S. 131, 132, und 1867, 
S. 398. Es ist unerklärlich, wie Pujades ein „Zeichen der Einwilligung oder 
Unterschrift" zum Ehevertrag darin finden konnte, dass der Grundherr sich in 
das Bett legte. Pujades giebt selbst zu, dass seine Erklärung schwer glaub- 
haft sei; und er vermag gegen die ihm entgegenstehende Erklärung Solsona's 
kein sprachliches Bedenken zu erheben. Er meint nur, die Beschreibung, welche 
er von der Ferma despoli for^ada gebe, sei in Art. 9 des Urtheils vom 21. April 
1486 direct ausgesprochen und müsse deshalb trotz ihrer Unglaubwürdigkeit als 



304 Kapitel 70. Schiedsurtheil vom 21. April 1486 (Catalonien). 

solche Annahme mit den Worten ^ forma despoli for^ada** unver- 
einbar *; und es würde unbegreiflich sein, wenn König Ferdinand 
der Katholische als Schiedsrichter über das Herrenrecht der ersten 
Nacht dasselbe nicht gänzlich aufgehoben, sondern in eine öeld- 
abgabe verwandelt hätte ^. Es kann sich nur fragen , ob zu den 
Missbräuchen, die thatsächlich bestanden und nach Art. 9 gänz- 
lich beseitigt werden sollten , die Ausübung eines vermeintlichen 
jus primae noctis gehört hat. Für diese Frage ist der zweite 
Satz dieses Artikels ^ näher zu prüfen. Die wörtliche TJeber- 
setzung lautet: „Ebensowenig können sie (d. h. die Grundherren) 
in der ersten Nacht, wenn der Bauer heirathet, mit seiner Frau 
schlafen oder zum Zeichen der Herrschaft in der Hochzeitsnacht, 
nachdem die Frau sich zu Bett gelegt hat, über sie, die genannte 



richtig angenommen werden. Allein gerade darin liegt der Irrthum von Pujades, 
dass er den Art. 9 auf die sechs sogenannten mals vsos (oder einzelne derselben) 
bezieht. — Derselbe Schriftsteller sucht an einer andern Stelle seines Werkes 
(lib. 6 cap. 152 num. 2 und 3, Bd. 4 S. 332, 333), unter Berufung auf die Be- 
richte von Pedro Tomich, Francisco Calza und anderer Schriftsteller, den 
Nachweis zu führen, dass die sechs sogenannten mals vsos nicht lange Zeit nach 
Karl d. Gr. durch die Mauren in Catalonien eingeführt und auch nach Ver- 
treibung der Mauren zur Strafe für diejenigen Christen, die ihre Hülfe im 
Kriege gegen die Mauren verweigert hätten, nämlich die pagesos oder vasallos 
de remeuQa, aufrecht erhalten worden seien. Also geht die (irrige) Meinung 
von Pujades dahin, dass jenes Herrenrecht der ersten Nacht durch die Mauren 
eingeführt und durch König Ferdinand den Katholischen in eine Geldabgabe 
verwandelt sei. Nach dem Gesagten irrt HelflFerich (S. 407 — 409), wenn er 
meint, Pujades gebe nicht an, woher er die Nachricht habe, dass die malos 
usos von den Arabern herrührten. 

^ Von esposa oder sponsa forzada ist in der Urkunde keine Rede; auch 
würde der Ausdruck firma de esposa forzada, d. h. Unterschrift der gezwun- 
genen Gattin (oder Braut), in den Zusammenhang nicht passen. Daher sind 
die sprachlichen Bemerkungen Liebrecht's (1874, S. 139, und 1879, S. 418) 
und des Deutschen Merkurs (vom 17. April 1880, S. 124) gegenstandslos. 

* Nach vorstehender Erklärung ist es ungerechtfertigt, dass Marichalar 
und Manrique gegen „die katholischen Könige" einen Tadel erheben, indem 
sie bemerken, ihre That habe (bloss) darin bestanden, dass sie die Verpflich- 
tung einführten, jenes Herrenrecht der ersten Nacht durch Summen haaren 
Geldes abzulösen. Marichalar Bd. 6 S. 68. 

^ Art. 9 des Schiedsurtheils vom 21. April 1486, oben S. 301 (aus der 
Ausgabe von 1589) ; ebenso bei Sempere S. 246. Vgl. auch Pujades lib. 6 
cap. 152 num. 11 (Bd. 4 S. 336); HelflFerich S. 408; Sugenheim 1861, S. 35; 
Marichalar Bd. 6 S 68 und 500; Wolf S. 61; Liebrecht 1869, S. 810j ebenso 
1874, S. 139, und 1879, S. 417. — Pujades fügt folgende spanische Ueber- 
setzung hinzu : „Ni tampoco puedan la primera noche que el labrador toma 
muger, dormir con ella; 6 en senal de senorio, la noche de las bodas, despues 
que la muger estarä en la cama, pasar sobre dicha muger." 



Kapitel 70. Schiedsurtheil vom 21. April 1486 (Gatalonien). 305 

Frau, hinüberschreiten. '^ Hier ist die Rede von einem Wahl- 
recht des Grundherrn, entweder mit der Frau zu schlafen oder 
nur ziim Zeichen der Herrschaft über sie hinüberzuschreiten. 
Diese Alternative klingt so sonderbar, dass es als wünschenswerth 
erscheint, nähere Aufklärung darüber zu erhalten, ob der Satz, 
wie er in der Ausgabe vom Jahr 1589 abgedruckt steht, mit der 
Urschrift vom Jahr 1486 übereinstimmt, oder ob etwa ein Ver- 
sehen in der Abschrift oder im Abdruck vorgekommen ist. Wenn 
catalonische Qrundherren im Ernst den Anspruch erhoben hätten, 
mit den Frauen ihrer Bauern in der Hochzeitsnacht zu schlafen, 
und wenn sie gar unternommen hätten, einen solchen Anspruch 
zur Durchführung zu bringen, so hätte dieser TJebermuth den 
Kernpunkt der Beschwerden bilden müssen, die von den Bauern 
gegen die Qrundherren erhoben wurden; und doch ist davon in 
der Entstehungsgeschichte des Schiedsurtheils keine Rede. Es 
wäre unerklärlich, dass in dem sonst gut geordneten Schieds- 
urtheil, welches achtundzwanzig Artikel enthält und im Druck 
zehn Folio-Seiten einnimmt, bloss vier Halbzeilen, mitten unter 
andern Bestimmungen, dazu dienen sollten, jene Nichtswürdigkeit 
zu beseitigen. Der König würde sich auch deutlicher ausgedrückt 
haben, wenn der fragliche Missbrauch die angegebene Bedeutung 
gehabt hätte ^ ; er würde nicht versäumt haben , in der Begrün- 
dung des Urtheils die Unsittlichkeit eines solchen Anspruchs her- 
vorzuheben; und er würde nicht vergessen haben, dies abscheu- 
liche Recht von der Bestimmung des Art. 16 auszunehmen, wo- 
rin er alle in Art. 1 — 15 bezeichneten Rechte bestehen liess, so- 
weit sie auf andern Gründen, als auf den Rechten des Ober- 
eigenthümers gegenüber den Besitzern der Bauemgrundstücke, 
beruhten K Alle diese Gründe nöthigen zu der Annahme , dass 



^ Dies ist auch die Meinung des Herrn Manuel de BofaruU, der mir ge- 
schrieben hat: . . . „pues a no ser una f6rmula, hija de un abuso, nada 
costaba al legislador que corregir las costumbres, expresar claramente el acto 
de violacion del Senor, y derogar la ley que le facultase, si alguna hubiese 
existido.^ 

< Art. 16 des Schiedsurtheils v. 21. April 1486, Pragmat. Drets S. 102: 
„Item, per que no es nostra intentio, pronunciar quant als dits sis mals vsos,' 
Servituts, censos, e tascas, e altres drets desusdits tansolament entre los dits 
senyor, o seSors, e los pagesos que son dells per respecte de masias, o casas 
que dells tenen, e no per respecte de senyoria de castell, loc, terme, o juris- 
dictio, segons que en diuersos capitols es estat sufficientment exprimlt, pero 
a major cauthela declaram, que en la present nostra sententia, arbitratio, e 
declaratio, quant als dits drets solament sien compresos los senyors, e sefiyoras 
dels dits pagesos, e de qualseuuUa que han acostumai vssr dels dits mals 

Schmidt« Jus primae noctis. 20 



306 Kapitel 71. Navarra, Gastilien. Galicien, Aragon. 

• 

der Anspruch, der im zweiten Satz des neunten Artikels erwähnt 
wird, sich auf eine symbolische Handlung beschränkte. Hiernach 
wird diese Stelle, sofern kein Fehler im Abdruck- vorliegt, dahin 
verstanden werden müssen, dass die Grundherren als Zeichen 
ihrer Herrschaft über die Besitzer von Bauerngütern bei den 
Bauernhochzeiten das Recht in Anspruch nahmen, in der Hoch- 
zeitsnacht über die junge Frau, während dieselbe im Bett lag, 
hiaüberzuschreiten ^ ; und dass sie zur Rechtfertigung dieses Ge- 
brauchs, zufolge einer Art von Rechtsübertreibung, vorgaben, sie 
seien eigentlich zur Ausübung des bezeichneten weitergehenden 
Herrenrechts befugt, wodurch sie die symbolische Handlung 
scherzhaft erklärten. 

b. Navanra, Aragon, GMÜlion und Oalioion. 

Kapitel 71« In den spanischen Provinzen Aragon, Navarra 
und Castilien sind, wie die aus Anlass einer Schrift von Bascle 
de Lagrdze angestellten Nachforschungen ergeben haben, keine 
Spuren von einem jus primae noctis aufzufinden^. Diese An- 
nahme ist in Beziehung auf Navarra und Gastilien meines 
Wissens unbestritten. lieber Castilien bemerken Marichalar und 
Manrique: „Zur Ehre und zum Preise von Castilien sei es gesagt, 
dass wir Nichts gefunden haben, was die Existenz solcher Un- 
anständigkeiten beweisen könnte.^ ^ Dagegen in Aragon und 
auch in Galicien soll nach Behauptung von einigen Schrift- 
stellern der Neuzeit das jus primae noctis gegolten habend 

In Galicien „beschränkte sich das Herrenrecht der Un- 
keuschheit auf den ersten Tag der Hochzeit; dies Herrenrecht 
hiess Peyto Borddo und bestand in der Verpflichtung der Vasallen, 
ihrem Grundherrn die ehelichen Primizien anzubieten** ^. So sagen 
die Advokaten Marichalar und Manrique, ohne Quellenangabe. 

V808, e rebre las seruituts personals, o altras, no per 'causa de senyoria de 
la jurisdictioi o de casteU, loc, o terme de vna part, e solament sien compresos 
los dits pagesos, e o posseidors de las pagesias, casas, o masias del altra part, 
e no toc, ne comprenga a cosa alguna, que sie, o deuall de la jurisdictio, o 
preeminentias dels senyors dels castells, locs, o parroquias, o per raho de 
aqueUas. 

1 Vgl. oben Kap. 11. 

* Lagr^ze 1867, 8. 394—896; Helfferich S. 418; Augsb. Allg. Ztg. Beil. 
v. 18. AprU 1868, S. 1662. 

< Marichalar Bd. 6 S 68. . 

^ Wolf S. 90; Liebrecht 1869, S. 810, ebenso 1874, 8. 188, 140 und 1870. 
8. 416, 417. 

^ Marichalar Bd. 6 8. 67. Hier fehlt sogar jede Erkl&rung des Ausdrucks. 



Kapitel 71. Navarra, Castilien, Oalicien, Aragon. 307 

Wolf und Liebrecht bezeichnen dies Recht als jus primae noctis. 
Die Nachricht ist jedoch gänzlich beweislos, daher bis zu einer 
etwaigen näheren Aufklärung nicht zu berücksichtigen. Zwar er- 
hob einmal der Pächter des einem Kloster gehörigen Castello Torto 
gegen die Bewohner von Aranja ^ den Anspruch, dass ihre Frauen 
jährlich zwei- oder dreimal, selbst wider den Willen ihrer Männer, 
zum Kloster kommen müssten; diese Yerpflichtung wurde durch 
ein Urtheil aufgehoben, weil sie auf keiner Urkunde und keinem 
sicheren Privileg beruhte, und das Gericht annahm, dass diese 
Dienste unschicklich seien und üble Folgen haben könnten'. 
Allein es ist nicht gesagt, was die Frauen im Kloster thun sollten ; 
vielleicht handelte es sich um weibliche Frohndienste; keinenfalls 
kann aus dieser Urkunde der Beweis eines anstossigen Rechts 
entnommen werden ^. 

Yon Aragon behaupten Marichalar und Manrique, in Be- 
ziehung auf die Herrenrechte der Unkeuschheit sei die Stellung 
der Aragonier schlimmer gewesen, als die der Catalonier und 
Galicier, weil nämlich „in Catalonien und Galicien das Recht 
des Grundherrn sich auf den ersten Tag der Hochzeit beschränkte, 
dagegen die Grundherren in Aragon dies Recht vor und nach 
der Hochzeit hatten^ ; danach „konnten die Grundherren in Ara- 
gon kraft ihrer absoluten Herrschaft, wann und wie sie wollten, 
mit den Töchtern und Frauen der Yasallen Ehebruch treiben"*. 
Wäre dies richtig, so würde in Aragon nicht, wie einige deutsche 
Schriftsteller sich ausdrücken^, das jus primae noctis „im aus- 
gedehntesten Masse", sondern ein anderer Unfug geherrscht haben. 
Die Nachricht ist jedoch unbegründet, denn sie stützt sich auf 
keine zur Ermittlung geschichtlicher Thatsachen zulässigen Beweis- 
mittel, sondern lediglich auf folgendes Sophisma. Nach dem Ge- 
wohnheitsrecht von Aragon könne ein Herir für Uebelthaten, die 
er gegen seine Unterthanen beging, nicht bestraft werden, weil 
er keinen irdischen Richter über sich habe, abgesehen vom Bischof, 
der über die Sünde urtheile. Daher vermöge weder der Ehegatte 
seine Gattin, noch der Vater seine Tochter gegen den Herrn zu 
vertheidigen, ohne der Strafe eines Rebellen zu verfallen ; ebenso- 
wenig vermöge ein Weib gegen die Unkeuschheit des Herrn 



^ Yermuthlich ist hiermit Aranga in der Provinz Galicien gemeint. 

^ Lagr^ze 1867, S. 418 (aus einer durch Don Ramon Barros Slbelo ver- 
öffentlichten Urkunde). 

3 Lagr^ze 1867, S. 419. ^ Marichalar Bd. 6 S. 67. 

* Wolf S. 90; Liebrecht 1869, S. 810, ebenso 1874, S. 138, 140 und 
1879, S. 416, 417. 

20* 



308 Kapitel 72. Goxnera, Palma und Teneriffa. 

Widerstand zu leisten, so dass, wenn Keuschheit dem Leben vorzu- 
ziehen sei, das Weib in einem so bedauernswerthen Fall sich aus 
jenem Conflict nicht anders befreien könne, als indem es sich selbst 
das Leben nehme. Also hätten die Grundherren in Aragon die 
Rechte der Unkeuschheit yor und nach der Heirath ihrer Unter- 
thanen ausüben können ^. ESs wird nicht nöthig sein, • die logischen 
Fehler dieser Beweisführung einzeln zu erörtern. Wäre sie richtig, 
so würde sie auf die Herren, die keinen irdischen Richter über 
sich haben, nicht bloss in Aragon, sondern in allen Theilen des 
Erdkreises Anwendung finden. 

Till. Ganarisehe Inseln. Häuptlhifsreeht. 

Kapitel 72. lieber die Bewohner der Inseln Qomera und 
Palma, die Heinrich IH. von Spanien im Jahr 1395 entdeckte, 
wird in der Beschreibung einer im Jahr 1447 durch Portugiesen 
ausgeführten Reise zum grünen Cap gesagt : „ihre Häuptlinge 
hatten die Yorkost von allen Jungfrauen, die sich 
verheiratheten**. Manuel de Faria y Sousa schreibt darüber : 
„Die Weiber, die zu verheirathen waren, wurden 
zuerst von den Machthabern deflorirt, indem sie von 
denselben, wenn sie sich einander besuchten, zum 
Willkomm gegeben wurde^n.** Diese Berichte sprechen 
nicht von der Hochzeitsnacht und enthalten keine Angabe dar- 
über, ob die Jungfrauen freiwillig oder gezwungen sich den Ge- 
lüsten der Mächtigen überliessen. Wäre daher auch die Wahr- 
heit dieser Nachrichten, deren Quelle nicht bekannt ist, voll- 
ständig bewiesen, so würde aus der bezeichneten Unsitte doch 
ein Recht der ersten Nacht nicht hergeleitet werden können. 

Der Kaufmann Aloysius Cadamustus (Alvise vom Hause der 
Mosto) aus Yenedig unternahm im Jahr 1505 eine Schifffahrt im 
Auftrag des Fürsten Infanten Dom Hurick von Portugal. In der 
Beschreibung dieser Reise sagt er von den heidnischen Bewoh- 
nern der Insel Teneriffa: „Sie haben kein glauben vnnd wissen 
von keinem Gott zu sagen. Jeglicher eheret was jn gelust, etlich 
die Sonn, etlich den Mon, vnd die Planeten, den vnd andern 



1 Marichalar S. 66, 67. 

' Walckenaer Bd. 1 S. 76: „leurs ehefs avaient les pr^mices de toutes 
les vierges qui se mariaient^. Vgl. Demeunier Bd. 1 8. 237. 

' Faria y Sousa Bd. 1 Th. 1 Kap. 1 n. 12, S. 18, 14: . . . ^las mugeres 
que avian de caaar, primero las desfloravan sus Governadores : davanlas uno 
al altro por festijo quando se visitavan^. 



Kapitel 73. Der Chodschs der Dusik-Kurden. 309 

abgöttern dienen de mit gro88em aberglauben. Ire weyber haben 
sie nicht gemeyn, aber einer nimpt wie viel jm geliebt, ynnd 
die nemend sie nicht, sie sevend dann vor von dem 
Fürsten geschwecht, das selb ist bey jnen ein grosse 
eherevndlob/* In diesem Bericht ist von der ersten Nacht 
und von einem Herrenrecht keine Bede, obwohl dies von neue- 
ren Schriftstellern' behauptet wird. Cadamustus beruft sich auf 
Erzählungen, die er in Spanien von Gefangenen aus den Ein- 
wohnern Teneriffa^s gehört haben wilP. Es kann dahingestellt 
bleiben, ob solche Erzählungen genügen, um jenen Gebrauch zu 
beweisen; wäre nämlich diese Frage zu bejahen, so hätte der 
Gebrauch auf der Insel Teneriffa in einer Gnade bestanden, um 
deren Gewährung die Fürsten gebeten wurden ; insofern erinnert 
dieser Gebrauch an Herodot's Bericht über die Adyrmachiden ^ 
Es ist daher nicht gerechtfertigt, dass neuere Schriftsteller als 
geschichtliche Wahrheit verkünden, die Caziken auf Teneriffa 
hätten das jus primae noctis gehabt^. 

C. Galt das jus primae noctis in der Neuzeit? 

I. Asien. 

a. Der Ghodsoha (Priester) bei den Dasik-Earden. 

Kapitel 73. Otto Blau berichtete im Jahr 1862 über den 
Stamm der Dusik-Kurden , auf Grund von Nachrichten, die ein 



^ Cadamosto, Kap. 8, Bl. 3 Rückseite. — Auf derselben Seite ist an einer 
früheren Stelle von den Bewohnern Teneriffs's gesagt: „Sie haben auch acht 
ampt menner, die heissen sie Hertzogen, deren ämpter erben nicht.^ An 
einer späteren Stelle derselben Seite sind die Ausdrücke „Fürst^ und ^König^^ 
als gleichbedeutend gebraucht. Es scheinen also in dem obenstehenden Be- 
richt mit dem Ausdruck „Fürsten^ die Amtm&nner oder Herzoge oder Könige 
gemeint zu sein. 

^ Walckenaer Bd. 1 S. 300: . . . „Ils ne prenaient une vierge qu'aprös 
avoir prppos^ ä leur seigneur de passer la premiöre nuit avec eile; et ceux 
qui obtenaient cette grace, s'en croyaient fort honor^s.^ Daraus : Iselin Bd. 1 
S. 356, 357; CarU Bd. 1 S. 175; Th. Waitz Bd. 1 S. 460. 

3 Cadamosto Bl. 3 Rückseite: „Wo aber etwann ein spitzfündiger sagen 
wolt, woher weyst du das? dem gib ich die antwort, die umbligenden 
Insel die Christen sind, die vberfallen sie zum offtermal, vnd gemeynklich 
bey nacht, wa dann die vnglaubigen jm Scharmützel vnderliegen, so füren 
sie die Christen mit jnen gefengklich, man vnd weib, die also von jnen ge- 
fengklich jnn Hispaniam komen sind, die haben vns solche Ding von jnen 
gesagt.^ 

♦ Vgl. Kap. 33, oben S. 189. * Liebrecht 1879, S. 419, 420. 



310 Kapitel 73. Der Chodschs der Dusik-Kurden. 

türkischer (vormals preussischer) Artillerieoffizier, W. Strecker, 
bei einem Aufenthalt in Erzingän nach dortigen Erkundigungen 
niedergeschrieben hatte. Darin wird das jus primae noctis in 
folgendem Zusammenhang erwähnt: „Bei Hochzeiten wird die 
Braut mit Sang und Klang zu Pferd in das Haus des Bräuti- 
gams geführt. Der Priester (Ghodscha) hat das Vorrecht , sie 
vom Pferd zu heben; die Frauen tragen einen spitzen dach- 
artigen Kopfputz . . . Bei dem jährlichen grossen Fest 
hat der Ghodscha das jus primae noctis, indem er, nach- 
dem die Versammlung ihm die Handfläche geküsst hat, ausruft: 
Ich bin der grosse Bulle, kein Mastochse ! worauf die jüngst ver- 
heirathete der anwesenden Frauei^, welche womöglich erst an 
demselben Tage Hochzeit gemacht hat, zu ihm tritt und spricht : 
Ich bin die junge Kuh. Bei dieseil Worten werden die Lichter 
ausgelöscht, und die Orgien beginnen. ^^ Dies Zeugniss ist un- 
geeignet, ein jus primae noctis zu erweisen, da der Inhalt der 
Erzählung (abgesehen vom Mangel einer Angabe über die Quelle 
derselben) nicht ersehen lässt, wie jene Bezeichnung auf die 
fraglichen Orgien Anwendung finden soll. Weder von einem 
Recht des Ghodscha, noch von einem Hochzeitsgebrauch ist die 
Rede. Vielmehr wird von einem jährlich gefeierten Fest ge- 
sprochen, und dabei wird mit einer freilich unklaren Wendung 
(„womöglich*') hervorgehoben, dass selbst neuvermählte Frauen 
sich an jenen Orgien betheiligten. 

Ein Specialforscher über die Kurden, Peter Lerch, erhielt 
von der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu Sanct- 
Petersburg im Jahr 1856 den Auftrag, seine Studien durch per- 
sönlichen Verkehr mit den zu Roslawl (Gouvernement Smolensk) 
eingeschlossenen, kriegsgefangenen Kurden fortzusetzen; er ver- 
kehrte in Folge dessen mit einigen fünfzig Kurden von ver- 
schiedener Herkunft und verschiedenen Bildungsgraden vom 
7. März bis zum 26. Mai 1856; hierbei suchte er sich nicht bloss 
über die Sprache, sondern auch über die Sitten der Kurden zu 
unterrichten. Im Bericht, den er darüber am 19. Juni 1856 er- 
stattete, findet sich eine Andeutung von den Orgien der soge- 
nannten Lichterauslöscher, dagegen keine Erwähnung eines jus 
primae noctis'. 



i Blau S. 624. Daraus: Liebrecht 1879, S. 422. 

2 M^langes Asiat. Bd. 2 S. 621—649, aus dem BuU. histor.-philol. Bd. 14 
Nr. 5, 6. 



Kapitel 74. Kurdistan. 311 

b. Luraellten und Nestoritner in EordiBtan. 

Kapitel 74. Der Moldauer J. J. Benjamin^ der in den Jahren 
1846 bis 1855 Reisen in Asien und Afrika machte, stellt im 
dreizehnten Kapitel seiner Reisebeschreibung die Vermuthung 
auf, die jetzt in Kurdistan wohnhaften Juden 'und Nestorianer 
seien Nachkommen der durch die assyrischen Könige in Gefangen- 
schaft weggeführten Juden, aus den Stämmen Sebulon und Naph- 
tali. Er schreibt von ihnen, dass sie in Knechtschaft (Sklaverei) 
der Kurden lebten, mit Steuern belastet seien und Beschimpfungen 
von den Kurden erdulden müssten^ Alsdann fährt er fort: „Ein 
Gebrauch, der an die ganze feudalistische Barbarei des Mittelalters 
erinnert, ist das sogenannte Herrenrecht. Wenn ein junger Israelit 
oder Nestorianer heirathen will, so muss er seine Braut dem Herrn, 
dem sie angehört, abkaufen; denn durch den Heirathsvertrag 
kommt die junge Frau unter die Herrschaft eines andern Ge- 
bieters, und dadurch leidet der erste Herr einen Verlust der 
jährlichen Kopfsteuer, wofür stets eine Entschädigungssumme 
gefordert wird. Zudem soll die Braut, ehe sie in das Haus 
ihres Mannes einzieht, den Lüsten des Herrn dienen, was ein 
sehr alter, bei den Orientalen eingeführter Gebrauch zu sein 
scheint, denn schon die Talmudisten sprechen davon (Messechet 
Ketubot fol. 3, S. 2)^. Erst seit wenigen Jahren ist dieser 
empörende Missbrauch abgeschafft und in eine Geldabgabe ver- 
wandelt, wozu ein blutiger Vorfall die Veranlassung gab, da 
nämlich ein junges Mädchen nach verzweifeltem Widerstände 
ihren Ehrenräuber tödtete. Ein Missbrauch hat jedoch den andern 
ersetzt, das Recht des Herrn muss erkauft werden." ' Aus einer 
so unklaren und unbestimmten Erzählung ist kein Beweis zu 
entnehmen, bevor die einzelnen Thatsachen und deren Quellen 
näher bezeichnet sind. An denselben Mängeln leidet in noch 
höherem Grade ein Bericht Helff erich's , der lediglich auf der 
Erzählung Benjamin's beruht und daraus ohne nähere Begrün- 
dung folgert, dass Benjamin auf Ueberreste des jus primae noctis 
gestossen sei^ 



1 Benjamin Kap. 13 S. 90—93. 

* Vgl. darüber oben Kap. 29. 

' Benjamin S. 93, 94 unter IV. 

* Helfferich S. 411 : . . . „dass ein jüdischer Reisender unserer Tage in 
Kurdistan auf die eben erst beseitigten Ueberreste jenes persischen Satrapen- 
Despotismus stiess. Dort musste bis vor wenigen Jahren die Braut eines 
Nestorianers oder Israeliten, bevor sie in das Haus ihres Mannes einzog, sich 
dem Herrn, dem sie angehörte, hingeben, wie denn das Herrenrecht in eine 



312 Kapitel 75. Könige und Priester in Indien. 

e. Könige und Brabmanen in Ottindien. 

Kapitel 75. Dass den Königen oder sonstigen weltlichen 
Herren in Ostindien ein jus primae noctis zugestanden habe, 
wird meines Wissens von keinem Schriftsteller bestimmt behauptet. 
Aus einer dahin gehörigen Anmerkung von Tollius zu Lactantius 
ist nicht deutlich zu ersehen, ob sie sich auf Ostindien oder auf 
Westindien bezieht^; derselbe Zweifel ist bei einer Bemerkung 
von Giraud-Teulon ^ möglich ; und aus dem Wortlaut dieser Be- 
richte geht nicht einmal hervor, ob von einem Recht die Rede 
ist, und ob dasselbe den Königen oder den Priestern zustehen 
soll. Derartige unklare Behauptungen aus der Neuzeit verdienen 
wenig Beachtung. Zwar wird im Anhang zur Keisebeschreibung 
des holländischen Admirals Jakob van Neck über die Bewohner 
von Goa berichtet: „Bei Heirathen der grossen Herren besteht 
die Sitte, dass sie ihren Souverän bitten, die drei ersten Nächte 
mit der neuvermählten Frau zu schlafen . . . dergestalt, dass es 
in diesem Lande keinen Mann giebt, der mit seiner Frau den 
ersten Verkehr hat." ^ Doch erscheint diese Nachricht schon 
deshalb als unzuverlässig, weil sie den Gedankenfehler enthält, 
dass aus einem Satz, der bloss von „grossen Herren" handelt, 
eine Folgerung für alle Männer des Landes gezogen wird. 

Die Frage, ob den Priestern (Brahmanen) Ostindiens 
das jus primae noctis zusteht oder wenigstens früher zustand, wie 
einige Schriftsteller des neunzehnten Jahrhunderts versichern % ist 



Geldabgabe nicht früher verwandelt wurde, bis ein M&dchen nach verzweifeltem 
Widerstand ihren Ehrenräuber getödtet hatte^. 

^ Tollius zu Lact, de mort. pers. cap. 38: „Kotant per. . . Indiam pere- 
grinati morem illic locorum pervulgatum esse, ut sponsarum virginitas a 
Regibus vel Sacerdotibus delibetur.^ 

* Giraud-Teulon S. 69, 70: „On limita le jus primae noctis aux chefs, 
aux rois, aux prdtres, comme dans l'Inde, l'ancienne Abyssinie, et parmi 
les peuplades du Brasil et du P^rou.^ 

' van Keck bei Constantin Bd. 2 S. 253: „Quand les grands Seigneurs 
se marient, la coutume est qu'ils aUlent prier leur Souverain de coucher 
les trois premiöres nuits avec la Marine. Aprös cela, le Mari^ la va qu^rir, 
au son des flütes et des tambours, avec toutes sortes de r^jouissances , et 
alors il commence k coucher avec eile; si bien qu*en ce pays-lk 11 n'y a 
aucun homme qui alt eu le premier commerce avec sa femme.^ Daraus: 
v. d. ScheUing Bd. 1 8. 147 ; Chr. Arnold 8. 99, 100. 

♦ Gubernatis, Indie 8. 187, und üsi 8. 197, 198; Liebrecht 1879, S. 420. 
Dieselbe Frage ist bezüglich des Mittelalters und älterer Zeit oben in Kap. 45 
erörtert. — CoUin de Plancy behauptet (Bd. 1 8. 170), bei Verheirathung 
des Königs von CaUcut schliefen acht oder zehn Priester mit der Königin, 



Kapitel 75. Brahm&nen in Oatiudien. 313 

nach dem mir vorliegenden Beweismaterial mit Entschiedenheit zu 
verneinen. Allerdings wird in vielen Reisebeschreibungen erzählt, 
dass im Reich des Königs von Calicut (auf der Küste Malabar) ein 
Gebrauch bestanden habe, wonach der König und nach dessen 
Beispiel andere vornehme Männer bei ihrer Verheirathung einen 
Brahmanen gebeten hätten, die Defloration der Braut vorzu- 
nehmen. Allein selbst wenn dies vollständig bewiesen wäre, so 
würde ein solcher Gebrauch mit dem Namen Herrenrecht oder 
jus primae noctis nicht bezeich^et werden können, sondern auf 
eine religiöse Vorstellung zurückzuführen sein, kraft deren die 
Brahmanen die fragliche Handlung auf Ersuchen der betheiligten 
Männer vornahmen. 

Der älteste Bericht, den <ch über den fraglichen Gebrauch 
ermittelt habe, stammt aus dem Anfang des sechzehnten Jahr- 
hunderts, von dem römischen Patricier Ludwig von Varthema 
aus Bologna. Derselbe schreibt über Calicut: „Wenn der Kö- 
nig heirathet, so erwählt er den würdigsten und ge- 
ehrtesten Brahmanen und lässt ihn die erste Nacht 
bei seiner Frau schlafen, damit er sie deflorire. Man 
darf nicht denken, dass der Brahmane sich dazu gern versteht. 
Der König muss ihm dafür sogar vierhundert bis 
fünfhundert DuklEiten zahlen. Der König allein und 
kein Anderer in Calicut beobachtet diesen Ge- 
brauch.*'* An diesen Bericht (worauf an einer andern Stelle 



bevor der König ihr nahen dürfe; und an einer andern Stelle (Bd. 1 S. 176), 
in mehreren Staaten Indiens gehörten die drei ersten Nächte aller neuver- 
mählten Frauen den Priestern, die dies Herrenrecht ruhig ausübten. 

* Varthema (Uebers. der Ausg. v. 1510) S. 141, The chapter concerning 
the Brahmins that is the priests of Calicut : ^It is a proper, and at the same 
time a pleasant thing to know who these Brahmins are. You must know 
that they are the chief persons of the faith, as priests are among us. And 
when the king takes a wife, he selects the most worthy and 
the most honoured of these Brahmins and makes him sleep 
the first night with his wife, in order that he may deflower 
her. Do not imagine that the Brahmin goes willingly to perform this Oper- 
ation. The king is even obliged to pay him four hundred or 
five hundred ducats. The king only, and no other person in 
Calicut adopts this practice.^ Vgl. die deutsche Ausg. Vartoman's 
V. J. 1534, Buch 5, Kap. 4, Von den Priestern dess Königs von Calechut Bra- 
mini genant, Bl. 74: „Es dunckt mich nit vnlustig sein hie anzuzeygen die 
sytten vnnd gebreuch diser Priester, dann sie seind bey jnen, wie die fur- 
ncmbsten Pfaffen bey vns seind. So der König ein weib nimbt, so schlafft 
er nit bey jr, der farnembst pcjLester hab jr dann vor die Jungfrawschafft 
genommen, das thund die pfaffen auch nit vmb sunst, dann der König gibt 



314 Kapitel 75. Brahmahen in Ostindien. 

desselben Werks verwiesen wird *) erinnert der Inhalt zahlreicher 
Reisebeschreibungen aus späterer Zeit'. Hauptsächlich weichen 



einem noch fun ff hundert gülden zu lohn darzu, diese weys heldt sunst 
niemandts, dann der König von Calechut.^ Ausg. v. 1556 (ohne Seltensahl), Von 
denBramini, das sein die Priester zu Calicut: ^Wo der König ein Weibe nimpt, 
so nimpt er den wirdigsten vnder den Bramini (das war doch vnerhört, vnd 
vns frembd ding zu hören ist) vnnd lesst jhn die erst nacht bey seinem Ge- 
mahl schlaffen, das er jhr die Jungfrawschafft nemen soll, so gleissnen sie 
sich als vnwillig darzu, mit entschttldigung jhrer vntQchtigkeit darzu, der 
König soll ein andern bass geschickten nemen , so schenkt er jhm etwa, vier 
oder sechshundert Ducaten, vmb solch arbeit zu vollbringen, die bey 
vns on Gelt wol zu bekomen wer, das geschihet allein dem König zu grossen 
ehren." ^ 

• Varthema (Uebers. der Ausg. v. 1510), betr. den König von Tarnassari 
(d. i. heute Tenasserim), The chapter showiog how the king causes bis 'wife 
to be deflowered, and so also the other pagans of the city, S. 202 : ^^The king 
of the Said city does not cause bis wife's virginity to be taken by the Brah- 
mins, as the king of Calicut does, but he causes her to be deflowered 
by white men, whether Christians or Moors, provided they be not pagans. 
Which pagans also, before they conduct their wives to their house, find a 
white man, of whatever country he may be, and take him to their house for 
this particular purpose, to make him deflower ^is wife. And this happened 
to US when we arrived in the said city." (Dann folgt S. 202 — 204 die aus- 
führliche Erzählung eines eigenen Erlebnisses und des Abenteuers, welches 
der persische Begleiter Varthema's, Namens Cogiazenor , durchführte.) Ausg. 
V. 1534, Buch 6, Kap. 8, Bl. 80: „Wann dieser König eyn weyb nimbt, so 
gibt er sie nit den Pfaffen (wie der Künig von Calechut thüt) zu schwechen, 
sondern einem weissen man, der ein Christ oder Mahumetist sey. Einem Ab- 
gottischen gibt er dz nit zuthun. Die andern jnwoner des lands beschlaffen 
auch jre weyber nit, sie vberkommen dann vor ein weissen man, aus was 
land er jha kom, der jm sein weib zum ersten zufall bring. Dann sie wollen 
das andere man jre weiber vor hin brauchen, ehe dann sie bey.jnen schlaffen. 
Also begegnet vns als wir da waren". . . . (Folgt Erzählung des Abenteuers.) 
Ausg. V. 1556 (ohne Seitenzahl), Wie der König seinem Weib, vor vnd ehe 
er bey jhr schiäffet, die Jungfrawschafft nemen lässt, desgleichen auch die 
Edlen: ,.Die gemelten König der Stadt Tarnasseri halten von alter her die 
gewonheit , so der König ein Jungfraw zu Weib nimpt , so lässt er keinen 
Bramini odder Pfaffen die erst nacht bey jhr schlaffen , als der König £u 
Calicut, aber ein weissen Mann der muss nit Edel sein, er sey aber ein Christ 
oder ein Heyd, das hat nicht jrrung, den lässt er die erst nacht bey jbr 
ligen, das er jr die Jungfrawschafft neme Desgleichen thun die Edelen 
seines Reichs auch, vnd halten einen solchen sitten, ehmal vnd sie die Braut 
heim führen, suchen sie ein weissen Mann, er sey was glaubens er w51, den 
führen sie in der Braut Hauss, das er bey jr schlaffe, vnnd jr die Jungfraw- 
schafft nem, solchs widerfuhr auch mir". . . . Vgl. Linschot Buch 1, Kap. 7, 
S. 22; Francisci S. 937; C. P. Hoffmann 8. 59; Forbes Bd. 1 8. 416 (ans der 
engl, üebers. v. J. 1576); Jones 8. LXXIX; Badger 8. 196—198. 

2 Im Werk von Duarte Barbosa habe ich die fragliche Nachricht nicht 



Kapitel 75. Brahmsnen io Ostindien. 315 

dieselben von Yarthema darin ab, dass der Gebrauch , den nach 
Yarthema nur der König und kein anderer Mann beobachtete, 
bald allen vornehmen Männern, einschliesslich des Königs, bald 
allen Männern ohne Ausnahme zugeschrieben wird. Der Be- 
richt über die Reise, welche Caspar Balbi, ein Juwelen- 
händler aus Yenedig, in den Jahren 1579 bis 1588 ausführte, 
enthält zwei Stellen über den König und die Bewohner der Stadt 
Cocchi. In der einen Stelle wird gesagt: „Es sind in dieser Stadt 
Priester, die bei ihnen Brahminen heissen. Diese haben die Ge- 
walt, mit allen Frauen und Jungfrauen zu verkehren und sie 
[fleischlich] zu erkennen; selbst die Königin und deren Töchter 
sind davon nicht ausgenommen/ ^ Die andere Stelle lautet : „Ein 
Mann, der heirathen will, sei es der König oder einer sei- 
ner Unterthanen, schläft nicht als Erster mit seiner Frau, 
sondern schenkt ihre Jungfrauschaft einem von den Pfaffen, die 
bei ihnen Brahminen heissen. Diese nämlich haben die Freiheit, 
alle Wohnhäuser zu betreten und mit den Gattinnen, sowohl des 
Königs als auch aller Uebrigen, nach ihrem Gefallen zu verkehren, 
und zwar so, dass sowohl die Ehemänner wie die Brüder der 
Weiber den Pfaffen bei ihrer Ankunft aus dem Wege gehen 
und ihnen den Platz überlassen, mit den Ehefrauen ein heim- 
liches Einverständniss zu halten, indem sie dieselben für heilige 
Männer erachten, welche ihren Frauen und Töchtern den besten 
Unterricht im Gesetz ertheilen könnten. Daher gehen sie nicht 
nur gern aus dem Haus bei ihrer Ankunft, sondern sie wünschen 
sich auch Glück wegen dieser Ehre und verkünden sie mit Yer- 
gnügen ihren Yerwandten und Freunden** *. Bei Beschreibung 



gefunden, obwohl dasselbe auf S. 309—351 eine ausführliche Beschreibung 
von Malabar, namentlich von- den Sitten und Gebräuchen des Kaiserreichs 
Calecut, enthält. 

^ Balbi cap. 44, de itinere ex Martaban versus Cocchi (10. Febr. bis 
8. Okt. 1586), S. 120: .. . „Sunt autem in civitate hac [nämlich in Cocchi] 
sacerdotes qui Bramini ipsis dicuntur, hl potestatem habent conversandi cum 
Omnibus mulieribus virginibusque et eas cognoscendi, ne Regina quidem et 
Aliabus ejus exceptis.^ 

2 Balbi cap. 27, descriptio civitatis Cocchi (v. Jahr 1582), 8. 85 : ... „Uxo- 
rem ducturus, sive Rex sive alius quicunque ex subditis ejus, 
primus cum ea non dormit, sed virginitatem uxoris cuidam ex Sacrificulis, qui 
Bramini ipsis dicuntur, largltur. Hi enim libertatem habent aedes quascunque 
ingrediendi, et cum uxoribus tam Regis ipsius quam aliorum quoruincunque 
pro libitu suo conversandi, ita quidem, ut et mariti et fratres muUerum, ad- 
venientibus Sacriftc^lis cedant, locumque cum uxoribus coUudendi relinquant, 
habentes eos pro viris sanctissimis , qui in lege uxores et filias suas erudire 



816 Kapiiel 75. Brshmsnen in Ostindien. 

der Seefahrt, welche unter Führung des Peter Wilhelm Ver- 
huefen in den Jahren 1607 bis 1609 von Holländern und See- 
ländern nach Ostindien unternommen wurde, wird berichtet, die 
Unterthanen des Kaisers von Calicut hätten eine heidnische und 
abergläubische Religion und beobachteten bei Heirathen die Sitte, 
jfdsMS die Adeligen und Vornehmen ihre Braut in der 
ersten Nacht nicht anrühren, sondern irgend einen Brahminen 
oder Pfaffen, oder einen Mann von weisser Farbe, wo immer sie 
einen finden können für vierhundert oder fünfhundert G^ulden 
dingen, damit derselbe in der ersten Nacht mit der Braut schlafe 
und sie zum Beischlaf geeignet mache, wogegen die Männer aus 
dem gemeinen Yolke diese Sitte nicht beobachten, «ondern die 
Arbeit selbst verrichten*' ^ Der mecklenburgische Seefahrer Jo- 
hann Albrecht von Mandelslo, dessen Beisebeschreibung von 
Olearius herausgegeben ist, hielt sich in den Jahren 1638 und 
1639 in Ostindien auf. In dieser Reisebeschreibung finden sich 
drei Stellen, die an die vorstehenden Nachrichten von Yarthema, 
Balbi und Verhuefen erinnern. Die erste Stelle lautet: „Weil 
die Brahmanes für so heilige Leute gehalten werden, haben sie 
an etlichen Orten, sonderlich zu Calecut, nach ihrer Art 
treffliche gute Sache, und absonderliche Verrichtung bei für- 
nehmen Hochzeiten. Man bringet ihnen die Bräute zu, damit 
sie ihnen ihre Jungfrauschaft benehmen, wozu der Bräutigam 
dem heiligen Mann noch Geld geben muss. Denn die einfältigen 
Leute meinen, sie fangen ihren Ehestand mit sonderlicher De- 
votion und Gottesfurcht an, wenn sie ihren Abgöttern durch dero. 
Pfaffen die Erstlinge ihres Beischlafs opfern und zueignen. Die 



quam optime possint. Unde non solum domo libenter sub eorum adventum 
exeunt, sed ctiam sibi de dignitate hac ex animo gratulantur, eamque vicinis 
et amiois suis gaudio praedicant.^ Ein Keim für diese Erzählung findet sich 
schon bei Yarthema 8. 144 (s. oben Kap. 6 S. 33, Anm. 2). 

* Verhuefen S. 26, religio populorum Calicuthensium: . . . „Praeterea 
Solem etiam et Lunam adorant, et circa matrimonia hunc morem observant, ut 
qui nobiles proceresque sunt, sponsam prima nocte non attingant, sed 
Braminem sive sacrificulum quendam, vel albi coloris hominem, ubiennque 
etiam eum invenire possint, pro quadringentis vel quingentis florenls con- 
ducunt, qui prima nocte cum sponsa dormiens ad coitum eam aptam reddat. 
Verum qui promiscuae plebis sunt, morem istum non observant, sed ipsimet 
labore Isto facile defunguntur/^ Diese Darstellung erinnert an die beiden an- 
geführten Stellen von Varthema (oben S. 313 und 314), die miteinander ver- 
bunden zu sein scheinen. Auf Verhuefen sind zurückzuführen : Chr. Arnold 
8. 100; Francisci (1670) 8. 936; C. P. Hoffmann (1720) 8. 59; v. d. Schelling 
(1727) Bd. 1 8. 147. In diesen Schriften wird auf das Tagebuch des Admirals 
van Caerden verwiesen. 



Kapitel 75. Brahmanen in Ostindien. 317 

Brahmanes stellen sich bisweilen an, sonderlich bei Reichen, als 
wenn sie es nicht gerne thäten, müssen derowegen mit Geld da- 
zu erkauft werden. Wenn fürnehme Herren oder EauCleute von 
ihren Weibern verreisen müssen, nehmen sie einen solchen hei- 
ligen Yater in ihr Haus, die Frau zu bewahren, damit sie nicht, 
wenn ihr etwa eine Lust ankäme, mit Andern Unzucht treiben 
möge; mit Priestern aber habe es Nichts zu bedeuten/^ An 
der zweiten Stelle wird aus der Reise des Herrn von Mandelslo 
vom Jahr 1639 über die Bewohner des Landes Malabar, nament- 
lich der Städte Canamor, Cotschin und Calecuth, be- 
richtet, dort bestehe „der Gebrauch, dass keine Jungfer ver- 
trauet wird, es sei ihr denn zuvor die Jungferschaft durch einen 
ihrer Pfaffen genommen, dem dafür eine Summe Geldes gegeben 
wird", und von diesem Gebrauch sei „auch des Königs 
Braut nicht ausgeschlossen" ^ Die dritte Stelle ist eine 
Anmerkung von Olearius, wonach „ihre Geistlichen, die Brah- 
manes, nicht allein der Königin die Jungfrauschaft benehmen, 
sondern auch hernach sie gar oft besuchen, in ihrem Gesetze 
sie zu unterrichten, und wenn der König verreist, der Königin 
Gesellschaft zu leisten "^ Der Kapitän Alexander Hamilton, 
der die Jahre 1688 bis 1723 in Ostindien zubrachte*, schreibt 
über das Reich des Samorin und seine Hauptstadt Galicut: 
„Wenn der Samorin heirathet, so soll er mit seiner Braut 
nicht zusammenwohnen, bevor der Nambourie oder Hauptpriester 
sie genossen hat; und wenn es (dem Letzteren) beliebt, kann er 
drei Nächte ihre Gesellschaft haben, weil die ersten Früchte 
ihrer Hochzeit ein heiliges Opfer für den Gott, welchen sie an- 
betet, sein müssen; und Ginige von Adel sind so gefällig, 
der Geistlichkeit denselben Tribut zu gewähren; dagegen dem 
gemeinen Yolk kann man nicht dies Compliment (der Gefällig- 
keit) machen, denn sie sind gezwungen, die Priester-Plätze selbst 
einzunehmen.^ ^ Aus diesen Berichten erklären sich auch einige 



^ Mandelslo Buch I Kap. 38, von den Bramanen und Bramma, S. 81, 82. 

2 Mandelslo Buch 2 Kap. 10, von den Malabaren, S. 100, 101. 

3 Olearius zu Mandelslo, Buch 2 Kap. 10 S. 101 Anm. c 

^ Alexander Hamilton gehört zu den Ersten, die sich mit Sanskrit be- 
schäftigten. Er war Lehrer von Friedrich v. Schlegel, der das Sanskrit in 
Deutschland zuerst bekannt machte. Vgl. Didot Bd. 28 S. 251. 

^ Hamilton S. 873, 874: . . . „When the Samorin marries, he must not 
cohabit with his bride, tiU the Nambourie or chief priest has enjoyed her, 
and if he pleases, may have three night« of her Company, becanse the first 
fruits of her nuptials must be an holy oblation to the god she worships: and 



318 Kapitel 75. Brahmanen in Ostindien. 

minder bestimmte Kachrichten des achtzehnten Jahrhunderts ^. 
Die von Hamilton gebrauchten Ausdrücke Samorin (Zamorin) 
und Nam))ourie, die in der Sanskrit-Litteratur nicht vorkommen, 
mögen arabischen Ursprungs sein und von den in Malabar ein- 
gewanderten Muhammedanern herrühren. Zur Zeit, als die Por- 
tugiesen unter Yasco de Gama vor Calicut landeten (20. Mai 1498), 
hiess der König von Calicut „Samorin^ (d. i. Gott auf der Erde) 
in seiner Eigenschaft als Kaiser oder Oberherr der Könige (Rajas) 
von Malabar^; die Priester wurden als Brahmanen betrachtet 
und so bezeichnet, Messen aber eigentlich Nambüries ^; die Edel- 
leute führten den Namen Nairs^. 



8ome of the nobles are so complaisant as to allow the clergy the same tribute ; 
but the common people cannot have that compliment paid to them, but are 
forced to supply the priests places themselves.^ Daraus: Lagrdze 1867, 
8. 398; Badger S. 141; Giraud-Teulon S 70; Kulischer S. 223. 

* Hachenberg diss. V § 12 S. 122; Pars S. 182; v. d. ScheUing Bd. 1 
ä. 147; Kestner S. 4. 

• Varthema Ö. 134 (am Ende des ersten Buchs): „Now I will speak of 
the king here in Calicut, because he is the most important king of all those 
before mentioned, and is called Samory, which in the x>agan language means 
Ood on earth''; Faria y Sousa Bd. 1 Th. 1 Kap. 4, S. 84 und Kap. 9, S. 84; 
Porbes Bd. 1 S. 412; Day S. 73 ff.; Wheeler Bd. 3 S. 407—414, 422, 
423. 447. — Wie Faria y Sousa (Bd. 1 Th. 1 Kap. 9 S. 84) und nach seinem 
Vorgang einige neuere Schriftsteller (Jones S. LXII und Wheeler Bd. 3 
S. 422, 423) berichten, wurde damals erzählt, vor ungefähr sechshundert 
Jahren (also gegen 900 n. Chr. G.) habe in Malabar und zugleich in Quilon 
ein mächtiger König geherrscht, der den Islam annahm und muselmännischen 
Kauileuten die Erbauung der Stadt Calicut gestattete; dieser König habe 
kura vor seinem Tode in Quilon (Coulam oder Travancore) das geistliche 
Haupt der ««Religion der Brahmanen^ unter dem Titel „Cobritim**, d. i Hoher- 
priester, eingesetzt und seinem KefTen unter dem Titel Zamorin, mit der Resi- 
denz Calicut, die weltliche Gewalt übertragen; später sei die geistliche Würde 
von Coulam nach Coehln übergegangen, dagegen die weltliche Sonveriüiet&t in 
Calicut verblieben. Der König von Malabar habe dann eine Pilgerfahrt nach 
Mecca unternommen und sei auf der Seefahrt ertrunken. Auch wurde er- 
zählt« die Würde des Zamorin sei dadurch entstanden, dass zwanzig Könige, 
welche vormals in Malabar regierten, unter sich einen Schiedsrichter er- 
wählten. (Wheeler Bd. 3 S. 423« 424.) 

' Der Name soll von namboo« d. 1. Ruder, herzuleiten sein und sich im 
$taat Cochin bloss auf einen Theil der Brahmanen bezogen haben. Day 
S, 299, 300« 

« Varthema (L>bers. der Ausg. v, 1510) S. 141, 142: „The fini dass of 
pagans ia Ctdicut are called Brahmins. The second are NaerL who are the 
^kame as the gentlefolks amoogst us: and these are obliged to bear sword 
and shield or bows or lanees. Wliea they go thiougk the street , tf they 
did not carry arms, they would no longer be gentlemen. The thifd claas of 



Kapitel 75. Brahmanen in Ostindien. 319 

Aus einer Yergleichung der vorstehenden Berichte erhellt, dass 
sie sich in wichtigen Punkten widersprechen, daher mit Vorsicht 
aufzunehmen sind. Der wichtigste ist der von Yarthema. Im 
Allgemeinen gilt Yarthema als ein Mann, der Glauben verdient ^ ; 
und der Inhalt seines Buchs macht zum grössten Theil auf den 
Leser den Eindruck der Glaubwürdigkeit, obwohl nicht bekannt 
ist, ob und wie Yarthema die Materialien auf der Reise aufge- 
zeichnet hat '. Allein gleichwohl können seine Angaben für sich 
allein nicht genügen, um die Wahrheit seiner Erzählungen zu be- 
weisen. Ferner giebt er nicht an, wie er den fraglichen Gebrauch 
des Königs von Calicut erfahren habe. Zudem zeigen die vielen 
Abweichiingen in den verschiedenen Ausgaben seiner Keisebe- 
schreibung, dass zu jener Zeit, als dieselbe zur Belehrung und 
Erheiterung des Publikums erschien, eine strenge Kritik und 
Genauigkeit bezüglich der einzelnen Erzählungen nicht beob- 
achtet wurde. An denselben Mängeln leiden in noch höherem 
Grade die späteren Keisebeschreibungen , insoweit als sie von 
Yarthema abweichen. Die Darstellung Hamilton's macht den 
Eindruck, als beruhten die Nachrichten, die er bei seinem Auf- 
enthalt in Indien gehört haben mag, auf Entstellung der oben 
(Kap. 27 8. 157) erwähnten religiösen Yorschriften über die Ent- 
haltsamkeit neuvermählter Ehegatten. 

Mit Rücksicht auf die Polyandrie, die bei den Nairs in Ma- 
labar herrschte und dem Anschein nach noch nicht ausgerottet 
ist^, können manche Erzählungen über geschlechtliche Unsitten 
aus jenem Lande für glaubhaft gelten, z. B. die Nachricht, dass 
im neunzehnten Jahrhundert die Tambure tti, d. i. die weiblichen 
Nachkommen des Zamorin, regelmässig durch Namburi-Brahmanen 
geschwängert würden^; und die Angabe, dass bei der zur Secte 



pagans are calied Tiva, who are artizans. The fourth class are called Mechua, 
and these are flshermen. The fifth class are called Poliar, who collect pepper. 
wine, and nuts. The sixth class are called Hirava, and these plant and 
gather in rice. These two last classes of people, that is to say, the Poliar 
and Hirava, may not approaoh either the Naeri or the Brahmins within fifty 
paces^ . . . Vgl. Linschot Buch 1, Kap. 42, S. 61, 62; Faria y Sousa Bd. 1 
Th. 1 Kap. 4 S. 34; Wheeler Bd. 3 S. 424, 425. 
» Vgl. Jones S. I und LXVII. 

2 Vgl. Jones S. LXVH und LXVIH. 

3 Vgl. darüher oben Kap. 6 S. 35, 36. 

^ Forbes Bd. 1 S. 417 (aus Fr. Buchanan) : „All the children of the Tam- 
buretti, or females of the family, are still of the highest dignity : these ladies 
are generally impregnsted by Namburl brahmins ; for any intercourse between 
them and their husbands would be reckoned scandalous" • • •; Badger S. 141. 



320 Kapitel 75. Brahmanen in Ostindien. 

der Yaishnaviten gehörigen Ackerbaukaste der Tottiyars die Oiirus 
das Vorrecht hätten , nach Belieben mit den Frauen ihrer Schüler 
zu schlafen ^. Allein ein auf die Hochzeitsnacht oder auf die 
drei ersten Nächte beschränktes Recht der Priester ist aus der 
Polyandrie nicht zu erklären und damit nicht zu vereinigen. 

Was im Yorstehenden von den Malabaresen ^ und zuletzt 
auch von einigen andern Dravida-Yölkem gesagt ist, kann zu 
keinen Folgerungen für die zum Gebiet der Hindu-Beligion ge- 
hörigen Yolksstämme benutzt werden, da die Sitten, Gebräuche 
und Rechtseinrichtungen der Dravida-Yölker von denen der Hindu- 
Yölker weit verschieden sind ^. Jedoch sind in der Neuzeit auch 
die guten alten Sitten mancher Hindu- Yölker durch die aber- 
gläubischen Gebräuche zahlloser Secten verdrängt^. In sehr un- 
günstigem Licht erscheint eine dieser Secten nach dem Ergebniss 
eines Pressprozesses, der im Jahr 1862 vor dem englischen höch- 
sten Gerichtshof zu Bombay stattfand und grosses Aufsehen er- 
regte ^. Er betrifft eine aus der Yaishnava-Secte (den Yerehrern 
des Gottes Yishnu) ^ im sechzehnten Jahrhundert hervorgegangene 
Gemeinschaft, die Yallabhächaris oder Rudra Sampradäya, deren 
Stifter, Yallabha oder Yallabhächärya (im Jahr 1479 nach Chr. 
Geb. in einem wilden Walde geboren^) als eine Incarnation 
des Gottes Krishna verehrt wurde ®. Yiele ihrer Anhänger 
glaubten, von dein Stifter ihrer Religion und von dessen Nach- 
folgern hätten ihre Oberpriester, die Mah&r&jas (d. i. grosse 
Könige), sämmtlich die Würde erhalten, dass sie nicht bloss als 



* Nelson S. 141: ... „They have Gurus of their own easte, instead of 
Brahmans, one of whose Privileges appears to be to lie with the wives of 
their disciples whenever they feel inclined'' . . . 

' Die Bewohner von Malabar gehören nicht zu den Indogermanen, sondern 
zur Dravida-Race. Vgl. Andres S. 73. 

' Vgl. Nelson S. 9, 141 und den ganzen Inhalt seiner Untersuchung. 

♦ Vgl. Colebrooke Bd. 1 S. 196; Sect of Mah. 8. 1—12, auch S. 16—33 
und App. S. 24. 

^ Beet of Mah. mit Appendix. Der Anhang enth&lt (B. 133—188) Aus- 
züge aus 45 indischen Zeitungen, von denen 21 in englischer Sprache und 
24 in der Landessprache erschienen. 

^ Die Vaishnavas zerfallen in zwanzig besondere Secten, die wieder in 
Unterabtheilungen geschieden werden können. Vgl. Sect of Mah. 8. 20 und 
im Einzelnen S. 22—27, 34 ff. 

^ Sect of Mah. S. 35, 36, Appendix S. 24. 

^ Krishna gilt als Verkörperung des Gottes Vishiiu und wird in dieser 
Eigenschaft, wie es scheint, nur von verh&ltnissm&ssig neuen Secten verehrt. 
Vgl. Sect of Mah., Append. S. 57, 59 ; Colebrooke Bd. 1 S. 110, 197 ; Whee* 
1er Bd. 1 S. 462, 463. 



Kapitel 75. Brahmanen in Ostindien. 321 

geistliche Führer (gurus ^) der Gläubigen , sondern zugleich als 
Incarnationen des Gottes Erishna zu verehren seien '. Die Secte 
war um 1860 in Ostindien stark verbreitet, unter sechzig bis 
siebzig Mahärajas^, von denen in Bombay allein acht bis zehn 
mit angeblich vierzig- bis fünfzigtausend Anhängern lebten *. Es 
wird berichtet, dass ihre Lehrer, im Gegensatz «u der durch die 
Yedas der Hindu-Religion empfohlenen Entsagung, die Pflege 
von Lust und Liebe als Aufgabe des Lebens hinstellten^; dass 
sie den Gott Erishna, den Gemahl von sechzehntaüsend Prinzes- 
sinnen, durch die „Ehebruchs-Liebe^ verehrten^; dass sie ihre 
Versammlungen in den Tempeln der Mah&rajas und in den Zu- 
sammenkünften der „B&s Mandalis'^ ' zur Anfachung und Pflege 
der Ehebruchs-Liebe missbrauchten ; dass die Knaben schon in 
jungen Jahren und die Mädchen bei ihrer Yerheirathung Körper, 
Geist und Vermögen („tan, man und dhan^) dem Mah&r&ja, als 
dem verkörperten Gott Krishna, aufopferten^; dass Letzterer, 
wenn er die Gläubigen in ihrer Wohnung besuche, von ihren 
Frauen und Töchtern durch halbreligiöse Gebräuche und durch 
Gesang unzüchtiger Lieder verehrt werde * ; und dass er die weib- 
lichen Gläubigen, denen er im Tempel ein Zeichen gebe, in 
seinem Schlafzimmer empfange, mit ihnen die Ehebruchs-Liebe 
pflege („Ras Lila** feiere) und dafür noch beschenkt werde *^ Im 



^ Ueber die Bedeutung des Guru und dessen Unterschied von Purohita 
vgl. im Allgemeinen Wheeler Bd. 1 S. 80, Bd. 3 S. 402. 

< Sect of Mab. S. 45, 47, 119, 120, 142 und Append. 8. 3, 6, 7, 8, 26, 
27, 29, 32, 40, 65; Wbeeler Bd. 3 S. 882. 

' Sect of Mab. S. 44—46. ^ Sect of Mab. S. 105, 120. 

5 Sect of Mab. S. 45, 142; « Sect of Mab. 8. 78—96. 

^ Sect of Mab. 8. 129, 330, Append. S. 15, 38, 46. 

« Sect of Mab. 8. 85, 121, 141, 142, Append. S. 14, 25, 27, 32, 53. 

» Sect of Mab. S. 108-^119. 

10 Sect of Mab. 8. 126, 129, Append. 8. 14, 30, 45. — Ein Keim der 
Lehre, dass ein M&dcben nicht sündige, wenn es mit einem Rishi fleisch- 
lich verkehre, kann in folgender Erzählung des MahÄhb4rata Qber die Rache 
der SarmishthÄ gefunden werden. Die Tochter des Brabmanen Sukra, Na- 
mens DevayÄni, war von SamishtbÄ, der Tochter des Königs der Daityas, 
beleidigt und erlangte dafür die Genugthuung, dass die Königstochter ihre 
Dienerin wurde. DevayÄni heiratbete den König Yay&ti, zog mit ihm in seine 
Königsstadt und nahm die SamishthÄ mit sich. Dort begann Samishtb& heim- 
lich ein Liebesverbältniss mit YayÄti. Sie gebar einen Sohn und wurde von 
der Königin Devayini gefragt, wer der Vater des Kindes sei. Sie gab vor, 
es sei ein Rishi. DevayAni erwiederte: „Ist dies wahr, so bist du un- 
schuldig.^ (MabAbh&rata, Ausg. von Calcutta, Buch 1 Vers 3424— 3480; Ausg. 
von Bombay Buch 1 Kap. 83 Vers 1—7. Vgl. Holtzmann Bd. 2 8. 106, 107; 

Schmidt, Ji28 primae noctis. 21 



322 Kapitel 75. Brahmanen in Ostindien. 

Jahr 1860 gab ein Oberpriester dieser Gemeinsohaft , JaduD&thji 
Brizratanji-Mahäraj, zu Bombay eine neue Zeitschrift heraus, unter 
dem Titel ^Verbreiter unserer eigenen Religion^. Darauf erschien 
in einer andern einheimischen Zeitung zu Bombay, die den Na- 
men Satya Prakäsh, d. i. „Licht der Wahrheit'', trug, ein Artikel 
über jene Secte und über den genannten Mahäräja. Darin war 
ausgeführt, ein Lehrer jener Gemeinschaft, Namens Gokulnäthji, 
habe die Yorschrift gegeben, der neuvermählte Ehemann solle 
seine Frau, bevor er selbst sich ihrer erfreue, dem MaMraja 
übergeben, ebenso wie die Yäter ihre Töchter dem Mahärdja über- 
liefern sollten * ; nach dieser Lehre , deren Schamlosigkeit durch 
keine andere Irrlehre erreicht werde, handelten die Mahärdjas, 
indem sie die Ehefrauen und Töchter ihrer Andächtigen entehrten; 
Jadunäthji Mahäräj möge erst davon ablassen und zugleich Un- 
sittlichkeiten wie die der Gesellschaft Ras festival abschaffen, 
wenn er religiöse Ermahnungen ertheilen wolle *. Verfasser dieses 
Aufsatzes war der Redacteur Karsandäs Mulji. Gegen ihn und 
gegen den Drucker erhob. Jadunäthji erst im Mai 1861 Klage 



Wheeler Bd. 1 S. 517, 518.) In der Erklärung dieser Stelle verweist Wheeler 
Bd. 1 S. 521 auf das empörende Dog^a einer „sect in the Bombay Presidency 
which is known by the name of the Mah&rÄjas'^. 

* Zeitungsartikel vom 21. Oct. 1860, Sect of Mah. S. 173, 174 un^ 
Append. S. 7 1 : ... ,,Behold with regard to the subject of Brahma how 
Gokulnäthji has amplified the original stanza, what a commentary be haa 
made : . • . Consequently before he himself has enjoyed her , he ehould make 
over bis own married 'wife (to the MahÄr^j) and he should also make over 
(to bim) bis sons and daughters. After having got married, be should be- 
fore having himself enjoyed bis wife make an offering of her (to.the Mab&- 
rÄj); after which be should apply her to bis own use." Vgl. über Gokul- 
nÄthji MahÄr&j (Enkel des Religionsstifters Vallabb4cb&rya) und dessen Com* 
mentar: Sect of Mab. S. 85 und Append. S. 27, 28, 80. 

2 Zeitungsartikel vom 21. Oct. 1860 , Sect of Mab. S. 174, 175 und App. 
S. 72 : ... ,, JadunÄtbji Mah&räj , should you wisb to propagate or to spread 
abroad religion, then do you personally adopt a virtuous course of conduot 
and admonisb other Mab&r&jas. As long as the preceptors of religion ahaU 
tbemselves appear to be immersed in the sea of licentiousness , for so long 
tbey sball not be competent to convey religious exhortation. Gokuln&tlgi 
having composed the commentary abovementioned , has attached to your 
Yaisbnava persuasion a great blot of ink. Let that be flrst removed. Scom 
tbe writer of the commentary. [Ob, you] MabAr^jas, acting up to that com- 
mentary, deAle tbe wives and daughters of your devotees. Desist from that 
and destroy at once immorality such as that of tbe Company at Ras festival 
[oder Ras Mandali]. As long as you sball not do so, for so long you cannot 
give religious admonition, and propagate your otvn religious faitb; do you 
be bleased to be assured of that.^ Vgl. Sect of Mab. Append. S. 42. 



Kapitel 76. Bagele auf den Andamanen. 323 

wegen Yerleumdung und Schmähung, vor dem Supreme Court zu 
Bombay. In den Verhandlungen vom Juli und August 1861 
bestritten die Beklagten, dass der Aufsatz eine Schmähschrift sei ; 
zugleich erboten sie für alle angeführten Thatsachen den Beweis 
der Wahrheit ^ Hierauf wurden (vom 25. Januar bis 1. März 
1862) zahlreiche Schriften vorgelegt und im Ganzen zweiundsechzig 
Zeugen* dem Kreuzverhör der beiderseitigen Advokaten unter- 
worfen, vor dem Chief Justice Sir Matthew Sausse und dem Puisne 
Judge Sir Joseph Arnöuld. Diese beiden Richter begründeten 
demnächst ihre Meinung, die darin übereinstimmte, dass die Be- 
klagten den Beweis der Wahrheit überall erbracht hätten, und 
dass demgemäss bezüglich des Vorwurfs der Yerleumdung ein für 
die Beklagten gunstiges Yerdikt erfolgen müsse ^. Die andere 
Frage, ob der Aufsatz als Schmähschrift zu betrachten sei, wurde 
vom Chief Justice bejaht (weil darin unzulässigerweise öffentliche 
Mittheilungen über die Privatperson des Klägers gemacht seien) ^, 
dagegen vom Puisne Judge verneint (weil der Kläger nur in seiner 
öffentlichen Eigenschaft als Mahäräja angegriffen, und dabei die 
zulässige Grenze nicht überschritten sei)^. Der Wahrspruch der 
Geschworenen lautete bezüglich der Frage der Verleumdung zu 
Gunsten der Beklagten mit Kosten, und bezüglich der Frage der 
Schmähschrift zu Gunsten des Klägers, aber ohne Kosten. Die 
Kosten sollen sich auf die ungeheure Summe von ungefähr sechzig- 
tausend Rupien belaufen haben, wovon fünf Sechstel dem Kläger 
zur Last fielen^. Aus diesem Pressprozess ist der Beweis eines 
jus primae noctis nicht zu entnehmen, da die darin erörterten 
Handlungen der Mah&räjas zufolge (irregeleiteter) religiöser An- 
schauungen auf Ersuchen der Gläubigen, gleichsam wie Gnaden- 
bezeigungen, ausgeübt wurden, überdies auf die Hochzeitsnacht 
nicht beschränkt waren. 

d. Häaptlingsreoht auf den Andamanen. 

Kapitel 76. Es wird versichert, das jus primae noctis stehe 
„im Berglande Bagele auf den Andamanen dem Häuptling 
zu** ^. Ob und inwieweit dieser Angabe etwas Wahres zu Grunde 

* Sect of Mab. 8. 176 und Append. S. 72, 73. 

* Sect of Mab. Append. 8. 78. 

» 8ect of Mah. Append. 8. 80—87, 101—131. 

* Sect of Mah. Append. 8. 76-80, 87. 

» Sect of Mab. Append. S. 88—100. « Sect of Mah. 8. 180. 

^ Post 8. 37 (aua Bastian). — Die Andamanen-Inseln liegen im Meerbusen 
von Bengalen. 



324 Kapitel 77. Malakka und die MolukkeiL 

liegt, wird sich erst prüfen lassen, wenn die Thatsachen mitge- 
theilt werden, die den Berichterstatter zu der Meinung von dem 
Bestehen jenes Rechts geführt haben. 

e. Die Onuig-Sakai auf Malakka und die Bewohner der öiilieken Molukkeit 

Kapitel 77« N. v. Mikluho-Maclay machte in der Zeit von 
November 1874 bis Oktober 1875 Eeisen im Innern ^er Halb- 
insel Malakka und erstattete darüber am 3. Juni 1878 einen Be- 
richt im Zweigverein der asiatischen Gesellschaft zu Singapore. 
Darin gab er Auskunft über Lebensweise und Sitten der Orang- 
Sakai und der Orang-Semang aus Nachrichten, die er theils von 
diesen Yölkerschaften selbst, theils von den Malayen einge- 
zogen hatte. Insbesondere theilte er einige Erzählungen mit, 
von denen er annahm, dass sie ungeachtet ihrer Uebertreibung 
und anscheinenden Widersinnigkeit doch einen gewissen, wenn 
auch geringen, „fond de verit6'' haben möchten. In solchem Zu- 
sammenhang berichtet er über den an der Grenze von Kalantan 
und Perak wohnhaften Zweig der Orang-Sakai: „Es wird 
erzählt, dass die Yäter von erwachsenen Töchtern für dieselben 
das jus primae noctis in Anspruch nehmen; ich habe das 
Bestehen dieser Sitte so sehr oft versichern hören, dass etwas 
Wahres daran sein muss, zumal da sie auch anderwärts bekannt 
ist. Ausser zahlreichen, in geschichtlichen und geographischen 
Werken erwähnten Beispielen , die ich hier nicht aufzählen will^ 
habe ich gehört, dass dieselbe Sitte auf den östlichen Mo-, 
lukken besteht.** * Hier dient der Ausdruck „jus primae noctb* 
zur Bezeichnung eines Anspruchs, den der Yater erhebt, wenn 
er die Tochter an einen Mann zur Geschlechtsgemeinschaft über- 
giebt. Eine Erläuterung dieses Berichts kann in der Beschrei- 
bung gefunden werden, die Maclay von den Heirathen der Orang- 
Sakai giebt^; darin wird erzählt, dass eine Frau nacheinander 



^Maclay S. 215, 216: . . . ,,The fathers of grown up daughtera are said 
to Claim for themselves the jus pritnae noctis; I have so very often heard 
the exidtence of thls custom maintalned , that there must be something in it, 
the more so as it is known elsewhere.^ Dazu Anm. 18: „Besides numerous 
examples to be found in hiBtorical and geographical Uterature whloh I will 
not enumerate here, I have heard of the existence of the sadie custom in 
the Eastern Moluccas.^ Vgl. auch unten Kap. 92. 

' Maclay 8. 215: ,,6e8ides the simple procedure of marryiog, which an 
Orang-Sakai described in the words, ,1 take her and sleep with her', there 
18, as I was told by the Orang-Sakai jina, a custom among the Orang-Sakai 
of Pahang, according to which the man on a certain day must catch the girl 



Kapitel 78. Contumes vom Jahr 1507 vom Amt Amiens. 325 

mit vielen Männern in Geschlechtsgemeinachaft eintrete, jedoch 
als Gattin des Mannes gelte, der sie zuerst genommen habe. — 
Ton dem. jus primae noctis in der heutigen Bedeutung dieses 
Ausdrucks ist im erwähnten Bericht keine Spur zU finden. 

II. E a r p a* 

a. Frankreieh. 

1, Getrohnheitsrechte, 

a. Die Cöutumes vom Jahr 1507 aus dem Amt Amiens. 

Kapitel 78« Im neunzehnten Jahrhundert meinen einige 
Schriftsteller \ der beste Beweis für das „droit du seigneur^ oder 
jus primae noctis finde sich in zahlreichen Gewohnheitsrechten 
aus dem Amt Amiens vom Jahr 1507^, worin jenes Kecht sogar 
ausdrücklich anerkannt sei. Dies ist ein Irrthum, der durch 
Missverständniss folgender sechs Stellen entstanden ist. 

Die am 29. Sept. 1507 festgestellte Coutume von Brestel- 
les-Doullens erklärt in Art. 25: „Wenn in der Stadt Brestel 
ein Mann von auswärts heirathet, und die Frau daselbst wohnt, 
80 muss er am Tage der Hochzeit dem Grundherrn von Brestel 

in the jungle before witnesses, after a conslderable start has beea given her. 
If he falls to catch her, he is not allowed to woo her a second time. Com- 
munal marriage exists, it appears, among the Orang-Sakai; at least I must 
conclude so from a great number of accounts. A girl having been married 
to a man for some days or weeks goes, with his consent, and voluntarily, to 
live for a shorter or longer x>eriod with another man. She thus goes in turn 
to all the men of the party until she comes back to her first husband; she 
does not remain with him however but contlnues to engage in such tempo- 
rary marriages, which are regulated by cfaance and by her wishes. She is 
however considered the wife of the man who flrst took her.** 

1 Dupin S. 131; Delpit S. 28; Buchmann S 36, 37; Labessade S. 57, 60. 

' Diese (zufolge einer Verordnung des Königs Ludwig XII. vom 4. April 
1506 redigirten) Cöutumes, ungefähr vierhundert, sind durch A. Bouthors ge- 
sammelt und herausgegeben. Bouthors erhielt fttr dies Werk unter den ordent- 
lichen Preisen der Acad^mie des Inscriptions et Belles-Lettres^ fttr Antiqultte 
de la France, die zweite Medaille vom Jahr 1854. Darauf bezieht sich der 
Commissionsbericht vom 11. Aug. 1854, der in der öffentlichen Jahressitzung 
vom 18. desselben Monats verlesen wurde. Vgl. M^moires de l'Listitut Im- 
perial de France, Acad. des Inscr. et Belles-Lettres , Bd. 20, Paris 1861, 
8. 232; Berger de Xivrey S. 20 — 25. Es wird behauptet, dass die meisten 
jener Cöutumes aus dem dreizehnten Jahrhundert stammten (Berger de Xivrey 
S. 22). Da jedoch die vorliegenden Redactionen im Jahr 1507 gemacht sind, 
80 werden sie hier unter der Neuzeit besprochen. 



326 Kapitel 78. Coutumes vom Jahr 1507 vom Amt Amlens. 

zwei Pfennige zahlen; geschieht dies nicht, so verfällt er gegen- 
über dem Grundherrn in eine Strafe von sechzig Sous.^ ^ Hier 
ist nicht, wie behauptet wird^, von dem jus primae noctis, son- 
dern lediglich von einer Niederlassungsteuer die' Bede ^. 

Im Gebiet der Abtei-Grafschaft von Blangy-en-Ternois 
musste jeder Fremde, der dort heirathete und sich daselbst nieder- 
liess, nach der Coutume vom September 1507 an die Abtei zwei 
Sous zahlen, bevor er bei der Frau schlafen durfte ; diese Nieder- 
lassungsteuer nannte man im Yolke „cuUage^ ^. Darin wird 
ohne Grund ein Beweis des Herrenrechts der ersten Nacht ge- 
funden ^. 

In der Stadt Auxi-le-Chäteau (prev6t6 de DouUens) be- 
stand der Grundsatz, dass ein Fremder, welcher eine Bewohnerin 
von Auxi heirathet^, mit derselben die Nacht nach der Hoch- 
zeit daselbst nicht schlafen durfte, ohne dazu die Genehmigung 
des Grundherrn oder seines Beamten erlangt zu haben, bei Strafe 
von sechzig Sous ^. Eine Erklärung dieses Grundsatzes liegt im 



' Coutume de Brestel-les-DouUens, du 29 sept. 1507, bei Bouthoro Bd. 2 
8. 84, 85, Art. 25: „Item, se ung homme foraing se marye et prend femme 
en ladite ville de Brestel , laqueUe y soit demourant , alors quil le fianchera 
U doibt et est tenu payer le jour quil espousera , au seigneur de Brestel, 
II deniers et 8*il deffault ä les payer, il eschet envers ledit seigneur en 
amende de LX solz.^^ 

> Delpit S. 28 ; Labessade S. 18, 59. 

^ Vgl. oben S. 67, 96, 101, 136. — Aus dem Schlusssats vorstehender Stelle 
lässt sich entnehmen, dass sie von Ehegatten spricht, die in Brestel wohnen 
bleiben ; deshalb wird die Abgabe von zwei Pfennigen nicht als Abz^gsteaer^ 
sondern als Niederlassungsteuer betrachtet werden müssen. 

* Coutumes locales et particuli^res de l'^glise, abbaie et cont^ de Blangy-en- 
Ternois, vom Sept. 1507, Art. 14, bei Bouthors Bd. 2 8. 77 (vgl. Bd. 1 S. 470): 
^Par aultre coustume, se aucun estrangier se marie k aucune femme ... et 
demourant es mettes^^ [d. h. in den Grenzen] ^d'icelle conto et y vient faire 
sa r^sidence, avant qu'il couche avec sa femme, il est teiiu paier ausdits 
relligieux , ab^ et couvent, un droit de II sols parisis que l'on nomme vul- 
gairement cullage.^ — Ueber den Ausdruck ,,cullage^ vgl. oben Kap. 18> 
8. 94—97, und unten S. 829 Anm. 1. 

& Delpit 8. 27; Labessade 8. 18, 57, 58. 

^ Coustume locale et particull^re de la terre, chastellenie et berrie d'Auxi- 
le-Chasteau, vom 22. Sept. 1507, Art. 21 (Bouthors Bd. 2 8. 60) : ^Item, quant 
aucuns estrangiers se allient par mariage ä aucunes ftlles ou femmes estan» 
de la nacion de ladite ville d'Anxi ou demeurans en icelle ville, ili ne poeul- 
tent la nuit de la feste de leurs noepces couchyer avec leurs dites femmes, 
Sans premi^rement avoir congi^ de ce faire k mondit seigneur , au son bailly 
ou lieutenant de son bailly, que ce ne soit en commectant amende de LX 
sols parisis chascun et pour chascune fois.^ Vgl. auch Hist de Ponthteu 



Kapitel 78. Coutumes vom Jahr 1507 vom Amt Amiens. 327 

• 

Recht des formariage ^ oder vielmehr in dem Recht des Grund- 
herrn , für Niederlassung neuer Ansiedler sich die Genehmigung 
Torzübehalten ^. Vielleicht ist dies dasselbe Recht, von dem 
Carpentier und Ducange erzählen, dass es duifch den Grafen 
Wilhelm III. von Ponthieu auf Bitten seiner Gemahlin Rugua 
aufgehoben worden sei^ — Im Anschluss an diesen Bericht be- 
merkt Deverite (1767), ein anderes Recht habe dem Grundherrn 
persönlich zugestanden, nämlich die Jungfräulichkeit hübscher 
Frauenzimmer, munterer Fräulein, schöner Nöntichen oder Däm- 
chen zu rauben, wofür er einen Thaler und zehn Sous an den 
Grafen von Ponthieu bezahlen musste ^. Diese Erzählung, deren 
Quelle nicht angegeben ist, macht den Eindruck eines in alter- 
thümlichen Ausdrücken verfassten Scherzes. In der erwähnten 
Coutume vom 22. Sept. 1507 ist Nichts enthalten, woraus die 
Nachricht erklärt werden könnte. Stände ein derartiger Satz in 
irgend einer Coutüme von Auxi-le-Chäteau , 'so würde er den 
achtzehnjährigen Nachforschungen von Bouthors schwerlich ent- 
gangen sein. Daher verdient die Anecdote keinen Glauben. 

Das am 20. Sept. 1507 verkündete Gewohnheitsrecht der 
Herrschaft Maisnil-les-Hesdin bestimmt in Art. 4: ^Wenn 
in der genannten Stadt und Herrschaft oder auswärts Ehen ab- 
geschlossen werden, und die Ehegatten die erste Nacht ihrer 

Bd. 1 S. 238; Bouthors Bd. 1 S. 469; Delpit S. 21; de Labesdade S. 18, 50. 
Die Ausdrücke „berrie^ und ^b^i^^ (Anm. 3 dieser Seite) scheinen eine ähnliche 
Bedeutung zu haben, als baronie und baron. Vgl. oben Kap. 67, S. 286, Note 1. 

1 Bouthors Bd. 2 S. 166, 167, Note 7. 

» Vgl. darüber auch die Urk. v, 1234 bei Coutant S. 85—88. 

' Carpentier und Ducange unter Braconagium : . . . „Huius mentio prae- 
terea occurrit in Consuet locali MS. Auxeii castelli'; a qua homines Ruguae, 
uxoris suae precibus, liberos jussit esse Guilelmus III. Pontivi oomes.^ — 
Vgl. auch Sugenheim 1861, S. 120 (aus Roger, Bibl. bist, monum. et litt^r. 
de la Picardie, Amiens 1844, S. 133): Der „her d'Auxi avait T^trange privi- 
l^ge d'accorder a Thomme forain qui se mariait dans ce bourg la permlssion 
d'user des droits de mariage, la premi^re nuit des noces; mais cette permis- 
sion ne pouvait dtre refus^, par respect pour le sacrement.^^ Sugenheim 
findet hierin ohne Qrund ein ^^Erinnerungszeichen an das abgeschaffte Recht 
der ersten Nacht". 

* Hist. de Ponthieu Bd. 1 S. 238, 239: ... „II en avoit encore un autre" 
[nämlich droit d'usage] „& lul propre et qui ne devoit passer k ses Officiers, 
c'etoit de mcictarer le VirginiU de getitea femine$, fringantes DemaixUllea, 
helles Nonainea ou Manaines , en donnant un ecu et dix sols parisis de droit 
au Comte de Ponthieu." Vgl. Bonnemäre Bd. 1 S. 58; de Labessade S. 73 
(unter Berufung auf ein Coutumier, dat6 de 1770, imprim* k Abbeville, chea 
la veuve Dev6rit6). 



328 Kapitel 78. Coutumes vom Jahr 1507 vom Amt Amiens. 

Hochzeit in der genannten Herrschaft schlafen wollen, mögen 
sie Unterthanen [nämlich des Herrn 6ny du Maisnil] sein oder 
nicht, so kann oder soll der Hochzeiter [jnnge Ehemann] mit 
seiner Frau und Gattin die genannte erste Nacht nicht schlafen, 
ohne Onade und Erlaubniss dazu bei dem genannten Orundherm 
nachzusuchen, bei Strafe der Einziehung des Betts, auf dem 
die genannten Ehegatten schliefen, und von Allem, was am 
nächsten Morgen sich auf dem Bett findet. Alles zum Recht und 
Nutzen des G-rundhcrrn/ ^ Diese Bestimmung enthält keine Spur 
Yon dem Herrenrecht der ersten Nacht', sondern eine Heiraths- 
beschränkung der Hörigen, die durch deren rechtliche Abhängig- 
keit vom Grundherrn erklärt wird^ 

Am 28. Sept. 1507 wurden die Rechte, die der Herr von 
Rambures, als Yasall des Herrn La Freste von Saint-Riquier, aus- 
zuüben hatte, im Auftrag der Amtmannschaft von Amiens, unter 
Zuziehung der Betheiligten, durch öffentliche Urkunde festgestellt. 
Im ersten Artikel wird gesagt, der Herr von Rambures habe 
in der Herrschaft Drucat dieselben Rechte, wie Herr de la 
Freste in der Herrschaft Saint-Riquier. Der siebenzehnte Artikel 
lautet: „Wenn ein Unterthan oder eine Unterthanin des Ortes 
I>rucat sich verheirathet , und das Hochzeitsfest in Drucat statt- 
findet, so kann der junge Ehemann die erste Nacht mit seiner 
Hochzeitsdame nur dann schlafen, wenn dazu die Erlaubniss des 
genannten Herrn ertheilt wird, oder der genannte Herr mit 
der Hochzeitsdame geschlafen hat; er muss die Erlaub- 
niss bei dem Herrn oder seinen Beamten nachsuchen, unter 
Ueberreichung von einer Schüssel Fleisch, wie solches auf der 
Hochzeit genossen wird, und zwei Kannen vom Hochzeitstrunk 
(,los de bruvaige% d. h. Lehnsabgaben von Getränk, bibera- 
gium, breuvage); dies Recht wird ,droit de cuUage^ genannt; 



^ Coutumes, U8ag«8 et communes observances de la terre et seig^orie du 
Maisnel-les-Hesdin , appartenant k Mgr. Guy du Maisnel, rödig^es par ^crlt, 
lues et publikes le 20 sept. 1507, k la coDJure de Nicolas Brumet, baiUi de 
ladite terre, Art. 4, bei Bouthors Bd. 2 8. 626: „Item, se aulcuns se con- 
joindent par mariage, en ladite ville et seignourie ou ailleura, voeuUent cou- 
chier, la premi^re nuyt de leura noeupces, sur ladite seignourie, seit qoils 
soient subgetz ou non, le sire de noeupces ne poeult ou doit couchier avec 
sa femme et espouse, ladit premi^re nuyt, sans demander grace ou congi4 de 
ce faire audit seigneur, sur peine de confisoation du lit- sur lequel lesdis con- 
joingz aueroient couchi^ , et de tout ce qui seroit trouv^ sur ledit lit, len* 
demain au matin. le tout au droit et proufftt dUeeluy seigneur.^ 

* Delpit S. 28; de Labessade S. 60. 

5 Vgl. oben Kap. 12. 



Kapitel 78. Coutumes vom Jahr 1507 vom Amt Amiens. 329 

und dies ,droit de cullaige^ ward Ton dem genannten Herrn und 
seinen Vorgängern seit unvordenklichen Zeiten ausgeübt.^ ^ Die 
Stelle sagt nicht, dass der Herr von Rambures das Recht in 
Anspruch genommen habe, bei der neuTermählten Frau zu 
schlafen, sondern dass er die Erlaubniss zur Vollziehung der 
Ehe (zum Beilager) zu ertheilen und dafür eine bestimmte Ab- 
gabe zu fordern hatte, und dass er diesen Anspruch verlor, wenn 
er bei der jungen Frau schlief. Hierin kann eine scherzhafte 
Bedewendung gefunden werden*. Wäre der Satz ernst gemeint, 
so würde der Verlust der bezeichneten Rechte aus dem Miss- 
brauch der grundherrlichen Gewalt zu erklären sein^. Also be- 
stand das droit de cullage (oder cuUaige) im Sinn dieser Stelle 
lediglich in dem Anspruch auf einen bestimmten Antheil vom 



^ Coutume de Drucat (in der baronie Bariin, pr^vöt^ de Beauquesne) 
V. 28. Sept. 1507, bei Bouthors Bd. 1 S. 481—485, Art. 17: „Item, et quant 
aucun des subgietz ou subgietes dudit lieu de Drucat se marye et la feste 
et noeupee se fönt [fait] audit lieu de Drucat, le mary^ ne poeult couchier la 
premi^re nuyt avec sa dame de nuyt sans la congi6, licence et auctorite dudit 
«eigne ur ouquel [eu que] ledit seigneur ait couchiS avecq ladite dame de noeupee; 
lequel congi^ 11 est teiui demander audit seigneur ou ä ses offtciers ; pour le- 
quel congi^ obtenir, ledit mary^ est tenu baillier ung plat de viande tel que on 
la mengue ausdites noeupces, avec deux los de bruvaige tel que Ton boit aus- 
dites noeupces; et est ledit droit appell^ droit de cullage; et d'icelluy droit 
de cullaige ledit seigneur et ses pr^d^cesseurs ont joy de tout tamps et de tel 
qu*il n'est memoire du contralre." Vgl. Berger de Xivrey S. 22, 28; Bonne- 
m^re Bd. 1 S. 60; Veuillot 2, Aufl. 8. 338-385. — Der oben (8. 96) erör- 
terte Ausdruck „droit de cullage^ lässt sich vielleicht von dem lat. culeus, 
cuUeus, culleum oder culeum (d. i. Sack oder Schlauch zur Aufbewahrung 
von Wein) herleiten und danach als eine Abgabe vom Hochzeitswein erklären, 
da der Wein (vgl. oben 8. 92, 94, 98, 100, 142—144) oder sonstige Hoch- 
zeitstrunk (bruvaige) unter den Heirathsabgaben vorkommt, und sogar vom 
Trinken des „culaige^ die Rede ist, vgl. oben 8. 96, Note 7. Herr Archiv- 
director Dr. Pfannenschmid zu Colmar, dem ieh diese etymologische Hypo- 
these verdanke, legt mir die Frage vor, ob' etwa in ähnlicher Weise das 
„droit de jambage^ öder „cuissage^ aus cuisse oder jambe in der Bedeutung 
von Schinken als HeiriUhsabgabe für die Küche zu erklären sei (wie droit de 
cullage als Heirathsabgabe für den Keller). Eine solche Erklärung würde 
sprachlich zulässig sein und noch dadurch unterstützt werden, dass „jambe^ 
(Schinken) unter den Heirathsabgaben vorkommt, z. B. in der Urk. v. 1873, 
oben S. 92. Auch wäre es denkbar, dass man jenem Wort in späterer Zeit 
durch Missverstand eine unzüchtige Bedeutung gegeben hätte. Allein gleich- 
wohl kann jene Erklärung nicht angenommen werden, solange keine Urkunde 
bekannt ist, worin das „droit de jambage^ zur Bezeichnung einer Heiraths- 
abgabe gebraucht wird. Vgl. oben S. 15, 54—56, 259, 269. 

2 Vgl. unten Kap, 88. 

3 Vgl. Kap. 9 8. 49. 



330 Kapitel 79. Die questaux des Caver von Lobie^. 

Hochzeitsmahl ^ ; und es irren die Schriftsteller, welche annehmen, 
die Coutume habe bedingungsweise öder gar unbedingt denk Ghrund- 
herm das jus primae noctis gewährt ^ 

Der Herr von Bariin hatte ein „droit de cullage^, welches 
darin bestand, dass seine Vasallinnen, so oft sie heiratheten, ihm 
den „relief du baiP zu zahlen hatten ^ Es scheint, dass dieser 
relief du bail den sechsten Theil vom Wetth der Jähreseinkünfte 
betrug, und dass Herr von Bariin seinerseits eine ähnliche Ab- 
gabe an Madame de Humbrecoürt zu entrichten hatte ^. Ohne 
Grund finden einige Schriftsteller hierin einen Beweis des Herren- 
rechts der ersten Nacht*. 

ß. Recht des Herrn von Lobier in B^arn (Urk. vom Jahr 1538). 

Kapitel 79. Im neunzehnten Jahrhundert wird die Meinung 
vertheidigt, dass in Bearn das jus primae noctis geherrscht habe *. 
Es soll sich in den nördlichen Pyrenäenthälern von Bearn „mit 
haarsträubender Zähigkeit^ erhalten haben ^ und dort „allgemein 
anerkanntes Recht der Edelleute*' gewesen sein®. „Noch im 
vierzehnten Jahrhundert", sagt man, lag dem Neuvermählten die 
Yerpflichtung ob, seine Frau dem Herrn behufs Ausübung des 
jus primae noctis persönlich zuzuführen'; und im Archiv des 



^ Delisle, in der Bibl. de l'^cole des chartes, 3« serie, Bd. 5 S. 548. 

2 Bouthors Bd. 1 S. 449, 450 (wo das Recht als ein bedingtes hingestellt 
wird) und Bd. 1 S. XIII (wo die Bedingung fehlt); Buchmann S. 37; de La- 
bessade S. 18, 56, 57. 

' Bouthors Bd. 1 S. 473: ^Le seigneur de Bariin a un certain droit de 
cullage, qui est tel que toutes femmes qui tiennent fiefs de lui, toutes et 
quantes fois qu'elles se maryent ou changent de mary, sont tenues payer re- 
lief du bail." 

* „Le seigneur de Bariin a plusieurs beaux droix: . . . et sy al un cer- 
tain droit de cuUage qui est tel que toutes femmes qui tiennent fief de lui, 
toutes et quantes fois elles se marient , ou changent de mary , sont tenues 
payer assavoir les ftefs, reliefs llmit^s, et les coteries, le sixi^me dinier de 
la valeur. Duquel droit de cullage ledit sieur de Bar^ est tenu faire pareil 
droit ä Madame de Humbrecoürt." Delpit S. 27; Veuillot 2. Aufl. S. 219; 
de Labessade S. 58, 59. 

^ Delpit S. 27; de Labessade S. 18, 58, 50. 

« Mazure S. 171, 172; Bonnem^re Bd. 2 S. 65; HelfPerich S. 412, 413; 
Pinard S. 635; Sugenheim 1861, S. 103, 104; Augsb. Allg. Ztg. v. 18. April 
1868, Beil. S. 1662; Sugenheim 1872, 8. 930; Liebrecht 1874, S. 139; de Iia- 
bessade S. 30 Nr. 70 und S. 53—56; Liebrecht 1879, S. 418. 

» Helfferich S. 41?, 413. 

8 Sugenheim 1861, S. 103, 104, und 1872, S. 930. 

s Sugenheim 1872, S. 930. 



Kapitel 79. Die questaux des Caver von Lobier. 331 

^ Obergerichts " Pau liegen, wie HeI£Perieh sagt, ganze Actenstücke 
von Besehwerden gegen das landesübliche jus primae noctis auf- 
geschichtet ^. Alle diese Behauptungen sind unhaltbar ; sie stützen 
sich lediglich auf zwei einzelne Urkunden verschiedenen Inhalts, 
die nicht dem Mittelalter, sondern der Neuzeit angehören; beide 
datiren vom Jahr 1538, können also für das „vierzehnte Jahr- 
hundert^ und noch ältere Zeit keinen Beweis liefern. 

Ueber die eine der beiden Urkunden ist Folgendes zu be- 
merken ^. 

Im Thal von Ossau, am Fuss des Pic du Midi in den Hoch- 
Pyrenäen, liegt die Ortschaft Haas oder Aas, die im Anfang des 
sechzehnten Jahrhunderts den Herren von Lobier (Louvie-Sou- 
biron) gehörte. Darin lebten damals neun Familien von Schutz- 
hörigen, „questaux^, auf die sich ein Yerzeichniss der Hechte des 
Herrn Johann von Lobier vom Jahr 1538 bezieht. Zwei Artikel 
dieses Verzeichnisses lauten: „Art. 39. Wenn Leute aus diesen 
Häusern sich verheirathen , so sind sie gehalten, bevor sie 
ihre Frauen erkennen, sie für die erste Nacht dem 
Herrn von Lobier vorzustellen, damit derselbe mit 
ihnen nach seinem Vergnügen verfährt, oder sonst 
ihm seinen Tribut zu überreichen. Art. 40. Bei jeder 
Geburt eines Kindes sind sie gehalten, eine bestimmte Summe 
von Pfennigen zu bringen, und wenn es sich ereignet, dass das 
erstgeborene Kind ein Knabe ist, so ist es frei, weil es aus dem 
Actus des genannten Herrn von Lobier in jener Nacht seines 
Vergnügens erzeugt sein könnte.^ Diese Stelle ist in der Sprache 
von B6arn im Jahr 1841 durch Mazure und Hatoulet^ und später 



1 Helfferich S. 412, 413. Aus dieser Behauptung geht nicht klar hervor, 
ob die Cour d*appel zu Pau oder der vormalige Cort mayor gemeint ist. — 
Bascle de Lagröze hat im Archiv des Schlosses von Heinrich lY. im Jahr 1851 
nur eine einzige hierhin gehörige Urkunde gefunden (Lagr^ze 1851, S. 156), 
nämlich über Johann von Louvie^-Soubiron , und später noch die Urkunde 
über Herrn von Bizanos entdeckt. Die „ganzen Actenstücke^, wovon Helffe- 
rich spricht, dürften nirgends existiren. 

' Ueber die andere Urkunde handelt das folgende Kapitel. 

3 Mazure S. 172 : ,,Item. Quant auguns de tals maisons se mariden, dabant 
que conexer lors molhers, son tenguiz de las pf'esentar per la prumire noeyt 
audit senhor de Lobier per en far a son plaser, ou autrenient lou valhar cert 
tn'but.*^ Le premier enfant qui nait de ces m^mes questaux, s'il est m&le, 
est franc de droit, et cela „per so qui poeyre star engendrat de las obres 
deudit senhor de Lobier en ladite prum^re noeyt et' de sons susditz plasers^. 
Daraus: Pinard S. 635. — Der Herr von Lobier gehörte zu den „Cavers". 
Es gab in Bearn drei Adelsstufen , die zu * verschiedenen Gerichten gehörten, 



332 Kapitel 79. - Die questoux des Caver von Lobier* 

durch Bascie de Lagr^ze ^ veröffentlicht worden ; diese beiden 
(derselben: Zeit angehörigen) Bedactionen stimmen, bis auf gering- 
fügige Abweichungen, miteinander überein. 'Nach dem Wortlaut 
des Art. 39 ist nicht, wie einige Schriftsteller meinen', ein Zweifel 
möglich, wer das Wahlrecht zwischen Dienstbarkeit und Abgabe 
hatte, sondern dies Wahlrecht ist deutlich dem Schutzhörigen 
gegeben ^ Die wörtliche Auslegung führt^dahin, dass der Schutz- 
hörige bei der Heirath, und «war vor Vollziehung der Ehe, an 
den Herrn von Lobier eine Abgabe zu entrichten hatte, falls er 
nicht vorzog, seine Frau für die erste Nacht dem Herrn von 
Lobier vorzustellen, damit derselbe mit ihr nach seinem Ver- 
gnügen verfahre. Dieser Theil der Stelle enthält einen Scherz; 
denn es ist klar, welche Wahl der junge Ehemann treffen wird; 
und die Ansprüche des Herrn, ebenso wie die Yerpflichtungen der 
jungen Eheleute, sind erledigt, sobald die Abgabe bezahlt ist^. 
Der bezeichnete Scherz kann für eine Anspielung auf das Herren- 
recht der ersten Nacht erklärt werden; daraus würde zu folgern 
sein, dass bei Abfassung der Urkunde vom Jahr 1538 von einem 
solchen Recht die Kode war, keineswegs aber, dass es damals 
oder früher in B6arn Oeltung hatte. Dies wird noch > dadurch 
bekräftigt, dass die Urkunde von den Generalprocuratören ' des 
Landes Beam bestätigt wurde ^, was nicht hätte geschehen kön- 



zaerst die Barons, dann die Cavers oder Cavalers und drittens die Domengers. 
Vgl. Mazure S. 6. 

* D^nombrement, pr^sent^ en 1538 par le seignenr de Lonvie dans les mon- 
tagnes d'Ossau, bei Lagr^ze 1854, S. 709 und 1867, 8. 408: „Item, que quant 
auguns de tals malsons qui part dessus seran declarados se maridan, d'aban que 
conexen lora molhers , son tenguts de las presetäar per la prumere neyt a 
nostre dft senhof de Lohte per en fctr ä son plaser , o autrement lo balhar 
son tribut. Item, si ben cascun enfant que enyendren, lo son tenguts portar 
certane somme de dlners, et si advien que lo prumer nascut sie enfant 
mascle, es frknc, per 90 que pourra star enyendrat de las obras deudit senhor , 
de Lobie en ladite prumere neyt de sos susdits plasers.^ Daraus: H. Martin 
Bd. 5 S. 568; Bonnem^re Bd. 1 S. 58, 59, Bd. 2 S. 65; Laferriöre Bd. 5 
S. 454, 455; Delpit S. 115, 132; Barth61emy S. 106; Buchmann S. 37, 38; 
Kulischer S. 227. 

2 Mazure S 172; Pinard S. 635. 

' Darin stimmt diese Urkunde überein mit der Urkunde aus der Nor- 
mandie vom Jahr 1419 (oben Kap. 58 S. 253) und mit den beiden 8oh^/<rei<-> 
zerischen Urkunden von den Jahren 1538 und 1543 (unten Kap. 88 S. 85^ 
und folg.). 

^ Die Art und Höhe der Abgabe ist in der Urkunde nicht ausgedrückt, 
vielleicht deshalb, weil sie durch Herkommen feststand. 

^ Dass dies geschehen sei, versichert Lagrdze 1867, S. 404. 



Kapitel 79. Die questaux des Caver von Lobier. 333 

nen, wenn eine Bestimmung derselben den guten Sitten wider- 
sprochen hätte. Eine ' weitere Bestätigung des Gesagten liegt 
darin, dass auch der Art. 40, in der Art, wie er einen Rechts- 
satz begründet, nur als Scherz aufgefasst werden kann. Das 
erstgeborne Kind war frei, wenn es ein Knabe war. Wäre 
der Grund, den die Urkunde für die Freiheit angiebt, ernst 
gemeint, so würde die Unterscheidung von Knaben und Mäd- 
chen unerklärlich sein ^ ; und es würde ebenso unbegreiflich 
sein, dass nicht.unter8chiedea.wurde, ob der Herr die Abfindung 
erhalten hatte oder nicht. Ein Scherz aber ' ist nicht nach den 
Regeln der Logik zu beurtheilen. Der wahre Grund für jene 
Bestimmung dürfte in dem Geist der Milde und Billigkeit zu 
suchen sein, der in den Rechtseinrichtungen von Bearn herrschte 
und in einigen Bestimmungen über besondere Freiheiten des 
ältesten Sohnes' Ausdruck fand. Es ist daher erklärlich, dass 
die questaux des Herrn von Lobier für das erstgeborne Kind, 
wenn es ein Knabe 'war, die Abgabe nicht zu entrichten hatten, 
die sonst bei der Geburt eines Kindes mit einigen Pfennigen an 
den Schutzherrn zu zahlen war. Aus allen diesen Gründen er- 
giebt sich die Haltlosigkeit der Meinung, dass die Leibeigenen 



^ Sugenheim 1872, S. 930, behauptet, in B^arn seien ^alle erstgebornen 
Kinder** der Leibeigenen und Hörigen gesetzlich freien Standes gewesen, 
„weil sie die Präsumtion für sich hatten, dass adeUges Blut in ihren Adern 
roUte^^ Hier wird der in der Urkunde ausgedrückte Unterschied von Knaben 
und Mädchen verschwiegen. 

' Vielleicht gehört hierhin schon das For von Morläas vom Jahr 1200, 
Art. 223 (Mazure S. 172), insofern darin nur von den „nachgebornen Söhnen^ 
der questaux die Rede ist. In einem Zinsbuch aus B^rn vom Jahr 1588 (Mazure 
S. 171) wird im Abschnitt von den Verpflichtungen der questaux zu Rivi^re- 
Basse hervorgehoben, daas sie alle Söhne, mit Ausnahme des erstgebornen, 
dem Herrn bringen müssten, damit dieselben ein Jahr lang zum Schutz des 
Schlosses von Orthez dienten. (Hiernach war der älteste Sohn von der sonst 
allgemeinen Wehrpflicht ausgenommen.) Auch bei den Cavert war die recht- 
liche Stellung des ältesten Sohnes und vermuthlichen Erben gegenüber dem 
Senhor günstiger, als die seiner Brüder. Fors de B^arn, rubr. 13 art. 18: 
„Conegude cause sie a tots, que tots los de Bearn debin lors fllhs presentar 
au Senhor, exceptat aquey qui bolera que sie son successor de sa terre, et 
lo Senhor qu'eus deu thier entro sie segur de lor, en tau manerie, que de 
qui en abant, lo pay et la may non sie tribalhat adde pagar per lor, ni a 
plus presentar lors fllhs. au Senhor; pero, aon filh pritn hereter et succeaaar 
no se presentara a luy ; car lo pay es tengut de pagar son delicte«^ Diese 
Bestimmungen erinnern an einige deutsche Gewohnheitsrechts , wonach unter 
mehreren Kindern eines Hörigen entweder das älteste oder das jüngste Kind 
frei wurde (Grimm, R.-A. S. 324). 



334 Kapitel 79. Die qnestaux des Caver von Lobier. 

des Herrn von Lobier dem empörenden Herrenrecht der ersten 
Nacht unterworfen gewesen seien ^ . 



1 Dies meinen Mazure (S. 171, 172) und Pinard (S. 635), die daraus za- 
gleich die allgemeine Folgerung ziehen, dass die Leibeigenen des Herrn von 
Lobier in drückendster Knechtschaft gelebt hätten. Wäre dies richtig, so 
würde diese Knechtschaft mit dem Geist der Freiheit, der die Gesetze („Fors^) 
von iB^arn durchdrang und insbesondere auch die persönliche Stellung der 
Hörigen kennzeichnete (vgl. Laferri^re Bd. 5 8. 434, 535), in grellem Wider- 
spruch gestanden habenv (Die Herrschaft Läae in Össau gehörte seit Anfang 
des zwölften Jahrhunderts zu Böarn*, ein besonderes For von Ossau wurde 
im Jahr 1221 erneuert. Vgl. Mazure S. 4 und 220— 229.) Es ist aber un- 
denkbar, dass der Caver von Lobier eine Knechtschaft, ,die den Landes- 
gesetzen widersprach , thatsächlich üben konnte , ohne deshalb bei dem Cort 
mayor verklagt zu werden. Vgl. die alten Fors de B^am, rubr. 12 art. 17: 
„Los cavers tots aperats a Cort mayor, debin aqui responer et son de la 
Cort mayor.^ Die Rechtspflege war im Mittelalter so prompt, daes der 
Richter die Unterhaltskosten des Klägers zu tragen hatte, wenn er über die 
Klage nicht sofort urtheilte und dadurch einen Aufenthalt verschuldete C'^gl. 
Fors de B^arn, rubr. 3 art. 4 und besonders rubr. 32 art. 78). Nach allen 
Fors von B^arn kennzeichnet sich die Stellung der questaux dahin, dass sie 
einerseits zu gewissen Abgaben und Diensten dem Schutzherrn gegenüber 
verpflichtet waren, andererseits aber für sich und ihre Familie gesicherten 
Lebensunterhalt hatten. Die Abgaben waren nicht drückend, wie aus zahl- 
reichen Urkunden deutlich erhellt. Im For von Morl4as vom Jahr 1200, Art. 
232 (Mazure S. 172), und in den durch König Heinrich II. von Navarra im 
Jahr 1552 bestätigten Fors von B4arn, Art. 1—3 (Mazure S. 173), sind die 
beiderseitigen Rechte und PflichteQ festgesetzt. Danach war beispielsweise 
der Schutzherr verpflichtet, an seine questaux im Fall der Noth Liebens- 
mittel zu liefern; und das Schutzgeld der questaux durfte nicht so hoch : 
sein , dass sie dadurch genöthigt werden konnten , ihre Ochsen oder an- 
deres Ackervieh zu verkaufen. In einem Zinsbuch aus B^arn vom Jahr 1538 
(Mazure S. 171) sind bezüglich der Ortschaften Sauveterre und Rivi^re*Basse 
die Summen des Schutzgeldes genau bestimmt. Zugleich geht daraus hervor, 
dass die questaux als Herren (senhors) und ihre Wittwen als Herrinnen 
(daunes) bezeichnet wurden, und dass sie als Eigenthümer der Grundstücke 
galten, die in ihrem Besitz waren. Nach einer Prüfung älterer Urkunden, 
aus der Zeit vom fünften bis fünfzehnten Jahrhundert, sind die Herausgeber 
der alten Fors von B4arn zu der Ueberzeugung gelangt, dass „les B^arnais 
ont joui des franchises personnelles superieures k Celles de la plupart des 
nations du moyen-äge^^ (Mazure, Einl. S. LXIY). ' Qaston X , Phoebus, Graf 
von Foix und B^arn, erliess im Jahr 1377 an sämmtliche questaux von B^arn 
das Anerbieten, ihnen völlige Freiheit zu schenken, wenn sie die Summen, 
die- sie bisher als Schutzgeld zahlten, fortan als Grundzins entrichten wollten^ 
doch scheint- es, dass nur Wenige dies Anerbieten annahmen, weil die -Meisten 
den Schutz ihres Herrn nicht verlieren wollten. Mazure S. 172. (Uebrigens 
wird Aehnliches von andern Theilen Frankreichs berichtet, dass nämlich zufolge 
einer Verordnung des Königs Ludwig X^ vom Jahr 1315 „Manche zur Freiheit, 
d. 1. zum Loskauf, gezwungen worden^ seien. Vgl. Hüllmann Bd. 1 S. 88, 89.) 



Kapitel 80. Blzanos in B^arn. 335 

Y» Recht des Herrn von Bizanos in B^arn (Urk. v. 2. Febr. 1588). 

Kapitel 80« Ein in der Landessprache von B6arn abge- 
fasstes Yerzeichniss der Hechte des Herrn von Bizanos bei Pau 
vom 2. Februar 1538, worauf im Eingang zu Kap. 79 Bezug ge- 
nommen wurde, enthält folgende Bestimmung : „Da in vergangener 
Zeit, nach Ueberlieferung, in dem genannten Ort und in der 
Herrschaft die Unterthanen jener Zeit in derartiger Unterwürfig- 
keit von ihren Herren waren, dass die Eechtsvorgänger des Herrn 
von Bizanos das Hecht, die Gewalt und den Vorzug hatten, so 
oft Hochzeiten im Ort Bizanos stattfanden, mit der jungen 
Frau die erste Nacht nach der Hochzeit zu schlafen; 
und weil dies Hecht durch ein zwischen seinen Bechtsvorgängern 
und den Unterthanen derselben getroffenes Abkommen in einen 
andern Tribut verwandelt wurde, wonach der Herr im Besitz des 
Hechts ist, zu haben, zu nehmen und zu empfangen, und seine 
genannten Unterthanen die Uebung und Gewohnheit haben, zu 
überreichen und in sein Haus zu bringen, so oft sie Hochzeit 
feiern, ein Huhn oder einen Kapaun, eine Hammelschulter und 
zwei Brote oder einen Aschenkuchen und zwei Schalen voll biba- 
roo" (d. i. eine Art Brei oder Getränk) — *; der Nachsatz fehlt 
im Abdruck der Urkunde ^. Diese Stelle ist in einem französi- 
schen Yerzeichniss der Hechte des Jacob du Vignau, Herrn von 
Bizanos, vom 12. Sept. 1674 im Wesentlichen wiederholt, da- 
gegen in dem Yerzeichniss der Hechte des Henri du Yignau, 
Herrn von Bizanos, vom 21. Dec. 1682 weggelassen^. Gegen 

1 Urk. V. 2. Febr. 1538, bei Barth^lemy S. 108 und Lagr^ze 1867, S. 404, 
405: „Item, cum en temps passat auxi que ee botz et fama en lodit loc et 
senhoria sous sosmes dequet temps eran en subjection en los senhors de tal 
los predecessors deu denombrant en dret, auctoritat, preheminence, totas quales 
vegadas qui se fazen sposaliciis. en lodit loc de Bizanos, de dramir a son 
plaser ah las nebiaa la prumera noeyt plus prochana de lasdictes sposaliciis, 
et per so gue enter sos predecessors et sosdits soemes tal dicte subjection fo 
convertit en autre tribut, au moyen de que luy es en possession de haber, 
prener, et receber, et sesdits sosmes son tenguts. et an usat et acostumat ly 
balhan et portan en sa maison, totas vegadas qui fen sposaliciis, une poralba 
o ung capon et una spalla de moton et dus paas o una fogassa et duas scu- 
delas. de bibaroo^ — . Das Wort „fogassa^ scheint dem französischen Wort 
„fouasse^, und „scudela^ dem französischen öcuelle zu entsprechen. 

* Es liegt nahe, zu vermujbhen, dass . im Eingang eine Abkürzung „Item, Q.^ 
stand, und dass dieselbe durch den Abschreiber oder Drucker durch Miss- 
verständniss in quum statt in. quod aufgelöst wurde. Lautete der Anfang 
„Item, quod^, so giebt die Stelle fQr sich allein einen verständlichen Sinn, 
und es fehlt kein Nachsatz. 

' Barth^lemy S. 108. 



336 Kapitel 81. Bigorre. 

die Aechtheit der Urkunden von den Jahren 1538 und 1674 liegt 
kein Bedenken vor ^. In der letzteren findet sich die kleine Er- 
schwerung der Abgabe, dass nicht ein Huhn oder ein Kapaun, 
sondern ein Huhn und ein Kapaun, und nicht bloss zwei, son- 
dern drei Schüsseln voll bibaroo geliefert werden sollten ^. Beide 
Urkunden enthalten die Behauptung, in längst vergangenen Zeiten 
hätten die Vorgänger des Herrn von Bizanos das Recht der er- 
sten Nacht gehabt, und schon vor alten Zeiten (die nicht näher 
bezeichnet werden) sei dasselbe in eine Abgabe umgeviranjd.elt 
worden. Hiernach ergiebt sich aus der Urkunde eine im Jahr 
1538 beurkundete Sage, über deren Alter und Entstehung nähere 
Aufklärung fehlt. Es ist möglich, dass der Verfasser der Urkunde 
von 1538 Etwas über ein vergangenes Herrenrecht der ersten Nacht 
gehört und danach sich selbst eine Vorstellung darüber gebildet 
hatte, wie die herkömmliche Abgabe vom Hochzeitsmahl entstan- 
den sein möge. Es ist auch möglich, jedoch bisher nicht bewiesen, 
dass es bereits eine ältere Urkunde gab, worin das Recht der 
Herren von Bizanos in ähnlicher Weise erklärt war^ Für die 
Richtigkeit dieser Erklärung ist aus der Urkunde Nichts zu ent- 
nehmen; daher ist die Meinung, dass darin ein deutlicher Beweis 
des jus primae noctis enthalten sei\ nicht gerechtfertigt. 

6. Recht in Bigorre. 

Kapitel 81« Die Meinung, dass in der französischen Provinz 
Bigorre, in den Pyrenäen, das Herrenrecht der ersten Nacht 

^ Lagr^ze (1867, S. 404, 405) versichert, die Originale gesehen und für 
richtig befunden zu haben. 

2 Urk. V. 12. Sept. 1674, bei Lagr^ze 1854, 8. 707, und 1867, S. 405: 
,,Item, temps pass^ lesdits soubmis estoient en teile subjection, que les pr^- 
d^jcesseurs dudit d^nombrant auoient droit, toutesfois et quantes qu'ils pre- 
noient femme en mariage, de coucher avec response la nuit plus prpchaine des 
nopces ; ce devoir a est^ pourtant conuerty par sesdits pr^d^cesseurs en ceat 
autre, s^avoir: que lesdits soubmis sont tenus et Obligos, chaque fois qu'il se 
fait des nopces dans ledit lieu, de lui porter une poule, un chapon, une 
^paule de mouton, deux pains ou un gateau, et trois ^cueilles d'une sorte de 
bouillie, vulgairement bibaroue.*^ Daraus: H. Martin 4. Aufl. Bd. 5 S. 560; 
Bonnem^re Bd. 1 S. 61, 62; Laferri^re Bd. 5 S. 455; Delpit S. 116; Veuillot 
2. Aufl. S. 328; Labessade S. 29 Nr. 69, S. 105, 106; Buchmann S. 37. 

' Der Ort Bizanos oder Bisanos ist im For g^n^ral von Böarn aus dem 
dreizehnten Jahrhundert, Ruhr. 37 art. 88 (bei Mazure S. 36) erwähnt; doch 
enthalten die alten Fors von Bearn keine Nachricht über die Heirathsabgabe, 
die an den Herrn von Bizanos zu entrichten war. 

♦ Lagr^ze 1867, S. 404, 405. 



Kapitel 81. Bigorre. 337 

bestanden habe, ist auf eine irrige Schlussfolgerung von Lagreze 
und auf ein Missverständniss von Laferriere zurückzuführen. 
Lagreze bemerkt, da das Herrenrecht der ersten Nacht in den 
Thälern von Bearn heimisch gewesen sei, so müsse man annehmen, 
dass es in den Thälern von Bigorre ebenfalls bestanden habe * ; 
diese Folgerung ist voreilig und beruht überdies (wie aus den 
beiden vorhergehenden Kapiteln erhellt), auf einer irrigen Vor- 
aussetzung. Laferriere sagt, jenes Recht habe in den Bergen 
von Ossun und Bigorre bis zum sechzehnten und siebenzehnten 
Jahrhundert authentische Denkmale seiner alten und brutalen 
Ausübung zurückgelassen, und es stehe in Lehnsregistern aufge- 
zeichnet^; er glaubt die lange Dauer dieses unsittlichen Rechts 
dadurch erklären zu können, dass es an einer geistlichen Ge- 
richtsbarkeit in Bigorre fehlte^. Allein die Urkunden, worauf 
er sich beruft, sind nicht aus Bigorre, sondern aus Bearn ent- 
nommen*; Laferriere verwechselt hier Ossun (in Bigorre) mit 
Ossau (in Bearn), obwohl er an einer andern Stelle richtig an- 
giebt, dass die Herrschaft Louvie oder Lobie im Gebirge von 
Ossau (also nicht Ossun) liegt*, und obwohl er das For von 
Ossau mit Recht im Abschnitt über die Fors von Bearn be- 
spricht ^. 

Bascle de Lagreze theilt eine Ueberlieferung mit, wonach ein 
Herr von Baudean bei Bagneres in Bigorre das Herrenrecht der 
ersten Nacht unbarmherzig ausgeübt haben soll ^, Dieser Bericht 
ist so unbestimmt, dass er wenig Beachtung verdient; denn ab- 
gesehen davon, dass keine Quelle angegeben ist, und jede Zeit- 
angabe fehlt, sind auch nicht einmal nähere Umstände bezeichnet, 
auf denen die Nachricht beruhen soll. Etwas bestimmter ist fol- 
gende Erzählung, die Lagreze in einer Monographie des Barons 



* Lagreze 1867, 8. 406: „Si le droit du seigneur a exist^ dans les vall^es 
de Bearn, je n'hesite pas ä penser qu'il a existö dans oelles de la Bigorre/^ 

2 Laferriere Bd. 5 S. 454: . . . „c'est dans les montagnes d'Ossun et de 
Bigorre que le droit de la force et de l'impudicit^, appelö le droit du seigneur 
au moyen-äge, a laiss^ jusqu'aux XVP et XVII* siöcles des monuments au- 
thentiques de son ancien et brutal exercice. Ce droit est consignä tr^s-for- 
mellement dans des d^nombrements de droits f^odaux^^ . . . 

^ Laferriere Bd. 5 S. 458: . . . „cette absence de justice eccl^siastique 
peut expliquer la longue persistance du droit immoral de pr^libation dans les 
montagnes et les vall^es du comt^.'' 

* Vgl. darüber Kap. 79 und 80. 

* Laferriere Bd. 5 S. 455, Anm. 10. « Laferriere Bd. 5 S. 424. 

' Lagreze 1854, S. 709, ferner 1864, S. 132 und 1867, S. 406; Laferriere 

Bd. 5 S. 456. 

Schmidt, Jus primae noctis. 22 



338 Kapitel 81. Bigorre.. 

Agos Über Notre-Dame-de-Bourisp gefunden hat. Eine Braut 
Namens Loubet aus dem Dorf Soulan im Thal von Aure bat 
den Herrn der Ortschaft , er möge darauf verzichten , das 
schreckliche Herrenrecht an ihr auszuüben. Sie fand bei ihm 
kein Oehör, begab sich dann in die Kapelle zu Unserer Lieben 
Frau von Bourisp, kniete vor ^em Bilde der Mutter Gottes 
und machte das Gelübde, die schönste Färse (junge Kuh) von 
ihrer Heerde zu opfern, wenn der Himmel sie vor der drohen- 
den Schande bewahre. Der Hochzeitstag kam heran, und der 
Hochzeitszug bewegte sich zur Kirche, unter dem Freuden- 
geläut der Glocken. Plötzlich erschollen dazwischen die Trauer- 
glocken, weil der Herr des Ortes eines jähen Todes gestorben 
war. Die Braut wurde dadurch frei und säumte nicht, das an- 
gelobte Opfer zu entrichten. Noyes de Vielle nahm die Kuh in 
Yiehpacht (gazaille) für eine Jahresabgabe, die bis zum Jahr 1789 
an die genannte Kapelle pünktlich bezahlt wurde ; und die Glocke 
der Kuh blieb ex voto Jahrhunderte lang auf dem Altar *. Allein . 
es fehlt eine nähere Auskunft über das Alter dieser angeblichen 
Volkssage, die keinenfalls geschichtlich beglaubigt ist. Bei 
HelflFerich findet sich eine Vermengung der Jbeiden vorstehenden 
Erzählungen zu einem einzigen Vorfall, der wie eine geschichtliche 
Thatsache geschildert wird 2. Andere Schriftsteller berufen sich 
auf Lagreze für die Behauptung, dass in Bigorre das jus primae 
noctis heimisch gewesen sei und sich dort länger als in den mei- 
sten französischen Provinzen erhalten habe^, obgleich Lagreze 
selbst versichert, dass er in den Archiven von Bigorre keine 
Spuren von jenem Recht gefunden habe*. 



1 Lagreze 1854, S. 709, ferner 1864, S. 132 und 1867, S. 407, 408; H. Martin 

4. Aufl. Bd. 5 S. 569; Laferriere * Bd. 5 S. 456; Delpit S. 130, 131. 

* Helfferich S. 413 : „Ein Herr von Baud^an , bei Bagnörea-de-Bigorre, 
blieb taub gegen die flehentliche Bitte einer Braut, ihre Ehre [nicht] anzu- 
tasten, worauf das Mädchen in der Kapelle von Notre-Dame-de-Bourisp der 
Mutter Qottes die schönste g^nisse (Färse) ihrer Heerde gelobte, wenn sie 
vor der Entehrung sie schützen wolle. Am Hochzeitstage stirbt der Herr 
eines jähe\i Todes, und noch bis zum Jahr 1789 wurde das Gelübde in Form 
einer Rente entrichtet." 

» Augsb. AUg. Ztg. vom 18. April 1868 Nr. 109, S. 1662; Liebrecht 1869, 

5. 811, ebenso 1874, S. 139 und 1879, S. 418. 

^ Lagreze 1864, S. 132: „Dans les archives des seigneurs de nos vallöes, 
nous n'avons trouv^ aucune trace de ce droit odieux , mais il en exlste de 
tr6s-profondes dans les traditions du pays." 



Kapitel 82. Ein Pfarrer vor dem Metropolitangericht zu Bourges. 339 

2. Gerichtliche Entscheidungen. 

a. Process eines Pfarrers vor dem Metropolitangericht zu 

Bourges. 

Kapitel 82. In der unter dem Namen von Nicolaus Boerius 
herausgegebenen Sammlung von Entscheidungen des Senats von 
Bordeaux findet sich folgende Stelle: ^Ich habe gesehen, 
wie in einer Verhandlung vor dem erzbischöflichen 
Gericht zu Bourges, in der Berufungsinstanz, ein 
Pfarrer die Behauptung aufstellte, dass ihm gewohn- 
heitsmässig die erste fleischliche Erkennung der 
vermählten Frau zukomme; diese Gewohnheit wurde 
für nichtig erklärt, und er (der Pfarrer) zu einer Geld- 
strafe verurtheilt."^ Daraus ist die Nachricht in zahlreiche 
spätere Werke übergegangen 2. Bei Auslegung dieser Stelle könnte 
man voraussetzen, dass der betreffende Pfarrer vor dem geist- 
lichen Gericht wegen einer strafbaren Handlung angeklagt war 
und sich in zweiter Instanz zu seiner Entschuldigung auf die 
bezeichnete Gewohnheit berief, dass er jedoch verurtheilt wurde, 
weil das Gericht die vorgebliche Gewohnheit für rechtlich un- 
wirksam erachtete. Eine andere Auslegung ist kaum möglich, 
wenn die Erzählung als richtig angenommen wird; denn ein 
etwaiger grundherrlicher Anspruch hätte nicht zur Zuständigkeit 
des geistlichen Gerichts gehört; zudem ist nicht gesagt, dass 
der betreffende Pfarrer zugleich Grundherr gewesen -sei. Allein 
immerhin erscheint es als auffallend und unglaublich, dass ein 
Angeklagter seine That mit deren Gewohnheitsmässigkeit ent- 
schuldigt^, und ein Geistlicher vor dem geistlichen Gerichts- 
hof ein Recht auf „die erste fleischliche Erkennung der ver- 



* Boörius dec. 297 n. 17: „Et ego vidi in curia Bituricensi coram Metro- 
politano processum appellationis, in quo rector seu curatus parochialis prae- 
tendebat ex consuetudine primam habere carnalem sponsae cognitionem, quae 
consuetudo fuit annullata, et in emendam condemnatus/^ 

* Lauri^re unter Marquette ; Ducange unter Marcheta ; Reynitzsch S. 275 ; 
Sugenheim 1861, S. 104; Gubernatis, Usi S. 199; L. Favre zu La Curne 
unter Cuissage ; Kulischer S. 224. Uebersetzungen: Diaa. S. Claude S. 134 ; 
Merlin, R6p. unter Markette; Dupin S. 131; Le Si6cle, 19 sept. 1854, erste 
Seite; Kolb 1842, S. 497. — Die spanischen Advocaten Marichalar und Man- 
rique (Bd. 6 S. 68, 69) haben die Stelle von Ducange derartig missverstanden, 
dass sie den fraglichen Process nach Antwerpen verlegen. 

3 Die Gewohnheitsmässigkeit einer strafbaren Handlung kanfT nicht einen 
Straf ausschliessungs- oder Milderungsgrund, sondern nur einen Strafschärfungs- 
grund bilden. 

22* 



340 Kapitel 82. Ein Pfarrer vor dem Metropolitangericht eu Bourges. 

mahlten Frauen^ in Anspruch genommen habe. Hiernach ist 
die Auslegung der Stelle keineswegs, wie behauptet wird *, klar 
und einfach. Wäre gegen die Lauterkeit der Quelle Nichts 
einzuwenden, so müsste schon aus den angeführten Gründen an 
eine Ungenauigkeit des Berichts gedacht werden. Man könnte 
die Vermuthung aufstellen, dass jener Pfarrer eine kirchliche 
Gebühr aus ähnlichen Gründen begehrte, wie solche geraume 
Zeit früher durch die Pfarrer von Abbeville, im Beistand des 
Bischofs von Amiens, vor dem Parlament zu Paris vertheidigt 
war^, und dass er gegen die durch Urtheil erster Instanz er- 
folgte Abweisung der Klage Berufung eingelegt hatte. Dann 
wäre es erklärlich, dass die Sache an das erzbischöfliche Gericht 
zur Entscheidung gelangte, und dass dies Gericht, aus ähnlichen 
Gründen wie seinerzeit das Parlament zu Paris, den Anspruch 
für unbegründet erachtete, demgemäss die Berufung verwarf und 
den Kläger in die Succumbenzstrafe (emendam) verurtheilte. Die 
Annahme eines Missverständnisses liegt besonders deshalb nahe, 
weil der Berichterstatter die ganz ungleichartigen Ansprüche des 
Bischofs von Amiens (vgl. oben Kap. 63) und der Grundherren 
der Gascogne (vgl. oben Kap. 61) mit den Ansprüchen des be- 
treffenden Pfarrers als gleichartig zusammenstellte^. Wären die 
Streitigkeiten, worüber das erzbischöfliche Gericht zu Bourges 
entschied, von derselben Art wie die des Bischofs von Amiens 
und der Pfarrer von Abbeville gewesen, so könnten sie sich nicht 
auf das Herrenrecht der ersten Nacht bezogen haben. Indessen 
abgesehen von den hervorgehobenen Unklarheiten, sprechen noch 
andere Gründe für die Annahme, dass die fragliche Stelle keinen 
höhern Werth hat, als eine um Mitte des sechzehnten Jahr- 
hunderts erdachte Anecdote*. Der Bericht ist so unbestimmt 
gehalten, dass er über den Ort der Pfarrei, den Namen des Pfar- 
rers, die Zeit des Processes und den Namen des Gerichts erster 
Instanz keine Angaben enthält; ebensowenig ist angegeben, ob 



* Vallein S. 220: „un texte si clair et simple!'' 

2 Vgl. darüber Kap. 63 S. 278, 279. 

' Bogrias dec. 297 n. 17 hinter der oben (S. 339, Anm. l) angeführten 
Stelle: „Et pariter dici andivi et pro certo haberi, nonnuUos Yasconiae do- 
minos" etc. (vgl. oben Kap. 61 S. 258, 259). Dann heisst es weiter: „Et 
similiter reperi Ambianensem Episcopum pro licentia'' etc. (folgt ein Bericht 
über das in Kap. 63 besprochene Parlamentsurtheil vom 19. März 1409). 

^ Zu demselben Ergebniss gelangt der Commissionsbericht der französischen 
Akademie der Inschriften vom 11. Aug. 1864, Berger de Xivrey S. 23. Vgl. 
auch Veuillot 2. Aufl. S. 151—154. 



Kapitel 82. Ein Pfarrer vor dem Metropolltangericht zu Bourges. 341 

und in welcher Eigenschaft Nie. Boerius zu der Verhandlung 
hinzugezogen wurde, oder aus welcher Veranlassung er Gelegen- 
heit hatte, dem Verhör beizuwohnen*. In der Geschichte des 
Erzbisthums Bourges und der davon abhängigen fünf Bisthümer ^ 
sind keine Nachrichten über einen Process zu entdecken, auf 
den die Angaben von Boerius sich beziehen könnten. Der Erz- 
bischof Franz I. de Beuil hob in der Zeit von 1520—1525 einige 
Missbräuche auf; doch betrafen dieselben Schmausereien bei der 
Frohnleichnamsprocession und unschickliche Verkleidungen, welche 
am Martinsfest, Nicolausfest und Innocenzfest üblich waren ^; sie 
standen also in keinem Zusammenhang mit' dem Missbrauch, den 
die angeführte Stelle andeutet. Zur Lebenszeit des Nie. Boerius 
und etwas später wirkten auf der Universität zu Bourges die 
grössten Rechtslehrer, namentlich Alciat, Duaren, Cujacius und 
Donellus*; doch findet sich in ihren Schriften meines Wissens 
keine Andeutung von dem fraglichen Process, obwohl alle diöse 
Juristen an verschiedenen Stellen ihrer Werke genugsam Ver- 
anlassung gehabt hätten, einen so sonderbaren Process zu er- 
wähnen. Nicolaus Boyer oder Bohier, lateinisch Boerius^ (am 
2. Mai 1469 zu Montepessulano bei Narbonne geboren), war seit 
1512 Professor an der Universität zu Bourges, wurde später in 
den Senat zu Bordeaux berufen und starb als dessen Vicepräsi- 
dent (President ä mortier) am 10. Juni 1531 oder 1539 ^ Die 
unter seinem Namen herausgegebenen Decisiones Burdegalenses 
erschienen erst im Jahr 1551, also nach seinem Tode, mit Vor- 
rede des Joannes Alesmius vom 1. Mai 1544. Dies Werk ent- 



^ Dies letztgenannte Bedenken^ würde sich erledigen, wenn feststände, wie 
Lafeiri^re Bd. 5 S. 456 schreibt, dass BoSrius Neffe des Erzbischofs Guillel- 
mus IV de Cambray (1492—1504) und dessen „BailU du Palais" und BaiUi 
„des autres Justices de l'archevSque" gewesen sei, und dass er in dieser 
Stellung Gelegenheit gehabt habe, genau zu wissen, was er berichtete. Doch 
giebt Laferri^re nicht an, aus welchen Quellen er die bezeichneten Notizen 
über Nie. BoSrius entnommen hat. 

» Gall. Christ. Bd. 2 S. 87—98, 225—685. 

3 Gall. Christ. Bd. 2 S. 96. 

^ Alciatus, geb. 1. Mai 1492, seit 1529 Professor in Bourges; Duarenus, 
geb. 1509, seit 1551 Professor in Bourges; Cujacius, geb. 1520 oder 1522, ge- 
storben zu Bourges 1590; Donellus, geb. 1527, gestorben 1591. 

^ Nicht zu verwechseln mit Jean Bouhier, Vicepr&sidenten am Parlament 
zu Dijon, geb. 16. März 1673, gest. 17. März 1746, auch nicht mit dem ersten 
Bischof von Dijon, Namens Jean Bouhier, der im Jahr 1744 starb. Vgl. die 
näheren Angaben bei Michaud. 

^ Vgl. Stepf Bd. 1 S. 224, 225, insbesondere auch die Lebensbeschreibung 
von Joannes Alesmius in dessen Ausgabe der Werke von BoSrius. 



342 Kapitel 82. Ein Pfarrer vor dem Metropolitangericht zu Bourges. 

hält viele Zusätze, die nicht von Boerius herrühren, sondern zur 
Vergrösserung des Buch« von jungen Leuten verfasst sind * ; zu 
diesen werthlosen Zusätzen kann die angeführte Stelle gezählt 
werden, als eine der vielen Anecdoten, die von der Art sind, 
dass sie keinen Glauben verdienen '. 

Es ist erstaunlieh, wie ungebührlich die Stelle des Boerius von 
späteren Schriftstellern ausgebeutet wurde. Lauriere meint, diese 
Stelle allein genüge, um nachzuweisen, dass in Frankreich dasselbe 
Recht gegolten habe, welches durch König Evenus in Schottland 
eingeführt gewesen sei ^. Auch Ducange und dessen Nachfolger 
citiren die Stelle aus Boerius gleichzeitig mit dem G-esetz des 
Königs Evenus als Beweis für das Herrenrecht der ersten Nacht *. 
Raynal und Delpit sagen, ein Pfarrer habe das anstössige „droit 
de marquette" oder „droit de julie" zu beanspruchen gewagt ^ 
Mit Berufung auf Boerius behaupten viele Schriftsteller, dass die 
Geistlichen das Herrenrecht der ersten Nacht geltend gemacht 
hätten^; und mit Entrüstung bemerkt Dalloz, das stolze und leb- 
hafte französische Volk habe in dem Herrenrecht der ersten Nacht 
die Spuren einer langen und dummen Verthierung bis ins sieb- 
zehnte Jahrhundert ertragen '. Demgegenüber kann die Meinung 
Labessade's, dass der Pfarrer eine Abgabe von allen Verheira- 
theten der Pfarrei anstatt des Rechts einer ersten fleischlichen 
Erkennung begehrt habe®, als eine verhältnissmässig gemässigte 
bezeichnet werden. Sechs grobe Irrthümer finden sich in einem 
einzigen Satz von Kolb: „Boetie (geb. 1531, gest. 1563) erzählt 
ziemlich umständlich, wie er selbst die Acten eines Processes ge- 
sehen habe, in welchen ein Pfarrer bei dem Appellhofe zu Bourges 
sein desfallsiges Recht geltend zu machen suchte!"^ Dulaure 
meint, der fragliche Pfarrer habe bei dem Metropolitan ein Ge- 

* Dumoulin, pars 3 n. 255 S. 400: „Multa in d. [d. = dictis] decisionibus 
ad augendum librum inserta sunt, quae non sunt e sententia Nicolai BoSrii 
jam senio confecti, sed allegationes juvenum.^' Vgl. Camus Bd. 2 S. 277. 

2 Vgl. Veuillot 2. Aufl. S. 151—163; Lagreze 1867, S. 416. 
' Lauriere unter Marquettes. 

* Ducange (Henschel) unter Marcheta; Merlin, Rep. unter Markette; Peu- 
chet et CKanlaire S. 23; Michelet S. 264: Schaffner Bd. 3 S. 185; Guber- 
natis, Usi S. 199. 

* Raynal Bd. 2 S. 209, 210; Delpit S. 84. 

6 Dulaure, Adel S. 243; Fellens S. 148; Dupin S. 131; Schaffner Bd. 3 
S. 185; Sugenheim 1861, S. 104; Laurent S. 57; v. Maurer Bd. 3 S. 169. 
' Dalloz unter Adultöre. 

8 Labessade S. 27 Nr. 58, auch S. 102, 103. 

9 Kolb 1843, Bd. 2 S. 73, 74. 



Kapitel 83. Das Kloster Sanct-Stephan vor dem Parlament zu Paris. 343 

such um Anerkennung seines Rechts der ersten Nacht einge- 
reicht; er fügt hinzu: „Das Gesuch ward mit Unwillen abge- 
schlagen, die Gewohnheit ganz einstimmig verbannt, und der 
ärgerliche Pfaffe zu einer Geldbusse verdammt." * CoUin de 
Plancy erzählt, der Landpfarrer habe nach eigener Angabe jenes 
Recht ausgeübt, solange er in der Pfarrei gewesen sei; doch 
hätten die Plaidoyers in diesem Process ein solches Aergerniss 
hervorgerufen, dass der Erzbischof das droit de ctiissage in seiner 
Diöcese abgeschafft und den Pfarrer wegen der Unverschämtheit 
seiner Klage zu einer Geldstrafe verurtheilt habe*. Der Wirk- 
liche Regierungsrath von Reynitzsch leitet aus der Stelle von 
Boerius sogar folgenden Satz her: es war „gar nichts Unehrliches 
für einen Dorfpfaffen, die Bräute seiner ganzen Pfarre in der 
ersten Brautnacht zu beschlafen", obwohl er „doch die Keusch- 
heit heilig gelobt und das hejlige Sacrament der Ehe abgeschwo- 
ren hatte" ^. Die Seltsamkeit dieser Vorstellung wird noch über- 
troffen durch den in neuester Zeit gemachten Versuch, den ver- 
meintlichen Anspruch* der Geistlichen, die Bräute in der Braut- 
nacht zu beschlafen, mit der Einrichtung des Cölibats theoretisch 
in Einklang zu bringen *. Die Widerlegung aller dieser Meinungen 
ergiebt sich aus der vorstehenden Untersuchung. 

ß. Process des Klosters Sanct-Stephan zu Nevers vor dem 

Parlament von Paris. 

Kapitel 83. Paponius berichtet, die Mönche, der Prior und 
das Kloster Sanct-Stephan in Nevers hätten in einer Klage be- 
hauptet, im rechtmässigen Besitz des Rechts zu sein, von Jedem, 
der in Nevers heirathe, eine Schüssel Braten, eine Schüssel ge- 
kochten Fleisches, einen Krug Wein und ein Brot im Gewicht 
von vier Pfund zu erhalten; doch sei die Klage durch Parla- 
mentsurtheil vom 27. Sept. 1582 abgewiesen worden*. Dieser 



» Dulaure, Adel S. 243. 

^ Collin de Plancy Bd. 1 S. 179; Fellens S. 148. 

3 Reynitzsch 8. 275. Der erste Theil dieses Satzes steht in directem 
Widerspruch mit der von BoSrlus angegebenen Entscheidung; er wird beson- 
ders unverständlich durch den im zweiten Theil des Satzes enthaltenen Hin- 
weis auf den Cölibat der Geistlichkeit. 

♦ Kulischer S. 225. 

^ Paponius lib. 13 tit. 3 n. 8 : ^Patinam tostae, patinam assae carnis, am- 
phoram vini, panem pondere quatuor librarum accipiendi, quod jus Religiös!, 
Prior et Conventus oppidl S. Stephani Nivernensis habere praetendebant, et 
in ejus possessione exigendi k singulis, qui in civitate Nivernensl matrimo- 



344 Kapitel 83. Das Kloster Sanct- Stephan vor dem Parlament zu Paris. 

Bericht erscheint an und für sich als glaubhaft; denn das Klo- 
ster Sanct-Stephan zu Nevers (im Jahr 602 durch den heiligen 
Columban gestiftet, später zerstört, wieder aufgerichtet und 
den Benedictinern übergeben) hatte ansehnliche grundherrliche 
Rechte vom Grafen von Nevers erworben * ; auch Hesse sich 
denken, dass zu den durch Herkommen begründeten grundherr- 
lichen Rechten die bezeichnete Heirathsabgabe gehörte, und dass 
im Jahr 1582 das Parlament aus den inzwischen zur Geltung 
gekommenen veränderten Rechtsanschauungen die auf das Her- 
kommen gegründeten Ansprüche für rechtlich unwirksam erklärte. 
Indessen hat Paponius seinen Bericht, wie ein Citat am Schluss 
desselben ersehen lässt, nicht unmittelbar aus dem Urtheil des 
Parlaments geschöpft, sondern aus einem Werk von Louis Cha- 
rondas-le-Caron entnommen; und die Einsicht dieser Quelle z^igt, 
dass die Mittheilung von Paponius^ in mehrfacher Beziehung un- 
genau ist^. 

Es erhoben nämlich Antonie von Grandrye und Oenossen 
vor dem Vertreter des Seneschalls von Bourbonnais zu Moulins 
gegen Meister Johann Brung und Genossen eine Complainte (d. i. 
eine Art von Besitzstörungsklage) mit der Behauptung, als Lehns- 
träger des Herzogs von Nevers, im rechtmässigen Besitz eines 
„droit de masse'' zu sein, nämlich des Rechts, von Jedem, der in 
der Stadt Nevers heirathe, eine Steuer zu erheben, und zwar von 
der Frau vier Kreuze und vom Mann eine Schüssel Braten, eine 
Schüssel gekochtes Fleisch, ein Quart Wein, ein Brot von rich- 
tigem Gewicht und vier Pfennige, unter Gesang eines scherzhaften 
Liedes beim Hochzeitsfest. Die Beklagten, sowie die zu ihrer 
Unterstützung dem Process beigetretenen Mönche, Prior und Con- 
vent von Sanct-Stephan, bestritten den klägerischen Anspruch. 
Der Richter verurtheilte die Beklagten nach dem Klageantrag 
durch Urtheil vom 27. Jan. 1582. Gegen dies Urtheil legten 
Meister Johann Brung und Genossen, nebst den Mönchen, dem 
Prior und dem Convent von Sanct-Stephan, Berufung ein. Das 



nium contraherent, ad quod praetensum jus Curia Arresto 27. Septembris 1582 
non admittendos eos esse declaravit." Daraus: Brillon Bd. 2 S. 917 (mit 
Druckfehler 25.' statt 27. Sept.); VeuiUot 2. Aufl. S. 260. 

^ Morellet Bd. 1 S. 115. 

* Danach war das Kloster nicht Kläger, sondern Intervenient oder Adcltat 
im Process; es stand auf Seiten der Beklagten und beantragte gemeinschaft- 
lich mit denselben die Abweisung der Klage; am 27. Januar 1582 erging das 
Urtheil erster Instanz, wogegen das Datum des Parlamentsurtheila von Cha- 
rondas nicht mitgetheilt wird. 



Kapitel 83. Das Kloster Sanct-Stephan vor dem Parlament zu Paris. 345 

Parlament zu Paris entschied in der Berufungsinstanz; es nahm 
die Berufung an und wies die Klage ab, mit der Erwägung, dass 
aus Geschenken, die auf Hochzeitsfesten aus Munterkeit oder 
Freigebigkeit gemacht seien, keine rechtliche Forderung her- 
geleitet werden könne, nach Analogie von Lex 41 Dig. de ac- 
quirenda vel amittenda possessione und Lex 10 § 1 Dig. de an- 
nuis legatis ^ 

Aus dem vorstehenden Bericht erhellt mit völliger Klarheit, 
dass der Rechtsstreit, bei dem das Kloster Sanct-Stephan be- 
theiligt war, eine grundherrliche Heirathsabgabe betraf, und dass 
dieselbe nicht den geringsten Anlass zu der Yermuthung bot, als 
könnte sie durch Ablösung eines anstössigen Herrenrechts ent- 



. 1 Charondas liv. 7 resp. 79 (S. 279 der Ausg. v. 1637): „Elle [la Cour] 
a encores depuis en infirmant la sentence du Seneschal de Bourbonnais, ou 
son Lieutenant k Moullns, entre Maistre Jean Brung et consors, les Religieux, 
Prieur et convent du Bourg saint Etienne de Nevers, joints avec eux, appel- 
lans de ladicte sentence du 27. jour de Janvier 1682, et Anthoinette de Grand- 
rye et consors inthimez d'autre , d^clarö les inthimez non recevables en la 
complainte par eux intent^e pour la possesslon d'un droit de masae, qu'ils 
pretendoient sur chacun qui se marie dans la ville de Nevers, ^s quatre croix 
dicelle; et pour iceluy un plat de rosty, un plat de bottilly, un quarte de 
vin, un pain de poids, et quatre deniers, en chantant une ridlcule chanson 
en l'assembl^e du festin nuptial; et tenir ledit droit en fief du Duc de Ke- 
vers. La Cour a prudemment consid^r^ que tel presen ofTert quelquefois en 
un banquet de nopces, par gaillardise ou liberalite , ne devait estre tirö k 
consequence et necessit^, arg. L. qui jure familiaritatis D. de adquir. poss., 
L. Sejo § medico D. de annuis legatis, Baldus in L. solet D. de offtc. procons. 
et fait k ce propos L. ut pomum D. de servit. et ce que Du Moulin en a 
escrit parlant de servitiis feudi insolitis et exorbitantibus, qu'il dit non debere 
trahi in conseqnentiam et vinculum obligationis , in consuet. Paris. § 53 
num. 19 . . .^ — Es würde an und für sich denkbar sein, dass zwei ver- 
schiedene Processe über dieselbe Heirathsabgabe geschwebt hätten; dass In 
dem einen Process das Kloster als Rechtsnachfolger der Grafen von Nevers 
als Kläger aufgetreten wäre; und dass es in dem andern Process, worin An- 
tonie von Grandrye und Genossen klagten, intervenirte und mit den Be- 
klagten auf Abweisung der Klage antrug, weil es die Legitimation der 
Kläger bestritt und die streitigen Rechte für sich selbst in Anspruch nahm. 
Doch dürfte eine solche Annahme dadurch ausgeschlossen sein, dass Paponius 
keine andere Quelle als den Bericht von Charondas angiebt. Deshalb ist 
es auch bedenklich, durch den Bericht vom Paponius für festgestellt zu 
erachten, dass die Entscheidung des Parlaments am 27. Sept. 1582 ergangen 
sei, da Charondas den Tag der Entscheidung nicht angiebt. Mindestens 
ebenso unsicher ist die Angabe Yoltaire's (Dict. phil. unter Taxe), wonach 
das Urtheil des Parlaments am 27. Sept. 1591 erlassen sein soll. Ein solches 
Urtheil ist im Pariser Staatsarchiv (nach den von mir angestellten Erkundi- 
gungen) weder unter dem einen noch unter dem andern Datum aufzufinden. 



346 Kapitel 84. Die Herren von Souloire vor dem Parlament zu Paris. 

standen sein. Mit derselben Sicherheit ergiebt sich aus den Be- 
richten von Charondas und Paponius, dass der Process keine 
kirchliche Gebühr betraf, also von dem Rechtsstreit, den der 
Bischof von Amiens mit den Bewohnern von Amiens und Abbe- 
ville geführt hatte, durchaus verschieden war. Und doch sind 
beide Irrthümer vereinigt in der Behauptung zahlreicher Schrift- 
steller, worin dieselben versichern,, dass die Prätensionen der 
Mönche von Sanct-Stephan zu Nevers gleichartig oder gar iden- 
tisch mit jenen Ansprüchen des Bischofs von Amiens gewesen 
seien, und dass sie einen Beweis für das Herrenrecht der ersten 
Nacht lieferten*. 

Y» Process über Rechte der Herren von Souloire vor dem 

Parlament zu Payis. 

Kapitel 84. Charlotte Du Bois, Wittwe von Joachim Ba- 
rillon, Herrn von Souloire (Saulaires), in der Provinz Anjou, 
klagte als Vormünderin ihrer Kinder, zufolge eines gegenüber 
der Oberlehnsherrin, Gräfin von Mauleurier, abgegebenen Lehns- 
anerkenntnisses , gegen Gabriel Ragot, Herrn von La Paye, als 
Ehegatten der Renee de Guynemoire, und gegen den Meier Michel 
Bremat vor dem Gericht des Senechal von Anjou in Angers, wegen 
zweier Rechte. Ihr erster Anspruch ging dahin, dass ihr Ser- 
geant zu allen Hochzeiten der Unterthanen ihres Lehens acht 
Tage zuvor eingeladen werden müsse und berechtigt sei, so oft 
es ihm gutdünke, an der Hochzeit theilzunehmen, vor der jungen 
Frau zu sitzen, ebenso wie sie zu speisen, zwei Laufhunde (chiens 
courants) und einen Windhund (levrier) mitzubringen, Bekösti- 
gung derselben zu verlangen und nach Beendigung des Hoch- 
zeitsmahls die junge Frau zu führen und das erste Lied zu 
singen. Zweitens beantragte sie, zu erkennen, dass ihr Sergeant 
berechtigt sei, von jeder öffentlichen Dirne (concubine publique), 
die sich auf der Strasse treffen lasse, entweder vier Pfennige zu 
erheben oder ihr den Aermel ihres Kleides am rechten Arm ab- 
zunehmen oder mit ihr nach Willkür zu verfahren. Nach er- 
folgter Beweisaufnahme wies der Vertreter des Senechal zu An- 
gers durch ürtheil vom 4. März 1600 die Klage in beiden Theilen 
ab. Die Klägerin appellirte. Am 6. März 1601 wurde vor der 
grossen Kammer des Parlaments zu Paris über die Berufung 
verhandelt, die nur bezüglich des ersten Klagepunktes aufrecht 



1 Espeisses Bd. 3 Tit. 6 sect. 9 S 306; Voltaire, Dict. phil. unter Taxe; 
Diss. S. Claude Anh. S. 134; Dulaure, Adel S. 242; Labessade S. 26 Np. 56. 



Kapitel 84. Die Herren von Souloire vor dem Parlament zu Paris. 347 

erhalten und durch den Advokaten Gourreau vertheidigt wurde. 
Bezüglich des zweiten Theiles stellte der Vertreter der Klägerin 
keinen Antrag. Zur Begründung der Berufung legte der Ad- 
vokat Auszüge aus vierzehn Urkunden vor, aus der Zeit von 1408 
bis 1546, um nachzuweisen, dasa während dieser Zeit die Rechts- 
vorgänger der Klägerin sich im ruhigen Besitz des jetzt streitig 
gewordenen Rechts befunden hätten. Er berief sich, ferner auf 
den Inhalt der Zeugenaussagen erster Instanz; darin seien zahl- 
reiche Fälle bestätigt, in denen der Sergeant Ton Souloire zur 
Hochzeit eingeladen wurde; nur ein Zeuge habe sich geweigert, 
jener Verpflichtung nachzukommen, jedoch lediglich auf Zureden 
des Beklagten, der ihm versprochen hatte, ihn wegen der Folgen 
seiner Weigerung schadlos zu halten. Endlich bezog er sich 
auf ein durch die Beklagten vor dem Richter erster Instanz am 
4. März 1600 abgelegtes Anerkenntniss. Der Advokat Choppin 
vertrat die Sache der Beklagten; er vertheidigte die Entschei- 
dung des ersten Richters, mit der Ausführung, dass der kläge- 
rische Anspruch weder durch einen Titel noch durch die Cou- 
tume d'Anjou sich rechtfertigte, überdies lächerlich sei und gegen 
die öffentliche Freiheit Verstösse. Der Generaladvokat Louis Ser- 
vin gab sein Gutachten zu Gunsten der Beklagten ab; er hielt 
das in erster Instanz abgegebene Anerkenntniss für nicht entschei- 
dend, weil dasselbe nur dahin ging, dass zur Zeit der Minderjäh- 
rigkeit des Fräulein von Guynemoire und in Abwesenheit der Be- 
klagten, zufolge von Zwang und Drohung Seitens des Herrn von 
Souloire, und nur seit siebzehn bis achtzehn Jahren, der Sergeant 
von Souloire zu einigen Hochzeiten in der Meierei Guynemoire 
eingeladen worden sei. Ebensowenig, meinte er, könne der nach 
der Coutume d'Anjou erforderliche Beweis eines dreissigjährigen, 
ununterbrochenen, ruhigen und unbestrittenen Besitzstandes als 
geführt erachtet werden; vielmehr sei der Klageanspruch hin- 
fällig, weil aus der Zeit seit 1540, also seit 60 Jahren vor An- 
stellung der Klage, keine Besitzhandlungen nachgewiesen seien. 
Zudem sei der seigneur suzerain (die Gräfin von Mauleurier) 
im Process nicht vertreten. Uebrigens könne schon nach all- 
gemeinen Grundsätzen die Abweisung der Klage gerechtfertigt 
werden: erstens aus dem durch das römische Recht, durch die 
Kapitularien und durch die Rechtsprechung des Parlaments 
(z. B. durch das Urtheil vom Jahr 1401 *) anerkannten Grundsatz 
der Freiheit in der Eheschliessung, und zweitens aus der Er- 



^ Vgl. oben Kap. 63 S. 274, 275. 



348 Kapitel 84. Die Herren von Souloire vor dem Parlament zu Paris. 

wägung, dass der klägerische Anspruch gegen die guten Sitten 
Verstösse, daher nach allgemeinem Recht ^ als hinfallig erscheine. 
Der Gerichtshof trat diesen Ausführungen nicht bei, sondern 
schützte durch Urtheil vom 6. März 1601 die Beruf ungsklägerin 
im Besitz des im ersten Theil der Klage bezeichneten Rechts, 
indem er nur bezüglich des zweiten Theiles (der ohne Verthei- 
digung in zweiter Instanz geblieben war) die Berufung verwarf. 
Einen vollständigen Bericht über diesen Process hat Louis Servin 
veröffentlicht^. Dies ist die Quelle, woraus alle späteren Nach- 
richten^ von dem fraglichen Rechtsstreit theils direct, theils in- 
direct geschöpft sind. Wie Lauri^re berichtet, sollen die Herren 
von Souloire freiwillig am 15. Dec. 1607 auf das streitig gewesene 
Recht verzichtet haben*. Hierbei unterlässt Lauriöre, das frag- 
liche Recht genau zu bezeichnen; er sagt nur, es sei ähnlich 
demjenigen Recht gewesen, das in Schottland durch König Eve- 
nus UI. eingeführt und durch König Malcolm HI. abgeschafft 
worden sei. Diese Meinung ist durch den vorstehenden acten- 
mässigen Bericht widerlegt. 

Durch einige neuere Schriftsteller ist nicht bloss der Irrthum 
Lauriere^s weiter verbreitet, sondern im Anschluss daran folgende 
Erzählung erfunden worden. In der Herrschaft Souloire bei Can- 



1 Arg. L. 121 § 1 Dig. de V. O. (arg. e contr.) und L. 16 § 1 Dig. de 
operis libertorum. 

* Servin Th. 2 Kap. 28 S. 227 (die zweite S. 227) bis 230. 

» Limnaeus, Addit. ad IIb. 4 cap. 7 in fine, Bd. 4 S. 604; Olive S. 157; 
d'fispeisses lib. 6 sect. 0, S. 306; Brodeau S. 273; Brillon Bd. 2 S. 924; Du- 
laure, Adel S. 235 und 238; Kaepsaet 3. Aufl. S. 15; Grimm, R.-A. 2. Ausg. 
S. 384; V. Hormayr 1832, S. 38; Michelet S. 266; v. Hormayr 1842, S. 146, 
147; Laboulaye S. 332; Veuillot S. 274—279; Delpit S. 85—88; Labessade 
S. 27 Kr. 59. Bei Auzannet S. 5 (Anm. zu tit. 1 art. 1) und bei Brillon 
(Bd. 2 S. 924 § 131) findet sich der Irrthum, dass die Entscheidung su 
Gunsten eines Herrn von Desoloris ergangen sei. 

* Lauri^re unter CuUage: ^Les Sieurs de Souloire ^taient autrefols fondez 
en pareil droit, l'ayant obmis en l'aveu rendu au Seigneur de Montlevrier 
Seigneur suzerain, le döfaut donna ouverture de d^bat, comme de defectuosltä : 
et par acte du 15 d^cembre 1607 il y renon^a pr6cis6ment. Ces droits ex- 
orbitans et honteux ont ^t6 convertis en des prestations modiques.^ Daraus: 
Encycl., Ausg. v. 1754, unter Culage (von Boucher d'Argis) mit dem Druck- 
fehler Sonloire statt Souloire; die späteren Ausgaben der Encyclopädie unter 
Culage, und Voltaire, Dict. phil. unter Taxe, immer mit demselben Druck- 
fehler; Roquefort, Suppl. S. 106, mit dem Druckfehler l707 statt 1607. Bei 
den Encyklopädisten und bei Voltaire findet sich der grundlose Zusatz, dass 
die Umwandlung solcher abscheulichen Rechte in massige Abgaben ,,überall^ 
stattgefunden habe. 



Kap. 85. Graf von Montvallat vor den Grands-Jours von Clermont. 349 

debac, im Lande Caux in der Norman die, hatten die Grund- 
herren das Herrenrecht der ersten Nacht, bis dasselbe am 15. Dec. 
1607 aufgehoben wurde. In der Nähe des Herrensitzes lag ein 
Teich , woran * ein Weg vorbeiführte ; der Vogt des Herrn von 
Souloire hatte ein Haus an diesem Wege und übte dort das 
Recht seines Herrn an allen Frauen, die über diese Strasse 
gingen, wenn sie hübsch waren, zwangsweise aus; von alten 
oder hässlichen Frauen Hess er sich ein Lösegeld von vier Pfen- 
nigen zahlen ^. Der Inhalt dieser Erzählung erinnert an den vor- 
erwähnten zweiten Anspruch der Wittwe von Souloire, mit dem 
sie in beiden Instanzen abgewiesen wurde. Sie behauptete, ihr 
Amtmann sei berechtigt, mit liederlichen Weibspersonen, wenn 
sie sich auf offener Strasse treffen Hessen, nach Willkür zu ver- 
fahren. Den Ausdruck „faire d'elles k sa volonte" beziehen manche 
Schriftsteller auf eine unzüchtige Handlung, während es natürlich 
ist, an eine körperliche Züchtigung oder an sonstige Bestrafung 
zu denken ; keinenfalls liegt darin eine Rechtfertigung oder auch 
nur eine Entschuldigung für die Behauptung, dass die Herren 
von Souloire das „droit du seigneur" (jus primae noctis) für sich 
in Anspruch genommen oder gar ausgeübt hätten. 

S. Process des Grafen von Montvallat vor dem Gerichtshof 

der Grands-Jours von Clermont. 

Kapitel 85. Der Graf Charles de MontvaHat wurde am 
27. Nov. 1665 durch den Gerichtshof der Grands-Jours zu Cler- 
mont wegen Misshandlung des Peter Albaret aus dem Kirchspiel 
Epinasse und wegen eines an Franz Guyon, Gerber in Chau- 
desaigues, verübten Eaubes, sowie wegen anderer im Lauf der 
Untersuchung ermittelter Handlungen zum Verlust seiner Ge- 
richtsbarkeit über die Gebiete von Montvallat und Mornac und 
zu einer Geldstrafe von 8000 Livres verurtheilt; in demselben 
Urtheil wurde über mehrere privatrechtliche Streitigkeiten ent- 
schieden, insbesondere die Nichtigkeit einiger Schuldverschrei- 
bungen ausgesprochen. Das nämliche Urtheil untersagte dem 
Grafen von Montvallat, von den Personen, die ihm zu Abgaben 
verpflichtet waren, auf Grund der alten Rechtstitel mehr als drei 
Sous für jedes „droit de guet" (in Friedenszeiten) und mehr als 
drei Livres für jedes „droit de nopces" zu erheben*. Das Ur- 



1 CoUln de Plancy Bd. 1 S. 172, 173. L. v. Alvensleben (zu Fellens S. 148) 
wiederholt diese Erzählung, mit dem Druckfehler Souloise statt Souloire. 

2 Urth. v. 27. Nov. 1665, Recueil de Clermont, S. 133—138, auf S. 136: 



350 Kap. 85. Graf von Montvallat vor den Grands-Jours von Clermont 

theil lässt nicht ersehen, welche Beschwerden bezüglich der Hei- 
rathsabgabe (des droit de nopces) gegen den Grafen erhoben 
waren. Einige Aufklärung darüber giebt Bischof Esprit Flechier 
von Ntmes. Derselbe erzählt, das in der Auvergne unter dem 
Namen droit de noces verbreitete Recht, das früher einen minder 
anständigen Namen führte, habe ursprünglich dem Herrn die 
Befugniss ertheilt, bei allen Hochzeiten seiner Unterthanen zu- 
gegen zu sein und beinfi Schlafengehen der neuvermählten Frau 
die Förmlichkeit zu verrichten, welche üblich sei, wenn eine 
Königin durch Stellvertretung heirathe; dies Recht werde nicht 
mehr ausgeübt, sondern sei in eine Geldabgabe verwandelt; doch 
habe der Graf von Montvallat den Anspruch erhoben, dass ihm 
jenes alte Recht noch zustehe, und er habe durch die Furcht, 
die er einflösste, seine Unterthanen genöthigt, ihn mit grossen 
Geldzahlungen abzufinden, dergestalt, dass dazu häufig die Hälfte 
der Mitgift aufgewendet wurde ^. Es kann dahingestellt bleiben, 
ob und inwieweit diese Erzählung der Wahrheit entspricht. Jeden- 

. . . „lui fait defPences de prendre ny exiger de ceux qui luy seront rede- 
vables, des droits de Guet et de Nopces, par les anciens Tltres et Terriers, 
autre chose que trois sola pour chäcun droit de Guet en temps de Paix, et 
la somme de trois livres, ä laquelle la Cour a liquid^ chäcun droit de Nopces.^ 
Das „droit de guet^ scheint eine Abgabe für die Nachtwache (Scharwache) 
gewesen zu sein. 

* F16chier S. 157, 158: „II y a un droit qui est assez commun en Au- 
vergne qu'on appelle le droit des noces, Autrefois on ne l'appeloit pas si 
honn^tement; mais la langue se purifle dans les pays m^me les plus barbares. 
Ge droit, dans son origine, donnoit pouvoir au seigneur d'assister ä tous les 
mariages qui se faisoient entre ses sujets; d'6tre au coucher de l'^pousöe; 
faire les c^remonies que fönt ceux qui vont ^pouser par procuration les 
reines* de la part des rois. Get usage ne se pratique plus aujourd'hui, soit 
parce qu'il seroit incompatible aux seigneurs d'^tre de toutes les noces de 
leur village et d'emporter leurs jambes dans les lits de tant de bonnes gens 
qui se marient, que parce que cette coutume ^toit un peu contraire ä l'hon- 
n^tete, et qu'elle exposoit les gentilshommes , qui avoient l'autorit^ et qui 
n'avoient pas toujours la mod^ration, a des tentations assez dangereuses, lors- 
qu'ils en trouvoient quelques beaux sujets. Gette honteuse c^r^monie a 6t^ 
chang^e en reconnaissance p^cuniaire, et, par un accord mutuel, les seigneurs 
ont demand^ des droits plus solides, et les sujets ont ^t^ bien aises de se 
r^dimer de cette loi si dangereuse ä leur honneur. M. de Montvallat trouvoit 
que les anciennes coutumes ^toient les meilleures, lorsque quelque belle 
villageoise alloit ^pouser, et ne vouloit pas laisser perdre ses droits ; et comme 
on le tenoit assez redoutable sur ce sujet , et qu'on craignoit que la chose 
passät la c4r^monie, on trouvoit encore plus h, propos de capituler, et de lui 
faire quelque präsent consid^rable selon leurs forces. Quoiqu'il en soit, 11 
faisoit valoir ce tribut, et il en coütoit bien souvent la moiti^ de la dot de 
la marine.'' Daraus: Lagr^ze 1867, S. 403; Labessade S. 101, 102. 



Kapitel 86. Toscaniaches Gesetz vom Jahr 1691. 351 

falls erhellt aus dem angeführten Urtheil, dass der Anspruch 
des Grafen yon Montvallat auf Erhebung einer Heirathsabgabe 
im Allgemeinen rechtlich begründet war; er stützte sich auf alte 
Titel, die der Gerichtshof als rechtsbeständig anerkannte. Es ist 
daher unmöglich, anzunehmen, dass die Geldabgabe, die der Graf 
von Montvallat erhob, durch Ablösung aus einem unsittlichen Recht 
früherer Zeit entstanden sei; denn in einem solchen Fall hätte 
der Gerichtshof die Abgabe nicht als rechtlich begründet ansehen 
können. Gänzlich verfehlt ist die im neunzehnten Jahrhundert 
verfochtene Meinung, der Graf von Montvallat habe das Herren- 
recht der ersten Nacht in der heutigen Bedeutung dieses Wortes 
in Anspruch genommen und sei deshalb verurtheilt worden *. 

b. Italien. 

1, Gesetz des Grossherzogs Cosmo III, von Toscana vom Jahr 1691, 

Kapitel 86. lieber den Grossherzog Cosmus III. von Tos- 
cana (1676—1723) wird erzählt: ... „Er gab 1691 ein Gesetz, 
dass kein Jüngling das Haus solcher Eltern besuchen sollte, welche 
unverheirathete Töchter hätten. Bloss die Mönche sollten 
die Heirathen schliessen, wobei sie dann das jus 
primarum noctium ausübten.**^ Dieser Satz ist so ver- 
worren, dass der Sinn desselben aus dem Zusammenhang nicht 
zu ersehen ist ; zur Ermittlung des richtigen Sachverhalts müsste 
zunächst das fragliche Gesetz aufgesucht werden. Doch verlohnt 
es sich nicht der Mühe, darüber specielle Untersuchungen anzu- 
stellen, da die Erzählung erst vom Jahr 1795 herrührt und in 
sich selbst unverständlich ist, daher so gut wie keine Bedeutung 
hat ; sie kann daher nicht, wie aufgestellt wird, zur Unterstützung 
der Meinung dienen, „dass das vorläufige Paaren der Geistlich- 
keit und des Adels bei den Neuvermählten eine allgemein gültige 
Institution war" ^. 

2. Gesetz des Königs Ferdinand TV, heider Sicilien vom Jahr 1785, 

Kapitel 87^ Salis von Marschlins berichtet, König Ferdi- 
nand IV. habe im Jahr 1785 verordnet, dass die Einwohner von 
Calabrien aus der drückenden Unterthänigkeit gegenüber ihren 
Baronen befreit, und die Barone für den Verlust ihrer Rechte 



^ Bonnem^re Bd. 2 S. 64, 65; Sugenheim 1861, S. 147; Labessade S. 26 
Nr. 57, vgl. mit S. 16, 17; Kulischer S. 227. 

* Crome Bd. 1, Einl. 8. VI. Daraus: Sugenheim 1861, S. 212. 
> Kulischer S. 223, 224. 



352 Kapitel 87. Calabrisches Gesets vom Jahr 1785. 

aus der Cassa sacra entschädigt werden sollten; doch habe man 
dem König vorgestellt, ,,dass die meisten dieser Baronalrechte 
tirannisch, sehr drückend und auf eine meistens unerlaubte Art 
seien erhalten worden^; deshalb habe der König im Rath vom 
10. Febr. 1785 beschlossen [und verordnet], j,das8 alle Barone 
von Calabrien der für diese Provinz aufgerichteten Eammer die 
Gültigkeit ihrer Rechte durch Vorzeigung der Urkunden beweisen 
sollten, und wer in Zeit von drei Monaten entweder dieselben 
gar nicht vorweisen oder ihre Aechtheit und auf Recht und Ge- 
rechtigkeit gegründete, durch erlaubte Mittel erlangte Gültigkeit 
nicht besiegeln konnte, sollte derselben verlustig erklärt werden*. 
Zu den fraglichen Baronalrechten gehörte nach Angabe von Balis 
„das schändliche Hochzeits recht, das vielleicht nicht seit sehr 
langer Zeit in Geld abgelegt wird^ ^. Aus dem Zusammenhang 
dieses Berichts kann gefolgert werden, dass Salis von Marsch- 
lins (1T90) und vielleicht schon die Rathgeber des Königs Ferdi- 
nand IV. (im Jahr 1785) der Meinung waren, die mit dem Na- 
men „Hochzeitsrecht" bezeichnete Geldabgabe habe einen ver- 
werflichen Ursprung. Es ist wohl denkbar, dass hierbei an das 
jus primae noctis gedacht wurde, da im achtzehnten Jahrhundert, 
zumal nach der Zeit der Encyklopädisten , die irrige Annahme, 
dass aus Ablösung eines solchen Rechts die herkömmlichen Hei- 
rathsabgaben entstanden seien, weit verbreitet war^. Dagegen 
fehlt jede Berechtigung für die Behauptung, die neapolitanischen 
und sicilianischen Grundherren hätten das verrufene Recht der 
ersten Nacht unter dem Namen „ Hochzeitsrecht ** früher in seiner 
ursprünglichen rohen Form ausgeübt, später aber, und zwar 
noch zur Zeit der Herrschaft der Bourbonen seit 1734, und an 
manchen Orten noch im ersten Decennium des neunzehnten Jahr- 
hunderts, hätten sie dies abscheuliche Recht durch bedeutende 
Geldzahlungen ablösen lassen^. 

c. Schweix. 
Zwei Wdsihümer , von 1538 und 1543. 

Kapitel 88. In zwei Schweizer Weisthümern des sechzehnten 
Jahrhunderts glauben einige Gelehrte * den Beweis eines Herren- 



> Salis Bd. 2 S. 113—115. * ygl. oben Kap. 13—26. 

3 Sugenheim 1861, S. 238; Kulischer S. 228. 

♦ Scherr 1858, S. 569; v. Maurer § 469, Bd. 8 S. 169; Weinhold S. 195; 
Delpit Nr. 47 S. 66; Liebrecht 1874, S. 140; Scherr 1876, S. 238; Kuliacher 
S. 227, 228; Liebrecht 1879, S. 418. 



Kapitel 88. Schweizerische Weisthümer von 1538 und 1543. '353 

rechts der ersten Nacht finden zu müssen; es soll darin das jus 
primae noctis, dies „Recht der deutschen Barone", urkundlich 
nachgewiesen sein *. Wie irrig diese Annahme ist, wird a-us fol- 
gender Darstellung erhellen. 

Die Pfleger der Abtei zum Frauenmünster in Zürich erneuer- 
ten und bestätigten im Jahr 1543 den aus älterer Zeit herrührenden 
Hofrodel der Meierämter zu Mauer bei Zürich. Der vierte Artikel 
dieses Rechtsbuches lautet: „Es sprechen die Hofleute, wer hier 
zu der heiligen Ehe kommt, der soll den Meier laden und auch 
seine Frau; dann soll der Meier dem Bräutigam einen Hafen 
(Topf) leihen, worin er wohl ein Schaf sieden kann; auch soll der 
Meier ein Fuder Holz zur Hochzeit bringen; auch sollen der 
Meier und seine Frau einen viertel Schweineschinken bringen; 
und wenn die Hochzeit zu Ende geht, so soll derBräutigam 
die erste Nacht den Meier bei seiner Frau liegen 
lassen, oder er soll sie lösen mit fünf Schillingen 
und vier Pfennigen."^ Nach dem Wortlaut dieses Artikels 
ist es klar, dass die Verpflichtung des Bräutigams, seine Braut 
die erste Nacht bei dem Meier liegen zu lassen, niemals zur 
Ausführung kam , weil er sich davon durch Zahlung von fünf 
Schillingen und vier Pfennigen befreien konnte. Diese Abgabe 
war nicht^drückend, da andererseits der Meier für sich allein ein 
Fuder Holz und gemeinschaftlich mit seiner Frau noch einen 
viertel Schweineschinken zur Hochzeit zu bringen hatte, zudem 
auch noch leihweise dem Bräutigam einen Topf beschaffen musste. 



1 Kulischer S. 227, 228. 

2 Urk. V. Jahr 1543, bei Füsslin im Hamb. Mag. Bd. 12 S. 154—173; 
Grimm, Weisth. Bd. 1 S. 43 und R.-A. S. 384: „Aber sprechend die hofflOt, 
weller hi ze de helgen ee kumbt, der sol einen meyger laden und ouch sin 
frowen, da sol der meyger lien dem brOtgam ein halfen, da er wol mag ein 
schaff in gesyeden, ouch sol der meyger bringen ein fuder holtz an das hochtzit, 
ouch sol ein meyger unnd sin frow bringen ein viertenteyl eines schwyns- 
bachen , vnnd so die hochzit vergat , 80 sol der brütgam den meyger hy sim 
wyh lassen ligen die ersten nacht, oder er sol ay lösen mit V ß iiij %f,** Dar- 
aus: Bluntschli Bd. 1 S. 189; Delpit S. 66; Scherr 1858, S. 569; Osen- 
brOggen, R.-A. S. 86, Studien S. 84; Helfferich S. 419; v. Maurer Bd. 3 
S. 170; Scherr 1865, S 130; Hanauer S. 138; Barth^lemy S. 107; Lorsch 
S. 444; Liebrecht 1869, S. 811; Zöpfl Bd. 2 § 30 S. 168 (4 Aufl.); Henne- 
Am Rhyn Bd. 3 S. 245; Kulischer S. 227, 228; Liebrecht 1879, S. 418. — 
Auf das vorstehende Weisthum ist eine kurze Bemerkung Lassberg's im Brief 
an Uhland vom 14. Aug. 1829 zu beziehen, wonach v. Lassberg die Stelle für 
Jacob Grimm aufzeichnete und dabei annahm, dass in oder aus jener Ur- 
kunde „das so viel besprochene Jus primae noctis diplomatisch nachgewiesen" 
werde. Pfeiffer S. 137 Nr. 55. 

Schmidt, Jus primae noctis. 23 



354 Kapitel 88. Schweizerische Weisthüraer von 1538 und 1543. 

der gross genug war, ein ganzes Schaf darin zu kochen. Das 
üebrige ist ein scherzhafter Ausdruck, welcher den Bauer er- 
innerte, die hergebrachte massige Heirathsabgabe , als Zeichen 
seiner Hörigkeit, pünktlich zu entrichten. Es ist ein juristischer 
Witz, ein Ausdruck des Humors*, eine scherzhafte Rechtsüber- 
treibung. Ein derartiger Humor findet sich nicht bloss im deut- 
schen Recht, sondern auch in Urkunden aus der Normandie und 
aus Bearn ^. Im Ernst konnte an Ausübung jenes Herrenrechts 
nicht gedacht werden; dies wird noch dadurch bestätigt, dass die 
Ehefrau des Meiers (Schultheissen) auf der Hochzeit zugegen war 
und in Gemeinschaft mit ihrem Mann die Rechte und Pflichten 
der Herrschaft vertrat. Auch ist nicht anzunehmen, dass in frü- 
herer Zeit ein ernstliches Herrenrecht der ersten Nacht in Mauer 
bestanden habe ; wenn nämlich ein solches Recht in einer älteren 
Redaction des Hofrodels überhaupt schon erwähnt gewesen wäre 
(was möglich, jedoch nicht sicher ist), so müsste der Sinn ein 
harmloser gewesen sein, da bis zum Jahr 1524 die Aebtissin zum 
Frauenmünster in Zürich die Herrin der Meierämter von Mauer 
war und an jener Bestimmung des Hofrechts keinen Anstoss 
fand. Die Meinung Osenbrüggen's, die vorliegende Urkunde ent- 
halte keinen Scherz, sondern eine „äusserste juristische Conse- 
quenz", das summum jus^, ist schon nach dem Wortlaut der 
Urkunde unhaltbar, weil danach nicht dem Meier, sondern dem 
Bräutigam das Wahlrecht zustand*. 



' Füsslin S. 172, 173; Bluntschll S. 190; Gierke S. 27 (§ 10); Walter 
S. 131; Zöpfl S. 168. 

2 Vgl. oben Kap. 58 und 79. 

^ Osenbrüggen, R.-A. S. 93, 94 und Stud. S. 91, 97. 

* Aus deutschen und französischen Weisthtimern Hesse sich mit Leichtig- 
keit eine grosse Zahl von scherzhaften Rechtsübertreibungen zusammenstellen. 
Einige Beispiele mögen hier ihren Platz finden. In einer Feldor^nung von 
Feldheim steht: „Wenn ein Vieh Einem auf seinen Gütern Schaden zufügte, 
sollte er dasselbige auf den Kehlhof führen und ihm daselbst Steine in 
einem Viertel und Wasser in einem Reitern vorstellen, bis ihm der Schaden 
bezahlt wäre." Vgl. Füsslin S. 172, 173. Nach einem Weisthum von Mühl- 
bach im Elsass hatte ein Förster, der zwei andere Förster über den Bach 
trug, von diesen ein halbes Viertel Wein zu fordern ; gaben sie es ihm nicht, 
so sollte er dem Einen seinen rechten, dem Andern seinen linken Schuh aus- 
ziehen und diese beiden Schuhe für ein halb Viertel Wein versetzen. Vgl. 
Gierke S. 51. Nach burgundischem Recht sollte der Dieb eines Habichts ent- 
weder sich sechs Unzen Fleisch auf die nackte Brust legen und V9m Habicht 
wegfressen lassen, oder sechs Schillinge bezahlen. Vgl. Gierke S. 48, auch 
Osenbrüggen, R.-A. S. 95 und Stud. S 97. Auch die Strafbestimmung vom 
Juni 1260 (Cassany-Mazet S. 287), wonach in Villeneuve-sur-Lot die Ehebrecher 



Kapitel 89. Nachrichten aus Russland, 18. und 19. Jahrhundert. 355 

Eine ähnliche Bestimmung findet sich in der Rechtung des 
Kelnhofes zu Stadelhofen, vom Katharinentage (25. Nov.) 1538, 
einer Erneuerung des bei einem Brand zu Hirslanden beschädig- 
ten alten Rodels, in folgendem Satz: „Wer auf den Gütern, die 
zum Kelnhof gehören, die erste Nacht bei seiner neuvermählten 
Frau liegen will, der soll den obgenannten Bürger-Vogt 
dieselbe erste Nacht bei seiner Frau liegen lassen; 
will er dies nicht thun, so soll er dem Vogt vier und 
drei Schillinge Züricher Pfennige geben; wie er will; 
die Wahl hat der Bräutigam. Auch soll man demselben 
Bräutigam als Beisteuer zur Hochzeit ein Fuder Holz aus dem 
Zürichberg geben, sofern er zu den Holzberechtigten gehört."^ 
Also ist auch hier dem Bräutigam das Wahlrecht eingeräumt, wor- 
aus deutlich erhellt, dass die Bezugnahme auf das Recht, bei der 
neuvermählten Frau zu liegen, eine bloss scherzhafte Redewen- 
dung ist. Dadurch bestätigt sich das über die Urkunde von 1543 
Gesagte, was in der Hauptsache auch hier Anwendung findet. 

d. Russland. 

Ereignisse des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts, 

Kapitel 89.. Einer der neuesten Schriftsteller über jus primae 
noctis berichtet: „Sehr gebräuchlich war dies Recht in Russland 



entweder ganz nackt durch die Strassen laufen oder hundert Sous Strafe zahlen 
sollten, dürfte vielleicht dahin zu verstehen sein, dass der Ehebruch mit einer 
Geldstrafe von fünf Franken geahndet wurde. Aehnliche Bestimmungen finden 
sich mehrfach. (Dahin gehört z. B eine Urkunde von 1337, bei Barthölemy 
S. 107. Eine Coutume von Avensac, wonach die Ehebrecher entweder ganz 
nackt durch die Stadt laufen oder fünfzig Sous Strafe zahlen sollten, wurde 
durch Urtheil des Parlaments zu Toulouse vom 12. Mai 1628 als unschicklich, 
„contraire aux bonnes moeurs et h. Thonnestet^ publique'', abgeschafft. Vgl. 
Olive Hv. 2 eh. 1 S. 149—153.) Ein Ehehaftrecht von Wilzhut (zwischen 
Salzburg und Braunau) bedrohte den Gerichtsmann, welcher bei der Jahres- 
versammlung ausblieb , mit einer Geldstrafe ; nach einem Zusatz sollte bei 
Unvermögen des Gerichtsmannes , die Strafe zu bezahlen , der Pfleger das 
Recht haben, ihm den Ofen einzuschlagen und, wenn er keinen Ofen hatte, 
seine Ehefrau zu „gebrauchen" oder, wenn ihm ihre Gestalt nicht gefiel, sie 
dem Gerichtsschreiber zu überlassen; wenn es aber dem Gerichtsschreiber 
auch nicht gelegen war, so sollte die Verpflichtung dem Amtmann auferlegt 
werden. Vgl. Grimm, Weisth. Bd. 3 S. 680. 

* Urk. V. 25. Nov. 1538, Zeitschr. für Schweiz. Recht Bd. 4 S. 73—76: 
. . . „Ouch band die burger die rechtung, wer der ist, der uf den gütern, 
die in den kelnhof gehörend, die ersten nacht bi sinem wibe ligen wil, die 
er nttwlich zu der ee genommen hat, der sol der ohgenanten burger vogt die- 
selben ersten nacht bi demselben sinem wibe lassen ligen; wil aber er das nüt 
t 23* 



356 Kapitel 90. Droit de cuissage in Canada. 

noch im vorigen und dem laufenden Jahrhundert bis zur Auf- 
hebung der Leibeigenschaft im Jahre 1861 . . . Der lebenden 
älteren Generation ist die Ausübung dieses Brauches in ganz 
Kussland aus eigener Erfahrung bekannt."* Zur Begründung 
dieser weitgehenden Behauptungen werden nur vier einzelne That- 
sachen angeführt 2, die zu jenen Folgerungen keinenfalls ausreichen; 
und die stillschweigende Voraussetzung, dass vor dem achtzehnten 
Jahrhundert das jus primae noctis in Russland geherrscht habe, 
ist völlig unberechtigt. Ob und inwieweit jenen Angaben etwas 
Richtiges zu Grunde liegt, ist mir nicht bekannt; doch muss bis 
zum nähereu Nachweis des Wortlauts und der Glaubwürdigkeit 
der Angaben, woraus der Bericht entnommen ist, und bis zu einer 
zuverlässigen Mittheilung vom Inhalt des Urtheils vom Jahr 1855, 
die Wahrheit jener Thatsachen bezweifelt werden, da der Bericht 
unter dem Einfluss einer unhaltbaren Theorie über „das commu- 
nale Recht der vorläufigen Begattung" abgefasst ist. 

III* Amerika. 

a. Droit de euissage in Oanada. ' 

Kapitel 90. John Anderson theilt eine Nachricht aus Ca- 
nada mit, wonach man glaubte, der Gouverneur von Sark habe 

thun, so sol er dem vogt geben 4 und 3 ß Züricher pfennhig , weders er teil; 
die wal hat der hrugam. und sol man ouch demselben brugome ze stür an 
der brutlouf geben ein fuder holtz usz dem Zürichberg, ob er wil an dem- 
selben boltz hat." Daraus: Grimm, Weisth. Bd. 4 S. 321; Osenbrüggen, R.-A. 
S. 87 u. Stud. S. 84, 98; Scherr 1865, S. 130; Lorsch S. 444; Zöpfl Bd. 2 § 30 
S. 168 (4. Aufl.); Henne-Am Rhyn Bd. 3 S. 245; Kulischer S. 227, 228. 

1 Kulischer S. 228, 229. 

* Kulischer's Bericht lautet: „Ein Zeitgenosse der Volksaufstände unter 
Anführung von Pugatschew im Jahr 1773—1774 erzählt, dass eine Militar- 
compagnle einen Gutsbesitzer aus den Händen der empörten Menge befreite, 
den sie zu tödten beabsichtigten dafür, dass er dieses Recht auf das Unbe- 
schränkteste zu gemessen pflegte, und in einer kurzen Zeit sechzig junge 
Mädchen diesem Loose verfallen waren . . . Ein anderer Gutsbesitzer, Sko- 
syrew, wurde in der That zur selben Zeit von den ihm unterthänigen Bauern 
für ein oben bezeichnetes Gebahren ermordet . . . Aus dem neunzehnten 
Jahrhundert wollen wir nur den Fall des Geheimrath Ischadowsky erwähnen, 
der im Jahr 1855 , kurz vor Aufhebung der Leibeigenschaft in Russland , für 
seine Handlungen in Bezug auf das jus primae noctis vom Gericht zu einer 
Strafe verurtheilt wurde . . -. Ich erinnere mich, in dem Werke des Fürsten 
Wassiltschikow Über Grundbesitz und Ackerbau gelesen zu haben , dass er 
als Obmann des Adels seines Gouvernements mehrere Male gegen Gutsbesitzer 
einschreiten musste, um den Gebrauch einzustellen.^^ An den punktirten Stellen 
Werden zwei rassische Werke (von 1870 und 1876) citirt. 



Kapitel 91. Caziken und Paj6s in Amerika-. 357 

• 

das droit de cuissage *. Aus Anlass eines Gesprächs über dies 
Recht des Gouverneurs von Sark soll ein Schotte, Mr. W. Y., 
Besitzer einer Herrschaft in Unter-Canada am Ufer des Flusses 
Richelieu, gegenüber Chambly, etwa 24 englische Meilen von 
Montreal, die Bemerkung gemacht haben, er selbst, Mr. Y., habe 
(gleich andern Gutsherren) das „droit de cuissage et jambage*' 
gehabt, wonach er berechtigt gewesen sei, mit der Braut, bevor 
dieselbe zu ihrem Gatten ging, die erste Nacht der Hochzeit zu 
schlafen . . . ; doch sage man , dass gegenwärtig dies Recht nicht 
mehr gelte ^. Offenbar sind diese beiden Nachrichten so un- 
bestimmt, dass sie keinen geschichtlichen Werth haben; ab- 
gesehen von der irrigen Voraussetzung, dass in Europa ein droit 
de cuissage in der bezeichneten Bedeutung bestanden habe. 

b. Caziken und Paj^s in Mittel- und Süd-Amerika. 

Kapitel 91. Wenn Alles Glauben verdiente, was im neun- 
zehnten Jahrhundert über jus primae noctis berichtet wird, so 
müsste man annehmen, es habe in verschiedenen Theilen von 
Mittel- und Süd -Amerika theils den Häuptlingen (Caziken)^, 
theils den Zauberärzten (Pajes)* zugestanden oder stehe den- 



* Anderson S. 65, Brief des Edward WiUiam A. Hay, Esquire, F. S. S. A. : 
„The Governor of Sark is deemed at thi8 day to have le droit de cuissage^' 

' Anderson S. 65: ... „droit de cuissage etjamhage, un droit par lequel 
il avoit le pouvoir de coucher avec la fianc^e, avant d'aller & son mari, la 
2)remi6re nuit du mariage, passant, dit-on, trois fois sa cuisse sur eile; mais 
on dit qu'actuellement ce droit n'est plus de coutume.^ 

' Der Ausdruck Cazike scheint aus Mexico zu stammen; er bezeichnet in 
der Sprache der Mexikaner einen Herrn. Doch pflegt man, wie v. Martins 
U832, S. 14, 15) berichtet, „gewöhnlich die Häuptlinge aller amerikanischen 
Wilden Caziken zu nennen und mit diesem Wort den Begriff eines vielver- 
mögenden Despoten zu verbinden, der über Leben und Eigenthum seiner 
Stammgenossen ohne Einschränkung gebietet und die Angelegenheiten der 
ganzen Gemeinschaft bestimmt und ordnet^. In Wirklichkeit finden sich in 
Südamerika andere Namen der Häuptlinge, und ihre Würde und Gewalt steht 
bei den brasilianischen Ureinwohnern „auf einer niedrigen, durch vorüber- 
gehende, vorzüglich persönliche Verhältnisse begründeten Stufe'', lieber die 
SteUung des Häuptlings vgl. das Nähere bei v. Martins S. 14—23. 

* Die Piaches oder Pajös (Piaj6s, Piacchös) hatten die Aufgabe, Kranke 
zu heilen, den Feind zu bezaubern, Geister zu rufen oder^^n verscheuchen 
und zu prophezeien; sie waren auch Berather des Häuptlings bei Ausübung 
der Gesetzgebung, Rechtspflege und Polizeigewalt. Vgl. Depons (Weyland) 
S. 143—146; v. Spix und v. Martiua Bd. 3 S. 1211; Th. Waitz Bd. 3 i«. 385; 
v. Martins (1832) S. 17, 29—32, 34, 48, C9. Letzterer schildert (S. 29, 30) 
die Paj^s eines Stammes als eine abgeschlossene Bruderschaft von Betrügern, 



358 Kapitel 91. Caz^iken und Pajcs in Amerika. 

selben noch heutzutage zu. Es wird nämlich den Häuptlingen 
(Caziken) in folgenden Ländern zugeschrieben: in Nicaragua*, 
auf Cuba^, bei den Cariben des Festlandes^, bei den Jumänas^ 
und Culinos^ und in einigen Theilen von Peru^; ferner den 
Zauberärzten (Pajes oder Piaches) bei den Cariben, ins- 
besondere den ehemaligen Bewohnern von Cumana ' und Caracas * 
(in Venezuela) ^ , ferner bei den Arowaken *® , endlich bei den 
Passes**, Culinos*^, Juris *^ und überhaupt bei den Indianern 
Brasiliens **. 

Zur ungefähren Orientirung über die erwähnten Volksstämme 
wird es hier genügen, ihre Wohnsitze im Allgemeinen anzugeben. 
Es wohnten oder wohnen noch jetzt: die Cariben des Festlandes 
im Nordosten von Südamerika, hauptsächlich in Venezuela *^; die 
Arowaken an den Mündungen des Orinoco (früher in Guiana) *^; 
die Jumänas, Culinos, Passes und Juris sämmtlich in Brasilien, 



die vom eigenen Aberglauben selbst betrogen würden, und sagt: ^Die Schil- 
derung, welche im Jahr 15ö2 Gomara von den Piaches von Cumana machte, 
gibt ein wahres Bild von diesen BetrUgern, wie sie in allen Theilen Ame- 
rikas noch gegenwärtig wirken." Vgl. unten S. 360. 

* V. Martins (1832) S. 62: ... „der Bräutigam überliess das jus primae 
noctis oft dem Caciken." 

* Giraud-Teulon S. 70; Liebrecht 1879, S. 420: „Die Caziken hatten dieses 
Recht auf Cuba " Vgl. Th. Waitz Bd. 1 S. 460. 

» V. Martins S. 61 (Anm.); Bastian S. 179, 180; Post S. 37. Hierhin ge- 
hört auch folgende, sehr unklare Stelle in den Nuits d'6preuve S. 81 : „Chez 
les Indiens de la Terre-Ferme les öchanges de femmes, le jus pn'mae noctü 
pour les ^pouses, sont fort en usage.*"^ 

* v. Spix Th. 3 Buch 9 Kap. 3, Bd. 3 S. 1182; Post S. 37. 

5 Bastian S. 179, 180; Liebrecht 1874, S. 141 (mit dem Druckfehler Ca- 
linos statt Colinos); Post S 37. 

6 V. Martins S. 61; Giraud-Teulon S. 69, 70; Liebrecht 1879, S. 419, 420. 
Vgl. Th. Waitz Bd. 1 S. 460, Anm. 

' V. Martins S. 61 (Anm.). ^ tj^ Waitz Bd. 1 S. 460. 

» V. Martins S. 61. 

'° Liebrecht 1879, S. 420: „So besessen das jus primae noctis . . . nament- 
lich unter den Arowaken die Piaches." 

" V. Martins S. 61; Bastian S. 179, 180; Post S 37; Kulischer S. 223 (mit 
dem Druckfehler Parsta statt Passes). 

1= V. Martins S. 61 (aus v. Spix Bd. 3 S. 1189). 

^» V. Martins S. 61. 

** Giraud-Teulon S. 70 (wo es unbestimmt gelassen ist, ob das Recht den 
Häuptlingen, Königen oder Priestern zustand); Liebrecht 1874, S. 141: ^In 
Brasilien beanspruchen dieses Recht die Priester"; Liebrecht 1879, S. 420: 
„So besassen das jus primae noctis in Brasilien die Pay6s." Vgl. Th. Waitz 
Bd. 1 S. 460. 

" Th. Waitz Bd. 3 S. 348, 355. " Th. Waitz Bd. 3 S. 364. 



Kapitel 91. Caziken und Paj^s in Amerika. 359 

und zwar die Jumanas oder Xumanas (auch Xomanas) * im Nord- 
westen Brasiliens an den Flüssen Igä und Yupurd, die Passes^ 
am untern Yupurä und vorzüglich am westlichen Ufer des Rio 
Igä, die Culioos^ an der Südwestseite des Amazonenstromes, am 
oberen Yurua und Yutai, die Juris * am Yupura, zwischen diesem 
Fluss und dem I^a. ^ 

Es ist mir ziemlich schwer geworden, die Quellen zu er- 
mitteln, aus denen die vorstehenden Behauptungen über das jus 
primae noctis der Caziken und Pajes geschöpft sind, zumal da 
einige Gelehrte (z. B. Bastian) gewissermassen grundsätzlich die 
Bezeichnung ihrer Quellen vermeiden, gleichsam als verlangten 
sie, der Leser solle ihnen auf ihr Wort glauben. Ein solcher 
Glaube würde hier unverantwortlich sein. Denn alle jene An- 
gaben stehen unter dem Einfluss der irrigen Voraussetzung, dass 
in Europa das jus primae noctis gegolten habe. Ausserdem fehlt 
bei den meisten jener Nachrichten eine spezielle Auskunft über 
die eingezogenen Erkundigungen, namentlich über die Worte 
und Geberden, womit die Indianer jenes Recht bezeichneten oder 
beschrieben. Man bedenke nur, wie schwer es den europäischen 
Reisenden sein muss, die verschiedenen Sprachen und Laute der 
einzelnen Indianerstämme zu verstehen! Einen ungefähren Be- 
griff von dieser Schwierigkeit kann man erlangen, wenn man die 
Darstellung des Herrn von Martins über die ungeheure Sprach- 
verwirrung der Indianerstämme liest, bei denen ein Indianer den 
andern nicht versteht^; v. Martins zählt allein in Brasilien meh- 
rere hundert Horden, Stämme oder Nationen von Ureinwohnern 
mit verschiedenen Sprachen auf*. 



1 V. Spix und v. Martius Bd. 3 S. 1206; v. Martius (1832), Anh. S. 17 
unter Nr. 193 ; Th. Waitz Bd. 3 S. 444. 

* V. Spix und v. Martius Bd. 3 S 1230—1233 und 1206-, v. Martius (1832) 
S. 26, 49, 50, 53, 65 und Anh. S. 18 (Nr. 197); Th. Waitz Bd. 3 S. 432, 433. 

3 Vgl. die Karten in der Ztschr. Le Tour du Monde, Jahrg. 1866, zweites 
Halbjahj, S. 83 und 118 (zu einer Reisebeschreibung von Paul Marcoy). 

^ V. Spix und v. Martius Bd. 3 S. 1236; v. Martius (1832), Anh. S. 18 
unter Nr. 196; Th. Waitz Bd 3 S. 432. 

^ V. Martius (1832) S. 4: ,,Auf den Fahrzeugen, in welchen wir die 
Binnenströme Brasiliens befubren, zählten wir nicht selten unter zwanzig 
rudernden Indianern nur drei oder vier, welche sich in einer gemeinschaft- 
lichen Sprache verständigen konnten." Vgl. daselbst S. 6. 82 und 83 über 
die ,, babylonische Sprachverwirrung". 

^ Vgl. die ,,Uebersicht der verschiedenen indianischen Völkerschaften, 
Stämme und Horden in Brasilien" unter 245 Hauptnummern bei v. Martius 
(1832), Anh. S. 1—30. 



360 Kapitel 91. Caziken und Paj^s in Amerika. 

Eine Durchforschung der durch Theodor Waitz * und durch 
V. Martius^ bezeichneten Quellen ergiebt Folgendes. 

Gomara (1553) sagt im Abschnitt über die Sitten von Cu- 
manä, und zwar bei Beschreibung der Hochzeitsgebräuche: 
„Wenn die Nacht eintritt, geben sie dem Bräutigam seine Braut 
an die Hand, und so lassen sie Beide als Ehegatten zurück; dies 
müssen die rechtmässigen Frauen sein; doch auch die Frauen, 
die ihr Ehemann ausserdem hält, werden von ihnen hochgeachtet 
und anerkannt. Mit den Letzteren schlafen die Priester nicht. 
Die Priester nämlich, die man Piaches nennt, sind heilige und 
fromme Männer, wie später erklärt werden soll; denen giebt 
man die neuvermählten Frauen zum Defloriren, was 
man für einen anständigen Gebrauch hält. Die ehr- 
würdigen Väter übernehmen diese Arbeit, um nicht ihren Vorzug 
und ihre Würde zu verlieren, und die neuvermählten Männer ent- 
halten sich jeden Argwohns, jeder Klage und jeden Schmerzes." ^ 
Kurz vorher ist gesagt, dass man die Jungfräulichkeit für Nichts 
achte*. Ein anderer Schriftsteller des sechzehnten Jahrhunderts, 
Oviedo, berichtet von den Arowaken und einigen Völkern der 
Provinz Paria, es bestehe bei ihnen der Gebrauch, dass eine Jung- 
frau, die verheirathet werden solle, um glücklich im Ehestand zu 
sein, zuvörderst mit ihrem Piache oder Priester schlafen müsse, und 

* Th. Waitz, auf den sich Liebrecht, 1879 S. 420, beruft, spricht nicht von 
einem jus primae noctis , sondern von einer ,.Defloration der -Mädchen durch 
den Priester'' (Bd. 1 S. 460), von der „Defloration des Piache'' (Bd. 3 S. 389) 
und von Völkerschaften , bei denen „Aehnliches vorkommt" (Bd. 1 S. 460). 
Er beruft sich (Bd. 1 S. 460, Bd. 3 S. 482 und 489) auf Pedro Simon, 
Oviedo, Carli und Depons. 

* V. Martius (1832, S 61) spricht von der Sitte, „welche das jus primae 
noctis dem Paj6 verleiht", unter Berufung auf Gomara und Coreal, und sagt : 
„Nach ihnen hatten bei den Caraiben nicht bloss die Paj6s jenes Recht, son- 
dern die Caziken erbaten es sich untereinander, und die Gemeinen suchten 
bei jenen nach, dass sie es ausüben möchten." Schon nach diesem Bericht 
kann von einem Recht der Caziken keine Rede sein, wenn dieselben gebeten 
wurden, die betreffende Handlung zu verrichten. 

' Gomara, Costumbres de Cuman4 S 206: . . . „En siendo noche dan al 
novio SU esposa por la mano, y asi quedan velados; estas deben ser las mu- 
jeres ligitimas, pues las demds que su marido tiene, las acatan y reconocen. 
Con estas no duermen los sacerdotes , que llaman piacJies, hombres santos y 
religiosos, como despu^s dir6, d quien dan las novias d desvirgar , que lo 
tieften por honrosa costumbre, Los reverendos padres toman aquel trabajo 
por no perder su preminencia y devocion, y los novios se quitan de suspecha, 
queja y pena.** 

* Gomara S. 206 (bei Beschreibung der Sitten der Mädchen): . . . „no se 
les da nada por la virginidad." 



Kapitel 91. Caziken und Paj^ in Amerika. 361 

erst, nachdem dies geschehen sei, am folgenden Tage sich ihrem 
Ehegatten hinzugeben habe *. Pedro Simon, ein Schriftsteller des 
siebzehnten Jahrhunderts, beschreibt die Hochzeitsgebräuche, die 
bei den Indianern im nördlichen Theil von Südamerika 
zur Zeit der spanischen Eroberungen bestanden, namentlich die 
Trinkgelage und Tanzbelustigungen; „alsdann," heisst es weiter, 
„übergaben sie die Braut dem Piache, damit er sich mit ihr allein 
unterhalte, und dieser überlieferte sie dem Bräutigam, 
bei welchem er sie hergerichtet zur Verheirathung 
zurückliess" ^. Eine im Jahr 1722 zu Amsterdam und Paris 
unter dem Namen von Franz Coreal herausgegebene Reisebeschrei- 
bung ^ erzählt von den Eingebornen der Havanna (auf Cuba), 
es habe bei ihnen die Sitte bestanden, dass die Ehegatten die 
erste Hochzeitsnacht nicht miteinander schliefen; bei Verheira- 
thung der Caziken seien andere Häuptlinge, und bei Verheirathung 
von Männern geringeren Standes seien deren Standesgenossen 
eingeladen worden, mit der jungen Frau zu schlafen; und die 
Cariben der niedrigsten Klasse hätten dazu die Hülfe ihrer Ca- 
ziken und Priester in Anspruch genommen *. An einer andern 
Stelle desselben Werks wird über die Aerzte und gleichzeitigen 
Priester (Piaias oder Bo'ies) auf der Küste bei Cumana er- 



^ * Oviedo lib. 24 cap. 3 S. 222 : „En el pueblo de Aruaeay 6 aun en algu- 
nos pueblos de la provincia de Paria , se aeostumbra entre los indios que, 
quando se ha de casar alguna moza vfrgen , ha de dormir primer o con ella i 
averla aquel su piache 6 sngerdote^ para que sea dichosa en el casamientOy 
y al otro dia siguiente se ha de entregar al marido, y no sin que esto se 
haga primero^ ... 

^ Simon, quarta noticia cap. 26 num. 3 S. 320: . . . [El casamiento] „se 
celebrava, como las demas sus fiestas, juntandose a hazer borracheras, en las 
quales baylavan los hombres al novio, y las mugeres a la novia, dos h tres 
dias antes que »e la entregassen, y estos acabados, se la davan al Piache, 
para que se entretuuiesse a solas con ella-, y el la entregava al novio, con 
que quedava hecho el casamiento^ . . . Darin findet Th. Waitz, Bd. 3 S. 382, 
eine Andeutung . dass der Bräutigam „aus den Händen des Piache die Braut 
nicht als Jungfrau" erhielt. Der weitere Inhalt der angefahrten Stelle er- 
innert an Gomara, woraus er entnommen sein mag. 

3 Ueber dies unter dem Namen von Franz Coreal (geb. 1648, st. 1708) 
herausgegebene Werk vgl. Didot Bd. US. 810. 

^ Coreal Bd. 1 S. 8 : „C'^toit une coutume inviolable parmi eux , que 
l'Epoux ne couchoit pas avec son Epouse la premiere nuit de ses N6ces. Si 
c'^toit un Cacique qui se marioit, il invitoit d'autres chefs k cette exp^dition 
amoureuse; si c*ötoit une personne de moindre rang, eile y invitoit ses pa- 
reils. Les Caribes de la plus hasse classe empruntoient en cette occasion les 
soins charitables. de leurs Caciques et de leurs Prdtres. Nous autres Euro- 
peans ne sommes pas de ce go&t-lä." 



362 Kapitel 91. Caziken und Paj^s in Amerika. 

zählt, sie seien grosse Betrüger und hätten unter andern Aufgaben 
die Deflorirung der Mädchen bei deren Heirath zu besorgend 
In einem Brief aus Amerika vom 2. Juli 1777 findet sich folgende 
(durch Vermengung verschiedenartiger Unsitten unklare) Stelle: 
„Die Scheidung war gegenseitig erlaubt, und in der Trovinz Ni- 
caragua, sowie auf den canarischen Inseln, und in Kuba, so 
zu sagen, allgemein; der Bräutigam überliess den Ca- 
ziken das Vorrecht, die ersten Gunstbezeugungen 
von seiner Braut einzuerndten. Ja auf der Insel Kuba 
warder Gebrauch, dass die Braut des Caziken selbst die erste 
Nacht bei allen zu der Hochzeit eingeladenen Caziken schlief; 
und so machten es sowohl die Vornehmen als die Gemeinen; 
denn dies war in der ersten Nacht die Schuldigkeit der Gäste." * 
Depons, ein Schriftsteller aus dem Anfang des neunzehnten Jahr- 
hunderts, behauptet, in allen Theilen von Venezuela, Mara- 
caibo und Cumana habe ein Vorrecht der Piachen darin be- 
standen, „dass es sich jeder junge Mann gefallen lassen musste, 
bei seiner Verheirathung den Piachen den ersten Genuss seiner 
jungen Frau zu überlassen** ^. — Diese Quellenstellen sind nicht 
geeignet, die Annahme zu rechtfertigen, dass bei irgend einer 
Völkerschaft im Norden von Südamerika das jus primae noctis 
geherrscht habe, da sie sämmtlich an Mangel der Beweisführung 
und der nöthigen Substantiirung leiden. Auch würde, wenn 
der thatsächliche Inhalt dieser Nachrichten bewiesen wäre, daraus 
höchstens ein aus religiösen Vorstellungen hervorgegangener Ge- 
brauch gefolgert werden können, keineswegs aber ein Recht, 
dem die Jungfrauen bei ihrer Verheirathung si h hätten unter- 
werfen müssen. 

Aus Brasilien habe ich nur folgende Quellen der ange- 



* Coreal Bd. 1 S. 125, 126: „Leurs Prötres sont de grands et signalez 
imposteurs, qu'ils nomment Piaiaa ou Botes. Ces Pr^tres, beaucoup moins 
bStes et sauvages qu'on ne pense, ont entr'autres fonctions la commission 
d'exp^dier le pucelage des jeunes fiUes qui se marient. C'est une plaisante 
chose que le goüt et ^a mode en cette occasion. En Europe on recherche 
avec aviditö ce que l'on fuit tr^s-solgneusement aux Indes : car on assure 
chez les Indiens, que c'est un grand crime de ne pas c^der aux PrStres cette 
fleur si ch^re et si rare en nos quartiers. Je crois trfes-sörieusement que 
cette opinion est un effet de la superstition de ces pauvres Idolätres, et de 
la tyrannie des Prötres II y en a bien parmi nous qui voudroient peut-6tre 
qu'un tel sacrifice devint un point de Religion.'' Vgl. Bd. 1 S. 121: „Piaias, 
qui sont Medecins et Prötres en mSme tems." 

2 Carli Bd. 1 S. 174, 175. Vgl. oben Kap. 7 8. 3«. 

3 Depons (Weyland) S. 143, 145. 



Kapitel 91. Caziken und Pajes in Amerika. 363 

gebenen Behauptungen ermitteln können. Ueber die Jumanaa 
meldet v. Spix; „Der Häuptling hat das jus primae noc- 
tis" *; und von den Juris versichert v. Martins, ihm selbst gegen- 
über habe sich der Paje der Juris jener Sitte gerühmt ^. Die 
Berichte dieser beiden Beisenden beruhen zwar auf eigenen Wahr- 
nehmungen, können aber bezüglich jener beiden Angaben nicht 
als beweiskräftig angesehen werden, weil das allgemeine Erfor- 
derniss eines jeden Zeugnisses fehlt, dass nämlich die einzelnen 
concreten Thatsachen, die der Zeuge wahrgenommen hat, bestimmt 
bezeichnet werden. Hier fehlt namentlich eine Angabe darüber, 
wie die Indianer sich verständlich gemacht, und in welcher Weise 
sie sich ausgedrückt haben. 

In Beziehung auf Peru beruft sich Waitz an der Stelle, 
die Liebrecht auf das jus primae noctis bezieht, auf die Werke 
von UUoa und Garcilasso, ohne die vermeintlichen Beweisstellen 
anzuführen ^. Eine Durchsicht dieser beiden Werke ergiebt Fol- 
gendes. Ynca Garcilasso de la Vega, geboren zu Cuzco in 
Peru im Jahr 1540, acht Jahre nachdem das Reich durch die 
Spanier (unter Francisco Pizarro) erobert war, blieb in seiner 
Heimath unter spanischer Herrschaft bis zum Jahr 1560, begab 
sich dann nach Spanien und schrieb dort bis zum Jahr 1604 
eine Geschichte der Könige von Peru aus dem Geschlecht der 
Yncas'*. Die Yncas hatten mehr als vierhundert Jahre lang, 
bis zur Ankunft der Spanier, über Peru als Könige geherrscht*. 
Der erste König aus diesem Geschlecht, Namens Manco Capac, 
war nach der Volkssage ein Sohn der Sonne ; er war vom Süden 
her in das Land gekommen, hatte Gesittung unter den wilden 
Völkern verbreitet', die Stadt Cuzco gegründet, die Religion des 
Sonnengottes und eines unsichtbaren Gottes (Pachacamac) einge- 
führt und weise Gesetze gegeben, namentlich die Vielweiberei 
verboten und zur Verwaltung jeder Provinz einen Curaca ein- 
gesetzt^. Der „Curaca" in Peru hatte ungefähr die Gewalt, wie 
, anderwärts, z. B. auf San Domingo oder Cuba, ein „Cazike" ^ 



» V. Spix Bd. 3 S. 1182. * y Martius S. 61. 

' Diö bei v. Martius erwähnte Stelle aus Garcilasso ist bereits oben, 
Kap. 7 S. 40, erwähnt und handelt von keinem Herrenrecht. 

♦ Garcilasso Bd. 1 , Vorrede und S. 17, 79, Bd. 2 S. 492. Darauf beruht 
die Geschichte der Yncas bei UHoa Bd. 2 S. 209—248. 

5 Garcilasso liv. 1 eh. 17 und liv. 2 eh. 1, Bd. 1 S. 72 und 108; Ulloa 
Bd. 2 S. 213. 

« Garcilasso Bd 1 S. 86, 109, 114, 115, 124; Ulloa Bd. 2 S. 215. 

' Garcilasso Bd. 1 S. 86; Ulloa Bd. 2 S. 215; v. Martius S. 15. 



364 Kapitel 92. Die Ulitaos auf den Marianen. 

Auf Manco Capac wird auch die Anordnung über die Art der 
Ehesehliessung zurückgeführt. Danach wurden die Ehen jährlich 
oder alle zwei Jahre in feierlicher Form öffentlich abgeschlossen, 
und zwar zunächst die Heirathen von Persoüen aus königlichem 
Geblüt in Gegenwart des Königs und seines Hofstaates, wobei 
der König selbst die Hände des Bräutigams und der Braut zu- 
sammenlegte, Beiden das Versprechen ehelicher Treue abnahm 
und dann Beide in die Hände ihrer Eltern zurückgab ; am folgen- 
den Tage wurden alle übrigen Heirathen in der Hauptstadt Cuzco 
unter Mitwirkung von Ministern, die durch den König beauftragt 
waren, mit gleicher Feierlichkeit abgeschlossen; dieselben Vor- 
schriften wurden in allen Provinzen des Reichs beobachtet, und 
zwar ausserhalb der Hauptstadt unter Mitwirkung der Caracas *. 
Hiernach erscheint die Meinung, dass den Caziken Perus das jus 
primae noctis zugestanden habe, als völlig unbegründet. 

lY. Australien. 

Die UlitaoB auf den Marianen. 

Kapitel 92. Gerland und Post behaupten, auf den Marianen 
hätten die Ulitaos „bei jeder Ehe das jus primae noctis vom Vater 
der Braut erkaufen" können ^. Diese Angabe stützt sich auf eine 
Erzählung aus der Reisebeschreibung des Herrn von Freycinet aus 
der Zeit von 1817 bis 1820. Danach wurde im Jahr 1676 in dem 
Dorf Orote, auf einer Marianen- (Ladronen- oder Diebes-) Insel, als 
die Trauung eines Spaniers mit einer christlichen Eingebornen feier- 
lich begangen werden sollte, ein Hinderniss zur Sprache gebracht; 
dasselbe bestand darin, dass der Vater der Braut, dortiger Sitte 
gemäss, sich verpflichtet hatte, die „premices" seiner Tochter an 
die Ulitaos zu verkaufen^. Dies erinnert an den im Kap. 77 er- 
wähnten Gebrauch, der mit dem jus primae noctis in der herkömm- 
lichen Bedeutung dieses Ausdrucks keine Verwandtschaft hat. 



i Garcilasso Buch 4 Kap. 8, Bd. 1 S. 350—352; Ulloa Bd 2 S. 215, 216. 

« Th. Waitz Bd. 5 Abth. 2 S. 111, 112; Po8t S. 37. 

^ Freycinet S. 189: . . . „lea missionnaires eurent l'id^e de c616brer k 
Orot6 avec tout l'appareil possible l'union d'un Espagnol et d'une fille chr6- 
tienne de ce village. Mais au moment convenu pour la solennitä, le p^re de 
la future vint y mettre des entraves par une Opposition opiniätre. II s'^toit 
engag^, selon la coutume, k vendre aux Ulitaos les pr^mices de cette jeune 
personne. Le P. Sebastien de Manroy, pensant qu'il regrettoit le prix de ce 
honteux march^, lui oifrit un d^dommagement capable de contenter son ava- 
rice; rien ne put lui faire entendre raison'' . . . 



Dritter Abschnitt. 

Rückblick und Ergebnlss. 



A. Rückblick. 

Kapitel 93. In der bisherigen Untersuchung sind die zum 
Beweise des jus primae noctis vorgebrachten Gründe einzeln ge- 
prüft worden. Dies führte zu dem Ergebniss, dass theils die 
fraglichen Behauptungen auf Missverständniss beruhten, theils 
die behaupteten Thatsachen nicht gehörig nachgewiesen seien, 
theils endlich die. festgestellten Thatsachen zum Beweise jenes 
Rechts nicht genügten. Hiermit ist nun aber die Frage, ob ein 
jus primae noctis bestanden hat, noch nicht vollständig gelöst. 
Es fragt sich nämlich, ob etwa, ungeachtet der im Einzelnen 
nachgewiesenen Irrthümer, die verschiedenen Beweisgründe im 
Ganzen und in Zusammenhang miteinander den Beweis zu er-: 
bringen vermögen, dass jenes Recht einstmals irgendwo gegolten 
habe. Allein auch diese Frage ist zu verneinen, wie folgender 
Ueberblick über das gesammte Beweismaterial ergiebt. 

I. Berichte nnd Sagen. 

1. Naehriehien über Defloration der Bräute durch Priester oder Häuptlinge. 

Seit dem sechzehnten Jahrhundert wird über die Bewohner 
von Malabar in Ostindien und über einige Indianerstämme von 
Südamerika berichtet, dass Jungfrauen bei ihrer Verheirathung 
von Priestern deflorirt würden*. Varthema (1510) sagt, der 
König von Calicut, und kein Anderer in seinem Reich, erwähle 
bei seiner Heirath den würdigsten und geehrtesten Brahmanen, 
damit derselbe in der ersten Nacht bei der Königin schlafe und 
sie deflorire; der Brahmane erhalte hierfür vier- bis fünfhundert 
Ducaten^. Die Nachrichten aus Südamerika beruhen hauptsäch- 
lich auf dem Bericht Oviedo's, dass bei den Arowaken und einigen 



« Kap. 75 und 91. * Kap. 75. 



366 Kapitel 93. Rückblick. I. Berichte und Sagen. 

andern Völkerschaften eine Jungfrau, die verheirathet werden 
solle, um glücklich im Ehestand zu werden, zuvörderst mit ihrem 
Piache oder Priester schlafen müsse, und erst, nachdem dies ge- 
schehen sei, am folgenden Tag sich ihrem Ehegatten hinzugeben 
habe ^ ; und auf der Erzählung Gomara's, dass die Bewohner von 
Cumana den nach ihrer Meinung anständigen Gebrauch beob- 
achteten, die neuvermählten Frauen an die Priester oder Piaches 
zur Defloration zu übergeben^. Hiermit können einige Angaben 
verglichen werden, die nicht von Priestern, sondern von Häupt- 
lingen reden, nämlich dass bei den Adyrmachiden die Jungfrauen, 
die heirathen wollten, dem König vorgestellt und, falls sie ihm 
gefielen, von ihm deflorirt würden^; und die tausend Jahre später 
gemachte Entdeckung, wonach auf den Inseln Gomera und Palma 
die Häuptlinge von allen Jungfrauen bei deren Heirath die Vor- 
kost hatten, oder die Weiber, die zu verheirathen waren, zuerst 
durch die Machthaber, wenn dieselben sich einander besuchten, 
zum Willkomm gegeben und deflorirt wurden, und die Bewohner 
von Teneriffa keine Jungfrau zur Gattin nahmeij, bevor sie ihrem 
Fürsten vorgeschlagen hatten, sie zu scliwächen*. — Mit Rück- 
sicht auf die innere Verwandtschaft dieser zwar vereinzelten, 
jedoch aus verschiedenen Zeiten und Ländern herrührenden 
Nachrichten lässt sich allenfalls die Meinung vertheidigen , dass 
ihnen etwas Wahres zu Grunde liegen müsse, obwohl jeder Be- 
richt, für sich allein betrachtet, zu erheblichen Bedenken Anlass 
bietet, und die Angaben untereinander mehrfache Widersprüche 
enthalten. Man könnte damit die Berichte über einige andere 
geschlechtliche Unsitten^ vergleichen und danach die fraglichen 
Gebräuche aus religiösen Anschauungen heidnischer Völker zu 
erklären suchen. Andererseits erhellt gerade aus der Zusammen- 
stellung und Vergleichung aller bezeichneten Mittheilungen mit 
noch grösserer Sicherheit als aus der Fassung jedes einzelnen 
Berichts, dass die darin erwähnten Handlungen der Priester oder 
Häuptlinge im Einverständniss der Jungfrauen und ihrer Ange- 
hörigen vorgenommen wurden. Denn es wird gemeldet, dass die 
Brahmanen in Malabar sich für Vornahme der fraglichen Hand- 
lung theuer bezahlen Hessen; dass bei den Indianerstämmen, von 



* Kap. 91 S. 360, 361. ^ j^ap. 91 S. 360. » Kap. 33. ♦ Kap. 72. 

* Dahin gehören die Berichte, dass bei manchen Völkerschaften die Mäd- 
chen vor der Heirath durch Fremde deflorirt würden (vgl. Kap. 7 S. 39 und 
Kap. 75 S. 314), oder ihre Jungfräulichkeit einem Götzenbild zum Opfer 
brächten (vgl. Kap. 7 S. 40), oder sich einer andern Operation unterwürfen, 
um sich davon zu befreien (vgl. Kap. 44 S. 214). 



Kapitel 93. Rückblick. I. Berichte und Sagen. 367 

denen Oviedo spricht, die Jungfrauen sich dem betreffenden Ge- 
brauch unterwürfen, „um glücklich im Ehestand zu werden"; 
dass die Bewohner von Curaana den durch Gomara mitgetheilten 
Gebrauch für anständig hielten; und dass die Bewohner von 
Teneriffa sich als sehr geehrt betrachteten, wenn eine Braut 
die Gnade erlangte, vom Fürsten deflorirt zu werden. Obwohl 
eine derartige ausdrückliche Versicherung in andern Quellen- 
stellen fehlt, so ist doch in keiner derselben das Gegentheil her- 
vorgehoben, dass nämlich die Jungfrauen und deren Angehörige 
auch wider ihren Willen jene Handlungen hätten erdulden müssen. 
Schon aus diesem Grunde, und abgesehen von allen sonstigen 
Bedenken *, können die gemeldeten Schilderungen nicht zu der 
Annahme berechtigen, dass. in Malabar und bei einigen Indiauer- 
völkern von Südamerika ein Herrenrecht der Priester, sowie bei 
den Adyrmachiden und auf den canarischen Inseln ein Herren- 
recht der Häuptlinge auf die erste Nacht der Bräute jemals ge- 
golten habe, oder noch heutzutage gelte. Also ist es ein Irr- 
thum, wenn einige Gelehrte des neunzehnten Jahrhunderts in den 
bezeichneten Nachrichten den Beweis des jus primae noctis finden. 
Mithin kann auch die Versicherung, dass bei andern Völkern 
dasselbe Recht bestehe, keine Beachtung verdienen, solange bloss 
eine Behauptung jener durch Irrthum befangenen Schriftsteller 
vorliegt, und jeder sonstige Beweis fehlt. Damit erledigen sich 
bis zu einer etwaigen näheren Aufklärung die Angaben über 
einige Völker Brasiliens ^ und über das Bergland Bagele auf 
den Andamanen^ 

2. Sagen über Deflorirnng der Braute dureh Tyrannen. 

Es giebt eine Reihe von Sagen, die darin übereinstimmen, 
dasä ein Tyrann in seiner Gewaltthätigkeit so weit ging, gewohn- 
heitsmässig die Mädchen vor oder bei ihrer Heirath ihrer Jung- 
fräulichkeit zu berauben. Abgesehen von den etwas unbestimm- 
ten und undeutlichen Nachrichten über die Sklavenherrschaft in 
Volsinii*, über die Ausschweifungen des römischen Kaisers Ma- 
ximin ^ und über das Verfahren des Königs von Tsiamba^, sind 
hier hauptsächlich folgende Sagen zu berücksichtigen. Nach einer 
Erzählung aus dem vierten Jahrhundert vor Chr. Geb. regierte in 
alten Zeiten auf der Insel Kephalenia ein Tyrann, der die Mädchen 



1 Vgl. Kap. 75 S. 319 und Kap. 91 S. 359, 362, 363. 

2 Kap. 91 S. 363. » Kap. 76. ♦ Kap. 35. 
5 Kap. 37. 6 Kap. 43. 



y 



368 Kapitel 93. Rückblick. I. Berichte und Sagen. 

fleischlich erkannte, bevor sie verheirathet wurden, bis ein ge- 
wisser Antenor eine Jungfrau vor der Schändung bewahrte, in- 
dem er sich als Mädchen verkleidete und mit einem unter der 
Kleidung verborgenen Schwert den Tyrannen erschlug; wegen 
dieser Heldenthat ward Antenor zum Fürsten erwählt, und er er- 
langte hohe Ehre, ebenso wie die Jungfrau, die er gerettet hatte *. 
Seit dem vierten Jahrhunder,t nach Chr. Geb. wurde erzählt: 
Es fand einmal in Judäa, vor der Zeit, um welche die Mischna 
abgefasst wurde, eine Verfolgung statt; man erliess die Bestim- 
mung, die Töchter der Juden sollten zuerst vom aTporto* beschlafen 
werden ^. Damit verwandt ist die Erzählung aus dem fünften 
oder sechsten Jahrhundert, dass einmal (vor Abfassung der Mischna) 
die Machthaber befohlen hätten, die Jungfrauen sollten vor der 
Hochzeit vom Taphsar beschlafen werden^; und der- spätere Sa- 
genkreis, der in verschiedenen Gestalten, aus der Zeit vom sieb- 
ten oder • achten bis zum fünfzehnten Jahrhundert , den Anlass 
zum Aufstand der Makkabäer auf ähnliche Schandthaten der 
griechischen Machthaber zurückführt*. Eine Erzählung aus dem 
Anfang des vierzehnten Jahrhunderts spricht über einen gewalt- 
thätigen Araberkönig vom Stamm Tasm, der zugleich über den 
Stamm Djadis herrschte und den Gebrauch einführte, dass keine 
Jungfrau vom Stamm Djadis ihrem Bräutigam zugeführt wurde, 
bevor er selbst mit ihr zu thun gehabt und ihr die Keuschheit 
entrissen hatte; die Djadisiten erduldeten diese Nichtswürdigkeit 
geraume Zeit, nahmen dann aber furchtbare Kache, indem sie 
nach vorherigem Plan b^i einem Gastmahl den König mit den 
meisten Tasmiten umbrachten ^. — Diese im Alterthum und Mittel- 
alter entstandenen Sagen beruhen auf gesunden Grundgedanken 
von Verschuldung und Vergeltung*^. Als geschichtlich festgestellt 
kann keine dieser Erzählungen betrachtet werden, obwohl die 
Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, dass ihnen ein geschichtlicher 
Kern zu Grunde liegt. 



1 Kap. 34. 2 Kap. 29 S 1G4. ^ Kap. 29 S. 166. 

* Kap. 30. 5 Kap. 32. 

^ Auf ähnlichen Grundgedanken beruhen zwei im neunzehnten Jahrhundert 
entdeckte Sagen, die von alten Zeiten reden; nämlich die angebliche Volks- 
sage, dass die Stadt Harapa vor dreizehnhundert Jahren durch die Rache 
Gottes zerstört worden sei , weil der Beherrscher jener • Stadt bei jeder 
Heirath „gewisse Vorrechte" beanspruchte und auch Blutschande beging 
(Kap. 42); und die Erzählung eines Wiedehopfs über König Sharahbil von 
Saba (Kap. 31). 



Kapitel 93. Rückblick. I. Berichte und Sagen. 369 

8. Eine Sage über die Feiler Irltudi« 

Eine im neunzehnten Jahrhundert veröffentlfchte Sage, die 
aus der Zeit vom fünfzehnten bis achtzehnten Jahrhundert her- 
rührt, führt die Veranlassung der Schlacht von Gabhra darauf zu- 
rück, dass die Fenier von König Cairbre nach dessen Verlobung 
„zwanzig Unzen Gold oder das Recht, mit der Prinzessin die 
Nacht vor ihrer Hochzeit zu schlafen", begehrt und dadurch den 
Unwillen des Monarchen erregt hätten^. Diese Sage kann, wie 
der Herausgeber derselben bemerkt, keinenfalls als ein Stück 
ächter Geschichte angesehen werden; ebensowenig ist sie nach 
ihrem Inhalt geeignet, als Beweis eines Herrenrechts zu dienen. 

4. Sagen der Neuseit über Entitehung von Heiratheabgaben. 

Einige Sagen, die aus dem sechzehnten Jahrhundert stammen, 
suchen die Entstehung von Heirathsabgaben aus einem frühern 
Herrenrecht der ersten Nacht zu erklären ^. Nach Berichten von 
Hector Boethius (1526) und George Buchanan (1582) erliess ein 
heidnischer König, Evenus III. von Schottland, ein Gesetz, wo- 
nach jeder Herr einer Ortschaft die Gewalt haben sollte, die 
erste Keuschheit der neuvermählten Jungfrau in ihrer Hochzeits- 
nacht zu kosten; dies gottlose Gesetz ward durch König Mal- 
colm III., auf Andrängen der heiligen Königin Margaretha, dahin 
abgeändert,, dass die jungen Ehegatten jenes Recht ablösen konn- 
ten; so entstand die unter dem Namen „marcheta mulierum*^ be- 
kannte Heirathsabgabe K Nach Angabe von Hector Boethius 
wurde auch in Belgien, und zwar in einem Flecken unweit Lö- 
wen, der Gebrauch beobachtet, dass der Bräutigam die Schändung 
der Braut vom Vorsteher des Orts ablöste*. Wie Hieronymo 
Mutio (1553) bemerkt, entstand eine mit dem Namen „connagio^ 



1 Kap. 41. 

^ Aus älterer Zeit ist eine derartige Sage noch nicht entdeckt. Zwar 
findet sich schon in einem Gedicht des dreizehnten Jahrhunderts die Sage, 
die Bauern von Verson in der Normandie hätten in früheren Zeiten, statt die 
Heirathsabgahe zu bezahlen, lieber ihre Töchter dem Grundherrn überliefert, 
„um dessen Willen zu thun"; allein dieser Wortlaut berechtigt nicht ohne 
Weiteres, an ein unanständiges Recht des Grundherrn zu denken (Kap. 56). 

3 Kap. 40. Die Erzählung von Hector Boeis wurde durch Zuthaten 
einiger späterer Schriftsteller (Skene, Boxhorn, Hachenberg und Westphal) 
dahin erweitert, dass jenes Gesetz bei allen Heirathen der Germanen, Wenden 
und Franken gegolten habe und ausgeübt worden sei. 

♦ Kap. 20 S. 107. 

Schmidt, Jus primae noctis. 24 



370 Kapitel 93. Rückblick. I. Berichte und Sagen. 

bezeichnete piemontesische Heiratbsabgabe durch Ablösung eines 
früheren Brauchs, wonach die neuvermählten Frauen die erste 
Nacht mit dem Herrn der Ortschaft schliefen *. Desgleichen wird 
in einer Urkunde vom 2. Febr. 1538 eine Heirathsabgabe , die 
au den Herrn von Bizanos in Bearn zu entrichten war , aus dem 
Recht seiner Vorfahren erklärt, so oft Heirathen in Bizanos 
stattfanden, mit der jungen Frau die erste Nacht nach der Hoch- 
zeit zu schlafen^. Ebenso suchten seit Ausgang des siebzehnten 
Jahrhunderts holländische Schriftsteller eine Heiratbsabgabe, die 
in Cortgene bestand, daraus zu erklären, dass der Herr von Cort- 
gene seit ganz alten Zeiten das Becht über die Jungferschaft der 
Bräute habe, das jedoch gewöhnlich mit Geld abgelost werdet 
— Alle diese Sagen beruhen im Grossen und Ganzen auf der 
Voraussetzung, dass jenes schmachvolle Recht zu heidnischer 
Zeit gegolten habe und im Mittelalter, sobald die christlichen 
Grundsätze zur Herrschaft gelangten, in eine Abgabe verwandelt 
worden sei; soweit dies in den einzelnen Berichten nicht aus- 
drücklich gesagt ist, bleibt nach ihrem Inhalt wenigstens die 
Möglichkeit bestehen, jenes Recht für ein altheidnisches zu er- 
klären. Wunderbar bleibt der Inhalt dieser Sagen insofern, als 
danach das Christenthum im Mittelalter nicht die völlige Aus- 
rottung jener Barbarei, sondern nur die Verwandlung des heid- 
nischen Rechts in eine Abgabe durchzusetzen vermochte. Es 
lässt sich annehmen, dass im sechzehnten Jahrhundert an vielen 
Orten der wahre Grund, worauf die herkömmlichen Heirathsab- 
gaben beruhten, in Vergessenheit gerathen war, und diese Lücke 
in der Kenntniss der Vorzeit durch Sagen ergänzt wurde*; 
vielleicht unter Einfluss der inzwischen allmählich verbreiteten 
Nachrichten und Sagen älterer Zeit (die oben S. 365 — 368 er- 
wähnt sind). Ein geschichtlicher Kern ist in dem bezeichneten 
Sagenkreis nicht enthalten, da die Entstehung der Heirathsab- 
gaben genügend aufgeklärt ist, und kein Grund für die Annahme 
eines unsittlichen Ursprungs derselben vorliegt^. 

Eine noch weit ungünstigere Vorstellung vom christlichen 
Mittelalter findet sich in dem jüngeren, hauptsächlich im acht- 



* Kap. 24 S. 139. 2 Kap. 80. 

^ Kap. 21. — Aus dem siebzehnten Jahrhundert stammen auch die gleich- 
artigen Erklärungen von Ducange über Wales (Kap. 14) und von Plot über 
England und Irland (Kap. 16 und 17). 

♦ Vgl. Raepsaet 3. Ausg. S. 57. — In ähnlicher Weise sind bekanntlich 
zahlreiche Volkssagen entstanden. 

5 Kap. 13. 



Kapitel 93. Rückblick. I. Berichte und Sagen. 371 

zehnten und neunzehnten Jahrhundert ausgebildeten, Sagenkreis 
über die Entstehung der grundherrlichen Heirathsabgaben. Da- 
nach sollen dieselben durch Ablösung des im christlichen 
Mittelalter herrschend gewesenen jus primae noctis entstanden 
sein ^. Diese gänzlich grundlose Annahme ist nicht aus blosser 
Unwissenheit, sondern zumeist aus oberflächlichen Untersuchungen 
von vermeintlich aufgeklärten Gelehrten hervorgegangen, zum 
Theil aber auch auf unlautere Quellen zurückzuführen. 

5. Sagen der Neuieit über Aufstände wegen des jus primae noetig. 

Seit dem siebzehnten Jahrhundert verbreiteten sich zwei Er- 
zähilungen, die den Anlass zur Gründung der Städte Montauban 
und Nizza della Paglia auf ein garstiges Recht der Grundherren 
zurückführten*. Die ersterwähnte Sage spricht in ihrer älteren 
Fassung nicht von einem Herrenrecht der ersten Nacht, sondern 
von einem „jus cunni**, das ein Ueberrest alter Barbarei ge- 
wesen und als Lösegeld durch die Aebte von Saint-Audard mit 
äusserster Härte gefordert sei; erst spätere Ausschmückungen 
derselben Sage erklären das jus cunni als gleichbedeutend mit 
dem jus primae noctis. Die andere Sage berichtet, die gewalt- 
thätigen Grafen von Acquasana hätten die Primizien der Jung- 
frauen bei deren Heirath geniessen wollen und dadurch den Auf- 
stand gegen ihre Herrschaft veranlasst. Ferner meldet eine Er- 
zählung aus dem Anfang des achtzehnten Jahrhunderts, die Herren 
von Prelley und Parsanni in Piemont hätten ein ähnliches (oder 
gleiches) Recht, wie das in Schottland durch König Evenus III. 
eingeführt gewesene, unter dem Namen cazzagio ausgeübt und 
hätten sich geweigert, in Ablösung dieses Rechts einzuwilligen; 
dadurch sei ein Aufstand veranlasst worden, der dahin führte, 
dass die Bewohner der beiden Orte von jenem Herrenrecht be- 
freit wurden, und diese Orte an Savoyen gelangten^. Die in 
diesen Erzählungen von einem sündhaften Recht gemeldeten That- 
fiachen sind weder bewiesen, noch mit den geschichtlichen Vor- 
gängen, soweit solche festgestellt sind, auch nur vereinbar. Ohne 
geschichtlichen Werth sind die erst im neunzehnten Jahrhundert 
erfundenen Erzählungen ähnlichen Inhalts über die Grafen Des 
Vertus und die Herzoge der Normandie^, sowie über die Zwing- 
herren von Vatz und von Ravenstein^. 



* Vgl. oben S. 64, 73—76, 95, 96, 113, 244, 245, 251. 
2 Kap. 69 und 52. ^ Kap. 53. 

♦ Kap. 68. * Kap. 48 und 49. 

24* 



372 Kapitel 93. Rückblick. L Berichte und Sagen. 

6. Sagen der NevMÜ über Proeeue wegen dei jni primM nootU« 

In einem Werk aus der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts 
findet sich die Anecdote , in - Gegenwart des Verfassers jenes 
"Werkes habe ein Pfarrer vor dem erzbischöflichen Gericht zu 
Bourges die Behauptung aufgestellt, dass ihm gewohnheitsmässig 
die erste fleischliche Erkennung der neuvermählten Frauen zu- 
komme; darauf sei diese Gewohnheit für nichtig erklärt und der 
Pfarrer zu einer Geldstrafe verurtheilt worden *. In einer Schrift 
aus dem siebzehnten Jahrhundert wird erzählt, der Captal von Buch 
habe das Recht gehabt, mit den neuvermählten Frauen seiner Leib- 
eigenen zu schlafen oder von ihnen ein Geschenk nach seinem 
eigenen Belieben zu fordern, bis dies ßecht durch Urtheil des 
Parlaments zu Bordeaux vom Jahr 1468 aufgehoben und durch eine 
Geldabgabe ersetzt worden sei*. Eine Erzählung vom Jahr 1820 
meldet, vor beinahe vierhundert Jahren sei ein Urtheil ergangen, 
wonach die Lehnsherren der Auvergne nicht mehr, wie bis dahin, 
berechtigt sein sollten, mit ihren Yasallinnen in deren Hochzeits- 
nacht zu schlafen, sondern ihnen nur freistehen sollte, einen nack- 
ten Schenkel in das Bett der neuvermählten Frauen zu legen 
und eine Viertelstunde mit ihnen unter vier Augen zuzubringen K 
Endlicli wird in jüngster Zeit erzählt, im Jahr 1855 sei der rus- 
sische Geheimrath Ischadowsky „für seine Handlungen in Bezug 
auf das jus primae noctis" zu einer Strafe verurtheilt worden. — 
Auf diese Erzählungen kann kein Gewicht gelegt werden, solange 
die Existenz und der Inhalt der fraglichen ürtheile nicht nach- 
gewiesen ist. 

7. Sagen der Neueit von Urkunden über das jus primae nooiis. 

Die Erzählungen moderner Schriftsteller über Urkunden, wo- 
rin das jus primae noctis verbrieft stehen oder gestanden haben 
soll, verdienen keine Beachtung, solange ein Beweis über den 
Inhalt und die Existenz jener Urkunden vermisst wird. Dahin ge- 
hört die zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts entstandene 
Erzählung, dass eine Urkunde über ein ähnliches oder über das 
nämliche Recht, wie das in Schottland durch König Evenus ein- 
geführte und durch König Malcolm abgeschaffte, dem Hause della 
Rovere in Piemont gehört habe und durch den Cardinal Hiero- 
nymo della Rovere zerrissen worden sei*; und die erst im neun- 



t Kap. 82. 2 Kap. 65. » Kap. 66 S. 284. * Kap. öl. 



Kapitel 93. Rückblick. II. Urkundenbeweise. 373 

zehnten Jahrhundert erfundene Erzählung, dass ein Domherr von 
Lyon den alten Titel, der den Grafen-Domherren von Lyon das 
droit du seigneur gewährte, in Händen gehabt und, weil er den 
Inhalt lächerlich fand , zerrissen habe ^ oder dass noch jetzt (an 
einem unbekannten Ort) eine Urkunde vom Jahr 1132 existire, 
worin die Kanoniker von Lyon in bester Form auf jenes Recht 
verzichtet hätten^. 

8. Sagen der Neuseit über herkommliohe Sohändungsreohte des Mittelalters. 

Nach einer Nachricht des sechzehnten Jahrhunderts soll in 
der Auvergne eine Gewohnheit geherrscht haben, die dem Herrn 
des Orts das Eecht gewährte, mit der Braut seines Unterthanen 
in der Hochzeitsnacht zu schlafen^. Und in einem Buch vom 
Jahr 1767 wird erzählt, in der Stadt Auxi-le-Chäteau habe dem 
Grundherrn das Recht zugestanden, die Jungferschaft hübscher 
Frauenzimmer zu rauben, gegen eine an den Grafen von Pon- 
thieu zu entrichtende Abgabe von einem Thaler und zehn Sous *. 
— Für beide Nachrichten fehlt ein Beweis. 

II. Urknndenbeweise. 

1. Gesetse. 

In der Neuzeit wird von einigen Gesetzen über das jus pri- 
mae noctis gesprochen, namentlich seit dem sechzehnten Jahr- 
hundert von Gesetzen des Königs Evenus HL und des Königs 
Malcolm IH. von Schottland^, und seit dem achtzehnten Jahr- 
hundert von einem Gesetz aus dem Jahr 964, wodurch die rus- 
sische Reichsverweserin Olga „das Fürstliche" (jus primae noctis) 
abgeschafft habe *. Im neunzehnten Jahrhundert beruft man sich 
ausserdem noch auf ein toscanisches Gesetz vom Jahr 1691, wel- 
ches mit dem „jus primarum noctium** der Mönche zusammen- 
hängen soin, und auf ein calabrisches Gesetz vom 10. Febr. 1785 
über „das schändliche Hochzeitsrecht" ®. — In Wahrheit existiren 
keine Gesetze, die das jus primae noctis eingeführt oder abge- 



* Kap. 54 S. 245. « Kap. 54 S. 245. 

^ Kap. 66. — Undeutlich ist eine Erzählung aus dem Anfang des acht- 
zehnten Jahrhunderts über die Bewohner von F^re in Tardenois (Kap. 57), 
worin von einem „droit des mariages^^, unabhängig von der Heirathsabgabe, 
die Rede ist; doch kann das „droit des mariages^^ nur als eine Steuer (unbe- 
kannten Inhalts), nicht als ein Schändungsrecht erklärt werden. 

♦ Kap. 78 S. 327. » Kap. 40. « Kap. 46. 
' Kap. 86. 8 Kap. 87. 



374 Kapitel 93. Rückblick. II. Urkundenbeweise. 

schafft haben. Die allgemeinen Anordnungen, die in dem an- 
geblichen Urtheil des Gross-Seneschalls der Guyenne vom 13. Juli 
1302 und im Schiedsurtheil Ae% Königs Ferdinand vom 21. April 
1486 enthalten sind \ sollen bei Uebersicht über die gerichtlichen 
Entscheidungen berücksichtigt werden ^. 

2. Urkunden über Gewobnheitirechte. 

Aus Urkunden des Mittelalters und der li^euzeit erhellt, dass 
in manchen Ländern wichtige Rechte von dem Ort abhingen, wo 
die Neuvermählten die Hochzeitsnacht zubrachten; und dass die 
Brautleute deshalb an einigen Orten die grundherrliche Geneh- 
migung nachsuchen mussten, um dort die Hochzeitsnacht zuzu- 
bringen. Nach einer angeblich zu Anfang des vierzehnten Jahr- 
hunderts gefertigten Urkunde aus dem Bisthum Strassburg war 
im Dorf Wettolsheim die Landesangehörigkeit der Neu- 
vermählten davon abhängig, ob sie auf dem bischöflichen Gebiet 
oder auf dem Gebiet der Herren von Horburg die Hochzeits- 
nacht zubrachten ^ Nach einer Urkunde vom Jahr 1318 war in 
der Stadt Dercy in der Picardie die Ortsangehörigkeit der 
Neuvermählten dadurch bedingt, dass sie die Hochzeitsnacht in 
Dercy schliefen*. Nach einer Urkunde vom 13. Jan. 1369 musste 
zu Brimeu in der Picardie jeder Mann, mit Ausnahme des Lehns- 
mannes, der auf seinem Lehen schlief, die Genehmigung des 
Grundherrn nachsuchen, um mit seiner Braut die Hochzeitsnacht 
in Brimeu verbringen zu dürfend Nach den im Jahr 1507 redi- 
girten Coutumes aus dem Amt Amiens bestand in den Städten 
Brestel-les-Doullens , Auxi-le-Chäteau und Blangy-en-Ternois der 
Grundsatz, dass ein Fremder, der dort heirathete und daselbst 
mit seiner Frau die Hochzeitsnacht verbringen wollte, dazu die 
Genehmigung der grundherrlichen Behörde nachsuchen musste; 
zumeist hatte er dafür eine Abgabe zu entrichten, bei Vermeidung 
erheblicher Vermögensstrafe ^. In den Städten Maisnil-les-Hesdin» 
und Drucat war, wie die Coutumes vom Jahr 1507 ergeben, die 
grundherrliche Genehmigung bei allen Heirathen nachzusuchen, also 



* Kap. 62 S. 261, 262 und Kap. 70 S. 298, 303. 

* Unten S. 376—378. » Kap. 28 S. 159. 

* Kap. 28 S. 160. * Kap. 28 S. 161. 

^ Kap. 78 S. 325, 826. — Die Abgabe betrug in Blangy-en-Ternois zwei 
Sous, in Brestel nur zwei Pfennige; sie war durch die Coutume von Auxi 
nicht bestimmt. Die Geldstrafe ist in der Coutume von Blangy-en-Ternois 
nicht erwähnt; sie betrug in Brestel und Auxi sechzig Sous (drei Franken). 



Kapitel 93. Rückblick. IL Urkundenbeweise, 375 

auch dann, wenn beide Brautleute daselbst bereits ortsangehörig 
waren ^ Nach den Coutumes von Burgund und Pranche-Comt6 
konnte, die Tochter eines Hörigen bei Verheirathung an einen 
fremden Mann sich ihr künftiges Erbrecht (welches sie sonst 
durch das Ausscheiden aus ihrer bisherigen Bechtsgemeinschaft 
verloren hätte) dadurch vorbehalten, dass sie mit ihrem Ehemann 
die Hochzeitsnacht auf dem Gut ihrer Eltern zubrachte ^. — Alle 
diese Bestimmungen erklären sich aus dem altge^;manischen Bechts- 
satz, dass die rechtlichen Folgen der Ehe mit dem Beilager begin- 
nen; sie bieten keinen Grund zu der Annahme, dass in den be- 
zeichneten Orten dem Grundherrn das jus primae noctis zugestanden 
habe. Die einzige Coutume, worin der Hinweis auf ein solches 
Recht mit einem Schein von Berechtigung entdeckt werden könnte, 
ist die Coutume von Drucat; darin wird der Fall erwähnt, 
dass der Grundherr bei der Hochzeitsdame geschlafen habe; 
allein von einem Recht des Grundherrn zu einer solchen Hand- 
lung ist in der Coutume keine Rede. Die Nachsuchung der 
grundherrlichen Erlaubniss (unter Ueberreichung einer Abgabe 
vom Hochzeitsmahl) sollte nicht erforderlich sein, wenn der 
Grundherr bei der Hochzeitsdame geschlafen hatte. Dies ist 
entweder für eine bloss scherzhafte Redewendung zu erachten 
oder dahin zu erklären, dass der Grundherr den Anspruch auf 
die herkömmliche Hochzeitsabgabe zur Strafe verlor, wenn er 
die bezeichnete Handlung beging ^. Letzteres kann sich auf den 
Fall beziehen, dass eine Person heirathete, die mit dem Grund- 
herrn fleischlichen Verkehr gehabt hatte. 

Aus den zahlreichen sonstigen Urkunden, des Mittelalters 
und der Neuzeit, über die grundherrliche Heirat hserlaubniss 
und über Heirathsabgaben, die von Hörigen an ihre Grund- 
herren zu entrichten waren, sowie aus den für Heirathsabgaben 
eingeführten Bezeichnungen, ist kein Grund für die Meinung zu 
entnehmen, dass in den betreffenden Abgaben ein ITeberrest des 
jus primae noctis zu finden sei, oder dass daraus ein solches 
Recht sich entwickelt habe*. — Auf eine Heirathsabgabe sind 
auch die in einer Urkunde aus Südtirol vom 3. Mai 1166 er- 
wähnten „Nutzungen der ersten Nacht wegen der Bräute" zu 



* Kap. 78 S. 327 , 328. — In Drucat musste bei Nachsuchen der Er- 
laubniss eine Schüssel vom Hochzeitsmahl nebst zwei Kannen vom Hochzeits- 
getränk überreicht werden. In Maisnil bestand die Strafe (für unterlassene 
Nachsuchung der Erlaubniss) in der Einziehung des Ehebetts nebst Allem, 
was sich am Morgen nach der Hochzeitsnacht darauf befand. 

* Kap. 59 und 60. » Kap. 78 S. 328-330. * Kap. 12—25. 



376 Kapitel 93. Rückblick. II. Urkundenbeweiee. 

beziehen, solange es an näherer Aufklärung über den Inhalt 
der schadhaften Stelle dieser Urkunde fehlt ^. Ob das in einer 
Urkunde aus der Picardie vom Jahr 1228 erwähnte und noch 
nicht hinlänglich aufgeklärte „droit de braconnage'' des Herrn 
von Mareuil zu den Heirathsabgaben zu rechnen ist, kann da- 
hingestellt bleiben; jedenfalls ist die erst in der zweiten Hälfte 
des achtzehnten Jahrhunderts aufgestellte Yermuthung, dass damit 
das jus primae noctis gemeint sei, willkürlich und unhaltbar K — 
Einige Urkunden des sechzehnten Jahrhunderts enthalten eine 
scherzhafte Sicherung der Heirathsabgaben ; nämlich zwei schwei- 
zerische "Weisthümer, wonach der Meier oder Vogt das Hecht 
haben sollte, nach der Hochzeit der Hörigen die erste Nacht 
bei der jungen Frau zu liegen, wenn der Bräutigam die Hoch- 
zeitsabgabe nicht entrichte * ; und eine Urkunde aus B6arn, 
wonach die Schutzhörigen des Herrn von Lobier bei ihren Hei- 
rathen verpflichtet waren, entweder ihre Frauen für die erste 
Nacht dem Grundherrn vorzustellen, damit derselbe mit ihnen 
nach seinem Vergnügen verfahre, oder ihm die bestimmte Ab- 
gabe zu entrichten*. Ein ähnlicher Scherz findet sich schon in 
einer Urkunde der Normandie vom Jahr 1419; danach sollte Herr 
von Lariviere-Bourdet bei Heirathen seiner Leute, falls dieselben 
die Heirathsabgabe nicht pünktlich entrichteten, und falls er 
selbst wollte, mit der neuvermählten Frau schlafen können und 
müssend Alle diese Bestimmungen sind so gefasst, dass kein 
U«belstand eintritt, wenn die rechtmässige Abgabe bezahlt wird; 
daraus kann nicht gefolgert werden, dass in früheren Zeiten ein 
ernsthaftes jus primae noctis in den bezeichneten Herrschaften 
bestanden habe. 

3. Geriohtlioke Entiokeidiuigen. 

Das im Jahr 1812 entdeckte angebliche Urtheil des Gross- 
Seneschalls der Guyenne vom 13. Juli 1302 ist ein fälschlich an- 
gefertigtes Actenstück ^. Obwohl die Motive dieser Fälschung 



< Kap. 50. 

' Kap. 55. — Wenn das „droit de braconnage", wie oben (S. 248, 249) 
als etymologisch möglich hingestellt ist, eine Heirathsabgabe gewesen wäre, 
80 könnte man vermuthen, die Verpflichtung habe in der Beköstigung von 
Bracken (Schweisshunden) bestanden, zumal da ähnliche Abgaben in andern 
Urkunden (oben S. 346) erwähnt werden. Allein wegen der Stelle „sl ne 
les braconne" dürfte die oben (S. 249) aufgestellte Hypothese von einer 
anständigen Umarmung den Vorzug verdienen. 

3 Kap. 88. ♦ Kap. 80. * Kap. 58. ^ Kap. 62. 



Kapitel 93. Rückblick. II. Urkundenbeweise. 377 

noch nicht feststehen, so lässt sich doch der dringende Yerdacht 
nicht abweisen, dass die Fälschung in unlauterer Absicht durch 
Vertheidiger der Irrlehre vom „droit du seigneur** des Mittelalters 
(pour les besoins de la cause) vorgenommen wurde. Das Schieds- 
urtheil des Erzbischofs zu Lyon vom Jahr 1335 oder 1361 über 
ein Eecht des Cantors an der Kirche zu Mäcon steht mit dem jus 
primae noctis in keinem Zusammenhang ^. Die Urtheile des Par- 
laments zu Paris vom 17. Jan. 1393 und vom 19. März 1409 über 
einen Streit zwischen den Bischöfen von Amiens und den Be- 
wohnern der Städte Amiens und Abbeville betreffen nicht ein 
Herrschaftsrecht der Bischöfe von Amiens, sondern eine kirchliche 
Dispensgebühr, die in dem Fall erhoben wurde, dass, unter Ab- 
weichung von dem kirchlichen Herkommen der Diöcese Amiens, die 
Einsegnung des Ehebetts schon am Hochzeitstag stattfand'; darin 
ist für die moderne Behauptung, dass den Bischöfen von Amiens 
das Herrenrecht* der ersten Nacht zugestanden habe, nicht einmal 
der Schein einer Berechtigung zu finden. Desgleichen enthalten 
die Urtheile des Parlaments zu Paris aus der Zeit des sechzehnten 
und siebzehnten Jahrhunderts über das „droit de masse** des 
Klosters Sanct-Stephan zu Nevers^ und über gewisse Vorrechte 
der Herren von Souloire in Anjou* keine Spur von einem jus 
primae noctis. Ebensowenig bietet das gegen den Grafen von 
Montvallat erlassene Urtheil vom 27. Nov. 1665 einen Grund für 
die Annahme, dass derselbe das jus primae noctis in Anspruch 
genommen oder gar ausgeübt habe^. 

Das einzige Urtheil, aus dem der Beweis eines Anspruchs 
auf das vermeintliche jus primae noctis mit einem gewissen Schein 
von Berechtigung hergeleitet werden könnte, ist das Schieds- 
urtheil des Königs Ferdinand des Katholischen vom 21. April 
1486. Dasselbe beseitigt im neunten Artikel, unter andern Din- 
gen, einen Missbrauch, der darin bestand, dass einige Grund- 
herren (aus den Herrschaften Ampurias und Bossellon in Cata- 
lonien) bei Heirathen ihrer Bauern aus der Klasse der pagesos 
de remenga den Anspruch erhoben, in der ersten Nacht mit 
der neuvermählten Frau zu schlafen oder zum Zeichen der 
Herrschaft über die Frau, nachdem sie sich zu Bett gelegt habe, 
hinüberzuschreiten. Allein gerade dadurch, dass diese Urkunde 
gänzlich vereinzelt dastehen würde, wenn sie den Missbrauch eines 
jus primae noctis in der gewöhnlichen Bedeutung dieses Ausdrucks 



* Kap. 2 S. 9, 10. * Kap. 63. «Kap. 83. 

♦ Kap. 84. 5 Kap. 85. 



378 Kapitel 93. Rückblick. II. Urkundenbeweise. 

beträfe, wird die aus dem Zusammenliang ' des Urtheils herge- 
leitete Annahme bestätigt, dass die in Anspruch genommene Be- 
rechtigung sich auf die Vornahme einer Förmlichkeit beschränkte, 
die als symbolische Handlung die Abhängigkeit der Bauern von 
ihren Grundherren kennzeichnen sollte *. Von derselben Förm- 
lichkeit ist meines Wissens in keiner älteren Urkunde, wohl aber 
in einigen Berichten späterer Zeit die Rede. Dahin gehört eine 
Erzählung aus der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, dass 
einige Herren der Gascogne das Recht hätten, in der ersten 
Hochzeitsnacht ihrer Unterthanen einen nackten Schenkel an die 
Seite der neuvermählten Frau zu legen, oder sich darüber mit 
ihren Unterthanen abzufinden 2; desgleichen eine Angabe vom 
Ausgang des sechzehnten Jahrhunderts über die Kanoniker-Grafen 
zu Lyon, die in früheren Zeiten das Patronatsrecht gehabt hätten, 
bei Heirathen ihrer männlichen und weiblichen Unterthanen am 
Tag der Hochzeit ein Bein in das Ehebett zu legen, was später 
in eine Abgabe vom Hochzeitsmahl verwandelt worden sei^; und 
ein Bericht vom Ausgang des siebzehnten (oder Anfang des acht- 
zehnten) Jahrhunderts über den Ursprung der in der Auvergne 
mit dem Namen „droit de noces" bezeichneten Abgabe, dass 
nämlich in früheren Zeiten der Herr berechtigt gewesen sei, bei 
allen Hochzeiten seiner Unterthanen, sobald die neuvermählte 
Frau sich zu Bett gelegt habe, die Förmlichkeit zu verrichten, 
die üblich sei, wenn eine Königin durch Stellvertretung heirathe *. 
Diese Erzählungen können, obwohl im Einzelnen gegen die Rich- 
tigkeit derselben die erheblichsten Bedenken vorliegen, doch in 
ihrer Gesammtheit zur Erläuterung der Urkunde vom Jahr 1486 
dienen, da sie von der nämlichen symbolischen Handlung spre- 
chen, und sich nicht vermuthen lässt, dass sie sämmtlich unter 
Einfluss des Schiedsurtheils vom Jahr 1486 entstanden seien. An- 
dererseits wird durch Vergleichung aller dieser Nachrichten die 
Annahme ausgeschlossen, dass jene Förmlichkeit einen unsitt- 
lichen Charakter gehabt habe. Es ist vielmehr wahrscheinlich, 
dass sie (ebenso wie die Handlung, die der Stellvertreter eines 
Fürsten bei dessen Verheirathung mit der fürstlichen Braut vor- 
zunehmen hatte) frei und offen, in Gegenwart der Hochzeitsgäste, 
zur Kennzeichnung des Herrschaftsrechts ausgeübt wurde. 



» Kap. 70. 2 Kap. 61. 

3 Kap. 54. * Kap. 85. 



Ergebnisfl. 379 

B. Ergebniss. 

Kapitel 94. Aus dem im vorigen Kapitel kurz zusammen- 
gefassten Beweismaterial lassen sich folgende Schlüsse herleiten. 

Nach den bisherigen Ermittlungen ist anzunehmen, dass die 
Sage von einem jus primae noctis in der heute bekannten Be- 
deutung dieses Ausdrucks sich gegen Ausgang des fünfzehnten 
oder Anfang des sechzehnten Jahrhunderts ausgebildet hat. 

Zur Entwicklung dieser modernen Sage kann gedient haben : 
erstens die Verbreitung älterer Sagen über einige Tyrannen des 
Alterthums, die ihre Gewaltthätigkeiten bis zu einer gewohnheits- 
mässigen Schändung der Bräute ausdehnten, dafür jedoch die 
gerechte Strafe fanden ; zweitens die Verbreitung der Beise- 
berichte über einige Völkerschaften verschiedener Welttheile, von 
von denen man erzählte, dass ihre Jungfrauen vor oder bei der 
Heirath einem Priester zur Defloration übergeben oder dem Häupt- 
ling zur vorgängigen Gcschlechtsgemeinschaft angeboten würden; 
drittens die Unkenntniss über die geschichtliche Entwicklung der- 
jenigen Hörigkeitsverhältnisse, aus denen das Hecht der Grund- 
herren auf Heirathsabgaben der Hörigen entstanden war ^. 

Die seit dem sechzehnten Jahrhundert verbreitete Vorstellung, 
das jus primae noctis habe in alten heidnischen Zeiten bestanden 
und sei in christlicher Zeit abgelöst worden, verwandelte sich 
allmählich in die Lehre, dass jenes empörende Recht im christ- 
lichen Mittelalter in den meisten oder in allen europäischen Län- 
dern geherrscht habe. Insofern, als diese Lehre, ohne eine ernst- 
liche Prüfung der Beweisgründe, von modernen Gelehrten fest- 
gehalten und verbreitet wird, kennzeichnet sich dieselbe als ein 
gelehrter Aberglaube. 



1 Vgl. Raepsaet 3. Aufl. S. 6, 7, 34, 35, 37, 38. 



»•» 



i} 



Register. 



I. Urkunden-Register. 

Die Länder, aus denen die Urkunden herrühren, und zwar Belgien, Deutsch- 
land, England, Frankreich, Holland, Italien, Oesterrelch, Schottland, Schweiz, 
Spanien und Wales, sind durch die Anfangshuchstaben hinter den Zeitangaben 
angedeutet. Die Zahlen dahinter verweisen auf die Seiten. 



790 .... 

794-800 . . 
824 ... . 

Ool • . • . 

845 .... 
893 .... 
982, Apr. 5. 
Yor977od.982 
998-996 ... 
Nach 1000 
1020, Nov. 12 
1027 . . . 
Um 1087 . . 
1050, Jnli 21 
1059 . . . 
1066-1087 . . 
1072-1075 . . 
1079 . . . 
1081-1105 . . 
1086 . . . 
1088 . . . 
1092, Mai 24 
1095 . . . 
Um 1100 . . 
12. Jahrh. . 
1101-1181 . . 
1101, Mars 4 
1114 . . . 
1120 . . . 
1126-1141 . . 
1129 . . . 
1182 . . . 
1133 . . . 
1184, Juli 17 
1135, Aug. 1 
1141, I^ov. 2 
1142-1156 . . 

1144, Oct. 2 . 

1145, Juni 23 
1146-1160 . . 
1149, Mai 6 . 
1150-1180 . . 

1151 . . . 

1152 . . . 

1153 . . . 
— Febr. 27 

1155 . . . 
1157, Nov. 18 

1158 . . . 

1159 . . . 

1160 . . . 

"^^ • • • 

Um 1160 . . 
1164, Not. 4 
1165 . . . 
1166, Mai 3 . 



L 59. 
D. 118. 
D. 29. 
P. €0. 98. 
O. 231. 
D. 114. 
D. 103. 
B. 103. 
D. 114. 
D. 114. 

D. 63. 
O. 231. 
F. 63. 
H. 112. 
B. 62. 

E. 83. 

B. 60, 106. 
D. 63. 
D. 63, 64. 
D. 60. 
B. 60, 106. 
D. 131. 
B. 107. 

F. 97. 
F. 91. 
D. 161. 

D. 114, 115. 

D. 115. 

D. 61, 64, 68. 

D. 61. 

B. 106. 

F. 245, 246. 

B. 104. 

D. 62. 

D. 130. 

D. 130. 

D. 126. 

F. 289. 

F. 289. 

D. 115. 

F. 290 

B. 60, 61, 106. 

B. 62. 

B. 106. 

D. 10, 115, 116 

D. 116. 

D. 116. 

D. (F.) 246. 

B. 61, 106. 

B. 114. 

D. 10. 

B. 106. 

D. 115. 

D. ISO. 

B. 107. 

O. 231-288,876. 



1166 

1168 .* 

1171 

1172 

— Juni 
1173 . 
1175 
1176 

— Mai 27 . 
1178 
1180 

1180-1103 
1180-1203 
1181 

1188-1196 
1186 

— Juli 19. 
1187 
1188 
1190 
1191 

1192 

1193-1222 
1196 
1197 . 
1200 

1206, Apr 11 

1208 

1208-1218 

1209 . 

1210 . 
1211 

1212 . 

1213 . 

1216 9. 

1217 
1220 . 
Um 1200 

1222 . 

II M&rz . 

— Juli 

1223 . . . 
Um 1224 . . 

1224 . . . 

1225 . . ! 
1226, Not. 6 
1227 . . . 

~ Febr. 24 



D. 60, 116, 126. 

D. 117. 

B. 106. 

D. 126. 

B 61, 106. 

D. 61, 117. 

D. 126. 

B. 104. 

D. 117. 

D. 97. 

D. 127. 

D. 10. 

D. 10. 

B. 61, 106. 

8ch. 80. 

B. 60, 106. 

D. 117, 118. 

B. 106. 

D. 118. 

D. 10, 118, 119. 

D. 114. 

D. 97. 

0. 187. 

B. 61, 106. 

D. 119. 

B. 61, 106. 

D. 119. 

D. 119. 

B. 61, 106. 

F. 338, 834. 

Seh. 80. 

B. 60, 61, 106. 

Seh. 80. 

B. 60, 106. 

B. 61, 106. 

B. 61, 106. 

B. 60, 61, 106. 

B. 60, 106. 

D. 62. 

D. 127. 

B. 61, 106. 

B. 60, 61, 106. 

D. 10. 

D. 126. 

B. 106. 

D. 114. 

B. 60. 

D. 62. 

1. 60, 62. 
D. 120. 
D. 119. 
D. 119. 
D. 120. 
F. 99. 

F. 162. 
B. 105. 



1228 . . . 
1231 . . . 
1231, Oct. 13 
1238, Jan. 19 

1234 . . . 

1235 . . . 

1238, Juli 22 

1239, Juni , 
1240 . . . 

— Juli 14 
1241, Apr. 10 
1242 . . . 

— Mars 19 
1243, Mtfi 29 . 
1244 . . . 
1247 . . . 

~ Juli 4 '. 

1249 . . . 

1250 . . . 






1251 
1258 . . . 
— Mai 24 . 
1254 
1256 






1258-1478 . . 
1258 . . . 
1260, Juni 
1262 . . . 

— Mai . . 

— Oct. 17 . 
1266, Des. 4 . 
1268, M&rz 29 

— Oct. 30 
1270, Mai 15 

— Juni . . 

— Juli 29 . 
1272 . . . 
1278 . . . 

— März 8 
1276 . . . 
1277, Mai 18 
1279, Not. 28 
1280 

— Sept. 21 

— Not. 18 
1290 . . 

— März 27 
1294 . . . 
1296 . . . 

— Dez. 80 
1297 



• • • 



F. 248,249,876. 

F. 91. 

F. 290. 

D. 63. 

F. 827. 

F. 94. 

F. 61. 

F. 94, 95. 

D. 120. 

B. 86. 

6. 60, 106. 

B. 106. 

F. 64. 

B. 105. 

B. 104. 

D. 10. 

F. 250. 

D. 63. 

B. 105. 

D. 10. 
F. 98. 

E. 86. 

F. 98. 

B. 104, 105. 

E. 87. 
D. 120. 

F. 148. 
P. 57. 
Sp. 139. 
D. 57. 
Sp. 140. 

F. 62, 854. 
F. 62. 
B. 105. 
D. 121. 
D. 62. 
D. 62. 
D. 62. 
F. 266. 
F. 290. 
B. 106. 
D. 61, 121. 
D. 64. 
D. 121. 
O. 137. 
D. 62. 
D. 122. 
D. 63. 
D. 122. 
D: 119. 
D. 64. 
D. 127. 
D. 64. 
D. 64. 
F. 102. 
D. 64. 



382 



Urkunden-Register. 



1297, Oct. 22 
1800 . . . 

1301 • . . . 

1302 . . . 
— Jali 13 



1308, 
1809, 
1813, 
1814, 
1815 

1316 



1817, 

1318 

1321, 

1826 

1828 



Juni 16 
Sept. 20 
Juli 1 . 
Jan. 2 

• • • 

Sept. 16 
... 
Jan. 30 
Juni 25 
Juni 25 

Oct.' 25 



1330 
1335 
1886 

1336, Juli 10 

— Oct. . 

1387 . . . 

1889 . . . 

1348 . 

1850 . . . 

1352 . . . 

— Hai 12 

1356 . . . 

1357 . . . 

1361 . . . 

1369, Jan. 13 

1372 . . . 

1373 . . . 

— Dez. 20 

1374 . . . 

1375 . . . 
1877 . . . 
1378 . . . 
1380 . . . 
1382 . . 
1383, Jan. 17 
1385 . . . 

1388 . . . 
— Harz 5 

1390 . . . 

1391 . 

— Juni 9 

— Juli 28 
Um 1893 . . 
1893, Jan. 17 



1395 . . . 

1396 . . . 
1897 . . . 

1400 . . . 

1401 . . . 

— März 1 
-^ März 11 

1402 . . . 

1403 . . . 

1404 . . . 
1405, Oct. 11 
1407 . . . 

— März 19 
1409 . . . 



D. 63. 

D. 64. 

F. 98. 

F. 98. 

F. 222,259-267, 
374,876,877. 

F. 266. 

D. 122. 

F. 102. 

B. 105. 

F. 334. 

D. 123. 

W. 71. 

D. 62. 

F. 290. 

F. 290. 

F. 160,, 874. 

D. 123. 

D. 123. 

D. 64. 

D. 123, 124. 
F. 290. 

E. 87. 

F. 9, 16, 377. 
F. 273. 

F. 270. 

F. 266. 

F. 355. 

D. 63. 

D. 63. 

D. 64. 

F. 143. 

F. 99, ICO. 

]). 123. 

D. 63. 

E. 87. 

F. 141. 

F. 9, 10, 877. 

F. 161, 874. 

D. 61, 121. 

F. 141. 

F. 91, »92. 

D. 124. 

F. 141, 142. 

F. 334. 

E. 88. 

D. 60, 124. 

F. 142, 148. 
F. 269, 274. 
F. 142. 

D.. 63. 

F. 270, 271. 

F. 142. 

F. 142. 

F. 98, 99. 

F. 99. 

W. 71. 

F. 269, 278, 274, 
276,277.281, 
282, 377. 

D. 63. 

F. 142. 

F. 148. 

F. 92. 

D. 64. 

F. 269,274,275. 

F. 269, 275. 

F. 93. 

Seh. 81. 

F. 98. 

F. 148. 

D. 61, 121. 

F. 93. 

F. 269, 274. 

F. 148. 



1409, März 19 



1409, Mai 19 

— Mai 26 
1410 . . . 

1413 . . \ 

1415 . . . 

— Juli . . 

1416 . . . 
1419 . . . 
1425, März 13 

1427 . . . 

1428 . . . 

1432 . . . 

1433 . . . 

1442 . . . 

1443 . . . 
1445 . . . 
1447, Febr. 5 
1450 . . . 

1454 . . . 



1455 
1458 
1469 
1462 



1463 
1466 
1467, 
1468 



Dez. . 

April 11 
April 21 
Juli 20. 



1471 
1472 
1476 



1478 
1479 
1480 
1481 
1485, 

1486, 



Jan. 31 
Aug. 20 



Oct. 28 
Nov. 8 
April 21 



1488, Jan. 9 

1496 . . . 

1497 . . . 
Um 1500 . . 
1501, März 6 

— März 11 

— Nov. 14 
1503, Mai 24 
Vor 1506. . 
1506, April 4 

1507 . . . 

— April 7 

— Sept. . 

— Sept. 20 

— Sept 22 

— Sept. 28 

— Sept 29 

1508 . . . 
1515, Mai 18 
1536 . . . 



F. 148,269,278- 

276,278-282, 

377. 
F. 222,268,269, 

274. 
F. 269, 274 
F. 93. 
D. 63. 
F. 148. 
D. 127. 
F. 96. 
F. 98. 

F. 256,832,876. 
D. 60. 
D. 60. 
F. 143, 144. 
Sehw. 68. 
D. 127. 
F. 290 
D. 68. 
I. 138. 
Seh. 81. 
D. 68. 
S'ch. 81, 82 
Seh. 82. 
F. 93. 
F. 98. 
F. 96, 144. 
F. 95. 
F. 144. 
F. 255, 256. 
Seh. 82. 
D. 63, 64. 
F. 98. 
D. 63. 
D. 117. 
F. 283, 872. 
Sp. 295. 
Sp. 295. 
F. 102. 
F. 143. 
D. 63. 
D. 68. 
8ch. 82. 
Soh. 82. 
D. 63. 
F. 144. 
Seh. 82. 
Sp. 300. 
Sp. 298. 
Sp. 298. 
Sp. 293-306, 374, 

377, 378. 
Sp. 295. 
D. 124, 129. 
D. 118. 

D. 124. 

F. 148, 269, 275, 

276. 
F. 269, 276. 
W. 71, 72. 
Seh. 82. 
Schw. 63. 
F. 325. 
F. 159,160,161, 

374. 
F. 95. f 
F. 826. 
F. 327. 
F. 326, 827. 
F. 328. 
F. 825, 326. 

E. 87. 

F. 148, 275. 
D. 153. 



1588 



— Febr. 2 . 

— Kot. 26 . 



1543 

1549, 

1562 

1563 

1556 

1557 

1658, 

1562, 

1669. 

1571 

1581, 

1582, 

1684 

1589, 

1691, 

1698, 

1600, 

1601, 

1602, 

1604, 

1606, 

1607, 

1608, 

1610 

1615 



Jan. 24 . 



oder 1558 
März 1 . 
Ang. 18 . 
Juli 26 . 



Apr. 1 
Jan. S7 
Sept. 27 

Juni 22 
Sept. 27 
Juni 18 
März 4 
Oct. 7 
März 6 
Juli 11 
Juni 17 
Juli 18 
Dez. 16 
JuU . 



1619, Dez. 24 . . 

1620, Febr. . . . 

— Sept. 12 
1626, Dez. 7 . . 

1628, Mai 12 . 

1629, Nov. 9 . . 
1638, Febr. 19 
1634, März 5 . . 
16^0, Jan. J4 . . 
1665, Nov. 27 . . 
1674 

— Sept. 12 
1676 . • . . • 
1682, Dez. 21 . . 

1685, Juli . . . 
1685-1686 . . . 

1686, Juni 21 . . 

1691 

1698, Mai 30 . . 

— Juni 10 . . 

1698, Nov. 8 . . 

1699, Juli 7 . . 

1703 

1707, Dez. 15 . . 

1742 

1750 

1772, Jan. 18 . . 
1777, Mai 20 . . 
1779, Aug. . . . 
1786, Febr. 10 

1786 

1789, Aug. 4-8. Not. 

1790, März 16 . . 

1791, April 8 . . 

1793, Juli 17 . . 

1794, Jan. 24 . • 
1808, Nov. 26 . . 
1810, Juli 3 . . 



F. 331-334. 
F. 62, 383, 

834. 
F. 385,336, 

370. 
Schw. 332, 
855, 876. 
Schw. 332, 
373, 876. 
F. 8. 
F. 334. 
Seh. 82. 
F. 148. 

E. 89. 

F. 8. 
F. 97. 

D. 124, 126. 

D. 128. 

D. 161. 

F. 844. 

F. 343,844. 

Seh. aOS. 

H. 144,146. 

F. 845. 

Seh. 88. 

F. 846,847. 

F. 266. 

F. 846,848. 

D. 161. 

F. 7. 

F. 7. 

F. 848. 

F. 256. 

Soh. 83. 

F. 94. 

F. 100. 

F. 256. 
F. 101,102. 
F. 256. 
F. 100. 
F. 855 
F. 256. 
F. 256. 
D. 185. 
D 135. 
F. 849,877. 
D. 185. 
F. 885,836. 
H. 110. 
F. 385. 
F. 256. 
D. 185. 
F. 54. 
I. 861,878. 
F. 148. 
F. 148. 
U. 145. 
H. 145. 
H. 110. 
F. 348. 
D. 147,148. 
I 188. 
F. 258. 
P. 8. 
F. 67. 
I. 351,852, 

373. 
Sp. 294. 
P. 67. 
F. 29. 
F. 29. 
F. 265. 
F. 265. 
D. 129. 
L 161. 



IL Namen- und Sachregister. 

Die Zahlen verweisen auf die Seiten. 



Aachen 119. 

Aas im Thal Ossan 381. 

Abbendon 86, 90. 

Abbeville 267-282, 840, 877. 

Abel-R4masat 214. 

Aberdeen 81, 198. 

Aberglaube 155, 880. 

Aberaithi 79. 

Ablösung 64, 65, 68, 98, 99, 129, 

186, 293, 294, 311, 851, 870, 

871. 
Abmatrimonia 103. 
Abtei (vgl. Kloster). 

— Abbendon 86, 90. 

— Andard (8.-) 289, 871. 

— Blangy-en-Ternois 826. 

— BoscherTille 91. ' 

— Brauweiler 114. 

— Caen 91. 

— Cappenberg 119, 122. 

— Claude (S.-) 255-258. 

— Corbie 59. 

— Corvey 115, 116, 127. 
^ Croyland 84, 89. 

— Ebersmänster 20. 
^ Einsiedeln 63. 

— E»8en 119. 

— Faucarmont 94. 

— F^camp 94. 

— ForSt-Moütier 9. 

— Oaillefontaine 285, 286- 

— Oallen (S.-) 63. 

— Oermain (S.-)-de8-Pr<s 98. 

— Kelso 80. 

— Kiew 223. 

— Köln 116, 117, 119, 124. 

— Liesborn 116, 117, 126. 

— Limburg 136. 

— Martin (S.-) 289. 

— Haximin (S.-) 114. 

— Merseburg 138. 

— Meschede 127. 

— Mont-Auriol 2 8-298. 

— Mont-S.-Michel 250-252. 

— Peterborough 88. 

— Pfeffers 63. 

— Pöblet (Popnletnm) 294. 

— Pr^anx 91. 

— Prüm 114. ' 

— Rebais 282. 

— Beichenau 63. 

— Riquier (8.-) 98. 

— Roth 63. 

— Schwarzrheindorf 61. 

— Sorreze 8. 

— Tb^odard (8.-) 289, 290. 

— Tongerlo 104. 

— Trond fS.-) 60, 61, 105-107. 

— 'Waiciodurum 103. 

— Wald 231, 232. 

— Zürich 63, 853, 354. 

— Werden 10, 61, 118, 122, 128. 
Abteidorfschaften 138. 
Abtwahl 31. 
Abulfaragius 188. 

Abulfeda 36, 174, 175, 180, 181, 
186, 188. 



Abyssinien 147, 312. 
Abzugageld 125. 
Abzugsteuer 67, 138, 161. 
Academie (franz.) 2, 3, 44, 53, 

55, 96. 281, 282, 325, 840. 
Academie (russ.) 310. 
Ackerbau 31. 
Acquasana 239, 241, 871. 
Acta Sanctorum 14, 44, 108, 104, 

107, 108, 199, 202. 
Acte de repret 255-258. 
^gmaka 219. 
AfvalÄyana 157. 
Adalbert v Pergine 230. 
Adelberg 129. 
Adelredus 201. 
Adolf, Graf v. Berg 121. 
Adyrmachiden 38, 189, 309, 366. 
Aebte 43, 44 (vgl. Abtei). 
Aebtissin 91, 117, 119, 127, 354. 
Aed Caemh 207. 
Aegypten 41. 
Aclred (hl.) 201. 
Aeneas Sylvius 55, 151. 
Aerzte 357, 361 » 362. 
Aethelred v. Engl. 87. 
Afghanen 40 
Atirah 1»3, 185. 
Afrika 20, 88, 152, 189. 
Agada 173. 
Agimont 145. 
Agos (V.) 838. 
Agweddi 70. 
Aigues-Mortes 290- 
Akirah 183, 185. 
Albert II. (Abt) 290. 
Albigenser 290, 201. 
Albirüni 174, 175. 
Albrecht (Abt) 289. 
Albrecht (Dr.) 164. 
Alciatns 341. 
AlenQon 91. 
Alesmius 841. 
Alessandria 239, 241. 
Alexander d. Or. 186, 212. 
Alexander III. v. Schott!. 197. 
Alfonso de Caralleria 298, 803. 
Allgau 155. 
AUg. Ztg. (Augtb.) 4, 51, 226, 

242, 260, 283, 293, 295, 306, 

380, 888. 
Alloury (Louis) 8. 
Alpeda 104. 
Alpen l.*)9. 

Alphons X. V. Gast. 140. 
Alphons Jourdain 288. 
Altarhörigkeit 60, 61, 105, 106. 
Altenburg 29. 
Altenlfinen 121. 
Alternative 211, 253, 282, 283, 

805, 831, 332, 858-355, 877. 
Alterthum 18, 163-212, 366-368. 
Altmark 133. 

AI vens leben (L. v.) 132, 226, 349. 
Amachyr 74. 

Amadäus YI. (Piem.), 242-244. 
Amannadas 40. 
Amazonenstrom 859. 
Ambalikä 219. 



Ambikä 219. 
Amelius (Abt) 289. 
Amerika 20, 856-364. 
Amiens 98, 99, 148, 158, 159, 

161, 267-282, 874, 377. 
Amlek 180, 182, 188. 
Ammen 296, 297, 800, 301. 
Ammoboren 70. 
Amobr 14, 67-72. 
Amobragium 67-72. 
Amobyr 14, 67-72, 89. 
Ampurias (Grafschaft) 295, 377 
Amt, Amiens 159, 276, 325-330 

374. 

— Brunstatt 30. 

— Eschersweiler 30. 

— Gemar 30. 

— Jungholz 30. 

— Koohersberg 30. 

— Landser 30. 

— Lüchow 136. 

— Markirch 80. 

— Rappoltsweiler 30. 

— Rimbach 89. 
Sirenz 30. 

— Urbeis 30. 

— Vitry 142. 

— Wiedensohlen 30. 

— Witteisheim 30. 

— Zellenberg 80. 

Amtmann 127, 136, '855. 
Analogie 7. 
Andamanen 323, 324. 
Anderson (J.) 78, 79, 83, 198, 

205, 356, 857. 
Andree (R.) 221. 
Anecdote 827, 340. 
Anerbe 32. 
Angiras 220. 
Anguler 39. 
Angns 82. 
Aniella Crousa 3. 
Anjou 288, 346-849, 377. 
Annais of tho four Masters 207. 
Anno (hl.) 120. 
Anselm (P.) 266. 
Annpielung 7, 8, 15, 68, 832. 
Antenor 190, 368. 
Antiochus IT. Epiph. 168, 174. 
Antonius-Orden 124. # 

Antwerpen 104, 268, 889. 
Äpastamba 25, 217. 

'A-auXia 156. 
Apenninen 139. 
Appellatio ab abusu 275. 
Aquileja 187. 
Aqnitanien 259. 
Aquit. Lehnsregister 263. 
Araber 174-188, 868. 
Arabien 176-188. 
Aragon 306-308. 
Aranja 307. 
Arbnthnot 80. 
Archidiakon 272. 
Archiv, Amiens 277 

— Barcelona 294. 

— Bigorre 838. 

— Bordeaux 264. 



384 



Namen- und Sachregister. 



▲rohiy, Colmar 159. 

— DQBseldorf 114, 119, 123. 

— Montaaban 291. 

— Pari» 270, 271, 278, 846. 

— Pau 831. 
Arehives Israelites 4. 
Archiv fQr Anthropolog^ie 6. 
Archir für Kirchenreoht 267. 
Arcia 293, 296, 299. 
Ardeschir 186. 

Ardra 39. 

Ardres 100. 

Aribo (BischoO l&l* 

Arimanni 232. 

Arjuna 219. 

Armenier 152. 

Arnold II. (Erzb.Y. Köln) 10,115. 

Arnold (Rrzb.v. Narbonne) 289. 

Arnold (Chr.) 39, 316. 

Arnould (Jos.) 328. 

Arnsberg 115. 

Arowaken 358, 360, 361, 865. 

Arthur v. Bretagne 286. 

Arthur (Prinz) 72. 

Artois 29. 

Artolsheim 80. 

Arundel (Earl) 89. 

Arx (\.\ 60, 63. 

Ascheberg 117. 

Ascheukuchen 335. 

Asien 20, 163-188, 192-194, 212- 

221, 309-825. 
Assignatio dotls 72. 
Assises de Jerusalem 57. 
Astle 5, b8, 203. 
Asvad 18 -185. 
Asyr 40. 

Atharva-Veda 156. 
Attbigny 94, 159, 160. 
Audard (8.-) 289, 371. 
Aufstände 58, 168, 241, 250, 

286-292, 297, 356, 371. 
Augsburg 62. 
Angsburger AUg. Ztg. 4, 51, 

226, 242, 260, 283, 293, 295, 

306, 330, 338. 
August (Herz. v. Br.) 263. 
Augustiner 101. 
Angustinerinnnn 126. 
Augustinus (S.-) b. 
Aur (Thal) 338. 
Anseer 40. 

Ausstattung 72, 82, 83. 
Australien 364. 
Auswandernng 288-292. 
Auto-da-f^ 265. 
Automne 50, 101, 204, 265. 
Auvergne 54, 283-285, 872, 873, 

878. 
Auxi-Ie Chäteau 326, 327, 378, 

374. 
Aozannet 348. 
Ayensae 355. 
Aveu 91. 
Asarias 149. 

Azelin (Bisch, v. Hildesh.) 131 . 
Azy-sur-Marne 142. 

Babylon 39, 163, 165-168. 
Bachofen 31, 86-38, 178, 190. 
Baden 29. 
Badger 314, 319. 
Bäume 184. 
Bagele 82.S, 824. 
Bagneres 337, 338. 
Bailll du Palais 341. 
Bailliage, s. Amt. 
Baillivus 277. 
Balbi 34, 815. 
Balearen 40. 
Bau 219. 



Balkis 176-179. 

Balsamon 149. 

Balthasar t. Büren 117, 118. 

Balusitts 194, 275, 276. 

Baoisgne 207, 209. 

Bar (de Baar) 245. 

Barbarei 51. 

Barbiisa 34, 36, 314, 815. 

Barcelona 294, 295. 

Barillon (Joachim) 846. 

Bariin 329, 830. 

Barone in B^arn 882. 

Baronalrechte 352. 

Baronie (vgl. Herrschaft). 

— Bariin 329. 

— Bollweiler 30. 

— Castiglione 161. 

— Glasgow 81. 

— Orglandes 93. 

— 8aint-Martin-le-0aillard 95. 
Barth^lemy (A. de) 4, 247, 250, 

835, 353. 
Barthema 33. 
Baschkiren 132. 
Basinc l.')6. 
Basing (Basinus) 156. 
Bassano 231. 
Bastian 5, 19, 205, 212, 213, 358, 

359. 
BathiDodium 14, 103. 
Baudean 337, 38^. 
Baudhäyana 26. 
Bauernaufstände 287, 297. 
Bauerngüter 31, 82, 255. 
Bauernrecht 28, 31. 
Baurein 266 
Baurmiethe 180. 
Bay6 2 1. 
Bayern 62, 63, 129, 141, 227, 

231, 233. 
Bayle 205, 206. 
Bazas 7. 

B^arn 330-836, 354, 876. 
Beaumarchais 2. 
Beaumont 2, 205, 206. 
Becarron 259. 
Beda 199. 

Beddemund 68. 103, 125-128. 
Beddemunt 126. 
Bedemund 120-128. 
Bedemunt 126. 
Bedemuth 68. 
Bednood 104. 
Beilager 55, 158, 160, 255, 329, 

875. 
Beitemunt 125. 
Belgien 20, 103-108, 369. 
Belkisa 178. * 
Bellet (Abb6) 283. 
Belmonte 239-241. 
Benedict XIY. (Papst) 149. 
Benedictiner, s. Abtei u. Kloster. 
Benedictus (hl.) 290. 
Benedictes Levita 152. 
Beneticium 115. 
Benfey 220. 

Bengalen (Meerbusen) 323. 
Benjamin (1. 1.) 311. 
Ber 327 
Berckholt 87. 
Berg (Graf ▼.) 121. 
Berger de Xlvrey 8, 53, 96, 281, 

282, 325, 340. 
Berkel 109. 
Berks 89. 
Berliner 171, 173. 
Bernhard (hl.) 289. 
Bernulphus (hl.) 112. 
Baronie s. 
Berrie 326, 327. 
Berry 22, 100. 
Bers 2^6. 
Bertrand II. de Oot 264. 



Bertolphaa (hL) 105. 
Besaafon 256-258. 
Besitisftörani^klag« 944. 
BesitswechMi 81. 
Bessarabien 22. 
Bestoshew-Rjamin 285. 
Beth ha-Midrasoh 171-174. 
Bethisy 22. 
Bettemund 68. 
Bettringen 147, 155. 
Beweisfiihriiii(^ 1-24, 307, 806. 
Beziers 290. 
Beyer 114. 

Bhagavata-par&iut 220. . 
Bharata 218. 
BhÄrata 218. 
Bhtma 218. 
Bhtshma 218, 219. 
Biandrate 28. 
Bibaroo 885, 836. 
Biblioth^oe historiqne 259, Sfla 
Biblioth^ue Nationale 270. 
Bienen bei Rees 61. 
Biesheim 80. 
Bigorre 102, 886-388. 
Bilkis 178, 179. 
Billard 100. 
Binet 8. 

Birlinger 147, 155. 
Birünt 174. 
Bisch 80. 

Bischöfe 48, 44, 89. 
Bischof (Bisftham), vgl. En- 
bisehof. 

— Amiens 98, 148, 158, 267-282, 
340, 346, 877. 

— Antwerpen 26S. 

— Augsburg 62. 

— Bazas 7. 

— Gabors 292. 

— Carnot 141. 

— Chur 229. 

— Dijon 841. 

— Felters 234. 

— Freisingen 62, 151. 

— Glasgow 81, 

— Hildesheim 181. 

— Laon 104. 

— Limoges 158. 

— Lüttich 105-107, 158. 

— Namur 108. 

— Nim^s 350. 

— Paderborn 121, 127. 

— Paris 9, 97, 148, 275. 
— - Regensbarg 62, 151. 

— Boss 208. 

— Saint-Andrewa 80, 82. 

— Strassburg 147, 148, 159,874. 

— Toulouse ib9. 

— Tours 289. 

— Trient 231, 282. 

— Utrecht 112. 

— Verona 149. 

— Worms 114. 
Bistbums Verweser 272. 
Bizanos 881, 885, 886. 
Blackstone 5, 28, 205. 
Blangy-en-Ternois 826, 874. 
Blanquefort 259-267. 

Blau (Otto) 809, 810. 
Blesensis 84. 
Blomefield 86. 
Bloodwicks 80. 
Blount 88. 
Blottti&re 93. 
Bludewite 78, 79. 
Bluntschli 5, 854. 
Blyda t. Devers 124. 
Bocherville 91. 
Bockfell 116, 119. 
Böhmen 62. 

Bodleian Library 801. 
Boeis, s. Boethias. 



Namen- und Sachregister. 



385 



Boerius (Nie.) 258, 259, 839-348, 

872. 
Börtlingen 129. 
Boethius (Hector) 107, 196-206, 

869. 
BofaruU (Man. de) 263, 294, 297, 

SO.'i. 
Bohier (Nie.) 341. 
Boieldieu 2. 
Boies sei, 332. 
Boisbcnart 94. 
Bojar 223. 

BoUandisten, s. Acta Sanet. 
Bollweiler 80. 
Bombay .^20-328. 
Bonelli 281, 234-237. 
Bonifatius (hl) 111. 
Bonne m^re 48, 49, 260, 380, 851, 

397. 
Bonvalot 29, 80. 
Bordeaux 7, 101, 158, 264, 282, 

283, 372. 
Bordes 8. 
Borgelen 118. 
Boroniean Tribute 207. 
Borough-EngliKh 24, 27-82. 
Borrellus 189, 246. 
Bosnien 21. 

Boucher d'ArgIs 1, 205. 
Bouhier 254.256, 841. 
Boulario 105. 
Boullaye 94. 
Boumeneberg ISO. 
Bouquet 199, 2 9. 
Bourbon 95. 
Bourbonen 352. 
Bourbonnais 344. 
Bourdet 253, 254, 376. 
Bourdot de Richebourg 256. 
Bourges 389-348, 872. 
Bourisp 338. 
Botttaric 2, 28. 
Bouthors 8, 49, 267, 325-330. 
Boxhorn 107, 191, 204. 
Boyer (Nie.) 841. 
Brabant 29. 

Braconnage 15, 56, 247-249, 876. 
Braconner 248, 249. 
Bracton 84. 
Bräutigam, s. Braut 
Brfthmana 156. 
Brahmanen 33, 44, 215-221, 

312-319. 365-367. 
Brand (John) 88. 
Brann 169, 170. 
Brasilien 156, 312, 859, 362, 863. 
Braten 343, 344. 
Braunau 355. 

Braunschweig 29, 125, 127, 134. 
Braut 166, 169, 171, 173, 174, 

180. 194, 215, 217, 221, 225, 

280. 
Brauthett, s. Ehebett. 
Brautführer 140, 152. 
Brautgeld 108-110, 129. 
Brautgulden 129. 
Brauthahn 143. 
Brauthuhn 148. 
Brautjungfern 152. 
Brautlauf 129. 
Brautlösungsgeld 129 
Brautmesse 149. 
Brautnacht, s. Hochzeitsnaoht. 
Brautschatz 109. 
Brayles 59. 
Breasal Belach 207. 
Breederode 109. 
Bremen 134. 

Bremisch-Niederd. W.-B. 186. 
Brestel-les-Doullens 825, 826, 

374. 
Bretagne 22, 69. 
BretteviUe 250. 



Brial 199, 289. 

Brillen 97. 

Brimeu 161. 

Brinckraeier 5, 128, 138, 205. 

Brives-Ia-Oaillarde 22. 

Brookhaus 5. 

Brodeau 204, 247-249. 

Broioke 124. 

Brogne (Bronium) 103. 

Brot 92, 94, 100, 102, 142, 335, 

348, 344. 

Brübach 80. 

Brug (Co. Salop) 89. 

Bruitgeld 109. 

Brnmet (bailli) 828. 

Brunart 275, 276. 

Brunet 22, 26a 

Brung (Joh.) 344. 

Bruno (Erzb. v. Köln) 119. 

Brunstatt 30. 

Brutalität 51. 

Bruyaige 328. 

Bruvaigne 253. 

Buch (Land) 282, 288. 

Buohanan 203, 204, 869. 

Buch mann 5, 16 ,46, 49, 58, 154, 

825. 
Buddha-Priester 214, 215. 
Budeil 182. 
Bfihler 25-27. 
Buelld 73. 
Büren 117, 118. 
Bürgermeister 278. 
Bürgerrecht 159. 
Bfirgervogt 855. 
Bnilth 78. 
Bulevinge 129. 
Bullet 74, 75. 
Bumede 14, 180. 
Bumiete 181. 
Bunzengeld 181. 
Bunzengroschen 181, 132. 
Burchard v. Worms 114, 151. 
Burg (Co. Salop) 88, 89. 
Burgherren 228. 
Burgund 56, 100, 254, 255, 854. 
Burmann 191. 
Burmede 14, 130, 181. 
Burnes 212, 213. 
Busenhuhn 132. 
Busenrecht 132. 
Busenzins 132. 
Buteil 132. 
Buxtorf 170. 

c. 

Cacike, s. Cazike. 

Cadamosto 308, 809. 

Cade (John) 11, 12. 

Cadillac 288. 

Caen 7, 91. 

Caenchi 100. 

Caerden (van) 316. 

Caermarthen 72. 

Cäsar 8, 198, 199. 

Cäsarius (Abt) 114 

Cahen 4, 168. 

Cahors 290, 292. 

Cairbre LiiTeachair 207, 209, 

369. 
Calabrien 851, 352, 878. 
Calamandrana 289. 
Calecut 816, 817. 
Caledonier 19?^. 
Calenberg 135. 

Caliout 33, 215, 2?1, 313-319,865. 
Caligula 191. 
Calinos 858. 

Calixtus II. (Papst) 290. 
Callas 22. 
Calmet 149. 
CalTinisten 291. 



Schmidt, Jus primae noctis. 



Calza (Franc.) 304. 

Cambodja 214. 

Cambray 2i». 

Camp 120. 

Campbell 202. 

Campell 229. 

Canada 356, 357 

Canamor 84, 817. 

Canarische Inseln 808, 809, 866. 

Canmoir 196. 

Canonici 6, 878. 

— Lyon 244-247. 

— Marseille 22. 
Canonischer Prozess 808. 
Canonisches Recht 66,281,282. 
Cantenac 259 

Canterbury 149. 

Cantor 9, 10. 

Capitaine de la Jeunesse 145. 

Capitel 10. 62, 63, 269, 272. 

Capitularien 58, 112. 

Capiand 29. 

Cappenbere 119, 121. 

Captal de Buch 282, 283, 372. 

Caracas 858. 

Caraiben, s. Cariben. 

Cardinal della Rovere 239. 

Cariben 858. 

Carl Borromäns (hl.) 153. 

Carli 245, 862 

Carlini 138. 

Carnarvon 72. 

Carnot 141. 

Carpentier 10, 160, 248. 

Carpiquet 91. 

Carragio 242. 

Carthago 152. 

Cassany-Mazet 259. 

Castellamonte 28. 

Castellini 236. 

Castello Torto 307. 

Castiglione 161. 

Castilien 49, 140, 297. 806, 877, 

878. 
Castiraoth 169. 
Castrin 169. 

Catalonien 259, 263, 298-806. 
Catel (cateax) 251. 
Cathala-Coture 289, 291. 
Caussin de Peroeval 186. 
Caux (Land) 849. 
Cavalleria vAlf. de) 298, 808. 
Cayer in B^arn 882, 883. 
Caversham 86. 
Caziken 45, 357-864. 
Cazzagio 15, 241-244. 
Cenara 187. 
Cerocensuales , s. Wachszins- 

recht. 
Ceylon 40. 
Chabert 280. 
Chalier 54. 
Chalmers 80-83. 
Champagne 99, 100, 144. 
Chanlaire 2, 205, 292, 298. 
Chanukka 169, 171. 
Chardon 146. 147. 
Charivari 140. 

Charondas 274, 282, .')44.346. 
Charten 53 
Chartier (Matth.) 275. 
Chateaubriand 2, 44, 47, 156. 
Chäteau-Dassi 98. 
Chftteauroux 8. 
Chatel 251. 
Ch&telain 104. 
Ch&tillon-sur-Marne 252. 
Chaudruc de Crazaunes 65, 292. 
Chaulny 247. 
Chauvigni 91, 92. 
Chavoi 94. 
Ch^ruel 58. 
Cheuel 248. 

25 



«ha-CofflU 2M. S7S. 



Deniichliod 19. ^ lIS-l 



OlHrHeld 141 


1 CroiUBd 81. 89. 




ctamBiw T. iP.p.i) SM. we. i ciiba *o, «SS, sei. 


Dhrltuttlilia Sia. 


Clumont Ull-SÄI. 


, Cafucls MS, SM, M». 


Dhi-Habita'u ISO. 


Cljin«Iond M. 


Cniiu«* u. M-ea. ts«, S48. 


DiohtuDt«!. s. 2<w-ii9. siB>nOk 


CuBhFui «n. 


Cuj^iSTlHl. 


ä«), ass-jg». 


Cobritlin SIS. 


<:uairo M, 3S, an, 2.W-2W 




Cocebi B*. a]!i,817. 


C«;^um'H.fll,»«,»6. 


■in TfBiOBi 2, *0. SOS. 




■ Cul»r^ B6, HO. 


DdronS. 


CMhln mI »17." 


1 Cu Ihüb &!.K öii. 




cauiMi 4&, 94a. 


! Cu LiliE« SiA 




?Äi?""- 


, G.ll>i> 15. 91, M-«, IK, M», 


r eminn laä. 


' Slfi, 32S-SS0. 




ColBbrüok» 1117 SM. 


1 Cullliga IM. 


D elTloh {Erib.)_T. KÖIb 127. 



ColllD He PiuBf 1, 



DiSurie, ). Bigi ho(. 
DtrEb>u.u» 219. 



Goncll. CarthacD 1: 



CMktaAiau UT. 



'T-S8S. B77. 

Djidii itniag, ses. 



GoDrid (Brib. t. KBIo) 1 
Caond I (Kslier) liS. 
Conrad II. iKniier) SSI. 
Cuarad v, ^alinngän ll< 
Conti HD) In (Priegtei) BO. 



DDüMiutr tn Binrn 383. 



Cormsc Cflii ^)7 
CormiF Hiu iirt 3( 
CoriHliui Hlbernlcu 



Dadd {Dacu «0. 
Datld II. T. SchoRI 
D» (Ff.) SS, Sie. 
DHU 8D, 148. 

DWl"! 2OT. 

Deuristiiiii Outtanl 1. . 
DaHorBiign st, ig, 4t, Sl«, ili, 

313.SI am, asi, aao-MB. — 

Dellar«iiiEDt 1(). 2A9. 

MlKOOur 

D*I brück (Lind) 3i, 127. 
, Dellsla (L.) 91-9S, 2S0-i6S. 
I Dellui II— IS. 
1 Dtipil il.) 4, 6. 19, 52, es, 



- d« braeoBnige 15. ae. 1«. 

I dt chanKi 2137 

- da oDlJUtie »T, 141. 

- d* ciinlU>K* '*, 101. lOI. 

- d« osDlUf« M. 

- de ogliiig* 15, M-M, SM, 
»69, 82», »4», 857. 

- de Dulag« ulas. M. SM.3A2. 



Namen- und Sachregister. 



387 



Droit, de ouUaig^e 329. 

— de culliage 206. 

— de ddfloration 15. 

— de formariage 66, 91, 98, 100, 
252, 254, 327. 

— de fougage 8. 

— de gendrage 101. 

— de gaet 349. 

— de jambage 15, 54—56, 329, 
357. 

— de jalie 14, 22, 342. 

— de mainmorte 162. 

— de mariage 98. 

— de marqnette (markette) 15, 
22, 56, 342, 397. 

-« de masse 344-346, 377. 

— de meilleur catel 251. 

— de noces 350, 378. 

— de nop^ages 97, 285, 286. 

— de nopces 349. 

— de pr^libation 8, 15, 54, 91, 
95, 269, 292. 

— de sottile 145. 

— des mariages 252, 253, 373. 

— du ban 140, 142. 

— du seigneur 2, 3, 15, 22. 
Droitnres de mariage 7. 
Dronke 125. 

Drooat 328, 329, 375. 

Drumdewan 82. 

Dschadis 180. 

Duarenus 341. 

Du Bois (Charlotte) 346-349. 

Ducange 1, 24, 67, 73, 205, 248, 

267, 268 342. 
Dulaure 2, 43, 205, 206, 226, 242, 

269, 283, 293, 842, 343, 346. 
Dümge 5, 75, 90, 205, 226. 
Dumi^re 102. 
Dumoulin 342. 
Duncan 80. 
Dunod 256. 
DuQwald 121. 
Dupin 3, 44, 267, 325. 
Du Pin 202. 
Durasfort 259-267. 
Dureau de la Malle 4. 
Durfort 266. 
Düsik-Kurden 309, 310. 
Du Yerdier 54, 204. 

E. 

Earl 77, 81, 89. 

Eberhardus Foldensi« 125. 

Ebersheim 30. 

Ebersmüneter 29. 

Ebudischo Inseln 195. 

Ecuador 40 

Edda 194, 195. 

Edmonston 81. 

Eduard I. v. Engl. 84, 197, 264, 

266. 
Eduard II y. Engl. 71. 
Egbert 149. 
Egisheim 30. 
Egloffs 155. 
Ehe, Auflösung 146. 
— Gfiltigkeit 217. 
Ehebett 55, 97, 99, 146-148, 160. 
Ehebrecher 354, 355. 
Ehebruch 7l, 217, 270, 272, 296, 

354, 355. 
Ehebruchsliebe 321. 
Ehebruchsprivilegium 45. 
Ehehaftrecht 355. 
Ehehinderniss 59. 
Ehescheidung 168. 
Ehesohliessung 347, 364. 
Ehingen a. D. 147. 
Eichsfeid 134. 
Bickel (OberhoO 124, 125. 
Eier 114. 



Bilbert (Graf) 103. 
Eilenburg 132. 
Einsegnung 146-148, 151. 
Einsiedeln 63. 
Eire 206. 
Ekbatana 149. 
eiasar 171, 172. 
Eleonore v. Ouienne 101. 
Eleonore v. Portugal 15, 55. 
Elfendehusen 118. 
Elisabeth (Aebtissin) 119. 
El Jemäma 180. 
Elphinston 201. 
Blsass 29, 155, 354. 
Em^ricourt 30. 

— mmeram (hl.) 151. 
Empörung 291, 293. 
Enoyclopedie (franz.) 1, 28, 55, 

205, 242, 348. 
Encyklopädie (deutsche) 128. 
Engelbert (Erzb. t. Köln) 120. 
England 19, 24, 58, 67, 83-90, 240. 
Entehrung 67, 70, 75. 
Entffihrnng 70. 
Enthaltsamkeit 79, 111, 148-158, 

276-282. 
Epinasse 349. 
Epos 218-220, 240. 
Erbrecht 24-36, 161,162,255-257, 

375. 
Erbtochter 149. 
Erbyogt 117. 
Erbzinsgttt 116. 
Erfindungen 206. 
Erhard 115, 116, 126. 
Erpressungsmittel 65, 66. 
Erste Nacht 171, 254, 256. 
Erstgeburt 26, 27, 331, 333. 
Erzbischof, Bordeaux 153, 264. 

— Bourges 339-848. 

— Canterbnry 149. 

— Köln 10, 61, 115, 118, 120, 
126, 127, 153. 

— Lyon 9, 153, 246, 377. 

— Magdeburg 181. 

— Mailand 153. 

— Mainz 114. 

— l^arbonne 289, 290. 

— Paris 97, 148. 

— York 149. 
Esau 164. 
Escaeta 72. 
Eschaeta 81, 82. 
Eschenburg 11. 
Espeisses (d*) 204, 346. 
Essen 119, 120, 123, 124. 
Essex 87, 88. 

Estor 130. 
Estout de Goz 250. 
Esswaaren 246. 

Etablissements de S.-Loais 67. 
lätats gdndraux 56. 
]|tienne (8.-) de LaiUer 94. 
Etienne (8.-) de Nevers 843-846. 
Etr^pag 92. 
Etrurlen 190, 191. 
Etymologie 13-15, 62, 75, 76, 

95-97, 103, 104, 113, 125, 130, 

133, 241, 249, 292, 294, 829. 
Eu (Grafschaft) 95. 
Eugen TU. (Papst) 289*. 
Eugenius (Kön. v. Sohottl.) 204, 

206. 
Europa 19, 20, 189-212, 221-308, 

325-356, 369-379. 
Eustache (8.-) 148. 
Eutychius Patrioides 178. 
Evaristus (Papst) 152. 
Evenus III. (König) 1, 19, 107, 

110, 196-206, 289, 241, 244, 

253, 268, 369, 378. 
Evreux 2t>7. 
Ewers 42, 222, 260, 267. 



Excommunication 279, 289. 
Exörquia 296. 

F. 

Fabeln 176-180, 291. 

Fabliaux 53. 

Fälschung 266, 377. 

Fahne 39. 

Falke (J. Fr.) 116. 

Familie 118. 

Faria y 8ousa 808, 318. 

Farnstädt (Dorf) 131. 

Faucarmont 94. 

Favre (L.) 96. 

F^camp 94. * 

Fehltritt 67, 70, 75. 

Feldheim 354. 

Feldordnung 854. 

Feletto 28. 

Fellens 2, 286-288. 

Felters 234. 

Fenier 206-212, 369. 

Fercula 97. 

Ferdinand II. d. Kath 298-806, 

377, 878. 
Ferdinand IT. beider Sicilien 

851, 852. 
Fhre - en - Tardenois 252 , 258 , 

873. 
Ferma despoli foriada 293, 296, 

297, 299, 303, 304. 
Ferraris 151. 
Ferrette 80. 
Fdte du pot etc- 8. 
Feudalität 47-51, 226. 
Feudalcommission 161. 
Feudaltitel 265. 
Fianna Eireann 206. 
Fians 207. 
Ficker (Julius) 138. 
Figaro 2. 
Fincurroc 80. 
Finn (Fionn) Mac Cumhaill 207- 

209. 
Firma de espolio forzado 297. 

304. 
Firma de esposa forzada 293, 304. 
Firma d' espoli forzada 293. 
Fische 140. 

Fischer (Fr. Ch. J.) 40. 
Fischingen 68. 
Fiskerton 88. 
Flachs 114. 

Flandern 14, 24, 29, 57, 108, 104. 
FUchier (Bischof) 360. 
Fleisch 92, 94, 100, 102, 143, 

828, 843, 344. 
Fleta 84. 

Fletelter 2, 205, 206. 
Flintsfaire 72. 
Florinensis 108. 
Fodero (il) 15, 241. 
Förmlichkelten 65, 257, 259,806, 

378. 
Fohl 40, 41. 
Föns 102. 

For ▼. Morl&as 383, 884. 
For V. Ossau 834, .S37. 
Forbes 33, 814, 318, 819. 
Force (de la) 93. 
Fordun 200. 
Forismaritagium 66. 
Formariage 66, 67, 91, 98, 100, 

251, 252, 254, 327. 
Fors de B^arn 333, 384. 
Fougage 8. 
FoTiUe 94. 

Fränkische Könige 111. 
Franche-Comt6 255-268. 
Francisd 39, 314, 316. 
Franoo (Abt) 116, 126. 
Frankel 171. 



25 



n* 



Namen- und Sochregieter. 



Fcinlireliih I9,!0,aK, tl. ei-li 

ui-m. ZH-äüS. St5-8M. 
Fr4ni i. de DeulJ (Enb.) i 
Frani v, Harlii (Brib.) 148. 
Ftaaearvlil 13B. 



freuiin (E.-) tiS, SB- 
Fieste |La) 5i5, 
Preudengeld 133. 
rrcande ib, 38. 
ProTOinol |C. L. -t«) SM- 
FrUul 131 

Friüdea T. Iberntthl »■ 
Friedrloti I. BirUroitft Sie 
Frisdrhita III. tKaii«) lA, 



Oor^cli' 



Friedrich v. Rlndorp 11 



FrobndianiM SOO. 
TtBlctlansB 237. 
7 flnteDihum. OIbId 



eeGelz^huaj 90, 59, 1!7. 
aeirSuke ^. 114, ^' i(W, Itl- 



- EoiDAriiAqo isS- 

- HoueTlOD «9», S77. 

- Toggemnirg BEH. 

- Tuulouie 8«S-S9t. 



Qanmiatea tD. 
ÖBrbazDDlii 2.19. 
aargiUsio 9«S, a«4. 

fiarmade Cnulou 1, » 
Oarrlatnwn 40B. 
GttlOOCDfl 2sa, 868, 871 

ÖaBlon X. rhaehDS SB 
««"chillliis J34. 



OSltcruEe 195. 
ftokulnflllijl.'l'«. 



sheriof. Tai.'ana sai. 

Ornndiifrr 411, .54-iäs, £86-81 
' >ca 2, 64, m, 845. 

ialiipe k^ 29B. 






- und Sachregister. 



QDTDeniiilce ais. 
-äwitar-msrch«!! !*■ 



nrichl. (K. V. KstD : 
nrich III. (1. Eul.) t 
nrlcb VII. (t. Eogl.) 



Sfiyla7i.' 87s! S7S, 379 



! — Thomi» 
I - Th«r».r 
- Torquen 



Hui Im Thkl Oiu 

Hui (B.) IS5.I6T. 
Habletal (Diebil.) ( 



ä>dri&n ?Bp.l 59. 
B£b«Fllil G2. 
ninptltngoreiilit 3«- 4^ 



1 Hernb^chlJlIng 1114. 



I — BicliHn 180. 



Hallet (Orif), ■- D>1r;inp1>. 



lUloB (Al«i.) Sn-B 
imelarhiilier H. ^:< 
imelittliilc HXi 
oia n, ISG, IBI. 



iiiKlifjitg,41,»l,Sfi«. ! 



T JM. 



Hann 

Blraj» -211, 2)?. 

BirdDlii 1£>8. 

HirfOi» ttG. 
Bulai de Ckani'iUoi 
Hlrleil 114, 119, 121, 
Hisu 18». IS&. 
Wut, {K. B.) 1. 
HiwinaDlieT les-lTe. 



Hemklld Itift, 1 



Uerimano IA1. 
HerLotmn b. 



{ Ucrrllcbkelt IhoMnd. 

^vrrlialielin iO. 
. Bcrrsehafl (vgl. Barool 



' HrlÜtiliiiui »9-43.' 
I HettDo (Blicta. t. Hl 



. Hinijarlten l»B. ISS. 
I Hlndu-TSlIief SU. 
Hlnterlodlen «14 



I HlriiDgen HO. 

; llitloire deLäuiied««£B«-»l. 
Hlilolre de Honliiibsn SSa-iü. 
j HKloriHl da Jongleur 2, Mi, 



BaxiDtpuri 218, 


— Cliin 69. 


l&fl.|5e, SI8. .160. 








B*ll>»dt 30 


- FSre SM, 2M, 318. 


HüDhioilaoiebL bo, SM, 8S8. 








iifl, all. 


- Fo'vIUo w. 


Bodiieit.pEM« 140, 141. 










— Glaligni »4. 

- Oo»r»4_ 




Ha.er.rorl 187. 


Hocliieilinein 98, 94, 98, 100, 


Hailitl 86-89. 


— Oreal Tay SB. 




BebtrCEiBter S0|. 


— Herrllthelm SO. 


HShlenklöiler' 828. 


HaVrldsn len, iro. 

Heclnr Bocibiui lOT, 19«-»«. 


- =™^"^«„^, ^ 


Bootet B=ne. 66. 
Irlfkell !>e-«4, lei, 188, 884. 


— Hörbare »'S- 

— Horiepull 88. 


offnaar. (C. P.) S(», S14. 3J0. 
or»rlclil «1. 


■Ht=Av i^u m. 


- La Fttjo 84«. 


ofESrlckell ISl, 85T. 


— Uirl.i*rB.Dourd*l 218, 864. 




Heldealhnn 18, 280, »70. 


— Li Talhm 2äa 






_ LauDoy ID. 




Bei "dälk rti.' ' 


- Mareu'l S47.S49. 






- U.rg.ux ais. 


eilend ao, 10B.II8, 140, 144, 




- Uuntbraie 04. 




Belorlch (Abt •. Kelaol 80. 


- MoDlgniwrd «88, S8S. 


Holll'elD 128. 


Eelorlcb Abi t. Lie.born) HJ. 


- Horel»» 88 


HoUiQieDii tA.) 819, 880, 881. 


HelDTloh abt T. S.-Trond) 108. 


- HMt. {de ]a) 100. 






— Perilne «80-488. 




Heinrieb (Huri, v.firaunirli«,) 




Horberg 30, 159. »74. 






Horme/r {..) 43, 18«, 888. 


Helukh I. (Kalter) loa. 







390 



Nftmen- und Sachregister. 



Hortepoll 88. 

Hottorp 118. 

Hoaard 2, 68, 75. 

Howtl 68. 

Hoya 6& 

Habert 8. 

Hthner 94, 100, 114, 137, 8S5. 

HiniBfliof 117. 

Hfitteren 90. 

HaldifWifMid SCO. 

Hambreeoart (Mad. de) SSO. 

Haaior SM. 

Hand« 28&, 34«, S76. 

Hanaen (weisse) 212. 

Hanold 126. 

Hattorp 124. 

Hypothese^ 36-42. 

Haaakka, s. Ckaaakka. 

HarAri 17». 

I. 

Ibn-el-Athir 179. 

Ifa (Flass) 359. 

Iberiair ^2: 

Im 5eaeii Beiek 4. 

Imperial 134. 

iBch-Colm 202. 

Indianer 358-364. 

ladietion 232. 

Indien 24-27, 156-158, 212-221, 

312-324. 
Infalphas 89. 
Innes 201, 202. 
Innoeenxfest 341. 
Interdikt 289. 
Intestia 295, 296, 299. 
Inreoetby 82. 
loaes 314, 318, 319. 
loniseke Inseln IM. 
IrUnd 10, 20, 90, 91, t06-212, 

369 
IsabeÜa (Koni^) 297. 
Isehadowsky 356, 372. 
Islam 318. 

Isle de France 97, '.8, 141. 
Israeliten 163-176, 811. 
Itala 150. 
Italien 19, 23, 138, 139, 239-244, 

351, 352. 
Wo 151, 152. 
Irrea 23. 

J. 

Jaeob II. ▼. Scbottl. 81, 82. 

Jacob II L ▼. SckottL 82. 

Jaeob IT. ▼. Sehottl. 82. 

Jacobson 15, 153. 

Jadis 181. 

Jadanatbji.BritzratanJi322, 32S. 

Jägermeister «0. 

Jaffe 289. 

Jaine 2. 

Jallon-sor- Marne 141. 

Jalons 287. 

Jambafe 15, 54-56. 

Jatkrib 176. 

Jaacoart 1, 28, 205. 

Jehuda 164. 

Jelagin 225. 

Jellinek 171-174. 

Jemima 180, 182-184. 

Jerusalem 163, 168. 

Jesaiten 44. 

Joffridns 84. 

Johann I. (Biseh , Aoiiens) 273. 

Johann II. (dto.) 273. 

Johanii III. <dto.) 273, 274. 

Johann lY. Tdto.) 273, 274. 

Johann (Herz.) d. Gate 255. 

Johann (K5nif t Cnfl.) 286. 

Johann XXII. (Pa^Mt) 290. 

Johanna (Königin t, Cast.) 9. 



Johnson »3, 225w 

JoUf (Jalias) 27, 217, 218, 220. 

Jomard 4 

Jottflear (Historial da) 2, 285, 

286. 
Joamal des Mbats 3, 44. 
Jaan (8.-) de Abadeses 294. 
Jada Makkabias 171. 
Jadia 163, 164, 868. 
Jaden 163-176, 311. 
Jadenverfolfang 164, 368. 
Jingstfebart 27-Sf, S83. 
Jaente (Tic de la) 56, 294. 
JalUn (Kaiser) 167. 
Jalie 14, 22, 342. 
Jalias (Herz. Bmansekw.) 127. 
Jaminas 358, 35f, 363. 
Jangfempfeüig 134. 
Jangfemtribat 134. 
Jangfemzins 134. 
Jangfemzoli 134. 
Jangferschaft 38-40, 168, 214, 

215, 230, 360, 361. 
Janggeselten 140-146. 
Jongkolz 80. 
Jnris .158, 359, 363. 
Jas eaxandrae 245. 

— cojae 245. 

— connagii 14, 128. 

— eoxae locaadae 245. 

— eanagii 128. 

— cannagii 139, 245, 291. 

— eanni 14, 133, 291, 292, 871. 

— deflorationis 112, 128, 194. 

— faeaunamn 138. 

— Inxandae eoxae 14, 245. 

— marehetae 13. 

— primae noctis 14, 153, 159, 
173, 216, 324, 364. 

— primaram noetinm 351, 373. 

— Tirginale 21. 
Jast (».-) 144. 
Jastinas Martyr 224. 
Jatta I Aebtissin) 127. 
jBTeigiiearie 30. 

K. 

Kaaba 176. 
Kämmerer 123. 
Kammerling 116. 
Kämmerlingshdrige 123. 
Kaiser, CaUcat 221, 316, 818. 

— römische 167, 191, 192, 367. 

— röoL, deatscher Hat. 55, 103, 
l.?0, 151, 231. 

KalanUn 324. 

Kalmäcken 132. 

Kaaieraden 140-146. 

Kanonisches Recht 66, 281, 282. 

Kapaun 335, 336. 

KapeUe 115. 338. 

Kapitel 10, 62, 63, 269, 272. 

K«pitalarien 58. 

KapUn 250. 

Kardiestelgeld 134. 

Karl (hl.) Borroaüias 153. 

Karl YI. ▼. Frankr. 270. 

Karl Yli. ▼. Frankr. 290. 

KarsandiM Malji 322, SSS. 

Kasideh (himiarische) 186. 

Katharina (Konigin) 72. 

Katharinenfcirche (K9ln) 120. 

Katzenmasik 140 

Kaaf Ton Hörigen 63. 

Kayserllng 171. 

Kehlhof 354. 

Kekrops 40, 41. 

Kelnhof 355. 

Kelso 80, 81. 

Kelten 19, 31. 

Keltische Sprache 75, 211. 

Kemnaden 115. 



Kenana 187, 188. 

Kennedy iDr.) 89. 

Kent 29. 

Kephalonia 189, 190^ 3C7, 36«^ 

Kerzen 100, 141. 

Kestenholz SO. 

Kestner (H. B.) 13S, 245^ S1&. 

Kethabhoth 163-166. 

Keysler 107, 133, 134, 205, SSS^ 

Kibitz 179. 

Kiew 21. 223. 

Kimbern 31. 

Kincardinshire 8S. 

Kindliager 115-117,122,129, US. 

Kirche 21. 45, 46, 5S, 54. 

— morfenländisehe 149l 
Kirchen, Antwerpen KM. 

— Bssen 119. 

— Fritzlar 114. 

— eeraldimonte 105. 

— Hildesheim 126, ISl. 

— KesuMden 115. 

— Köln 113, 116. 
• Medebach 126. 

— Oberreiteaaa 61. 

— Soest 118. 

— Worms 114. 
Kirchenbann 289. 
Kirchenrecht 151-153. 878-288; 

302, 303. 
KirehL Yorschr. 79, 14C-15&. 
Kirktown 80. 
KUaenthaler 134. 
Kleinrasslaad 21. 
Kloster (vgL Abtei). 

— Adelberg 129. 

— Bloatiere 93. 

— Camp ISa 

— CarwaMea 229. 

— Dami^re 102. 

— Dinwald 121. 

— Föns 102. 

— Gaadalape 2f^ 

— Ladorade 22. 

— Limoges 101. 

— Kerers 343-346, 377. 

— Petershaasen &. 

— Sanct-Georgen 63. 

— Shonldham 86. 

— Tynemoath 88. 

— Utrecht 112. 

— Yoichardinehasen 126 

— Wridthorp 84 

— Tcolmkill 202. 
Kniasheje 224. 
Kochersberg SO, 155. 

Köln 10. 61, 113, 115, 117-120, 

126, 127, 153. 
König. Adyrmadbiden 88^- 1S9. 

— Arabien 178, 186, 187. 

— Aragon 293-306. 

— Bayern 129. 

— Böhmen 62. 

— Calicat 3S, 215, SlS-Slt, 3«3w 

— CastUien 293-306. 

— Decies 208. 

~ Deatschlaad 125. 

— England 58, 71, 72, 7t, 8S, 
87, 89, 197, 264, 266. 

— Franken 156. 

^ Frankreich 53, 54, 57, 67 
100, 151, 266, 278^ 286, 287» 
290, 325, S84. 

— HastinApnra 218. 

— HIra 188. 

— Irland 207, 369. 

— Leinster 207, 209. 

— Hnnster 907, 209. 
^ NaTarra 334. 

— Keastrien 287. 

— Palästina 176 

— Persien 167, 186, 187. 

— Peru 363, 364. 



Namen- und Sachregister. 



391 



Konig, Saba 176-180. 

— Schottland 76, 79, 81, 82, 
196-206, 369. 

— Sicilien (beider) 851, 352. 

— Spanien 144, 293-808. 

— Syrien 168, 174. 

— Tsiampa 214, 867. 

— Ulster 209. 

— "^'ales 68. 

— Temen 188. 

— Ziampa 214. 
Königin 378. 

~ CalicQt 33, 313, 315. 

— CastUien 9. 

— Ouienne 101. 

— Saba 176-180. 

— Schottland 77, 78, 82, 196. 

— Spanien 297. 
Königstochter 179, 212,315,821. 
Koppen (C. Fr.) 215. 
Kohlengrube 81. 

Kolb 5, 18, 16, 48, 44, 49, 51, 
52, 56, 65, 205, 226, 842. 

Konnagium 14. 

Konstanz 68, 147. 

Koran 179. 

Korteraar 109. 

Kortgene 108, 109. 

Kotsay 187. 

Kremer (v.) 186. 

Kreuzzeitung 5, 163. 

Kreuzzfige 80, 289. 

Kriegsrecht 20. 

Krishna 820, 321. 

Krone (Mfinze) 88. 

Kshetrajna-Sohn 219. 

Kuba 858, 861. 

Kuchen 98. 94. 

Kaster (vgl. Cnstos) 117. 

Kasterin 119, 124. 

Kuh 77, 78. 

Kuli scher 6, 10, 45, 129, 154, 
215, 226, 227, 230, 258, 260, 
293, 348, 351, 852, 858, 856. 

Kunicznoje 225. 

Kunigowanie 10. 

Kunitza 225. 

Kurdistan 309-811. 

Kurfürst 135. 

Kyburg 63. 

L. 

Läas in Ossau 384. 
Labessade (L. de) 4, 6, 44, 51, 

54, 65, 91, 205, 226, 259, 260, 

269, 284, 293, 325, 842, 846, 

351. 
Laborde 4. 
Laboulayo 65, 162. 
Lacabane 102. 

Lacomblet 10, 61, 118, 116-128. 
Lactantius 192-194. 
La Curne 96. 
Ladorade 22. 
Ladronen (Inseln) 364. 
Lärm 140, 141. 

Laferri^re (de) 4, 48, 52, 887. 
La Freste 328. 
Lagerbuch 129. 
Lagr^ze (B. de) 8, 293, 306, 307, 

382, 385-388. 
La Gr&ve 142. 
Laguenne 7. 
Labore 212. 
Laird 81. 

Lambert v. Ardres 100, 101. 
Lambert y. Wied 118. 
Landauer (S.) 16», 175. 
Landesangehörigkeit 159, 874. 
Land-Knecht 182. 
Landser SO. 
Landstände 127. 



Lanero 239. 

Langeraar 109. 

Languedoc 22, 102. 

Laon 104. 

Larivi^re-Bourdet 253, 254, 876. 

Laroche-Flavin 8. 

Lassberg (▼■) 358. 

Lassen (Chr.) 215, 219 

La Talhan 259. 

Laufhunde 285, 346. 

Launay 94. 

Lauraguois 8. 

Laurent (F.) 4. 

Laurentius (S.-, Meer) 117. 

Lauri^re 1, 205, 241-244, 252, 

258, 271, 842, 848. 
Lausitz 128, 226. 
Laval 2. 
Lavedan 102. 
Laya 78. 
Läyrewite 89. 
Leapta 21 L 
Le Bret 291, 292. 
Lechaud^ d'Anisy 250, 251. 
Le Constitntionnel 8. 
Le Droit 8. 
Legenden 151, 176. 
Leger-Oeldum 18. 
Leges Henrici primi 58. 
Legouv^ 4, 48. 
Lehnrecht 57. 
■ Lehnsanerkenntniss 91. 
Lehnsgebräuche 50. 
Lehnsverzeichnisse 91, 247. 
Lehnsvormundschaft 58. 
Lehnswesen' 21, 48, 79, 198, 225. 
Leibeigenschaft 47-51, 254-256, 

856 
Leichtgläubigkeit 206. 
Leinsamen 114. 
Leinster 206, 209. 
Lenormant 167. 
Leo XIII. (Papst) 45. 
Leonore v. Portugal 15, 55. 
Lcrch (Peter) 810. 
Lerche 51. 
Le Si^de 8, 44. 
Leslaeus (Lesley) 208, 201. 
Lesmahagu 80. 
Leu (H. J.) 229. 
Leu ('*.-) en Rethelois 144. 
Leviratsehe 218, 219 
Lex Longobardica 238. 
Lex Salica 288. 
Licenzgebahr 97, 128. 
Lichterauslöscher 810. 
Liebrecht (F.) 5, 6, 18, 42, 45, 109, 

180, 205, 218-215, 221, 227, 

249, 260, 283, 293, 295, 806, 

807, 310, 812, 838, 852, 853, 358. 
Lied 7, 142, 344, 346. 
Liedekercke 105. 
Lierwyte 89. 
Liesborn 116, 126. 
Lilienstern (v.) 178, 179, 181, 

187. 
LiUe 29. 
Limburg 136. 
Limnaeus 244. 
Limoges 101, 158. 
Limousin 22, 101. 
Lincoln 71. 
L'Ind^pendant du d^p. de Char 

inf. H, 4. 
Linschot 40, 314, 319. 
Lintiliano 289. 
Lippe 68. 

Lipsius 168, 171, 173. 
Lisines 141. 
Lithauen 10, 75. 
Littieton 31, 32, 85. 
Littr^ 4, 249. 
Liutfred (Herzog) 231. 



Lloret 294. 

Lobier 880- 84, 376. 

Löning 152. 

Lorsch 5, 58, 858, 856. 

Lösegeld 141, 204, 209, 292, 371. 

Löwen 107, 369. 

Logik 6, 28, 40, 307, 808. 

Lohempy 90. 

Loon (Q. V.) 111, 140. 

Lorn 82. 

Losschein 67. 

Lothar (Kaiser) 130. 

Lothringen 62. 

Loubet H38. 

Louvie-Soubiron 830-384, 387. 

Lucas (Patriarch) 149. 

Ludgardis (Pröpstin) 123. 

Ludwig (Kaiser) 231. 

Ludwig IX., der Heilige 53, 54, 

57, 151. 
Ludwig X. V. Frankr. 384. 
Ludwig XI. V. Frankr 290. 
Ludwig XIL V. Frankr. 325. 
Ludwig XVI. V. Frankr. 267,397. 
Lachow 136. 
Lüneburg 127. 
Lünen 121, 122. 
Lfinig 131, 245. 
L'Univers 8. 
Lüttich 158. 
Luxemburg 59 
Lyon 6. 163, 244-247, 878 , 877, 

378. 
Lyonnais 245. 
Lyrewite 89. 
Lyse V. Broicke 124. 

M. 

Maccä 286. 

Mackenzie 196, 201 -£08, 205. 

MacUy 824. 

Mäcon 9, 377. 

Macpherson (James) 208. 

Macpherson (John) 75-77, 79, 

197-199. 
Macquarry 83. 
Madrid 56. 
Märchen 176-180. 
Magdeburg 131. 
Magister 117. 
Magnaten 196. 
Mahäbhärata 218, 219, 821. 
Mahärdja 212, 820-323. 
Maidenrent 14, 68, 78. 
Mailand 153.. 
Mainmorte 162, 255, 257. 
Mainz 114, 181. 
Mesnil (G. de) 828 
Maisnil-les-Hesdin »27, 828, 374. 
Major (Joannes) 200. 
Makkabäer 168-176, 868. 
Malabar 83-36, 215, 216, 221, 

313-320, 365-367. 
Malakka 38, 324. 
Malcolm III. v. Schottl. 1, 79, 

107, 196-206, 239. 
Malivoir 2 
Malle (de la) 4. 
Mals usos 295. 
Maltaverne 286. 
Manasses (Graf) 99. 
Manco Capac 868. 
Mandelslo (A. v.) 34, 316, 817. 
Manrique, s. Marichalar. 
Manta 40. 
Mannthaler 185. 
Mantra 156. 
Manu 25, 217. 
MaoUheachlainn 209. 
Maracaibo 362. 

Marchese di Munferrato 240. 241. 
Marchet 86. 



Nftmen- und Sachregister. 



»sreuil lliA,f47-!4U, 



i. St», »«vmg BS. 



roiHillliiDiterJclit 
II dtmuUgB »I >t 



MsrkKtsf, Pro 
Kirkiroh .10. 



ZDutio llli«r.) I^S, I3>, 3«*, n 
Uflliolagle ST, 104, ISA. 



I Nach^baniB Söbns B 
Narhlhfuche 4Ü. 
Vlchllichl 19. 

< KSDhlwBiüig 350- 

I Mähr lil 9». 



Nambiirl« SIT, 818. 
Kamen t. Hclialhaftbc. ST, 
IIS. ISS-iSe, 13». 245, il 
HaphKli (Stamm) 14», Sil 



: Haih Coib gOT. 

1 Mohammsd ITB. 1!». 

HonddliiDit "OH, SIS. 
' Udü« it'r. J.) ilt. 
. XaatectUa ii, äid. Ml. 
: UnnrolBo 23. 223. 

UDna Aureolut 2M. 
; MonMDtiHn £40, ase-293, .iti. 



j Mnnltiiiirenijj 7 



NlB0lsa.lC>t S4I. 
I NIcderlamls {fraoE.) !0 



I Sle<ler«sch>en las. 
I Xiiia d«l)a Pults i 
; KobU (MäBie) TS. 



; SDidamerika ^3. I4i. 
. Nurditche Dlohtang II 



ll«gil1aili T. 
MddiliirsDK 



NnllinKhuiii iü. 
TSottgaet } fenU 295. 



IBddIuc 1!3, 

;uit> if«p[«i 



paraii;mpl 
I PJlraikara 



Obarbnjrsn 
OberhDf II' 



Ottnaat WcUtbuin) tS- 
Oekunom i. 
Ott (Hfinio) 61. 



■ — Puia ue, «9, 148, 1 

- S48.3in. »n. 

I - Touloin 8, lOS, an. 



; PI« nupllal Sl, «1, 97, 10! 






0'K«arnFY 2ü6-llg. 
Oliltnbuiieveldt lOS. 
«Idunbori ii. 
OJmtIi» 94, ia°. 310, S. 
Oln Ml -836, a7B. 
OIlvB (Nlmoa d') 34B, Sl 

OBatlla (FarulBatb.l 24. 
Orane-sikil a--i. 



'.t\ti (J. B. de) 23. 



FerfiiM (l'8ra«n) 280-838. 
plneMl-ill-ÄliiM 54. 



rrühklen ISO. 



Öinabrflek -08, 
Ciiun iThal) 93 , 1 
OulU WT, TOS. 
Oiilanln Soclely 2< 



Petpriablei (H«r>8liDrg) i: 



' PretiproinH sao-as». 



WtfUt 



I. «0.198,1«. IM, 
reiBciifi 298-aos, 



(inici) 308, SO», sei. 



Philipp 1. (Ertb. T, K61B 

' Philipp II. AntDit <T. Fr. 

Philipp III. dtr Kflbiw (• 

PhlUpp Tl. <T. Fr.) IIO, ' 
Philipp II. (T. Bp.) 144, ! 

I Phllli|)l (OBor^) 1(1, 140. 



PspahroMk 44, «04, 



Prüpiiln tEttDD) 123. 
: PPoniDeiiii IM 

: PtDpit «1. lue 



394 



Namen- und Sachregister. 



^' 



Quastor 133, 169. 

Quere! (Le) 102. 

Qnerfnrth 131. 

Qnettaox 381.834. 

Quilon 318. 

Quintaine 7. 

Quinzano 239. 

Quirinstift (Keast) 114, 128. 

Qaitzow (Ritter) 39. 

Quix (Chr.) 119. 

R. 

Rabba 166-168. 
Babbi Hoschaja 164. 

— Jehada ha-Nasi 165. 

— Simon ben Joohai 171. 
Radnorshire 73. 
Bacpsaet (J. J.) 2, 140, 208. 
Bagot (Gabriel) 346-349. 
Bagaeau (Fr.) 204, 243. 
Baguel 149, 150. 
Raimund (Bischof) 289. 
Raimund Des Yertus 287. 
Raja 218, 818. 
Rambures 328, 829. 
Randinus 275. 

Raotti d'Iyry 250. 
Raphael (Erzengel) 149, 150. 
Rapp (Joseph) 237, 288. 
Rappoltsweiler 30. 
Raptus foeminae 9. 
Rät Lil4 321. 
Ris Mandalis 321. 
Rasmussen 184. 
Rastelli 2, 240, 241. 
Ratherius (Bischof) 149. 
Raub (in der Schweiz) 63. 
Rauchfang 225. 
Ravensberg 68, 135. 
Ravenstein 228, 371. 
Raymund (Saint-Oilles) 289. 
Raymund Y. (Toulouse) 289. 
Raymund YII. (Toulouse) 290. 
Raynal 8, 22, 50, 342. 
Reallasten 301. 
Rebais 2 2. 

Rechnungen 135, 247, 249. 
Rechnungshof Cfranz.) 95. 
Rechtsbfioher 53. 
Rechtsgemeinschaft 375 
Rechtsinstitution 21, 51. 
Rechtspflege, Mittelalter 384. 
Rechtsübertreibung 306, 354, 

355. 
Rechtung 355. 
Rector 1.24. 
Reddemund 68. 
Rees 61. 
Reewijk 100. 
Regal de mariage 100. 
Regality 81. 
Regards 91. 
Regensburg 62, 151. 
Regiam Majestatem 76-78. 
Regino (Abtr 152. 
Rehtmeier (Ph. J.) 180. 
Reichenau (Abtei) 63. 
Reichenweier 30. 
Reitschoss 136. 
Rejah 183. 
Relief du bail 380. 
Religiöse Yorschriften 146-158. 
Remen^a 293, 295, 296, 299. 
Remlingrath 118. 
R^musat (A.) 214. 
Renauldon 2, 18, 23, 205, 

206. 
Rente 299. 
Repret 255-258. 



Resch-Metibta 166. 

Respit 98, 99. 

RetcliiTe 3. 

Rethelois 144. 

Reuter (Fritz) 22. 

Rewijk 109. 

Reyal Consell t98. 

R«ygersberg 108. 

Reynitzsch 43, 129, 343. 

Rheims 144. 

Rheinland 113. 

Rheinpfalz 29. 

Rhoon 109. 

Richard I. t. Norm. 250. 

Richard II. ▼. Norm. 286, 287. 

Richard III. (Abt) S60. 

Richebonrg 100. 

Rtgr 195. 

RtgsmAl-Lied 194, 195. 

Rikelindis 119. 

Rikildis 113. 

Rimbach SO. 

Rind 76, 338. 

Rindorp 120. 

Rio Iqa, 359. 

Riquier (S.-) 98, 828. 

Rishi 219, 321. 

Rituale 146-148. 

Riye 68. 

Rivi^re-Basse 333, 834. 

RJnmin 223, 225. 

Robert 11. v. Frankr. 287. 

Roohholz 228. 

Rodenrys 109. 

Rodulftts (Abt) 106. 

Römer 19, 47. 

Römisches Reich 190-194. 

Römisches Recht 29, 845, 847. 

Rösch 173, 178, 179. 

Rogerson 82. 

Rogerns de Hoyeden 199. 

Regier Ad4 251. 

Romag^no 138. 

Romane 2, 286-288. 

Romanische Sprachen 268. 

Roon 109. 

Roquefort 205, 348. 

Rosselion 295, 877. 

Roth (Abtei) 63. 

Ronen 286. 

Rovere (della) 239, 372, 873. 

Ruderbach 30. 

Rudolph V. Guines 99. 

Rudolph I. V. d. Pfalz 135. 

Rue (in Ponthieu) 99. 

Rückfallsrecht 162. 

Ruf ach 30, 159. 

Rugua 327. 

Rupien 328. 

Russland 20, 21, 29, 221-226, 

855, 356. 
Rutgerus (Custos) 122. 
Rutgherus 124. 

Ruthart (Erzb v. Mainz) 114. 
Rutscherecht 184. 
Rymer 71, 72, 82. 
Rig-Yeda 156. 

S. 

Saba 176-180. 

Sabanao (G^raud de) 102. 

Sabia 211. 

Sachau (Ed.) 174. 

Sachelay 155. 

Sachsen 130, 133. 

Sachsenspiegel 68, 180, 158. 

Saoy (de) 178, l8l, 187. 

Sanfte 102. 

Sagen 1, 23, 110, 189, 168, 169, 

188, 208, 218, 292, 387, 865- 

373, 379. 
Said Ibn Ahmed 188. 



Saint-Amans 259-267. 

Saint-Fargeau 293. 

Saint-Foix 64. 

Saint-Gilles 289. 

Saintonge 101. 

Saint-Riquier 828. 

Säle (G.) 182, 205, 206. 

Salisbury 146. 

Salis ▼. Marschlins 851. 

Salis (v.) -Seewis 229. 

Salland 120. 

Salomon (König:) 176» 178. 

Salt (Th.) 89. 

Salz 100, 102, 129, 157. 

Salzburg 355 

Säma-Yeda 156. 

Samhair 207. 

SaqihitA 156. 

Samorin 221, 317, 818. 

San Domingo 868. 

Sanskrit-Litteratar 216. 

Sapor I. (Persien) 187. 

Sapor II. (Persien) 167. 

Sara 149, 150. 

Saraad 70. 

Sark (GouTemeur) 367. 

Sarmishthi 321. 

Satrap 167. 

Satya Prak4sh-822. 

Satyayatt 219. 

Saucei 98. 

Saud&sa 219. 

Sanlgau 147. 

Saulx 100. 

Sausse (Matthew) 823. 

Sauveterre 334. 

Savoyen 242, 243, 371. 

Schaffner 5, 48, 49, (»6, 267. 

Schaf 83, 353, 854. 

Schagen 109. 

Schäpür 167. 

Soharachil 178. 

Scharahbil 176. 

Scharwache 350. 

Schauspiele 2. 

Scheidung 168. 

Schelling (P. ▼. d.) 109, 205, 

225, 816, 818. 
Schenkungen 63, 114. 
Scherr (Joh.) 5, 48, 51, 56, 205, 

221, 227, 852, 858, 856. 
Scherz 254, 262, 827, 829, 882» 

333, 353, 354, 876. 
Schiedsurtheil 9, 10, 62, 102, 

182, 298-806, 377, 378. 
SchiiTahrtsberichte 818-819. 
Schinken 92, 829. 
Schlacht, Arabien 181, 184. 

— Cnamhros 207. 

— Gabhra 206-212, 369. 

— Yillisur 229. 
Schlafgemach 146. 
Schlegel (A. W. ▼.) 11. 
Schlegel (Fr. ▼.) 317, 897. 
Schlözer (▼.) 222-225. 
Schmähung 323. 
Schmeller-Frommann 141. 
Schmid (Fr. X) 146-148. 
Sohmid (R.) 87. 
Schmilg (Joseph) 170. 
Schmitz (▼.) 226, 227. 
Schöffen 278. 
SohöiTenregister 160. 
Schöne Frauen 39, 227. 
Schönwerth 155. 
Schotelen-spyse 140, 144, 146* 
Schotelmann 123. 

Schottel (J. G.) 128. 
Schottland 1, 18, 19, 68, 75-88» 

196-206, 369. 
Schreckenberger (Mfinse) 182. 
SchOrzenthaler 186. 
Schfirzenzins 186. 



Namen- und Sachregister. 



sciiDi<«Bi (i.) 178, lee. 

Scbullbclii 121, »4. 
Bchulit HS. 

Ssbulti ,A.) M. I 

EcbiKben 12». Hl. I 

BnkvambeiBdOTf «I, IlT, IIS. | 
Bctiwelneiflilinkfta Hi^. 
Scheel! SA, tu, gt, MS'ltO, I 

3fi2-llfi!l. 
Bchvenek <K.) n. i 

Bchvert IH\, lUL, üflS. 
ScbixiCeriotin (Erb«) Sl-M. 



Bpitl« 


, S. 




















(1).)» 



TsIboTt Wheelar a 



. Stidie U. »S. 9. Itl. tu, «SB. I 
I 6IKnileiDii[eri(ihied *0. I 

; Slalularreebt 69. 
BtMhfFotshan ISO. i 



bS-tUisV.™"- 




BUJxIclmaldar (M.) 


ISS, 178, 


1 lauah ,. Hörl 


Seib*rl> (Balberl) 11», 


S, W«, 


ISS. 186. 188. 
Steniler m, 1«S. 




THe'n H8 216 






Stapf S41. 




, Tamuel irä. 




SlapbM (S.-), Sloita 
Stapban J, 18, «OD. 


r»*». 


! TcnaticrliD Dl 
; Tandan* IH. 1 










1 TanBriffs B08, 










Te.m 188. 


- aulenoe tii-iH 




Stift KeauiBis ST. 




TaMomn 81. 


— iimOBiln 101 




— CadUUc tSS. 




Th»n 71. 


BMinlielin 3(1. 




— ciiiida (S -) au-tts. 


1 Th*iiii 161. 


ititt 4t fanauitge H 


U4 


— Eiian 120, It». 




! TbaUang t. Ho 


Benieni It-lS. 




- Frllilar 114. 






SanlD (L.) 341-3411. 




— KöId IIS, HS. 




1 Thaodor 14». 


SeTariniklrcbc {KAInl 


IS. 


— Uulnln (B.-) CS 




] TUarr, (A.) 


BElllDb SholBli SO«, to 
sEnktpura lO-LE. 




- Nan» l|4. 




Tbonu (Abt) 


Sbirabbll n«-lBO. 








: ThomiiHln MS 


SburkDle HS, £ia. 




— StapbaB(8.-) 11« 




; Thomlraj 100. 


Shanldbim sa. 








. Tharey ». 


Sbreoibnr; SB, «4, §e. 




— 1^1°"^. 




IfS^XTTJ" 


SlblrlOD 132. 








nolll« ISS. 
Blekia 1S7. 




SUfttkinhcB HS. II 


, IIB. 




Bliol. (L.) i. 4*. 








Tire-Tatw T. 






Tirol 1«, 141, 


8lRl1l( (A.) SS, IM. 
Bl.,0» (Pairo) 8«I. 




ISr" "'■ 




Tltionl 28. 




Strtfen BJ. SS, 70, I 




Tobt» ITB. 187 



, Strallbiie H7. 148, IS», S 



SuctiunitieD»tri.Fe 8< 



,m^tT (J. Fr. J.) 1 



SpUian 13, 20, i9, IS», 1 
2ÜS-S0B. 97 7 1 STS. 



Suldwljk 10». 

, Bulibaoh SO. 
. SnriDi l»e, 201, HM. 
Süiqaebana 141. 

! BStru IM, Ift7. 

; BilsioilKH-lEDraiiiit IK, 314. 

I B Hamms rda<n IDU. 

ajlvMler (Abi) aau. 
, ajl.Hn (A.)M, lil, 
, fifaibolJicIie Bindlung SS, ISS, 



■i>ria ]fi8, 171. 

tljai. 320. 

llDUK 8, 101, S8»-M2, SU. 



I Trop 95. 
TiUinpa 214, .1 



miMU ISO. ; TuTjol ü 



396 



Namen- und Sachregister. 



ü. 

Uda 119. 

Udo 118, 181. 

Ueberlieferang 21, 218, 291, 

887. 
Tleberreste Sil. 
TTlitaos 364. 
TTUo« 363, 364. 
Ulster 206, 208, 209. 
Ulva 88. 

Umarmung 249, 376. 
Umeira 176. 
Umwandlung 64, 65, 68, 98, 

99, 298, 294, 811, 870, 871, 

37'. 
Ungarn 21, 187. 
UngenoBsen 60, 66. 
Univers (L') 8. 
Universität, Aberdeen 198. 

— Bonrges 841. 

— Paris 198 

Unterhaltangfssehriften 2, 8. 
Unzttchtstrafe 14, 67, 70, 75, 

346, 349. 
Upspringelgeld 186. 
Urbeis 30. 
Urkunden 378-878. 
Urtbeile 7, 8, 20, 53, 98-102, 

145, 148, 256-284, 293-306, 

839-351. 
Uruguay 8. 
Urzeit 18, 36, 41. 
Usatges de Barcelona 295, 299. 
Usatioi Barchionenses 295. 
Uschaja 165. 
Utrecht 112. 

V. 

Yadimonium 103. 

Yaishnava-Sekten 820. 

Yalenciennes 29. 

Yalentia 152. 

Yalerius Maximus 190, 191. 

Yallabhichäris 320. 

Yallabhdohärya 822. 

Yalladolid 140. 

Yallein 4, 16, 52, 840. 

Yalperga 23. 

Talsngana 281. 

Yannozzi 204, 289. 

Yarin (Loys) 7. 

Yamhagen (J. ▲. Th. L.) 126. 

Yarthema '32-36, 318, 814, 318, 

319, 365. 
Yartoman 83, 318, 314. 
Yasall 56-58. 
Yasco di Oama 818. 
Yasishtha 217, 219. 
YAsishtha 218. 
Yaterreoht 36. 
Yatz 22-230, 871. 
Yaudeville 2. 
Yeda-Litteratur 216. 
Yedas 156. 

Yelt (8.-, CorTey) 116. 
Yenezuela 858, 862. 
Yeräussernngsrecht 302. 
Yerbrüderung 62. 
Yerdü 294. 
Yeremundus 202. 
Yergeltung 368, 379. 
Yersrilius (Pol.) 200. 
Yerhuefen 316. 
Yerleumdung 291, 328. 
Yerlobung 163. 
Yermnthungen 8, 227, 249. 
Yerona 149. 
Yerson 250-252. 
Yerthema 33. 
Yertomannus 38. 



I YertrSge 68, 64. 

I Yerttts (Des) 286-288, 371. 

I Yerwandte 15, 38. 

Yeuillot 3, 52, 244, 266, 267, 
291. 

Yezier 176. 

Yicekansler 298. 

Yioennalien 198. 

YicenzC 231-836. 

Yicitravtrya 218. 

Yicomte 250. 

Yicomt^, B6arn 334. 

— Pont-Audemer 94. 

— Yire 94. 

Yictor (8.-*, Karseille) 22. 

Yidame 286. 
, Yieh 76, 77. 83, 138. 

Yiehzncht 30. 

Yielweiberei 196. 
• Yienne 9. 

Yierling (Mfinze) 127. 

Yignau (du) ."35. 

Yülanueva 294. 

Yillanum socagium 84. 

Yillenagium 84. 

Villeneuve-sur-Lot 68, 354. 

Yillepinte 8. 

Yillequin 277. 

Yin du couiilage 148. 

Yin du mariage 148. 

Yire 94. 

Yische 23. 

Yishnu 217. 

Yitet 4 

Titoduranus 229. 

Yltry 142. 

Yooabulaire (Orand) 2, 205, 
251. 

Yöklingshofen 30. 
; Yoet 112. 

Yogt 104, 232, 355 

Yogteien 30. 

Yogthemd 136. 

Yolchardinchusen 126. 

Yolco 120 

Yolksglaube 21. 

Yolksrecbte 53. 

Yolkssage 863. 

Yolkssitten 155. 

YoUwort 127. 

Yolsinii ICO, 191, 367. 

Yoltaire 2, 15, 44, 51, 52, 55, 
56, 148, 205, 242, 257, 258, 
268, 345, 346, 348. 
! Yorhura 10. 

Yorurtheil 231. 
I Yoshol 109, 110. 
i YuJgata 150. 
I Yy&sa 219. 

i w. 

j Wachs 114. 

I Wachszinsrecht 61, 113, 115, 
17, 120-122, 124, 126, 127. 
Wächter (J. O.) 2, 133, 136. 
Wahlrecht 92, 211, 253, 282, 

283, 305, 381, 332, 353-855, 

377. 
Waltz (G.) 3, 58, 116. 
Waitz (Th.) 18, 20, 357-360, 

363, 364. 
Waleiodurum 103. 
Walckenaer 308. 
Wald (Kloster) 231. 
Waldeck 126. 
Waldmünchen 155. 
Wales 20. 67-75. 
Walter (Perd.) 5, 854. 
Warwick 59 
Wassiltschikow 356. 
Wassiors 103. 
Weber (in Dreux) 142. 



^ 



Weber (A.) 55. 155, 174, 320. 

Weber (B.) 831, 88«. 

Weber (G M.) 39. 

Wechsel (in der SehweU) 63. 

Weibergemeinschaft 37, 41. 

Weihrauch 146. 

Weihwasser 146-148. 

Weil (GnstaT) 176-180. 

Weiler (iift Elsas«) ^. 

Wein 92. 94, 98, 100, 108, 

142-144. 348, 344 
Weinhold 5. 47, 281, 286, 267, 

852. 
Weisthümer 61, 118, 858-355. 
Weizenbrot 92. 
Welsch (I. B.) 47. 287. 
Wendinnen 130. 
Werden (Abtei) 61. 118, 128. 
Werdenberg-Sargana 289. 
Werenswidis 119. 
Westfalen 29, 88, 113-128. 
Westindien 312. 
Westphal (E. J.) 18, 66, 128, 

13.H, 225. 
Wettolsheim 159. 374. 
Wetzlar 10, 227. 
Wheeler 35, 219. 818. 
Whitacker 75, 197, 203. ' 
Wibaldus 115. 
Wicboldtts 115. 
Wichmann (Abt) 117. 181. 
Widah 39. 

Wied (Lambert v.) 118. 
Wiedehopf 176-180. 
Wiedensohlen 30. 
Wigand (Paul) 126, 131. 
Wilhelm (Bischof, Paris) 9. 
Wilhelm 1 V. v. Cambray ( Erzbn 

Bourgesl 341. 
Wilhelm III. (Graf. Ponthieu) 

9 S27. 
Wilhelm I. (König, Engl.) 79, 

83. 
Willibald (Abt) 115. 
Willielmus Malmesburiensis 

199. 
Wilzhut 855. 
Windhunde 285,^846. 
Windisch 206, 208. 
Win.«peare 138, 161. 
Winterthur (Job. ▼.) 229, 280. 
Wiricus (Abt) 60, 61, 105. 
Witteisheim 30. 
Witz (juristischer) 354. 
Wivenhoe 87. 
Wolbero 115. 

Wolf (Ferd.) 298, 306, 307. 
Wolfenbfittel 268, 264, 266. 
Wolhynien 21. 
Wridthorp 84. 
Württemberg 29, 129. 
Wuttke 5. 
Wyvenho 87. 

X. • 



I Xaintonge 100. 

! Xanten 61. 

I Xivrey 3. 

i Xorquia 295, 2£6, 299. 

i Xuminas 359. 

Y. 

Yajur-Yeda 156. 
Yäjnavalkya 217- 
Yaydti 321. 
Yoolmkill 202. 
Yemen 178, 180-188. 
Yncas 40, 363. 
York 146, 149. 
Young 10. 



Namen- und Sachregister. 



397 



Yupuri (Fluss) 859. 
Ynrua (Fluss) 359. 
Yutai (Fluts) 859. 

z. 

Zamorin 318. 
Zauberärzte 857, 85 S. . 
Zedier 205. 



Zeeland 109, 140, 816. 
Zeit der Gefahr 165-168. 
Zeitungen 3, 4, 822. 
Zellenberg 80. 
Zeugenverhor 80. 
Ziampa 214. 
Ziegenfell 118, 121. 
Zinsbuoh 833, 834. 
Zobel 64. 
Zöller (Dr.) 155. 



Zöpfl 5, 65, 854, 356. 
Zarioh 63, 353, 354. 
Zfitphen 112. 
Zuidwyk 109. 
Zulu 29. 
Zunft 129. 
Zwammerdam 109. 
Zweitgeburt 24-27. 
Zwingherren 228. 



Berichtigungen nnd Nachträge. 

Auf S. 6, in Anm. 2, ist 25 bis 84 (statt 85 bis 44) zu lesen nnd hinzuzusetzen: Was bei 
Delpit 8. 53, 54 unter Nr. 24 erklärt wird, ist auf 8. 21 unter Kr. 24 bis 33, also auf zehn Num- 
mern, vertheilt. 

Auf 8. 7, in Anm. 1, ist im ersten Satz zu lesen: Nr. 17, 22, 23, 8. 52, 58 (statt Nr. 17, 
8. 51 und 128), und in der dritten Zeile: drei (statt zwei) Herrschaften. 

Zu 8. 56 Anm. 8 vgl. die Plaintes, dol^ances et remontrances du tiers-^tat du Bailliage de 
D^joA Y. 1789, chap. 1, art. 68 (Arch. parlem. Bd. 3, ▼. 1868, 8. 134): „Que le droit dUndire, celni 
de jambage ou ceux qui le remplacent, celui de guet et garde, de mainmorte, et tous ceux qui 
en r6sultent, sous quelques titres et d^nominations qu'ils existent, seront abolis.** 

Zu 8. 56, 57, Anm. 5, ist hinzuzusetzen: Denkbar ist auch die Ableitung Ton scotto 
(Zeche) oder von scotum (Schoss, Abgabe). 

Zu 8. 60, Anm. 1 vgl. Urk. -v. 1086, bei Quix Nr. 61, Bd. 1 8. 48: . . . „Cum pari sno absque 
lleentia, cum dispari per licentiam matrimonium ineat.** 

Zu 8. 60, Anm. 6 und 8. 61, Anm. 1, vgl. die Elnzelbestimmungen über Heirathen von 
Ungenossen im Hofrecht des Amtshofes zu Loen, namentlich §§ 38, 40, 47, 59, 67, 77, 85, 95—97, 
100, 102, 108, bei 8ommer, Beilage 54, 8. 160—180. 

Zu 8. 61, Anm. 1, vgl. den Paderborner Synodalbeschluss v. 1262, bei Sommer, Beilage 87, 
8. 128—125. 

Zu 8. 63, Anm. 8, vgl. die ürk. v. 1020, bei Quix Nr. 58, Bd. 1, 8. 42. 

Zu 8. 100, unter Poitou, muss es heissen: Ardres statt Ardes. 

Zu 8. 101, Anm. 1, ist hinzuzusetzen: Diese Urkunde, deren Zeitalter bei Ducange nicht 
«Bgegeben ist, habe ich in Heller's Ausgabe vergeblich gesucht. 

Auf 8. 153, Zeile 8 von oben, ist 1586 statt 1538 zu lesen. 

Zu 8. 154, hinter dem Citat aus Buchmann, ist einzuschalten : Nach Bonnem^re (2. Aufl. Bd. 1, 
8. 301) erklärt sich diese den NeuTermählten durch den Klerus auferlegte Verpflichtung theils 
AUS Neid (weil der Klerus seinerseits zufolge der gegen Ehebruch erlassenen Strafgesetze auf 
Ausübung seines ^droit de markette" verzichten musste), theils aus Gewinnsucht (weil die Geist- 
lichkeit auf XJebertretung ihres Gebotes und auf Verkauf der Sündenvergebung spekulirte). 

Zu 8. 203, Anm. 5 (und anderwärts), ist Lesly in Leiley abzuändern. 

Auf 8. 218, Zeile 11 des Textes von unten, ist Bharata statt Bhärata zu lesen. 

Auf 8. 239, Anm. 1, ist Yannozzi statt Tanozzi zu lesen. 

Auf 8. 267 ist der zweite Satz (von ^Danach** bis „45 Jahre alt wurde'') zu streichen, weil 
darin übersehen ist, dass Delpit 8. 99 vom Jahre 1818 spricht, und weil schon vorher der in der 
Bevolntionszeit aufgehobene Orden des hl. Ludwig durch Ludwig XTI. wiederhergestellt war. 
(Die Viederaufhebung erfolgte erst im Jahre 1830.) 

Auf 8. 272, Anm., Zeile 7 von unten, ist Parisius statt Parisiis zu lesen. 

Auf 8. 276, in der zweiten Zeile der Anmerkung, ist Judicium statt judicatum, und in der 
neunten Zeile fins statt fines zu lesen. (In derselben Anmerkung finden sich ausserdem mehrere 
orthographische Ungenauigkeiten unwesentlicher Art.) ' 

Auf S. 295, in der vierten Zeile von unten (im Text) ist Constitutions statt Constitutione! 
XU lesen. 

Auf 8. 317 ist die Anm. 4 dahin abzuändern: Dieser Kapitän Alexander Hamilton ist nicht 
xn verwechseln mit dem Sanskritforscher gleichen Namens (geb. 1765, st. 80. Dec. 1824), dem 
Lehrer Friedrichs v. Schlegel. 

Auf S. 342 ist die Anm. 7 dahin zu ergänzen: Dalloz Dict. Bd. 1 8. 86. 

Auf 8. 353, Zeile 11 von unten, muss es heissen: Y^ iiij d statt Y ß iiij &, 



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